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Ökonomie

Menschenwürde statt Profitmaximierung. Zur sozialen Reproduktion in der Krise und einer Care Revolution als Perspektive

14.06.2012, Gabriele Winker

Menschen sind in den hegemonialen Krisendebatten weitgehend entsorgt. Es geht um Banken, denen es schlecht geht, um Märkte, die nervös reagieren, oder um misswirtschaftende Schuldenstaaten, die den Euro infizieren. Nur für kurze Momente kommen einzelne Menschen ins mediale Bild: Neulich eine alleinerziehende Frau in Griechenland, die voll berufstätig 20 Euro am Tag verdient, ihre zwei Kinder davon nicht ernähren kann, sie in ein Kinderdorf geben musste und sie dort wegen der großen Entfernung nur alle fünf Wochen besuchen kann. Unter Tränen bedankt sie sich beim Kinderdorf, auch wenn ihr die Trennung von ihren Kindern das Herz bricht, aber sie hat keine Alternative. Hier zeigen sich die Auswirkungen der Krise in aller Deutlichkeit: Das kapitalistische System kann auch in Europa grundlegende menschliche Lebensbedürfnisse der Selbstsorge wie der Sorge für Andere nicht mehr gewährleisten.
Und selbst in der Bundesrepublik Deutschland, deren Wirtschaft zu den Krisengewinnern gehört, breiten sich menschenunwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen weiter aus. Bei prekärer und entgrenzter Lohnarbeit fehlen vielen Menschen die finanziellen und/oder zeitlichen Ressourcen für die existenziell wichtige Sorgearbeit. Gleichzeitig wird die soziale Absicherung sukzessive abgebaut und staatliche Aufwendungen in den Bereichen der Erziehung und Bildung, Gesundheit und Pflege werden reduziert. So leiden insbesondere diejenigen Menschen, die Sorgeverpflichtungen für … Zum ganzen Artikel


Vorsorgendes Wirtschaften – Zukunftsfähigkeit jenseits der Krisenökonomie

25.05.2010, Adelheid Biesecker

Maßlosigkeit und Sorglosigkeit – mit diesen beiden Begriffen lässt sich die vorherrschende ökonomische Rationalität, kennzeichnen. Maßlosigkeit – denn aus Geld soll immer mehr Geld werden, und das möglichst ohne Bezug zur realen Produktion, ohne irgendein stoffliches oder soziales Maß. Und Sorglosigkeit – denn Menschen mit dieser Maximierungsrationalität kümmern sich nicht um den Erhalt der lebendigen Grundlagen – sozial-weibliche Care-Arbeit und ökologische Produktivität –, sondern nutzen sie rücksichtslos aus. Das wirkt zerstörerisch auf dieses sog. Reproduktive – die Krise wird zur „Krise des „Reproduktiven““.
Dieses ökonomische System schafft seinen „Reichtum“ somit durch Zerstörung der Reichtumsgrundlagen. Es ist nicht zukunftsfähig. Zukunftsfähig ist nur eine Ökonomie, die durch ihre eigene Praxis des Produzierens und Konsumierens den langfristigen Erhalt der lebendigen Grundlagen garantiert. Erhalten im Gestalten, um diese neue Rationalität geht es – um Vorsorgendes Wirtschaften eben. Zum ganzen Artikel


Care Revolution – ein Weg aus der Reproduktionskrise

16.12.2009, Gabriele Winker

Sorgearbeit für sich und Andere ist von enormer Bedeutung sowohl für das umsorgte Individuum als auch für eine menschenwürdige Gesellschaft – das ist allgemeiner Konsens. Auch dass die privat zu organisierende Sorgearbeit zunimmt, wenn wie derzeit die staatlich abgesicherte Versorgung aus Kostengründen eingespart wird, ist weitgehend unumstritten. Dennoch wird die Frage, wer Sorgearbeit in Zeiten allseits geforderter Erwerbstätigkeit übernehmen soll, im politischen Raum weder aufgeworfen noch beantwortet. Dies hat zur Folge, dass viele Menschen, insbesondere Frauen mit Sorgeverpflichtungen gegenüber Kindern, Pflegebedürftigen oder anderen unterstützungsbedürftigen Personen, gezwungen sind, Sorgearbeit oft am Rande der vollständigen Überbeanspruchung tagtäglich neben der eigenen Berufstätigkeit auszuführen. Mit einem Aufruf zur Care Revolution möchte ich das strategische Schweigen durchbrechen und dazu auffordern, Sorgearbeit in ihrer Bedeutung und Gestaltung gesellschaftlich neu zu diskutieren. Ziel soll es sein, gerade den Sorgearbeitenden Muße bei gleichzeitiger sozialer Sicherheit zu ermöglichen, anstatt sie weiterhin einer Doppelbelastung und fehlender sozialer Absicherung auszusetzen. … Zum ganzen Artikel


Staatliches Krisenmanagement im Fokus feministischer Kritik

20.03.2009, Gabriele Winker

In der New York Times vom 09. Dezember 2008 verweist die Journalistin Linda Hirshman (Hirshman 2009) darauf, dass das beinahe 800 Milliarden schwere US-Konjunkturprogramm mit der Schwerpunktsetzung auf Ausbau alternativer Energien sowie Unterstützung der Bauwirtschaft Männerarbeitsplätze sichert, während die Branchen mit typischen Frauenarbeitsplätzen bei der Krisenregulierung sich selbst überlassen bleiben. Damit greift sie ein wichtiges Argument aus der Gender Budgeting Debatte auf, wonach es bei Staatsausgaben zu prüfen gilt, ob Frauen und Männer in gleicher Weise von staatlichen Maßnahmen profitieren oder inwiefern damit bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern verschärft oder aber ansatzweise entschärft werden. In der BRD spielen geschlechterpolitische Fragen bei den Debatten um staatliches Handeln in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise – auch in sozialen Bewegungen – überhaupt keine Rolle. Dies hängt auch damit zusammen, dass der Ansatz des Gender Budgeting gerade bei weitreichenden staatlichen Eingriffen zu kurz greift. Wird dieser Ansatz allerdings mit einer grundlegenden Kritik an kapitalistischen Verhältnissen verknüpft, führt er zu feministischen Perspektiven, die es in die aktuelle bundesdeutsche Debatte einzubringen gilt… Zum ganzen Artikel


Ohne Reproduktion keine Produktion. Über die Notwendigkeit die Reproduktionssphäre zu bestreiken!

29.01.2009, Stefan Paulus

Die kollektive Arbeitsniederlegung, der Streik, ist einerseits ein Mittel zur Durchsetzung von besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen. Andererseits gilt der Streik aus einer anarchistischen bzw. anarchosyndikalistischen Perspektive als Hebel zur Einleitung der sozialen Revolution. Aus einer feministischen oder (post)strukturalistischen Perspektive stellen sich noch andere Grundlagen zur radikalen Veränderung kapitalistischer Verhältnisse dar. Im Folgenden möchte ich eben auf diese “anderen” Grundlagen, die sich vor allem im Reproduktionsbereich finden, eingehen. In diesem Zusammenhang soll verdeutlicht werden, was eine Bestreikung bzw. Verweigerung der zugewiesenen Rolle der Individuen für den Fortbestand der kapitalistischen Gesellschaftsformation bedeuten kann… Zum ganzen Artikel


Wo das Meer die Söhne verschlingt

6.11.2008, Haidy Damm

Thiaroye-sur-mer. Der Name steht für eine Tragödie. Thiaroye-sur-Mer – kein anderer Ort im Senegal hat so viele Menschen auf dem Weg nach Europa verloren: Zwei Boote mit rund 170 überwiegend jungen Männern aus dem früheren Fischerdorf sind nie an ihrem Ziel angekommen. Ihre Pirogen sind irgendwo in der stürmischen See gekentert… Zum ganzen Artikel


Gender Marketing – das Revival der Differenz

29.01.2007, Tanja Carstensen

Gender Marketing nennt sich das Konzept anhand dessen “die unterschiedlichen Bedürfnisse von weiblichen und männlichen Verbrauchern” bei Entwicklung, Vertrieb, Preisbildung und Kommunikation von Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt werden sollen. Unternehmen haben offensichtlich das Potenzial von Gender für sich entdeckt. Dabei werden nicht nur die Differenzen zwischen Männern und Frauen reaktiviert; auch biologistische Argumentationen kommen zum Tragen. Hiermit fällt das Konzept weit hinter feministische Debatten um den Gender-Begriff der letzten Jahre zurück und reduziert Gender auf ein Phänomen unterschiedlicher Bedürfnisse und Kaufinteressen, während die mit Geschlecht verbundenen Macht- und Herrschaftsverhältnisse ausgeblendet werden… Zum ganzen Artikel



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In der BRD ersetzt ab dem 1.Januar 2007 das Elterngeld als neue familienpolitische Leistung das bisherige Erziehungsgeld. Im Unterschied zum bedarfsabhängigen Erziehungsgeld orientiert sich die staatliche Transferzahlung des Elterngelds nicht an dem Prinzip der Bedürftigkeit, sondern ist als... mehr

Über Anregungen, Kritiken und andere Positionen freuen wir uns jederzeit: info[at]feministisches-institut.de


Feministisches Institut Hamburg