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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Sozialpolitik</title>
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		<title>Unterhaltsrecht, Bildungsgutscheine und soziale Ungleichheit – Eine Polemik auf eine sozialpolitische Posse</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 17:43:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Steigende Kinderarmut, Bildungsgutscheine, Armutsrisiko Alleinerziehender, Vollzeitarbeit-Verpflichtung f&#252;r Alleinerziehende, fehlende Betreuungspl&#228;tze, unterbezahlte ErzieherInnen – diese Stichw&#246;rter markieren ein Feld voller ungel&#246;ster sozialpolitischer Probleme. In diesem politischen Feld versch&#228;rfen sich soziale Ungleichheiten immer weiter. Dennoch wird  in konsequent neoliberalem Gestus permanent von ‚F&#246;rderung‘, ‚Gleichheit‘ und ‚Selbstverantwortung‘ gesprochen. Eine Polemik zur andauernden sozialpolitischen Posse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Steigende Kinderarmut, Bildungsgutscheine, Armutsrisiko Alleinerziehender, Vollzeitarbeit-Verpflichtung f&#252;r Alleinerziehende, fehlende Betreuungspl&#228;tze, unterbezahlte ErzieherInnen – diese Stichw&#246;rter markieren ein Feld voller ungel&#246;ster sozialpolitischer Probleme. In diesem politischen Feld versch&#228;rfen sich soziale Ungleichheiten immer weiter. Dennoch wird  in konsequent neoliberalem Gestus permanent von ‚F&#246;rderung‘, ‚Gleichheit‘ und ‚Selbstverantwortung‘ gesprochen. Eine Polemik zur andauernden sozialpolitischen Posse.</strong></p>
<p>Es ist schon erstaunlich, wie wenig es im aktuell herrschenden politischen Diskurs notwendig zu sein scheint, das Zementieren sozialer Ungleichheiten zu verstecken, w&#228;hrend gleichzeitig mit Vokabeln hantiert wird, deren Bedeutungsrahmen vormals eigentlich das genaue Gegenteil skizzierten. Wie kann es eine ‚F&#246;rderung‘ sein, in Armut lebenden Familien, die nicht nur arm an &#246;konomischem, sondern auch an sozialem und kulturellem Kapital sind, durch beim Amt erh&#228;ltliche komplizierte Antragsformulare Bildungsgutscheine zukommen zu lassen? Wie kann von Gleichheit und Selbstverantwortung gesprochen werden, wenn erwerbst&#228;tigen Elternteilen nicht mehr l&#228;nger zugemutet werden soll Unterhalt an den/die Ex-PartnerIn zu zahlen, der/die das gemeinsame Kind versorgt, wenn dieseR stattdessen Vollzeit berufst&#228;tig sein soll, um sich den Lebensunterhalt selbst zu verdienen?  Und in welche Betreuungseinrichtung soll das Kind bittesch&#246;n gebracht werden, wenn Vollzeit mit Mittagspause mindestens 8,5 Stunden hei&#223;t und Fahrtwege von ca. 1 Stunde pro Tag mitgerechnet werden? Wer findet es v&#246;llig unproblematisch sein Kind 9,5h am Tag in eine (schlecht ausgestattete und g&#228;nzlich unterbezahlte) Betreuungseinrichtung zu geben – und in welche &#252;berhaupt? Und kann mensch vom dem Vollzeitjob dann &#252;berhaupt leben?</p>
<p>Man mag diese Aneinanderreihung von Fragen polemisch nennen – die soziale Realit&#228;t der von Armut und Bildungsungleichheit betroffenen Kinder, Eltern und Alleinerziehenden wird in Deutschland immer h&#228;rter und die damit einhergehenden sozialen Probleme und langfristigen Konsequenzen f&#252;r demokratische Gesellschaften werden m.E. schlichtweg &#252;bergangen. Der Film Berliner Rand aus dem Jahre 2010 hat eindrucksvoll diese Lebensrealit&#228;t von Jugendlichen in Berlin eingefangen (<a href=" http://www.hff-potsdam.de/de/studienbewerbung/ba-studiengaenge/drama0/lehrende/pdb/detail/0/0/becker-jens/0.html">Jens Becker</a>, <a href="http://www.dokumentarfilm.info/index.php?view=article&amp;id=172%3Adoku-tipp-berliner-rand&amp;option=com_content&amp;Itemid=62">Berliner Rand</a>). Der aktuelle Mikrozensus 2010 (<a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2011/Mikro__Kinder/pressebroschuere__kinder,property=file.pdf">Auszug des Statistischen Bundesamtes zur Lage von Kindern</a>) weist erneut auf das erh&#246;hte Armutsrisiko von Kindern und insbesondere von Kindern Alleinerziehender hin und nahezu gleichzeitig f&#228;llt der BGH sein Urteil (<a href="http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=57216&amp;pos=0&amp;anz=1">http://juris.bundesgerichtshof.de</a>) zum Unterhaltsrecht und st&#228;rkt damit das aus dem Jahre 2008 stammende neue Unterhaltsrecht: Demnach sollen alleinerziehende Geschiedene sich ihren Unterhalt ab dem 3. Lebensjahr des Kindes durch Vollzeiterwerbsarbeit selbst verdienen. Die Alleinerziehenden – meistens M&#252;tter – haben also die Wahl: Entweder sie haben aufgrund ihrer gering entlohnte Teilzeit-Erwerbst&#228;tigkeit kein Geld, das sie f&#252;r gemeinsame Aktivit&#228;ten, Bildung und Erziehung aber ben&#246;tigen. Oder sie werden zu Fr&#252;hst&#252;ck-ZubereiterInnen und Zu-Bett-BringerInnen f&#252;r Kinder, die sie als Vollzeit erwerbst&#228;tige Alleinerziehende fast nur noch schlafend kennen. Statt elterlicher F&#252;rsorge, Bindung und Gemeinsamkeit d&#252;rfen sie dann das verdiente Geld an die Betreuungseinrichtung weiter reichen.</p>
<p>Wie stark &#246;konomische Armut und Bildungsarmut zusammenh&#228;ngen, haben etliche Studien, Expertisen und Artikel immer wieder deutlich gemacht (z.B. <a href="http://www.unicef.de/presse/pm/2008/080526-wachsende-kluft-zwischen-kindern/">Unicef Bericht 2008</a>, <a href="http://www.feministisches-institut.de/kinderarmut/">http://www.feministisches-institut.de/kinderarmut/</a>). Der Kreislauf Aufwachsen in Armut – schlechte Bildungschancen – schlechte Teilhabem&#246;glichkeiten f&#252;r sich selbst und die sp&#228;teren eigenen Kinder, also die soziale Vererbung von Armut d&#252;rfte allseits bekannt sein. Dass dem nicht entschieden durch Umverteilung, <a href="http://www.feministisches-institut.de/grundeinkommen-2">bedingungsloses Grundeinkommen</a>, gut bezahlte ErzieherInnen, bessere Betreuungsschl&#252;ssel in Betreuungseinrichtungen usw. entgegengesteuert wird, l&#228;sst vermuten, dass die sich immer st&#228;rker etablierenden Klassenverh&#228;ltnisse gewollt zu sein scheinen. Wir haben es mit einer konsequenten Politik der Ungleichheit zu tun, deren Nebelbegriffe wie ‚Selbstverantwortung‘ und ‚Freiheit‘ letztlich nur verschleiern, dass ‚frei‘ immer nur die zu sein scheinen, die &#252;ber &#246;konomisches Kapital verf&#252;gen. Strukturelle Probleme der Arbeitsmarktpolitik, des Bildungssektors und der Sozialpolitik werden nach wie vor zu Individualproblemen erkl&#228;rt und allzu oft auch als pers&#246;nliches Schicksal erlebt.</p>
<p>Warum sollte die unter diesen Umst&#228;nden aufwachsende Generation das Soziale der Gesellschaft, Demokratie, Solidarit&#228;t und Gerechtigkeit achten?</p>
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		<title>Biopolitischer Rassismus der b&#252;rgerlichen Mitte im Hamburger Stadtteil St. Georg</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Apr 2011 19:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Schrader</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter der &#220;berschrift Chronik einer Woche fordert die Hansaplatz Initiative ein lebenswertes Umfeld f&#252;r Familien mit Kindern im Stadtteil Hamburg St. Georg. Der traditionell ans&#228;ssige Stra&#223;enstrich soll in ein abgelegenes Gewerbegebiet im haupts&#228;chlich f&#252;r seine industrielle Nutzung bekannten Stadtteil Rothenburgsort verlagert werden, um endlich „menschenw&#252;rdige Verh&#228;ltnisse f&#252;r alle, (…) den Schutz der Kinder“, sowie die Ansiedlung einer bunten Vielfalt von Kunst und Kultur, Einzelhandel und Gastronomie am und um den Hansaplatz zu erm&#246;glichen. Unter dem Deckmantel der bunten Vielfalt kommt hier ein biopolitischer Rassismus der b&#252;rgerlichen Mitte zum Tragen, wie er aus vielen europ&#228;ischen Gro&#223;st&#228;dten und ihrer Gentrifizierungslogik bekannt ist. Zur Durchsetzung ihrer individuellen Ziele ist der Initiative offensichtlich jede Argumentation – und sei sie noch so haltlos – recht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Unter der &#220;berschrift Chronik einer Woche (<a href="http://initiative-hansaplatz.de/index.html">http://initiative-hansaplatz.de/index.html</a>) fordert die Hansaplatz Initiative ein lebenswertes Umfeld f&#252;r Familien mit Kindern im Stadtteil Hamburg St. Georg. Der traditionell ans&#228;ssige Stra&#223;enstrich soll in ein abgelegenes Gewerbegebiet im haupts&#228;chlich f&#252;r seine industrielle Nutzung bekannten Stadtteil Rothenburgsort verlagert werden, um endlich „menschenw&#252;rdige Verh&#228;ltnisse f&#252;r alle, (…) den Schutz der Kinder“, sowie die Ansiedlung einer bunten Vielfalt von Kunst und Kultur, Einzelhandel und Gastronomie am und um den Hansaplatz zu erm&#246;glichen. Unter dem Deckmantel der bunten Vielfalt kommt hier ein biopolitischer Rassismus der b&#252;rgerlichen Mitte zum Tragen, wie er aus vielen europ&#228;ischen Gro&#223;st&#228;dten und ihrer Gentrifizierungslogik bekannt ist. Zur Durchsetzung ihrer individuellen Ziele ist der Initiative offensichtlich jede Argumentation – und sei sie noch so haltlos – recht.</strong></p>
<p>So wird in dem Artikel der Hansaplatz Initiative eine soziale Einrichtung zur Betreuung drogengebrauchender, sich prostituierender Frauen als semikriminelle Vereinigung diffamiert, die Menschenh&#228;ndlerInnen und deren ProfiteurInnen gewissenlos in die H&#228;nde spiele. „Prostitution in Verbindung mit Menschenhandel ist jedoch eine Tatsache (…). Eine bewusste Negierung dieser Tatsache gleicht einer unverantwortlichen Verschleierungstaktik. (…) Wer da wegschaut, wie es nun ragazza e.V. fordert und Teile von Politik und Gesellschaft eh praktizieren, f&#246;rdert diesen Menschenhandel.“ Die Argumentation basiert auf einer v&#246;llig falschen Interpretation der berechtigten Forderung von ExpertInnen und Professionellen, Sexarbeit nicht permanent mit dem Thema Menschenhandel zu vermischen, und st&#252;tzt sich auf Zitate, die bewusst entstellend aus dem Kontext gerissen wurden. Menschenhandel ist selbstredend ein Verbrechen. Aber der hegemoniale Menschenhandelsdiskurs, der Sexarbeit vereinnahmt, ist gef&#228;hrlich, da Sexarbeiterinnen darin immer nur als Opfer verhandelt werden und ihnen keine eigenst&#228;ndige Handlungsf&#228;higkeit zugewiesen wird. W&#252;rden die AgitatorInnen dieser Initiative genauer die Konzepte der sozialen Einrichtungen lesen, dann w&#252;ssten sie, dass es in erster Linie um Empowermentans&#228;tze f&#252;r Sexarbeiterinnen geht, um Handlungsstrategien gegen Ausbeutung und Abh&#228;ngigkeit zu entwickeln. Menschen werden nicht handlungsf&#228;hig, indem sie aus dem st&#228;dtischen Raum in Vororte oder Industriegebiete verdr&#228;ngt werden. Das ist eine Logik, die nur denen etwas bringt, die ihre sch&#246;ne neue, saubere und City-nahe Welt durch die Anwesenheit der Marginalisierten nicht gest&#246;rt wissen wollen. Die sozialen Einrichtungen weisen immer wieder darauf hin, dass das Leben von Sexarbeiterinnen hart und gef&#228;hrlich ist, weil sie in Folge der Sperrgebietsverordnung kriminalisiert werden und Repressionen ausgesetzt sind. Durch solche Ma&#223;nahmen liefert die Exekutive die Sexarbeiterinnen dem Missbrauch durch Zuh&#228;lterInnen und Freiern aus.</p>
<p>Viele Sexarbeiterinnen aber w&#252;rden ihre Arbeit gern verlassen, denn es ist, wie viele andere T&#228;tigkeiten im Kapitalismus auch, eine Form entfremdeter Arbeit; aber es existieren keine Alternativen (Ward 2007). Speziell f&#252;r Menschen, die am Existenzminimum leben, ist Sexarbeit oft die einzige M&#246;glichkeit ihr &#220;berleben zu sichern. Die &#252;bernehmen Arbeiten, die die Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft als inakzeptabel ablehnen, deren Nutznie&#223;er sie aber oft sind. Deshalb verwahren sich Sexarbeiterinnen und soziale Einrichtungen gegen die Gleichsetzung von Frauenhandel und Sexarbeit. Sexarbeit ist Arbeit und eine Dienstleistung. Sie darf niemals mit einem Verbrechen und einer Menschenrechtsverletzung wie Frauenhandel gleichgesetzt werden. „Die begriffliche Vermischung verst&#228;rkt die Stigmatisierung, die dem Bereich Prostitution eingeschrieben ist; sie assoziiert Sexarbeit mit Gewalt und setzt Prostitution und Migration mit Frauenhandel gleich. Dabei wird auch vermittelt, dass einer Gruppe von Frauen zugestanden wird, in der Sexarbeit freiwillig t&#228;tig zu sein und der anderen Gruppe &#8211; Migrantinnen &#8211; nicht. Einer Migrantin wird grunds&#228;tzlich weniger Entscheidungsautonomie zugestanden (El-Nagashi 2007).“ Gleiches gilt nat&#252;rlich auch f&#252;r die Gruppe der Drogengebrauchenden Sexarbeiterinnen, ihnen wird jegliche Entscheidungsautonomie abgesprochen. Gerade weil die Prostitution zwar vom b&#252;rgerlichen Milieu nachgefragt, aber nicht als legale Dienstleistung akzeptiert wird, entstehen die Bedingungen f&#252;r Ausbeutung und Menschenhandel.</p>
<p>Um ihr Ziel durchzusetzen, greift die Hansaplatz Initiative die sozialen Einrichtungen an, die erst daf&#252;r gesorgt haben, dass St. Georg ein so lebenswerter Stadtteil geworden ist, dass sich selbst die Mitglieder dieser Initiative vorstellen konnten hier zu wohnen. Die sozialen Einrichtungen und Projekte haben seit Jahren Kontakt zu den Menschen, die jetzt vertrieben werden sollen. Um diesen Vorsprung aufzuholen, m&#252;ssen die AkteurInnen der Hansaplatz Initiative das Wohl von Kindern instrumentalisieren, um die zu beschimpfen und zu vertreiben, deren Eltern oft nicht &#252;ber das finanzielle, soziale und kulturelle Kapital verf&#252;gten, ihnen Schutz und ein abgesichertes Leben zukommen zu lassen. Offensichtlich wollen sie nur ihre eigenen Kinder vor Armut, schmutzigen Jobs, Krankheiten, Deklassierung, Ausgrenzung und anderen Zumutungen des Lebens sch&#252;tzen. Ihre Kinder sollen nicht sehen, was es bedeutet, in dieser Gesellschaft &#252;berfl&#252;ssig zu sein. Ihre Welt soll anders aussehen: kulturvoll, bunt und mit einer in jeder Hinsicht perspektivreichen Zukunft. Allerdings sollte das f&#252;r alle Kinder und Menschen zutreffen. Die L&#246;sung kann nicht darin bestehen, dass die, deren Schicksal an die gesellschaftliche Verantwortung erinnert, aus dem Blickfeld entfernt werden und dann so getan wird, als sei das Problem damit erledigt. Die AutorInnen des Hansaplatz-Artikels wissen offensichtlich nicht, dass sich auch diese Menschen nichts anderes w&#252;nschen, als ein normales Leben f&#252;hren zu k&#246;nnen. Sie haben nicht die M&#246;glichkeit im Internet auf ihre Situation oder die ihrer Kinder aufmerksam zu machen. Sie k&#246;nnen froh sein, wenn ihre Kinder und sie selbst &#252;berleben. Da sie keine Stimme in dieser Gesellschaft haben, sind soziale Einrichtungen oft ihr einziges Sprachrohr.</p>
<p>Jedoch will die Hansaplatz Initiative nicht h&#246;ren, was diese Menschen zu sagen haben, und soziale Einrichtungen sollen das „Elend“ unsichtbar und im Sinne der b&#252;rgerlichen Mitte verwalten. Diese rabiate und alle Formen der Fairness verletzende Vorgehensweise der Hansaplatz Initiative ist nur durch biopolitischen Rassismus zu erkl&#228;ren. Dieser hat sich mit dem Aufkommen der Bio-Macht im 19. Jahrhundert als grundlegender Mechanismus der Macht in modernen Staaten etabliert, es ist die Macht „leben zu machen oder in den Tod zu sto&#223;en (Foucault 1995: 165/ebd. 1999: 301).“ Rassismus sei ein Mittel im Bereich des Lebens, eine Z&#228;sur einzuf&#252;hren zwischen dem was Leben darf und dem was sterben muss. Schon die Unterteilung der „Rassen“ und Hierarchien festzuschreiben und bestimmte „Rassen“ abzuwerten, zeige die Macht, die dieses Feld besetzt. Die erste Funktion des Rassismus liege darin, zu fragmentieren. Es sei eine Art und Weise bestimmte Gruppen im Inneren der Bev&#246;lkerung gegeneinander auszuspielen (ebd. 1999: 301). Rassismus habe noch eine zweite Funktion, die positive Konnotation zum T&#246;ten aufzustellen: „je mehr du sterben l&#228;&#223;t, um so mehr wirst du eben deswegen leben (ebd.).“ Nach Foucault ist das keine Erfindung des Rassismus oder der modernen Staaten, sondern eine kriegerische Beziehung: Wenn Du leben willst, musst du t&#246;ten. Rassismus l&#228;sst diesen kriegerischen Typ funktionieren. „Der Tod des anderen bedeutet nicht einfach mein &#220;berleben in der Weise, da&#223; meine pers&#246;nliche Sicherheit erh&#246;ht; der Tod des Anderen, der Tod der b&#246;sen Rasse, der niederen (der degenerierten oder anormalen) Rasse wird das Leben im allgemeinen ges&#252;nder machen; ges&#252;nder und reiner. (…) Rasse, Rassismus ist die Bedingung f&#252;r die Akzeptanz des T&#246;tens in einer Normalisierungsgesellschaft (ebd., 302).“ Es handele sich nicht um eine milit&#228;rische oder politische Beziehung, sondern um eine biologische: Die zu unterdr&#252;ckenden Feinde sind nicht politische Gegner, sie sind &#228;u&#223;ere und innere Gefahren f&#252;r die Bev&#246;lkerung (ebd.).</p>
<p>Unter T&#246;tung wird nicht direkter Mord verstanden, so Foucault, „sondern auch alle Formen des indirekten Mordes: jemanden der Gefahr des Todes ausliefern, f&#252;r bestimmte Leute das Todesrisiko oder ganz einfach den politischen Tod, die Vertreibung, Abschiebung usw. zu erh&#246;hen (ebd., 302).“</p>
<p>Was tut die Hansaplatz Initiative anderes? Ihre ApologetInnen fordern die Vertreibung, Inhaftierung und Abschiebung von Menschen, die angetrieben von existentieller Not seit Jahrzehnten im Stadtteil um ihr &#220;berleben k&#228;mpfen. Die MitarbeiterInnen der sozialen Projekte wissen, wie fragil der physische und psychische Zustand dieser Menschen ist und welche existenzbedrohenden Konsequenzen derartig einschneidende Ver&#228;nderungen in der Szene nach sich ziehen. Deshalb rufen sie zu Demonstrationen auf und nehmen nicht billigend das Elend und den Tod von Mitmenschen in Kauf, nur um Kindern, deren Eltern in angesagten Stadteilen wohnen wollen, eine heile Welt vorzuspielen (siehe Plakat <a href="http://initiative-hansaplatz.de/index.html">http://initiative-hansaplatz.de/index.html</a>).</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<ul>
<li> El-Nagashi, Faika Anna (2007): Interview f&#252;r die Zeitschrift &#8220;malmoe&#8221;<br />
<a href="http://no-racism.net/article/2077">http://no-racism.net/article/2077</a></li>
<li> Foucault, Michel (1995): Der Wille zum Wissen, Frankfurt am Main.<br />
ebd.(1999): Vorlesung vom 17. M&#228;rz 1976. In ebd.: In Verteidigung einer Gesellschaft. Vorlesung am Collège de France 1975 – 76, Frankfurt am Main, 291.</li>
<li> Helen Ward (2007): Marxismus versus Moralismus.<br />
<a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd7807/t407807.html">http://www.trend.infopartisan.net/trd7807/t407807.html</a></li>
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		<title>Die Erosion des m&#228;nnlichen Familienern&#228;hrermodells</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Nov 2010 21:01:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Yashodhara Haller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Anlass unseres Beitrags ist die Etablierung eines neoliberalen Feminismus im Zuge der familienpolitischen Trendwende in Deutschland seit 2002. Die Analyse familienpolitischer Reformen ergibt, dass diese einerseits auf die voranschreitende Aufl&#246;sung des m&#228;nnlichen Familienern&#228;hrermodells reagieren, andererseits die stattfindende Erosion vorantreiben. Kritisiert wird diese familienpolitische Trendwende bislang vornehmlich von konservativer Seite. Statt die sich auf neoliberale und konservative Argumente verengende Debatte fortzuf&#252;hren, nutzen wir diesen Beitrag, um der Frage nachzugehen, welche Herausforderungen sich angesichts der familienpolitischen Neuausrichtung f&#252;r einen linken Feminismus ergeben....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Anlass unseres Beitrags ist die Etablierung eines neoliberalen Feminismus im Zuge der familienpolitischen Trendwende in Deutschland seit 2002. Die Analyse familienpolitischer Reformen ergibt, dass diese einerseits auf die voranschreitende Aufl&#246;sung des m&#228;nnlichen Familienern&#228;hrermodells reagieren, andererseits die stattfindende Erosion vorantreiben. Kritisiert wird diese familienpolitische Trendwende bislang vornehmlich von konservativer Seite. Statt die sich auf neoliberale und konservative Argumente verengende Debatte fortzuf&#252;hren, nutzen wir diesen Beitrag, um der Frage nachzugehen, welche Herausforderungen sich angesichts der familienpolitischen Neuausrichtung f&#252;r einen linken Feminismus ergeben.</strong></p>
<p><strong>Reproduktions- und Lohnarbeit im m&#228;nnlichen Familienern&#228;hrermodell</strong><br />
Geht man der Funktion von Sozial- und Familienpolitik in kapitalistischen Gesellschaften nach, wird schnell deutlich, dass infolge der Ausbreitung von Lohnarbeit und der damit einhergehenden Proletarisierung der Bev&#246;lkerung die Individuen ihr Arbeitsverm&#246;gen nicht mehr zur alleinigen Grundlage der Sicherung ihrer Reproduktion machen k&#246;nnen. Zur Sicherung der Reproduktion bedarf es vielmehr einerseits der als elementar geltenden Reproduktionsarbeit, sowie andererseits einer zus&#228;tzlichen Lohnarbeit, mit der die Reproduktionskosten bestritten werden. Die Funktion von Sozial- und Familienpolitik ist es, zum einen f&#252;r die partielle Freistellung einiger Bev&#246;lkerungsgruppen zur Verrichtung der elementaren Reproduktionsarbeit zu sorgen sowie zum anderen die kontinuierliche Eingliederung von Arbeitskr&#228;ften in die marktvermittelte Lohnarbeit sicherzustellen. Nicht zuletzt hat Sozial- und Familienpolitik die Funktion, den Reproduktionsaufwand der gesamten Bev&#246;lkerung durch eine gewisse Umverteilung des &#252;ber die marktvermittelte Lohnarbeit erzeugten Mehrwertes zu garantieren.<br />
Im Gegensatz zu vergleichbaren kapitalistischen Staaten zeichnet sich die deutsche Familienpolitik bislang dadurch aus, dass sie einen relativ hohen Anteil an Reproduktionsarbeit in die Familie verlagert, wobei sie eine komplement&#228;re Arbeitsteilung entlang der Zuordnung nach Geschlecht in der Familie voraussetzt. Dem m&#228;nnlichen Familienern&#228;hrermodell entsprechend werden dabei Betreuungs- und Erziehungsaufgaben durch familienpolitische Leistungen unterst&#252;tzt. Diese monet&#228;ren Leistungen sind jedoch zu relativ gro&#223;en Anteilen an eine Erwerbst&#228;tigkeit gekn&#252;pft. Dementsprechend setzt die sozialstaatliche Funktionslogik des Familienern&#228;hrermodells ein Normalarbeitsverh&#228;ltnis auf Seiten des m&#228;nnlichen Familienern&#228;hrers voraus. Mit der relativen Zunahme von prek&#228;ren Arbeitsverh&#228;ltnissen steht eine komplement&#228;re Arbeitsteilung zur Disposition, in der haupts&#228;chlich der m&#228;nnliche Familienern&#228;hrer die f&#252;r die Subsistenz notwendigen Geldleistungen der abh&#228;ngigen Familienangeh&#246;rigen sicherte.</p>
<p><strong>Die neue Familienpolitik</strong><br />
Seit Amtsantritt der zweiten rot-gr&#252;nen Koalition mit Renate Schmidt (SPD) als Familienministerin gab es eine Wende der Familienpolitik, die von den Familienministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schr&#246;der (CDU) weitergef&#252;hrt wird. Das neue familienpolitische Leitbild sieht eine Steigerung der weiblichen Erwerbsquote vor. Bis ins Jahr 2013 sollen bundesweit 230.000 zus&#228;tzliche Kinderbetreuungspl&#228;tze geschaffen werden. Bei der Vergabe von Gutscheinen f&#252;r die Tagesbetreuung eines Kindes werden erwerbst&#228;tige und alleinerziehende Erziehungsberechtigte bevorzugt. Da erwerbst&#228;tige Eltern im Durchschnitt &#252;ber ein h&#246;heres Familieneinkommen verf&#252;gen und besser qualifiziert sind als nicht erwerbst&#228;tige Eltern, wird also ausgerechnet jenen Eltern die M&#246;glichkeit &#246;ffentlicher Kinderbetreuung verwehrt, die ohnehin zu den am st&#228;rksten benachteiligten Gruppen geh&#246;ren.<br />
Mit der Verabschiedung des einkommensabh&#228;ngigen Elterngeldes, das statt des zuletzt zweij&#228;hrigen Erziehungsgeldes nur f&#252;r ein Jahr gezahlt wird, werden einkommensschwache Familien ebenfalls benachteiligt. Diese einkommensabh&#228;ngige Leistung, die Erziehungsberechtigte 12 Monate nach der Geburt ihres Kindes in H&#246;he von 67 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens beziehen, ist auf 14 Monate ausdehnbar, sofern sich der andere Elternteil an der Elternzeit beteiligt. Damit wird besser verdienenden V&#228;tern ein Anreiz zur &#220;bernahme von F&#252;rsorgeverantwortung f&#252;r ihre Kinder gegeben. Mit dem Elterngeld ist eine Umverteilung familienpolitischer Leistungen verbunden, die Geringverdienerinnen und Geringverdiener gegen&#252;ber der fr&#252;heren Regelung benachteiligt. Am st&#228;rksten benachteiligt sind Empf&#228;ngerinnen und Empf&#228;nger von ALG II, deren Elterngeld erst um die H&#228;lfte gek&#252;rzt und ab 2011 komplett gestrichen werden soll.<br />
Hier wird das Dilemma der Familienpolitik deutlich: W&#228;hrend die fr&#252;here sozial gestaffelte Regelung eher das m&#228;nnliche Ern&#228;hrermodell gest&#252;tzt hat, bei dem schlecht verdienende Frauen st&#228;rker von m&#228;nnlichen Verdienern abh&#228;ngig waren, verteilt die neue, prozentual am Einkommen orientierte Regelung die Leistungen so, dass die unteren 60 Prozent in der Einkommenshierarchie weniger als zuvor, Empf&#228;ngerinnen und Empf&#228;nger von ALG II bald gar kein Elterngeld mehr erhalten (siehe auch Statement von <a href="http://www.feministisches-institut.de/elterngeld-fuer-erwerbslose/">Jenny Ullrich</a>). In einem vergleichbaren Spannungsverh&#228;ltnis bewegt sich auch die Reform des Unterhaltsrechts. Die neue Regelung bewirkt, dass zun&#228;chst das Kind und nicht der erziehende Elternteil unterhaltsberechtigt ist. Weil der Kindesunterhalt im Einkommensteuerrecht ungleich weniger als der Ehegattenunterhalt absetzbar ist, verringert sich hier&#252;ber das Nettoeinkommen des Familienern&#228;hrers. Dadurch kann insgesamt weniger Unterhalt an diejenige Familie ausgezahlt werden, in der das Kind lebt. Der betreuende Elternteil wird demnach h&#228;ufiger von Sozialleistungen abh&#228;ngig werden. Anders als beim Betreuungsunterhalt, auf den mehrheitlich M&#252;tter vor dem Unterhalts&#228;nderungsgesetz Anspruch hatten, ist der Bezug von ALG II an die Eingliederung in den Arbeitsmarkt gekoppelt. Die Reform des Unterhaltsrechts zielt folglich ebenso wie das Elterngeld und der Ausbau der Kindertagesbetreuung auf die Integration aller Erwerbsf&#228;higen in den Arbeitsmarkt.<br />
Die dargelegten familienpolitischen Reformen sind – weil sie auf eine Angleichung weiblicher Erwerbsbiographien an die von M&#228;nnern abzielen und Hartz-IV-Empfangenden jegliche monet&#228;re Unterst&#252;tzung entziehen − Teil einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik.</p>
<p><strong>Status Quo und die Herausforderungen an einen linken Feminismus</strong><br />
Die Monopolstellung des liberalen Feminismus wird insbesondere durch die Gleichstellungspolitik der ehemaligen Familienministerin Ursula von der Leyen deutlich. Alternative feministische Positionen sind derzeit weitgehend marginalisiert. Kritik am neoliberalen und wirtschaftsorientierten Charakter der neuen Familienpolitik kommt lediglich von konservativer Seite, so etwa von Eva Herman. Herman verweist darauf, dass in Familien die von allen Erwachsenen in Erwerbsarbeit verbrachte Zeit tendenziell ansteigt, und fordert mehr Zeit f&#252;r eine von diesen Zw&#228;ngen relativ abgeschottete Familienwelt. Dem zunehmenden Leistungsdruck soll nicht mit einer Umstrukturierung der Arbeitszeitmodelle begegnet werden, sondern mit der Abwehr des Doppel-Verdienermodells. Diese Position inszeniert sich als Stimme der ,schweigenden Mehrheit’, da die Doppelbelastung von Frauen im liberalen Feminismus nicht ernsthaft diskutiert wird. Die Legitimit&#228;t des traditionellen Familienern&#228;hrermodells wird best&#228;tigt und das Problem der h&#246;heren Arbeitsbelastung konservativ gel&#246;st: Die Position ist ein Kompromiss aus konservativer Ideologie und proletarischen Bed&#252;rfnissen nach weniger Arbeit.<br />
Der liberale Feminismus, der beispielsweise von der Autorin Thea Dorn und der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin vertreten wird, wendet sich gegen geschlechterhierarchische Strukturen und den nostalgischen Blick zur&#252;ck auf die Hausfrauenehe. Die Emanzipation soll in neuer Form weitergef&#252;hrt werden, beschr&#228;nkt sich jedoch wie die herrschende Familienpolitik auf Ma&#223;nahmen, in deren vollen Genuss nur die relativ Privilegierten kommen. Mit den Problemen der gering qualifizierten Angestellten, die auch im Zuge des Ausbaus der Kinderbetreuung &#228;u&#223;erst geringe Aufstiegschancen haben oder die erst gar keinen Arbeitsplatz finden, befasst sich der liberale Feminismus nicht. Die steigende Arbeitsbelastung, die sinkenden L&#246;hne und fehlende M&#246;glichkeiten des Aufstiegs und der Entfaltung im Beruf sind als Themen abwesend.<br />
Die Position der liberalen Feministinnen repr&#228;sentiert die Perspektive und die Interessen des progressiven B&#252;rgertums. Weil fast alle Ver&#246;ffentlichungen aus diesem Lager eine offensive Stimmung des Aufbruchs verbreiten und Frauen ermutigen, sich gegen traditionelle Zuschreibungen zu wehren, hat diese Position Potenziale, auch Menschen aus anderen Schichten einzubinden. Auff&#228;llig ist, dass eines der klassischen Themen des ,alten’, Feminismus, die Doppelbelastung von Frauen, vollkommen ausgeblendet wird. Der liberale Feminismus verbindet neoliberale Elitenf&#246;rderung mit einer Flexibilisierung der Geschlechterhierarchien.<br />
Es stehen sich also zwei Positionen gegen&#252;ber: die erste ist konservativ und anti-neoliberal; die zweite feministisch und neoliberal. Vereinfacht gesagt, beobachten wir eine Frontstellung von Feminismus/Neoliberalismus vs. Familien/soziale Gerechtigkeit. In dieser Konstellation erscheint Widerstand gegen Marktzw&#228;nge als konservativ, Gleichstellung der Geschlechter hingegen als Elitenorientierung. Beide Positionen bieten Identifikationsangebote. Die real vielf&#228;ltigen Familien- und Erwerbsarbeitsmodelle werden zu Modellkonstellationen reduziert, an denen sich die Bev&#246;lkerung orientieren und in die man sich politisch und ideologisch einordnen kann. Davon ausgehend lautet unsere These, dass ein linker Feminismus und eine linke gegenhegemoniale Position sich nur dann erfolgreich konstituieren k&#246;nnen, wenn sie in der Lage sind, die Kritik der Konservativen an der Arbeitsbelastung und die Kritik der Liberalen an den Geschlechterhierarchien in herrschaftskritischer Weise zu verbinden. Der ehemals tonangebende linke Feminismus verfolgt derzeit kein klar erkennbares Projekt. Viele seiner ehemaligen Protagonistinnen versuchen eher, im Rahmen der historisch gesehen relativ fortschrittlichen neuen Politik Akzente zu setzen.</p>
<p>Damit droht aber Feminismus insgesamt das Image eines ,Feminismus der Besserverdienenden’ zu erhalten, w&#228;hrend die Sorgen der Unterdr&#252;ckten mit der Ideologie der ,Familienfreundlichkeit’ durch die katholischen Ultras aufgegriffen werden. Hier w&#228;re eine dritte Position eines neuen linken Feminismus gefragt, der gleicherma&#223;en gegen Geschlechterhierarchien und gegen neoliberale Umverteilung mobilisiert. Die Herausforderung an einen linken Feminismus der Zukunft wird daher in der Etablierung einer dritten Position gegen&#252;ber konservativen Positionen einerseits und neoliberalen Positionen andererseits bestehen und damit in der &#220;berwindung der Vorstellungen, mit einer ideologischen Aufwertung von Reproduktionsarbeit oder einer Arbeitsmarktaktivierung von Frauen k&#246;nne die Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden.</p>
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		<title>Es geht aufw&#228;rts?! Das Elterngeld f&#252;r Erwerbslose wird gestrichen &#8211; Stellungnahme des Instituts f&#252;r nachhaltige Entwicklung e.V.</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/elterngeld-fuer-erwerbslose/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Sep 2010 18:19:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jenny Ullrich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Elterngeld f&#252;r Erwerbslose wird gestrichen. Damit werden nicht nur wichtige Sozialleistungen gek&#252;rzt, sondern auch diverse Trends, die im gesellschaftlichen Mainstream existieren, weiter vorangetrieben. Es geht unter anderem darum, das neoliberale Arbeitsmarktparadigma "F&#246;rdern und fordern" noch klarer und ohne R&#252;cksicht auf gesamtgesellschaftliche Realit&#228;ten umzusetzen als dies bisher schon geschehen ist. Menschen, die wenig Steuern zahlen, wenig konsumieren und dem Staat Geld kosten, bekommen auch wenig. Mit der Streichung des Elterngeldes wird ein "Familienern&#228;hrermodell" erzwungen, welches zum einen aus einer feministischen Perspektive nicht annehmbar und zum anderen gar nicht mehr realisierbar ist. Auch zu einer Gleichheit der Bildungschancen, die unabh&#228;ngig von der sozialen Herkunft ist, tr&#228;gt dieser Schritt nichts Positives bei, wenn man bedenkt, dass Bildung mehr ist als der Besuch einer Schule...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Das Elterngeld f&#252;r Erwerbslose wird gestrichen. Damit werden nicht nur wichtige Sozialleistungen gek&#252;rzt, sondern auch diverse Trends, die im gesellschaftlichen Mainstream existieren, weiter vorangetrieben. Es geht unter anderem darum, das neoliberale Arbeitsmarktparadigma &#8220;F&#246;rdern und fordern&#8221; noch klarer und ohne R&#252;cksicht auf gesamtgesellschaftliche Realit&#228;ten umzusetzen als dies bisher schon geschehen ist. Menschen, die wenig Steuern zahlen, wenig konsumieren und dem Staat Geld kosten, bekommen auch wenig. Mit der Streichung des Elterngeldes wird ein &#8220;Familienern&#228;hrermodell&#8221; erzwungen, welches zum einen aus einer feministischen Perspektive nicht annehmbar und zum anderen gar nicht mehr realisierbar ist. Auch zu einer Gleichheit der Bildungschancen, die unabh&#228;ngig von der sozialen Herkunft ist, tr&#228;gt dieser Schritt nichts Positives bei, wenn man bedenkt, dass Bildung mehr ist als der Besuch einer Schule.</strong></p>
<p>&#8220;Bis 2014 wolle die schwarz-gelbe Koalition einen &#8220;beispiellosen Kraftakt&#8221; leisten und rund 80 Milliarden Euro einsparen, so Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eine beachtliche Leistung, wie Finanzminister Wolfgang Sch&#228;uble (CDU) meinte: &#8220;Schauen Sie mal, was das Kabinett alles entschieden hat. Das h&#228;tten die meisten gar nicht f&#252;r m&#246;glich gehalten. Es geht aufw&#228;rts!&#8221;"<br />
Mit diesen Worten liest sich die Berichterstattung zum Thema Streichung des Elterngeldes bei Erwerbslosen. Auf diesem Weg &#8220;nach oben&#8221; merken vor allem &#8220;die unten&#8221;, was das f&#252;r ein &#8220;Kraftakt&#8221; bedeutet.<br />
Diese Ma&#223;nahmen, vor allem die Streichung elementarer Sozialleistungen, lassen dieses Paket eher als eine Luftpost erscheinen.<br />
Ungeachtet der versch&#228;rften sozialen Situation, die gepr&#228;gt ist von einer Kluft zwischen arm und reich, wird alles daran gesetzt, diese zu vergr&#246;&#223;ern. Menschen, die ohnehin bereits am Limit der sozialen und gesellschaftlichen Teilhabe partizipieren, wird diese mit repressiven und offensichtlichen Mitteln verweigert. Bisher gab es f&#252;r Erwerbslose den Mindestsatz von 300€ Elterngeld f&#252;r die Dauer von 12 bis 14 Monaten. F&#252;r Menschen, die besser verdienen, gab es 67% des bisherigen monatlichen Einkommens. Bereits hier wurde ganz klar gezeigt, worum es geht: wer mehr Steuern zahlt und dem Staat weniger kostet, bekommt auch mehr Geld (siehe auch <a href="http://www.feministisches-institut.de/elterngeld/#more-207">Statement von Gabriele Winker</a>).<br />
Ab sofort soll es f&#252;r Erwerbslose kein Elterngeld mehr geben, dahingegen f&#252;r Menschen, die auch bisher extrem bevorteilt wurden, alles so bleibt wie es war.<br />
Dass diese Ma&#223;nahmen aus feministischer Sicht einen Fehltritt bedeuten, wird schnell deutlich; allein erziehenden M&#252;ttern wird eine massive Doppelbelastung aufgeb&#252;rdet, die finanzielle Knapphaltung zwingt entweder zu einem Leben an der Armutsgrenze oder zum Arbeiten in prek&#228;ren Verh&#228;ltnissen (Arbeiten unterhalb der Mindestlohngrenze, keine Versicherungsanspr&#252;che, kein Arbeitnehmer_innenschutz etc.), in denen die Abh&#228;ngigkeit und die Ausbeutbarkeit (durch den/die Arbeitgeber_in) stark zunimmt. Frauen, die in einer Partnerschaft leben, werden auf diesem Wege finanziell abh&#228;ngig von einem Partner, der arbeiten geht. Hier wird ein Familienmodell erzwungen, welches angesichts der gesamtgesellschaftlichen Realit&#228;t als vollkommen &#252;berholt betrachtet werden kann. Es gibt kaum noch Erwerbsm&#246;glichkeiten, in denen ein Mensch genug verdient, um damit eine Familie zu ern&#228;hren. Weiterhin existieren neben dem „Standardmodell“ Vater, Mutter, Kind noch zahlreiche andere Formen des Zusammenlebens, wie zum Beispiel gleichgeschlechtliche Partnerschaften, kollektive Wohn- und Lebensformen, unverheiratetes Zusammenleben oder allein erziehende Menschen.<br />
Auch aus erziehungswissenschaftlicher Sicht ist dieser Schritt fatal. Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, wird u.a. der Zugang zur Bildung allgemein erschwert (Studiengeb&#252;hren, B&#252;chergeld, Kita-Geb&#252;hren, Streichung von Pr&#228;ventions- und Interventionsprogrammen, &#214;konomisierung vieler Bildungsbereiche), die wenigen Chancen, die sie bisher hatten, werden immer geringer.<br />
Dass es f&#252;r das Heranwachsen eines Menschen einiger Ausgaben bedarf, die &#252;ber Essen hinausgehen (und selbst das Kantinenessen in Schulen ist f&#252;r viele Menschen bereits jetzt nicht finanzierbar, was der massive Bedarfsanstieg bei Mittagstischen und Co. deutlich zeigt), sollte jeder Mensch bereits einmal vernommen haben. Dass es f&#252;r die Partizipation am gesellschaftlichen Leben (Kino- und Theaterbesuche, Diskussions- und Informationsveranstaltungen, Tageszeitung, Ausfl&#252;ge/ Urlaube/ den Horizont erweitern, Konzerte, Kaffeetrinken, mal ein Bier trinken k&#246;nnen),  Geld braucht, auch das wird kein Mensch abstreiten wollen, soweit sind wir leider noch nicht.<br />
Abgesehen davon, dass bereits jetzt die Partizipation am gesellschaftlichen Leben den meisten Hartz IV Empf&#228;ngern vorenthalten wird, w&#228;re es fatal, diese Ungleichheit durch die Streichung des Elterngeldes fortzusetzen und damit den sozialen Status der heranwachsenden Menschen festzuschreiben. Die soziale Durchl&#228;ssigkeit ist in Deutschland bereits jetzt schon verantwortungslos gering, die Wahlm&#246;glichkeiten, die ein Mensch qua seiner Herkunft hat, verringern sich mit dem Einkommen, &#252;ber das eine Familie verf&#252;gt.<br />
Dass diese massiven Einschnitte in Zeiten von Fachkr&#228;ftemangel, Sarrazins, Kriegseins&#228;tzen, PISA- (und Nachfolge-) Studien, Armutsberichten mit folgenden Inhalten, passieren, kann nicht ernst gemeint sein.<br />
&#8220;Seit 1992 sind die Einkommen der &#228;rmsten 10 Prozent der Bev&#246;lkerung um 13 Prozent gesunken, die Einkommen der reichsten 10 Prozent hingegen um 31 Prozent gestiegen. Innerhalb von drei Jahren hat sich die Zahl der in Armut lebenden Kinder verdoppelt. Und die Zahl der Menschen, die Grundsicherung im Alter beantragt haben, w&#228;chst kontinuierlich: von 2005 auf 2006 um 8 Prozent auf 680.000. Die Armut w&#228;chst, und zwar in allen Altersgruppen.&#8221;<br />
(Quelle: <a href="http://www.vdk.de/cgi-bin/cms.cgi?ID=de18978">http://www.vdk.de/cgi-bin/cms.cgi?ID=de18978</a> am 1.9.2010).<br />
Das Institut f&#252;r nachhaltige Entwicklung e.V. fordert stattdessen eine Grundsicherung f&#252;r alle Menschen, uneingeschr&#228;nkt und ohne Bedarfspr&#252;fung. Vorstellbar w&#228;re auch ein System, in dem Menschen selbst entscheiden k&#246;nnen, ob sie diese in Anspruch nehmen, im Sinne eines Solidarprinzips.<br />
Weiterhin fordern wir Menschen dazu auf, ihre Meinung nach au&#223;en zu tragen, sei es im Gespr&#228;ch mit anderen Menschen, im Internet, auf der Stra&#223;e, beim Warten auf den Bus,&#8230;</p>
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		<title>Das Grauen vor der Prostitution, den Drogen … den Anderen</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Apr 2010 12:57:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Schrader</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der deutsche Sozialstaat versuchte fr&#252;her den „Bed&#252;rftigen“ neben der Grundabsicherung ihres Lebensstandards durch Resozialisierungs- und Reintegrationsma&#223;nahmen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der Mehrheit zu erm&#246;glichen. Dieser Ansatz wird heute mit dem Hinweis auf die „leeren Kassen“ und die angebliche Ineffizienz nicht mehr verfolgt und durch die &#252;bergeordnete Strategie des Gefahren- und Risikomanagements ersetzt. Im Zentrum der Aktivit&#228;ten steht jetzt die Gef&#228;hrlichkeit des Individuums. Erkennbar sind diese Tendenzen in Deutschland unter anderem an der Erh&#246;hung des Strafrahmens, der Absenkung der Strafm&#252;ndigkeit, den vereinfachten Voraussetzungen f&#252;r die U-Haft, der konsequenten Abschiebungspraxis und der Video&#252;berwachung &#246;ffentlicher Pl&#228;tze. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Der deutsche Sozialstaat versuchte fr&#252;her den „Bed&#252;rftigen“ neben der Grundabsicherung ihres Lebensstandards durch Resozialisierungs- und Reintegrationsma&#223;nahmen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der Mehrheit zu erm&#246;glichen. Dieser Ansatz wird heute mit dem Hinweis auf die „leeren Kassen“ und die angebliche Ineffizienz nicht mehr verfolgt und durch die &#252;bergeordnete Strategie des Gefahren- und Risikomanagements ersetzt. Im Zentrum der Aktivit&#228;ten steht jetzt die Gef&#228;hrlichkeit des Individuums. Erkennbar sind diese Tendenzen in Deutschland unter anderem an der Erh&#246;hung des Strafrahmens, der Absenkung der Strafm&#252;ndigkeit, den vereinfachten Voraussetzungen f&#252;r die U-Haft, der konsequenten Abschiebungspraxis und der Video&#252;berwachung &#246;ffentlicher Pl&#228;tze.</strong></p>
<p>Eine Gruppe, die im Fokus dieser Sicherheitsdispositive steht, das sind Menschen, die illegalisierte Drogen konsumieren. Drogenkonsum gilt in Deutschland nicht mehr grunds&#228;tzlich als moralisch verwerflich, da er zunehmend in der Mehrheitsgesellschaft und dort auch durch ihre Eliten praktiziert wird. Allerdings werden die Teile der Gesellschaft, die nicht verantwortlich, also nicht kontrolliert mit dem Konsum umgehen k&#246;nnen oder wollen, zu einer Risikopopulation erkl&#228;rt. Die Regulation der Risiken, welche dieser Gruppe zugeordnet werden &#8211; kombiniert mit einer dann doch oft moralisch unterf&#252;tterten Bewertung des Konsums &#8211; entscheidet &#252;ber den Zugang zu bestimmten R&#228;umen. So wurden zum Einen &#246;ffentliche R&#228;ume in Hamburg f&#252;r die Risikogruppe „der S&#252;chtigen“ geschlossen (Innenstadt, Hautbahnhof, Schanzenviertel) und zum Anderen klar umgrenzte Zug&#228;nge f&#252;r diese Gruppe (Drob Inn) oder f&#252;r spezifische Untergruppen (Frauen &#8211; ragazza e.V., minderj&#228;hrige M&#228;dchen – Cafè Sperrgebiet, Stricher &#8211; BASIS-Projekt, Stra&#223;enkinder &#8211; KIDS) er&#246;ffnet. Hier treffen die Betroffenen nur noch mit Angeh&#246;rigen der gleichen Risikogruppe zusammen. Fr&#252;her ging es in der akzeptierenden Drogenarbeit haupts&#228;chlich darum, einen weniger gesundheitssch&#228;dlichen Konsum zu erm&#246;glichen. Dieses Anliegen hat sich ge&#228;ndert, jetzt geht es in erster Linie um die Entlastung des &#246;ffentlichen Raumes durch die Schaffung eines Ortes des „Anderssein“, in dem aber gleichzeitig „die Anderen“ effizienter kontrolliert werden k&#246;nnen. Das ist &#252;brigens nicht neu, sondern erinnert an die gesellschaftliche Funktion von Bordellen. Dort kann „das Andere“ ungest&#246;rt „das Andere“ sein, aber es unterliegt in diesem Raum auch immer der Kontrolle (Schmidt-Semisch, Henning: Selber schuld. In: Krasmann, Susanne u.a. (Hg.), Gouvernementalit&#228;t der Gegenwart, 181). Der sichtbare Teil des Problems verschwindet aus der Wahrnehmung und kann so von der Mehrheitsgesellschaft ignoriert und damit akzeptiert werden. Die Tr&#228;ger sozialer Einrichtungen passen sich oft gezwungenerma&#223;en, manchmal aber leider auch im Glauben an die gerade moderne Wettbewerbstheorie dieser Entwicklung, an. Die neuen Spielregeln bestimmen, dass sich nur die sozialen Einrichtungen behaupten k&#246;nnen, welche effizient die Entlastung des &#246;ffentlichen Raumes und die Kontrolle der Risikogruppe gew&#228;hrleisten.</p>
<p><strong>Wer sind „die Anderen“?</strong></p>
<p>Identit&#228;t konstruiert sich, so Stuart Hall, nur auf der Grundlage der Differenz, nur &#252;ber die Beziehung zum Anderen, in Beziehung zu dem, was sie nicht ist, zu gerade dem, was von ihr ausgelassen ist (Hall, Stuart 2004: Ideologie, Identit&#228;t, Repr&#228;sentation, Hamburg, 171). In Hamburg St. Georg sind „die Anderen“, die Nicht Gewollten, die &#220;berfl&#252;ssigen, die Anormalen – u. a. drogenkonsumierende Sexarbeiterinnen. Nach Angabe drogenkonsumierender Sexarbeiterinnen (Besucherinnen von ragazza e.V. Hamburg) belaufen sich die Kosten f&#252;r harte Drogen bei t&#228;glichem Konsum auf sch&#228;tzungsweise 100 bis 300 in Einzelf&#228;llen auch auf 500 EUR pro Tag. Wegen der hohen Kosten werden riskante Konsumformen (intraven&#246;s oder Crack) bevorzugt, um auch bei kleineren Mengen eine h&#246;here Wirkung zu erzielen. Gleichzeitig entsteht ein enormer finanzieller Beschaffungsdruck. Die meisten drogengebrauchenden Frauen arbeiten im Hamburger Stadtteil St. Georg. Der Drogenstrich liegt im Sperrgebiet. Das bedeutet, dass die Frauen illegal arbeiten und ordnungswidrig handeln. Durch die Sperrgebietsverordnung werden die „Beschaffungsprostituierten“ zus&#228;tzlich kriminalisiert, da ihnen die lukrativen legalen Pl&#228;tze, die von „Profi“- Frauen genutzt werden, nicht zur Verf&#252;gung stehen. Drogengebrauchende Frauen versto&#223;en au&#223;erdem st&#228;ndig gegen das Bet&#228;ubungsmittelgesetz (BtMG) und begehen oft auch andere Straftaten (u.a. durch Dealen, das Bunkern von Drogen, Ladendiebstahl, nicht erf&#252;llte Auflagen der Staatsanwaltschaft, Erschleichung von Bef&#246;rderungsleistungen etc.).</p>
<p>Nach Sch&#228;tzungen der Polizei gehen in St. Georg ca. 450 Frauen der Stra&#223;enprostitution nach, viele von ihnen gebrauchen Drogen. Nach Angaben der Beratungs- und &#220;bernachtungsstellen in St. Georg arbeiten etwa 800 bis 1000 Frauen in der Prostitution. Sch&#228;tzungsweise 80% dieser Frauen sind Konsumentinnen von Drogen. Die Zahlen sind jedoch spekulativ, da es kein repr&#228;sentatives Zahlenmaterial gibt. Aus der Kombination von illegalisierter Prostitution und Drogenkonsum resultieren massive Folgesch&#228;den und eine psychosoziale Verelendung, was zur Folge hat, dass sich die Mehrzahl der Frauen nicht mit dieser Erwerbst&#228;tigkeit identifizieren kann. Sie profitieren nicht von den medizinischen Vorsorgeuntersuchungen und sind daher oft durch Krankheiten geschw&#228;cht. Da sie auch den Selbstschutz nicht wie die hauptberuflichen Sexarbeiterinnen organisieren k&#246;nnen, sind sie vielfach Misshandlungen und Vergewaltigungen ausgeliefert (Zurhold, Heike 1993: Drogenkarrieren von Frauen im Spiegel ihrer Lebensgeschichten, Berlin, 30/31). Drogenkonsumierende Sexarbeiterinnen sind zwar „die Anderen“, aber nicht die Einzigen, die dem Gefahren-, Risiko- oder Sicherheitsmanagement unterliegen!</p>
<p><strong>Die Rechte „Marginalisierter“ im b&#252;rgerlichen Staat, ein Widerspruch an sich?</strong></p>
<p>Junge dynamische leistungsf&#228;hige Menschen erobern „angesagte“ Stadtteile, wie St. Georg, kaufen Eigentumswohnungen und werben f&#252;r einen bunten Strau&#223; unterschiedlicher Kulturen, sexueller Orientierungen und Lebensformen. Die angepriesene Vielfalt entpuppt sich jedoch bei genauerer Analyse als ein Trugschluss. Der locker daher kommende Slogan von der Vielf&#228;ltigkeit im Stadtteil ist ein hegemonialer Diskurs der wei&#223;en finanziell potenten Mehrheitsdeutschen. So werden zwar nach jahrzehntelangen K&#228;mpfen endlich auch homosexuelle Lebensformen akzeptiert, aber umso st&#228;rker der „gewaltt&#228;tige Migrant“ zu einem neuen Feindbild stilisiert. Auch die Frauen, die seit Jahrzehnten in St. Georg arbeiten und ihre Existenz durch Sexarbeit sichern, passen nicht zu dieser scheinbaren Diversit&#228;t. Im Fokus der gesellschaftlichen &#196;chtung stehen zwar immer noch die „Junkiehuren“, jedoch f&#252;hlen sich die neuen b&#252;rgerlichen St. GeorgianerInnen eher durch die „Huren“ aus Bulgarien und Rum&#228;nien gest&#246;rt. Vor allem die m&#228;nnlichen Anwohner f&#252;hlen sich durch deren angeblich kulturell spezifisch aggressive Freieransprache bel&#228;stigt. So berichtet das PK 11, dass es bereits zu t&#228;tlichen &#220;bergriffen durch die Frauen gegen&#252;ber potentiellen Kunden gekommen sei, was aber eher in den Bereich einer modernen Stadteilsage geh&#246;rt. Um die AnwohnerInnen zu beruhigen, werden gouvernementale Regierungstechniken etabliert, die sich einen demokratischen Anstrich verleihen, indem sie vorgeben, die Stimmen aller Beteiligten aufzunehmen. F&#252;r Hamburg ist der „Runde Tisch“ mit seinen verschiedenen Arbeitsgruppen solch eine typisch gouvernementale Regierungstechnik. Hier sitzen Polizei, Wirtschaft und soziale Projekte an einem Tisch und debattieren &#252;ber die Steuerung und Regulierung der Prostitution. Obwohl die Ergebnisse noch nicht ver&#246;ffentlicht sind, kann jetzt bereits gesagt werden, dass die erarbeiteten Modelle keinesfalls den Bedarfen der betroffenen Frauen entsprechen. Es wird im Gegenteil in den meisten Bereichen zu einer Versch&#228;rfung der Situation durch weitere Repressionen gegen die Sexarbeiterinnen kommen. Das ist ein sehr trauriges Ergebnis, da Hamburg einst, verglichen mit anderen Bundesl&#228;ndern, eher eine  progressive innovative Politik auch f&#252;r „die Anderen“ unterst&#252;tzt hat. Es stellt sich ein ungutes Gef&#252;hl ein, wenn frau sich vorstellt, wo eine solche Politik endet. Wer geh&#246;rt zu einem Stadtteil, zu einer Stadt, zu einer Gesellschaft und wer nicht? Wer verf&#252;gt &#252;ber Mitsprache und wer erreicht nie die Position einer SprecherIn? Eine funktionierende Gesellschaft muss immer auch „das Andere“ tolerieren, denn heute sind „die Anderen“ in Hamburg St. Georg die „Drogenprostituierten“, die „Bulgarinnen und Rum&#228;ninnen“, oder die „gewaltt&#228;tigen Migranten“ und morgen k&#246;nnten es die „Alten“, die nicht Leistungsf&#228;higen oder erneut die nicht Heteronormativen sein.</p>
<p>Ich m&#246;chte mit einem Zitat von Jean Amèry aus dem Buch „Jenseits von Schuld und S&#252;hne“ enden, das zu denken geben sollte: „Ich war mein K&#246;rper und nichts sonst: im Hunger, im Schlag, den ich erlitt, den ich zuf&#252;gte. Mein K&#246;rper war ausgemergelt und schmutzverkrustet, war meine Misere. Mein K&#246;rper, wenn er sich zum Hieb anspannte, war meine physisch–metaphysische W&#252;rde. Die k&#246;rperliche Gewaltt&#228;tigkeit ist in Situationen wie der meinigen das einzige Mittel zur Wiederherstellung einer dislozierten Pers&#246;nlichkeit. Ich war ich als ein Schlag – f&#252;r mich selbst und f&#252;r den Gegner. Was ich sp&#228;ter in dem Buch von Frantz Fanon ‚Les damnès de la terre’ in einer Analyse des Verhaltens der Kolonialv&#246;lker theoretisch ausgef&#252;hrt gelesen hatte, nahm ich damals vorweg, als ich meine W&#252;rde sozial durch einen Faustschlage in ein Menschenantlitz verwirklichte.“</p>
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		<title>Familienpolitik: Welche Formen von Elternschaft sind erw&#252;nscht?</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Jan 2009 19:13:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die deutsche Familienpolitik und die ihr zugrunde liegenden Konzepte von Mutterschaft und Vaterschaft galten lange Zeit als besonders der Tradition verschrieben und r&#252;ckst&#228;ndig. &#220;berraschenderweise brachte ausgerechnet die Familienpolitik der Gro&#223;en Koalition eine familienpolitische Wende. Sie wird nicht nur in der medialen &#214;ffentlichkeit als Erfolg verbucht, sondern gilt trotz berechtigter Kritik auch aus feministischer Sicht als Schritt in die richtige Richtung. W&#228;hrend auf gleichstellungspolitischer Ebene Erfolge zu verzeichnen sind, bildet der familienpolitische Diskurs jedoch ein Konzept von normativ erw&#252;nschter Elternschaft aus, das Familienformen jenseits der Zwei-Erwerbst&#228;tigen-Elternschaft zunehmend stigmatisiert...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die deutsche Familienpolitik und die ihr zugrunde liegenden Konzepte von Mutterschaft und Vaterschaft galten lange Zeit als besonders der Tradition verschrieben und r&#252;ckst&#228;ndig. &#220;berraschenderweise brachte ausgerechnet die Familienpolitik der Gro&#223;en Koalition eine familienpolitische Wende. Sie wird nicht nur in der medialen &#214;ffentlichkeit als Erfolg verbucht, sondern gilt trotz berechtigter Kritik auch aus feministischer Sicht als Schritt in die richtige Richtung. W&#228;hrend auf gleichstellungspolitischer Ebene Erfolge zu verzeichnen sind, bildet der familienpolitische Diskurs jedoch ein Konzept von normativ erw&#252;nschter Elternschaft aus, das Familienformen jenseits der Zwei-Erwerbst&#228;tigen-Elternschaft zunehmend stigmatisiert.</strong></p>
<h3>Erwerbsarbeit und Elternschaft</h3>
<p>Die Erwerbst&#228;tigkeit von M&#252;ttern ist ein wiederkehrendes Thema des deutschen familienpolitischen Diskurses der Nachkriegszeit. W&#228;hrend Frauenerwerbsarbeit in der DDR vorrangiges Ziel der Familienpolitik war, wurde M&#252;ttererwerbsarbeit in der Bundesrepublik als Gefahr f&#252;r das Kindeswohl und seit den 1970er Jahren als arbeitsmarktpolitisches Problem behandelt. In diesen Jahren tauchte zudem die Frage der Vereinbarkeit auf, die als ein ausschlie&#223;lich Frauen betreffendes Problem behandelt wurde. Eine Familienpolitik, die einem weiteren Sinken der Geburtenrate entgegenwirken will, hatte entsprechend der damals geltenden Meinung daf&#252;r Sorge zu tragen, dass M&#252;tter nicht berufst&#228;tig sein m&#252;ssen. Familienpolitische Leistungen f&#246;rderten im Zuge dessen das Drei-Phasen-Modell weiblicher Erwerbsarbeit. Nach einer Berufseinstiegsphase wird die Erwerbst&#228;tigkeit durch eine Familienphase unterbrochen, um sp&#228;ter als Teilzeiterwerbsarbeit wieder aufgenommen zu werden. Das vorherrschende und erw&#252;nschte Familienmodell in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit war die Familienern&#228;hrerehe.</p>
<p>Seit der Ver&#246;ffentlichung der Studie &#8220;Nachhaltige Familienpolitik&#8221; von Bert R&#252;rup und Sandra Gruescu im Jahr 2003 wird der Zusammenhang zwischen Frauenerwerbsarbeit und Geburtenraten von der deutschen Politik v&#246;llig neu eingesch&#228;tzt. Jetzt gilt: Nur die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf kann Frauen dazu bringen, (mehr) Kinder zu bekommen. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf das vorherrschende Bild von Mutterschaft, Vaterschaft und Elternschaft.</p>
<p>Potentielle M&#252;tter und V&#228;ter werden heute im familienpolitischen Diskurs als rational handelnde Individuen behandelt, die alle Kosten der Familiengr&#252;ndung kalkulieren. Der Anspruch auf Elterngeld wird nicht auf Grundlage des Familieneinkommens berechnet, denn das Elterngeld richtet sich an kinderbetreuende Elternteile als Individuen, soll einen Verdienstausfall zeitweise ausgleichen und einer schnellen R&#252;ckkehr ins Berufsleben nicht im Weg stehen. Die im Vergleich zum Erziehungsgeld verk&#252;rzte Bezugszeit von 12 plus 2 Monaten ist ein Anreiz, fr&#252;her in die Erwerbsarbeit zur&#252;ck zu kehren. Damit funktioniert das Elterngeld frei nach dem Motto &#8220;weniger ist mehr&#8221;.</p>
<p>Das Elterngeld, der Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten (siehe Artikel von Gabriele Winker <a href="http://www.feministisches-institut.de/krippen.html">Freiheit oder Planwirtschaft</a>), aber auch Reformen im Unterhaltsrecht markieren eine Abkehr von der Familienern&#228;hrerehe: Frauen und M&#252;tter sollen selbst f&#252;r ihren Lebensunterhalt sorgen. Dazu tr&#228;gt ein m&#246;glichst l&#252;ckenloser Lebenslauf ebenso bei wie eine gleichm&#228;&#223;igere Verteilung des &#8220;Risikos&#8221; Elternzeit auf V&#228;ter. Der feministischen Forderung nach wirtschaftlicher Selbstst&#228;ndigkeit von Frauen wird durch die familienpolitischen Reformen der Gro&#223;en Koalition Rechnung getragen. Erste Zahlen zum Elterngeld lassen jedoch darauf schlie&#223;en, dass ein Gro&#223;teil der Frauen vor der Geburt eines Kindes nicht &#252;ber ein existenzsicherndes Erwerbseinkommen verf&#252;gt (vgl. R&#252;ling 2008). Diese erschreckende Erkenntnis sollte f&#252;r das Bundesministerium f&#252;r Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Anlass sein, die Forderung nach Lohngleichheit und gleichen Aufstiegschancen von Frauen im Beruf mit viel mehr Elan anzugehen.</p>
<p>Zurzeit wird auf einen Mentalit&#228;tswandel bei Arbeitgebern gesetzt: Wenn M&#252;tter nicht mehr so lange und V&#228;ter ebenfalls Elternzeit nehmen, wird das Elterngeld zu einem Risikofaktor f&#252;r diejenigen Unternehmen, die bei Einstellungen und Bef&#246;rderungen M&#228;nner bevorzugen (vgl. Nulsch/Dannenberg 2008). Mit den sogenannten V&#228;termonaten ruft Familienministerin von der Leyen aber auch junge M&#228;nner dazu auf, ihre Vaterrolle jenseits des &#8220;Ern&#228;hrers&#8221; zu erf&#252;llen. Die familienpolitischen Rahmenbedingungen sollen nicht mehr als Ausrede f&#252;r eine unzeitgem&#228;&#223;e Rollenverteilung herhalten. Diese Taktik scheint aufzugehen, denn seit der Einf&#252;hrung des Elterngeldes sind nicht nur die Geburtenzahlen angestiegen, sondern auch der Anteil von V&#228;tern, die Elternzeit in Anspruch nehmen und Elterngeld beantragen, hat sich deutlich erh&#246;ht (siehe Artikel <a href="http://www.feministisches-institut.de/vaetermonate.html">V&#228;termonate</a> von Sonja Nielbock und Tanja Carstensen).</p>
<h3>Erw&#252;nschte und abweichende Elternschaft</h3>
<p>Der Familienpolitik von der Leyens liegt die Annahme zugrunde, dass die meisten jungen Menschen sowohl ein erfolgreiches Berufsleben als auch eine Familiengr&#252;ndung w&#252;nschen, die bisherigen Rahmenbedingungen der Erf&#252;llung dieser W&#252;nsche jedoch im Wege stehen. Durch das Elterngeld und eine verbesserte Kinderbetreuung ver&#228;ndern sich die Rahmenbedingungen, und es wird m&#246;glich, das gleichstellungspolitische Anliegen mit Familienf&#246;rderung und dem Ziel der Geburtensteigerung zu verbinden. Diese Logik kann allerdings nur funktionieren, wenn die unterschiedlichen Existenzbedingungen von Familien ausgeblendet werden.</p>
<p>Bei Familien, in denen zwei Erwachsene &#252;ber ein mindestens durchschnittliches Einkommen verf&#252;gen, wirken die neuen familienpolitischen Ma&#223;nahmen am besten. Die finanziellen Risiken des Kinderkriegens werden durch das Elterngeld minimiert und es stehen Betreuungspl&#228;tze zur Verf&#252;gung, die eine schnelle R&#252;ckkehr ins Berufsleben erm&#246;glichen. Die spezifischen Probleme von &#246;konomisch weniger privilegierten Familien werden durch die familienpolitischen Reformen der Gro&#223;en Koalition jedoch nicht im gleichen Ma&#223;e aufgegriffen. Familien, die dem normativen Idealbild der Zwei-Erwerbst&#228;tigen-Familie nicht entsprechen, kommen in diesem Diskurs zum einen in Form der klassischen Familienern&#228;hrerehe bestehend aus m&#228;nnlichem Ern&#228;hrer und weiblicher Hausfrau vor. Konservative PolitikerInnen, die dieses Modell verteidigen, tun dabei so, als sei die Familienern&#228;hrerehe heute schon eine alternative Lebensform einer kaum noch tolerierten und darum sch&#252;tzenswerten Minderheit. Dieser Gestus blendet aus, dass wir es bei diesem Modell mit einem relativ privilegierten und immer noch staatlich subventionierten &#8220;Au&#223;enseiter&#8221; zu tun haben. Das Ehegattensplitting, welches AlleinverdienerInnen- bzw. ZuverdienerInnenehen steuerlich bevorzugt, wirkt heute wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten und stellt ein Zugest&#228;ndnis an konservative Teile der Unionsparteien dar.</p>
<p>Dem normativen Idealbild der Zwei-Erwerbst&#228;tigen-Familie wird aber auch eine defizit&#228;re Konstruktion der &#8220;Familie mit sozialen Risiken&#8221; gegen&#252;bergestellt. Gemeint sind Familien von Erwerbslosen, GeringverdienerInnen, Alleinerziehende und MigrantInnen. In Bezug auf diese Familien wird nicht diskutiert, welche Rahmenbedingungen zu mehr Gleichstellung, besserer finanzieller Ausstattung und der Erm&#246;glichung von Kinderw&#252;nschen f&#252;hren k&#246;nnten. Im Gegenteil werden &#220;berlegungen angestellt, wie Kindern au&#223;erhalb der Familien zus&#228;tzliche Sozialisations- und Bildungsangebote gemacht werden k&#246;nnen, um ihre &#8220;Herkunft&#8221; auszugleichen. Dabei ist es augenf&#228;llig, dass das Kindeswohl im familienpolitischen Diskurs mit der F&#246;rderung von &#8220;Humanverm&#246;gen&#8221; gleichsetzt wird. Das Bild der &#8220;Familie mit sozialen Risiken&#8221; hat die erwerbst&#228;tige &#8220;Rabenmutter&#8221; als zentrales Sozialisationsrisiko abgel&#246;st.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Mit der &#246;konomischen Neubestimmung der Familienpolitik durch das Konzept der &#8220;Nachhaltigen Familienpolitik&#8221; wurden die &#220;berlegungen von berufst&#228;tigen jungen Menschen in den Mittelpunkt ger&#252;ckt, ohne jedoch auf die Tatsache zu verweisen, dass das Alleinverdienermodell schon aufgrund sinkender Reall&#246;hne und der Unsicherheit von Arbeitspl&#228;tzen ausgedient hat. Familien, die &#252;ber weniger &#8220;&#246;konomischen Charme&#8221; (Renate Schmidt) verf&#252;gen, werden am Rand des familienpolitischen Diskurses platziert. Das ist die Kehrseite dieser aus gleichstellungspolitischen Erw&#228;gungen begr&#252;&#223;enswerten Entwicklung.</p>
<p>Familienpolitik hat die Aufgabe, alle Familien zu f&#246;rdern, und sollte es vermeiden, Familien, die nicht dem Modell der Zwei-Erwerbst&#228;tigen-Familie entsprechen, zu stigmatisieren und vom Ziel der Familienf&#246;rderung auszuschlie&#223;en. Diese Forderung kann sich jedoch nicht nur an das BMFSFJ richten, sondern erfordert ein Zusammenwirken verschiedener Politikbereiche. Wenn beispielsweise Familien, die von ALG-II leben, die am 1. Januar 2009 anstehende Kindergelderh&#246;hung im Portemonnaie &#252;berhaupt nicht sp&#252;ren, da das Kindergeld voll auf ALG-II angerechnet wird, muss dies durch eine Erh&#246;hung des ALG-II Satzes ausgeglichen werden. Bei aller Freude &#252;ber V&#228;ter in Elternzeit und bessere Kinderbetreuung d&#252;rfen die Probleme besonders benachteiligter Familien nicht aus dem Blick verloren werden.</p>
<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Nulsch, Nicole/Dannenberg, Henry (2008): Elterngeld &#8211; Neuer Risikofaktor f&#252;r Unternehmen, in: Wirtschaft im Wandel, 7/2008, 14. Jg, S. 289-296 (<a href="http://www.iwh-halle.de/d/publik/wiwa/7-08.pdf">http://www.iwh-halle.de/d/publik/wiwa/7-08.pdf (PDF)</a>).</li>
<li> R&#252;ling, Anneli (2008): Ein Jahr Elterngeld &#8211; Geschlechterrevolution oder Leistung f&#252;r Besserverdienende?, in: femina politica 01/2008, S. 115-118.</li>
<li>R&#252;rup, Bert/Gruescu, Sandra (2003): Nachhaltige Familienpolitik im Interesse einer aktiven Bev&#246;lkerungsentwicklung. Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums f&#252;r Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin.</li>
</ul>
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		<title>Was kommt nach den „V&#228;termonaten“? Von kleinen Erfolgen durch das neue Elterngeld und vielen offenen Fragen danach</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Oct 2008 14:02:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tanja Carstensen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Elterngeld sind gemacht: Der Anteil der M&#228;nner, die Elternzeit beantragten, ist innerhalb eines Jahres von 3,5 auf 12,4% gestiegen. Zwar ist die neue Regelung in verschiedener Hinsicht zu kritisieren, sie er&#246;ffnet aber auch Potenziale hinsichtlich der M&#246;glichkeiten, Geschlechterrollen in Bewegung zu bringen. Das Elterngeld kann ein guter Anfang f&#252;r neue Geschlechterarrangements sein, reicht aber bei weitem nicht aus, um langfristig f&#252;r Ver&#228;nderungen zu sorgen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Elterngeld sind gemacht: Der Anteil der M&#228;nner, die Elternzeit beantragten, ist innerhalb eines Jahres von 3,5 auf 12,4% gestiegen. Zwar ist die neue Regelung in verschiedener Hinsicht zu kritisieren, sie er&#246;ffnet aber auch Potenziale hinsichtlich der M&#246;glichkeiten, Geschlechterrollen in Bewegung zu bringen. Das Elterngeld kann ein guter Anfang f&#252;r neue Geschlechterarrangements sein, reicht aber bei weitem nicht aus, um langfristig f&#252;r Ver&#228;nderungen zu sorgen.</strong></p>
<p>Die ersten Erfahrungen mit dem Elterngeld, das am 1.1.2007 eingef&#252;hrt wurde, sind gemacht; Familienministerin Ursula von der Leyen ist erfreut: Der Anteil der M&#228;nner, die Elternzeit beantragten, ist innerhalb eines Jahres von 3,5 auf 12,4% gestiegen (zuletzt 13,7%). Eine weitere Erfolgsmeldung ist, dass die Zahl der Geburten seit 2007 sichtbar angestiegen ist (vor allem in Gro&#223;st&#228;dten, vgl. <a href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Presse/pressemitteilungen,did=108306.html">BMFSFJ</a>). Die Ziele des Gesetzes sind damit erreicht: Anstieg der Geburten bei Akademikerinnen, Beteiligung der V&#228;ter an der Betreuung und Erziehung der Kinder, schnelle R&#252;ckkehr gut ausgebildeter Frauen in den Beruf. Die Umverteilung der Gelder hin zu besser verdienenden Eltern stand zwar nicht explizit im Gesetzestext, war aber in der Anlage deutlich erkennbar. So hat sich die Situation der gering(er) Verdienenden durch das neue Gesetz verschlechtert: Die H&#228;lfte der M&#252;tter und V&#228;ter erhielt nur den Mindestbetrag von 300 Euro und zwar f&#252;r nur maximal 14 anstatt zuvor 24 Monate. F&#252;r besser verdienende M&#252;tter und V&#228;ter bietet das Elterngeld dagegen eine Gelegenheit, im ersten Jahr ohne gro&#223;e finanzielle Einbu&#223;en zu Hause zu bleiben.</p>
<p>Das neue Elterngeld ist damit an gut qualifizierte und gut verdienende Paare gerichtet und zielt neben einer schnellen R&#252;ckkehr wichtiger Fachkr&#228;fte in den Beruf auch auf die Steigerung der Geburten in bildungs- und einkommensstarken Familien. Es macht einen Unterschied zwischen gesellschaftlich erw&#252;nschten und weniger oder nicht erw&#252;nschen Kindern auf. Diese soziale Schieflage des Gesetzes ist an verschiedenen Stellen bereits kritisiert worden (siehe <a href="http://www.feministisches-institut.de/elterngeld.html">Artikel von Gabriele Winker</a>). Auch darf nicht aus dem Blick geraten, dass die Aufforderung an Frauen, nach der Geburt schnell wieder in die Erwerbst&#228;tigkeit zur&#252;ckzukehren, weniger einem emanzipatorischen Anspruch zu verdanken ist, sondern in eine aktivierende Arbeitsmarktpolitik eingebunden ist, die versucht, Arbeitskr&#228;fte m&#246;glichst effizient zu nutzen (siehe auch ak531 http://www.akweb.de/ak_s/ak531/web_17.htm).</p>
<p>Dennoch sind trotz dieser Kritik mit der Einf&#252;hrung des neuen Elterngeldes auch interessante Effekte festzustellen, die aus feministischer Perspektive positiv zu bewerten sind: Frauen, die vor der Geburt ihres Kindes einen guten Job hatten, bleiben w&#228;hrend der Elternzeit teilweise finanziell unabh&#228;ngig vom Einkommen des Partners. Dies kann als Fortschritt in Richtung Gleichberechtigung gesehen werden. Der andere wichtige Aspekt ist die Zunahme der V&#228;ter, die Elterngeld beantragen und eine Zeit lang die Kinderbetreuung &#252;bernehmen. Zwar ist die Anzahl der Elternzeit-Monate keinesfalls gleich verteilt: So beantragten in den ersten 1 ½ Jahren seit Einf&#252;hrung 65,9% der M&#228;nner lediglich &#8220;die 2 V&#228;termonate&#8221;, hingegen nur 12,9% 12 Monate (<a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2008/08/PD08__320__22922.psml">Statistisches Bundesamt</a>). Von den Frauen hingegen nahmen 2007 87% Elternzeiten von 12 Monaten. Insgesamt gehen nur 4,6 % des gesamten zeitlichen Elternzeit-Volumens an M&#228;nner (<a href="http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_90370.html">Hans B&#246;ckler Stiftung</a>). Der Begriff &#8220;V&#228;ter- bzw. Papa-Monate&#8221; brachte zwar eine Neuerung im Gesetz auf den Punkt, verleitet aber auch dazu die Elternzeit der V&#228;ter auf zwei Monate zu begrenzen und die Hauptzust&#228;ndigkeit bei den Frauen zu belassen. F&#252;r mehr Handlungsfreiheiten ist die neutrale Formulierung hilfreicher. Denn f&#252;r die Verteilung der Elterngeldmonate zwischen den Eltern gibt es nur die Vorgabe, dass jedeR von beiden mindestens zwei Monate &#252;bernimmt. Auch die H&#246;he des bewilligten Elterngeldes unterschied sich, da sich dies am Einkommen orientiert, deutlich: Das Elterngeld der V&#228;ter lag im Schnitt 62% &#252;ber dem der M&#252;tter.</p>
<p>Dennoch ist das Elterngeld ein Anfang, denn trotz dieser Einschr&#228;nkungen l&#228;sst sich beobachten, dass Rollenverteilungen in Bewegung kommen. M&#228;nner erleben auf einmal den Erwartungsdruck aus dem sozialen Umfeld, mindestens 2 Monate Elternzeit zu machen. Viele Paare nutzen diese Auszeit vom Job f&#252;r einen langen gemeinsamen Urlaub. Dies hat den Vorteil, dass die vielen Herausforderungen durch die neue Situation gemeinsam angegangen werden k&#246;nnen, ob es wirklich &#8220;Urlaub&#8221; ist, sei dahin gestellt. Die Elternzeit kann anstrengender sein als die Anforderungen im Job. Gerade diese Erfahrung als Eltern teilen zu k&#246;nnen, ver&#228;ndert den Blick auf die Aufgabenteilungen in der Familie. Die Aufteilung der Aufgabenbereiche kann eine gute Mischung darstellen, das Verst&#228;ndnis in der Beziehung der Eltern verbessern und einen Beitrag zur Aufwertung der Haus- und Sorgearbeit leisten.</p>
<p>Nehmen die Eltern nacheinander Elternzeit, kommt es auf jeden Fall zu einem Rollentausch und zu einem gewissen Aufbrechen der traditionellen Arbeitsteilung. Beide haben die Chance, Lust und Frust beider Rollen zu erleben, den Identit&#228;ts-Switch, den man/frau erlebt, wenn er/sie tags&#252;ber mit Kinderwagen unterwegs ist und mit Erwachsenen nicht mehr &#252;ber Arbeitsthemen redet, sondern dar&#252;ber, ob jetzt Karotte oder K&#252;rbis der bessere Einstiegsbrei ist. Besonders interessant ist dabei, wenn M&#228;nner nach dem Mutterschutz der Frau die gesamten verbleibenden 12 Monate Elternzeit f&#252;r sich nehmen. Dann ist der Mann in den Babygruppen und auf dem Spielplatz weitestgehend &#8220;allein unter M&#252;ttern&#8221;. Diese besondere Rolle bringt Anerkennung mit sich, aber auch Alleinsein sowie Zweifel an seiner Kompetenz, mit dem Kind umgehen zu k&#246;nnen. Diese Ausnahmerolle der V&#228;ter spiegelt sich auch in Unterst&#252;tzungsangebot wider: &#8220;Babykurse f&#252;r V&#228;ter&#8221; finden abends und am Wochenende statt, w&#228;hrend die Teilnahme an den anderen Kursen (sind die normalen Kurse M&#252;tterkurse?) ab und an zu Irritationen f&#252;hrt.</p>
<p>All dies aber bringt Geschlechterverh&#228;ltnisse in Bewegung. Tradierte Zust&#228;ndigkeiten, Zuschreibungen und Kompetenzen werden in Frage gestellt. Die Erfahrungen und Diskussionen auf der individuellen Ebene wiederum wirken auf andere Ebenen: Die Betriebe und Organisationen werden mit ver&#228;nderten Situationen und Anforderungen konfrontiert und m&#252;ssen sich damit auseinandersetzen. Personalverantwortliche in Unternehmen beginnen z.B. m&#228;nnliche Besch&#228;ftigte nach ihren Familienpl&#228;nen zu fragen. Auch in anderen Organisationen wie z.B. Kitas wird an Geschlechterbildern ger&#252;ttelt, wenn mehr V&#228;ter erlebbar und vollzeitarbeitende M&#252;tter weniger sichtbar werden etc. Festzuhalten ist, dass die Erfahrungen mit unterschiedlichen Rollen Bewegung in die Familien bringen und ein Aufweichen von polaren geschlechterspezifischen Zuschreibungen und Rollenverteilungen erm&#246;glichen. Ein positives Zwischenfazit ist damit &#8211; zumindest f&#252;r Besserverdienende &#8211; durchaus angebracht.</p>
<p>Allerdings ist das Elterngeld nur ein kleiner Anfang. Denn das erste Jahr ist schnell vorbei und die Versuche, danach etwas anderes als die traditionelle Rollenverteilung zu leben, sind noch kaum gel&#246;st. Oft werden die Jobs der V&#228;ter unver&#228;ndert fortgesetzt, w&#228;hrend M&#252;tter die Arbeitszeit reduzieren &#8211; sei es weil der Mutter immer noch die gr&#246;&#223;ere Kompetenz f&#252;rs Kind zugeschrieben wird, sei es weil die Betreuungsm&#246;glichkeiten fehlen oder eingeschr&#228;nkt sind oder sei, dass es so gewollt ist, weil sich durch das Kind der Stellenwert der Erwerbsarbeit relativiert hat und die Lust, Zeit mit dem Kind zu verbringen, so gro&#223; ist. Dies alles betrifft nach der Elternzeit nach wie vor &#252;berwiegend Frauen, mit den bekannten Schwierigkeiten f&#252;r die berufliche Entwicklung. Sicherlich entschlie&#223;en sich auch M&#228;nner nach der Elternzeit, viel Zeit mit dem Kind zu verbringen und ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Die Zahl der M&#228;nner, die das tun, ist allerdings bisher gering.</p>
<p>Im Moment wird das Elterngeld in den Medien und der Politik gefeiert und die hohe Zahl der V&#228;ter ist Anlass f&#252;r euphorische Prognosen verwirklichter Gleichberechtigung. Dies t&#228;uscht dar&#252;ber hinweg, dass Gleichberechtigung im Beruf nicht dadurch umgesetzt wird, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes m&#246;glichst schnell wieder ein- und M&#228;nner auch mal kurz aussteigen, sondern vor allem durch langfristige L&#246;sungen, denn die Frage nach der Betreuung des Kindes bleibt noch lange Zeit danach bestehen. Wer bleibt zuhause, wenn das Kind krank ist? Wer holt das Kind ab und macht damit &#8211; egal wie viele Stunden das Kind betreut ist &#8211; meist deutlich fr&#252;her Feierabend als die kinderlosen KollegInnen (die oft bis 18, 19, 20 Uhr arbeiten)? Wohin mit dem schlechten Gewissen, wenn man das Kind mit einem Jahr schon acht Stunden in die Krippe bringt? Und umgekehrt wenn man p&#252;nktlich bzw. fr&#252;her geht, auch wenn beruflich sehr viel zu tun ist? Was tun, wenn man gar keinen Krippenplatz findet? Es ist die Regel, dass trotz positiver Erfahrungen mit egalit&#228;rer Rollenverteilung im ersten Jahr die Arrangements danach wieder eher traditionellen Charakter haben.</p>
<p>Hier muss noch viel getan werden, damit die Anf&#228;nge, die durch die st&#228;rkere Beteiligung der M&#228;nner w&#228;hrend des ersten Jahres gemacht wurden, nicht wieder verpuffen, sondern egalit&#228;re Arrangements m&#246;glich werden:</p>
<p>Auf struktureller und betrieblicher Ebene:</p>
<ul>
<li>qualitativ hochwertige Krippen- und Kinderg&#228;rtenpl&#228;tze, die auch bezahlbar gut und erreichbar sind</li>
<li>qualifizierte Teilzeitarbeitpl&#228;tze, f&#252;r M&#228;nner wie f&#252;r Frauen</li>
<li>sowie auch ein betriebliches Klima, das einen p&#252;nktlichen Feierabend erm&#246;glicht</li>
</ul>
<p>Aber auch auf individueller Ebene braucht es Ver&#228;nderungen im Handeln:</p>
<ul>
<li>M&#228;nner, die f&#252;r Kinderbetreuung langfristig ihre Arbeitszeit reduzieren</li>
<li>Frauen, die ohne schlechtes Gewissen Vollzeit arbeiten k&#246;nnen, wenn sie m&#246;chten</li>
<li>Ein Aufbrechen des doing gender zuhause, auf dem Spielplatz, in der Kita etc.</li>
<li>Nicht zuletzt, aber wohl am hartn&#228;ckigsten erweisen sich die stereotypen Bilder und Rollenzuschreibungen. Diese zu ver&#228;ndern, ist vielleicht die schwierigste Aufgabe:</li>
<li>Bilder von &#8220;guten&#8221; M&#252;ttern und V&#228;tern ver&#228;ndern und erweitern, Vielfalt zulassen und Abschied nehmen von Bildern &#8220;richtiger&#8221; Erziehung, der &#8220;Rabenmutter&#8221; und dem Ern&#228;hrer.</li>
</ul>
<p>Schritte in diese Richtung erzeugen Wechselwirkungen zwischen den Ebenen: So wirken z.B. die Ver&#228;nderungen der Rollen- und Aufgabenverteilung auf der individuellen Ebene auf die Organisationen und f&#252;hren zu Ver&#228;nderungen von Organisationskulturen und -strukturen. Gegebenenfalls ver&#228;ndern sich auch allm&#228;hlich Bewertungen von T&#228;tigkeiten und Bereichen in der Gesellschaft. Das Elterngeld ist hierf&#252;r ein geeigneter Anfang, aber auch nicht mehr als das!</p>
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		<title>Kinderarmut in Deutschland &#8211; ein gesellschaftlicher Skandal</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Sep 2008 13:48:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yvonne Scharfenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[In j&#252;ngster Zeit haben der Unicef-Bericht, der dritte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung und ein aktueller Bericht des Bundesfamilienministeriums erneut auf das &#252;berdurchschnittlich hohe Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hingewiesen. Das Aufwachsen in Armut hat gravierende negative Auswirkungen f&#252;r die Entwicklungs- und Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen. Mehr denn je gilt es daher, die seit langem bekannten individuellen Folgen von Armut f&#252;r die kulturelle, soziale und gesundheitliche Lage der Kinder und Jugendlichen zu mindern und deren Ursachen zu bek&#228;mpfen, was bisher nur unzureichend erfolgte...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>In j&#252;ngster Zeit haben der Unicef-Bericht, der dritte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung und ein aktueller Bericht des Bundesfamilienministeriums erneut auf das &#252;berdurchschnittlich hohe Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hingewiesen. Das Aufwachsen in Armut hat gravierende negative Auswirkungen f&#252;r die Entwicklungs- und Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen. Mehr denn je gilt es daher, die seit langem bekannten individuellen Folgen von Armut f&#252;r die kulturelle, soziale und gesundheitliche Lage der Kinder und Jugendlichen zu mindern und deren Ursachen zu bek&#228;mpfen, was bisher nur unzureichend erfolgte.</strong></p>
<h3>Was hei&#223;t Armut?</h3>
<p>Deutschland ist ein reiches Land. Armut hierzulande ist nicht mit der lebensbedrohlichen Armut in den Entwicklungsl&#228;ndern zu vergleichen. Vielmehr gibt es in Deutschland einen hohen Anteil von Menschen, die in relativer Armut leben, weil sie ausgeschlossen sind aus einer Gesellschaft, die nur f&#252;r Bessergestellte eine Perspektive bietet. Relative Armut wird unter anderem am Einkommen gemessen. Nach einem europaweiten Richtma&#223; gelten diejenige als arm, die weniger als 60% des Durchschnittseinkommens zum Leben haben.</p>
<h2>Wer ist besonders armutsgef&#228;hrdet?</h2>
<p>Aktuelle Daten zeigen, dass die Zahl der Armen in den vergangenen Jahren in Deutschland zugenommen hat: 1998 galten noch 12% der Bundesb&#252;rgerInnen als einkommensarm, der j&#252;ngsten Erhebung zufolge sind es 18%. Von Armut sind vor allem Alleinerziehende (36%), d.h. zumeist Frauen, betroffen. Auch Arbeitslose sind &#252;berdurchschnittlich h&#228;ufig einkommensarm (53%). Allerdings stieg auch die Armut von Erwerbst&#228;tigen zwischen 1998 und 2005 von 6% auf nunmehr 12% an. H&#228;ufig in Armut leben auch Personen mit geringer Bildung und Menschen mit Migrationshintergrund (<a href="http://www.bmas.de/coremedia/generator/26896/lebenslagen__in__deutschland__der__3__armuts__und__reichtumsbericht__der__bundesregierung.html">ARB</a>).</p>
<p>Diese Armutsbetroffenheit spiegelt sich auch bei Kindern wider. So haben Kinder, die in Haushalten von Alleinerziehenden aufwachsen, ein hohes Einkommensarmutsrisiko von derzeit 40%. Kinder, die in Paarhaushalten aufwachsen, sind hingegen &#8220;nur&#8221; zu 12% von Armut betroffen. Insgesamt steigt das Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen mit der Geschwisterzahl und dem Alter an. Zudem ist die relative Einkommensarmut bei Kindern, die in einem Haushalt mit ausl&#228;ndischem Haushaltsvorstand leben, mit 30% doppelt so hoch wie bei Kindern, die in einem Haushalt mit deutschem Haushaltsvorstand aufwachsen (15%). Insgesamt leben in Deutschland etwa 2,4 Millionen Kinder unterhalb der Armutsgrenze (<a href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Dossier-Kinderarmut,property=pdf,bereich=,sprache=de,rwb=true.pdf">BMFSFJ, PDF</a>). Nach dem <a href="http://www.unicef.de/5495.html">Unicef-Bericht</a> zur Lage der Kinder in Deutschland 2008 ist damit jedes sechste Kind arm. Die <a href="http://www.nationale-armutskonferenz.de/">Nationale Armutskonferenz</a> spricht f&#252;r das Jahr 2007 sogar von 3 Mio. armen Kindern in Deutschland.</p>
<h3>Auswirkungen der Armut</h3>
<p>Armut bei M&#228;dchen und Jungen kommt somit ein eigenes Gewicht zu, das im Wesentlichen von gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen, von den Verteilungsstrukturen innerhalb der Familien sowie den individuellen Potentialen der Eltern abh&#228;ngig ist. Nach der AWO-ISS-Studie zu famili&#228;rer Armut sind die Entwicklungsm&#246;glichkeiten von armen Kindern im Vergleich zu &#246;konomisch besser gestellten Kindern insgesamt schlechter. So sind sie neben der materiellen Grundversorgung auch im kulturellen, sozialen und gesundheitlichen Bereich benachteiligt. Beispielsweise weisen rund 40% der armen Kinder vor dem Eintritt in die Schule M&#228;ngel in der Grundversorgung auf. Bis zum Ende der Grundschulzeit w&#228;chst der Anteil auf &#252;ber 52% an. Ausdruck der Mangellage sind keine ausreichenden Wohnbedingungen oder keine altersgem&#228;&#223;e Ern&#228;hrung. Klassenfahrten, der Besuch von Vereinen und Musikschulen und die Teilnahme an weiteren au&#223;erschulischen Aktivit&#228;ten k&#246;nnen &#252;ber die Hartz IV-Regels&#228;tze nicht finanziert werden. Arme Kinder und Jugendliche werden wegen der zahlreichen Nachteile im weiteren Lebensverlauf nicht selten zu armen Erwachsenen, die erneut die Armut an ihre Kinder weiterreichen. Wie die PISA-Studien zeigen, entscheidet in Deutschland die soziale Herkunft von Kindern und Jugendlichen ganz entscheidend &#252;ber ihre Zukunftschancen (Holz 2008; <a href="http://www.bmbf.de/press/1517.php">Presseerkl&#228;rung BMBF 2005</a>).</p>
<h3>Hintergr&#252;nde und Ursachen</h3>
<p>Obwohl es in den letzten Jahren zu einer Versch&#228;rfung des Ph&#228;nomens Kinderarmut gekommen ist, ist es dem deutschen Sozialstaat nicht gelungen, diese Entwicklung zu verhindern. So stellt der aktuelle Armuts- und Reichtumsbericht fest, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Galten 2005 noch diejenigen als arm, die weniger als 938 Euro netto im Monat zur Verf&#252;gung hatten, so liegt die Grenze heute bei 781 Euro. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein geringeres gesellschaftliches Durchschnittseinkommen, das trotz wirtschaftlichen Aufschwungs gesunken ist. Die Gr&#252;nde daf&#252;r sind die weiterhin hohe Erwerbslosigkeit, die zunehmende Erwerbst&#228;tigkeit mit geringer Arbeitszeit und der Ausbau des Niedriglohnsektors. Die erw&#228;hnte Zunahme prek&#228;rer Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse macht es daher dringend erforderlich &#252;ber die Einf&#252;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns zu diskutieren, der die Basis einer existenzsichernden Entlohnung ist.</p>
<p>Neben diesen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt kam es in den letzten Jahren auch zu K&#252;rzungen der sozialen Leistungen. Urspr&#252;nglich sollten durch Sozialtransfers negative Begleiterscheinungen von Armut verhindert werden. In Zeiten einer steigenden Inflation sind die aktuellen Hartz IV-Leistungen (ALG II) aber insgesamt viel zu niedrig. Da helfen auch Erh&#246;hungen der Bezugss&#228;tze um 1,1% von 347 Euro auf nunmehr 351 Euro f&#252;r einen Erwachsenen und von 208 Euro auf 211 Euro f&#252;r ein Kind bis zum 13. Lebensjahr nicht. Die H&#246;he der S&#228;tze orientiert sich schon seit 1997 nicht mehr an der Entwicklung der Lebenshaltungskosten, sondern sie sind an die Rentenentwicklung gekoppelt. Dies muss r&#252;ckg&#228;ngig gemacht werden, sollen Arme wirklich ihren Lebensbedarf davon decken k&#246;nnen. Es ist erforderlich, die Regels&#228;tze der Sozialleistungen f&#252;r Erwachsene und Kinder so anzupassen, dass eine gesellschaftliche Teilhabe m&#246;glich ist. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass neben den Lebenshaltungskosten auch der besondere Bedarf der Kinder hinsichtlich Gesundheit, Bildung und Betreuung, f&#252;r Fahrtkosten zur Schule sowie f&#252;r Mahlzeiten ber&#252;cksichtigt wird.</p>
<p>Ferner wurde die Bezugsdauer der Lohnersatzleistungen (ALG I) gek&#252;rzt. Familien rutschen heute schneller in ALG II mit den entsprechenden negativen Folgen speziell auch f&#252;r die Kinder. Im Falle gering entlohnter Erwerbsarbeit reichen die vorhandenen Lohnersatzleistungen ohnehin kaum aus. Haus-, Pflege-, Erziehungs- und Sorgearbeit, die meistens von Frauen geleistet werden, f&#252;hren bekannterweise zu gar keinen Anspr&#252;chen bei ALG I.</p>
<p>Der eigentliche Skandal liegt jedoch in der Berechnung des Kindergeldes. W&#228;hrend gutverdienende Eltern &#252;ber die j&#228;hrliche Verrechnung des Kindergeldes mit dem Steuerfreibetrag pro Kind bis zu 230 Euro kassieren, erhalten Eltern mit niedrigen Einkommen monatlich max. 154 bzw. 179 Euro. Bei Eltern, die Harz IV beziehen, wird das Kindergeld mit dem Arbeitslosengeld II verrechnet, so dass sie schlussendlich vom Kindergeld &#252;berhaupt nicht profitieren. In Deutschland nimmt also die H&#246;he des Kindergeldes ab, je geringer das elterliche Einkommen ist. Bei absoluter Armut (Hartz IV) wird &#252;berhaupt nichts mehr gezahlt. Es gilt also offensichtlich der Grundsatz, dass die Kinder &#8220;beruflich erfolgloser&#8221; Eltern auch keine staatliche Unterst&#252;tzung verdienen.</p>
<p>Auch das seit dem 1. Januar 2007 eingef&#252;hrte Elterngeld orientiert sich nicht an dem Prinzip der Bed&#252;rftigkeit, sondern ist eine Umverteilung von unten nach oben. W&#228;hrend Erwerbslose als Sockelbetrag gerade einmal 300 Euro monatlich erhalten, k&#246;nnen Gutverdienende bis zu 1.800 Euro pro Monat beziehen. Hier wird ganz offensichtlich vom Gesetzgeber forciert, dass die Richtigen d.h. die Besserverdienenden, in Zukunft mehr Kinder bekommen und nicht die Falschen, also die, die sich Kinder eigentlich gar nicht leisten k&#246;nnen (<a href="http://www.feministisches-institut.de/elterngeld.html">Winker 2007</a>). Zu erw&#228;hnen ist auch der noch immer nicht ausreichende Ausbau des Kinderbetreuungsangebots. Eine bezahlbare, flexible und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung erm&#246;glicht erstens die Vereinbarkeit von Erwerbst&#228;tigkeit und Kindererziehung. Wenn beide Elternteile berufst&#228;tig sind, k&#246;nnen sie den gewohnten Lebensstandard weit gehend aufrechterhalten und Einkommensarmut vorbeugen. Zweitens werden durch eine fr&#252;hkindliche Bildung die Startchancen f&#252;r die Kinder verbessert, die aus benachteiligten Familien kommen.</p>
<p>Es bleibt festzuhalten, dass in unserer Gesellschaft offenbar nicht jedes Kind gleich viel wert ist. Kinder in gut situierten Familien bzw. Ehepaarfamilien erhalten mehr finanzielle F&#246;rderungen. Um Kinderarmut wirklich zu verhindern ist es daher notwendig, sich kontinuierlich, gemeinsam und solidarisch f&#252;r eine bedarfsgerechte Unterst&#252;tzung einkommensschwacher Familien stark zu machen. Zum anderen m&#252;ssen meines Erachtens Kinder selbst als eigenst&#228;ndige Rechtsperson begriffen und Leistungen f&#252;r deren Bed&#252;rfnisse gezahlt werden, unabh&#228;ngig von der Familienform und der Situation der Eltern. Die Vorschl&#228;ge des Deutschen Kinderschutzbundes, eine einheitliche Kindergrundsicherung zu entwickeln, die aus dem Kindergeld, dem Kinderzuschlag und den Regels&#228;tzen von Hartz IV besteht, geht hier meiner Meinung nach in die richtige Richtung. Des Weiteren ist auf die immer noch vorhandenen Benachteiligungen von M&#252;ttern auf dem Arbeitsmarkt und in den sozial- und familienpolitischen Ma&#223;nahmen zu verweisen. Anstatt speziell Frauen den Berufsausstieg finanziell zu vers&#252;&#223;en, sollte eher eine fundamentale Umgestaltung der Lohnarbeit vorgenommen werden. Der Mangel und die hohen Kosten der &#246;ffentlicher Kinderbetreuung f&#252;hrt dazu, dass M&#252;tter zu Hause bleiben, was wiederum zu schlechten Arbeitsmarktperspektiven und auch geringen Lohnersatzanspr&#252;chen f&#252;hrt. Dieser Kreislauf muss durchbrochen werden. Gunther E. Beisenherz behauptet damit zu Recht, dass ein Gro&#223;teil der gegenw&#228;rtigen Kinderarmut nicht zuletzt auf M&#252;tterarmut zur&#252;ckgef&#252;hrt werden kann, deren strukturelle Hintergr&#252;nde zu beseitigen sind.</p>
<p>An dieser Stelle ist anzumerken, dass Armut aber mehr ist, als nur wenig Geld zu haben. Vielmehr ist von einem mehrdimensionalen Ph&#228;nomen zu sprechen, das neben dem Mangel an finanziellen Ressourcen defizit&#228;re Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche mit sich bringt. Aspekte wie die Unterversorgung in den Bereichen Bildung, sozialer Integration und Gesundheit wurden in diesem Kontext schon genannt. Somit muss eine gelungene Armutspr&#228;vention auch konkret in diesen Bereichen ansetzen. So m&#252;ssten z.B. neben der finanziellen Zuwendung f&#252;r die Betroffenen auch die Ausgaben f&#252;r Bildung drastisch nach oben korrigiert werden, denn Bildung ist eine Chance, dauerhaft etwas gegen Kinderarmut zu tun.</p>
<h3>Kinderarmut als politisches Thema</h3>
<p>Obwohl die Fakten seit &#252;ber 10 Jahren auf dem Tisch liegen, hat die Politik bisher nicht gen&#252;gend Ma&#223;nahmen ergriffen. Vor kurzem war ein Aktionismus der beiden gro&#223;en Volksparteien zu beobachten, die mit schnell ausgearbeiteten Konzepten versprachen, etwas gegen Kinderarmut unternehmen zu wollen. So fordert die SPD f&#252;r jedes Kind ein einheitliches Kindergeld, damit Ungleichheiten beseitigt werden. Folgerichtig w&#228;re es, die Kinderfreibetr&#228;ge zugunsten eines h&#246;heren Kindergeldes abzuschaffen. Allerdings ist zu ber&#252;cksichtigen, dass bed&#252;rftige Familien, die Arbeitslosengeld II beziehen, von dem h&#246;heren Kindergeld keinen Cent sehen und relativ betrachtet sogar schlechter dastehen. Die Union hingegen will die Kinderfreibetr&#228;ge anheben. Dies ist insofern kein guter Vorschlag, weil davon vor allem besser verdienende Haushalte profitieren. Zudem wollen CDU und CSU das Kindergeld staffeln: F&#252;r das zweite Kind soll es mehr geben als f&#252;r das erste und f&#252;r das dritte mehr als f&#252;r das zweite. Das w&#252;rde zwar kinderreichen Familien zu gute kommen, die besonders von Armut betroffen sind. Da aber die meisten Familien nur ein bis zwei Kinder haben, w&#252;rden nur wenige Kinder davon profitieren.</p>
<p>Mit diesen derzeitigen Konzepten der gro&#223;en Volksparteien und den dazugeh&#246;renden Berichten in den Medien wurde erfreulicherweise die Diskussion &#252;ber Kinder- und Jugendarmut wiederbelebt. Damit ist aber noch lange nicht das Problem gel&#246;st, dass in einem wohlhabenden Land wie der Bundesrepublik Deutschland immer mehr Menschen, vor allem Kinder, am gesellschaftlichen Rand leben. Es ist daher notwendiger denn je, eine Politik zu schaffen, die sich nicht in der F&#252;rsorge f&#252;r die Armen ersch&#246;pft, sondern auf den Abbau der strukturellen Ursachen f&#252;r deren Armut abzielt. Es ist zu hoffen, dass die Politik Kinderarmut nicht nur zu einem Wahlkampfthema, sondern zu einem THEMA macht.</p>
<div>
<hr /></div>
<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Beisenherz, H. Gerhard (2002): Kinderarmut in der Wohlfahrtsgesellschaft. Das Kainsmal der Globalisierung, Opladen.</li>
<li>Merten, Roland (2007): Kinderarmut in Deutschland &#8211; mehr als nur ein Randph&#228;nomen! <a href="http://www.uni-koblenz.de/%7Egpko/download/allgemein/dozenten/westphal/kinderarmut.pdf">http://www.uni-koblenz.de/~gpko/download/allgemein/dozenten/westphal/kinderarmut.pdf</a> [16.06.2008].</li>
<li>Holz, Gerda (2008): Kinderarmut &#8211; eine komplexe Herausforderung f&#252;r staatliches Handeln. In: Hans B&#246;ckler Stiftung WSI Mitteilungen 3/2008. D&#252;sseldorf.</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Jugend als Problem?</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/jugend/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 May 2008 19:15:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA["Sie posieren mit Messern, doppell&#228;ufigen Flinten, Pistolen: Im Internet werfen die Jungs, manche wohl gerade zehn oder elf Jahre alt, sich in Posen, die sie f&#252;r extrem stark und m&#228;nnlich halten. Es sind Jugendliche aus der Lenzsiedlung in Eimsb&#252;ttel" (Hamburger Abendblatt, 24.10.2007). So oder &#228;hnlich lauten zahlreiche Presseberichte, die aufmerksam machen wollen auf das Ph&#228;nomen der Jugendgewalt - oder genauer: der Jungengewalt, die in sozial benachteiligten Stadtteilen zu eskalieren drohe. Es geht mal wieder um das Gespenst der gef&#228;hrlichen Jugend...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>&#8220;Sie posieren mit Messern, doppell&#228;ufigen Flinten, Pistolen: Im Internet werfen die Jungs, manche wohl gerade zehn oder elf Jahre alt, sich in Posen, die sie f&#252;r extrem stark und m&#228;nnlich halten. Es sind Jugendliche aus der Lenzsiedlung in Eimsb&#252;ttel&#8221; (Hamburger Abendblatt, 24.10.2007). So oder &#228;hnlich lauten zahlreiche Presseberichte, die aufmerksam machen wollen auf das Ph&#228;nomen der Jugendgewalt &#8211; oder genauer: der Jungengewalt, die in sozial benachteiligten Stadtteilen zu eskalieren drohe. Es geht mal wieder um das Gespenst der gef&#228;hrlichen Jugend.</strong></p>
<p>Die Situation erscheint verheerend: In Berlin-Neuk&#246;lln patroullieren nach dem Skandal um die R&#252;tli-Schule im M&#228;rz 2006 und eines medial in Szene gesetzten Angriffs auf einen Lehrer im Juni 2007 nun private Sicherheitsdienste auf dreizehn Schulh&#246;fen. LehrerInnen und Sch&#252;lerInnen sollen auf diese Weise nunmehr seit Dezember 2007 vor den gewaltbereiten Jugendlichen aus der Nachbarschaft gesch&#252;tzt werden. &#8220;Der Schritt ist unausweichlich&#8221; sagt Heinz Buschkowsky (SPD) &#8220;Wir k&#246;nnen den Eltern sonst den Schutz und die Sicherheit ihrer Kinder nicht mehr garantieren.&#8221; (Quelle: <a href="http://www.rp-online.de/public/article/panorama/deutschland/453692/Wachdienste-sollen-Gewalt-an-Schulen-verhindern.html">RP online</a>, 29.06.2007). Dass es sich bei den gewaltt&#228;tigen Jugendlichen zumeist um solche mit Migrationshintergrund handeln solle, scheint in den Presseberichten unisono als Fakt. Der preisgekr&#246;nte Kinofilm Knallhart (2006) von Detlev Buck greift solche Skandalberichterstattung auf und setzt sie in Szene: Michael zieht mit seiner Mutter aus dem Berliner Stadtteil Zehlendorf nach Neuk&#246;lln und wird dort zum Opfer &#8220;einer t&#252;rkischen Gang&#8221; (OT des DVD Covers). Dieser Gewalt kann er entfliehen, indem er als Drogenkurier f&#252;r den aus Afghanistan stammenden Hamal anheuert und dadurch den Schutz des Drogenkartells erh&#228;lt. Der Film gilt als besonders realistisch &#8211; der rassistische Tenor wird kaum in Frage gestellt.</p>
<p>Neben solchen Szenarien werden mit der Begr&#252;ndung fiskalischer Zw&#228;nge und dem damit einhergehenden R&#252;ckbau des Sozialstaats gleichzeitig Einrichtungen der Sozialen Arbeit zusammengeschrumpft. Staatliche Interventionen erfolgen zunehmend in Form ordnungspolitischer Ma&#223;nahmen. Die wenigen und schlecht ausgestatteten Einrichtungen beispielsweise der Jugendarbeit werden zunehmend zum Risikomanagement degradiert, statt Jugendlichen Bildung und Unterst&#252;tzung in erforderlichem Ma&#223;e anbieten zu k&#246;nnen: Zunehmend wird &#8211; wie etwa im hessischen Wahlkampf 2007 &#8211; gefordert, dass Soziale Arbeit die Rolle &#252;bernehmen solle als staatliches Fr&#252;hwarn-, Kontroll- und Sanktionssystem die Gesellschaft vor der problematischen Jugend zu sch&#252;tzen.</p>
<h3>Gef&#228;hrdete statt gef&#228;hrliche Jugend</h3>
<p>Der Diskurs &#252;ber Jugend als Problem findet vor dem &#8211; h&#228;ufig wenig Aufmerksamkeit erregendem &#8211; Hintergrund statt, dass Jugend weniger ein Problem ist, sondern vielmehr ein massives Problem hat: Jedes sechste Kind w&#228;chst in Deutschland in Armut auf (<a href="http://www.unicef.de/5495.html">Unicef-Bericht</a> zur Lage der Kinder in Deutschland 2008) &#8211; das sind etwa 2,5 Mio Kinder, die in Familien leben, die h&#246;chstens &#252;ber ein Haushaltseinkommen von 60% des bundesweiten Durchschnitts verf&#252;gen. Die <a href="http://www.nationale-armutskonferenz.de/">Nationale Armutskonferenz</a> spricht 2007 sogar von einer Dunkelziffer von insgesamt 3 Mio in Armut lebenden Kindern. Zudem entscheidet in Deutschland die soziale Herkunft von Kindern und Jugendlichen ma&#223;geblich &#252;ber ihre Zukunftschancen. Armut wird vererbt und das Bildungssystem scheint wenig in der Lage zu sein, diesen Mechanismus auszuhebeln &#8211; das ist sp&#228;testens seit den Pisa-Studien bekannt: &#8220;Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist in Deutschland dramatisch und h&#246;her als in jedem anderen vergleichbaren Land&#8221; (<a href="http://www.bmbf.de/press/1517.php">Presseerkl&#228;rung BMBF 2005</a>).</p>
<h3>Mit intersektionalen Perspektiven hegemonialen Bildern trotzen</h3>
<p>Es scheint also dringend erforderlich Diskurse &#252;ber Jugend genauer unter die Lupe zu nehmen und mit Daten &#252;ber strukturelle Verh&#228;ltnisse in Beziehung zu setzen: Welche Bilder &#252;ber Jugendliche sind im Umlauf und werden hegemonial? In was f&#252;r &#246;konomischen Verh&#228;ltnissen wachsen Kinder und Jugendliche auf? Welche Chancen haben sie? Welche Risiken tragen sie? Mit einer Perspektive, die versucht diesen Fragen auf den Grund zu gehen, kann gezeigt werden, dass wir es weniger mit einer allgemein gewaltt&#228;tigen und gef&#228;hrlichen Jugend zu tun haben, sondern dass Jugendliche heute vielmehr in strukturell gewaltt&#228;tigen Verh&#228;ltnissen aufwachsen. Gleichzeitig werden sie als Problemgruppe stigmatisiert, die es ordnungspolitisch zu kontrollieren gelte. Die Probleme, die Jugendliche haben, werden durch Kontrollma&#223;nahmen, Erziehungslager (sog. Bootcamps) oder &#228;hnliche derzeit munter diskutierte Ma&#223;nahmen freilich nicht angetastet. Im Gegenteil: &#8220;Indem sie Jugend zum Sicherheitsrisiko erkl&#228;rt, wertet die Erwachsenengesellschaft berechtigte Anspr&#252;che der Jugend an die Zukunft ab&#8221; (Luedtke 2003).</p>
<p>Es werden nicht nur Anspr&#252;che der Jugend an die Zukunft abgewehrt, sondern zudem wird das &#8220;Problem Jugend&#8221; externalisiert: Wenn von den &#8220;ausl&#228;ndischen Gewaltt&#228;tern&#8221; die Rede ist, ist die Forderung nach deren Abschiebung nicht mehr weit. Des Problems k&#246;nne man sich also entledigten &#8211; in diesem Fall braucht eine Gesellschaft sich dann auch nicht mehr die Frage zu stellen, warum Jugendliche wie handeln, sondern f&#252;hrt deren Handeln kurzerhand auf ihre Herkunft zur&#252;ck. Bei einem differenzierten Blick auf Jugend w&#228;re es also dringend erforderlich auch den zunehmend rassistischen Tenor im Beschw&#246;ren des Gespenstes unter die Lupe zu nehmen.</p>
<p>Aus feministischer Perspektive k&#246;nnte der Ansatz der Intersektionalit&#228;t (Degele/Winker: <a href="http://www.feministisches-institut.de/intersektionalitaet.html">Intersektionalit&#228;t</a>) hier gewinnbringend sein, um zu tragf&#228;higeren Aussagen &#252;ber Jugendliche zu kommen. Mit diesem ist es m&#246;glich jugendliche Selbstinszenierungen vor dem Hintergrund hegemonialer Bilder &#252;ber Jugend einerseits und struktureller Verh&#228;ltnisse andererseits zu analysieren. Dabei werden Differenzkategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft/Ethnie, Bildung aber auch K&#246;rper aufgesp&#252;rt und deren Relevanz aus der Perspektive der Jugendlichen selbst in die Analyse miteinbezogen. Allzu vereinfachenden Bildern &#252;ber die Jugend k&#246;nnen somit differenzierte Analysen &#252;ber Jugenden entgegen gesetzt werden. Solche Analysen werden dringend ben&#246;tigt, um f&#252;r Jugendliche heute die erforderlichen &#246;konomischen und sozialen Hilfen einfordern zu k&#246;nnen.</p>
<div>
<hr /></div>
<h3>Literatur:</h3>
<p>Luedtke, Jens (2003): Zur ‚besonderen&#8217; Illegitimit&#228;t von Jugendgewalt. In: Mansel, J&#252;rgen; Griese, Hartmut M.; Scherr, Albert (Hg): Theoriedefizite in der Jugendforschung. Standortbestimmungen und Perspektiven. Weinheim/M&#252;nchen, 157-173.</p>
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		<title>Work-Life-Balance als Antwort auf die sch&#246;ne neue Welt?</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/work-life-balance2/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Feb 2008 14:06:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Paulus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[…ultraflexible Arbeitsformen, dezentralisierte Arbeitspl&#228;tze, Privatisierung und Rationalisierung; das Auslagern von Funktionen und Dienstleistungen an Subunternehmen, MitarbeiterInnen, die sich selbst f&#252;r den Erfolg des Unternehmens verantwortlich f&#252;hlen sollen, die neoliberale Losung "Arbeit, Arbeit, Arbeit", das Bed&#252;rfnis einer Wirtschaftsweise f&#252;r stetigen Wachstum &#252;ber die ganze Erdkugel zu jagen und die billigsten Standorte und Arbeitskr&#228;fte zu finden... All das sind Formen einer kapitalistischen Verwertungsstrategie, die darauf abzielt Ausbeutungsbedingungen zu versch&#228;rfen und sozialstaatliche Sicherungen aufzul&#246;sen. Die Vereinbarkeit von Leben und Arbeit scheint au&#223;er Kontrolle geraten zu sein. Work-Life-Balance Konzepte versprechen Abhilfe… ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>…ultraflexible Arbeitsformen, dezentralisierte Arbeitspl&#228;tze, Privatisierung und Rationalisierung; das Auslagern von Funktionen und Dienstleistungen an Subunternehmen, MitarbeiterInnen, die sich selbst f&#252;r den Erfolg des Unternehmens verantwortlich f&#252;hlen sollen, die neoliberale Losung &#8220;Arbeit, Arbeit, Arbeit&#8221;, das Bed&#252;rfnis einer Wirtschaftsweise f&#252;r stetigen Wachstum &#252;ber die ganze Erdkugel zu jagen und die billigsten Standorte und Arbeitskr&#228;fte zu finden&#8230; All das sind Formen einer kapitalistischen Verwertungsstrategie, die darauf abzielt Ausbeutungsbedingungen zu versch&#228;rfen und sozialstaatliche Sicherungen aufzul&#246;sen. Die Vereinbarkeit von Leben und Arbeit scheint au&#223;er Kontrolle geraten zu sein. Work-Life-Balance Konzepte versprechen Abhilfe…</strong></p>
<p>In dieser neuen Periode geht es weniger darum, &#252;ber gewerkschaftliche Vereinbarungen den kapitalistischen Widerspruch zwischen Arbeit und Leben zu minimieren, sondern darum, das materielle &#220;berleben durch die Gegenleistung einer m&#246;glich umfassenden egoistischen Flexibilit&#228;t in Bezug auf die berufliche Qualifikation, den Arbeitsplatz, die Arbeitszeit und den Arbeitslohn zu sichern. Die Lohnabh&#228;ngigen sind mit einem komplexeren und aufw&#228;ndiger zu organisierenden Alltag konfrontiert: die sch&#246;ne neue Welt erh&#246;ht den Druck auf die Einzelnen und auf ihre sozialen Beziehungen. Infolge dessen treten in den Industriel&#228;ndern bisher weitgehend unbeachtete Folgeerscheinungen auf, wie Individualisierung, Ehen, die im Schnitt nur noch 3 Jahre halten, ein f&#252;r Industrienationen scheinbar bedrohender R&#252;ckgang der Geburtenrate, eine zunehmende Anzahl Alleinerziehender und Patch-Work-Familien, psychische Probleme wie Stress- und Burnoutsyndrome bis hin zu &#8220;Karoshi&#8221;, den Tod durch &#220;berarbeitung. .</p>
<p>Der den Kapitalismus antreibende Mechanismus zur Selbstverwertung des Werts &#8211; aus Geld mehr Geld zu machen &#8211; &#8220;zwingt&#8221; Unternehmen und staatliche Institutionen immer wieder dazu, sich die Produktivit&#228;t der Arbeitkraft nutzbar zu machen, sie zu entwickeln, sie zu reproduzieren. Die Arbeitskr&#228;fte, welche in Rente gehen, durch Unf&#228;lle, Krankheiten ausfallen oder sterben, m&#252;ssen durch neue Arbeitskr&#228;fte ersetzt und angelernt werden, damit die Profitmaximierung nicht ins erliegen kommt. Anders als in Huxleys dystopischer Vorstellung der &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_neue_Welt">sch&#246;nen neuen Welt</a>&#8221; ist die kapitalistische Gesellschaft bislang noch nicht in der Lage, massenhaft Arbeitskr&#228;fte in vitro zu z&#252;chten und sie durch &#8220;hypnop&#228;dia&#8221; gef&#252;gig zu machen. Daher ist unsere Gesellschaft noch auf unbezahlte Reproduktionsarbeiten (Geb&#228;ren, Verpflegen etc.), staatliche Institutionen (Erziehung, Ausbildung etc.) und Ideologien (Nation, Familie etc.) angewiesen, um eine neue Generationen von Arbeitskr&#228;ften herzustellen.</p>
<p>Das Problem des Nachwuchsmangels und die Frage danach, wie die Geburtenrate gesteigert werden kann, wird nun seit einiger Zeit &#8211; erstmals nach 1945 &#8211; wieder &#246;ffentlich diskutiert. Die &#220;berlegungen zu Regulierung von Bev&#246;lkerungsentwicklungen sind keine Eugenik-Ma&#223;nahmen mehr, sondern nennen sich Work-Life-Balance.</p>
<h3>Work-Life-Balance</h3>
<p>Work-Life-Balance Konzepte zielen auf eine grundlegende Modernisierung der Arbeitsorganisation vor dem Hintergrund der ver&#228;nderten Geschlechterverh&#228;ltnisse, Sie lassen sich als eine Verzahnung von betrieblicher Personalpolitik und Regierungsma&#223;nahmen verstehen, mit der eine Steigerung der Geburtenrate, der Binnennachfrage und der Senkungen der Lohnnebenkosten erreicht werden sollen.</p>
<p>Um dieses Ziel zu erreichen hat sich die Initiative &#8220;Work-Life-Balance als Motor f&#252;r wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilit&#228;t&#8221; (<a href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Presse/pressemitteilungen,did=17096.html">BMFSJ Pressemitteilung</a>) unter der Schirmherrschaft des BDI zusammen mit b&#246;rsennotierten Konzernen, dem BMFSFJ sowie dem BMWA gebildet.</p>
<p>Aus der Sichtweise der Herrschenden bieten Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen (<a href="http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Work-Life-Balance,property=pdf.pdf">BMFSJ-Brosch&#252;re PDF</a>) als &#8220;Investitionen in das Humanverm&#246;gen&#8221; der Unternehmen die Chance die Produktivit&#228;t der Besch&#228;ftigten zu steigern, indem sie die Arbeitsmotivation erh&#246;hen, Fehlzeiten verringern und die Belegschaft st&#228;rker an das Unternehmen binden. Au&#223;erdem sollen Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen den Standort Deutschland durch eine Erh&#246;hung der Frauenerwerbsquote, sowie durch eine Steigerung der Geburtenrate sichern. Zunehmend wird hervorgehoben, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur unter dem Gesichtspunkt der &#8220;Humanisierung der Arbeitswelt&#8221; oder dem der Chancengleichheit zu sehen ist, sondern dass diesbez&#252;gliche Investitionen f&#252;r die Betriebe auch unter dem Gesichtspunkt der Kosten lohnend sein sollen, weil sich durch familienfreundliche Ma&#223;nahmen am Arbeitsplatz ein betriebswirtschaftlicher Nutzen ergibt (vgl. <a href="http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/PRM-24912-Broschure-Betriebswirtschaftli,property=pdf,bereich=,rwb=true.pdf">BMBFSJ-Brosch&#252;re PDF</a>).</p>
<p>Um Profit, Gesundheit, Vereinbarkeit und Geburtenrate zu steigern gibt es bis zu &#252;ber 150 unterschiedliche Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen. Sie reichen von Teilzeitarbeit, Gleitzeitangeboten, Telearbeit, Job-Sharing, Teamarbeit &#252;ber Mentoring, Sensibilisierungsstrategien f&#252;r F&#252;hrungskr&#228;fte, haushaltsnahe Dienstleistungen, Sozialberatung, betriebliche Kinderbetreuung bis hin zu Ma&#223;nahmen die auf Gesundheitspr&#228;vention durch Stressvermeidung und psychologische Beratung setzten.</p>
<p>Konkret geht die Initiative auf Grund von Berechnungen und den aktuellen Entwicklungen in den Unternehmen davon aus, dass in den n&#228;chsten 12 Jahren rund 30 % der Lohnabh&#228;ngigen an Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen teilnehmen. Bis 2020 erhofft sich die Initiative durch Kundenzufriedenheit und MitarbeiterInnenmotivation eine St&#228;rkung des Wirtschaftswachstums und ein zus&#228;tzliches Bruttoinlandsprodukt von 248 Mrd. €. Weiter wird sich eine St&#228;rkung der Wettbewerbsf&#228;higkeit durch weniger Fehlzeiten eine 1,6%ige h&#246;here Produktivit&#228;t pro Arbeitsstunde versprochen. Mehr Geburten sollen durch ein familienfreundliches Betriebklima erreicht werden. Die Geburtenrate soll auf 1,56 Geburten pro Frau steigen &#8211; fast 1 Million zus&#228;tzliche Geburten in den n&#228;chsten 12 Jahren. &#8211; Allerdings m&#252;ssen jetzt schon proportional mehr Kinder in den Folgejahren zur Welt kommen, da es im ersten Quartal 2007 nur 600 zus&#228;tzliche Geburten gab. Bedingt durch die steigende Erwerbst&#228;tigkeit und die skizzierte Bev&#246;lkerungsentwicklung soll der private Konsum einen zus&#228;tzlichen Profit von 191 Mrd. € einbringen. Mehr Konsum f&#252;hrt in dieser Logik wiederum zu mehr Arbeit. 221.000 neue Stellen sollen in den Unternehmen entstehen und die Gesundheitspr&#228;ventionen sollen wiederum die Lohnnebenkosten senken und gleichzeitig die Arbeitsproduktivit&#228;t steigern. Ziel und Zweck dieser Ma&#223;nahmen sind erh&#246;hte Einsatzbereitschaft, weniger Fehlzeiten und letztlich eine erh&#246;hte Produktivit&#228;t.</p>
<p>Zusammenfassend lassen sich Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen als wettbewerbsstrategische Antwort auf ver&#228;nderte gesellschaftliche Beziehungen lesen, die darauf abzielen die prek&#228;ren Geschlechterverh&#228;ltnisse wieder in den Griff zu kriegen. Im Prinzip sind diese Ma&#223;nahmen letztendlich der Versuch die Profitraten zu erh&#246;hen. Arbeite, Konsumiere, krieg Kinder und sei gl&#252;cklich ist die Devise. Die geschlechterdemokratische Rhetorik der Work-Life-Balance Konzepte verschleiert aber die immer noch existenten geschlechtshierarchischen Arbeitsteilungen, die Doppelbelastung von M&#252;ttern und dient letztlich dazu, eine offensive Bev&#246;lkerungspolitik salonf&#228;hig zu machen. Klar ist auch, dass Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen nicht f&#252;r ALG II Empf&#228;ngerInnen oder prek&#228;r Besch&#228;ftigte ausgedacht wurden, sondern f&#252;r Besserverdienende und Hochqualifizierte des Mittelstandes. Unter Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird hier nicht verstanden, dass Lohnabh&#228;ngige mehr Freizeit erhalten, um sich Freunden und Freundinnen, Sport oder Spiel oder sogar zivilgesellschaftlichen Engagement zu widmen. Es geht hierbei vielmehr darum Arbeit und Leben so zu verzahnen, dass es rentabeler und produktiver wird. Pointiert l&#228;sst sich sagen, dass Staat und Kapital sich die Bev&#246;lkerungsentwicklung als Zielscheibe ausgesucht haben, um die Verwertungsbedingungen der Arbeitskraft zu optimieren und eine m&#246;glichst kosteng&#252;nstige Reproduktion einer neuen Generation von Arbeitskr&#228;ften zu gew&#228;hrleisten. Work-Life-Balance ist keine Antwort auf die sch&#246;ne neue Welt, sondern ein Teil von ihr.</p>
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