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Gewalt

Polizei und Sexismus: Erfahrungen mit den Vertreter*innen der Exekutive

08.04.2012, Jana Ballenthien und Kathrin Ganz

Im Kontakt mit der Polizei müssen Menschen aller Geschlechter unverhältnismäßig häufig sexistische Situationen erleben. Sei es in Fällen, wo eine*r sich Hilfe suchend an die Ordnungshüter auf der Wache wendet oder im Rahmen von Personalienfeststellungen, Ingewahrsamnahmen oder Festnahmen. Wir dokumentieren in diesem Text Erfahrungen, die wir und Freundinnen von uns gemacht haben, und beschreiben die Schwierigkeit innerhalb dieser Situationen zu intervenieren oder im Nachgang einen Umgang damit zu finden. Die Falldarstellungen könnten bei Personen, die ähnliches erlebt haben, möglicherweise triggernd wirken.

Unsere Freundin Tiffy arbeitet mehrmals in der Woche in einer Kneipe. Wenn sie abends arbeitet, wird es meistens 4 Uhr, bis sie nach Hause kommt. Unter der Woche ist die Nachtbusanbindung schlecht, aber der Weg ist zum Glück nicht allzu weit. Tiffy genießt es, nach der anstrengenden Schicht nach Hause zu laufen und dabei Musik zu hören. Eines Nachts sieht sie einen Mann in einem Hauseingang auf der anderen Straßenseite stehen, der sich an seinem Hosenschlitz zu schaffen macht. Sie rechnet damit, dass er sich dort erleichtern will, aber dann dreht er sich in ihre Richtung. Ein Exhibitionist. Sie geht erschrocken weiter und rechnet nicht damit, dass er ihr folgt. Plötzlich spürt sie seine Hand auf ihrer Schulter. Er steht hinter ihr, berührt mit der anderen Hand sein Glied. Sie entreißt sich ihm und rennt panisch und über Umwege nach Hause.

Zwei Tage später begleitet eine von uns sie zur Polizei. Sie wäre zunächst gar nicht auf die Idee gekommen, den Vorfall zu melden. „Du hast Recht, vielleicht ist es gut, Bescheid zu sagen.“ Wir gehen zu einer Polizeiwache in der Nachbarschaft. An der Empfangstheke stehen wir einem Polizisten gegenüber, der etwa 25 Jahre alt ist. Er möchte wissen, warum wir da sind. Tiffy kommt ein bisschen ins Stocken. Es ist merkwürdig, einer fremden Person von diesem Erlebnis zu erzählen, dass nun gerade anderthalb Tage her ist. „Vorgestern Nacht, sagen Sie? Und warum kommen Sie dann erst jetzt? Das kann ich nicht verstehen, da können wir doch jetzt auch nichts mehr machen. Und wenn Ihnen das in der X-Straße passiert ist, ist dafür auch eigentlich die Wache im anderen Viertel zuständig. Aber jetzt ist es eigentlich eh zu spät.“ Das sitzt. Ich bin fassungslos und muss mich zusammenreißen, um dem Polizisten mit einigermaßen ruhiger Stimme zu sagen, dass er Tiffy jetzt nicht auch noch Schuldgefühle einreden soll. Er ist irritiert, fühlt sich sichtlich ertappt, entschuldigt sich und beschließt, erstmal bei der Wache im Nachbarviertel anzurufen, um sich zu erkundigen, ob die noch von anderen Fällen in der Nacht gehört haben. Die wissen aber nichts. Er wendet sich wieder an uns, sichtlich verunsichert, was er jetzt tun soll. Es sei wichtig, dass Tiffy den Fall zu Protokoll gibt. Dazu müsse sie aber in die andere Wache gehen, am besten an diesem Abend noch. Oder nein, wir sollten mal eben warten. Er verschwindet in einem Büro und hält Rücksprache mit einem Kollegen. Dann kommt er zurück und sagt, dass er den Fall an Ort und Stelle zu Protokoll nehmen wird. Dazu setzt er sich mit Tiffy hinter eine halbe Wand im Empfangsraum, wo ein Rechner steht.

Von meinem Platz auf der Wartebank kann ich das Gespräch zwischen den beiden mithören, wie im Übrigen auch alle anderen Wartenden. Ich nutze das aus, um ein paar Notizen über den Verlauf des Gespräches zu machen. Es dauert lange, bis der Polizist das Protokoll aufgenommen hat. Immer wieder kommt er davon ab, Tiffy Fragen zum Tathergang zu stellen, und verfällt in einen belehrenden Ton. Sie hätte sofort die Polizei rufen sollen, denn wer wüsste, was der Kerl als nächstes macht. Und die Polizei könnte ja nicht überall sein, „sonst haben wir am Ende wieder die ganze Zeit Demos gegen den Überwachungsstaat.“ Es sei auch ungünstig, dass sie Kopfhörer getragen hat, weil sie so nicht verstehen konnte, ob der Exhibitionist etwas zu ihr gesagt hat. Tiffy bleibt souverän, sogar als er sie fragt: „Was macht eine junge Frau um diese Uhrzeit eigentlich nachts allein auf der Straße?“

Was hier passiert ist, ist eine allzu häufige Form gesellschaftlich geduldeter sexistischer Verhaltensweisen. In diesem Fall sind sie darüber hinaus eingebunden in eine Situation ohnehin schon ungleicher Hierarchien und Abhängigkeitsverhältnisse. Tiffy braucht viel Mut und Selbstbewusstsein, um sich als Betroffene zu outen, und das gegenüber einer männlichen Person in einer staatlich verankerten Machtposition. Das Image vom Freund und Helfer fällt uns ein; ein galgenhumoriges Lachen bleibt uns im Halse stecken. Als sei es nicht schon genug, der sexuellen Belästigung ausgeliefert zu sein, geht es in der Wache einfach weiter. Zum einen geht es hier um victim blaming: Die Verantwortung auf das Opfer schieben. Sich selbst nicht zuständig fühlen aus der Unfähigkeit heraus, den eigenen Job richtig zu machen. Zum anderen zeigt sich der Sexismus des Polizisten, wenn er deutlich macht, Frauen seien von Natur aus gefährdet, brauchten Beschützer oder sollten besser gleich zu Hause bleiben.

Als politische Aktivistinnen sind wir entrüstet, aber hatten auch nichts anderes von der Polizei erwartet. Machen wir doch selbst das eine ums andere Mal sexistische Erfahrungen im Umgang mit der Polizei. Als wir später Freund*innen und Bekannten von der Situation erzählen, sind alle entsprechend schockiert. Doch es geht ihnen wie uns, und sie schütteln sogleich ihre sexistischen Erfahrungen mit der Polizei aus dem Ärmel. Im Gegensatz zu Tiffys Erlebnis auf der Wache, bei der der Polizist in erster Linie einen unbeholfenen Eindruck machte, zeugen ihre Erfahrungen von bewusst angewandtem, offenem Sexismus. Eine möchten wir hier näher skizzieren. Während einer politischen Blockadeaktion einer Straße wird eine Freundin von uns in Gewahrsam genommen. Längere Zeit muss sie mit mehreren männlichen Polizisten der Landespolizei alleine in einem Waldstück verbringen. Diese machen alsbald Bemerkungen über ihre Handwerker*innen-Hose. Diese sähe ja gut aus und sitze gut. Der Kommentar verursacht hämisches Lachen bei den Kollegen. Als meine Freundin nach Feuer für ihre Zigarette fragt, erwidert ein Beamter: “Ich habe Pfeffer, das brennt auch.” Sie fühlt sich ausgeliefert. Noch vor Ort werden ihr Fragen zum Blockadegeschehen gestellt, auf die sie nur mit Gegenfragen reagiert. „Sind Sie alleine hier?“ beantwortet sie mit: „Haben Sie heute schon gefrühstückt?“ Der Polizist weist die Kollegen an, ihr auf keinen Fall Feuer zu geben und droht, es sei besser für sie, wenn sie nun kooperiere. Dann folgt die sexistische Krönung des Ganzen: “Seien Sie mal froh, dass meine Kollegen Sie eben nicht ‘gefrühstückt’ haben.“ Trotz der bedrohlichen Situation spiegelt unsere Freundin dem Polizisten sein Verhalten und fragt ihn, ob er sich bewusst sei, eben formuliert zu haben, sie solle froh sein, von den Kollegen nicht vergewaltigt worden zu sein. Er erwidert darauf, er hätte doch nur die Situation auflockern wollen. Die Herausgabe des Namens und der Dienstnummer des Polizisten wird ihr verweigert.

Je mehr Situationen wir erzählt bekommen, desto unübersehbarer wird eine Art Struktur. Eine von uns Autorinnen denkt an eine ihrer Erfahrungen in einem Gefangenenbus: Eine Freundin und ich sind die letzten, die aus einer kleinen, fast schalldichten Zelle heraus durch den Gang des Busses nach draußen sollen. Wir sind noch steif von der langen Fahrt auf engem Raum und bewegen uns langsam. Da werden wir angeschrien: “Nun macht mal hin! Die anderen Mädchen waren auch alle hübsch und willig.” Im Gang des Busses hängt ein Bild mit einer Uli Stein Zeichnung, die ich mit meinem Smartphone fotografierte. Darauf sind zwei Aasgeier zu sehen, die in der Steppe an einem Tisch sitzen und eine Bestellung aufgeben: “Zweimal gemischtes Aas mit Sahne!” Ich erinnere mich an ein anderes Mal in einer Gefangenensammelstelle. Eine Bekannte bittet darum, von einer weiblichen Polizistin auf die Toilette gebracht zu werden. Ein männlicher Polizist kommt ans Zellengitter mit dem Spruch, er könne ihr doch auch helfen, den Tampon zu wechseln.

Das unverfrorene Ausnutzen der Machtposition in diesen Situationen ist weit mehr als der gemeinhin erlebte sexistische “Normalzustand” der Gesellschaft. Es ist Nötigung, Diskriminierung, Einschüchterung, es ist das Ausleben der feuchten Träume der Polizisten auf Kosten ihrer Gefangenen bzw. in Gewahrsamgenommenen. Es ist Strategie, es ist Schikane, es ist entwürdigend, es macht traurig und wütend. Und es macht den Anschein, strukturell institutionalisiertes Programm zu sein. Wenn offener und bewusster Sexismus ein fester und regulär benutzter Bestandteil im Repressionsrepertiore der Polizei zu sein scheint, ist es kein Wunder, wenn auch Streifenpolizisten in Wachen latentem Sexismus in Form von Victim Blaming frönen oder schamhaft aufsitzen. Wohlwollend gehen wir davon aus, dass die Ausbildung bei der Polizei kein Seminar zu den besten Blamingkommentaren und Diskriminierungsformen beinhaltet. Wohl aber müssen wir davon ausgehen, dass bei der Polizei ein Habitus vermittelt wird, der ein rassistisches, sexistisches oder wie auch immer geartetes latentes und offenes diskriminierendes Verhalten bedingt und fördert.

Uns ist keine Situation bekannt, die zur Anzeige gebracht wurde oder auch nur eine Dienstaufsichtsbeschwerde nach sich gezogen hat. Aber wie auch, ohne Namen oder Dienstnummer? Selbst wenn diese bekannt sind, gibt es oft keine Zeugen außer den Kolleg*innen der sexistischen Polizistin oder des weitaus häufiger vorkommenden sexistischen Polizisten. Dazu kommen bei vielen Betroffenen Scham und Unbehagen. Letztendlich handelt es sich um stark hierarchisch angelegte Situationen, die eine direkte Intervention, wie sie in anderen gesellschaftlichen Kontexten gegebenenfalls noch möglich wäre, nahezu ausschließt. Bin ich Anzeigeerstatter*in, so will ich etwas von der Polizei, bin auf sie angewiesen, bin schambelastet und vielleicht sogar traumatisiert. Bin ich Vorverurteilte und/oder in Gewahrsamgenommene, so bin ich der Situation ausgeliefert und will sie gegebenenfalls nicht noch weiter eskalieren.

Es bleiben kaum Interventionsmöglichkeiten. Ratsam ist es, beim selbstgewählten Kontakt mit der Polizei eine Vertrauensperson mitzunehmen, die im Zweifelsfall genügend Distanz zur Situation hat, um zu reagieren und den Polizisten auf sein Verhalten hinzuweisen. Überhaupt ist es immer sinnvoll, in Situationen erlebter Polizeirepression zu versuchen, andere Menschen einzubeziehen, wenn keine Vertrauenspersonen oder Bezugsgruppen in der Nähe sind, zum Beispiel Kolleg*innen der diskriminierenden Person anzusprechen und auf das Verhalten und/oder das eigenen Unbehagen aufmerksam zu machen. Allerdings ist es leicht zu verstehen, dass Betroffene in solchen entwürdigenden Situationen auch häufig gar nicht dazu in der Lage sind, zu reagieren. Schließlich sind die Erlebnisse emotionale Ausnahmesituationen, in denen Menschen nicht einfach auf Interventionsmodus stellen können. Sofern wir Situationen beobachten, gilt es sich einzumischen und zu intervenieren und damit auch die betroffene Person zu entlasten. Egal ob später rechtliche Schritte eingeleitet werden sollen oder nicht, kann es helfen, über das Erlebte in geschütztem Rahmen zu sprechen. Manchmal hilft es, das Erlebte aufzuschreiben. Letztlich bleibt unsere Handlungsmacht beschränkt. Es liegt an den einzelnen Polizist*innen, ihr eigenes Verhalten und das ihrer Kolleg*innen kritisch zu reflektieren. In der Ausbildung und in regelmäßigen Fortbildungen sollten Polizist*innen darüber hinaus sensibilisiert werden, zum Beispiel, indem sie spezielle Gender- und Antirassimustrainings mitmachen. Dass es auch jetzt schon anders geht, zeigt zum Beispiel der Fortgang von Tiffys Anzeigenerstattung. Tiffy wird gebeten, sich noch eine Reihe von Fotos anzuschauen, auf denen Personen zu sehen sind, die zu ihrer Beschreibung passen. Den Part übernimmt ein anderer Beamter, der freundlich und souverän ist, sein Bedauern über den Vorfall zum Ausdruck bringt und dafür sorgt, dass die Situation möglichst wenig unangenehm ist.

Im Rahmen der Entstehung dieses Artikels wurde von einer der Autorinnen ein Blog gestartet, auf dem Betroffene oder Beobachter*innen die Möglichkeit haben, das Erlebte nach Wunsch anonymisiert und entkontextualisiert zu veröffentlichen. So können sie es “abgeben” und gleichzeitig öffentlich machen, was eine Option zum Umgang und zur Verarbeitung sein kann. Öffentlich wahrgenommen werden sexistische Erfahrungen im Umgang mit der Polizei bisher kaum, was sich durch das Blog hoffentlich ändern wird. Weitere Empowermentstrategien konnten an dieser Stelle nur sehr verkürzt dargestellt werden. Aus diesem Grund möchten wir abschließend auf folgende Beratungsmöglichkeiten und Seiten hinweisen, die sich ausführlich mit Empowermentstrategien befassen.

Links zu Empowermentstrategien beim Erleben oder Beobachten von sexistischen Situation

Förster, Franziska/Hoffmann, Jana/Schmiedgen, Janett/Zamzow, Lena: Sexistische Diskriminierung und sexuelle Belästigung – Informationen und Gegenstrategien. Freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften

Leitfaden zum Umgang mit rassistischen, sexistischens Äusserungen. Eine Kooperation von VÖGB – Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung und ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit

Text zur Definitionsmachtkampagne der Antifa Pankow

LesMigraS Broschüre zu Empowerment in Bezug auf Rassismus und Transphobie in LSBTI-Kontexten

Links zu Empowermentstrategien in beim Erleben und Beobachten von Polizeirepression

Broschüre der Roten Hilfe e.V. „Bitte sagen sie jetzt nichts!!!“ zum Aussageverweigerungsrecht

Website der Roten Hilfe e.V., einer Solidaritätsorganisation, die politisch Verfolgte aus dem linken Spektrum unterstützt.

Rechtshilfebroschüre der Roten Hilfe für Demos, Hausdurchsuchungen, Ermittlungsverfahren, Strafbefehle, Vorladungen, Prozesse etc. „Was tun wenn es brennt?“

Links zu Beratungsstellen

Blog Kritische Bildungsarbeit mit einem Text und Kontaktdaten zu Antisexismus für MultiplikatorInnen

Über die Kommentarfunktion kann diese Liste erweitert werden!


13 Kommentare »

  1. Naja, ihr seid aber auch welche? Wenn die euch einbuchten dann seid ihr wohl auch nicht so ganz harmlos, denn in um in Deutschland eingebuchte zu werden da muss man ja schon was auf dem Kerbholz haben.

    Tja steht nicht soviel im schwarzen Block herum ;)

    LG Sabine

    Comment by Binchen — 11.04.2012 um 16:07

  2. Leider nein, Sabine, da reicht leider schon emanzipatorische Meinungen vertreten, wenn der komunale oder bundesweite politische Wille dazu anders ist und damit auch die Polizei die Weisung hat, diese oder jene Protestaktion nicht gerade zu supporten. Manchmal reicht gar sowas wie zur falschen Zeit am falschen Ort rumstehen. Repression auf sich zu ziehen, dazu bedarf es keiner großen Kerben im Holz.. So traurig das auch ist.
    Lg, Jana

    Comment by Jana Ballenthien — 11.04.2012 um 16:16

  3. Mit der Hamburger Polizei habe ich bisher eigentlich gute Erfahrungen gemacht.

    Sowohl bei Anzeigen wegen exhibitionistischen Handlungen, Anzeigen wegen Vergewaltigung, Anzeigen wegen sexueller Belästigung.

    Sowohl bei der Schutzpolizei als bei der Kripo.

    Ich war alleine da und wurde freundlich und mit Respekt behandelt. (Auch wenn aus den Anzeigen nichts wurde, selbst wenn der Täter gefasst werden konnte – das ist aber eher das Problem der Staatsanwaltschaft).

    Ich denke, sowas hängt immer von den einzelen Personen ab, mit denen man zu tun bekommt.

    Comment by noname — 12.04.2012 um 02:57

  4. “Naja, ihr seid aber auch welche? Wenn die euch einbuchten dann seid ihr wohl auch nicht so ganz harmlos, denn in um in Deutschland eingebuchte zu werden da muss man ja schon was auf dem Kerbholz haben.

    Tja steht nicht soviel im schwarzen Block herum ;)

    Ich hoffe dieses Kommentar sollte ironisch-selbstentlarvend darstellen, wie ignorant vicitm blaming ist.
    Derartiges: “Ein männlicher Polizist kommt ans Zellengitter mit dem Spruch, er könne ihr doch auch helfen, den Tampon zu wechseln.” ist auch nicht gerechtfertigt, wenn die Person aus dem Schwarzen Block heraus Mollies geworfen hätte.
    Derartiges hat sich der Rechtsstaat ja eigentlich selbst verboten. Wir sehen wie gut das funktioniert.

    Daher: Keine Macht für niemanden.

    Comment by tuli — 12.04.2012 um 13:08

  5. Ich denke es liegt vor allem an den hierarchischen Strukturen und den Machtpositionen, welche die Polizist_innen inne haben. Das ist auf jeden Fall ein generelles Problem in nicht nur sexistischer Hinsicht. Natürlich gibt es solche und solche, jedoch ist dieser Ton des “Von oben herab” stets rauszuhören.
    Selbstverständlich habe ich auch schon positive Erfahrungen mit Polizist_innen gehabt, doch kann man diese nicht als Ausgleich für Fehlverhalten verwenden. Es ist entscheidend darüber aufzuklären und diese Missstände zu bekämpfen.
    Beim Lesen sind mir auch unzählige, selbst erlebte und von Freunden erlebte Ereignisse eingefallen, welche dem Artikel nur Recht geben. Von unangemessenen Verhörenstechniken bis hin zu unangenehmen, herablassenden Kommentaren.
    Kann dem nur zustimmen: Das macht traurig und wütend!

    Comment by Bibi — 12.04.2012 um 16:33

  6. “Als politische Aktivistinnen sind wir entrüstet, aber hatten auch nichts anderes von der Polizei erwartet.”
    Nimmt aus dem ganzen Artikel leider ziemlich viel Glaubwürdigkeit raus.

    Was das Ganze mit Sexismus zu tun haben soll ist mir nicht ganz klar.. Nur weil das Opfer eine Frau ist? Was wenn ein junger Mann gefragt wird, was er denn nachts an einem Tatort zu suchen hatte? Und die weiteren Beispiele sind absolut lächerlich. Ja, es sind dumme Sprüche, diese zu sexualisieren ist aber völlig absurd.

    Alles Gute für Tiffany, die hier irgendwie zum 2. Mal in der Geschichte missbraucht wird!

    Comment by hmmmm — 12.04.2012 um 18:16

  7. Ich hätte die Frage des Polizisten im Artikel, warum sie erst jetzt kommt, auch nicht als sexistisch aufgefasst. Die Frage würde man auch hören, wenn man wegen eines geklauten Fahrrads hingehen würde. Da reicht es, wenn man sagt, dass man das eigentlich auf sich beruhen lassen wollte, man aber dann doch überlegt hat, dass der Mann sowas öfters macht, und dass ein Beweis mehr vielleicht wichtig wäre.

    Mir wäre es jedenfalls lieber, die Polizei stellt erstmal auch unangenehme Fragen – das ist später wichtig im Strafverfahren, für die Glaubwürdigkeit der Aussage, wenn es dazu kommt.

    Und was Verhörtechniken und Vorgehensweise der Polizei angeht – ich habe erlebt, wie die Polizei sehr zurückhaltend ermittelt hat, und fast nichts gemacht hat, das war sicher im Sinne der Menschenwürde des Beschuldigten. Ich habe auch erlebt, wie die Polizei nicht gerade zimperlich mit dem nach meinem Notruf geflüchteten aber festgenommenen Mann umgegangen ist (da hatte ich fast Mitleid mit dem Mann bekommen und mich deswegen schuldig gefühlt, obwohl er mich angegriffen hatte, und der Notruf daher absolut gerechtfertigt war. Aber trotz meiner Gefühle war ich doch erleichtert, dass die Polizei da so engagiert reagiert hat, zumal fast alle Passanten bei der Tat weggeschaut hatten, obwohl ich nach Hilfe rief).

    Was war menschenwürdiger? Welche Reaktion der Polizei war besser? Bei dem zweiten Beispiel würden manche bestimmt sagen, dass das männerfeindlich ist, dass die Polizei nur aufgrund meines Notrufes so beherzt eingegriffen hatte.

    Was soll bekämpft werden?

    Comment by noname — 13.04.2012 um 00:37

  8. “Naja, ihr seid aber auch welche? Wenn die euch einbuchten dann seid ihr wohl auch nicht so ganz harmlos, denn in um in Deutschland eingebuchte zu werden da muss man ja schon was auf dem Kerbholz haben….”
    so wie die KINDER, die gegen den Irak-Krieg demonstrierten und dafür von der Polizei in Hamburg Tränengas und Schlagstöcken ausgesetzt waren. Deren Strafregister war bestimmt auch lang…

    Comment by susan — 13.04.2012 um 02:42

  9. Ich mußte mich auf der Wache nackt vom Bullenfotographen ablichten lassen, damit die auch meine ganzen Tattoos dokumentieren können.
    Ein anderes Erlebnis war, daß ich nur mit T-Shirt und Slip bekleidet in der Ausnüchterungszelle nächtigen sollte. Als ich mich geweigert habe, hat mir ein Bulle eine gescheuert. Dafür hat er einen Fausthieb von mir kassiert. Ihr könnt euch vorstellen, was die dann mit mir gemacht haben…
    Letztlich habe ich mich trotzdem nicht unterbuttern lassen.

    Comment by Vanessa — 13.04.2012 um 09:42

  10. Huch – warum isse nich gleich zun Bullen gegangen. Also Beitrach is redundant. Damit wird ein/e Exhibitionisr*in noch mehr angestachelt sich zu offerieren.

    Comment by Chrissy — 11.05.2012 um 09:02

  11. [...] Angst vor Gewalt durch Polizisten vor allem unter migrantischen Frauen verbreitet ist. Mehr Infos: http://www.feministisches-institut.de/polizei-und-sexismus/#more-1359 http://www.lesmigras.de/tl_files/lesmigras/Tapesh/LM_Broschuere_Tapesh_einzelseiten_korrigiert.pdf [...]

    Pingback by Newsletter zur kreativen Antirepression « Dokumentationsblog AntiRepression — 06.06.2012 um 16:43

  12. [...] Blog war gegründet worden im Zusammenhang mit dem Artikel “Polizei und Sexismus: Erfahrungen mit den Vertreter*innen der Exekutive“, den Jana Ballenthien und Kathrin Ganz beim Femininistischen Institut Hamburg im April 2012 [...]

    Pingback by Mädchenmannschaft » Blog Archive » Ausführende Gewalt. Wenn die Polizei zuschlägt. — 22.02.2013 um 10:59

  13. Mir ist es schon oft passiert, dass weibliche Polizisten Freundinnen und mich schikaniert haben. Ein Beispiel dafür war ein Unfall, bei dem uns irgendwelche Typen verfolgt haben und extra hinten reingefahren sind. Die Polizistinnen gingen sofort davon aus, dass wir den Unfall verursacht hatten und waren dementsprechend unfreundlich zu uns. Das die männlichen beteiligten unter Alkoholeinfluss standen und Fotos von uns machten, hatten sie nicht mal zur Kenntnis genommen…
    Etwas ähnliches ist auch Freundinnen von mir passiert, deren geparktes Auto von einem parkenden Fahrer so stark gerammt wurde, dass die gesamte Seite aufgerissen ist. Die Polizistinnen haben sofort meine Freundinnen verdächtigt und gesagt, wie dumm man nur sein könnte so zu parken. Erst als der Unfallverursacher ihnen mitteilte, dass er das war, hörten sie auf sie zu beschümpfen. Eine Entschuldigung gabs natürlich nicht. In beiden Fällen hat es sich um “gute” Autos gehandelt, eventuell provozierte das die Polizistinnen.

    Comment by Aaliyah — 03.01.2015 um 21:48

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