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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Technologie</title>
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		<title>Feministische &#214;ffentlichkeiten im Web 2.0. M&#246;glichkeiten und Grenzen feministischer Partizipation im Internet</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 14:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Deborah Schmidt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Feministische &#214;ffentlichkeiten sind seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil der feministischen bzw. queerfeministischen Bewegung. Sie haben unter anderem dazu beigetragen, dass feministische Diskurse in die &#214;ffentlichkeit geraten und mittlerweile auch im sogenannten Mainstream angekommen sind. Themen wie die Frauenquote und Geschlechtergerechtigkeit sind allt&#228;glich geworden, wenn auch nach wie vor die Frage bleibt, auf welche Weise die Themen im Mainstream behandelt werden. Heute ger&#228;t vor allem das Internet als digitales Medium in den Blickpunkt feministischer &#214;ffentlichkeiten... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Feministische &#214;ffentlichkeiten sind seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil der feministischen bzw. queerfeministischen Bewegung. Sie haben unter anderem dazu beigetragen, dass feministische Diskurse in die &#214;ffentlichkeit geraten und mittlerweile auch im sogenannten Mainstream angekommen sind. Themen wie die Frauenquote und Geschlechtergerechtigkeit sind allt&#228;glich geworden, wenn auch nach wie vor die Frage bleibt, auf welche Weise die Themen im Mainstream behandelt werden. Heute ger&#228;t vor allem das Internet als digitales Medium in den Blickpunkt feministischer &#214;ffentlichkeiten.</strong></p>
<p>Das Internet hat sich zu einem wichtigen globalen Medium entwickelt, in dem Feminist_innen sich austauschen, vernetzen, publizieren und sich organisieren. Mit dem Aufkommen des Web 2.0 entstand eine breite Diskussion um das Potenzial und den Einfluss auf demokratische Partizipation und demokratische Prozesse im Internet. Dabei stellten sich die Fragen in wie weit wirkliche demokratische Partizipation m&#246;glich ist und ob das Internet tats&#228;chlich zugangsoffen f&#252;r alle Menschen ist. K&#246;nnen Feminist_innen beispielsweise gleichberechtigt partizipieren, welche M&#246;glichkeiten der Partizipation gibt es f&#252;r sie und wo sto&#223;en sie an Grenzen?<br />
Im Folgenden m&#246;chte ich einige Beispiele feministischer Gegen&#246;ffentlichkeiten und feministischer Partizipation im Web 2.0 darstellen und gleichzeitig aufzeigen, mit welchen Widerspr&#252;chen und Machtmechanismen feministische Medienmacher_innen sich im virtuellen Raum auseinandersetzen m&#252;ssen.</p>
<p><strong>Demokratische Partizipation im Web 2.0</strong><br />
Das Web 2.0, so hei&#223;t es, biete heute die M&#246;glichkeit der direkten Partizipation. Es ist m&#246;glich die Inhalte des Internets selbst mitzugestalten. Mit der Entstehung des Web 2.0 gehen genau die gleichen Hoffnungen einher, wie sie bereits in den 1930er Jahren Walter Benjamin in seinem Text „Der Autor als Produzent“ &#228;u&#223;erte und die auch Berthold Brecht formulierte, indem er postulierte die Medienkonsument_innen sollten zu Produzent_innen werden. Die Produzent_innen sollten sich demnach das Medium – damals noch das Radio – aneignen und ihre eigene Meinung verbreiten. Die proletarische Partizipation lie&#223; auf Ver&#228;nderung der vorherrschenden Meinungen und eine Teilhabe der Minderheiten an der Mitgestaltung der &#214;ffentlichen Meinung hoffen. Die weitere Entwicklung von Radio und Fernsehen hat dann leider all den Hoffnungen auf Ver&#228;nderung hin zu einer kritischen &#214;ffentlichkeit kaum entsprochen.<br />
Genauso verh&#228;lt es sich mit dem Web 2.0. Es hat sich zwar im Laufe der Zeit herausgestellt, dass das Web 2.0 mehr Partizipation m&#246;glich macht, jedoch hei&#223;t das nicht, dass alle die gleichen Zugangsvoraussetzungen haben und schon gar nicht, dass diese Partizipation emanzipatorischer ist und gesellschaftskritischer mit Inhalten umgeht. Heute ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die demokratischen Prozesse durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien vielschichtiger und differenzierter zu betrachten sind, als es noch Ende der neunziger Jahre von vielen Wissenschaftler_innen angenommen wurde (Dr&#252;cke, Winker 2005). Susanne Baer, Verfassungsrichterin in Karlsruhe, stellt fest, dass das Grundgesetz in Bezug auf die Netzpolitik ein Update braucht. Das Internet ist ein Kommunikationsort und ist somit nicht besser oder schlechter als die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Es stellt sich die Frage, ob alle wirklich gleichberechtigt und demokratisch an dem Medium Internet teilhaben k&#246;nnen oder wenn nicht, wo genau die Grenzen liegen? Baer stellt in ihrem Text die demokratischen M&#246;glichkeiten des Internets in Frage. Die gleichberechtigte Partizipation aller sei nicht m&#246;glich, da noch nicht alle die gleichen Zugangsvoraussetzungen haben. Besonders in l&#228;ndlichen Gegenden sei der Netzzugang nicht &#252;berall m&#246;glich. Au&#223;erdem schlie&#223;e die L&#252;cke zwischen jungen und &#228;lteren Internetnutzer_innen sich erst langsam (Baer 2011). W&#228;hrend bereits 98,2% der 20-29 J&#228;hrigen online sind, liegt der Anteil bei den &#252;ber 60 J&#228;hrigen gerade bei 34,5%. Der Anteil weiblicher und m&#228;nnlicher Internetnutzer_innen dagegen n&#228;hert sich, laut der <a href="http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/">ARD/ZDF-Onlinestudie 2011</a>, langsam an. Aktuell sind in Deutschland 68,5% Frauen und 78,3% M&#228;nner online.</p>
<p><strong>Feministische &#214;ffentlichkeiten</strong><br />
Feministische &#214;ffentlichkeiten sind Kommunikationsorte, an denen herrschende Geschlechterverh&#228;ltnisse kritisch hinterfragt und analysiert werden. Feministische &#214;ffentlichkeiten machen kollektive Handlungsspielr&#228;ume, Selbstverst&#228;ndigung und Identit&#228;tsfindung m&#246;glich (Dorer 2002). Trotz der Institutionalisierung und Verbreitung von feministischen &#214;ffentlichkeiten in den letzten Jahrzehnten sind feministische Medien immer noch marginalisiert. Historisch gesehen sind Kommunikationsorte von Frauen eher dem Privaten zugeordnet gewesen und nicht dem &#214;ffentlichen. Oft waren es geheime, heimliche &#214;ffentlichkeiten. Frauen haben die h&#228;usliche Reproduktionsarbeit geleistet und waren nicht in dem sogenannten &#246;ffentlichen Bereichen wie z.B. der Politik t&#228;tig. Im Laufe der Jahre hat sich jedoch die feministische &#214;ffentlichkeit die vor allem m&#228;nnlich dominierten R&#228;ume angeeignet.<br />
Heutzutage ist das Internet in der Kommunikations- und Informationsgesellschaft zu einem wichtigen Ort geworden, an dem feministische &#214;ffentlichkeit Pr&#228;senz zeigt. Zum einen bietet das Internet eine Teilhabe f&#252;r feministische Inhalte, auf der anderen Seite bleibt jedoch die Frage inwieweit die sozialen, kulturellen und &#246;konomischen Gesetzm&#228;&#223;igkeiten des Internets beachtet werden m&#252;ssen, um sich in der Netzkultur behaupten zu k&#246;nnen. Das Internet gibt feministischen Medienmacher_innen die M&#246;glichkeit sich an einer virtuellen &#214;ffentlichkeit zu beteiligen. Besonders im journalistischen Bereich kann das Internet f&#252;r feministische Themen von Vorteil sein. Feministische Themen, die sonst in den Mainstreammedien kein Geh&#246;r f&#228;nden, k&#246;nnen im Internet publiziert werden. Das bedeutet meistens allerdings, dass insbesondere Journalist_innen sich zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung bewegen, wenn sie &#252;ber Themen berichten, die in den Mainstreammedien keine Resonanz finden, da z.B. journalistische Blogger_innen f&#252;r ihre Arbeit meistens keine Entlohnung erhalten. Das Internet ist f&#252;r feministische Medienmacher_innen ein Medium an dem die eigenen Ambivalenzen in Bezug auf die &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse sichtbar werden. Das Internet propagiert einen freien, &#246;ffentlichen Zugang, entkoppelt an feste Arbeitszeiten und einen festen Arbeitsplatz, perfekt f&#252;r selbstbestimmtes Arbeiten. Genau dies f&#252;hrt zu ungesicherten und prek&#228;ren Arbeitsverh&#228;ltnissen in denen sich Frauen seit Jahren bewegen. Die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und die Doppelbelastung durch Kindererziehung sind evidente Debatten. Die Durchsetzung auf dem Internetmarkt macht die immer wiederkehrenden Diskussionen um Kommerzialit&#228;t und Autonomie unvermeidbar. Soll sich besser mit inhaltlichen Themen angepasst werden, um auf dem Onlinemarkt konkurrenzf&#228;hig zu bleiben oder ist das Nischendasein eine Alternative? Ist es wichtig auf Rang 1 der Blogcharts aufzutauchen, um ernst genommen zu werden oder muss sich das Social Media Marketing einverleibt werden? Die &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse von feministischen Medienmacher_innen bleiben also auch in Bezug auf das Internet ein wichtiges Thema.</p>
<p><strong>Partizipation im Internet &#8211; Feministische Gegen&#246;ffentlichkeiten im Web 2.0</strong><br />
Das Web 2.0 bietet Feminist_innen jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik eine gro&#223;e und vielseitige Chance der Partizipation. Sie k&#246;nnen ihre eigenen Inhalte, die im &#246;ffentlichen Diskurs meistens eher marginal wahrgenommenen Themen, wie z.B. sexuelle Gewalt an Frauen, ver&#246;ffentlichen. Im Internet k&#246;nnen sie eine so genannte subalterne Gegen&#246;ffentlichkeit, wie Nancy Fraser es postuliert, schaffen, sich vernetzen und Themen austauschen (Dr&#252;cke, Winker 2005). Die folgenden Webauftritte von Feminist_innen zeigen einen kleinen Ausschnitt aus der Vielfalt der feministischen Gegen&#246;ffentlichkeiten.</p>
<p><strong>Grassrootfeminism</strong><br />
Ein gutes Beispiel f&#252;r queerfeministisches Netzwerken ist die Seite <a href="http://www.grassrootsfeminism.net/">grassrootfeminism.net</a> . Die Seite ist entstanden, um M&#228;dchen und jungen Frauen eine Plattform zu bieten. Die Webseite m&#246;chte vor allem dem Vorurteil entgegentreten, dass junge Menschen und insbesondere M&#228;dchen und junge Frauen nur Konsument_innen der Massenmedien seien und keine aktive Rolle einnehmen w&#252;rden. Auf dieser Webseite k&#246;nnen M&#228;dchen und junge Frauen ihre eigenen selbstproduzierten Texte, Podcasts und diverse andere Inhalte und Produktionen einfach hochladen und ver&#246;ffentlichen. Dabei wird ihnen die M&#246;glichkeit gegeben miteinander in Kontakt zu treten, sich zu vernetzen und eigene Themen zu ver&#246;ffentlichen.<br />
<a href="http://www.freie-radios.net/40583">Zitat von Rosa Reitsamer, </a>Gr&#252;nderin von grassrootfeminism.net: „Es geht nicht darum, wieviel Freunde man bei Facebook hat. Denn davon lerne ich nicht viel, sondern es soll eine Plattform geschaffen werden, wo Wissen ausgetauscht werden kann.“</p>
<p><strong>Riot grrrl Forum</strong><br />
Das Forum <a href="http://www.feministinnen.de/">riot-grrrl.de</a> bietet eine Plattform zum Austausch von feministischen und queerfeministischen Inhalten. Das Riot grrrl Forum steht in der Tradition der Riot grrrl Bewegung, die sich in den 90iger Jahren in den USA gegr&#252;ndet hat. Die Riot grrrl Bewegung ist aus der Punk- und Hardcoreszene entstanden und thematisierte den Sexismus in der sehr m&#228;nnlich dominierten Subkultur. Der Riot grrrl Bewegung ging es um das Sichtbarmachen von Musikerinnen in dieser Szene. Genauso m&#246;chte das Riot grrrl Forum einen Ort bieten, wo es um den Austausch von Themen wie Musik, Technik, Ladyfeste, allt&#228;glicher Sexismus und diverse andere feministische Inhalte geht.</p>
<p><strong>M&#228;dchenblog</strong><br />
Das <a href="http://maedchenblog.blogsport.de/">M&#228;dchenblog</a> ist eine Webseite f&#252;r queerfeministische Theorie und Praxis. Das M&#228;dchenblog ist ein offenes Gemeinschaftsprojekt, das sich mit Themen wie K&#246;rper, Sexualit&#228;t, Pop- und Subkultur, Politik, Schule und Ausbildung besch&#228;ftigt. Das Blog soll Sexismus, der sich im Internet sowie in der realen Welt vorfindet, sichtbar machen. Das M&#228;dchenblog versucht queerfeministische Theorie und Praxis zu verbinden. Au&#223;erdem hat das M&#228;dchenblog den Anspruch, eine weniger theoretische, akademische Sprache zu verwenden, um die Wissensaneignung f&#252;r alle m&#246;glich zu machen. Das M&#228;dchenblog bedient sich der Blogform, weil damit einerseits die Artikel im Gegensatz zu einem Forum auch f&#252;r sich allein stehen k&#246;nnen und andererseits die Kommentarfunktion die M&#246;glichkeit zur Diskussion bietet. Das M&#228;dchenblog ist ein offenes Projekt und lebt davon, dass viele Menschen sich am Mitschreiben beteiligen.</p>
<p>Diese drei Beispiele feministischer Netzkultur belegen deutlich, wie das Potential des Internets f&#252;r feministische &#214;ffentlichkeiten genutzt werden kann indem Sichtbarmachung, kollektives Handeln, Selbstverst&#228;ndigung und Identit&#228;tsfindung m&#246;glich gemacht wird.</p>
<p><strong>Ungleichheitsverh&#228;ltnisse im Netz</strong><br />
Das Internet ist zwar ein Ort, der viele M&#246;glichkeiten bietet, jedoch sto&#223;en Feminist_innen immer wieder an ihre Grenzen, da sich im Internet gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsmechanismen reproduzieren. Das Internet ist schlie&#223;lich kein autonomer Raum, sondern ein Abbild der Gesellschaft. Ungleichheiten im Internet werden u.a. deutlich durch antifeministische Anfeindungen, Zugangsbeschr&#228;nkungen, Arbeitsteilung und Beteiligung an Autor_innenschaft. So ist es zum Beispiel f&#252;r Frauen oftmals schwieriger in Blogs &#252;ber Technikthemen zu berichten, weil sie sich gegen&#252;ber sexistischen Anfeindungen bzw. Relativismus durchsetzen m&#252;ssen (vgl. <a href="http://www.freie-radios.net/38203">Radiobeitrag zu Feminismus und Internet</a>). Au&#223;erdem gibt es auf feministischen Seiten immer wieder antifeministische Angriffe von so genannten Trollen. Trolle sind Personen, die versuchen &#252;ber Kommentare die Kommunikation &#252;ber bestimmte Sachverhalte im Netz zu st&#246;ren. Das bedeutet f&#252;r feministische Blogs wie z.B. das M&#228;dchenblog, dass sie ihre Kommentare moderieren m&#252;ssen. <a href="http://hatr.org">Hatr.org</a>, eine Plattform, auf der Trollkommentare gesammelt werden, hat sich zur Aufgabe gemacht aus den Kommentaren wenigstens ein wenig Profit mittels Werbung zu schlagen.<br />
Im Internet besteht ein deutlicher Gender Gap. Dies wird besonders deutlich an der Informationsbranche, M&#228;nner dominieren den Beruf des Softwareentwicklers und Informatikers. Bereiche der Informatik, in denen es einen gro&#223;en Frauenanteil gibt, wie in der Medieninformatik, werden als „M&#228;dcheninformatik“ diffamiert. Au&#223;erdem zeigt sich der Gender Gap an der Beteiligung der Autor_innenschaft bei Wikipedia. Bei Wikipedia etwa schreiben nur 12% Frauen mit. Das erkl&#228;rt auch, warum feministische Themen bei Wikipedia zur Disposition stehen. Das ist eine kleine Auswahl an Beispielen f&#252;r Geschlechterungleichheiten im Netz. Weitere hat Tanja Carstensen in ihrem Text „<a href="http://www.feministisches-institut.de/web_oeffentlichkeit/#more-978">Web 2.0 = demokratische &#214;ffentlichkeit? Einige (feministische) Anmerkungen zu einer erneuten Debatte</a>“ herausgearbeitet.</p>
<p><strong>Herausforderungen f&#252;r feministische Gegen&#246;ffentlichkeiten</strong><br />
Herausforderungen f&#252;r feministische &#214;ffentlichkeiten und Medienmacher_Innen im Internet sind, sich in der Informationsgesellschaft zu etablieren und sie zu nutzen. Denn so k&#246;nnen weiterhin feministische Themen Teil von &#246;ffentlichen Diskursen werden und in die hegemonialen Wissensdiskurse hineinwirken. Das Internet ist ein Ort, an dem es um Aushandlungsprozesse geht. Das bedeutet, sich gegen&#252;ber Geschlechterhierarchien durchzusetzen, Zugangsbeschr&#228;nkungen aufzubrechen und &#246;konomische Verh&#228;ltnisse transparent zu machen und im besten Fall zu &#252;berwinden.<br />
Offen bleibt jedoch, welche Rolle zunehmend &#246;konomische Verh&#228;ltnisse f&#252;r feministische &#214;ffentlichkeiten im Internet spielen. Die meisten Personen, die sich f&#252;r digitale feministische Netzwerke engagieren, tun dies aus einem Idealismus an der Sache heraus und sind nebenbei erwerbst&#228;tig. Wie mit der prek&#228;ren Finanzierung perspektivisch umgegangen wird, bleibt auszuhandeln.</p>
<p><strong>Ausblick</strong><br />
Feministische Medienmacher_innen sind im digitalen Zeitalter immer noch marginalisiert, deshalb ist es umso wichtiger, dass sie existieren und die Pr&#228;senz im Internet ausgebaut wird. Es geht also weiterhin inhaltlich wie auch praktisch darum, aus dem privaten Raum herauszutreten und aktiv an der digitalen, wie auch „analogen“ &#214;ffentlichkeit teilzuhaben. Inhaltlich in dem Sinne, dass z.B. im Internet zu m&#228;nnlich besetzten Themen berichtet wird, praktisch werde auch Du Softwareentwicklerin!</p>
<p><strong>Literatur</strong><br />
Baer, Susanne (2011): Braucht das Grundgesetz ein Update? Demokratie im Internetzeitalter. in Bl&#228;tter f&#252;r deutsche und internationale Politik. Bl&#228;tter Verlagsgesellschaft Berlin, S.90-100.</p>
<p>Carstensen, Tanja (2010): Web 2.0 = demokratische &#214;ffentlichkeit? Einige (feministische) Anmerkungen zu einer erneuten Debatte, 21.06.2010, http://www.feministisches-institut.de/web_oeffentlichkeit/</p>
<p>Dorer, Johanna, Birgit, Geiger (2002): Feministische Kommunikations- und Medienwissenschaft. Feministische Medien. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden.</p>
<p>Dr&#252;cke, Ricarda, Winker, Gabriele (2005): Neue &#214;ffentlichkeiten durch frauenpolitische Internet-Auftritte. In: Schachtner, Christina, Winker, Gabriele (Hg.)Virtuelle R&#228;ume &#8211; neue &#214;ffentlichkeiten. Frauennetze im Internet. Campus Verlag. Frankfurt am Main, S.31-49.</p>
<p>Klaus, Elisabeth (2008): Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus. Lit Verlag, Wien.</p>
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		<title>Digitale Spaltung per Gesetz – Das Internet zwischen Produktion und Kompensation sozialer Ungleichheit im Alltag von Erwerbslosen</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/erwerbslose/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/erwerbslose/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 18:48:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Englert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Hartz IV-Empfangende brauchen keine internetf&#228;higen Computer, weil sie Fernseher haben. Dieser Ansicht sind deutsche Sozialgerichte und forcieren damit eine digitale Spaltung per Gesetz. Im Zeitalter der digitalen Informations- und Kommunikationsgesellschaft mutet dieser Umstand absurd an, aber eine breite &#246;ffentlichkeitswirksame Debatte steht bisher aus. Grund daf&#252;r d&#252;rfte auch sein, dass die Frage nach der Bedeutung des Internets im Alltag von Erwerbslosen bisher eine Leerstelle in der Forschungslandschaft um Ausgrenzung, soziale Verwundbarkeit und Teilhabe ist. Aus einem aktuellen Forschungsprojekt zum Zusammenhang von Erwerbslosigkeit und Internet m&#246;chte ich Antworten auf diese Frage geben und das Internet zwischen Produktion und Kompensation sozialer Ungleichheit verorten. Dabei wird deutlich, dass Geschlecht als entscheidende Achse der Differenz an Bedeutung verliert. Vielmehr lassen sich die Achsen der sozialen Verwundbarkeit in diesem Kontext nur intersektional bestimmen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Hartz IV-Empfangende brauchen keine internetf&#228;higen Computer, weil sie Fernseher haben. Dieser Ansicht sind deutsche Sozialgerichte und forcieren damit eine digitale Spaltung per Gesetz. Im Zeitalter der digitalen Informations- und Kommunikationsgesellschaft mutet dieser Umstand absurd an, aber eine breite &#246;ffentlichkeitswirksame Debatte steht bisher aus. Grund daf&#252;r d&#252;rfte auch sein, dass die Frage nach der Bedeutung des Internets im Alltag von Erwerbslosen bisher eine Leerstelle in der Forschungslandschaft um Ausgrenzung, soziale Verwundbarkeit und Teilhabe ist. Aus einem aktuellen Forschungsprojekt zum Zusammenhang von Erwerbslosigkeit und Internet m&#246;chte ich Antworten auf diese Frage geben und das Internet zwischen Produktion und Kompensation sozialer Ungleichheit verorten. Dabei wird deutlich, dass Geschlecht als entscheidende Achse der Differenz an Bedeutung verliert. Vielmehr lassen sich die Achsen der sozialen Verwundbarkeit in diesem Kontext nur intersektional bestimmen. </strong></p>
<p><strong>„Ich kenne das Internet nur aus dem Fernsehen“</strong></p>
<p>Und das wird auch so bleiben. Im April diesen Jahres weist das Landessozialgericht NRW die Klage einer Hartz IV-Empf&#228;ngerin zur&#252;ck, die die &#220;bernahme der Kosten f&#252;r einen PC samt Zubeh&#246;r beantragt hatte. Begr&#252;ndet wird diese Entscheidung damit, dass ein PC f&#252;r eine geordnete Haushaltsf&#252;hrung nicht notwendig sei und auch nicht f&#252;r ein an den herrschenden Lebensgewohnheiten orientiertes Leben ben&#246;tigt werde (LSG NRW, L 6 AS 297/10 B). Dar&#252;ber hinaus ist nach Meinung des Gerichts ein PC nicht f&#252;r die Grundversorgung mit Informationen erforderlich, weil diese durch Fernsehen und Rundfunk sichergestellt werde (ebd.). Dieser Sachverhalt spiegelt sich auch in der deutschen Abgaben- und Zivilprozessordnung wider: W&#228;hrend ein Fernseher aufgrund der Grundversorgung mit Informationen unpf&#228;ndbar ist, gilt dies f&#252;r einen internetf&#228;higen PC nicht. Die Anschaffungskosten f&#252;r ein solches Ger&#228;t sucht man in den Hartz IV-Regels&#228;tzen vergebens, dort tauchen lediglich rein rechnerisch Ausgaben f&#252;r Internet- sowie Onlinedienste (3,18 Euro im Monat) und f&#252;r Datenverarbeitung inkl. Software (2,62 Euro im Monat) auf. Sollte ein/e ALG II- Leistungsbeziehende/r sich einen PC anschaffen wollen, so muss dies aus den Regelleistungen angespart werden, urteilt das Landessozialgericht Bayern und lehnt damit die Klage auf Gew&#228;hrung eines Darlehens ab (LSG Bayern, L 7 AS 41/10 B ER). Dass es aufgrund der niedrigen ALG II-Regelleistung kaum m&#246;glich ist, die Kosten f&#252;r einen PC anzusparen, zeigt der Umstand, dass es mittlerweile in Hamburg bereits eine „Computer-Tafel“ gibt. Der Verein <a href="http://www.computerspendehamburg.de/">„Computer-Spende Hamburg e.V. – Der erste Computerverein auch f&#252;r Geringverdiener“</a> hat seit seiner Gr&#252;ndung 2009 bereits gut 600 Antr&#228;ge bearbeitet und gibt w&#246;chentlich an 10-12 Personen von der Warteliste einen aus Elektroschrott selbst zusammengebauten PC ab. Damit bietet der Verein eine pragmatische L&#246;sung f&#252;r ein gesellschaftliches Problem an, dessen &#246;ffentlichkeitswirksame Verhandlung noch aussteht (Lischka 2010).</p>
<p>Der Alltag von Menschen im ALG II-Bezug ist in besonderem Ma&#223;e durch prek&#228;re Lebensverh&#228;ltnisse gekennzeichnet. Der Verlust von Erwerbsarbeit bedeutet den Verlust einer zentralen Dimension gesellschaftlicher Teilhabe, der sich auch auf weitere Teilhabeformen wie soziale Nahbeziehungen, Rechte, Kultur und Bildung auswirkt. Dabei hat die soziale Verwundbarkeit von Erwerbslosen durch die rechtliche Umgestaltung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe sowie durch Diskurse um Eigenverantwortung und ‚sp&#228;tr&#246;mische Dekadenz’ ein neues Niveau erreicht. Welche Rolle spielt nun das Internet in diesem von Ausgrenzungen und sozialen Verwundbarkeiten gepr&#228;gten Alltag? Kann das Internet die eingeschr&#228;nkten Teilhabem&#246;glichkeiten, die mit Erwerbslosigkeit einhergehen, kompensieren? K&#246;nnen Erwerbslose mit Hilfe des Internets Handlungsf&#228;higkeit zur&#252;ckgewinnen? Welche Bedeutung schreiben Erwerbslose dem Zugang zum Internet zu? Wird ein nicht vorhandener oder eingeschr&#228;nkter Internetzugang zu einer weiteren Dimension der Ausgrenzung und sozialen Verwundbarkeit von Erwerbslosen in der digitalen Wissensgesellschaft und produziert damit soziale Ungleichheit? In einem qualitativ angelegten und von der DFG gef&#246;rderten <a href="http://www.tu-harburg.de/agentec/forschung/bedeutunginternet.htm">Forschungsprojekt</a>, das am <a href="http://www.tu-harburg.de/agentec/">Arbeitsbereich Arbeit-Gender-Technik</a> an der TU Hamburg-Harburg angesiedelt ist, gehe ich mit meinen beiden Kolleginnen Do. Gerbig und Betje Schwarz unter der Leitung von Gabriele Winker diesen Fragen anhand von Interviews mit Erwerbslosen in drei verschiedenen Regionen Deutschlands und der Software gest&#252;tzten Aufzeichnung von Suchstrategien nach.</p>
<p><strong>Internet als Kompensation</strong></p>
<p>In den Interviews wird deutlich, dass das Internet die eingeschr&#228;nkten Teilhabem&#246;glichkeiten, die mit Erwerbslosigkeit einhergehen, zu kompensieren hilft, d.h. das Internet fungiert als Medium der Kompensation sozialer Ungleichheit. So erm&#246;glicht das Internet beispielsweise im Bereich Rechte die schlechte Informationspraxis der ARGE und die damit verbundene Rechtsunsicherheit auszugleichen. Die Betroffenen gewinnen durch das Internet ihre Handlungsf&#228;higkeit in der durch Abh&#228;ngigkeit und Willk&#252;r gepr&#228;gten Beziehung zur ARGE zur&#252;ck und k&#246;nnen sich zur Wehr setzen. Dabei wird deutlich, dass die Internetangebote die unzureichenden Offline-Rechtsberatungen &#252;bertreffen. Dar&#252;ber hinaus wird auch im Bereich eingeschr&#228;nkter kultureller Teilhabe und Freizeitgestaltung sowie Bildung deutlich, dass das Internet mit kostenlosen Angeboten oder (illegalisierten) Tauschb&#246;rsen f&#252;r Filme, B&#252;cher und Musik eine wichtige Kompensationsfunktion &#252;bernimmt. Hier k&#246;nnte man &#252;berlegen, ein „Sozialticket f&#252;r Internetangebote“ einzuf&#252;hren, damit sich Erwerbslose durch die Nutzung illegalisierter Angebote nicht strafbar machen m&#252;ssen. Das Internet spielt dar&#252;ber hinaus mit Preisvergleichen oder Ebay eine wichtige Rolle f&#252;r Teilhabe an der Konsumgesellschaft. Insofern kann das Internet Ausgrenzungen, die sich aufgrund der &#246;konomischen Situation ergeben, abschw&#228;chen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Bez&#252;glich des Zugangs zu Informationen erscheint die Nutzung des Internets heute fast relevanter als die Rezeption von traditionellen Massenmedien. „Mehr Informationen finden Sie unter tagesschau.de“. Viele Informationen sind au&#223;erhalb des Internets nur sehr schwer zug&#228;nglich und von KundInnen wird in immer mehr Bereichen eine Mitarbeit verlangt, um &#252;berhaupt an bestimmte Dienstleistungen zu kommen. Hier ist die ARGE mit der Telefonauskunft: „Lesen Sie das doch selber nach, das steht doch im Internet!“ keine Ausnahme. Je mehr solche Mitarbeit ins Internet verlagert wird, umso schwieriger wird es, ohne dieses Medium auszukommen. Und als demokratisches Medium er&#246;ffnet das Internet eine in klassischen Medien nicht zu findende Informations- und Meinungsvielfalt sowie einen Raum f&#252;r gemeinsames politisches Engagement in Form von Petitionen oder Emails an PolitikerInnen. Aber das Internet ist auch als sozialer Ort f&#252;r Erwerbslose von Bedeutung, denn &#252;ber Foren, Chats oder Social Communities wird soziale Zugeh&#246;rigkeit erm&#246;glicht, auch fern der Festlegung der eigenen Identit&#228;t auf Erwerbslosigkeit. Die Bedeutung, die das Internet im Alltag von Erwerbslosen hat ist somit vielf&#228;ltig: Das Internet erscheint als Einkommens- oder Zuverdienstquelle, als Arbeitsmittel f&#252;r politisches Engagement, als Heimat, als Zeitvertreib und Freizeitgestaltung oder als Mittel der Tagesstrukturierung. L&#228;ngst ist das Internet viel mehr als nur ein Informationsmedium.</p>
<p><strong>Produktion sozialer Ungleichheit</strong></p>
<p>Das empirische Material zeigt dar&#252;ber hinaus, dass das Internet in der Wahrnehmung der Interviewten selbst l&#228;ngst zum Symbol gesellschaftlicher Teilhabe geworden ist. „Also, es l&#228;uft echt alles nur noch &#252;bers Internet. Was haben die Leute fr&#252;her gemacht? Man f&#228;ngt echt an, nicht mehr ohne leben zu k&#246;nnen.“ Das Internet geh&#246;rt zur Normalit&#228;t der digitalen Informations- und Wissensgesellschaft und ist im Alltag omnipr&#228;sent: Online-Bewerbungen sind selbstverst&#228;ndlich und auch die ARGE setzt einen Internetzugang als Normalit&#228;t voraus. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Internetzugang an sich zu einem Faktor sozialer Ungleichheit wird, wenn Menschen davon ausgeschlossen sind. Ein nicht vorhandener oder eingeschr&#228;nkter Internetzugang wird somit zu einer weiteren Dimension der Ausgrenzung und sozialen Verwundbarkeit von Erwerbslosen in der digitalen Wissensgesellschaft und produziert durch die Exklusion von zentralen Lebenschancen soziale Ungleichheit. Diese Bedeutung des technischen Artefakts Internet ist in bisherigen Debatten um Ausgrenzung und Teilhabe verkannt worden. Es ist aber nicht nur ein Internetzugang notwendig, sondern auch die Fertigkeiten damit umzugehen. Diese k&#246;nnen nur ad&#228;quat entwickelt und aufrecht erhalten werden, wenn das sich schnell wandelnde Internet im Alltag orts- und zeitsouver&#228;n genutzt werden kann.</p>
<p>Das Internet darf kein Netz f&#252;r Wohlabende bleiben, denn bereits bisher zeigt sich eine sehr gro&#223;e Kluft bez&#252;glich der Internetnutzung zwischen einkommensschwachen Haushalten und finanziell besser gestellten Gruppen ((N)ONLINER Atlas 2010: 17). Seit Jahren gilt: Je reicher eine Person ist, desto eher hat sie einen Zugang zum Internet. Erstmalig in 2010 steigt die Internetnutzung in der Gruppe mit weniger als 1000 Euro Haushaltseinkommen auf &#252;ber 50%, d.h. immer noch ist in dieser Gruppe erst jede(r) Zweite online (ebd.). Vielmehr sollte ein Internetanschluss ein Grundrecht sein und die Unpf&#228;ndbarkeit von internetf&#228;higen PCs erscheint als l&#228;ngst &#252;berf&#228;llig. Einer der Interviewten formuliert treffend seinen Verbesserungsvorschlag bez&#252;glich des Internets: „Gratis k&#246;nnten sie es machen f&#252;r alle Menschen, ne? […] Also es ist, es k&#246;nnte in der Zukunft fast schon so was wie ein Menschenrecht sein, dass man Zugang hat zum Internet. Also das w&#228;re f&#252;r mich ein Vorschlag, dass so jeder es umsonst kriegt, ne? Ich k&#246;nnte es mir zum Beispiel nicht leisten, wenn mir meine Schwester nicht die H&#228;lfte zahlen w&#252;rde, ne?“ Bisher wird jedoch die Bedeutung des Internets f&#252;r Erwerbslose verkannt und die Anerkennung des Internets als Grundbedarf nicht diskutiert. Vielmehr wird derzeit die soziale Verwundbarkeit entlang des Zugangs zum Internet per Gesetz gef&#246;rdert. Damit sind Erwerbslose doppelt ausgegrenzt: aus der Erwerbsarbeitsgesellschaft und aus der digitalen Informations- und Kommunikationsgesellschaft. Der Gesetzgeber nimmt damit Betroffenen die M&#246;glichkeit, ihre marginalisierte Position mit Hilfe des Internets zu kompensieren und Handlungsf&#228;higkeit zur&#252;ckzugewinnen.</p>
<p>Aufgrund der vertikalen und horizontalen Segregation des Arbeitsmarktes sowie der Ungleichverteilung von Haus- und Sorgearbeit sind traditionell verst&#228;rkt weibliche Erwerbsbiographien von Erwerbslosigkeit und Niedrigeinkommen gekennzeichnet. Zudem zeigen sich immer noch geschlechtsspezifische Zug&#228;nge zu Technik. So dr&#228;ngen sich aus feministischer Perspektive die Fragen auf, ob vor allem Frauen von der doppelten Ausgrenzung aus Erwerbsarbeit und digitaler Wissensgesellschaft betroffen sind und ob die Produktion sozialer Ungleichheit in diesem Kontext vor allem entlang der Kategorie Geschlecht verl&#228;uft. Bei der Betrachtung der Internetnutzung wird allerdings deutlich, dass die Geschlechterdifferenz mit einem Abstand von 14,7 Prozentpunkten zwischen M&#228;nnern und Frauen (ebd.: 17) als entscheidende Achse der Differenz an Bedeutung verliert. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass eine einseitige Fokussierung auf Geschlecht den Blick verf&#228;lscht. Vielmehr bedarf es einer differenzierten intersektionalen Perspektive, um die hier wirkenden Achsen der sozialen Verwundbarkeit zu bestimmen. So ist die Schere bei der Internetnutzung zwischen den Geschlechtern umso gr&#246;&#223;er, je &#228;lter die Frauen sind und/oder je geringer ihre formale Bildung ist, w&#228;hrend beispielsweise sogar mehr Sch&#252;lerinnen als Sch&#252;ler das Internet nutzen und die Unterschiede bei jungen Frauen und M&#228;nnern minimal sind. Der digitale Graben in Deutschland verl&#228;uft also nicht isoliert entlang der Kategorie Geschlecht sondern vor allem entlang der Wechselwirkungen der Kategorien Geschlecht, Klasse (Einkommen, Bildung), Alter und regionaler Herkunft aus alten bzw. neuen Bundesl&#228;ndern. Und in Bezug auf Klasse wird er per Gesetz ein St&#252;ckchen tiefer gegraben.</p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<p>Landessozialgericht  NRW, L 6 AS 297/10 B, <a href="http://www.justiz.nrw.de/nrwe/sgs/lsg_nrw/j2010/L_6_AS_297_10_Bbeschluss20100423.html">http://www.justiz.nrw.de/nrwe/sgs/lsg_nrw/j2010/L_6_AS_297_10_Bbeschluss20100423.html</a> [29.07.2010]</p>
<p>Landessozialgericht Bayern, L 7 AS 41/10 B ER, <a href="http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&amp;id=128020">http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&amp;id=128020</a> [29.07.2010]</p>
<p>Lischka, Konrad (2010): Ich schenk dir das Tor zur Welt. In: spiegelonline vom 14.7.2010,</p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,706047,00.html">http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,706047,00.html</a> [29.07.2010]</p>
<p>(N)ONLINER Atlas 2010. Eine Topographie des digitalen Grabens durch Deutschland. Nutzung und Nichtnutzung des Internets, Strukturen und regionale Verteilung, <a href="http://www.initiatived21.de/wp-content/uploads/2010/06/NONLINER2010.pdf">http://www.initiatived21.de/wp-content/uploads/2010/06/NONLINER2010.pdf</a> [29.07.2010]</p>
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		<title>Web 2.0 = demokratische &#214;ffentlichkeit?  Einige (feministische) Anmerkungen zu einer erneuten Debatte</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/web_oeffentlichkeit/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 18:38:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tanja Carstensen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 27. April 2010 fand in Berlin, veranstaltet von der Heinrich-B&#246;ll-Stiftung, eine Podiumsdiskussion zum Thema „Citizen 2.0. Wie beeinflusst das Netz die demokratische &#214;ffentlichkeit?“ statt. Anlass war das Erscheinen des Buches „Emergenz digitaler &#214;ffentlichkeiten. Die sozialen Medien im Web 2.0“ des Medienwissenschaftlers Stefan M&#252;nker. Er vertritt die These, dass mit dem Web 2.0 das Ideal demokratischer &#214;ffentlichkeit, wie es J&#252;rgen Habermas entwirft, Realit&#228;t geworden ist. Auf der Veranstaltung diskutierten Stefan M&#252;nker, Sophie Scholz (socialbar) und ich, Jan Engelmann (Heinrich-B&#246;ll-Stiftung) moderierte. Im Folgenden skizziere ich einige meiner Kommentare und Anmerkungen, insbesondere diejenigen, die aus feministischen und genderkritischen Perspektiven resultieren...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Am 27. April 2010 fand in Berlin, veranstaltet von der Heinrich-B&#246;ll-Stiftung, eine Podiumsdiskussion zum Thema „<a href="http://www.boell.de/demokratie/foerderung/demokratiefoerderung-citizen20-digitale-gesellschaft-demokratie-partizipation-9124.html">Citizen 2.0. Wie beeinflusst das Netz die demokratische &#214;ffentlichkeit</a>?“ statt. Anlass war das Erscheinen des Buches „<a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/emergenz_digitaler_oeffentlichkeiten-stefan_muenker_26026.html">Emergenz digitaler &#214;ffentlichkeiten. Die sozialen Medien im Web 2.0</a>“ des Medienwissenschaftlers Stefan M&#252;nker. Er vertritt die These, dass mit dem Web 2.0 das Ideal demokratischer &#214;ffentlichkeit, wie es J&#252;rgen Habermas entwirft, Realit&#228;t geworden ist. Auf der Veranstaltung diskutierten Stefan M&#252;nker, Sophie Scholz (<a href="http://www.socialbar.de/wiki/Hauptseite">socialbar</a>) und ich, Jan Engelmann (<a href="http://www.boell.de/">Heinrich-B&#246;ll-Stiftung</a>) moderierte. Im Folgenden skizziere ich einige meiner Kommentare und Anmerkungen, insbesondere diejenigen, die aus feministischen und genderkritischen Perspektiven resultieren.</strong></p>
<p>Die Verbreitung des Internets war von Anfang an begleitet von Hoffnungen auf Demokratisierung. Nachdem die erste Welle euphorischer Prognosen zum Jahrtausendwechsel durch die politische Realit&#228;t sowie durch empirische Forschungsergebnisse ern&#252;chtert war, bl&#252;ht diese nun – gekn&#252;pft an das Schlagwort Web 2.0 – in einer zweiten Welle auf. Sp&#228;testens seit dem Wahlkampf von US-Pr&#228;sident Obama und der Nutzung von Twitter f&#252;r die Protestaktionen der Opposition im Iran scheinen die politischen Potenziale des Internets offensichtlich, und die Erwartungen an Demokratisierung und Partizipation sind gro&#223;.</p>
<p>Tats&#228;chlich ist eine Eigenschaft des Web 2.0 bemerkenswert und in der Form neu: Die Inhalte des neuen Mediums werden entscheidend und weit reichend durch die Nutzer_innen mitgestaltet und produziert, sei es in Wikis, Weblogs, sozialen Netzwerkseiten, Foren, auf Foto-, Video- oder Musikportalen oder auch nur &#252;ber Bewertungen auf Shopping-Seiten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Medien ist eine massenhafte Nutzung gemeinschaftlich geteilter, interaktiver Medien nun wirklich m&#246;glich und bleibt nicht, wie beim Radio, Computer oder dem ‚alten’ Internet blo&#223;e Hoffnung.</p>
<p>Diese medienhistorische Z&#228;sur ist f&#252;r den Medienwissenschaftler Stefan M&#252;nker Anlass, das Web 2.0 als Verwirklichung demokratischer &#214;ffentlichkeit, wie J&#252;rgen Habermas sie idealtypisch entworfen hat, zu betrachten. Habermas’ vier Kriterien, n&#228;mlich die Unbeschr&#228;nktkeit des Zugangs, Gleichberechtigung unter den Mitgliedern, die Offenheit der Themen und die Unabgeschlossenheit der Teilnehmer_innen seien, so M&#252;nker, in den meisten Web 2.0-Angeboten kein fernes Ideal, sondern selbstverst&#228;ndlicher Teil der Spielregeln. Er sieht im Web 2.0 eine Bereicherung unserer Ausdrucks- und Handlungsm&#246;glichkeiten, betont aber auch, dass erst durch den Gebrauch, also durch soziale Praxen, die medientechnologischen Rahmenbedingungen zu M&#246;glichkeitsr&#228;umen werden.</p>
<p><strong>Von der Litfasss&#228;ule zu feministischer Netzkultur</strong></p>
<p>Auch feministische Projekte, Bewegungen und Organisationen haben viel gewonnen durch die Zunahme der technischen M&#246;glichkeiten von Weblogs, Wikis, Twitter und sozialen Netzwerkseiten. M&#252;nker vergleicht das alte Internet mit einer besseren Litfasss&#228;ule, das lediglich ein Medium der Verlautbarung und Ver&#246;ffentlichung von Informationen war. Das gleiche Bild zeigt eine Untersuchung der Nutzung und Gestaltung des Internets in frauen- und genderpolitischen Netzwerken, die wir 2002 bis 2005 durchgef&#252;hrt haben (<a href="http://www.frauenbewegung-online.de/">www.frauenbewegung-online.de</a>). Damals wurde das Internet tats&#228;chlich fast ausschlie&#223;lich zur Informationssuche und -bereitstellung genutzt, die feministische Netzszene bestand aus lauter mehr oder weniger starren Internetauftritten, auf denen die Akteur_innen sich vorstellten und Fachinformationen anboten. Diskussionen, Interaktionen, Meinungsbildung oder gar politische Aktionen fanden so gut wie gar nicht statt.</p>
<p>Zwar existieren viele Internetauftritte feministischer Projekte noch heute in dieser Form, aber daneben und verwoben damit ist eine lebhafte queer-feministische Netzkultur entstanden, die sich vor allem &#252;ber Weblogs sehr gut miteinander vernetzt, rege austauscht, aufeinander verweist, diskutiert und sich und andere kommentiert. Zum einen entwickeln und erproben sie damit neue Internetpraktiken, die f&#252;r feministische Anliegen genutzt werden k&#246;nnen, zum anderen haben sich die feministischen Weblogs wie <a href="http://maedchenblog.blogsport.de/">m&#228;dchenblog</a>, <a href="http://maedchenmannschaft.net/">M&#228;dchenmannschaft</a>, <a href="http://www.piratenweib.de/">piratenweib</a>, <a href="http://genderblog.de/">genderblog</a>, <a href="http://antjeschrupp.com/">Antje Schrupp</a>, <a href="http://www.iheartdigitallife.de/">i heart digital life</a>, aber auch der Zusammenschluss girls on web society auf facebook, das erste <a href="http://www.gendercamp.de/">gendercamp</a> im Mai 2010 oder das Vernetzungstreffen <a href="http://www.frauenim.net/">FrauenImNet</a> damit auch innerhalb der (ansonsten sehr m&#228;nnlich gepr&#228;gten) Netzsph&#228;re etabliert. Dies wurde auch auf der diesj&#228;hrigen re:publica deutlich, auf der mit immerhin zwei explizit genderrelevanten Veranstaltungen im Programm die feministischen Beitr&#228;ge zur Netzkultur nicht mehr zu &#252;bersehen sind (hierzu z.B. YouTube <a href="http://www.youtube.com/watch?v=YQSf8ORaMHY">http://www.youtube.com/watch?v=YQSf8ORaMHY</a>). Mit dem Web 2.0 sind Vernetzung, Austausch, Kooperation, Meinungsbildung, Diskussion und Kommentare untereinander, aber auch die Sichtbarkeit feministischer Inhalte nach au&#223;en gestiegen.</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Unbeschr&#228;nkter Zugang?</strong></p>
<p>Dennoch kann aus feministischen Perspektiven kaum von einer Verwirklichung des demokratischen, aufkl&#228;rerischen Ideals von &#214;ffentlichkeit gesprochen werden. Manche m&#246;gen g&#228;hnen beim Stichwort digital divide, ist es doch so alt wie das Internet selbst und f&#252;r viele kein interessanter Punkt mehr. Doch in der Euphorie um die breiten Beteiligungsm&#246;glichkeiten ger&#228;t allzu oft aus dem Blick, dass die Frage nach Zugang und digitaler Spaltung nach wie vor relevant ist. Nicht nur, dass es nach wie vor allein in der Bundesrepublik Deutschland ca. 1/3 Offliner_innen gibt (<a href="http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/Gerhards_7_09.pdf">ARD/ZDF-Offlinestudie 2009</a>), unter denen nach wie vor &#252;berdurchschnittlich stark die &#252;ber 60-j&#228;hrigen Frauen zu finden sind; auch bleibt insbesondere die aktive Web 2.0 Nutzung sehr eingeschr&#228;nkt. Denn, so zeigt die <a href="http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Online09/Busemann_7_09.pdf">ARD/ZDF-Online-Studie 2009</a>, nur 13% der Internetnutzer_innen sind &#252;berhaupt interessiert am aktiven Mitwirken, 2/3 hingegen sind nicht interessiert am Einstellen eigener Inhalte.</p>
<p><strong>Gleichberechtigte Teilnehmer_innen?</strong></p>
<p>Einmal abgesehen von diesen Beschr&#228;nkungen, ist es dennoch deutlich leichter als fr&#252;her m&#246;glich, dass viele an einem Thema mitdiskutieren, Weblogs einrichten, kommentieren, bewerten, Wikipedia Artikel einstellen, bearbeiten und vieles mehr k&#246;nnen. Dennoch sind die vielen schreibenden, editierenden, diskutierenden und kommentierenden Menschen nicht wirklich gleichberechtigt. Das zeigt sich unter anderem an den Blogcharts, die auswerten, welche Blogs am meisten gelesen werden. Hier haben sich l&#228;ngst Hierarchien der Aufmerksamkeit herausgebildet. Und, welch Wunder, obwohl viele Frauen bloggen, sind Blogs von Frauen hier wenig zu finden (vgl. u.a. die <a href="http://www.soz.uni-frankfurt.de/K.G/B1_2008_Hesse.pdf">Studie der Ruhr-Uni Bochum</a>). Auch das Thema Netzpolitik scheint ebenfalls von b&#252;rgerlichen wei&#223;en M&#228;nnern dominiert (vgl. auch den <a href="../netzpolitik/">Text den Kathrin Ganz auf den Seiten des Feministischen Instituts</a>).</p>
<p>Und nicht nur das Gelesenwerden ist ungleich verteilt, auch die M&#246;glichkeiten zu schreiben sind nicht immer und &#252;berall im Web 2.0 so gleich wie behauptet. Auch in Wikipedia haben sich l&#228;ngst Gatekeeper und Machtstrukturen herausgebildet (vgl. <a href="http://user.uni-frankfurt.de/%7Echris/DFG-Projekt/">DFG-Projekt zu Wikipedia</a>); Administrator_innen wachen und urteilen streng &#252;ber Relevanz von Themen und Eintr&#228;gen (<a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/26C3-Hitzige-Qualitaetsdebatte-zur-Wikipedia-893775.html">u.a. Heise</a>).</p>
<p>Besonders restriktiv und hierarchisch zeigt sich das „Mitmachnetz“ bei den Eingabeformularen der sozialen Netzwerkseiten (vgl. auch <a href="../web2/">mein Text auf den Seiten des Feministischen Instituts</a>), die oftmals eindeutige Angaben u.a. zu Geschlecht, aber auch zu anderen Identit&#228;tskategorien fordern. Trotz zahlreicher Diskussionen, Forderungen und Petitionen innerhalb der Netzwerke gegen diese Beschr&#228;nkungen konnten die User_innen keine &#196;nderungen der Pflichtfelder erreichen; die Vorschl&#228;ge, andere Auswahlm&#246;glichkeiten, offene Felder und mehr Ausdrucksm&#246;glichkeiten in den Formularen zu erm&#246;glichen, lie&#223;en sich nicht durchsetzen.</p>
<p><strong>Offenheit der Themen?</strong></p>
<p>Stefan M&#252;nker geht davon aus, dass es einfacher wird, sich in politische Debatten einzumischen, und dass das Web 2.0 prinzipiell f&#252;r alle Themen offen ist. Das stimmt. Aber das hat auch viele Kehrseiten. Nat&#252;rlich ist es fantastisch, welchen Raum und welche Ausdrucksm&#246;glichkeiten queer-feministische Diskussionen und Praxen mit dem Netz dazu gewonnen haben. Gleichzeitig sind gerade feministische Inhalte im Netz extrem von sexistischen, homophoben und antifeministischen Kommentaren und Angriffen betroffen. In gem&#228;&#223;igter Form sind dies die L&#246;schantr&#228;ge f&#252;r die feministischen Eintr&#228;ge Ladyfest und riotgrrrl in Wikipedia, die ich <a href="../web2/">an anderer Stelle</a> schon einmal thematisiert hatte. Aber auch pers&#246;nliche Angriffe, Beleidigungen, sexistische Anmache und sogar Morddrohungen sind auf feministischen Blogs keine Seltenheit. Diese Angriffe auf feministische Inhalte haben seit der re:publica 2010 <a href="http://www.piratenweib.de/?p=1341">einen neuen H&#246;hepunkt</a> erreicht. Auch wenn davon ausgegangen wird, dass diese Angriffe von einer kleinen Gruppe Maskulinisten ausgehen, und frau die Kommentare einfach l&#246;schen kann, binden sie Energie, es m&#252;ssen Umgangsweisen, Abwehrmechanismen und <a href="http://carta.info/26755/die-ressource-ignoranz/">Ignoranz</a> entwickelt werden. Zwar gibt es inzwischen auch <a href="http://gendercamp.posterous.com/umgang-mit-trollen-moglichst-ohne-hausrechtsa">kreative Ans&#228;tze, mit den Kommentaren offensiv umzugehen</a> bis hin zu der <a href="http://gendercamp.posterous.com/trolle-monetarisieren">Idee, &#252;ber Werbung Geld mit ihnen zu verdienen</a>. Offener und gleichberechtigter Diskurs aller im Netz sieht dennoch anders aus.</p>
<p>Das Web 2.0 bietet viele neue M&#246;glichkeiten, demokratische &#214;ffentlichkeiten zu entwickeln. Verwirklicht sind diese damit noch lange nicht. Und dies bleibt wohl eher eine politische als eine technische Aufgabe.</p>
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		<title>Netzpolitik und soziale Gerechtigkeit. Ein queer-feministisch-intersektional inspirierter Blick auf die Themen der digitalen B&#252;rgerrechtsbewegung</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/netzpolitik/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 21:02:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Netzpolitische Themen wie die Vorratsdatenspeicherung oder Internetsperren haben in den letzten Jahren eine erstaunliche Mobilisierungsf&#228;higkeit bewiesen. Dies hat nicht zuletzt der Achtungserfolg der Piratenpartei bei der letzten Bundestagswahl gezeigt. Die Debatten um staatliche und privatwirtschaftliche Eingriffe in das Internet und den Schutz der Privatsph&#228;re im digitalen Zeitalter werden in der &#214;ffentlichkeit als Themen wahrgenommen, mit denen sich vor allem technisch versierte und meist m&#228;nnliche Internetnutzer_innen besch&#228;ftigen. Anhand des Themas Netzneutralit&#228;t und zwei Beispielen aus dem Bereich Datenschutz m&#246;chte ich zeigen, was Netzpolitik aus einer queer-feministisch-intersektionalen Sicht bedeutet, die vielf&#228;ltigen sozialen Positionierungen entlang komplexer Verh&#228;ltnisse sozialer Ungleichheit Rechnung tr&#228;gt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Netzpolitische Themen wie die Vorratsdatenspeicherung oder Internetsperren haben in den letzten Jahren eine erstaunliche Mobilisierungsf&#228;higkeit bewiesen. Dies hat nicht zuletzt der Achtungserfolg der Piratenpartei bei der letzten Bundestagswahl gezeigt. Die Debatten um staatliche und privatwirtschaftliche Eingriffe in das Internet und den Schutz der Privatsph&#228;re im digitalen Zeitalter werden in der &#214;ffentlichkeit als Themen wahrgenommen, mit denen sich vor allem technisch versierte und meist m&#228;nnliche Internetnutzer_innen besch&#228;ftigen. Anhand des Themas Netzneutralit&#228;t und zwei Beispielen aus dem Bereich Datenschutz m&#246;chte ich zeigen, was Netzpolitik aus einer queer-feministisch-intersektionalen Sicht bedeutet, die vielf&#228;ltigen sozialen Positionierungen entlang komplexer Verh&#228;ltnisse sozialer Ungleichheit Rechnung tr&#228;gt.</strong></p>
<p>Mit dem Begriff Netzpolitik bezeichne ich das Politikfeld der Regulierung digitaler Kommunikation. Drei wichtige Themen in diesem Zusammenhang sind derzeit die Vorratsdatenspeicherung, das Zugangserschwerungsgesetz und Netzneutralit&#228;t. Die Verfassungsm&#228;&#223;igkeit der Vorratsdatenspeicherung wird derzeit in Karlsruhe vom Bundesverfassungsgericht &#252;berpr&#252;ft. Das Urteil Aufzeichnung und Auswertung von Verbindungsdaten elektronischer Kommunikation via Internet und Mobilfunk wird f&#252;r den 2. M&#228;rz 2010 mit Spannung erwartet. Das Zugangserschwerungsgesetz, mit dem Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten per Stoppschild unsichtbar gemacht werden sollten, wurde zum Ende der letzten Legislaturperiode vom Bundestag verabschiedet. Obschon seine Umsetzung von der schwarz-gelben Regierungskoalition zun&#228;chst ausgesetzt wurde, trat es am 23. Februar 2010 in Kraft. Bei der Anh&#246;rung &#252;ber die Petition gegen das Gesetz zur Zugangserschwerung vor dem Petitionsausschuss des Bundestages zeigte sich jedoch erneut, dass diesem nicht nur die 135 000 Unterzeichner_innen der Petition, vertreten durch die Initiatorin der Petition, Franziska Heine, sondern auch alle im Bundestag vertretenen Parteien mittlerweile kritisch gegen&#252;ber stehen. Neben verfassungsrechtlichen Bedenken gegen&#252;ber dem Gesetz wird argumentiert, dass Internetsperren technisch leicht zu umgehen sind. Dar&#252;ber hinaus ist der Aufbau einer demokratisch nicht kontrollierbaren Zensurinfrastruktur zu bef&#252;rchten. Nun bleibt abzuwarten, ob die Regierungskoalition wie angek&#252;ndigt ein „L&#246;schgesetz“ vorlegt und ob der Bundestag das Zugangserschwerungsgesetz aufheben wird. Die Vorratsdatenspeicherung und das Zugangserschwerungsgesetz zeigen deutlich, wie umk&#228;mpft netzpolitische Themen in Deutschland zurzeit sind und welche Handlungsmacht die „digitale B&#252;rgerrechtsbewegung“ hat. Die geplante &#196;nderung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages wird voraussichtlich das n&#228;chste Konfliktfeld dieser Art.</p>
<p>W&#228;hrend sich diese Debatten jeweils an bundesdeutschen Gesetzesinitiativen entsponnen haben, ist Netzneutralit&#228;t ein Thema, dass in den letzten Monaten vor allem auf EU-Ebene verhandelt worden ist. Netzneutralit&#228;t bedeutet, dass Internetprovider Datenpakete unabh&#228;ngig davon, woher diese stammen, welche Anwendungen sie generiert haben und welche Inhalte sie transportieren unver&#228;ndert und gleichberechtigt &#252;bertragen. Vergleichbar mit der Briefpost, bei der alle Briefe mit der gleichen Geschwindigkeit bei der Empf&#228;ngerin ankommen sollten, bedeutet Netzneutralit&#228;t also, dass Internetprovider beim &#220;bermitteln von Daten neutral bleiben. Im Sinne der Profitmaximierung haben Telekommunikationsunternehmen jedoch ein wirtschaftliches Interesse daran bestimmten Daten bevorzugte &#220;bertragung zu gew&#228;hren und die &#220;bertragung von Daten zu verhindern, obwohl dies technisch ohne weiteres m&#246;glich ist. Beispielsweise schlie&#223;en viele Mobilfunkprovider es aus, mit internetf&#228;higen Handys &#252;ber Dienste wie Skype zu telefonieren, um die Telefongeb&#252;hren zu umgehen. Provider k&#246;nnten aber auch bestimmten Serviceanbietern vertraglich zusichern, deren Inhalte zuk&#252;nftig schneller oder gar exklusiv ihren Kund_innen zur Verf&#252;gung zu stellen, w&#228;hrend andere Seiten nicht mehr oder langsamer erreichbar sind. So lie&#223;en sich differenziertere Angebote zusammenstellen. Denkbar w&#228;re beispielsweise ein Internetzugang &#8220;basic&#8221;, der f&#252;r wenig Geld nur ausgew&#228;hlte Services wie Shoppingportale und die Seiten gro&#223;er Medienkonzerne bietet, w&#228;hrend f&#252;r das ganze Internet und die Nutzung von Protokollen aller Art monatlich viel Geld hingebl&#228;ttert werden muss. Im vergangenen Jahr wurde auf EU-Ebene das Telekom-Paket zur Schaffung einer europ&#228;ischen Telekommunikationsrahmengesetzgebung verabschiedet. In der ersten Lesung hatte sich das EU-Parlament noch f&#252;r klare Regeln zur Netzneutralit&#228;t ausgesprochen. In der schlie&#223;lich verabschiedeten Version jedoch einigte man sich darauf, Netzneutralit&#228;t hier nicht normativ festzuschreiben.</p>
<p>Wenn sich Provider zunehmend nicht mehr als Mittler_innen, sondern Gestalter_innen des Internets sehen, die aus kommerziellen oder politischen Interessen in die Inhalte eingreifen, hat das weitreichende Konsequenzen die freie Meinungs&#228;u&#223;erung im Netz. Es gibt unz&#228;hlige Seiten, Weblogs, Foren, Mailinglisten und Podcasts, die von Menschen aus unterschiedlichen marginalisierten Positionen heraus betrieben werden. Diese Tools dienen zur Vernetzung und politischen Organisation im Kampf gegen Unterdr&#252;ckung und Ausgrenzung und werden durch Eingriffe in die Netzneutralit&#228;t gef&#228;hrdet. Denn wer garantiert, dass ein &#8220;basic&#8221; Angebot auch das rassismuskritsche Weblog oder den feministischen Podcast beinhaltet? Wer kann sich in diesem Szenario einen Internetzugang leisten, der nicht nur zahlungskr&#228;ftige Mainstreammedien und Shoppingportale umfasst?</p>
<p>Der Traum von einem globalen virtuellen Raum, in dem Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse keine Rolle spielen, ist wahrscheinlich unerreichbar. Im Sinne der von Jacques Derrida formulierten Demokratie &#8220;à venir&#8221;, die stets im Kommen ist, w&#228;re es trotzdem ein Fehler, diese mit dem Internet verbundenen Hoffnungen zu verwerfen und den Profitinteressen der Telekommunikationsindustrie nachzugeben. Netzpolitik ist mit ihren verschiedenen nationalen und internationalen Ebenen und Akteur_innen ein sehr vielschichtiger und manchmal un&#252;bersichtlicher Politikbereich. Aus queer-feministisch-intersektionaler Perspektive halte ich es f&#252;r n&#246;tig, die meist technisch oder aber abstrakt-b&#252;rgerrechtlich formulierten Problemstellungen der Netzpolitik auf Fragen sozialer Gerechtigkeit hin zu untersuchen und sich nicht dem Gef&#252;hl der Paranoia gegen&#252;ber technischer &#220;berwachung und Machtlosigkeit hinzugeben. Das bedeutet, sich immer wieder zu fragen, was technische und politische Entwicklungen rund um das Internet f&#252;r Menschen bedeuten, die gesellschaftlich marginalisiert sind und vor diesem Hintergrund zum Teil spezifische Erfahrungen und soziale Praxen entwickeln. Zwei weitere Beispiele aus dem Bereich Datenschutz sollen dies verdeutlichen.</p>
<p>Die Website Netzpolitik.org machte vor einiger Zeit auf ein <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/datenleck-bei-der-berliner-online-gewerbeauskunft/">Datenleck in Berlin</a> aufmerksam. Das online einsehbare Handelsregister der Stadt konnte nach Branchen sortiert ausgegeben werden. Dies wirkt auf den ersten Blick unproblematisch, doch dadurch konnten Interessierte mit grundlegenden Datenbankkenntnissen eine Liste mit allen als Gewerbe angemeldeten Sexarbeiter_innen generieren. Sexarbeit ist gesellschaftlich noch immer tabuisiert, so dass in diesem Bereich vermutlich von einem gr&#246;&#223;eren Bed&#252;rfnis nach Datenschutz ausgegangen werden muss als beispielsweise bei Handwerksbetrieben. Entsprechend m&#252;ssen solche eGovernmentprojekte mit Blick Diskriminierung und gesellschaftliche Machtverh&#228;ltnisse kritisch beobachtet werden.</p>
<p>Ein viel diskutiertes Thema ist der Schutz der Privatsph&#228;re auf Sozialen Netzwerken wie StudiVZ, „Wer kennt wen?“ oder Facebook. F&#252;r gew&#246;hnlich haben Nutzer_innen auf diesen Seiten die M&#246;glichkeit, innerhalb des von den Seitenbetreiber_innen vorgegeben Rahmen einzustellen, f&#252;r wen welche Daten und Fotos sichtbar sein sollen. Von entscheidender Bedeutung ist jedoch, welche Einstellungen von Betreiber_innen voreingestellt sind. Was passiert also, wenn ich mich um nichts k&#252;mmere? Eine <a href="http://blogs.law.harvard.edu/niftyc/archives/192">Studie</a> &#252;ber die Umgangsweisen von Nutzer_innen mit den Voreinstellungen von Routern zeigt, dass wohlhabende, gut ausgebildete und &#252;ber Zeit bzw. die M&#246;glichkeit, sich professionelle Hilfe zu leisten verf&#252;gende Menschen h&#228;ufiger von der M&#246;glichkeit profitieren, die Einstellungen an ihren Ger&#228;ten zugunsten eines verbesserten Schutzes ihrer Privatsph&#228;re zu ver&#228;ndern. Enger gefasste Privacy(vor)einstellungen, wie von Datensch&#252;tzer_innen gefordert, vorzuschreiben, w&#252;rde es auch Nutzer_innen ohne entsprechende Ressourcen erm&#246;glichen, ihre Daten vor ungewollten Zugriffen durch andere Nutzer_innen oder Unternehmen zu sch&#252;tzen.</p>
<p>Das Internet ist Gegenstand sozialer und politisch umk&#228;mpfter Gestaltungsprozesse, in den sich zunehmend Menschen einmischen, die das Netz in seiner heutigen Form als Teil ihres Lebensraums verstehen. Die Netzbewegung interveniert gegen staatliche Regulationen, hinter denen sicherheitspolitische &#220;berlegungen ebenso wie privatwirtschaftliche Interessen stehen. Als im September 2009 in Berlin rund 20 000 Menschen unter dem Motto „Freiheit statt Angst“ demonstrierten, zeigte sich, wie heterogen diese Bewegung ist. Selbstverst&#228;ndlich waren Gruppen wie der Chaos Computer Club und die Arbeitskreise Vorratsdatenspeicherung und Zensur vertreten. Neben unz&#228;hliger Pirat_innen reichte das parteipolitische Spektrum von der Linken &#252;ber die Gr&#252;nen bis hin zur Liberalen Jugend, die mit ihren Polohemden nur wenige Demonstrationsbl&#246;cke hinter den in Schwarz gekleideten antikapitalistischen, autonomen Gruppen liefen. Berufsverb&#228;nde und Gewerkschaften hatten ebenso zum Protest gegen die Beschneidung von B&#252;rgerrechten im Zuge von staatlichen und privatwirtschaftlichen Sicherheitspolitiken aufgefordert wie PRO ASYL, der Berliner Fl&#252;chtlingsrat, der LSVD und die Deutsche AIDS Hilfe. Auch Trotz Allem e.V., eine Beratungsstelle f&#252;r Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, findet sich auf der Liste der Unterst&#252;tzer_innen. Sie hatte bereits in der Auseinandersetzung um Internetsperren Position gegen den Aufbau einer Zensurinfrastruktur eingenommen. In den aktuellen netz- und sicherheitspolitischen Diskursen verbindet bereits eine Reihe von Organisationen die b&#252;rgerrechtliche Perspektive mit den Interessen spezifisch positionierter, gesellschaftlich minorisierter Gruppen. Aus queer-feministisch-intersektionaler Perspektive halte ich es f&#252;r entscheidend, dass gesellschaftliche Herrschaftsverh&#228;ltnisse, wie sie sich beispielsweise entlang von Rassialisierung, der Kategorie K&#246;rper, Klassen und der heterosexuellen Geschlechterordnung reproduzieren, nicht v&#246;llig hinter der Figur des um „seine“ Rechte k&#228;mpfenden „B&#252;rgers“ verschwinden, damit Fragen sozialer Gerechtigkeit in netzpolitischen Debatten verhandelt werden k&#246;nnen.</p>
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		<title>Feminismus, Geschlechterforschung und die Neurowissenschaft</title>
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		<pubDate>Fri, 15 May 2009 11:21:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anelis Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir leben gegenw&#228;rtig in einer Neurozeit; manche setzen die Erforschung des Gehirns mit der Erforschung des Menschen gleich. Wie positionieren sich FeministInnen und GeschlechterforscherInnen zur immer wichtiger werdenden Rolle des Gehirns und der Neurowissenschaft in der Gesellschaft? Wie wollen wir, theoretisch und praktisch, Geschlechter&#228;hnlichkeit und -differenz im Gehirn handhaben? Gerade weil eine ganze Generation von feministischen NeurowissenschaftlerInnen fehlt, lautet das Pl&#228;doyer hier f&#252;r mehr neurowissenschaftliche Forschung - und zwar f&#252;r eine kritisch-feministische, die auf die neurobiologische Ver&#228;nderbarkeit von Differenzen und &#196;hnlichkeiten zielt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Wir leben gegenw&#228;rtig in einer Neurozeit; manche setzen die Erforschung des Gehirns mit der Erforschung des Menschen gleich. Wie positionieren sich FeministInnen und GeschlechterforscherInnen zur immer wichtiger werdenden Rolle des Gehirns und der Neurowissenschaft in der Gesellschaft? Wie wollen wir, theoretisch und praktisch, Geschlechter&#228;hnlichkeit und -differenz im Gehirn handhaben? Gerade weil eine ganze Generation von feministischen NeurowissenschaftlerInnen fehlt, lautet das Pl&#228;doyer hier f&#252;r mehr neurowissenschaftliche Forschung &#8211; und zwar f&#252;r eine kritisch-feministische, die auf die neurobiologische Ver&#228;nderbarkeit von Differenzen und &#196;hnlichkeiten zielt.</strong></p>
<p>Die zwischen 1990-2000 unter anderem vom US-Bundesministerium f&#252;r Gesundheit ausgerufene &#8220;Dekade des Gehirns&#8221; sowie die unz&#228;hligen privat und staatlich unterst&#252;tzten Ma&#223;nahmen zur F&#246;rderung neurowissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung und -verbreitung haben zweifelsohne ihr Ziel erreicht. Heute ist die Hirnforschung aus der Gesellschaft und Wissenschaft fast nicht mehr wegzudenken. <a href="http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/852357&amp;_z=798884">Ein Manifest</a>, herausgegeben von leitenden Figuren aus den Neurowissenschaften, kursierte im deutschen Sprachraum, mehrere regelm&#228;&#223;ig erscheinende <a href="http://www.gehirn-und-geist.de/">popul&#228;rwissenschaftliche Zeitschriften</a> machen das Thema allzeit gegenw&#228;rtig und zeitgen&#246;ssische Denkerinnen aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften belassen den von manchen Neurowissenschaftlerinnen unternommenen Versuch, den Menschen als biologisch determiniertes Hirnwesen zu betrachten, berechtigterweise nicht ohne Kritik.</p>
<p>Und wir? Was machen wir Feministinnen und Geschlechterforscherinnen mit dem neurowissenschaftlichen Diskurs? So lautet eine meiner Fragen. Zu diesem Thema haben bereits einige aus geistes- sowie kulturwissenschaftlicher (Purtschert 2008), wissenschaftskritischer (Schmitz 2006, Fausto-Sterling 2000) oder historischer Sicht (Imboden u.a. 2007) geforscht. Diese Arbeiten untersuchen unter anderem die Vorstellungen von K&#246;rper und Geschlecht in den Neurowissenschaften (Purtschert), die Verwobenheit zwischen neurowissenschaftlicher Theorie, Methode und geschlechterrelevanten Ergebnissen (Schmitz, Fausto-Sterling) oder die historische Reise des Geschlechts durch den K&#246;rper und wie diese im Gehirn ihr Ende nahm (Imboden u.a.).</p>
<p>Ein andere Frage betrifft den neurowissenschaftlichen Diskurs auf eine direktere Art und lautet: Wie kann eine feministische Sicht direkt in den neurowissenschaftlich-empirischen Diskurs integriert werden? Meines Erachtens sollten wir hierbei an die in Vergessenheit geratenen feministischen Empirikerinnen der 1970er und 1980er Jahre, wie Ruth Bleier oder Susan Leih Star, ankn&#252;pfen. Es gab sie also auch in den Neurowissenschaften. Die feministische Deutlichkeit, mit der sie sich damals durchaus auch in ihren neurowissenschaftlichen Publikationen &#228;u&#223;erten, haben wir nicht mehr &#8211; oder: wir nehmen sie uns nicht. 1979 scheute sich Star nicht, in ihrem Artikel &#8220;Sex Differences and the Dichotomization of the Brain &#8230;&#8221;, von &#8220;pro-patriarchalen politics&#8221; gerade auch im Zusammenhang mit geschlechtlichen Morphologien des Gehirns zu sprechen. Heute hingegen fehlen mir die Bezeichnungen, wenn ich bei renommierten interdisziplin&#228;ren Veranstaltungen, wie zum Beispiel den <a title="PDF-Datei: Flyer Neurocultures" href="http://www.mpiwg-berlin.mpg.de/PDF/NeuroculturesFlyer.pdf">Neurocultures</a>,                   auch nur auf das fehlende Thema Geschlecht hinweisen m&#246;chte.</p>
<p>Sicherlich muss in diesem Zusammenhang ein allgemeines Interdisziplinarit&#228;tsproblem ins Feld gef&#252;hrt werden: Die Neurowissenschaften und die Geschlechterforschung haben keine gemeinsame Sprache. Intuitiv stehen wir den Naturwissenschaften mit gro&#223;er Skepsis gegen&#252;ber. Seit sp&#228;testens Anfang der neunziger Jahre haben wir in der Geschlechterforschung gelernt, den biologischen Neurowissenschaften mit einer per se abwehrenden Grundhaltung gegen&#252;ber zu treten, zu sehr sitzen uns noch deterministische Aussagen dar&#252;ber, wie Frauen- und M&#228;nnergehirne funktionieren und wie sich daraus weibliches und m&#228;nnliches Verhalten ableiten l&#228;sst, in den Knochen. Und weil nach wie vor essentialistische Deklarationen in diesen Forschungsfeldern aufgestellt werden, sollten wir uns eine gesunde Portion dieser Skepsis bewahren. Und dennoch &#8230;</p>
<h3>Zwei neue Fragestellungen</h3>
<p>Was heute in demjenigen Bereich der Geschlechter- und der feministischen Forschung, der sich mit den Neurowissenschaften besch&#228;ftigt, dringlich ansteht, ist meiner Ansicht nach die Bearbeitung von zwei Aspekten. Der erste betrifft eine exakte Untersuchung dessen, was im neurowissenschaftlichen Experimentallabor vor sich geht. Diese Ebene ist n&#228;mlich diejenige, in der die das Gehirn abbildende Methode samt der Statistik, die biologischen Grunds&#228;tze des Gehirns und die gesellschaftlichen Vorstellungen aufeinander treffen und materialisierte Faktizit&#228;ten mit geschlechtlichen Auspr&#228;gungen (re-)produzieren. Der zweite Aspekt zielt auf einen neuen Umgang mit geschlechtsbezogenen Resultaten aus den Neurowissenschaften ab. Die Frage hierbei ist: Wie k&#246;nnen wir, ausgehend von dem durch unsere Vorg&#228;ngerinnen in den 1970er und 1980er Jahren aufgestellten geschlechtsrelevanten Wissen, die heutzutage hervorgebrachten Ergebnisse deuten und vor allem feministisch nutzen?</p>
<p><em>Warum wir das neurowissenschaftliche Experiment ins Auge fassen sollten </em></p>
<p>Die gezielte Analyse des neurowissenschaftlichen Experimentes erlaubt neue Sichtweisen auf das Gehirn. Neue Fragen resultieren daraus, wie diejenige, die untersucht, warum bestimmte Hirnregionen, zum Beispiel solche auf der kortikalen Rinde, sich als flexibler hinsichtlich von Geschlechterunterschieden zeigen, w&#228;hrend subkortikale Areale standfesten geschlechtlichen Dichotomien unterliegen. Somit wird auch die grunds&#228;tzliche Notwendigkeit deutlich, um zu verstehen, was im Gehirn &#252;berhaupt eine &#8220;Geschlechterdifferenz&#8221; ist, wie diese gemessen wird, wie diese mit statistischen Methoden variieren kann und ob diese &#252;berhaupt im Stande ist, etwas Endg&#252;ltiges &#252;ber das &#8220;Geschlecht des Gehirns&#8221; auszusagen. Ferner m&#252;ssen wir in diesem Zusammenhang die Bedingtheiten eines neurowissenschaftlichen Experiments samt den Operationalisierungseinschr&#228;nkungen eines jeden empirischen Aktes anerkennen, damit wir auch tats&#228;chlich nachvollziehen k&#246;nnen, was denn gemeint ist, wenn ein Geschlechtsunterschied oder eine Geschlechter&#228;hnlichkeit im Gehirn gefunden wird.</p>
<p>Es ist aus feministischer Sicht relevant zu verstehen, warum die statistisch-methodische Bedingung besteht, die zu folgendem Beispiel f&#252;hrt: Eine Forscherin, die sich mit funktioneller Magnetresonanztomographie besch&#228;ftigt, geht in einem <a href="https://www.jiscmail.ac.uk/cgi-bin/webadmin?A2=ind02&amp;L=SPM&amp;T=0&amp;F=&amp;S=&amp;P=1371995">online Datenanalyse-Forum</a> der bilateralen (beidseitigen) weiblichen Aktivierung im weiblichen Gehirn und deren statistisch korrekter Auswertung nach. In diesem Zusammenhang schl&#228;gt sie vor, ob die Tatsache des bilateralen Musters &#8211; M&#228;nner weisen meist ein laterales Muster auf &#8211; nicht etwa ein valider Grund w&#228;re, die Frauenkohorte aus ihrer Studie g&#228;nzlich auszuschlie&#223;en, was wiederum bedeuten w&#252;rde, anschlie&#223;end eine rein m&#228;nnliche Gruppe als Untersuchungsobjekt vor sich zu haben. Es reicht nicht, dieses Beispiel als solches anzuf&#252;hren, wir m&#252;ssen die statistischen Bedingungen und die neurobiologischen Grunds&#228;tze des Gehirns erkl&#228;ren k&#246;nnen, damit wir solchen und &#228;hnlichen Ausschlussgedanken, die Frauen betreffen, mit neuen statistischen und methodischen Logiken entgegen treten k&#246;nnen.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus m&#252;ssen wir auch wieder anfangen, feministisch-neurowissenschaftlich zu experimentieren. Das dekonstruierte Geschlecht dominiert gro&#223;e Teile der Geschlechterforschung. Bez&#252;glich der Neurowissenschaften hat das dekonstruierte Geschlecht es, salopp formuliert, bis an die empirische Grenze des neurowissenschaftlichen Labors geschafft, das hei&#223;t, es gibt Forschung &#252;ber den Konstruktionsgehalt des Geschlechts in den Neurowissenschaften aber keine Forschung mit dem dekonstruierten Geschlecht im neurowissenschaftlichen Experiment. Was machen wir also mit diesem Ansatz jenseits der Grenze? Scheuen wir diese bestimmte empirische Transgression? Hat das dekonstruierte Geschlecht einen Platz im neurowissenschaftlichen Experiment? Im Jahre 2009, fast schon 20 Jahre nach dem ersten Unbehagen mit der zwingenden Trennung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht, gilt es die These zu pr&#252;fen, ob sich das Verst&#228;ndnis, sex sei gender auch neurowissenschaftlich experimentell beweisen l&#228;sst. Eine simple Formulierung von enormem feministischem Gewicht.</p>
<p><em>Neuer Umgang mit geschlechtsbezogenen Resultaten aus den Neurowissenschaften </em></p>
<p>Was machen wir aus feministischer Sicht mit der Unmenge an Resultaten &#252;ber Geschlechtsdifferenzen, &#252;ber &#8220;abweichende&#8221; Gehirnaktivit&#228;ten bei Homosexuellen, &#252;ber &#8220;weibliche&#8221; und &#8220;m&#228;nnliche&#8221; Muster im Gehirn bei Experimenten zur menschlichen Sexualit&#228;t? Kurz: was machen wir ganz konkret mit der Unmenge an einzelnen &#8220;neuen&#8221; und tradierten Bausteinen der Geschlechterdifferenz im Gehirn? Ein Umgang ist es, sie zu dekonstruieren, wie bisher &#8211; und das ist schon einmal ganz gut. Ein weiterer besteht jedoch auch gemeinhin darin, darauf hinzuweisen, dass viel weniger neurowissenschaftliche Arbeiten als man denkt eindeutige deterministische Aussagen treffen. Die Perspektive, Differenzen im Gehirn eher als Resultate einer geschlechtlichen Sozialisation als Ursache von geschlechtertypischem Verhalten zu begreifen, wird n&#228;mlich auch innerhalb der Neurowissenschaften durchaus vertreten. Des Weiteren w&#228;re es interessant, einen Unterschied auch einmal als &#8220;biologische&#8221; Geschlechterdifferenz im Gehirn stehen zu lassen, um anschlie&#223;end neurowissenschaftlich-experimentell zu zeigen, wie sich dieser Unterschied aufgrund der neuronalen Plastizit&#228;t, also der F&#228;higkeit des Gehirns zur Ver&#228;nderbarkeit, im Gehirn umformen l&#228;sst. So betrachtet wurde Plastizit&#228;t n&#228;mlich bereits in den 1970er Jahren von feministischen Neurobiologinnen angedacht:</p>
<p>&#8220;Do we somatize our oppression? Rather than assuming that our bodies necessarily determine our social state, as patriarchal scientists have tried to prove, we must understand that social states can give rise to and shape many facets of our physical being. Biology is no less, and perhaps in some areas, far more, mutable than socialization &#8230; (Star, 1979, S. 116)</p>
<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Imboden, Gabriela, Kaiser, Anelis, Ratmoko, Christina (2007). Das &#8220;bewegte&#8221; Geschlecht. In: Grisard, Dominique / H&#228;berlein, Jana / Kaiser, Anelis / Saxer, Sibylle (Hg.): Gender in Motion. Die Konstruktion von Geschlecht in Raum und Erz&#228;hlung, Frankfurt: Campus, S. 104-127.</li>
<li>Purtschert, Patricia (2008). Naturalisierung: Dekonstruktive Anmerkungen zu einem streitbaren Begriff. In: Aus der Au, Christina (Hg.): K&#246;rper-Leib-Seele-Geist. Schl&#252;sselbegriffe einer aktuellen Debatte. Z&#252;rich: TVZ 2008, S. 51-66.</li>
<li>Schmitz, Sigrid (2006). Frauen- und M&#228;nnergehirne. Mythos oder Wirklichkeit? In: Ebeling, Smilla / Schmitz, Sigrid (Hg.): Geschlechterforschung und Naturwissenschaften. Einf&#252;hrung in ein komplexes Wechselspiel. Wiesbaden: VS-Verlag, S. 211-234.</li>
<li>Star, Susan Leigh, (1979). Sex Differences and the Dichotomization of the Brain: Methods, Limits and Problems in Research on Consciousness. In: Hubbard, Ruth / Marian Lowe, Editors, Genes and Gender II, Gordian Press, New York.</li>
</ul>
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		<title>Maschinen konstruieren &#8211; M&#228;nnlichkeit und Technik in der Moderne</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 19:41:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tanja Paulitz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ob und in welcher Weise technische Fachinhalte gender-relevant sind, ist bislang kaum erforscht. Zwar wei&#223; man inzwischen, dass technische Kompetenzen einen hohen Stellenwert in der Ausbildung einer m&#228;nnlichen Geschlechtsidentit&#228;t haben. Doch ist der Kenntnisstand dar&#252;ber erstaunlich karg, wie beides in der Wissenstradition des Ingenieurwesens eine so enge und dauerhafte Allianz eingehen konnte, welche Ver&#228;nderungen es im Laufe der Zeit gegeben hat und wie traditionelle Bilder destabilisiert werden k&#246;nnten. Um zu verstehen, wie die symbolische Ebene im Ingenieurbereich strukturiert ist, m&#252;ssen also diese historischen Beziehungen zwischen M&#228;nnlichkeitsbildern und Technik genauer untersucht werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Ob und in welcher Weise technische Fachinhalte gender-relevant sind, ist bislang kaum erforscht. Zwar wei&#223; man inzwischen, dass technische Kompetenzen einen hohen Stellenwert in der Ausbildung einer m&#228;nnlichen Geschlechtsidentit&#228;t haben. Doch ist der Kenntnisstand dar&#252;ber erstaunlich karg, wie beides in der Wissenstradition des Ingenieurwesens eine so enge und dauerhafte Allianz eingehen konnte, welche Ver&#228;nderungen es im Laufe der Zeit gegeben hat und wie traditionelle Bilder destabilisiert werden k&#246;nnten. Um zu verstehen, wie die symbolische Ebene im Ingenieurbereich strukturiert ist, m&#252;ssen also diese historischen Beziehungen zwischen M&#228;nnlichkeitsbildern und Technik genauer untersucht werden. </strong></p>
<p>Dass M&#228;nner qua Geschlecht eine Faszination f&#252;r Technik versp&#252;rten, ist eine weit verbreitete Meinung besonders in westlichen Gesellschaften. Frauen- und Geschlechterforschung wie Gleichstellungspolitik haben dieses Vorurteil seit etlichen Jahren entschieden kritisiert und zahlreiche Initiativen gestartet, um das Vorurteil abzubauen.</p>
<p>Im Forschungsprojekt &#8220;Technisches Konstruieren und Geschlecht in der Informationsgesellschaft&#8221; (1) ging es darum, die Grundlagenforschung f&#252;r dieses Feld weiter voran zu bringen, um neue Ansatzpunkte zu identifizieren, wie die &#8216;Monokulturen&#8217; im technischen Bereich zustande kommen. Zentrales Anliegen war es, die im Ingenieurbereich dominanten gesellschaftlichen Bilder und Vorstellungen zu untersuchen. Eine solche Verschiebung des Forschungsinteresses von den Zugangsbarrieren hin zur Analyse der Fachinhalte folgt der leitenden Grundannahme des Projekts, dass Ausschl&#252;sse nicht allein eine Frage der strukturellen Organisation des Berufsfeldes und der Sozialisation sind, sondern auch auf einer symbolischen Ebene liegen (ausf&#252;hrlicher vgl. Paulitz 2006). Notwendig ist folglich die Erforschung der inhaltlichen Grundlagen, der Wissenstraditionen und Fachkulturen in einschl&#228;gigen Gebieten der Ingenieurwissenschaften und -praxis.</p>
<p>Technische Konstruktion ist ein solches Gebiet. Es handelt sich geradezu um die klassische Ingenieurt&#228;tigkeit par excellence, die insbesondere im Maschinenbau auf eine lange, bis ins 19. Jahrhundert reichende Geschichte zur&#252;ckblicken kann. Die Ergebnisse aus der historischen Analyse dieser Wissenstradition best&#228;tigen die Hypothese, dass das Verst&#228;ndnis der technischen Konstruktion zentral f&#252;r die Formulierung des Berufsbildes des Ingenieurs und f&#252;r die Institutionalisierung des Berufsfeldes war.</p>
<p>Und Gender? In der geschichtswissenschaftlichen wie in der soziologischen Forschung liegen bislang nur wenige Hinweise darauf vor, ob und in welcher Weise der ingenieurwissenschaftliche Fachdiskurs gender-relevant ist (vgl. u.a. Zachmann 2004; Oldenziel 1999Faulkner 2001 und 2007). Zwar wei&#223; man inzwischen, dass technische Kompetenzen einen hohen Stellenwert in der Ausbildung einer m&#228;nnlichen Geschlechtsidentit&#228;t haben. Doch ist der Kenntnisstand dar&#252;ber erstaunlich karg, wie beides in der Wissenstradition des Ingenieurwesens eine so enge und dauerhafte Allianz eingehen konnte, welche Bilder von M&#228;nnlichkeit hier im einzelnen im Vordergrund stehen, welche Ver&#228;nderungen es im Laufe der Zeit gegeben hat und wie traditionelle Bilder destabilisiert werden k&#246;nnten. Um zu verstehen, wie die symbolische Ebene im Ingenieurbereich strukturiert ist, m&#252;ssen also diese historischen Beziehungen zwischen M&#228;nnlichkeitsbildern und Technik genauer untersucht werden.</p>
<p>Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass es hier nicht ein einheitliches Bild gibt. Interessant ist, dass es insbesondere in der Zeit um 1900 intensive Kontroversen &#252;ber das &#8220;richtige&#8221; Verst&#228;ndnis der Ingenieurt&#228;tigkeit innerhalb des Maschinenbaus gegeben hat, die historisch eine Genderrelevanz zeigen. Strittig war insbesondere, ob das Erfinden und Konstruieren von Maschinen eine schwerpunktm&#228;&#223;ig auf wissenschaftliche Gesetze und Modelle oder eine auf Erfahrungswissen und konstruktivem Gef&#252;hl gest&#252;tzte T&#228;tigkeit ist (vgl. K&#246;nig 1999; Heymann 2005). Beide Ausrichtungen haben gemeinsam, dass sie diese Ingenieurt&#228;tigkeit ausdr&#252;cklich als Leistung von M&#228;nnern verstehen. Allerdings werden dabei unterschiedliche Bilder vom Ingenieurberuf produziert:</p>
<p>1. Die an der Wissenschaftlichkeit orientierte Ausrichtung bringt das Bild des europ&#228;ischen, rationalen Maschinenwissenschaftlers hervor, der die Herrschaft der westlichen Kultur durch seine Technologien sichert. Das Konstruieren von Maschinen wird hier vorrangig als geistige Arbeit verstanden, die mit der Entwicklung von Arbeitsmaschinen ein Vielfaches an Produktivit&#228;t erzeugen kann, als die k&#246;rperlich arbeitenden M&#228;nner der nicht-europ&#228;ischen &#8220;V&#246;lker&#8221; dies k&#246;nnten. Im Kampf f&#252;r die soziale Aufw&#228;rtsmobilit&#228;t der Ingenieure in der westlichen Welt betonen die Vertreter dieser Ausrichtung also den Unterschied zwischen geistig und k&#246;rperlich arbeitenden M&#228;nnern, zwischen vormodernem Verharren in einer g&#246;ttlichen Weltordnung und der Dynamik der modernen Welt des Fortschritts.</p>
<p>2. Die an der Erfahrungspraxis orientierte Ausrichtung produzierte hingegen ein Bild vom Ingenieur als dem genialen Maschinenk&#252;nstler. Die Vertreter betonen hier Phantasie, Wille und Kraft als Eigenschaften des Konstrukteurs. Sie beziehen sich auf ein maskulinistisches Ideal als kreative Ressource f&#252;r das Erfinden von Technik. Ihre Absage an wissenschaftliche Rationalit&#228;t als Hauptquelle technischen Schaffens r&#252;ckt zwar Emotionalit&#228;t und Intuition im Schaffensprozess von Ingenieuren in den Vordergrund. Zwar handelt es sich dabei um traditionell Frauen zugeschriebene Eigenschaften. Diese erfahren jedoch in einem solchen Bild des Konstrukteurs eine deutliche Umcodierung zum spezifischen Verm&#246;gen des Mannes der Tat. Die M&#228;nnlichkeit dieses genialen K&#252;nstler-Ingenieurs wird geradezu zum Programm.</p>
<p>Die Analyse zeigt also auch, dass mit diesen beiden Bildern des Ingenieurs auch zwei verschiedene Formen der Herstellung von der M&#228;nnlichkeit verbunden sind: W&#228;hrend die eine unhinterfragt davon ausgeht, dass M&#228;nner die ma&#223;geblichen Akteure in der zeitgen&#246;ssischen Weltordnung sind, erhebt die andere Ausrichtung die M&#228;nnlichkeit explizit zu einer spezifischen und geradezu gefeierten F&#228;higkeit. Mit der Abkehr vom wissenschaftlich-rationalen Modell von technischer Konstruktion und mit der Betonung von Erfahrung, Intuition und Gef&#252;hl wird der Ingenieurbereich also nicht f&#252;r diejenigen (Frauen z.B.) ge&#246;ffnet, denen traditionell solche Eigenschaften zugeschrieben werden. Es zeigt sich vielmehr, dass es in der Geschichte des Maschinenbaus gelungen ist, gerade auch ein nicht-rationales Modell des Konstruierens als ein spezifisch m&#228;nnliches Verm&#246;gen zu verstehen. Der Vergleich des Ingenieurs mit dem freien K&#252;nstler in der Moderne soll den Ausnahmecharakter des Ingenieurschaffens verdeutlichen.</p>
<p>Auf Basis dieser Ergebnisse l&#228;sst sich zum jetzigen Zeitpunkt &#8211; etwas verallgemeinert betrachtet &#8211; folgendes Res&#252;mee ziehen: Will man Genderforschung im Feld der Technik betreiben, so reicht es nicht aus, die Situation der Frauen zu analysieren. Man muss hingegen M&#228;nnlichkeitsforschung betreiben, um mehr Wissen dar&#252;ber zu erlangen, wie Berufsbilder und -kulturen im Ingenieurbereich &#8216;gestrickt&#8217; sind und funktionieren.</p>
<p>Und heute? Die Konstruktionswissenschaft und -methodik hat sich inzwischen zu einem eigenen Fachgebiet innerhalb des Maschinenbaus entwickelt, das methodische Konzepte f&#252;r die technische Produktentwicklung formuliert. Mittlerweile wurden nicht nur zahlreiche interdisziplin&#228;re Anschlussstellen ausgebaut. Auch der Einfluss von IT-gest&#252;tzten Innovationen in der Konstruktionsarbeit spielt sp&#228;testens seit der Computerisierung (Computer Aided Design &#8211; CAD) eine wichtige Rolle. Unter dem Stichwort &#8220;collaborative design&#8221; beispielsweise werden aktuell auch die M&#246;glichkeiten dezentral verteilter Konstruktionsteams diskutiert. Solche inhaltlichen Fortentwicklungen dieses Teilgebiets im Maschinenbau gehen notwendigerweise mit Ver&#228;nderungen des Anforderungsprofils an Konstrukteure/Konstrukteurinnen sowie mit neuen Modellen der Ingenieurt&#228;tigkeit einher. Es ist anzunehmen, dass theoretisch-methodische Umorientierungen im Ingenieurbereich nicht nur stark von gegenw&#228;rtigen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen beeinflusst sind, sondern ihrerseits auch interessante soziale Effekte hervorrufen k&#246;nnen. Diese Effekte aus einer Geschlechterperspektive zu beleuchten k&#246;nnte sich lohnen: Wie wird in Zukunft das T&#228;tigkeitsprofil des Maschinenbauingenieurs/der Maschinenbauingenieurin aussehen? Welche Kompetenzen werden erwartet? Welche werden selbstverst&#228;ndlich unterstellt? Welches professionelle Selbstverst&#228;ndnis wird im Studium vermittelt? Welche Au&#223;endarstellung des Ingenieurberufs wird entstehen? Und inwiefern sind diese Bilder und Anspr&#252;che mit aktuellen gesellschaftlichen Bildern von M&#228;nnlichkeit bzw. Weiblichkeit verkn&#252;pft? Wird die symbolische &#8216;Verdrahtung&#8217; von technischer Kreativit&#228;t und M&#228;nnlichkeit aufgeweicht und auf diese Weise der Ingenieurbereich mehr ge&#246;ffnet? Die Relevanz der festgestellten, historisch unterschiedlichen Ausformulierungen technischer Konstruktion w&#228;re f&#252;r solche aktuellen Entwicklungen genauer zu pr&#252;fen.</p>
<p>Wie die historische Analyse zeigt, bedeuten solche neuen Bilder jedoch nicht automatisch eine &#214;ffnung des technischen Berufsfeldes. Und auch aus geschlechterpolitischer Perspektive kann ein Modell &#8220;weiblichen&#8221; Konstruierens nicht das Ziel sein. Aus Sicht feministischer Politik gilt es vielmehr darauf zu achten, dass neue Modelle des Konstruierens und neue Berufsbilder im technischen Bereich nicht wieder in einer Weise zementiert werden, die vereinfachende geschlechtliche (und ggf. auch andere) Zuordnungen beinhalten und somit Zug&#228;nge verschlie&#223;en.</p>
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<hr /></div>
<p>(1) Das im Jahr 2007 abgeschlossene Projekt wurde durchgef&#252;hrt am Inter-Universit&#228;ren Forschungszentrum f&#252;r Technik, Arbeit und Kultur (IFZ) in Graz (<a href="http://www.sts.tugraz.at/paulitz">http://www.sts.tugraz.at/paulitz</a>), finanziell gef&#246;rdert vom &#214;sterreichischen Wissenschaftsfond (FWF) im Rahmen des Lise-Meitner-Mobilit&#228;tsprogramms.</p>
<h3>Literatur:</h3>
<p>Faulkner, Wendy, 2001: The Technology Question in Feminism: a View from Feminist Technology Studies. Women&#8217;s Studies International Forum (24) 1: 79-95.</p>
<p>Faulkner, Wendy, 2007: &#8220;Nuts and Bolts and People&#8221;: Gender-troubled engineering identities. Social Studies of Science (37) 3. (forthcoming).</p>
<p>Heymann, Matthias, 2005: &#8220;Kunst&#8221; und Wissenschaft in der Technik des 20. Jahrhunderts. Zur Geschichte der Konstruktionswissenschaft. Z&#252;rich.</p>
<p>K&#246;nig, Wolfgang, 1999: K&#252;nstler und Strichezieher. Konstruktions- und Technikkulturen im deutschen, britischen, amerikanischen und franz&#246;sischen Maschinenbau zwischen 1850 und 1930. Frankfurt/Main.</p>
<p>Oldenziel, Ruth, 1999: Making Technology Masculine. Men, Women and Modern Machines in America 1870-1945. Amsterdam.</p>
<p>Paulitz, Tanja, 2006: Geschlechterforschung und Technikwissenschaften: Konstruktionen von Wissen in Fachkulturen des Ingenieurbereichs. Zeitschrift f&#252;r Frauenforschung und Geschlechterstudien Nr. 4. 23-42.</p>
<p>Zachmann, Karin, 2004: Mobilisierung der Frauen. Technik, Geschlecht und Kalter Krieg in der DDR. Frankfurt/M., New York.</p>
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		<title>&#8220;Also, wenn du da nicht von selbst drauf kommst&#8230;&#8221;  Einschreibungen von Geschlecht bei Interface-AgentInnen</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/interface-agentinnen/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 May 2008 07:30:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Englert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Technische Artefakte wie Fahrr&#228;der, Computer oder eben Interface-AgentInnen k&#246;nnen nicht als nat&#252;rlich und gegeben gesehen werden. Vielmehr m&#252;ssen sie als soziale Akteure betrachtet werden, denn technische Artefakte verk&#246;rpern soziale Verh&#228;ltnisse und Strukturen. Im allt&#228;glichen Umgang begegnen uns st&#228;ndig technische Artefakte, von denen wir annehmen, sie seien neutral. Tats&#228;chlich werden die Artefakte dadurch noch m&#228;chtiger in der Aufrechterhaltung der sozialen Strukturen und Verh&#228;ltnisse, die in sie eingeschrieben sind. Auch Geschlecht als soziale Ordnungskategorie finden wir in technische Artefakte eingeschrieben. Dieser Umstand kann keineswegs als unschuldig betrachtet werden, denn vergeschlechtlichte technische Artefakte k&#246;nnen dabei mitwirken, Geschlechterverh&#228;ltnisse und damit verbundene Herrschaftsverh&#228;ltnisse aufrecht zu erhalten. Deshalb erscheint es aus feministischer Sicht sinnvoll, sich kritisch mit den Einschreibungen von Geschlecht in technischen Artefakten auseinander zu setzen. Es geht folglich darum, Einschreibungen von Geschlecht und deren Ursachen zu ergr&#252;nden, um daraus feministische Interventionen ableiten zu k&#246;nnen. N&#228;her beleuchtet werden im Folgenden zwei Interface-Agentinnen, mit denen ich aufschlussreiche und durchaus unterhaltsame "Gespr&#228;che" gef&#252;hrt habe...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Technische Artefakte wie Fahrr&#228;der, Computer oder eben Interface-AgentInnen k&#246;nnen nicht als nat&#252;rlich und gegeben gesehen werden. Vielmehr m&#252;ssen sie als soziale Akteure betrachtet werden, denn technische Artefakte verk&#246;rpern soziale Verh&#228;ltnisse und Strukturen. Im allt&#228;glichen Umgang begegnen uns st&#228;ndig technische Artefakte, von denen wir annehmen, sie seien neutral. Tats&#228;chlich werden die Artefakte dadurch noch m&#228;chtiger in der Aufrechterhaltung der sozialen Strukturen und Verh&#228;ltnisse, die in sie eingeschrieben sind. Auch Geschlecht als soziale Ordnungskategorie finden wir in technische Artefakte eingeschrieben. Dieser Umstand kann keineswegs als unschuldig betrachtet werden, denn vergeschlechtlichte technische Artefakte k&#246;nnen dabei mitwirken, Geschlechterverh&#228;ltnisse und damit verbundene Herrschaftsverh&#228;ltnisse aufrecht zu erhalten. Deshalb erscheint es aus feministischer Sicht sinnvoll, sich kritisch mit den Einschreibungen von Geschlecht in technischen Artefakten auseinander zu setzen. Es geht folglich darum, Einschreibungen von Geschlecht und deren Ursachen zu ergr&#252;nden, um daraus feministische Interventionen ableiten zu k&#246;nnen. N&#228;her beleuchtet werden im Folgenden zwei Interface-Agentinnen, mit denen ich aufschlussreiche und durchaus unterhaltsame &#8220;Gespr&#228;che&#8221; gef&#252;hrt habe.</strong></p>
<p>Virtuelle, animierte Charaktere trifft man mittlerweile nicht mehr nur in Computerspielen an, sondern auch beim Surfen im Internet. Bei diesen Interface-AgentInnen handelt es sich um informationstechnisch erzeugte Figuren mit meist menschlich erscheinenden, comic-haften Darstellungsformen. Auff&#228;llig ist, dass weibliche Verk&#246;rperungen signifikant h&#228;ufiger vorkommen als m&#228;nnliche oder neutrale (vgl. Bath 2003: 75). Im Folgenden werde ich nun kurz meine beiden Gespr&#228;chspartnerinnen, die Interface-Agentinnen Stella und Anna, vorstellen. W&#228;hrend Stella (<a href="http://www.sub.uni-hamburg.de/">http://www.sub.uni-hamburg.de</a>) als kontextsensitives Hilfssystem f&#252;r die Benutzung von Software in der Staats- und Universit&#228;tsbibliothek Hamburg eingesetzt wird, ist Anna (<a href="http://www.ikea.com/de/de/">http://www.ikea.com/de/de/</a>) im Bereich des E-Commerce bei IKEA t&#228;tig. Es ging mir bei der &#8220;Befragung&#8221; der Interface-Agentinnen darum herauszufinden, welche Identit&#228;t ihnen durch die TechnikentwicklerInnen verliehen worden ist. Welche Repr&#228;sentationen von Geschlecht also werden deutlich? Es zeigt sich, dass der Grad der Vergeschlechtlichung der beiden Interface-Agentinnen durchaus unterschiedlich ist. Drei Punkte sind dabei besonders interessant:</p>
<p>1. Zun&#228;chst wird bez&#252;glich der Interface-Agentin Stella deutlich, dass sie als weibliche Interface-Agentin den Beruf der BibliothekarIn als einen typischen Frauenarbeitsplatz widerspiegelt. Neben dieser horizontalen Segregation findet sich im Bibliothekswesen zudem eine vertikale, denn mit steigendem Dienstgrad nimmt die Anzahl der besch&#228;ftigten Frauen ab. Allerdings kommt es durch die Antworten der Interface-Agentin zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Repr&#228;sentation von Arbeit und Geschlecht. Geschlecht als Strukturkategorie auf dem Arbeitsmarkt wird beleuchtet, wenn Stella zu bedenken gibt: &#8220;Zur Zeit als die Stabi gegr&#252;ndet wurde, war ich wissenschaftliche Mitarbeiterin. Man hat mich aber wissentlich in kein Dokument eingetragen &#8211; Frauen wurden nicht erw&#228;hnt. Das war damals normal.&#8221; Auch die Interface-Agentin Anna wird &#252;ber die Repr&#228;sentation von Arbeit vergeschlechtlicht. Sie wird als Call-Center-Angestellte dargestellt und ist somit in einem betriebswirtschaftlich hochrelevanten, gesellschaftlich aber wenig angesehenen T&#228;tigkeitsbereich, f&#252;r den speziell Frauen aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen F&#228;higkeiten angeworben werden, t&#228;tig (vgl. Maa&#223; 2003: 211). Zudem spiegelt die Interface-Agentin das gesellschaftliche Bild der unqualifizierten Call-Center-Angestellten wieder, indem notwendige Kompetenzen wie fachliches Wissen, technisches Know-how und soziale F&#228;higkeiten in ihren Antworten ausgeblendet bleiben. &#8220;Ob ich klug bin oder nicht, das sollen lieber andere entscheiden…Ich bin schon zufrieden, wenn ich den Besuchern dieser Site ein bisschen weiterhelfen kann!&#8221; Vielmehr kommt es zu einer erneuten Abwertung von Call-Center-T&#228;tigkeit, indem der Eindruck vermittelt wird, das interaktive Dienstleistungen mit Maschinen wie Anna automatisiert werden k&#246;nnen, was wahrscheinlich zu einem Wegfall von Arbeitspl&#228;tzen f&#252;hrt.</p>
<p>2. Auch hinsichtlich des Einsatzkontextes zeigen sich gewichtige Unterschiede: Stella dient der Website einer Einrichtung des &#214;ffentlichen Dienstes als E-Learning-Tool. Sie &#252;bernimmt somit nicht nur direkt eine Repr&#228;sentationsfunktion f&#252;r die Staats- und Universit&#228;tsbibliothek Hamburg, sondern auch f&#252;r den staatlichen &#214;ffentlichen Dienst, der sich Zielen wie Geschlechtergerechtigkeit verschrieben hat. Zudem ist das Projekt Stella mit F&#246;rdergeldern unterst&#252;tzt worden, so dass die hohen Entwicklungskosten f&#252;r eine aufwendige Wissensbasis, der Stella ihren differenziert erscheinenden Charakter verdankt, gedeckt werden k&#246;nnen. Im Gegensatz dazu dient die Interface-Agentin Anna dem Unternehmen IKEA der Kostenminimierung. Es sollen folglich auch m&#246;glichst wenig Gelder f&#252;r die Entwicklung und Pflege der Interface-Agentin ausgegeben werden, was die Herstellung einer aufwendigen Wissensbasis unm&#246;glich macht. Zudem verfolgt das Unternehmen IKEA mit Anna explizit eine Marketing-Strategie, d.h. es geht vornehmlich um die Repr&#228;sentation des Unternehmens und dessen Produkte. &#8220;Heute, morgen, &#252;bermorgen und an allen anderen Tagen habe ich nur eines vor: Dir und anderen IKEA Kunden m&#246;glichst viele Fragen bez&#252;glich IKEA zu beantworten.&#8221; Eine differenzierte Darstellung der Pers&#246;nlichkeit Anna ist folglich nur insofern interessant, als dass Anna gegen&#252;ber den KundInnen nicht ihre Glaubw&#252;rdigkeit verlieren darf. Denn Anna dient auch der NutzerInnenprofilerstellung, die dem Unternehmen Trendanalysen und gezielte Vermarktungsstrategien erm&#246;glicht.</p>
<p>3. Der Grad der Vergeschlechtlichung der beiden Interface-Agentinnen ist auch aufgrund der unreflektierten Vorannahmen der EntwicklerInnen unterschiedlich. W&#228;hrend Stella eindeutige Zuschreibungen auf k&#246;rperlicher und textsprachlicher Ebene zur&#252;ckweist und durchaus Br&#252;che und widerst&#228;ndiges Potential erkennbar sind, zeigt Anna durchweg ein traditionell weibliches Rollenverhalten und reproduziert somit dichotome Geschlechterrollen. Nach ihrer Geschlechtszugeh&#246;rigkeit befragt antwortet Anna &#8220;Also wenn du da nicht von selbst drauf kommst…&#8221; und naturalisiert diese anschlie&#223;end &#8220;Sieht man das denn nicht?&#8221; Stella hingegen wirkt kompetent, kritisch, reflektiert und insgesamt tritt sie den NutzerInnen als differenzierte Pers&#246;nlichkeit mit Geschichte gegen&#252;ber. &#8220;Ich war eine Frau &#8211; heute bin ich ein Online-Wesen. Ein Geschlecht im menschlichen Sinne haben virtuelle Agenten nicht, aber man k&#246;nnte sagen, dass ich weiblich bin. Das Geschlecht einer Person spielt in der virtuellen Welt keine Rolle.&#8221; Auch hinsichtlich der sexuellen Orientierung zeigt sich Stella in Ans&#228;tzen kritisch. Auf die Frage, ob sie heterosexuell sei, erntete ich lediglich eine Gegenfrage: &#8220;Ihre Hypothese ist also, dass ich heterosexuell bin?&#8221; Dass sie mir meine unreflektierte Zuschreibung vorwirft, mutet positiv an. Aber im Interviewverlauf wird implizit deutlich, dass Stella heterosexuell ist: Sie beschwert sich &#252;ber ihre Partnerlosigkeit aufgrund ihrer, f&#252;r M&#228;nner unattraktiven, Wissenschaftsbegeisterung oder gibt zu bedenken, dass sie aufgrund ihrer rund um die Uhr T&#228;tigkeiten f&#252;r die Bibliothek unm&#246;glich Kinder haben kann. Anna hingegen zeigt keine eigene Meinung, keine deutlichen Qualifikationen und Kompetenzen. &#8220;Ich bin eine Ehe mit IKEA eingegangen. Heute sitze ich hier und beantworte gerne Ihre Fragen.&#8221; Sie wirkt sowohl auf text- als auch auf k&#246;rpersprachlicher Ebene nicht wie eine eigenst&#228;ndige Person, sondern scheint stets verf&#252;gbar und auf ihre Rolle der IKEA-Ehefrau beschr&#228;nkt. W&#228;hrend bei Stella kritische Auseinandersetzungen mit Geschlecht als Strukturkategorie, Heterosexualit&#228;t sowie geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und Arbeitsmarktsegregation zu finden sind, fehlt ein reflektierter Umgang mit der Kategorie Geschlecht bei Anna g&#228;nzlich. Diese Beobachtungen lassen R&#252;ckschl&#252;sse auf die unterschiedlichen Vorannahmen der Bibliothekarinnen und IKEA-MitarbeiterInnen zu. Aber auch wenn es bei Stella zu einer kritischen Auseinandersetzung kommt, wird implizit deutlich, dass sie als wei&#223;e, heterosexuelle, Mittelschicht-Frau konstruiert wird.</p>
<p>Die Analyse der beiden Interface-Agentinnen Stella und Anna hat deutlich gemacht, dass es durch verschiedene Prozesse und Mechanismen zu Einschreibungen von Geschlecht kommt. Wenn also nicht eine Entgrenzung geschlossener Zeichensysteme im virtuellen Raum zu beobachten ist sondern eine Neu-Begrenzung, bleibt abschlie&#223;end die Frage nach M&#246;glichkeiten der feministischen Intervention und (Mit)Gestaltung der Interface-AgentInnen-Technologie.</p>
<p>Ich pl&#228;diere daf&#252;r, Interface-AgentInnen wie Stella und Anna als Akteurinnen ernst zu nehmen, denn sie besitzen die F&#228;higkeit Bedeutungen zu erzeugen und sind performativ. Als nicht-menschliche Akteure sind sie ebenso wie menschliche Akteure am Wissensprozess beteiligt, d.h. sie &#8220;erm&#246;glichen oder beschr&#228;nken aufgrund ihrer jeweiligen historisch und kulturell spezifischen Konstruktion den interaktiven Prozess der Aushandlung von Wissen&#8221; (vgl. Hammer/ Stie&#223; 1995: 20). Wenn ich als NutzerIn Interface-AgentInnen als Akteure ernst nehmen will, muss ich in einen bewussten Umgang mit ihnen treten. Ich sollte mich fragen, ob ich es verantworten kann und will, dass meine Nutzung der Interface-AgentInnen zu einem Wegfall von Arbeitspl&#228;tzen f&#252;hren kann. Ich sollte mich fragen, ob ich diese Form der Dienstleistung angemessen finde oder ob ich die Nutzung verweigern m&#246;chte. Ich sollte mich fragen, ob ich durch die Nutzung der Interface-AgentIn zu einem Teilnehmenden des Markt-Panoptismus werden will und was das f&#252;r Konsequenzen f&#252;r kapitalistische Strukturen haben kann. Ich sollte mir, wenn ich mich f&#252;r eine Interaktion mit der Interface-Agentin entschieden habe, dar&#252;ber klar werden, dass ich die M&#246;glichkeit habe, &#252;ber meine Anfragen auf die Gestaltung der Interface-AgentIn Einfluss zu nehmen, denn die Gespr&#228;chsprotokolle werden ausgewertet und dienen der Weiterentwicklung. Ich sollte als Ko-ProduzentIn bei der Technikentwicklung Verantwortung zeigen und mir bewusst werden, dass von Seiten der NutzerInnen Widerstand und Subversion m&#246;glich sind. &#8220;Wahrscheinlich w&#228;re dabei schon viel gewonnen, wenn der Vergegenst&#228;ndlichung von geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung, von einseitigem Wissen, von Tr&#228;umen technikfaszinierter Entwickler sowie von dichotom zweigeschlechtlichen K&#246;perbildern und heterosexualisiertem Gebaren ein St&#252;ck weit Einhalt geboten w&#252;rde&#8221; (Bath 2003: 93).</p>
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<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Bath, Corinna (2003): Einschreibungen von Geschlecht: Lassen sich Informationstechnologien feministisch gestalten? In: Weber, Jutta; Bath, Corinna (Hg.): Turbulente K&#246;rper, soziale Maschinen. Feministische Studien zur Technowissenschaftskultur. Opladen, 75-95.</li>
<li>Hammer, Carmen; Stie&#223;, Immanuel (1995): Einleitung. In: Haraway, Donna: Die Neuerfindung der Natur: Primaten, Cyborgs und Frauen. Frankfurt am Main, 9-31.</li>
<li>Maa&#223;, Susanne (2003): Technikgestaltung im Kontext. Grenzg&#228;nge und Verbindungen. In: Heinz, Kathrin; Thiessen, Barbara (Hg.): Feministische Forschung &#8211; Nachhaltige Einspr&#252;che. Opladen, 211-235.</li>
</ul>
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		<title>Gender Trouble im Web 2.0.  Sexismus, Homophobie, Antifeminismus und Heteronormativit&#228;t im neuen alten Internet</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jan 2008 11:17:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tanja Carstensen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit den heutzutage zur Verf&#252;gung stehenden M&#246;glichkeiten der Weblogs, Wikis, des Podcasting und Communities wie YouTube, MySpace und dem studiVZ verspricht das Internet eine st&#228;rkere Partizipation der Netznutzer_innen und neue Beteilungsformen. Aus Geschlechterperspektiven bleibt das "Web 2.0" allerdings ambivalent. Neben queer-feministischen Interventionen kommt es gleichzeitig immer wieder zu antifeministischen, homophoben und sexistischen Angriffen aus der Mitte der Web 2.0-Community...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Mit den heutzutage zur Verf&#252;gung stehenden M&#246;glichkeiten der Weblogs, Wikis, des Podcasting und Communities wie YouTube, MySpace und dem studiVZ verspricht das Internet eine st&#228;rkere Partizipation der Netznutzer_innen und neue Beteilungsformen. Aus Geschlechterperspektiven bleibt das &#8220;Web 2.0&#8243; allerdings ambivalent. Neben queer-feministischen Interventionen kommt es gleichzeitig immer wieder zu antifeministischen, homophoben und sexistischen Angriffen aus der Mitte der Web 2.0-Community.</strong></p>
<p>Seit einiger Zeit ist das Internet nicht mehr das alte: Es ist nun &#8220;Web 2.0&#8243;. E-Mails, Homepages, Foren und Chats wirken antiquiert verglichen mit den heutzutage zur Verf&#252;gung stehenden M&#246;glichkeiten der Weblogs, Wikis, des Podcasting und Communities wie &#8220;YouTube&#8221;, &#8220;MySpace&#8221; und dem &#8220;studiVZ&#8221;. Das ‚neue&#8217; Internet erm&#246;glicht kooperative Arbeit an Dokumenten und verspricht eine st&#228;rkere Partizipation der Netznutzer_innen sowie neue Beteilungsformen. Wieder &#252;berschlagen sich die Hoffnungen auf Demokratisierung, Entmachtung der Diskurshoheit der Massenmedien, auf neue &#214;ffentlichkeiten, Gemeinschaftsbildung und Vernetzung.</p>
<p>Feministische Diskussionen hatten in den 1990er Jahren fr&#252;h die Ambivalenz des Internets aus Geschlechterperspektiven sichtbar gemacht: Neben wertvollen M&#246;glichkeiten der Vernetzung untereinander und der Einflussnahme auf hegemoniale Diskurse ist pornografischen und sexistischen Angeboten sowie diskriminierenden Erfahrungen im Internet kaum aus dem Weg zu gehen.</p>
<p>Mit den M&#246;glichkeiten des Web 2.0 scheinen sich die Verh&#228;ltnisse nun noch zu versch&#228;rfen. Aus queer-feministischen Zusammenh&#228;ngen sind so spannende Angebote wie das &#8220;<a href="http://maedchenblog.blogsport.de/">m&#228;dchenblog</a>&#8220;, das <a href="http://genderblog.de/">&#8220;Genderblog&#8221;</a> und das <a href="http://www.genderwiki.de/">&#8220;Gender@Wiki&#8221;</a> entstanden, die das Web 2.0 um feministische Interventionen bereichern. Das m&#228;dchenblog versteht sich beispielsweise als offenes feministisches Gemeinschaftsprojekt und will Themen wie Beziehungen, K&#246;rper, Sexualit&#228;t, aber auch Politik und Popkultur anders verhandeln als dies in den g&#228;ngigen M&#228;dchen- und Jugendzeitschriften geschieht. Im Genderblog wird zum neuen Gleichstellungsgesetz, zu Elternschaft, zur Frage, wozu wir noch Geschlechter brauchen und zu vielem anderen diskutiert, es werden B&#252;cher vorgestellt und aktuelle Themen kommentiert. Beide Blogs sind Orte engagierter Diskussionen zu Feminismus, sie decken Sexismus auf und prangern Antifeminismus an. Au&#223;erdem finden sich hier viele Links zu anderen feministischen Blogs und Seiten im Internet. Auch mit dem Gender@Wiki ist eine spannende Alternative zur Online-Enzyklop&#228;die Wikipedia entstanden, in der Informationen, Entwicklungen und Wissen aus der Frauen- und Geschlechterforschung gesammelt werden. Die Wiki- und Weblog-Technologien unterst&#252;tzen die gegenseitige Verlinkung, die inhaltliche Bezugnahme und laden zur Mitarbeit, Kommentierung und Diskussion ein. So offenbart sich im Netz eine aktive, sehr gut untereinander vernetze Szene an feministisch interessierten und engagierten Menschen.</p>
<p>Gleichzeitig kommt es aber immer wieder zu antifeministischen, homophoben und sexistischen Angriffen aus der Mitte der Web 2.0-Community: So l&#246;schte zum Beispiel <a href="http://www.myspace.com/">&#8220;MySpace&#8221;</a> im M&#228;rz 2007 das Profil der kanadischen Band <a href="http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewProfile&amp;friendID=5524209">&#8220;Kids on TV&#8221;</a>. Mit dem standardisierten Hinweis auf einen &#8220;Versto&#223; gegen die Nutzungsbedingungen&#8221; gingen unwiederbringlich s&#228;mtliche Daten und damit auch 14.000 Kontakte der schwul-lesbischen Band verloren. Als Verst&#246;&#223;e gelten &#252;blicherweise &#8220;Nacktbilder oder anst&#246;&#223;ige und gewaltt&#228;tige Bilder, das &#220;berdecken der Bannerwerbung mit HTML-Codes, die Bel&#228;stigung anderer User, das Zuspamen von Foren oder G&#228;steb&#252;chern, das Aufbl&#228;hen von Scores oder die User sind noch zu jung.&#8221; Dass diese Regeln sonst nur halbherzig von MySpace umgesetzt werden, zeigt die zahlreiche Porno-Werbung auf ihren Seiten. Gegen welche der Nutzungsbedingungen Kids on TV genau versto&#223;en haben soll oder was sonst als Grund f&#252;r die L&#246;schung diente, war von MySpace hingegen nicht zu erfahren. Nach vehementen Protesten zog sich MySpace dann auf die Erkl&#228;rung eines &#8220;Versehens&#8221; zur&#252;ck und stellte die Seite wieder ins Netz. Es l&#228;sst sich wohl nicht abschlie&#223;end kl&#228;ren, warum das Profil von Kids on TV gel&#246;scht wurde. Hinweise auf homophobe Motive liefern allerdings interne Diskussionen in <a href="http://www.myspace.com/myspaceprofiledeletions">Diskussionsforen zum Thema Zensur</a>, wo sich zeigt, dass die L&#246;schung von Kids on TV keineswegs ein Einzelfall war, sondern dass es noch weitere F&#228;lle von L&#246;schungen unkommerzieller Seiten mit schwulen, lesbischen und queeren Inhalten gegeben hat.</p>
<p>Queer-feministische Inhalte zu l&#246;schen, stand auch in der <a href="http://de.wikipedia.org/">&#8220;freien Enzyklop&#228;die Wikipedia&#8221;</a> zur Debatte. Im August 2007 wurden dort die Eintr&#228;ge zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ladyfest">&#8220;Ladyfest&#8221;</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Riot_grrrl">&#8220;Riot grrrl&#8221;</a>zur L&#246;schung vorgeschlagen. Neben Kritik an Relevanz und Qualit&#228;t der Eintr&#228;ge &#8211; der Ladyfest-Artikel wurde als &#8220;freie Assoziation zum Thema&#8221; charakterisiert, er sei nicht objektiv &#8211; schien den L&#246;sch-Bef&#252;rworter(_inne?)n aber auch das Verst&#228;ndnis von Geschlecht als &#8220;hegemoniale heterosexuell verfasste Zweigeschlechtlichkeit&#8221; kritikw&#252;rdig: &#8220;Ich dachte immer das h&#228;tte was mit Genetik zu tun.&#8221; Auch die im Beitrag enthaltene Aussage, Frauen und M&#228;dchen seien innerhalb der Musik- und Kunstszene unterrepr&#228;sentiert, wurde angezweifelt und als Argument f&#252;r die L&#246;schung herangezogen (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/5._August_2007#Ladyfest_.28bleibt.29">vgl. Wikipedia</a>). F&#252;nf Minuten sp&#228;ter schlug einer der an der Diskussion beteiligten Personen dann auch noch die L&#246;schung des Eintrags zu &#8220;Riot grrrl&#8221; vor:</p>
<p>&#8220;Ich will mal ganz ketzerisch die Frage nach der Relevant stellen und frage mich auch was das nun genau sein soll. Entstanden in einem eher unedeutenden Kaff, reagiert wie auch immer auf eine empfundene m&#228;nnliche Dominanz in der Musikszene (ist dem so? Wenn ich Radio h&#246;re habe ich den Eindruck &#246;fter Frauen, denn M&#228;nner singen zu h&#246;ren), und dann ein paar nicht wirklich bekannte Musikkapellen als Beispiele. Als Literatur werden vor allem Artikel in Zeitschriften mit doch sehr sehr begrenzter Leserschaft angegeben, die Weblinks sind irgendwelche Foren. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, da&#223; hier krampfhaft etwas gro&#223; geschrieben werden soll, von dem kaum jemand je Notiz genommen hat.&#8221; (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/5._August_2007#Riot_grrrl_.28erledigt.29">vgl. Wikipedia</a>)</p>
<p>Gl&#252;cklicherweise fanden sich in der Wikipedia-Community gen&#252;gend engagierte Menschen, die schnell, fundiert und energisch die Relevanz und Berechtigung dieser beiden Artikel belegen konnten und sie somit vor der L&#246;schung bewahrt haben. &#196;rgerlich bleibt dennoch, dass feministische Themen offensichtlich immer wieder verteidigt werden m&#252;ssen.</p>
<p>Weniger erfolgreich verliefen bisher die Versuche innerhalb der gr&#246;&#223;ten deutschen Studierenden-Community <a href="http://www.studivz.net/">&#8220;studiVZ&#8221;</a>, den Zwang zur eindeutigen zweigeschlechtlichen Positionierung bei der Anmeldung und im Benutzer_innenprofil abzuschaffen. W&#228;hrend es im Internet in anderen Communities durchaus die M&#246;glichkeit gibt, ohne eine eindeutige Angabe eines Geschlechts Mitglied werden zu k&#246;nnen (z.B. auf der Musikplattform <a href="http://www.lastfm.de/">&#8220;last.fm&#8221;</a> oder in der Foto-Community <a href="http://www.flickr.com/">&#8220;flickr.com&#8221;</a>, besteht studiVZ auf einer Entscheidung zwischen entweder m&#228;nnlich oder weiblich und weist die potenziellen Mitglieder bei einer Nicht-Wahl bestimmt darauf hin: &#8220;Bei uns k&#246;nnen sich nur weibliche oder m&#228;nnliche Wesen anmelden!&#8221; Zudem sind die meisten Funktionsbezeichnungen in m&#228;nnlicher Form gehalten (z.B. Moderator, Student). In internen Diskussionen in der Community setzten sich Studierende f&#252;r eine geschlechtergerechte Sprache ein; ihre Argumente wurden aber mit biologistischen und technikdeterministischen Begr&#252;nden abgewiegelt: Zum einen wurde Zweigeschlechtlichkeit als biologisches Fakt behauptet, zum anderen zogen sich Administratoren auf die unsinnige Position zur&#252;ck, es w&#228;re &#8220;h&#246;chst kompliziert&#8221;, andere als bin&#228;re Kategorien im Benutzer_innenprofil und geschlechtergerechte Sprachformen zu programmieren.</p>
<p>Vieles an diesen Auseinandersetzungen erinnert an die alten Zeiten des ‚ersten&#8217; Internets. Queere und feministische Inhalte k&#246;nnen keinesfalls unbeschadet im Internet bestehen, sondern sind immer wieder Rechtfertigungsdruck ausgesetzt. Erkenntnisse wie die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit sind mit biologistischen Totschlagargumenten konfrontiert. Aber es zeigt sich auch, dass sich Widerstand lohnt. Proteste gegen L&#246;schungen haben Erfolg und machen deutlich, dass es eine k&#228;mpferische queer-feministische Community im Web 2.0 gibt, die das Internet nicht konservativen und antifeministischen Kr&#228;ften &#252;berl&#228;sst. Es bleibt also spannend im Web 2.0, Geschlecht bleibt umk&#228;mpft und das Internet ein wichtiger Ort f&#252;r diese K&#228;mpfe.</p>
<h3>Weiterf&#252;hrende Links</h3>
<ul>
<li>jetzt.de: Neue Abh&#228;ngigkeit: Warum sind &#8220;Kids On TV&#8221; aus Myspace geflogen? (<a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/370095">http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/370095</a>)</li>
<li>laut.de: Kids On TV: MySpace entschuldigt sich (<a href="http://www.laut.de/vorlaut/news/2007/04/16/14992/index.htm">http://www.laut.de/vorlaut/news/2007/04/16/14992/index.htm</a>)</li>
<li>Intro: Politische Zensur beim Netzwerkriesen? (<a href="http://www.intro.de/news/23040079">http://www.intro.de/news/23040079</a>)</li>
<li>Telepolis: &#8220;Bart Simpson Child Fucker. MySpace l&#246;scht Profile, l&#228;sst die Nutzer aber &#252;ber die Gr&#252;nde im Unklaren&#8221; (<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24809/1.html">http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24809/1.html</a>)</li>
<li>Jungle World: Die Band aus dem Badehaus. Kids On TV haben die Zensoren von Myspace besiegt. (<a href="http://jungle-world.com/seiten/2007/16/9781.php">http://jungle-world.com/seiten/2007/16/9781.php</a>)</li>
<li>Die Welt: Wie MySpace seine Nutzer &#252;berwacht (<a href="http://www.welt.de/webwelt/article774897/Wie_Myspace_seine_Nutzer_ueberwacht.html">http://www.welt.de/webwelt/article774897/Wie_Myspace_seine_Nutzer_ueberwacht.html</a>)</li>
<li>Netzeitung.de: Schwule und Lesben werfen Myspace Zensur vor (<a href="http://www.netzeitung.de/internet/584452.html">http://www.netzeitung.de/internet/584452.html</a>)</li>
</ul>
<p>Ich danke Henning W&#246;tzel-Herber und Melanie Gro&#223; f&#252;r wertvolle Hinweise.</p>
<p>Ein ausf&#252;hrlicher Artikel (auf englisch) findet sich unter:</p>
<p><a title="Carstensen GICT" href="http://www.informatik.uni-bremen.de/soteg/gict2009/proceedings/GICT2009_Carstensen.pdf"> Carstensen, Tanja: Gender Trouble in Web 2.0. Gender perspectives on social network sites, wikis and weblogs, Online Proceeding of the 5th European Symposium on Gender &amp; ICT. Digital Cultures: Participation &#8211; Empowerment &#8211; Diversity, March 5 &#8211; 7, 2009 &#8211; University of Bremen</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Hat die Nanotechnologie ein Geschlecht?</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/nanotechnologie/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/nanotechnologie/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 27 Nov 2007 07:27:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tanja Carstensen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Nanotechnologie gilt zurzeit als Zukunftstechnologie Nr. 1. Kritische Stimmen dazu sind bisher selten, es &#252;berwiegen Hoffnungen auf Innovation, sichere Arbeitspl&#228;tze und Standortsicherung. In diese Argumentationslogik f&#252;gen sich auch Projekte wie Nano-4-women und WomenInNano ein, die (mal wieder) am (angeblich) z&#246;gerlichen Zugang von Frauen zu neuen Technologien ansetzen. Hoffnung auf eine differenziertere Diskussion der Nanotechnologie aus feministischen Perspektiven bieten neuerdings erste Versuche von Geschlechterforscherinnen und feministischen Natur- und Technikwissenschaftlerinnen, die beispielsweise Fragen nach Vergeschlechtlichungsprozessen in Nano-Diskursen und Fragen nach Effekten von Nanotechnologie auf den menschlichen K&#246;rper aufwerfen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Nanotechnologie gilt zurzeit als Zukunftstechnologie Nr. 1. Kritische Stimmen dazu sind bisher selten, es &#252;berwiegen Hoffnungen auf Innovation, sichere Arbeitspl&#228;tze und Standortsicherung. In diese Argumentationslogik f&#252;gen sich auch Projekte wie Nano-4-women und WomenInNano ein, die (mal wieder) am (angeblich) z&#246;gerlichen Zugang von Frauen zu neuen Technologien ansetzen. Hoffnung auf eine differenziertere Diskussion der Nanotechnologie aus feministischen Perspektiven bieten neuerdings erste Versuche von Geschlechterforscherinnen und feministischen Natur- und Technikwissenschaftlerinnen, die beispielsweise Fragen nach Vergeschlechtlichungsprozessen in Nano-Diskursen und Fragen nach Effekten von Nanotechnologie auf den menschlichen K&#246;rper aufwerfen.</strong></p>
<p>Wann immer zurzeit von Nanotechnologie gesprochen wird, ist die Rede von immensen Anwendungsm&#246;glichkeiten. H&#228;ufig genannt werden die Bereiche Mikroelektronik, Werkstoff- und Umwelttechnologien, Medizin, Kosmetik, Textilien und Lebensmittel, f&#252;r die bedeutender Nutzen durch die winzigen Teilchen vorausgesagt wird. Gleichzeitig bleiben die Vorstellungen unklar, was Nanotechnologie eigentlich ist. Auch eine einheitliche Definition existiert bisher nicht. Beschreibungen beschr&#228;nken sich auf Aussagen, dass Nanotechnologie sich mit Strukturen befasst, die mindestens eine Dimension kleiner als 100 nm sind und sich auf die gezielte Herstellung oder Manipulation einzelner Nanostrukturen beziehen (<a href="http://www.tab.fzk.de/de/projekt/zusammenfassung/ab92.htm">B&#252;ro f&#252;r Technikfolgen-Absch&#228;tzung beim Deutschen Bundestag</a>). &#196;hnlich wie das Internet und die Gen- und Biotechnologie ist Nanotechnologie damit wenig greifbar &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes. Sie ist nicht im selben Ma&#223;e dinglich oder gegenst&#228;ndlich wie fr&#252;here Leit- und Zukunftstechnologien, z.B. Telefon, Computer oder Auto. Dieser Umstand scheint die Produktion imposanter Bilderwelten zu provozieren. Anhand von farbenfrohen Abbildungen und &#252;berschw&#228;nglichen Adjektiven werden Realit&#228;ten dieser neuen Technik produziert. Einmal mehr wird sich auch f&#252;r die Nanotechnologie wieder des Topos von neuen, geheimnisvollen Welten, die erobert werden m&#252;ssten, bedient.</p>
<p>Insbesondere werden in den Diskursen &#246;konomische Deutungen vorgebracht: Die Argumentationen bewegen sich innerhalb von Standort- und Wettbewerbslogiken; Stichworte sind &#8220;Technologief&#252;hrerschaft&#8221; und &#8220;zukunftssichere Arbeitspl&#228;tze&#8221;. So ist es nicht verwunderlich, dass zurzeit in der BRD 290 Millionen Euro an &#246;ffentlichen F&#246;rdermitteln in die Nanotechnologie flie&#223;en (<a href="http://www.bmbf.de/de/nanotechnologie.php">Bundesministerium f&#252;r Bildung und Forschung</a>). Auch wenn mittlerweile zunehmend kritische Positionen zu h&#246;ren sind &#8211; z.B. hinsichtlich der Giftigkeit von auf Nanotechnologie basierenden Materialien oder der Unabsch&#228;tzbarkeit der Folgen der Eingriffe in Natur und den menschlichen K&#246;rper  (<a href="http://www.tab.fzk.de/de/projekt/zusammenfassung/ab92.htm">B&#252;ro f&#252;r Technikfolgen-Absch&#228;tzung beim Deutschen Bundestag</a>) &#8211; dominieren in der &#246;ffentlichen Diskussion doch die Faszination und die Hoffnung auf Innovation &#8211; Diskurse &#252;ber Risiken bleiben randst&#228;ndig.</p>
<p>Auch die Thematisierung von Geschlecht in den politischen und &#246;ffentlichen Debatten ist bisher auf ein einziges Argumentationsmuster beschr&#228;nkt, das sich nahtlos in die &#246;konomische Argumentationslogik einf&#252;gt: Der geringe Frauenanteil in nanowissenschaftlichen Studieng&#228;ngen m&#252;sse erh&#246;ht werden. Ausgehend von variierenden Prozentzahlen des Frauenanteils in den Nanowissenschaften (10-22%) werden von Projekten wie <a href="http://www.womeninnano.de/">WomenInNano</a> und <a href="http://www.nano-4-women.de/">Nano-4-women</a> Potenziale f&#252;r Gr&#252;nderinnen beschworen und Frauen ermutigt, eine Wissenschaftskarriere einzuschlagen. Auch M&#228;dchen sollen &#252;berzeugt werden, dass es sich bei der Nanotechnologie &#8220;nicht um eine langweilige Wissenschaft, sondern um eine geheimnisvolle, aufregende Welt&#8221; (<a href="http://www.uni-paderborn.de/mitteilungen/detailansicht/?tx_xinitupbnews_pi1%5BshowUid%5D=383&amp;tx_%20xinitupbnews_pi1%5BbackPid%5D=358&amp;cHash=59e6a532e0">Mitteilungen Uni Paderborn</a>) handelt. In den Projektbeschreibungen sucht man vergeblich nach Zielen wie einer gleichberechtigten Beteiligung der Geschlechter an Technologienentwicklung und damit gesellschaftlich hoch angesehenen Gestaltungsfeldern oder einer Neubewertung von Technik und dem Aufbrechen dieser M&#228;nnerdom&#228;ne. Das Interesse gilt prim&#228;r dem &#8220;alarmierenden Fachkr&#228;ftemagel&#8221; (Bulmahn). Wieder einmal wird das ewig gleiche Lied von z&#246;gerlichen Frauen gesungen, die motiviert, begeistert, ermutigt und geworben werden m&#252;ssen. Es wird einiger, insbesondere finanzieller Aufwand betrieben, um die Bundesrepublik Deutschland mit Hilfe der Frauen wettbewerbsf&#228;higer zu machen.</p>
<p>Hoffnung auf Gegendiskurse bietet allerdings die gerade beginnende Diskussion zu Nanotechnologie, die von Geschlechterforscherinnen und feministischen Natur- und Technikwissenschaftlerinnen initiiert wird. Auf einem <a href="http://www2.tu-berlin.de/zifg/workshops.html">Workshop an der TU Berlin</a> im Juni dieses Jahres diskutierten beispielsweise Wissenschaftlerinnen &#252;ber Fragen, inwiefern nanotechnologische Entwicklungen den menschlichen K&#246;rper betreffen. Durch Kosmetik, Funktionsbekleidung und Medizintechnik w&#252;rden die Grenzen zwischen Technischem und Organischem verwischt, was die Frage aufwerfe, inwiefern diese, an Cyborgs erinnernde Entwicklungen, emanzipatorische Effekte haben k&#246;nnen. Auch Fragen nach den Leitbildern, die die Entwicklung der Nanotechnologie begleiten, nach Vergeschlechtlichungsprozessen in der diskursiven Herstellung von Nanotechnologien und nach Verschiebungen sozialer (Geschlechter-)Ordnungen wurden gestellt. Antworten gibt es bisher wenige, doch zeigen Veranstaltungen wie diese, dass diese Fragen durchaus Sinn machen (siehe auch Tagung der Frauen in Naturwissenschaft und Technik <a title="Programm der Tagung als PDF" href="http://www.nut.de/NUT_NanoTagung2006.pdf">NUT</a>). Bleibt zu hoffen, dass diese Anf&#228;nge ihren Eingang in hegemoniale nanotechnologische Diskurse finden und dass auch Projekte mit solchen Fragestellungen an der breiten finanziellen F&#246;rderung teilhaben werden.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Gender@Wiki &#8211; ein Fachwiki f&#252;r die deutschsprachige Frauen- und Geschlechterforschung</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/wikigender/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/wikigender/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 Mar 2007 11:11:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tanja Carstensen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 09.02.2007 ging das Gender@Wiki unter www.genderwiki.de online. Mit diesem Projekt, das aus einem studentischen Projekttutorium heraus entwickelt wurde, entsteht ein Informations- und Vernetzungsangebot f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung, mit dem sich aus feministischer und wissenschaftspolitischer Sicht sowie f&#252;r die Internetforschung und -gestaltung verschiedene interessante Chancen, Herausforderungen und Fragen ergeben...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Am 09.02.2007 ging das Gender@Wiki unter www.genderwiki.de online. Mit diesem Projekt, das aus einem studentischen Projekttutorium heraus entwickelt wurde, entsteht ein Informations- und Vernetzungsangebot f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung, mit dem sich aus feministischer und wissenschaftspolitischer Sicht sowie f&#252;r die Internetforschung und -gestaltung verschiedene interessante Chancen, Herausforderungen und Fragen ergeben.</strong></p>
<p>Am 09.02.2007 ging das Gender@Wiki unter <a href="http://www.genderwiki.de/">www.genderwiki.de</a> offiziell online. Das Wiki soll f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung ein &#8220;kollaboratives Informations- und Vernetzungsangebot&#8221; sein. Studierende und Lehrende sind eingeladen, das Gender@Wiki aktiv mitzugestalten. Es soll als &#8220;ein virtueller Diskussionsraum bzw. als Onlineplattform eines Kommunikationsnetzwerkes genutzt werden, in dem der Austausch von Fachinformationen unter Ber&#252;cksichtigung der f&#252;r die Geschlechterforschung zentralen Kennzeichen (Kategorie Geschlecht, Inter- bzw. Transdisziplinarit&#228;t, Wissenschaftskritik, Wissenstransfer in die Praxis) m&#246;glich ist&#8221; (<a href="http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Hauptseite">http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Hauptseite</a>). Dieses ambitionierte Projekt entstand im Rahmen eines studentischen Projekttutoriums an der Humboldt-Universit&#228;t zu Berlin. Die beteiligten Studierenden aus F&#228;chern wie Bibliothekswissenschaften und Gender Studies haben mittlerweile den Verein &#8220;Gender@Wiki &#8211; Gesellschaft zur F&#246;rderung von frei zug&#228;nglichem Fachwissen der Frauen- und Geschlechterstudien e.V.&#8221; (<a href="http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Bild:Gruendungsgruppe.jpg">http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Bild:Gruendungsgruppe.jpg</a>) gegr&#252;ndet. Seit der Er&#246;ffnung steigt die Zahl der Artikel kontinuierlich. Dabei finden sich dort nicht nur Artikel zu Begriffen und Themen, sondern auch zu AkteurInnen und Institutionen der Frauen- und Geschlechterforschung wie Forschungseinrichtungen, Bibliotheken, Stiftungen und Arbeitskreise.</p>
<p>&#196;hnlich wie bei der popul&#228;ren Online-Enzyklop&#228;die Wikipedia liegt die Idee dieses Projekts darin, dass Interessierte schnell Informationen und Entwicklungen in das Wiki einarbeiten und &#228;ndern k&#246;nnen. Das Gender@Wiki bietet Studierenden und Lehrenden gleichzeitig eine M&#246;glichkeit, ihre Schwerpunkte und Thesen an einem zentralen Ort abzubilden. Recherchierende haben dadurch die M&#246;glichkeit, sich einfach einen &#220;berblick zu verschaffen, welche Personen zu welchen Themen forschen. Zu jeder erstellten Seite geh&#246;rt eine Diskussionsseite, so dass strittige Punkte &#246;ffentlich diskutiert werden k&#246;nnen. Ver&#228;nderungen, die an einzelnen Beitr&#228;gen vorgenommen wurden, k&#246;nnen durch die Versionsgeschichte nachvollzogen werden. &#8220;Gemeinsames Arbeiten an einem Text f&#252;hrt zur Verwischung der Grenzen zwischen passivem Lesen und aktivem Erstellen und somit zu einem neuen Verst&#228;ndnis von Texten&#8221;, so die Projektgruppe (<a href="http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Gender@Wiki:Portal">http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Gender@Wiki:Portal</a>). Die Texte werden als kontinuierlich im Wandel und als unfertig und ver&#228;nderbar begriffen. Damit wird anerkannt, dass Wissen nichts Objektives, sondern Ergebnis umk&#228;mpfter Positionen und verhandelbar ist. Das Gender@Wiki stellt sich dadurch in die Tradition feministischer Erkenntniskritik.</p>
<p>Das Gender@Wiki ist aus unserer Sicht ein spannendes und unterst&#252;tzenswertes Projekt, da es verschiedene Chancen beinhaltet und interessante Fragen aufwirft. Zum Beispiel stellt es die zurzeit in der Wissenschaft &#252;bliche Publikationspraxis in Frage. Der wissenschaftliche Alltag ist gepr&#228;gt von der Notwendigkeit langer Publikationslisten, von Zeitknappheit und der Abgrenzung der eigenen Themen von denen anderer. Texte zu schreiben und bereitzustellen, die andere ver&#228;ndern k&#246;nnen, passt nicht wirklich in diese Logik. Spannend wird also sein zu beobachten, mit wie viel Engagement sich Studierende und Lehrende an der Mitgestaltung des Gender@Wiki beteiligen.</p>
<p>Interessant ist auch die Frage, inwiefern mit dem Gender@Wiki ein Raum entsteht, in dem es gelingt, Hierarchien des Wissenschaftssystems au&#223;er Kraft zu setzen. Es wird sich zeigen, ob es denkbar und m&#246;glich wird, dass Studierende Artikel von Lehrenden korrigieren, kritisieren und &#252;berarbeiten.</p>
<p>Zudem ist das Gender@Wiki ein viel versprechender Versuch der B&#252;ndelung, Strukturierung und Vernetzung frauen- und geschlechterpolitischer Informationen im Internet. Die vorfindbare F&#252;lle an Informationen im Internet ist gr&#246;&#223;tenteils unverbunden und dadurch sehr un&#252;bersichtlich. Informationen sind oft nicht leicht zu finden. Damit bleiben viele Websites lose Punkte ohne Netz. Mit dem Gender@Wiki kann es gelingen, die verstreuten Informationen und die zergliederte und vielf&#228;ltige Hochschul- und Universit&#228;tslandschaft im Feld der Frauen- und Geschlechterforschung zu vernetzen, transparenter und besser findbar zu machen. Gleichzeitig kann eine erfolgreiche Vernetzung zu einer St&#228;rkung der AkteurInnen nach au&#223;en f&#252;hren, was vor dem Hintergrund der vielerorts zu beobachtenden finanziellen K&#252;rzungen im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung nicht unwichtig ist.</p>
<p>Mit dem Gender@Wiki wird auch die Forderung nach feministischer Mitgestaltung von Technik umgesetzt. Neben vielen androzentrischen und sexistischen Inhalten entsteht damit ein Ort f&#252;r frauen- und geschlechterpolitische Themen im Internet. Gleichzeitig muss dar&#252;ber nachgedacht werden, inwiefern es sinnvoll ist, ein eigenes, separates Wiki f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung zu er&#246;ffnen oder ob es nicht genauso wichtig w&#228;re, Mainstream-Angebote wie Wikipedia mit Inhalten der Frauen- und Geschlechterforschung zu f&#252;llen. Dass es ein solches Bed&#252;rfnis zu geben scheint, zeigt die schnelle &#220;bertragung einzelner Artikel von Gender@Wiki nach Wikipedia, die bereits kurz nach deren Ver&#246;ffentlichung erfolgte. Das Interessante am Internet ist, dass beides relativ unkompliziert gleichzeitig verwirklicht werden kann.</p>
<p>Dass es auf diese Fragen und Herausforderungen keine eindeutigen und klaren Antworten gibt, macht das Gender@Wiki zu einem spannenden und viel versprechenden Projekt f&#252;r die Frauen- und Geschlechter- sowie auch f&#252;r die Internetforschung. Bleibt zu hoffen, dass sich viele Studierende, Forschende und Lehrende an der Mitgestaltung beteiligen!</p>
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