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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Interventionen</title>
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		<title>Missy. Popkultur von und f&#252;r Frauen</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Jul 2010 20:53:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefanie Lohaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Missy Magazine ist ein Popkulturmagazin für Frauen. Es m&#246;chte informieren und gleichzeitig unterhalten. Dabei zeichnet es sich durch eine dezidiert feministische Haltung aus. Anders als Publikationen wie die Emma oder die an.schl&#228;ge aus &#214;sterreich berichtet das Missy Magazine nicht nur über Feminismus. Es betreibt auch keine feministische Theoriebildung wie es in akademischen Publikationen &#252;blich ist. Stattdessen betreibt Missy „angewandten Feminismus“. Das bedeutet: Die Herausgeberinnen versuchen im Rahmen eines Frauen- und Popmagazines, eine feministische Haltung im Umgang mit Themen, Bildern und Sprache zu zeigen. Im Spektrum Zeitschriften sieht Missy sich zwischen Musik/Popkulturzeitschriften, klassischem Frauenmagazin und feministischen Zeitschriften ein. Salopp gesagt: zwischen Intro, Maxi und Emma. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Das <a title="Missy Magazine Homepage" href="http://www.missy-magazine.de">Missy Magazine</a> ist ein Popkulturmagazin für Frauen. Es m&#246;chte informieren und gleichzeitig unterhalten. Dabei zeichnet es sich durch eine dezidiert feministische Haltung aus. Anders als Publikationen wie die Emma oder die an.schl&#228;ge aus &#214;sterreich berichtet das Missy Magazine nicht nur über Feminismus. Es betreibt auch keine feministische Theoriebildung wie es in akademischen Publikationen &#252;blich ist. Stattdessen betreibt Missy „angewandten Feminismus“. Das bedeutet: Die Herausgeberinnen versuchen im Rahmen eines Frauen- und Popmagazines, eine feministische Haltung im Umgang mit Themen, Bildern und Sprache zu zeigen. Im Spektrum Zeitschriften sieht Missy sich zwischen Musik/Popkulturzeitschriften, klassischem Frauenmagazin und feministischen Zeitschriften ein. Salopp gesagt: zwischen Intro, Maxi und Emma. </strong></p>
<p class="bild-links"><img src="/wp-content/uploads/2010/07/missy_cover.jpg" alt="Cover Missy Magazine" /></p>
<p>Gegr&#252;ndet wurde das Missy Magazine Anfang 2008, als wir, das hei&#223;t Stefanie Lohaus, Chris K&#246;ver und Sonja Eismann uns entschlossen, den deutschsprachigen Zeitschriftenmarkt um ein Heft zu erweitern, das gleichzeitig feministisch sein und junge Frauen ansprechen sollte, um sie eben nicht, wie sonst auf dem Frauenzeitschriftenmarkt &#252;blich, auf Schmink-, Di&#228;t- und Modetipps zu reduzieren.<br />
Nach einer halbj&#228;hrigen Planungsphase erschien die erste Ausgabe im Oktober 2008. Sie wurde mit den Geldern eines Kulturwettbewerbes finanziert. Gut anderthalb Jahre sp&#228;ter steht Missy auf eigenen Beinen und erscheint regelm&#228;&#223;ig: Viertelj&#228;hrlich im Eigenverlag und mit einer Druckauflage von ca. 20.000 Exemplaren. Die Finanzierung erfolgt aus einem Mix von Verkaufs- und Aboeinnahmen, sowie Anzeigen. W&#228;hrend Missy als Hochglanzmagazin erscheint, versteht sich das Magazin nach innen als Grassroots-Projekt. Die Redaktion und der Verlag werden in Eigenregie organisiert. Der Grund: Anders als ein Fanzine, das auch nach au&#223;en kosteng&#252;nstig kopiert und in kleinem Ma&#223;stab produziert wird, will Missy zug&#228;nglich sein f&#252;r LeserInnen, die nicht nur in feministischen Szenen zu Hause sind.</p>
<p>Das Herausgeberinnen- und Redaktionsteam besteht aus den drei Gr&#252;nderinnen. Ebenfalls im Team ist Margarita Tsomou, die auch Herausgeberin und Missy-Autorin ist und die Anzeigen- und Marketingabteilung leitet. Sie ist ebenfalls seit 2008 dabei. Die Art Direktion des Missy Magazines besteht aus zwei Frauen: Seit Mai 2010 sind das Daniela Burger und Hedi Lusser. Zus&#228;tzlich gibt es einen gro&#223;en Stamm freie AutorInnen, IllustratorInnen und FotografInnen. Der innere Kreis besteht zwar nur aus Frauen, im erweiterten Team sind aber auch M&#228;nner zu finden. Bei der Vergabe vor allem der gro&#223;en Themen schauen wir allerdings immer, ob wir zuerst eine Frau finden, die sich im Thema auskennt und erst im zweiten Schritt, ob es auch ein Mann machen kann. Mit dieser Vergabepraxis m&#246;chten wir einen Gegenpol zu den bekannten „Old Boys Netzwerken“ schaffen, denn auch der Journalismus, insbesondere der Musikjournalismus ist nach wie vor stark m&#228;nnlich gepr&#228;gt.</p>
<h2>Die Inhalte: Kultur, Musik, Politik, DIY, Mode und Sex</h2>
<p>Kultur spielt eine gro&#223;e Rolle in Missy: Vor allem Popkultur wie Musik, Film, TV, Fotografie, aber auch Kunst und Theater. Der Grund: Wir alle haben zuvor im Kulturbereich gearbeitet und dort den Eindruck gewonnen, dass über Frauen nicht genügend berichtet wird. In den Popcharts sind zwar immer mehr S&#228;ngerinnen vertreten, doch der Eindruck t&#228;uscht. Im Popbereich ist der Frauenanteil nach wie vor sehr niedrig, wie zum Beispiel eine Studie des Frauenmusikzentrums aus dem Jahr 2002 (<a href="http://archiv.hamburger-illustrierte.de/arc2002/hamburg/kultur/podiumsdiskussionfrauenindermusik.html">http://archiv.hamburger-illustrierte.de</a>) zeigt. Die vorgestellten MusikerInnen m&#252;ssen in erster Linie k&#252;nstlerisch &#252;berzeugen – besonders begr&#252;&#223;en wir es wenn sie sich au&#223;erdem mit Feminismus und Geschlechterrollen auseinandersetzen.</p>
<p class="bild-links"><img title="Young, Fat and Fabulous" src="/wp-content/uploads/2010/07/missy_youngfatfabulous.jpg" alt="Missy Beispielartikel" width="150" height="194" /></p>
<p>Bei der Berichterstattung gelten in Missy Genderbewusstsein und Sexismusfreiheit. Anders als in vielen Mainstream-Medien ist in Missy das Aussehen der K&#252;nstlerin kein ausuferndes Thema: S&#228;tze wie „die elfengleiche S&#228;ngerin mit den Rehaugen“ oder ein Erstaunen darüber, dass eine Musikerin ihr Instrument oder gar ein Mischpult beherrscht, kommen bei uns nicht vor. Im Sinne einer feministischen Wissenspolitik benutzen wir keinen insiderhaften Jargon und kein Namedropping. Bei der optischen Inszenierung freuen wir uns &#252;ber Frauenbilder, die etwas derangiert sind, d.h. mit g&#228;ngigen weiblichen Rollenkonventionen brechen oder sich über diese lustig machen. Die Frauen im Heft werden nicht digital aufgehübscht oder auf eine Weise nachbearbeitet, die unrealistisch ist. Und generell machen wir nichts, was die KünstlerInnen nicht wollen. Wir setzen uns kritisch mit Geschlechternormen und Produktionsbedingungen der Popindustrie auseinander, z.B. in Beitr&#228;gen wie „Frauen im Metal“ oder „Altern im Pop“ oder aber in unserem Dossier aus dem letzten Heft: Feminismus und TV, in dem wir schauen, ob, wo und wie im Fernsehen spannende feministische Rollen zu finden sind, und was Frauen auf und hinter dem Bildschirm über die Frauenrollen denken.</p>
<h2>Politik</h2>
<p>In Missy werden Reportagen und Nachrichten zu aktuellen frauenpolitischen Themen gedruckt, und wir setzten uns auf verschiedene Weisen mit Politik und historischen Figuren auseinander. Der Politikteil in Missy muss nicht immer „Pop“ sein, bewegt sich aber h&#228;ufig dort, wo Pop politisch wird. Zum Beispiel wenn historische FeministInnen zu Sammelkarten werden, oder im Finanzkrisen-Dossier eine kritisch-feminstische Prespektive&#252;ber die entkleidete entlassene Businessfrauen im Playboy“ zu lesen ist Wir besch&#228;ftigen uns mit aktuellen gender- und frauenpolitischen Themen, beobachten die momentane Gesetzeslage z.B. das Abtreibungsrecht oder Rechte f&#252;r Homosexuelle oder Transgender. Dabei geht es immer darum, Probleme als strukturelle Probleme zu begreifen. Wir sehen das gr&#246;&#223;te Problem der gesellschaftlichen Ungleichberechtigung in den gesellschaftliche Strukturen und Ansichten, die es nach wie vor zu bek&#228;mpfen gilt. In Rubriken wie „Vor uns“ bei der wir gro&#223;artige Frauen, die in der Geschichtsschreibung zu kurz gekommen vorstellen, betreiben wir alternative Geschichtsschreibung, stellen Bezug zu feministischen Traditionen her und arbeiten so auch gegen die Diffamierung des Feminismus vor unserer Zeit.</p>
<h2>Selbsterm&#228;chtigung durch selbst machen</h2>
<p>Der Teil „Mach es selbst“ umfasst Rubriken wie „1,2,3“ (Expertinnen erkl&#228;ren) und die „Mach es selbst &#8211; Bastelanleitungen“. Dabei haben wir sowohl klassisch „weiblich“ konnotierte T&#228;tigkeiten (Stricken, Handarbeit, Kochen) im Programm, als auch klassisch „m&#228;nnlich“ (M&#246;bel bauen, Platten auflegen, Skateboard fahren). W&#228;hrend es bei den „m&#228;nnlichen“ F&#228;higkeiten darum geht, Frauen und M&#228;dchen zu ermutigen, Bereiche zu erobern, von denen sie sich bisher aufgrund der geschlechtlichen Zuschreibung eher abgewendet haben, geht es bei den Anleitungen zum Stricken oder Kochen um die Strategie der Wiederaneignung. Diese weiblichen F&#228;higkeiten, die traditionellerweise unbezahlte Arbeit darstellen und somit nicht entlohnt, also nichts „wert“ sind, sollen im Zusammenhang mit Popkultur eine Aufwertung erfahren. Deswegen binden wir diese Rubriken in andere Zusammenh&#228;nge ein: In der Kochrubrik TV Dinner, werden Rezepte aus Fernsehserien nachgekocht oder wir zeigen wie man mit der eigentlich spie&#223;igen Stick-Technik einen schicken Graffiti-Wandbehang erstellt.</p>
<h2>Mode</h2>
<p class="bild-links"><img src="/wp-content/uploads/2010/07/missy_style.jpg" alt="Missy Magazine Style"></p>
<p>Mode bietet die M&#246;glichkeit Frauentypen abzubilden und zu inszenieren und mit dieser Art der Inszenierung vom Mainstream abzuweichen. Style und Mode ist eben identit&#228;tsstiftend. Uns ist es wichtig, nicht nur neue Trends vorzustellen, sondern mit Mode und Styling eine Geschichte zu erz&#228;hlen. Wir zeigen verschiedene K&#246;rperbilder/Formen/Altersstufen: Frauen sind keine genormten Wesen in Gr&#246;&#223;e 34. Deswegen ist in Missy Vielfalt die Norm.</p>
<h2>Sex</h2>
<p>Die generelle Haltung des Sexteils ist eine lustvolle und positive Auseinandersetzung mit K&#246;rper und Sexualit&#228;t. Im Gegensatz zu herk&#246;mmlichen Frauenmagazinen geht es nicht darum, „ihm die Nacht seines Lebens“,  sondern sich selbst eine gute Zeit im Bett zu bereiten. Die Rubrik soll zum Experimentieren anregen, beinhaltet Produkttests, Berichte über feministische „Sex Positive“ oder queere Themen. Wie im gesamten Heft bem&#252;hen wir uns darum, mit Heteronormativit&#228;t zu brechen.<br />
Neben diesen gro&#223;en Rubriken hat Missy nat&#252;rlich noch einiges mehr zu bieten. Ab dem n&#228;chsten Heft haben wir mit Claire Lenkova eine regelm&#228;&#223;ige Comiczeichnerin im Heft. Eine regelm&#228;&#223;ige Bildstrecke stellt eine  junge, talentierte Fotografin und ihre Arbeiten vor.</p>
<p>Allgemein versuchen wir uns in Missy an der Gestaltung einer feministischen Popkulturwelt, sowohl nach innen, in dem neue feministische Strukturen schaffen, als auch nach au&#223;en, in dem wir feministische Popkultur sichtbarmachen. Dar&#252;ber hinaus kritisieren wir aktuelle Popkultur mit feministischen Instrumentarien. Diese Auseinandersetzung ist wichtig, weil Pop Teil der Alltagskultur und Sozialisation eines jeden Menschen ist. Deswegen muss Popmusik, Fernsehen, Netzkultur oder Werbung genauso mit feministischen Mitteln kritisiert werden, wie bspw. Gesetze. Wir hoffen es gelingt uns, denn: Es gibt noch viel zu tun.</p>
<p>Das Heft ist in Deutschland, &#214;sterreich und der Schweiz am Kiosk und im Bahnhofsbuchhandel erh&#228;ltlich sowie im Abonnement und über Bestellung im Internet natürlich auch überall sonst auf der Welt.</p>
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		<title>Die Tomate weiter werfen… Feministische Gesellschaftskritik jenseits von Alpham&#228;dchen und F-Klasse</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 09:43:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feministischer Arbeitskreis ‚Schöner leben‘</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Feminismus soll gerade f&#252;r junge Frauen wieder attraktiv gemacht werden. Cool und l&#228;ssig soll Feminismus sein und das Leben f&#252;r Frauen sch&#246;ner machen, so das Credo vieler B&#252;cher. Ist damit Feminismus schon so salonf&#228;hig, dass man/Frau dar&#252;ber gar nicht mehr in gesellschaftskritischer Form sprechen m&#252;sste? Dass sich dieser „neue Feminismus“ nicht auf alle Frauen bezieht und sich oftmals nicht als feministische Kritik an der gesamten Gesellschaft versteht, ist scharf zu kritisieren. Deshalb pl&#228;diert der „Feministische Arbeitskreis ‚Sch&#246;ner Leben‘“ aus M&#252;nster f&#252;r eine lokale feministisch gesellschaftskritische Bewusstseinsbildung. Leerstellen wie Rassismus, soziale Spaltungen und &#246;konomische Ausbeutung, die insbesondere Frauen treffen, zeigen, dass es notwendig ist feministische Widerstandspraxen innerhalb breiter sozialer Bewegungen zu etablieren!...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Feminismus soll gerade f&#252;r junge Frauen wieder attraktiv gemacht werden. Cool und l&#228;ssig soll Feminismus sein und das Leben f&#252;r Frauen sch&#246;ner machen, so das Credo vieler B&#252;cher. Ist damit Feminismus schon so salonf&#228;hig, dass man/Frau dar&#252;ber gar nicht mehr in gesellschaftskritischer Form sprechen m&#252;sste? Dass sich dieser „neue Feminismus“ nicht auf </strong><strong>alle Frauen bezieht und sich oftmals nicht als feministische Kritik an der gesamten Gesellschaft versteht, ist scharf zu kritisieren. Deshalb pl&#228;diert der „Feministische Arbeitskreis ‚Sch&#246;ner Leben‘“ aus M&#252;nster f&#252;r eine lokale feministisch gesellschaftskritische Bewusstseinsbildung. Leerstellen wie Rassismus, soziale Spaltungen und &#246;konomische Ausbeutung, die insbesondere Frauen treffen, zeigen, dass es notwendig ist feministische Widerstandspraxen innerhalb breiter sozialer Bewegungen zu etablieren!</strong></p>
<p>Debatten um Familienpolitik, Kinderbetreuung, Elterngeld und V&#228;terzeit ebenso wie der seit einiger Zeit in den Medien kursierende sogenannte „neue Feminismus“ scheinen auf den ersten Blick Diskussionen um Geschlechtergerechtigkeit wieder auf die politische Tagesordnung gebracht zu haben. So scheint der Feminismus in staatlichen Institutionen und in der b&#252;rgerlichen Mitte angekommen zu sein. Haben sich emanzipatorische Forderungen damit also erledigt?</p>
<p>Hervorgeholt aus der vermeintlichen Mottenkiste und befreit vom Mief der 70er Jahre soll Feminismus gerade f&#252;r junge Frauen wieder attraktiv gemacht werden. Feminismus kann cool und l&#228;ssig sein und soll das Leben sch&#246;ner machen, so Meredith Haaf, Susanne Klinger und Barbara Streidl in ihrem Buch „Wir Alpha-M&#228;dchen“. Thea Dorn propagiert in Abgrenzung vom Feminismus der 70er Jahre die neue F-Klasse, erfolgreiche Individualistinnen, die es geschafft haben, „ihre Projekte trotz Anfechtungen durchzusetzen und dennoch keine schmallippigen Karrieremaschinen geworden sind.“ Ebenso verabschieden sich die „neuen deutschen M&#228;dchen“ Jana Hensel und Elisabeth Raether von einem Popul&#228;r-Feminismus à la Alice Schwarzer und konzentrieren sich stattdessen in autobiografischer Weise auf das, was ihrer Auffassung nach der Feminismus au&#223;en vor gelassen hat: die Probleme, W&#252;nsche und Sehns&#252;chte des privaten Lebens von Frauen.</p>
<p>So ist auf den ersten Blick zu meinen, dass im Namen des sogenannten „neuen Feminismus“ in Form von Literatur wie Wir Alpha-M&#228;dchen oder die Neue F-Klasse, aber auch der Familienpolitik der gro&#223;en Koalition doch eigentlich Feminismus schon zum Mainstream und so salonf&#228;hig geworden ist, dass man/Frau dar&#252;ber doch gar nicht mehr in gesellschaftskritischer Form sprechen m&#252;sste.</p>
<p>Zu fragen ist aber, ob sich dieser sogenannte „neue Feminismus“ auf <strong>alle</strong> Frauen bezieht und inwiefern sich dieser tats&#228;chlich als feministische Kritik an der gesamten Gesellschaft versteht?</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Feministische Leerstellen</strong></p>
<p>Bei genauerem Hinsehen f&#228;llt n&#228;mlich auf, dass diese Art Post-Feminismus nichts gemeinsam hat mit einem gesellschaftskritischen Feminismus der sogenannten zweiten Frauenbewegung, die im Kontext der StudentInnenbewegung 1968 entstand. Ein Tomatenwurf w&#228;hrend der Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes war 1968 einer der Startsch&#252;sse f&#252;r diese zweite deutsche Frauenbewegung. Damals kritisierten die Studentinnen, der SDS ignoriere die Diskriminierung von Frauen. Als Teil sozialer Bewegungen und K&#228;mpfe formulierte sie eine fundamentale Kritik an bestehenden kapitalistischen Verh&#228;ltnissen. Die Perspektive der Generation der Alpha-Feministinnen ist jedoch eine andere. Ihnen geht es vor allem um sich selbst: Um mittelst&#228;ndische, intellektuelle Frauen auf der Karriereleiter steil nach oben. Ihr „feministischer“ Anspruch ist begrenzt auf individuelle Selbstverwirklichung und beruflichen Erfolg.</p>
<p>Die Lebenssituation von Migrantinnen, Hartz IV-Empf&#228;ngerinnen, Alleinerziehenden, um nur einige zu nennen, kommen hingegen nicht vor, geschweige denn, dass ein Blick &#252;ber den eigenen bundesrepublikanischen Tellerrand hinaus gemacht wird. So scheint es der neuen feministischen Avantgarde noch nicht aufgefallen zu sein, dass globale (patriarchale) Unrechtsstrukturen besonders auch Frauen betreffen und unter den Frauen selbst gro&#223;e Ungleichheitsverh&#228;ltnisse existieren.</p>
<p>Mag der Anspruch dieses sogenannten „neuen Feminismus“ das Lebensgef&#252;hl einer bestimmten Gruppe von Frauen aufgreifen, angesichts der aktuellen sozialen und politischen Entwicklungen greift er jedenfalls viel zu kurz. Leerstellen wie Rassismus, soziale Spaltungen, &#246;konomische Ausbeutung, Elitenf&#246;rderung und Klassenverh&#228;ltnisse zeigen, dass es sich im Gegenteil lohnt die „Tomate weiterzuwerfen…“</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Lokale feministische Bewusstseinsbildung</strong></p>
<p>Um eine feministische gesellschaftskritische Diskussion gerade unter Einbeziehung dieser Leerstellen anzusto&#223;en, konstituierte sich unter dem Namen „Feministischer Arbeitskreis ‚Sch&#246;ner leben‘“ Ende 2007 eine Gruppe von sechs Frauen im Umfeld des Institut f&#252;r Theologie und Politik und der attac-Regionalgruppe in M&#252;nster. Im Gegensatz zum entsolidarisierten B&#252;cherfeminismus bestand das Hauptanliegen der Gruppe darin, sich an lokaler feministischer Bewusstseinsbildung zu beteiligen.</p>
<p>Zum einen sollte die Frage danach gestellt werden, wie sich Formen feministischer Politik ver&#228;ndert haben? Wo gibt es heute Protest und Widerstand gegen Frauendiskriminierung und Geschlechterhierarchie, ohne die kapitalistische Gesellschaft nicht funktionieren w&#252;rde? Wie kann es gelingen, gleichzeitig die Geschlechterrollen und ganz grunds&#228;tzlich die Einteilung in zwei Geschlechter selbst als hierarchisch und &#252;berholt zu entlarven und zu bek&#228;mpfen? Wie k&#246;nnen wir Ans&#228;tze grunds&#228;tzlicher feministischer Kritik sichtbarer machen, miteinander ins Gespr&#228;ch bringen und &#246;ffentliche Debatten ansto&#223;en?</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus ging es darum, die derzeit zum gr&#246;&#223;ten Teil fragmentierten lokalen feministischen Gruppen und Institutionen (z.B. die autonomen Frauenh&#228;user oder Frauenrechtsgruppen oder autonome Gruppen, die z.B. Ladyfeste organisieren, feministische Politik und Diskussionen an den Hochschulen oder in linken Gruppen organisieren) nicht nur sichtbarer werden zu lassen, sondern M&#246;glichkeiten st&#228;rkerer Vernetzung zu erschlie&#223;en.</p>
<p>Einige Monate traf sich die Gruppe, um sich &#252;ber aktuelle Debatten und Publikationen im Bereich ‚Feminismus‘ zu informieren. So diskutierten wir die oben genannten B&#252;cher und die Debatten um den daran anschlie&#223;enden ‚neuen Feminismus‘ in den Medien. Auf der anderen Seite diskutierten wir aber auch Publikationen z.B. des Feministischen Institut Hamburg (G. Winker, Melanie Gro&#223;: „Queer-/feministische Kritiken neoliberaler Verh&#228;ltnisse“, M&#252;nster 2007) oder von Frigga Haug (Die Vier-in-Einem-Perspektive, Hamburg 2008). Daraus entstand die Idee, eine Veranstaltungsreihe zum Thema „neuer Feminismus“ und m&#246;glicher Kritik daran zu initiieren. Klingt diese Vorstellung auch akademisch, ging es uns um sehr reale Alltagssituationen, die politisch eingesch&#228;tzt werden und in politische feministische Praxis umgesetzt sein wollen. Um die Fragestellungen in eine breitere &#214;ffentlichkeit zu tragen, haben wir im Fr&#252;hjahr 2009 eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Die Tomate weiterwerfen….Feministische Gesellschaftskritik jenseits von Alpha-M&#228;dchen und F-Klasse“ dazu durchgef&#252;hrt.</p>
<p><strong>„Die Tomate weiter werfen“ – Die Veranstaltungsreihe</strong></p>
<p>Mit dem Film „Bread and Roses“ von Ken Loach wurde die dreiteilige Veranstaltungsreihe er&#246;ffnet. Der im Jahr 2000 entstandene Film zeigt das Schicksal der illegalisierten mexikanischen Migrantin Maya, die in Los Angeles in einer Putzkolonne arbeitet und sich nach und nach politisiert und gewerkschaftlich organisiert, gleichzeitig aber dadurch auch in massiven Konflikt mit ihrer Schwester ger&#228;t. Der Film basiert auf den Erfahrungen der Gewerkschafts-Kampagne „Justice for Janitors“ in den USA und zeigt deutlich die Verquickung von sexistischer, rassistischer und sozialer Diskriminierung auf. Dies war uns ein besonderes Anliegen angesichts des neuen „Eliten-Feminismus“. Au&#223;erdem machte er die internationale Dimension des Themas deutlich.</p>
<p>Auf die Entstehung und Entwicklung der Frauenbewegung in Deutschland seit 1968 konzentrierte sich die Politologin Stefanie Ehmsen (Berlin) mit ihrem Vortrag unter dem Titel „Ausverkauf des Feminismus? Von der Revolution&#228;rin 1968 zur Gleichstellungsbeauftragten“. Im Anschluss daran entstand eine rege Diskussion unter den Teilnehmenden und mit der Referentin &#252;ber Chancen und Grenzen von aktueller Gleichstellungspolitik, &#252;ber Geschlechterverh&#228;ltnisse und – rechtm&#228;&#223;ig oder unrechtm&#228;&#223;ig – verloren gegangene Anspr&#252;che von Gesellschaftskritik aus feministischer Perspektive. Ganz grunds&#228;tzlich wurde &#252;ber die Definition von „Feminismus“ oder „Frauenbewegung“ und ihre Aktualit&#228;t diskutiert. Dabei wurden sehr kontroverse Positionen deutlich, die aber gut nebeneinander stehen gelassen werden konnten. Trotzdem konnte insgesamt unter den Beteiligten Konsens dar&#252;ber festgestellt werden, dass es notwendig ist, Diskriminierung und immer noch verfestigte Rollenbilder sowohl &#246;ffentlich als auch innerhalb von Beziehungen zu thematisieren.</p>
<p>Vor welche Herausforderungen feministische Gesellschaftskritik in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise gestellt ist, analysierte die Soziologin Gabriele Winker (Hamburg). Ihr Vortrag nahm die Wirtschaftskrise als Ausgangspunkt, um den Ansatz der Intersektionalit&#228;t, der von Gabriele Winker und ihren Kolleginnen zurzeit entwickelt wird, vorzustellen. Dieser ber&#252;cksichtigt vier Kategorien – Geschlecht, K&#246;rper, ‚Rasse‘ und Klasse, um Unterdr&#252;ckung und Herrschaft auf drei Ebenen, n&#228;mlich Struktur, Repr&#228;sentation und Identit&#228;t, zu beschreiben. An der TU Hamburg, an der die Referentin lehrt, wird dieses Modell anhand einer Studie zu Erwerbslosigkeit von einem Forscherinnenteam zur Zeit getestet.</p>
<p>Die anschlie&#223;ende Diskussion drehte sich viel um die Verbindung des theoretischen Anspruchs des Modells ‚Intersektionalit&#228;t‘ mit konkreten politischen Notwendigkeiten, z.B. der Organisierung von feministischen Anliegen in Gruppen, B&#252;ndnisbildung und politischer Wirksamkeit. Angesichts der dominanten Interpretationen der Wirtschaftskrise und entsprechend konservativen Handlungsstrategien scheint zurzeit wenig Spielraum f&#252;r emanzipatorische Gesellschaftsver&#228;nderung zu existieren. Die Frage, wie konkret ein Aufbrechen dieser Dominanzen zurzeit m&#246;glich ist, musste offen bleiben. Die Betrachtungsweise des intersektionalen Ansatzes, unterschiedliche Herrschaftsformen zusammen zu denken und doch als eigenst&#228;ndige zu verstehen, wurde jedoch von der Mehrheit als sehr n&#252;tzlich f&#252;r Perspektiven von Ver&#228;nderung und neuen Strategien angesehen.</p>
<p><strong>Perspektiven und Potenziale feministischer Widerstandspraxen vor Ort</strong></p>
<p>Von mehreren Seiten bekamen wir Anerkennung daf&#252;r, das Thema aufgegriffen und in M&#252;nster &#246;ffentlich diskutierbar gemacht zu haben, da es kaum kritische Veranstaltungen dazu gibt. Durch die Suche nach Mitveranstaltenden ergaben oder vertieften sich Kontakte und es besteht das Interesse, weitere Veranstaltungen gemeinsam zu organisieren. Leider sind wir in M&#252;nster weit davon entfernt, (wieder!?) ein handlungsf&#228;higes feministisch-politisches B&#252;ndnis auf die Beine zu stellen &#8211; die letzte spektren&#252;bergreifende Vorbereitung des Internationalen Frauentags mit aussagekr&#228;ftigen Protest-Aktionen fand 2005 statt. Von daher muss es im Moment bei solchen kleinen Projekten und Anst&#246;&#223;en bleiben. Dennoch k&#246;nnen die verschiedenen feministischen Widerstandspraxen innerhalb breiter sozialer Bewegungen dazu beitragen, dass eine andere Welt denkbar wird, in der ein menschenw&#252;rdiges Leben f&#252;r alle selbstverst&#228;ndlich ist. So wollen wir weiterhin Ans&#228;tze feministischer Gesellschaftskritik sichtbar machen, Impulse und Ideen anzusto&#223;en und nach Handlungsm&#246;glichkeiten feministischen Widerstands f&#252;r eine gerechtere und solidarischere Welt zu suchen.</p>
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		<title>Mehr queere Kunst!</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/queere-kunst/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 09:16:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Wehr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Gibt es &#252;berhaupt queere Kunst? Meine Antwort ist: „ja“. Damit werfe ich eine Reihe weiterer Fragen auf – unter anderem die sehr gro&#223;e Frage „Was ist &#252;berhaupt Kunst?“, die f&#252;r meinen Geschmack zu umfassend ist. Statt einer Antwort wird sich Leser_in mit einer Behauptung arrangieren m&#252;ssen: Kunst ist das, was zwischen dem Werk und den Betrachtenden entstehen kann. Mich interessieren an dieser Aussage die vielseitigen Formen des Dazwischen und nicht etwa, ob eine derart erweiterte Sichtweise auf Kunst akzeptabel ist oder nicht...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/e8bc2e7966084abab20d54bb0a896a9e" width="1" height="1" alt=""><br />
Gibt es &#252;berhaupt queere Kunst? Meine Antwort ist: <em>„ja“</em>. Damit werfe ich eine Reihe weiterer Fragen auf – unter anderem die sehr gro&#223;e Frage <em>„Was ist &#252;berhaupt Kunst?“,</em> die f&#252;r meinen Geschmack zu umfassend ist. Statt einer Antwort wird sich Leser_in mit einer Behauptung arrangieren m&#252;ssen: Kunst ist das, was <em>zwischen</em> dem Werk und den Betrachtenden entstehen kann. Mich interessieren an dieser Aussage die vielseitigen Formen des Dazwischen und nicht etwa, ob eine derart erweiterte Sichtweise auf Kunst akzeptabel ist oder nicht.</p>
<p>In queeren Zusammenh&#228;ngen hat das Dazwischen sein Heimspiel. Denn die St&#228;rken von queer liegen in einem &#220;berschuss, einem nicht eindeutigen <em>„Mehr, als das, was gemeint und benannt ist“</em>. Es ist ein kluger Versuch, das Mehr, was zwischen den etablierten Zuschreibungen und Sinnzusammenh&#228;ngen liegt, zu denken und es darzustellen. Sp&#228;testens hier wird f&#252;r manche die zweite, nicht weniger ausufernde Frage wichtig:<em> „Was verstehst du unter queer?“</em>. Das werde ich hier ebenfalls nicht direkt beantworten. Nur soviel: Eine Eigenschaft von queer scheint darin zu bestehen, gleichzeitig die unterschiedlichsten Bedeutungen zu erm&#246;glichen und mit einzubeziehen. Queeres Denken und Leben wird deshalb mit Vielfalt, Gerechtigkeit und mit der &#220;berschreitung und Aufl&#246;sung von Grenzen in Verbindung gebracht. Ich will zeigen, dass viele Ans&#228;tze dazu f&#252;hren, etwas als queere Kunst aufzufassen. Oder, als Frage formuliert: Was macht denn Kunst queer?</p>
<p><strong>Anspr&#252;che</strong></p>
<p><em>„Wir haben einen aktivistischen Ansatz, keinen kunsthistorischen.“</em></p>
<p><em>Gran Fury</em></p>
<p><em> </em>Queere Autor_innenschaft und queere Denk- und Lebensweise f&#252;hren nicht zwangsl&#228;ufig zu einer queeren Kunstproduktion. Kunst wird nicht allein dadurch queer, dass queere Leute sie gemacht haben. Bedauerlich ist in diesem Zusammenhang, dass Queersein f&#252;r viele, die sich dieses Label inzwischen angeeignet haben, nicht automatisch Politischsein bedeutet. Queer kann auch kein Ersatzbegriff f&#252;r lesbisch und schwul sein, denn sonst w&#228;re der Begriff wieder auf dem Weg, etwas zu vereindeutigen. Mein Bedauern verweist auf einen Anspruch an queer: Die Geschichte des Begriffs hat ihn zu einem nachweislich starken, politischen gemacht. Er transportiert daher neben Spa&#223; auch Verantwortung und kritische Handlungsweisen. Queerer Aktivismus f&#252;r Anerkennung von Differenz und Pluralit&#228;t hat sich aus eigenen Unterdr&#252;ckungserfahrungen der Aktivist_innen entwickelt. Deshalb pl&#228;diere ich daf&#252;r, dass Kunst, die das Adjektiv queer tr&#228;gt, gesellschaftskritisch, also politisch sein sollte. Ein gutes Beispiel f&#252;r queere Kunst sind die Flugbl&#228;tter, die Claude Cahun und Marcel Moore gestaltet haben. Einerseits wirken die Flugbl&#228;tter wie konkrete Poesie, andererseits wird mit ihnen gegen die Besetzung der Insel Jersey durch deutsche Soldaten im Jahre 1940 protestiert. Kunst muss nicht immer so offensichtlich zum Mittel f&#252;r Propaganda und Information werden. Sie kann ihre Kritik an Normen der Heterosexualit&#228;t, an Zweigeschlechtlichkeit, an Zuschreibungen, an Zw&#228;ngen zur Vereindeutigung und an Machtverh&#228;ltnissen auch auf subtile Weise transportieren. Ideal w&#228;re dar&#252;ber hinaus, wenn queere Kunst das, was im Allgemeinen unter Kunst verstanden wird, beeinflussen k&#246;nnte.</p>
<p><strong>Soziale Praxis &#8211; Sichtbarkeit beeinflussen</strong></p>
<p><em>„Der grundlegende Charakter sozialer Probleme ist, dass man sie teilt.“</em></p>
<p><em>Videokollektiv Testing The Limits</em></p>
<p><em> </em>Obwohl etwas zu sehen nicht hei&#223;t, zu wissen, <em>wie</em> etwas ist, wird Sichtbarkeit oft als wesentliche Absicht queerer Aktivist_innen genannt. Mehr Sichtbarkeit kann allerdings nicht nur mehr Akzeptanz hervorbringen, sondern auch bedeuten, st&#228;rker in die Normen der Gesellschaft eingebunden zu sein. Hieraus erw&#228;chst das neuere Bed&#252;rfnis doch lieber wieder unsichtbar zu werden. Es gibt zum Gegensatzpaar Sichtbarkeit &#8211; Unsichtbarkeit durchaus Alternativen. Gerade Kunst erm&#246;glicht, etwas jenseits vorhandener Kategorien – etwas das vorher nicht da war – vorstellbar zu machen. Ich denke dabei nicht an Irritation, das hei&#223;t die Abweichung von einer Norm, sondern an einen ganz neuen Sinnzusammenhang. Das erfordert jedoch von den K&#252;nstler_innen, nicht einfach die Wirklichkeit abzubilden, sondern die gesellschaftlichen Bedingungen f&#252;rs Sichtbar- beziehungsweise Unsichtbarwerden zu ber&#252;cksichtigen. Mit k&#252;nstlerischen Mitteln kann zum Beispiel vorstellbar werden, was als sch&#246;n und als &#228;sthetisch aufgefasst wird und welche Rolle dabei Geschlecht, <em>race, </em>Ability und Sexualit&#228;t spielen. Ein Kunstwerk kann &#252;ber seine eigenen Bedingungen Auskunft geben. Es kann zeigen, wer wen unter welchen Voraussetzungen anschaut beziehungsweise wer von wem angeschaut wird.  Es kann zeigen, wie Macht und Begehren des Blickens im Dazwischen funktionieren. Wird Kunst, wie oben beschrieben, als ein gemeinsames soziales T&#228;tigsein aufgefasst, das Bedingungen sichtbar macht, muss sie st&#228;ndig in Bewegung sein und sich stets aufs Neue verwirklichen. K&#252;nstler_innen – wollen sie an der Gesellschaft teilhaben und gleichzeitig Einfluss nehmen – erweitern ihr Repertoire st&#228;ndig, auch auf bisher so genannte kunstferne Bereiche. Wie weit geht die Einflussnahme der K&#252;nstler_innen? Wird ihre soziale Intervention &#252;ber die Werke deutlich?</p>
<p><strong>Queer Lesen – der Kontext als Kompliz_in</strong></p>
<p><em>„Je konservativer das Publikum, desto queerer das Bild.“</em></p>
<p><em>Bemerkung einer Teilnehmer_in auf dem Workshop „Queere Kunst“, der 2006 an der HfbK Hamburg stattfand.</em></p>
<p>Ging es bisher vor allem um die Produzent_innen, kommen nun die Konsument_innen st&#228;rker ins Spiel. Denn ein Bild, ein Film oder eine Performance sind so queer, wie sie f&#252;r das Publikum queer lesbar sind. Queere Kunst stellt sich immer im Zusammenhang – im Kontext – her. Kunst-Konsument_innen k&#246;nnen, in Form sozialer Praxis, in ein queerendes Ereignis verwickelt werden. Damit &#246;ffnet sich ein gro&#223;er Pool von Sinnzusammenh&#228;ngen und Bedeutung. Im Zusammenspiel der Bedingungen zwischen Betrachter_in und Kunstwerk h&#228;ngt die Lesart beziehungsweise die Wirkung eines Werkes vom Vorwissen, den mitgebrachten Sehgewohnheiten und Erwartungen ab. Auch Begehren und Affekte beim Betrachten sind wichtig. Nehmen sich die Betrachtenden wahr als die, die betrachten oder als die, die betrachtet werden? Bedeutsam ist dar&#252;ber hinaus das jeweilige Umfeld, in dem etwas gezeigt wird. Eine queere Absicht kann schief gehen. Ein Bild, eine Performance, ein Film, ein Projekt, k&#246;nnen queer gemeint sein, in einem anderen Kontext aber nicht als solches erkannt werden. Genauso ist es m&#246;glich, ein Kunstwerk queer zu lesen, wenn die Absicht der K&#252;nstler_in eine ganz andere war. Gibt es dennoch Kunst, die sich eher f&#252;r eine queere Lesart anbietet als andere?</p>
<p>Die Bedeutung eines Kunstwerks ist nicht abgeschlossen sondern entsteht durch bestimmte gesellschaftliche &#220;bereink&#252;nfte. Innerhalb dieses sozialen Kontexts liegen einige Bedeutungen eher nahe, andere werden in den Hintergrund gedr&#228;ngt. Je nach &#220;bereinkunft ist aber die (Um-)Deutung zum queeren Kunstwerk denkbar. Queeres Lesen ist die Suche nach L&#252;cken und Widerspr&#252;chen, also das Aufsp&#252;ren der von gesellschaftlichen &#220;bereink&#252;nften abweichenden M&#246;glichkeiten. Eine kritische Frage an ein Kunstwerk ist zum Beispiel, welche Aussagen darin gemacht und welche weggelassen werden. Nun kommt das erfreuliche Ereignis: Betrachter_innen k&#246;nnen – mindestens w&#228;hrend des Kunstkonsums – ihre gesellschaftliche Situation selbst herstellen, wenn sie die nahe gelegten Bedeutungen aber auch die L&#252;cken und Widerspr&#252;che ausnutzen und f&#252;r sich umbauen. Das Betrachten von Kunst wird so beweglich und das Festlegen von Bedeutung kurzfristig. Das (Kunst-)Werk wird zum Vexierbild: Eben noch als Werbung oder als Mainstream durchgegangen, k&#246;nnen ein Bild, ein Film, eine Performance, eine Installation, ein Projekt kurz darauf als queere Kunst genossen werden. Die Vielfalt der Lesarten verdeutlicht nochmals, dass Bedeutung nicht allein durch die Absicht der K&#252;nstler_innen in eine von ihnen gew&#252;nschte Richtung gesteuert werden kann. Es wird auch vorstellbar wie sich immer neue Lesarten entwickeln k&#246;nnen. Risiken der &#220;berinterpretation, der Austauschbarkeit und der Wirkungslosigkeit m&#252;ssen in Kauf genommen werden.</p>
<p><img title="Werbung" src="http://www.feministisches-institut.de/wp-content/uploads/2009/10/1_werbung.jpg" alt="Bild Werbung" width="400" height="300" /><img title="Plakat" src="http://www.feministisches-institut.de/wp-content/uploads/2009/10/2_plakat.jpg" alt="Bild Plakat" width="400" height="301" /><img title="Tafelbild" src="http://www.feministisches-institut.de/wp-content/uploads/2009/10/3_tafelbild.jpg" alt="Bild Tafelbild" width="400" height="261" /><img title="Zine" src="http://www.feministisches-institut.de/wp-content/uploads/2009/10/4_zine.jpg" alt="Bild Zine" width="400" height="288" /><img title="Performance" src="http://www.feministisches-institut.de/wp-content/uploads/2009/10/5_performance.jpg" alt="Bild Performance" width="400" height="527" /><img title="Film" src="http://www.feministisches-institut.de/wp-content/uploads/2009/10/6_film.jpg" alt="Bild Film" width="400" height="300" /></p>
<p><strong>Immer mehr als das, was gemeint ist</strong></p>
<p>Queere Kunst tritt in unterschiedlicher Weise in Erscheinung: als eine Ansammlung miteinander verwobener Bedingungen, Bedeutungen, Handlungsweisen und als eine an sich selbst gerichtete Fragestellung. &#220;ber das komplizierte Verh&#228;ltnis, das alle diese Sinnvarianten miteinander eingehen, habe ich die Selbstverst&#228;ndlichkeit, mit der nach dem <em>„Was ist?“</em> gefragt wird, aus dem Blickfeld ger&#252;ckt zugunsten eines breiter angelegten <em>„Wie geschieht das?“</em>. Diese Frage wird meines Erachtens eher dem Sinn queerer Kunst gerecht. Es ist demnach nicht wichtig, was queere Kunst ist, sondern es ist wichtig, sich die Wege anzusehen, die dazu f&#252;hren, sich ein Bild oder eine Vorstellung von etwas zu machen und sich dazu zu positionieren. Erst dann l&#228;sst sich normierendes Verhalten erkennen, st&#246;ren und beeinflussen. Queere Kunst ist nur in dem Ma&#223;e interessant, wie sie sich mit Bruch- und Konfliktpotenzial ihrer eigenen Kategorien, &#252;berschnitten mit weiteren gesellschaftlichen Kategorien – vor allem mit denen, die zu diskriminierenden Unterscheidungen f&#252;hren – auseinandersetzt.</p>
<p>Queere Kunst ist nichts Festes, sondern ein Mittel, um Sinnvarianten und den damit verkn&#252;pften Bedingungen nachzusp&#252;ren, ohne dabei dauerhaft in festen Kategorien haften zu bleiben. Die neuen Sinnzusammenh&#228;nge und Kategorien, die dabei entstehen, bleiben als Orientierungshilfe ma&#223;geblich und bilden mehr oder weniger hilfreiche Abh&#228;ngigkeiten. Ein wichtiger Punkt ist, &#252;ber queeres Lesen die st&#228;ndig ver&#228;nderbare Perspektive auf das, was als das jeweils Andere bezeichnet wird, zu erkennen. Queeres Lesen wirkt hier zun&#228;chst sehr befreiend, hat aber auch seine T&#252;cken. Mit der Umdeutung geschehen anstelle der alten Ausschl&#252;sse viel zu oft neue. Auch in queeren- und/oder Kunstszenen ist dies der Fall, wenn neue Abgrenzungen, wie zum Beispiel Aussehens-, Verhaltens- oder Deutungs&#252;bereink&#252;nfte Zw&#228;nge und Unwohlsein schaffen &#8211; was gerade vermieden werden soll. Das Prinzip aller Ausschl&#252;sse muss noch viel konsequenter unterlaufen, es muss noch viel mehr <em>verqueert</em> werden. Denn das Andere ist immer mehr als das, was gerade gemeint ist.</p>
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		<title>Ausverkauf oder gelungener Guerilla-Kampf? Die Massentauglichkeit von Beth Ditto, Peaches und Co.</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Jul 2009 07:45:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Einigen K&#252;nstler_innen der riot grrrl und Ladyfest-Szene ist der Durchbruch in den Mainstream gelungen. Le Tigre sind schon l&#228;ngst zu einem Major-Label gewechselt, Peaches schafft es immer &#246;fter aufs Cover angesagter Musikzeitschriften und nun flimmert Beth Ditto &#252;ber alle Kan&#228;le – dick befreundet mit der Modeindustrie. Was ist von soviel Ruhm zu halten? Kann er als erfolgreiche Intervention in die Zeichenebene des Geschlechterdualismus interpretiert werden oder handelt es sich bei Massentauglichkeit immer gleich nur um Ausverkauf...?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Einigen K&#252;nstler_innen der riot grrrl und <a href="/ladyfest">Ladyfest</a>-Szene ist der Durchbruch in den Mainstream gelungen. Le Tigre sind schon l&#228;ngst zu einem Major-Label gewechselt, Peaches schafft es immer &#246;fter aufs Cover angesagter Musikzeitschriften und nun flimmert Beth Ditto &#252;ber alle Kan&#228;le – dick befreundet mit der Modeindustrie. Was ist von so viel Ruhm zu halten? Kann er als erfolgreiche Intervention in die Zeichenebene des Geschlechterdualismus interpretiert werden oder handelt es sich bei Massentauglichkeit immer gleich nur um Ausverkauf?</strong></p>
<p>K&#252;nstler_innen wie Peaches sind meiner Meinung nach eine gro&#223;e Bereicherung f&#252;r die Popkultur, wenngleich ihre feministischen und queer-|feministischen Grenz&#252;berschreitungen von geschlechtlichen und sexuellen Normen im Pop im Prinzip nichts Neues sind. So gab es gerade in dieser Szene immer schon etwas mehr Spielraum f&#252;r Darstellungsweisen von Geschlecht, die jenseits dessen liegen, was im Mainstream als &#8216;normal&#8217; und &#8216;nat&#252;rlich&#8217; gilt oder gegolten hat. Das Besondere an ihnen ist die explizit queer-|feministische Positionierung, die sie vornehmen. Peaches hat sich in der Kulturindustrie stets explizit f&#252;r feministische Ideen eingesetzt und mit Klischees von Frauen als Sexsymbol in erm&#228;chtigender Weise gespielt. Sichtbare Schamhaare, umgeschnallte Dildos und das provokative Fatherfuckers-Album sind hier nur kleine Beispiele, die in der Zurschaustellung zugleich sichtbar machen, was Frauen eigentlich nicht gestattet ist. Beth Ditto &#8211; ganz im Sinne der riot grrrl Szene der 1990er Jahre &#8211; &#252;berzeugt mit einer unglaublichen B&#252;hnenpr&#228;senz und mit ihrem queeren Lebensentwurf. Diese K&#252;nstler_innen artikulieren Sex, Geschlechtlichkeit, Begehren und K&#246;rper jenseits der Norm und erweitern somit Grenzen des Lebbaren und des Denkbaren. Ihre Popularit&#228;t weist meines Erachtens auf zweierlei hin: Zum einen zitieren sie (hetero-)sexistische und homophobe Elemente im Mainstream und unterlaufen sie subversiv, indem sie sie aufnehmen und umarbeiten. Mit dieser Guerilla-Strategie er&#246;ffnen sie R&#228;ume jenseits der rigiden Norm der Zweigeschlechtlichkeit mit all ihren Stereotypen und Rollenanforderungen. Sie machen Lebensweisen sichtbar und verschaffen damit auch denjenigen Sichtbarkeit, denen normalerweise der Subjektstatus in unserer Gesellschaft vorenthalten wird. In diesem Sinne ist Popularit&#228;t ein gro&#223;er Erfolg. Zum anderen funktioniert die Verwertungslogik nicht-normativer K&#246;rper und Lebensweisen aber immer auch &#252;ber die M&#246;glichkeit der Exotisierung, die einen erneuten Ausschluss bedeuten kann. Werden sie betrachtet als das Andere, das Ungew&#246;hnliche, das Bunte, mit denen &#8216;Normalos&#8217; sich hin und wieder gerne mal schm&#252;cken, um sich ihrer eigenen Normalit&#228;t und Durchschnittlichkeit zu vergewissern? Ich denke, dass es beides ist: eine nicht zu untersch&#228;tzende &#220;berschreitung von Geschlechternormen und gleichzeitig eine Disziplinierung durch Exotisierung. Letztlich kann das aber nicht am Schreibtisch entschieden werden, sondern ist eine je subjektive Betrachtungsweise in einem je subjektiven Kontext &#8211; es ist das, was Konzertbesucher_innen darin sehen und was sie daraus machen. F&#252;r die einen sind sie Ikonen, Vorbilder &#8211; die, die sich trauen, die, die laut sind und endlich queer-|feministische Positionen beziehen, so dass es bald niemand mehr &#252;berh&#246;ren kann. F&#252;r die anderen sind sie die schrillen, die &#252;berdrehten, die merkw&#252;rdigen aber ganz witzigen, die man sich hin und wieder mal ansieht und dann zufrieden &#252;ber die eigene heteronormale und -normative Kleinfamilie den Fernseher abschaltet.</p>
<p>Die Frage, warum diese K&#252;nstler_innen gerade jetzt so erfolgreich sind, scheint m&#252;&#223;ig. M&#246;glicherweise haben die letzten ca. 15 Jahre riot grrrl- und Ladyfest-Kultur es geschafft, nun endlich von der Subkultur in den Mainstream zu gelangen &#8211; auch wenn es sich hier nur um wenige Ausnahmen der unz&#228;hligen K&#252;nstler_innen handelt. F&#252;r junge Menschen sind sie sicher deshalb attraktiv, weil sie politische Inhalte in der Popkultur artikulieren und mit queer-|feministischen Statements auch das Bed&#252;rfnis vieler, die mehr Identit&#228;tsspielr&#228;ume wollen, widerspiegeln. Feminismus ist in diesem Kontext ein sehr ernstzunehmendes Spiel wider die Zweigeschlechtlichkeit und gleichzeitig eine massive Kritik an heterosexistischer und zumeist m&#228;nnlicher Macht innerhalb und au&#223;erhalb der Kulturindustrie. Das Dilemma der Popularit&#228;t liegt meines Erachtens in der Geschwindigkeit und F&#228;higkeit kapitalistischer Verh&#228;ltnisse, alles das, was anders und besonders ist, aufzusaugen und zu vermarkten. In neoliberalen Zeiten, wo Pluralit&#228;t und Individualit&#228;t zum Markenzeichen geworden sind, wo Modelabels mit Rebellion und Protest Werbung machen, w&#228;re eine weitere Lesart, dass queer-|feministische Popkultur genau dieses Segment ungewollt auch bedient. Das k&#246;nnte ein weiterer Grund sein, warum sie heute so popul&#228;r geworden sind: sie sind vermarktbar geworden. Allerdings bedeutet das nicht, dass sie aufgrund dessen kritisiert werden m&#252;ssten. Es hei&#223;t vielmehr, dass wir es mit einer Ambivalenz zu tun haben, die nicht aufl&#246;sbar ist. Es hei&#223;t allerdings auch, dass Protestartikulationen im Mainstream wandelbar bleiben m&#252;ssen, wenn sie nicht umgehend vermarktet werden wollen.</p>
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		<title>&#8220;In einem Spiel f&#252;r M&#228;nner braucht man keine Joker&#8221; &#8211; Das Sprechen &#252;ber Geschlecht bei Star Trek</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/startrek/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 09:37:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Britta Hoffarth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>
		<category><![CDATA[Star Trek]]></category>

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		<description><![CDATA[Geschlechterdarstellungen in popul&#228;ren Medien sind traditionell ein bedeutsames feministisches Thema, da sich in Medien dominante Vorstellungen von sowie ein Alltagswissen &#252;ber Geschlecht diskursiv kondensieren. Aus feministisch-informierter Perspektive wird in diesem Text eine Szene der Star Trek-Episode mit dem Titel 'Verbotene Liebe' (im Original 'The Outcast') einem Close Reading unterzogen, welches die Verhandlung von Geschlechterinszenierungen fokussiert...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Geschlechterdarstellungen in popul&#228;ren Medien sind traditionell ein bedeutsames feministisches Thema, da sich in Medien dominante Vorstellungen von sowie ein Alltagswissen &#252;ber Geschlecht diskursiv kondensieren. Aus feministisch-informierter Perspektive wird in diesem Text eine Szene der Star Trek-Episode mit dem Titel &#8216;Verbotene Liebe&#8217; (im Original &#8216;The Outcast&#8217;) einem Close Reading unterzogen, welches die Verhandlung von Geschlechterinszenierungen fokussiert. </strong></p>
<p>Zur Beschreibung der Szene: F&#252;nf, sechs Offiziere des Raumschiffs USS Enterprise sitzen gemeinsam um einen runden Tisch und spielen Karten. Der folgende Wortwechsel findet zwischen den weiblichen Offizieren Deana Troi und, Beverly Crusher sowie dem m&#228;nnlichen Sicherheitsoffizier Worf statt. Gegenstand der Unterhaltung sind &#8211; in diesem Moment nicht anwesende &#8211; Besucher der Enterprise, die J&#8217;naii. Sie unterscheiden sich von den bisher auf der Enterprise bekannten Spezies durch das signifikante Merkmal, dass sie weder als m&#228;nnlich noch als weiblich erkennbar sind, also kein eindeutig identifizierbares Geschlecht besitzen: &#8220;the J&#8217;naii are androgynous and do not identify themselves as either male or female&#8221; (<a href="http://www.startrek.com/startrek/view/series/TNG/episode/68540.html">Startrek.com</a>).               Das Erleben dieser Begegnung ist Thema im Gespr&#228;ch der Pokerrunde.</p>
<p>Troi: Also Freunde, in dieser Runde hei&#223;t das Spiel F&#246;derationstag.<br />
Worf: Und wieso?<br />
Troi: Nun, die F&#246;deration wurde 2161 gegr&#252;ndet. Das hei&#223;t, 2, 6 und Asse sind Joker.<br />
Worf: Das ist ein Spiel f&#252;r Frauen.<br />
Troi: So? Und warum bitte?<br />
Worf: So viele Joker dienen nur zur Unterst&#252;tzung eines schwachen Blattes. In einem Spiel f&#252;r M&#228;nner braucht man keine Joker.<br />
Crusher: Sie meinen also, das w&#228;re ein Spiel f&#252;r Frauen, weil wir Frauen schwach sind und Hilfe brauchen?<br />
Worf: Ja.<br />
Crusher: Erst heute Nachmittag gab ich einem der J&#8217;naii zu verstehen, dass eine solche Ansicht vollkommen antiquiert ist.<br />
Worf: Die J&#8217;naii. Sie nerven mich.<br />
Troi: Wieso, Worf?<br />
Worf: Sie tun es einfach. Weil sie alle gleich sind. Keine M&#228;nner, keine Frauen.<br />
Troi: Wir kommen ihnen sicher genauso komisch vor.<br />
Crusher: Einer der J&#8217;naii scheint bei sich einen Unterschied zu sp&#252;ren. Zumindest in Bezug zu einem von uns. Ich kann mich irren, aber ich habe den Eindruck, dass sich Soren zu Commander Riker hingezogen f&#252;hlt.<br />
Worf: Ein Mensch und ein J&#8217;naii? Ganz unm&#246;glich.<br />
Data: Wieso?<br />
Troi: Gute Frage. Worf?<br />
Worf: Bei diesen vielen Jokern ist es schwer zu sehen, was f&#252;r Karten man &#252;berhaupt hat. Wie auch immer, ich er&#246;ffne mit 50.</p>
<h3>What the hell is going on: Kontext und Thematisierungen von Geschlecht</h3>
<p>Ich m&#246;chte an dieser Szene zwei Aspekte vertiefen. Zum Ersten und recht verk&#252;rzt geht es um die Bedeutung des Raum-Arrangements, zum Zweiten und etwas ausf&#252;hrlicher um die Thematisierung von Geschlecht. Bedeutsam erscheinen mir diese Aspekte, weil sie miteinander verkn&#252;pft sind: Der erste Aspekt &#8211; der soziale Raum &#8211; stellt eine Erm&#246;glichungsbedingung des zweiten Aspekts &#8211; die Verhandlung von Verst&#228;ndnissen von Geschlecht &#8211; dar. Die r&#228;umlich-visuelle Inszenierung der Szene (das Kartenspiel, die Beleuchtung, die Anordnung der Figuren) metaphorisiert ein Stammtisch-Setting, in dem besondere Sprechregeln gelten. Damit wird funktional ein Raum geschaffen, in dem sich ein sowohl informelles wie formelles Sprechverbot umgehen l&#228;sst, das w&#228;hrend anderer Settings die Thematisierung des Privaten verhindert. In der Inszenierung dieses Bruchs artikuliert sich die Existenz sozialer Praxen der Professionalit&#228;t im System Enterprise: Thematisierungen der eigenen ideellen Disponiertheit als pers&#246;nliche Ansicht, wie in diesem Fall durch Worf, sind formal unerw&#252;nscht. Das Stammtisch-Arrangement &#246;ffnet so einen informellen Rahmen, in dem die M&#246;glichkeit besteht, ein privatisiertes Unbehagen in einer sehr spezifizierten &#214;ffentlichkeit zu &#228;u&#223;ern, ohne den eigenen Status des Professionellen zu gef&#228;hrden.</p>
<p>Das Arrangement hat also die Funktion, Sprechen &#252;ber speziell Tabuisiertes zu erm&#246;glichen. Was ist tabu? Das Sprechen &#252;ber Geschlecht, genauer, &#252;ber das Unbehagen daran, Geschlecht nicht eindeutig identifizieren zu k&#246;nnen. Mit seiner Bemerkung &#8220;Das ist ein Spiel f&#252;r Frauen.&#8221; leitet Worf &#8220;Geschlecht&#8221; als Topos ein. Er artikuliert mit seiner Aussage seine Geringsch&#228;tzigkeit erstens gegen&#252;ber den von Troi vorgeschlagenen Regeln im Speziellen sowie zweitens gegen&#252;ber &#8220;Frauen&#8221; im Allgemeinen. Worfs Konzept von Weiblichkeit wird zun&#228;chst nicht genauer spezifiziert, hier wird von ihm bei den Anwesenden ein Allgemeinwissen dar&#252;ber vorausgesetzt, was unter dem Begriff verstanden werden soll. In dieser ritualisierten, allt&#228;glichen Nicht-Thematisierung dessen, dass es sich um ein Konzept handelt, das nicht allein biologische Tatsachen beschreibt, sondern vor allem wirksame Strukturen der Ungleichverteilung von Macht transportiert, formt sich besonders das Normative heraus, das in der Voraussetzung steckt: Wenn ich &#8220;Frau&#8221; sage, wissen nicht nur alle, was ich meine, sondern sie sind auch mit dem einverstanden, was ich darunter verstehe. Crusher paraphrasiert &#8211; m&#246;glicherweise ironisierend &#8211; Worfs Pr&#228;misse, indem sie fragt: &#8220;Sie meinen also, das w&#228;re ein Spiel f&#252;r Frauen, weil wir Frauen schwach sind und Hilfe brauchen?&#8221; Sie widerspricht dieser von ihm best&#228;tigten Aussage &#252;ber Frauen im n&#228;chsten Satz, indem sie seine Ansicht als &#8220;antiquiert&#8221; bezeichnet und damit eine machtvolle Erz&#228;hlung zitiert, in der eine ehemals oder an anderem Ort g&#252;ltige Wahrheit &#252;ber Geschlecht (etwa &#8220;Frauen sind schw&#228;cher als M&#228;nner&#8221;) durch eine andere, neuere Wahrheit (ja, welche denn nun?) ersetzt und damit delegitimiert werden: Crusher bezeichnet Worfs Ansicht als &#8220;antiquiert&#8221;. In dieser kurzen Sequenz findet eine Verhandlung von Geschlecht (&#8220;weil wir Frauen schwach sind und Hilfe brauchen&#8221;) sowie eine Verhandlung von Regeln des Sprechens &#252;ber Geschlecht (&#8220;dass eine solche Ansicht vollkommen antiquiert ist&#8221;) statt.</p>
<p>Worfs affektiv kodierte Aussage &#8220;Die J&#8217;naii, sie nerven mich&#8221;, zitiert zum einen eine Praxis der Unterscheidung nach Ethnie, zum anderen eine Praxis, in der solcherart konstruierte Unterscheidungen als emotional relevant dargestellt werden, wodurch ihre kulturelle Konstruiertheit durch die Konstruktion individueller Relevanzstrukturen verdeckt wird.</p>
<p>Neben anderen Aussagen, die auf Praxen der Wahrheitskonstruktion hin analysierbar w&#228;ren, f&#228;llt vor allem Worfs Forderung nach heteronormativen Unterscheidungsmerkmalen ins Auge. Sein Vorwurf lautet: &#8220;Sie sind alle gleich. Keine M&#228;nner, keine Frauen.&#8221; Die von ihm konstatierte &#8220;Gleichheit&#8221; bezieht sich auf visuell erkennbare Geschlechtsmerkmale. Die Geschlechtslosigkeit der J&#8217;naii wird hier als Versto&#223; gegen bekannte kulturelle (K&#246;rper-Inszenierungs-)Praxen markiert. Die J&#8217;naii besitzen in der heteronormativ strukturierten Kultur der Enterprise, welche &#8211; darauf weist Worf hin &#8211; den legitimen Handlungs- und Sprechrahmen setzt, keinen Status der Fraglosigkeit, sie werden als Abweichler markiert. Worf stellt somit ein Moment des Ausschlusses her, indem er auf die Kategorien &#8220;M&#228;nner&#8221; und &#8220;Frauen&#8221; zur&#252;ckgreift. Mit der Wiederholung dieser Kategorien und ihrer Setzung als absolute Wahrheit reproduziert Worf eine Matrix der Zweigeschlechtlichkeit als normativ, fraglos und gut.</p>
<p>Der Protest gegen diese Reproduktion heteronormativer Strukturen, den in dieser Szene Troi und Crusher &#252;bernehmen, gilt nicht der Problematik der performativen Wiederherstellung bin&#228;rer Geschlechternormen, sondern vielmehr der Problematik, dass diese Wiederherstellung eine &#8220;antiquierte Ansicht&#8221; darstellt. Diese Kritik ist zweifach problematisch. Zum Ersten ist der Verweis &#8220;antiquiert&#8221; lesbar als ‚unhip&#8217;, hier wird also gegen ein Gebot des Chic versto&#223;en. Dieser Verweis thematisiert jedoch nicht die Verwobenheit von Geschlecht und Machtverh&#228;ltnissen und erlebten sozialen Ungleichheiten. Zum Zweiten markiert sich Worfs Aussage als Artikulation einer individuellen Ansicht, nicht als Artikulation einer diskursiven Wahrheit, die jahrhundertlang f&#252;r eben diese Ungleichheit gesorgt hat. Diese Markierung als individuell entsch&#228;rft das Performative und Machtaffirmierende seiner Aussage. Das hinter dieser Aussage zu rekonstruierene Argument k&#246;nnte lauten: Eine Ansicht ist etwas Pers&#246;nliches, kann frei ge&#228;u&#223;ert werden, ist etwas Harmloses, muss nicht geteilt werden. Allerdings stellt sie das Performativ eines geteilten historischen Common Sense dar und besitzt damit eine ganz andere Wirkmacht.</p>
<h3>Weiterdenken und Science Fiction</h3>
<p>Dieses kleine und unvollendete Close Reading des noch viel kleineren Ausschnitts aus Star Trek kann allenfalls eine heuristische &#220;bung darstellen, deren Ziel nicht sein kann, wahre Aussagen &#252;ber Geschlechterdarstellungen bei Star Trek zu formulieren, sondern deren Ziel es vielmehr ist, eine Diskussion zu er&#246;ffnen, die sich beispielsweise mit den Bedingungen besch&#228;ftigt, unter welchen Wahrheiten &#252;ber Geschlecht in einer Gesellschaft formuliert werden und zirkulieren, die wesentlich durch Medien mitgepr&#228;gt wird.</p>
<p>Im Zusammenhang mit dieser Diskussion ist es sicher spannend, nach der textuellen Beschaffenheit von Science Fiction (etwa Zipfel 2001) zu fragen, speziell unter der Pr&#228;misse, Geschlecht selbst im Alltag, au&#223;erhalb von Medien, als fiktionalen Text zu verstehen, der allerdings nicht theoretisch, sondern individuell erlebbar und k&#246;rperlich relevant wird.</p>
<p>Science Fiction spielen mit den Grenzen des m&#246;glichen Unm&#246;glichen und verhandeln, was wir als wirklich verstehen ebenso wie das, was wir als wirklich erleben. &#8220;Star Trek promises so much to so many. Its textual credos include Infinite Diversity in Infinite Combinations (IDIC) and the Prime Directive (…). Star Trek&#8217;s visible attempts to ethnic and gender diversity (…) superficially validate liberal perspectives on multiculturalism and feminism&#8221; (Harrison et al. 1996:1). Science Fiction als Genre stellt kulturelle Mittel zur Verf&#252;gung, die die M&#246;glichkeiten der Verhandlung von Geschlechterdispositiven erweitern. Dennoch sind neue Verst&#228;ndnisse von Medien vonn&#246;ten, die sich vom Diktum der Medienwirkung l&#246;sen und Medien vielmehr als diskursive Agenten konzipieren denn als Wahrheitsmaschinen.</p>
<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Bernardi, Daniel Leonard (1998): Star Trek And History, New Jersey</li>
<li>Harrison, Taylor; Projansky, Sarah; Ono, Kent A.; Helford, Elyce Rae (1996): Enterprise Zones, Boulder</li>
<li>Pounds, Michael (1999): Race in Space, Kent</li>
<li>Rauscher, Andreas (2003): Das Ph&#228;nomen Star Trek, Mainz</li>
<li>Scheer, Uta (2002): Neue Geschlechterwelten?, M&#252;nster</li>
<li>Zipfel, Frank (2001): Fiktion, Fiktivit&#228;t, Fiktionalit&#228;t, Berlin</li>
</ul>
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		<title>Queer goes Pop? Zur Ambivalenz von Sichtbarkeit und Disziplinierung im Mainstream</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/queergoespop/</link>
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		<pubDate>Sat, 18 Apr 2009 10:12:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Queer ist inzwischen ein fester Bestandteil der uns umgebenden Popkulturen. Doch wie ist das Verh&#228;ltnis von Queer und Pop? Um welchen Preis wird Queer Pop? Das Spannungsfeld von Sichtbarkeit und Disziplinierung er&#246;ffnet einerseits neue R&#228;ume f&#252;r Identifikationen und &#252;berschreitet Grenzen ‚des Normalen', andererseits begrenzt es diese R&#228;ume zugleich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Queer ist inzwischen ein fester Bestandteil der uns umgebenden Popkulturen. Doch wie ist das Verh&#228;ltnis von Queer und Pop? Um welchen Preis wird Queer Pop? Das Spannungsfeld von Sichtbarkeit und Disziplinierung er&#246;ffnet einerseits neue R&#228;ume f&#252;r Identifikationen und &#252;berschreitet Grenzen ‚des Normalen&#8217;, andererseits begrenzt es diese R&#228;ume zugleich.</strong></p>
<p>Ein Blick ins Fernsehen f&#246;rdert heute erstaunliche Mengen an queeren Lebensweisen zutage. Seien es Daily Soaps wie             <a href="http://www.daserste.de/verboteneliebe">Verbotene Liebe</a> (ARD), aufw&#228;ndig produzierte US-amerikanische Prime             Time Serials wie <a href="http://www.hbo.com/sixfeetunder/about/index.shtml">Six Feet Under</a> (HBO/VOX) oder deutsche             Doku-Soaps wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frauentausch_%28Fernsehsendung%29">Frauentausch</a> (RTL 2) &#8211; ohne Schwule, Lesben, trans- oder bisexuelle Charaktere scheinen sie alle nicht mehr auszukommen. In der Verbotenen Liebe sehen wir Lesben heiraten und einen Schwulen gegen die Homophobie im Amateur- und Profi-Boxen k&#228;mpfen. In Six Feet Under sind wir beeindruckt von einem sehr religi&#246;sen Beerdigungsinstitutsleiter, der mit einem Ex-Polizisten zusammenlebt und Kinder adoptiert. &#220;ber f&#252;nf Staffeln der Serie hinweg ist ihre Beziehung die einzige, die Bestand hat. Bei Frauentausch tauchen statt der sonst ihre Qualit&#228;ten als Hausfrauen und M&#252;tter demonstrierenden Frauen Drag-Queens wie <a href="http://www.youtube.com/watch?v=HxzU2ambYFY">Nina</a> auf, die die Gastfamilie in der tristen Platte mit ausgedr&#252;ckten Kippen im Blumentopf und demonstrativ zur Schau gestelltem Desinteresse an h&#228;uslichen T&#228;tigkeiten zur Verzweiflung bringt.</p>
<p>Neben solchen Highlights sind in den letzten Jahren auch komplette Serien entstanden und erfolgreich gewesen, die explizit             nicht-heterosexuelle Geschichten erz&#228;hlen: <a href="http://www.sho.com/site/queer/home.do">Queer as Folk</a> (Showtime/Pro7)             oder <a href="http://www.sho.com/site/lword/home.do%20und%20http://www.l-word.org/">The L-Word</a> (Showtime/Pro7) haben             gro&#223;e Zuschauer_innenzahlen erreicht. Gerade r&#228;umt mit <a href="http://www.imdb.com/media/rm3813709568/tt0496328">Itty-Bitty-Titty-Committee</a> ein Indie-Kino-Film haufenweise Preise ab mit der Geschichte einer radikal-postmodern-queer-trans-feministischen             Aktivist_innen-Gruppe, die mit Witz, Sex und Radikalit&#228;t politische Aktionen ungemein attraktiv erscheinen l&#228;sst.</p>
<p>Auch wenn sich der Eindruck nicht von der Hand weisen l&#228;sst, dass in Zeiten von &#246;konomistisch verstandenem Diversity Management das Augenmerk der Werbeindustrie auf der Erschlie&#223;ung neuer Marktsegmente liegen d&#252;rfte: Diese Pr&#228;senz und Sichtbarkeit von sexuell verd&#228;chtigen Lebensweisen im Mainstream ist in dieser Breite neu und hoch erfreulich. Noch bis in die 1980er Jahre hinein war Homosexualit&#228;t auf der Leinwand und im Fernsehen entweder verschl&#252;sselt zu sehen, oder die Darstellungen bewegten sich meist in sehr engen Klischees, Abwertungen oder exzentrischen Exotisierungen. Bis in die 1960er Jahre war die Darstellung von Homosexualit&#228;t im US-amerikanischen Kino durch den von 1934 bis 1967 geltenden Hays-Code g&#228;nzlich verboten und l&#228;sst sich in vielen Produktionen nur ‚zwischen den Zeilen&#8217; erkennen (vgl. <a href="http://www.kultur-online.net/?q=node/2120">Gasperi 2008</a>).             Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hays_Code">Hays Code</a> war nie gesetzlich verankert, umso m&#228;chtiger aber fungierte er als Freiwillige Selbstkontrolle der Hollywood-Produktionsfirmen: Eine eigens zur Kontrolle eingesetzte Production Code Administration nahm jedes Drehbuch unter die Lupe und konnte hohe Geldstrafen verh&#228;ngen. Erst ein Gerichtsbeschluss aus den 1960er Jahren setze dem Hays Code schlie&#223;lich ein Ende.</p>
<h2>Sichtbarkeit er&#246;ffnet R&#228;ume f&#252;r Identifikation</h2>
<p>Die heute deutlich breitere Sichtbarkeit und Normalit&#228;t f&#252;r verschiedene sexuelle Orientierungen und Identit&#228;ten er&#246;ffnet neue R&#228;ume f&#252;r vielf&#228;ltigere Identifikationen. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender oder Transsexuelle werden durchaus differenziert und individuell dargestellt. Diese Sichtbarkeit tr&#228;gt auch ins letzte provinzielle Wohnzimmer, dass es auf dieser Welt auch etwas anderes als die heteronormative Klein- und Kleinstfamilie gibt. Die gezeigten Zweier-Liebesverh&#228;ltnisse sind zwar nicht g&#228;nzlich entstandardisiert und die Figuren sind auch nicht polymorph pervers &#8211; aber zumindest scheinen sie nur noch seriell monogam zu sein.</p>
<p>Die Repr&#228;sentationen der Charaktere sind vielf&#228;ltig: Gerade die Logik der Serie bietet mehr Spielr&#228;ume als ein m&#252;hsam formuliertes Flugblatt sie je aufzeigen k&#246;nnte: Nicht eine einzige Familie in der Verbotenen Liebe ist ‚klassisch&#8217;: Es sind hochkomplexe Patchwork-Familien, mehrfach wechseln M&#252;tter und V&#228;ter, Kinder kommen dazu, verschwinden wieder. Gerade die Daily Soaps pr&#228;sentieren uns das umk&#228;mpfte Feld der Identit&#228;t auf verbl&#252;ffend postmoderne Weise: Figuren wechseln ihre Identit&#228;ten und sexuellen Orientierungen, wie es gerade ins nie enden d&#252;rfende Drehbuch passt &#8211; sogar die Schauspieler_innen werden hin und wieder einfach ausgetauscht, ohne dass die Handlung unterbrochen w&#252;rde.</p>
<h2>Was ist der Preis der Sichtbarkeit?</h2>
<p>Und dennoch &#8211; bei aller Begeisterung: Sichtbarkeit von Queers im Pop gibt es nur f&#252;r den Preis der Disziplinierung. So             d&#252;rfen Schwule in der <a href="http://www.lindenstrasse.de/">Lindenstra&#223;e</a> (ARD) immer noch keinen Sex haben &#8211; Frauen in The L-Word daf&#252;r umso mehr. Die heteronormative Schaulust begrenzt die Sichtbarkeit auf ein scheinbar ertr&#228;gliches Mittelma&#223;, das nicht &#252;berfordert und dennoch die Lust auf das Exotische, das Andere bedient und n&#228;hrt. Zweigeschlechtlichkeit wird nur ausgesprochen selten grunds&#228;tzlich in Frage gestellt. Heteronormativit&#228;t als Matrix der Gesellschaft bleibt in der Regel unhinterfragt. Auch wenn Familien beispielsweise immer br&#252;chiger werden, suchen die meisten Figuren auf der Leinwand immer noch ihr Gl&#252;ck in der romantischen Zweierbeziehung. So bleibt Sichtbarkeit in einem Spannungsverh&#228;ltnis von Normalisierung auf der einen Seite und Disziplinierung auf der anderen Seite, um anschlussf&#228;hig an heterosexuell verfasste Gesellschaften zu bleiben &#8211; das eine ist ohne das andere nicht zu haben.</p>
<p>Es w&#228;re allerdings ein Fehler ‚abweichende&#8217; Sexualit&#228;ten im Mainstream nur dann anzuerkennen, wenn sie politisch korrekt und progressiv daher kommen w&#252;rden &#8211; damit werden Lebensweisen und Identit&#228;ten auch aus kritischer Perspektive markiert und zum Anderen gemacht. Warum sollte eine Lesbe in einer Daily Soap nicht stinklangweilig und spie&#223;ig sein d&#252;rfen? Das sind alle anderen Figuren ja auch.</p>
<p>Das Salz in der popkulturellen Suppe sind aber nat&#252;rlich genau die Figuren und Geschichten, die mit Hegemonialem             brechen &#8211; es entweder &#252;berspitzen oder unterlaufen, die Geschichten re-artikulieren, umschreiben, neu und anders             zitieren. Sie sind immer noch radikaler, lauter und progressiver und eher im Independent-Bereich zu finden als im             Mainstream, aber immer &#246;fter &#252;berschreiten sie die Grenzen.</p>
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		<title>Wo das Meer die S&#246;hne verschlingt</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/collectif/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Nov 2008 18:05:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Haidy Damm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Thiaroye-sur-mer. Der Name steht f&#252;r eine Trag&#246;die. Thiaroye-sur-Mer - kein anderer Ort im Senegal hat so viele Menschen auf dem Weg nach Europa verloren: Zwei Boote mit rund 170 &#252;berwiegend jungen M&#228;nnern aus dem fr&#252;heren Fischerdorf sind nie an ihrem Ziel angekommen. Ihre Pirogen sind irgendwo in der st&#252;rmischen See gekentert...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Thiaroye-sur-mer. Der Name steht f&#252;r eine Trag&#246;die. Thiaroye-sur-Mer &#8211; kein anderer Ort im Senegal hat so viele Menschen auf dem Weg nach Europa verloren: Zwei Boote mit rund 170 &#252;berwiegend jungen M&#228;nnern aus dem fr&#252;heren Fischerdorf sind nie an ihrem Ziel angekommen. Ihre Pirogen sind irgendwo in der st&#252;rmischen See gekentert.</strong></p>
<p>Einer der Verschollenen ist der Sohn von Aram Laye. Wenn sie an die Kanaren denkt, muss sie weinen. Die Inseln im Atlantik waren das Traumziel ihres Kindes. An diesen Str&#228;nden wollte er ankommen und aufbrechen in ein neues Leben. Es war vor etwas mehr als einem Jahr, als der 19-j&#228;hrige an der westafrikanischen K&#252;ste aufbrach. Im Morgengrauen stieg er in eine der bunt bemalten Pirogen und fuhr los. Seitdem gilt das Holzboot mit rund achtzig jungen M&#228;nnern an Bord als verschollen.</p>
<p>Anfangs ging Aram Laye jeden Morgen ans Meer. Starrte dorthin, wo das Wasser ihren Sohn genommen hatte. &#8220;Ich dachte, ich werde verr&#252;ckt&#8221;, sagt die 36-J&#228;hrige. Jetzt widersteht sie diesem inneren Zwang und trifft sich mit anderen Frauen im &#8220;Collectif des Femmes contre l&#8217;immigration clandestine&#8221;, einem Verband gegen die heimliche Migration. Dort haben alle die gleichen N&#246;te. Sie alle haben einen Sohn oder den Ehemann verloren.</p>
<p>Der Verlust bedeutet f&#252;r die Familien auch &#246;konomisch eine Katastrophe. Um die Reise zu finanzieren, hatten sie ihr Land, ihr Werkzeug und ihren Schmuck verkauft. Pl&#246;tzlich stehen sie vor dem Nichts. Doch das Leben muss weiter gehen, und deshalb gibt es das Kollektiv. Die Kehrtwende verdanken die Frauen der Gr&#252;nderin des Verbands, Yaye Bayam Diouf. Die energische Frau hat beinahe jede von ihnen pers&#246;nlich aus dem Zustand ohnm&#228;chtiger Trauer herausgeholt.</p>
<h3>Der Top-Ringer hilft den Frauen</h3>
<p>Alle vertrauen Diouf, denn auch sie hat einen Sohn, ihren einzigen, bei einer der &#220;berfahrten verloren. Zun&#228;chst ging die 48-J&#228;hrige ganz pragmatisch an die Sache heran. Die Frauen brauchten Geld f&#252;r ihren Lebensunterhalt. Selbsthilfe war das Gebot der Stunde. Deshalb verkaufen sie jetzt Couscous und Saft aus Hibiskusbl&#252;ten in den Stra&#223;en. Die Zutaten wie Hirse und Fr&#252;chte kaufen sie gemeinsam, jede von ihnen legt monatlich 1250 cFA, das sind knapp zwei Euro, in den gemeinsamen Topf. Abends wird der Lohn ausgezahlt: 1000 cFA bar auf die Hand. Der Rest des Gewinns wird angespart f&#252;r Notf&#228;lle und Kleinkredite. Au&#223;erdem plant der Verband weitere Arbeitspl&#228;tze zu schaffen.</p>
<p>Auch Aram Laye wurde finanziell unterst&#252;tzt. Sie arbeitet nachmittags im Kollektiv und freut sich, die anderen Frauen zu treffen. Morgens verkauft sie Baignets, kleine Hefeb&#228;llchen, die sie sp&#228;t abends noch vorbereiten muss. &#8220;Das ist viel Arbeit, aber ich habe das Gef&#252;hl, mein Leben wieder in der Hand zu haben.&#8221; Wenn sie die Trauer &#252;berf&#228;llt, gibt es immer eine, die zuh&#246;rt, die versteht.</p>
<p>Wenn die Frauen ihre K&#246;rbe voller Essen auf dem Kopf durch die Stra&#223;en tragen, nutzen sie viele kleine Gelegenheiten, &#252;ber ihr politisches Anliegen zu sprechen. Sie wollen andere M&#228;nner von der Reise mit den kleinen Pirogen abhalten. &#8220;Wir haben ja selbst unseren S&#246;hnen die Tickets nach Europa gekauft&#8221;, sagt Aby Samb traurig: &#8220;Einige sind ja auch dort angekommen, aber die meisten sind auf der Reise gestorben. Als wir das begriffen, haben wir versucht, den anderen Frauen zu sagen, wir m&#252;ssen diese Situation &#228;ndern, wir k&#246;nnen unsere S&#246;hne nicht weiter auf dem Meer sterben lassen.&#8221;</p>
<p>Innerhalb eines Jahres hat sich die Mitgliederzahl des Frauenkollektivs auf 550 verdreifacht. Alle in dieser Stadt sind betroffen. Die M&#252;tter hatten sie schnell auf ihrer Seite. Was aber tun, um ihre S&#246;hne zu behalten? Aby Samb, Generalsekret&#228;rin des Verbands, lacht: &#8220;Es ist bei uns ja wie &#252;berall auf der Welt, Kinder gehen ihre eigenen Wege und h&#246;ren irgendwann nicht mehr auf die Alten. Also versuchen wir, die Menschen auf unsere Seite zu ziehen, auf die sie h&#246;ren.&#8221; W&#228;hrend des Ramadan organisierte das Kollektiv ein Treffen zwischen Imamen und Jugendlichen, denn fast alle haben einen Marabout, einen islamischen Heiler, dem sie Vertrauen schenken. Bevor sich einer auf die Reise macht, fragt er ihn um Rat. Nach Ansicht der Frauen, kann der Rat nur lauten: Steig nicht in das Boot.</p>
<p>F&#252;r ihre Sache &#252;berzeugen konnten sie auch Baye Mandione Fall. &#8220;Kennen sie ihn nicht?&#8221;, fragt Aby Samb. &#8220;Er ist ein ber&#252;hmter Ringer. Wir organisieren Wettk&#228;mpfe und versuchen durch Stars wie ihn, den Jugendlichen zu erkl&#228;ren, dass man auch hier im Senegal eine Arbeit finden kann.&#8221; Ringkampf ist neben Fu&#223;ball eine der ganz gro&#223;en Sportarten im Senegal. Am Rande der K&#228;mpfe diskutiert Baye Mandione mit seinen Fans. &#8220;Selbst wenn einer keine gro&#223;en Chancen hat, ist das kein Grund, sein Leben zu riskieren&#8221;, erkl&#228;rt ihnen der 120-Kilo-Mann. Einige kann er &#252;berzeugen, wie den 20-j&#228;hrigen Fischer Gorgui: &#8220;Ich hatte mein Gep&#228;ck bereits vorbereitet. Aber nach der Diskussion habe ich mich entschieden zu bleiben. Vielleicht habe ich ja auch hier eine Chance.&#8221;</p>
<h3>Ohne Arbeit keine Perspektive</h3>
<p>Aber die meisten jungen M&#228;nner, die am Strand f&#252;r einen Job anstehen, warten weiter auf einen Platz in einem der Boote. Die M&#252;tter k&#246;nnen zwar moralischen Druck aufbauen, aber die finanzielle Situation ihrer erwachsenen S&#246;hne und T&#246;chter k&#246;nnen sie kaum ver&#228;ndern. Denn die bekommen keine regelm&#228;&#223;ige Arbeit und sie wollen ihren Familien nicht auf der Tasche liegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 48 Prozent. In Thiaroye-sur-Mer haben viele Fabriken geschlossen, der K&#252;stenboden gibt f&#252;r Landwirte kaum etwas her und das Meer, jahrhundertealte Haupteinnahmequelle, ist von europ&#228;ischen und japanischen Fangflotten leer gefischt.</p>
<p>Um Arbeit zu finden, wollen die jungen M&#228;nner bis nach Europa. Wie Mamadou Tall. Der 22-j&#228;hrige Fischer hatte die Chance ergriffen, als ihm ein freier Platz als Fahrer auf einem Boot angeboten wurde. Noch vor Marokko entdeckte sie ein Hubschrauber des Grenzschutzes. Kurz darauf wurden sie von der bewaffneten K&#252;stenwache aufgegriffen und zur&#252;ckgeschickt. Mit einem Boot w&#252;rde er nicht nochmal fahren, auch weil seine Mutter ihm ins Gewissen geredet hat. Jetzt hofft Mamadou Tall auf ein Flugticket nach Europa. &#8220;Warum d&#252;rfen unsere Jungs nicht legal einreisen? Warum k&#246;nnen sie nicht dort Geld verdienen, wo sie wollen? Ihr kommt doch auch hierher und fischt unsere Meere leer&#8221;, ruft eine H&#228;ndlerin, die am Strand Fische verkauft.</p>
<p>Es ist der Strand, den Aram Laye meidet. K&#246;nnte ihr zweiter Sohn sicher nach Europa fliegen, wie die Urlauber zu den Kanaren, w&#228;re sie beruhigt. Stattdessen versucht sie ihn von seiner geplanten Reise abzuhalten: &#8220;Geh nicht&#8221;, habe ich ihm gesagt. &#8220;Ich &#252;berlebe das nicht, wenn du auch stirbst.&#8221;</p>
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		<item>
		<title>Gender Trouble im Web 2.0 &#8211; Sexismus, Homophobie, Antifeminismus und Heteronormativit&#228;t im neuen alten Internet</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/web2/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Jan 2008 18:22:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tanja Carstensen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit den heutzutage zur Verf&#252;gung stehenden M&#246;glichkeiten der Weblogs, Wikis, des Podcasting und Communities wie YouTube, MySpace und dem studiVZ verspricht das Internet eine st&#228;rkere Partizipation der Netznutzer_innen und neue Beteilungsformen. Aus Geschlechterperspektiven bleibt das "Web 2.0" allerdings ambivalent. Neben queer-feministischen Interventionen kommt es gleichzeitig immer wieder zu antifeministischen, homophoben und sexistischen Angriffen aus der Mitte der Web 2.0-Community...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Mit den heutzutage zur Verf&#252;gung stehenden M&#246;glichkeiten der Weblogs, Wikis, des Podcasting und Communities wie YouTube, MySpace und dem studiVZ verspricht das Internet eine st&#228;rkere Partizipation der Netznutzer_innen und neue Beteilungsformen. Aus Geschlechterperspektiven bleibt das &#8220;Web 2.0&#8243; allerdings ambivalent. Neben queer-feministischen Interventionen kommt es gleichzeitig immer wieder zu antifeministischen, homophoben und sexistischen Angriffen aus der Mitte der Web 2.0-Community.</strong></p>
<p>Seit einiger Zeit ist das Internet nicht mehr das alte: Es ist nun &#8220;Web 2.0&#8243;. E-Mails, Homepages, Foren und Chats wirken antiquiert verglichen mit den heutzutage zur Verf&#252;gung stehenden M&#246;glichkeiten der Weblogs, Wikis, des Podcasting und Communities wie &#8220;YouTube&#8221;, &#8220;MySpace&#8221; und dem &#8220;studiVZ&#8221;. Das ‚neue&#8217; Internet erm&#246;glicht kooperative Arbeit an Dokumenten und verspricht eine st&#228;rkere Partizipation der Netznutzer_innen sowie neue Beteilungsformen. Wieder &#252;berschlagen sich die Hoffnungen auf Demokratisierung, Entmachtung der Diskurshoheit der Massenmedien, auf neue &#214;ffentlichkeiten, Gemeinschaftsbildung und Vernetzung.</p>
<p>Feministische Diskussionen hatten in den 1990er Jahren fr&#252;h die Ambivalenz des Internets aus Geschlechterperspektiven sichtbar gemacht: Neben wertvollen M&#246;glichkeiten der Vernetzung untereinander und der Einflussnahme auf hegemoniale Diskurse ist pornografischen und sexistischen Angeboten sowie diskriminierenden Erfahrungen im Internet kaum aus dem Weg zu gehen.</p>
<p>Mit den M&#246;glichkeiten des Web 2.0 scheinen sich die Verh&#228;ltnisse nun noch zu versch&#228;rfen. Aus queer-feministischen Zusammenh&#228;ngen sind so spannende Angebote wie das &#8220;<a href="http://maedchenblog.blogsport.de/">m&#228;dchenblog</a>&#8220;, das <a href="http://genderblog.de/">&#8220;Genderblog&#8221;</a> und das <a href="http://www.genderwiki.de/">&#8220;Gender@Wiki&#8221;</a> entstanden, die das Web 2.0 um feministische Interventionen bereichern. Das m&#228;dchenblog versteht sich beispielsweise als offenes feministisches Gemeinschaftsprojekt und will Themen wie Beziehungen, K&#246;rper, Sexualit&#228;t, aber auch Politik und Popkultur anders verhandeln als dies in den g&#228;ngigen M&#228;dchen- und Jugendzeitschriften geschieht. Im Genderblog wird zum neuen Gleichstellungsgesetz, zu Elternschaft, zur Frage, wozu wir noch Geschlechter brauchen und zu vielem anderen diskutiert, es werden B&#252;cher vorgestellt und aktuelle Themen kommentiert. Beide Blogs sind Orte engagierter Diskussionen zu Feminismus, sie decken Sexismus auf und prangern Antifeminismus an. Au&#223;erdem finden sich hier viele Links zu anderen feministischen Blogs und Seiten im Internet. Auch mit dem Gender@Wiki ist eine spannende Alternative zur Online-Enzyklop&#228;die Wikipedia entstanden, in der Informationen, Entwicklungen und Wissen aus der Frauen- und Geschlechterforschung gesammelt werden. Die Wiki- und Weblog-Technologien unterst&#252;tzen die gegenseitige Verlinkung, die inhaltliche Bezugnahme und laden zur Mitarbeit, Kommentierung und Diskussion ein. So offenbart sich im Netz eine aktive, sehr gut untereinander vernetze Szene an feministisch interessierten und engagierten Menschen.</p>
<p>Gleichzeitig kommt es aber immer wieder zu antifeministischen, homophoben und sexistischen Angriffen aus der Mitte der Web 2.0-Community: So l&#246;schte zum Beispiel <a href="http://www.myspace.com/">&#8220;MySpace&#8221;</a> im M&#228;rz 2007 das Profil der kanadischen Band <a href="http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewProfile&amp;friendID=5524209">&#8220;Kids on TV&#8221;</a>. Mit dem standardisierten Hinweis auf einen &#8220;Versto&#223; gegen die Nutzungsbedingungen&#8221; gingen unwiederbringlich s&#228;mtliche Daten und damit auch 14.000 Kontakte der schwul-lesbischen Band verloren. Als Verst&#246;&#223;e gelten &#252;blicherweise &#8220;Nacktbilder oder anst&#246;&#223;ige und gewaltt&#228;tige Bilder, das &#220;berdecken der Bannerwerbung mit HTML-Codes, die Bel&#228;stigung anderer User, das Zuspamen von Foren oder G&#228;steb&#252;chern, das Aufbl&#228;hen von Scores oder die User sind noch zu jung.&#8221; Dass diese Regeln sonst nur halbherzig von MySpace umgesetzt werden, zeigt die zahlreiche Porno-Werbung auf ihren Seiten. Gegen welche der Nutzungsbedingungen Kids on TV genau versto&#223;en haben soll oder was sonst als Grund f&#252;r die L&#246;schung diente, war von MySpace hingegen nicht zu erfahren. Nach vehementen Protesten zog sich MySpace dann auf die Erkl&#228;rung eines &#8220;Versehens&#8221; zur&#252;ck und stellte die Seite wieder ins Netz. Es l&#228;sst sich wohl nicht abschlie&#223;end kl&#228;ren, warum das Profil von Kids on TV gel&#246;scht wurde. Hinweise auf homophobe Motive liefern allerdings interne Diskussionen in <a href="http://www.myspace.com/myspaceprofiledeletions">Diskussionsforen zum Thema Zensur</a>,  wo sich zeigt, dass die L&#246;schung von Kids on TV keineswegs ein Einzelfall war, sondern dass es noch weitere F&#228;lle von L&#246;schungen unkommerzieller Seiten mit schwulen, lesbischen und queeren Inhalten gegeben hat.</p>
<p>Queer-feministische Inhalte zu l&#246;schen, stand auch in der <a href="http://de.wikipedia.org/">&#8220;freien Enzyklop&#228;die Wikipedia&#8221;</a> zur Debatte. Im August 2007 wurden dort die Eintr&#228;ge zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ladyfest">&#8220;Ladyfest&#8221;</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Riot_grrrl">&#8220;Riot grrrl&#8221;</a>zur L&#246;schung vorgeschlagen. Neben Kritik an Relevanz und Qualit&#228;t der Eintr&#228;ge &#8211; der Ladyfest-Artikel wurde als &#8220;freie Assoziation zum Thema&#8221; charakterisiert, er sei nicht objektiv &#8211; schien den L&#246;sch-Bef&#252;rworter(_inne?)n aber auch das Verst&#228;ndnis von Geschlecht als &#8220;hegemoniale heterosexuell verfasste Zweigeschlechtlichkeit&#8221; kritikw&#252;rdig: &#8220;Ich dachte immer das h&#228;tte was mit Genetik zu tun.&#8221; Auch die im Beitrag enthaltene Aussage, Frauen und M&#228;dchen seien innerhalb der Musik- und Kunstszene unterrepr&#228;sentiert, wurde angezweifelt und als Argument f&#252;r die L&#246;schung herangezogen (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/5._August_2007#Ladyfest_.28bleibt.29">vgl. Wikipedia</a>). F&#252;nf Minuten sp&#228;ter schlug einer der an der Diskussion beteiligten Personen dann auch noch die L&#246;schung des Eintrags zu &#8220;Riot grrrl&#8221; vor:</p>
<p>&#8220;Ich will mal ganz ketzerisch die Frage nach der Relevant stellen und frage mich auch was das nun genau sein soll. Entstanden in einem eher unedeutenden Kaff, reagiert wie auch immer auf eine empfundene m&#228;nnliche Dominanz in der Musikszene (ist dem so? Wenn ich Radio h&#246;re habe ich den Eindruck &#246;fter Frauen, denn M&#228;nner singen zu h&#246;ren), und dann ein paar nicht wirklich bekannte Musikkapellen als Beispiele. Als Literatur werden vor allem Artikel in Zeitschriften mit doch sehr sehr begrenzter Leserschaft angegeben, die Weblinks sind irgendwelche Foren. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, da&#223; hier krampfhaft etwas gro&#223; geschrieben werden soll, von dem kaum jemand je Notiz genommen hat.&#8221; (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/5._August_2007#Riot_grrrl_.28erledigt.29">vgl. Wikipedia</a>)</p>
<p>Gl&#252;cklicherweise fanden sich in der Wikipedia-Community gen&#252;gend engagierte Menschen, die schnell, fundiert und energisch die Relevanz und Berechtigung dieser beiden Artikel belegen konnten und sie somit vor der L&#246;schung bewahrt haben. &#196;rgerlich bleibt dennoch, dass feministische Themen offensichtlich immer wieder verteidigt werden m&#252;ssen.</p>
<p>Weniger erfolgreich verliefen bisher die Versuche innerhalb der gr&#246;&#223;ten deutschen Studierenden-Community <a href="http://www.studivz.net/">&#8220;studiVZ&#8221;</a>, den Zwang zur eindeutigen zweigeschlechtlichen Positionierung bei der Anmeldung und im Benutzer_innenprofil abzuschaffen. W&#228;hrend es im Internet in anderen Communities durchaus die M&#246;glichkeit gibt, ohne eine eindeutige Angabe eines Geschlechts Mitglied werden zu k&#246;nnen (z.B. auf der Musikplattform <a href="http://www.lastfm.de/">&#8220;last.fm&#8221;</a> oder in der Foto-Community <a href="http://www.flickr.com/">&#8220;flickr.com&#8221;</a>, besteht studiVZ auf einer Entscheidung zwischen entweder m&#228;nnlich oder weiblich und weist die potenziellen Mitglieder bei einer Nicht-Wahl bestimmt darauf hin: &#8220;Bei uns k&#246;nnen sich nur weibliche oder m&#228;nnliche Wesen anmelden!&#8221; Zudem sind die meisten Funktionsbezeichnungen in m&#228;nnlicher Form gehalten (z.B. Moderator, Student). In internen Diskussionen in der Community setzten sich Studierende f&#252;r eine geschlechtergerechte Sprache ein; ihre Argumente wurden aber mit biologistischen und technikdeterministischen Begr&#252;nden abgewiegelt: Zum einen wurde Zweigeschlechtlichkeit als biologisches Fakt behauptet, zum anderen zogen sich Administratoren auf die unsinnige Position zur&#252;ck, es w&#228;re &#8220;h&#246;chst kompliziert&#8221;, andere als bin&#228;re Kategorien im Benutzer_innenprofil und geschlechtergerechte Sprachformen zu programmieren.</p>
<p>Vieles an diesen Auseinandersetzungen erinnert an die alten Zeiten des ‚ersten&#8217; Internets. Queere und feministische Inhalte k&#246;nnen keinesfalls unbeschadet im Internet bestehen, sondern sind immer wieder Rechtfertigungsdruck ausgesetzt. Erkenntnisse wie die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit sind mit biologistischen Totschlagargumenten konfrontiert. Aber es zeigt sich auch, dass sich Widerstand lohnt. Proteste gegen L&#246;schungen haben Erfolg und machen deutlich, dass es eine k&#228;mpferische queer-feministische Community im Web 2.0 gibt, die das Internet nicht konservativen und antifeministischen Kr&#228;ften &#252;berl&#228;sst. Es bleibt also spannend im Web 2.0, Geschlecht bleibt umk&#228;mpft und das Internet ein wichtiger Ort f&#252;r diese K&#228;mpfe.</p>
<h3>Weiterf&#252;hrende Links</h3>
<ul>
<li>jetzt.de: Neue Abh&#228;ngigkeit: Warum sind &#8220;Kids On TV&#8221; aus Myspace geflogen? (<a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/370095">http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/370095</a>)</li>
<li>laut.de: Kids On TV: MySpace entschuldigt sich (<a href="http://www.laut.de/vorlaut/news/2007/04/16/14992/index.htm">http://www.laut.de/vorlaut/news/2007/04/16/14992/index.htm</a>)</li>
<li>Intro: Politische Zensur beim Netzwerkriesen? (<a href="http://www.intro.de/news/23040079">http://www.intro.de/news/23040079</a>)</li>
<li>Telepolis: &#8220;Bart Simpson Child Fucker. MySpace l&#246;scht Profile, l&#228;sst die Nutzer aber &#252;ber die Gr&#252;nde im Unklaren&#8221; (<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24809/1.html">http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24809/1.html</a>)</li>
<li>Jungle World: Die Band aus dem Badehaus. Kids On TV haben die Zensoren von Myspace besiegt. (<a href="http://jungle-world.com/seiten/2007/16/9781.php">http://jungle-world.com/seiten/2007/16/9781.php</a>)</li>
<li>Die Welt: Wie MySpace seine Nutzer &#252;berwacht (<a href="http://www.welt.de/webwelt/article774897/Wie_Myspace_seine_Nutzer_ueberwacht.html">http://www.welt.de/webwelt/article774897/Wie_Myspace_seine_Nutzer_ueberwacht.html</a>)</li>
<li>Netzeitung.de: Schwule und Lesben werfen Myspace Zensur vor (<a href="http://www.netzeitung.de/internet/584452.html">http://www.netzeitung.de/internet/584452.html</a>)</li>
</ul>
<p>Ich danke Henning W&#246;tzel-Herber und Melanie Gro&#223; f&#252;r wertvolle Hinweise.</p>
<p>Ein ausf&#252;hrlicher Artikel (auf englisch) findet sich unter:</p>
<p><a title="Carstensen GICT" href="http://www.informatik.uni-bremen.de/soteg/gict2009/proceedings/GICT2009_Carstensen.pdf"> Carstensen, Tanja: Gender Trouble in Web 2.0. Gender perspectives on social network sites, wikis and weblogs, Online Proceeding of the 5th European Symposium on Gender &amp; ICT. Digital Cultures: Participation &#8211; Empowerment &#8211; Diversity, March 5 &#8211; 7, 2009 &#8211; University of Bremen</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Feminismus is en vogue! Aber welcher Feminismus?</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/feminismus_riegraf/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/feminismus_riegraf/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 17 Dec 2007 18:54:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Birgit Riegraf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Jahrelang galt Feminismus in Deutschland als Schimpfwort. Seit einiger Zeit entdecken die Medien das Label "Feminismus" f&#252;r ihre Titelseiten. "Wir brauchen einen neuen Feminismus" forderte unl&#228;ngst die "Zeit". Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin f&#252;hlt sich berufen, eine "Streitschrift f&#252;r einen neuen Feminismus" zu verfassen. Ursula von der Leyen findet in einer Ausgabe der FAZ von 2007 "Konservativer Feminismus" eine spannende Wortpr&#228;gung. Die Forderung nach einem "neuen" Feminismus wird diskussions- und salonf&#228;hig. Einen Vorwand und den Kontrapunkt daf&#252;r liefert Eva Herman, die penetrant verk&#252;ndet, dass die Frau ins Heim zu Kind und Mann geh&#246;rt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Jahrelang galt Feminismus in Deutschland  als Schimpfwort. Seit einiger Zeit entdecken die Medien das Label                  &#8220;Feminismus&#8221; f&#252;r ihre Titelseiten. &#8220;Wir brauchen einen neuen Feminismus&#8221; forderte unl&#228;ngst die &#8220;Zeit&#8221;. Die                  FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin f&#252;hlt sich berufen, eine &#8220;Streitschrift f&#252;r einen neuen Feminismus&#8221; zu                  verfassen. Ursula von der Leyen findet in einer Ausgabe der FAZ von 2007 &#8220;Konservativer Feminismus&#8221; eine                  spannende Wortpr&#228;gung. Die Forderung nach einem &#8220;neuen&#8221; Feminismus wird diskussions- und salonf&#228;hig. Einen                  Vorwand und den Kontrapunkt daf&#252;r liefert Eva Herman, die penetrant verk&#252;ndet, dass die Frau                  ins Heim zu Kind und Mann geh&#246;rt.</strong></p>
<p>In der Diskussion &#252;ber den &#8220;neuen&#8221; Feminismus findet eine Auseinandersetzung um die Definition des Begriffs statt. Das Zerrbild eines &#8220;alten&#8221; Feminismus wird gezeichnet, der als Abgrenzungsfolie herhalten muss, um die Konturen des &#8220;neuen&#8221; Feminismus zeichnen zu k&#246;nnen. Das Bild des &#8220;alten&#8221; Feminismus wird wie folgt gemalt: Er sei eng verwoben mit einer radikalen Frauenbewegung, deren Forderungen und Strategien als &#252;berholt gelten und schon allein aus diesem Grunde abzulehnen sind. Im &#8220;alten&#8221; Feminismus h&#228;tten M&#228;nner generell als Aggressoren gegolten, Heterosexualit&#228;t sei als das grundlegende &#220;bel aller Diskriminierung identifiziert worden und Frauen, die den Lippenstift aus der Tasche holten, seien als Teil des Patriarchats diskreditiert worden (Dorn 2006, S. 36f). Eines haben alle die aufgef&#252;hrten Beitr&#228;ge &#252;ber einen &#8220;neuen&#8221; Feminismus gemeinsam: Zu Eva Hermans r&#252;ckw&#228;rtsgewandter Vision von Weiblichkeit will keine der Vertreterinnen zur&#252;ck. Aber auch keine der Protagonistinnen will Teil einer Frauenbewegung sein, als deren abschreckende Vertreterin immer wieder Alice Schwarzer zitiert wird.</p>
<p>Aber was zeichnet nun den proklamierten &#8220;neuen&#8221; Feminismus aus, der sich jenseits traditioneller Geschlechterbilder und der Frauenbewegung verorten m&#246;chte? Worin genau unterscheidet er sich vom &#8220;alten&#8221; Feminismus? Zun&#228;chst einmal zeigt die gegenw&#228;rtige Diskussion um den Feminismus, dass einige Themen der Frauenbewegung in der breiten Gesellschaft angekommen sind. Forderungen, wie die nach mehr Krippenpl&#228;tze f&#252;r Kinder oder die Aufhebung der Unterrepr&#228;sentanz von Frauen in F&#252;hrungspositionen finden sich in den Programmen von Parteien und Gewerkschaften wieder und werden in der politischen Sph&#228;re verhandelt. Die Diskussion zeigt aber auch, dass die Ungleichheiten innerhalb der Gruppe der Frauen durch die Eroberung neuer gesellschaftlicher R&#228;ume und Positionen noch gr&#246;&#223;er geworden sind. Die Interessen sind heute so vielf&#228;ltig geworden, dass nicht nur ein gemeinsames &#8220;Wir&#8221; abhanden gekommen ist oder sich zumindest nicht mehr einfach finden l&#228;sst, sondern dass auch Koalitionen jenseits der Geschlechtergrenzen gew&#228;hlt werden und Abgrenzungen deutlich gezogen werden, um eigene Karriereninteressen in Parteien oder Medien nicht zu gef&#228;hrden.</p>
<p>Die &#246;ffentliche und medienwirksame Diskussion &#252;ber den &#8220;neuen&#8221; Feminismus&#8221; wird von erfolgreichen Politikerinnen, Schriftstellerinnen oder Managerinnen und nicht von Migrantinnen, Hartz IV Empf&#228;ngerinnen oder von Besch&#228;ftigten auf schlecht bezahlten Erwerbsarbeitspl&#228;tzen im Dienstleistungssektor dominiert. Politikerinnen, Schriftstellerinnen oder Managerinnen sind darin ge&#252;bt, ihre Interessen in einer breiten &#214;ffentlichkeit rhetorisch geschickt zu vertreten und sie sind aus diesem Grunde in der Lage den Begriff des Feminismus in eine breite &#214;ffentlichkeit zu tragen und ganz in ihrem Interesse inhaltlich (neu) zu definieren. Themen dieses &#8220;neuen&#8221; Feminismus sind die Vereinbarkeit zwischen Karriere und Beruf oder Karrierebarrieren, wie Seilschaften und Feierabendb&#252;ndnisse zwischen M&#228;nnern. Sie sind Ausdruck der Lebenssituation und der Interessen dieser vergleichsweise privilegierten Gruppen, die nichts zu tun haben m&#246;chten mit einer Frauenbewegung, die mit &#8220;.verbrannten BHs und Frauen-Lesben-Referaten und der Verteufelung der Heterosexualit&#228;t&#8221; (Dorn 2006) in Verbindung gebracht wird. Dass es sich hierbei keineswegs um eine angemessene Beschreibung der Frauenbewegung handelt und dass diese Bewegung die Grundlage f&#252;r die Erfolge derjenigen Frauen legte, die sich nun medienwirksam zu Wort melden, scheint dabei nicht zu st&#246;ren.</p>
<p>Die FDP-Politikerinnen Silvana Koch-Mehrin m&#246;chte f&#252;r einen Feminismus einstehen, der sich &#8220;nicht gegen die Herrschaft des Mannes&#8221; wendet, sondern &#8220;die Freiheit der Frau&#8221; fordert. Aus ihrer Sicht verlaufen &#8220;die Konfliktlinien unabh&#228;ngig vom Geschlecht zwischen denjenigen, die eine Gesellschaft wollen, in denen sich M&#228;nner und Frauen auf Augenh&#246;he begegnen, und denen, die an vorgefertigten Rollenbildern kleben&#8221;. Sie grenzt sich gegen einen &#8220;alten&#8221; Feminismus ab, der angeblich jeden Mann als Aggressor betrachtet. Sie versteht sich auch nicht als Mitglied der Frauenbewegung, der sie zuschreibt, dass sie sich vorwiegend &#252;ber einen Opferstatus definiert (Oestreich/ Schmitt 2007). Als Opfer will sich Silvana Koch-Mehrin auf keinen Fall verstehen (Hark/ Kerner 2007). Feminismus hei&#223;t in ihrer Version, Frauen &#252;ber mehr Krippenpl&#228;tze Wahlfreiheiten in Bezug auf Kinder und Karriere zu bietet, ohne dass berufst&#228;tige Frauen stigmatisiert werden. Ganz im Sinne des liberalen Parteiprogramms w&#252;nscht sie sich auch, dass das Leistungsprinzip durch das m&#228;nnliche Kungelprinzip ersetzt werden soll, um Frauen echte Karrierenm&#246;glichkeiten zu bieten.</p>
<p>Themen jenseits der Vereinbarkeitsproblematik und Fragen des beruflichen Aufstiegs, wie sexuelle Ausbeutung, Migration, prek&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse oder Gewaltverh&#228;ltnisse bleiben im Forderungskatalog des &#8220;neuen&#8221; Feminismus bislang Leerstellen. Wer diese Themen dennoch entschlossen auf die Tagesordnung setzt, als Bestandteil feministischer Forderungen sehen m&#246;chte und sie gegebenenfalls in einer Frauenbewegung mit Mitteln jenseits traditioneller partei- oder unternehmenspolitischer Strategien durchsetzen m&#246;chte, l&#228;uft schnell Gefahr eben von den &#8220;neuen&#8221; Feministinnen als Vertreterin des &#8220;alten&#8221; Feminismus diskreditiert zu werden, dessen Errungenschaften in der Vergangenheit fallweise zwar durchaus gew&#252;rdigt werden, aber dessen inhaltliche Forderungen und politische Strategien als verstaubt und antiquiert hingestellt werden.</p>
<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Oestreich, Heide/ Schmitt, Cosima (2007): U&#228;h, die ist Feministin!, TAZ 08.03. 2007</li>
<li> Thea Dorn (Hg.) (2006): Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird, M&#252;nchen</li>
<li> Hark, Sabine/ Kerner, Ina (2007) Der Feminismus ist tot? Es lebe der Feminismus! Das &#8220;False Feminist Death-Syndrome&#8221;, http://www.querelles-net.de/forum/forum21/harkkerner.shtml</li>
<li> Silvana Koch-Mehrin (2007). Schwestern &#8211; Streitschrift f&#252;r einen neuen Feminismus, Berlin</li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Popul&#228;re Lesarten des Feminismus als Chance f&#252;r gesellschaftskritische Debatten nutzen!</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/feminismus_winker/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/feminismus_winker/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Oct 2007 18:50:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gabriele Winker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist der Feminismus tot oder neu und anders lebendig? Diese Frage wird in den bundesrepublikanischen Massenmedien derzeit wieder verst&#228;rkt diskutiert. In die mediale Aufmerksamkeit kehren Feminismen zur&#252;ck, die im neoliberalen Gewande nach dem Motto - jede ist ihres Gl&#252;ckes Schmiedin - die individuellen Leistungen und Karrierem&#246;glichkeiten von Frauen als Unternehmerinnen ihrer selbst betonen oder im differenzfeministischen Gegenmodell auf die F&#252;rsorgeverantwortung und -w&#252;nsche von Frauen verweisen. Ich sehe in diesen oft &#228;rgerlichen und unfruchtbaren Debatten - beispielsweise in den Auseinandersetzungen mit Eva Herrmann, aber auch der F-Klasse von Thea Dorn - durchaus eine positive Herausforderung f&#252;r ein verst&#228;rktes gesellschaftskritisches Engagement aus marxistisch-feministischen und queer-feministischen Perspektiven...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Ist der Feminismus tot oder neu und anders lebendig? Diese Frage wird in den bundesrepublikanischen Massenmedien derzeit wieder verst&#228;rkt diskutiert. In die mediale Aufmerksamkeit kehren Feminismen zur&#252;ck, die im neoliberalen Gewande nach dem Motto &#8211; jede ist ihres Gl&#252;ckes Schmiedin &#8211; die individuellen Leistungen und Karrierem&#246;glichkeiten von Frauen als Unternehmerinnen ihrer selbst betonen oder im differenzfeministischen Gegenmodell auf die F&#252;rsorgeverantwortung und -w&#252;nsche von Frauen verweisen. Ich sehe in diesen oft &#228;rgerlichen und unfruchtbaren Debatten &#8211; beispielsweise in den Auseinandersetzungen mit Eva Herrmann, aber auch der F-Klasse von Thea Dorn &#8211; durchaus eine positive Herausforderung f&#252;r ein verst&#228;rktes gesellschaftskritisches Engagement aus marxistisch-feministischen und queer-feministischen Perspektiven.</strong></p>
<p>Bevor allerdings feministische Positionen neu bestimmt werden k&#246;nnen, gilt es die Schwierigkeiten zu analysieren, in die feministische Politik in der BRD in den letzten zumindest 20 Jahren geraten ist. Vor allem gleichstellungspolitisch ausgerichtete liberalfeministische Ideen wurden wirtschaftspolitisch instrumentalisiert. Wie dies funktioniert, haben Boltanski/Chiapello (2003) an einem anderen Beispiel, n&#228;mlich der von ihnen so genannten K&#252;nstlerkritik der 1968er-Generation verdeutlicht. Das von Teilen dieser politischen Bewegung gesellschaftskritisch verstandene Ziel nach entfremdungsfreier Arbeit eignete sich gut f&#252;r eine ideologische Rechtfertigung der neoliberalen Neuausrichtung. Die zunehmenden Anforderungen an Erwerbst&#228;tige, im Beruf eigenverantwortlich hoch effizient t&#228;tig zu sein, sich lebenslang zu bilden und ein an die Erwerbsarbeit flexibel angepasstes Leben zu f&#252;hren, k&#246;nnen als Befreiung von tayloristischen Entm&#252;ndigungen und diskriminierenden Hierarchien verstanden werden. Die K&#252;nstlerkritik l&#228;uft seither ins Leere, soweit sie nicht mit einer grundlegenden Sozialkritik verbunden wird, die strukturelle Ungerechtigkeiten im Visier hat.</p>
<p>Nicht anders freilich ist es den feministischen Forderungen nach beruflichen Gleichstellungen zwischen den Geschlechtern ergangen, entsprechen doch auch sie den kapitalistischen Verwertungsanforderungen in neoliberalen Zeiten. Jeder und jede soll &#8211; unabh&#228;ngig vom Geschlecht &#8211; eigenverantwortlich und &#246;konomisch selbstst&#228;ndig sein oder ihr Leben gestalten und f&#252;r die eigene Reproduktion wie die der Kinder und pflegebed&#252;rftiger Verwandter Verantwortung &#252;bernehmen. So wird schrittweise, aber durchaus z&#252;gig &#8211; mit ideologischer Unterst&#252;tzung feministischer Gleichstellungsanspr&#252;che &#8211; das Familienern&#228;hrermodell abgebaut, da der daf&#252;r erforderliche Familienlohn f&#252;r den Hauptern&#228;hrer sich im Sinne der kapitalistischen Akkumulationslogik als sehr teuer darstellt. Die Frage, wer dann die Betreuungsarbeit f&#252;r Kinder und pflegebed&#252;rftige Menschen &#252;bernimmt, ist damit allerdings weiter umstritten. Familienpolitik wird unter F&#252;hrung von Ursula von Leyen zur Wirtschaftspolitik. Staatliche Betreuungseinrichtungen erhalten nur unter Work-Life-Balance Gesichtspunkten ihre Berechtigung, also dort, wo ansonsten die Erwerbst&#228;tigkeit von Frauen in Gefahr ist. Prim&#228;r f&#252;r Personen mit hoher F&#252;rsorgeverantwortung f&#252;r Andere f&#252;hrt diese Politik zu unterschiedlichsten Problemlagen. Je nach finanziellen Ressourcen werden F&#252;rsorgearbeiten im eigenen Haushalt oft &#252;ber illegalisierte MigrantInnen &#246;konomisiert oder es kommt vor allem bei erwerbst&#228;tigen Frauen zu massiven Doppelbelastungen. In Bedarfsgemeinschaften lebende Personen leiden gleichzeitig unabh&#228;ngig vom Geschlecht und ihren F&#252;rsorgeverpflichtungen unter dem Zwang, jede nur denkbare Erwerbst&#228;tigkeit aufnehmen zu m&#252;ssen (vgl. Winker 2007).</p>
<p>Auch wenn klar ist, dass die L&#246;sung dieser Probleme nicht im Zur&#252;ck zum Familienern&#228;hrermodell liegen kann, bleibt die Frage, wo in diesen Zeiten die herrschaftskritische Sto&#223;richtung von feministischen Aktivit&#228;ten zu suchen ist. Ich sehe derzeit zwei vordringliche feministische Herausforderungen, die es in vielf&#228;ltigen &#214;ffentlichkeiten zu debattieren gilt. Feministische Politik sollte sich auf der Strukturebene aus marxistisch-feministischen Perspektiven mit der Gestaltung von Reproduktionsarbeit und auf der Identit&#228;tsebene aus queer-feministischen Perspektiven mit dem Ausschluss der jeweils Anderen auseinandersetzen</p>
<p>Zur Politisierung der Reproduktionsarbeit: Feministische Einspr&#252;che m&#252;ssen sich auf der sozio-&#246;konomischen Ebene verst&#228;rkt auf die ungerechte Verteilung von Reproduktionsarbeit und F&#252;rsorgeverantwortung beziehen. Dies ist ein Themenbereich, der auch heute noch bei gesellschaftskritischen Positionen au&#223;erhalb des Feminismus eine viel zu geringe Ber&#252;cksichtigung findet. Schon Marx hat deutlich gemacht, dass der Wert der Ware Arbeitskraft, der im Lohn ausgezahlt wird, im Durchschnitt aus den Kosten f&#252;r die Reproduktion der eigenen Arbeitskraft und die ihrer Kinder besteht. Die g&#252;nstige Variante, um diesen Lohn zu dr&#252;cken, besteht darin, dass Reproduktionsarbeiten von Erwerbst&#228;tigen zus&#228;tzlich zur Berufsarbeit get&#228;tigt werden. Damit entfallen teure Ern&#228;hrerl&#246;hne und Kosten f&#252;r staatliche Transferzahlungen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass derzeit rund um die fr&#252;her vernachl&#228;sstigte Familienpolitik gro&#223;e gesellschafts- und wirtschaftspolitische Debatten stattfinden. Hier haben sich aus meiner Sicht FeministInnen einzumischen. Dabei geht es nicht darum, r&#252;ckw&#228;rtsgewandt f&#252;r den alten Wohlfahrtsstaat zu pl&#228;dieren, der noch immer durchwoben von der androzentrischen Orientierung am Familienern&#228;hrer ist. Stattdessen gilt es sich um vielf&#228;ltige Formen staatlich oder genossenschaftlich organisierter kostenloser Betreuungseinrichtungen f&#252;r Kinder sowie f&#252;r pflegebed&#252;rftige Menschen einzusetzen sowie f&#252;r ein allen Menschen gleicherma&#223;en zug&#228;ngliches Bildungs- und Gesundheitswesen. Ferner muss wieder verst&#228;rkt auf radikale Arbeitszeitverk&#252;rzungen fokussiert werden &#8211; verbunden mit Mindestl&#246;hnen und einem bedingungslosen, die Existenz sichernden Grundeinkommen. Dies sind alles Ziele, die auch f&#252;r Menschen mit hoher F&#252;rsorgeverantwortung soziale Teilhabe erm&#246;glichen.</p>
<p>Zur &#246;ffentlicher Infragestellung vielf&#228;ltiger Abgrenzungen: Gleichzeitig gilt es in neoliberalen Zeiten, in denen alle prim&#228;r damit besch&#228;ftigt sind, f&#252;r sich selbst eigenst&#228;ndig einen lebenswerten Weg zu finden, der weiteren Individualisierung zu begegnen, die mit der Ausgrenzung Anderer einher geht. Dort gilt es noch viel konsequenter von Queer Theory und Queer Politics zu lernen (vgl. Wehr 2007). Auch wenn wir zu eigenen Subjektwerdung gezwungen sind, uns von Anderen abzugrenzen, sind Menschen in der Lage dar&#252;ber zu reflektieren und die Grenzziehungen zwischen Eltern und Personen ohne Kinder, zwischen heterosexuell und homosexuell orientierten Personen, zwischen Menschen ohne Migrationshintergrund und MigrantInnen immer wieder neu infrage zu stellen. Dazu sind neue Formen der Ein&#252;bung in solidarisches Handeln von enormer Bedeutung. Differenzierungskategorien dienen der Aufrechterhaltung menschenunw&#252;rdiger Herrschaftsverh&#228;ltnisse, stellen aber gleichzeitig auch tagt&#228;gliche Angriffe gegen die W&#252;rde anderer Menschen dar.</p>
<p>Zusammenfassend: Gefragt sind leidenschaftliche Analysen im Erkennen der Zusammenh&#228;nge von Unterdr&#252;ckung und Diskriminierung im Produktions- wie im Reproduktionsbereich in ihrer Verwobenheit entlang unterschiedlicher Kategorien wie Klasse, Geschlecht, Rasse und auch K&#246;rper (vgl. Intersektionalit&#228;tsansatz) sowie politischer Widerstand gegen die Ausgrenzung und Marginalisierung bestimmter Personengruppen. Die feministischen Analysen k&#246;nnen sich dabei mit den Erkenntnissen vieler anderer sozialen Bewegungen inhaltlich treffen. Die feministische Aufgabe besteht dabei einerseits bei der Verwobenheit verschiedener Differenzierungskategorien immer wieder auf Geschlechterkonstruktionen &#8211; verstanden als Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit und der Heteronormativit&#228;t &#8211; hinzuweisen. Gleichzeitig gilt es der Verschleierung vielf&#228;ltiger Reproduktionsarbeiten im so genannten Privaten entgegenzuwirken. Damit werden Gewalt und Unterdr&#252;ckung innerhalb famili&#228;rer Konstruktionen deutlich, gleichzeitig wird aber auch aufgezeigt, dass das kapitalistische Gesamtsystem auf dem R&#252;cken derer funktioniert, die zus&#228;tzlich zur Aufgabe und Pflicht sich selbst zu ern&#228;hren vielf&#228;ltige Erziehungs- und Pflegearbeiten &#252;bernehmen. Aus diesen Perspektiven entsteht eine nicht nur nationale, sondern auch globale Gesellschaftskritik, die sich im ganz umfassenden Sinne gegen bestehende Herrschaftsstrukturen ebenso wendet wie gegen die verk&#252;rzte gleichstellungspolitische Forderung nach Teilhabe am System.</p>
<p>Damit ist der Feminismus alles andere als tot, sondern kn&#252;pft an alte Traditionen an, in denen kritische Debatten, soziale K&#228;mpfe und emanzipatorischen Bewegungen mit einem Fokus auf die Kategorie Geschlecht die Aufhebung von Unterdr&#252;ckungsstrukturen und von Marginalisierungsmechanismen zum Ziel haben (vgl. Hennessy 2003). Gleichzeitig ist es notwendig, feministische Positionen an die jeweiligen gesellschaftspolitischen Widerspr&#252;chlichkeiten anzupassen, insofern kann auch von neuen erweiterten feministischen Ans&#228;tzen gesprochen werden. Systemische Widerspr&#252;chlichkeiten bestehen heute im Gegensatz zwischen weltweitem kapitalistischem Profitstreben und dem Wunsch vieler Menschen nach hoher Qualit&#228;t von Dienstleistungen, gerade im Bereich der F&#252;rsorge. Gleichzeitig gibt es aufgrund von Individualisierungstendenzen auch deutliche Widerspr&#252;che zwischen unserer eigenen Verwobenheit in Abgrenzungen von den jeweils Anderen, die dar&#252;ber marginalisiert und bedroht werden, und dem Wunsch nach Solidarit&#228;t &#8211; auch mit den Ausgegrenzten. Entlang dieser Widerspr&#252;chlichkeiten lassen sich Auseinandersetzungen auch im Rahmen hegemonialer Feminismusdebatten f&#252;hren und verschiedenartigste Widerstandspraxen verbreitern (vgl. Gro&#223; 2007): Es muss wieder verst&#228;rkt deutlich werden, dass eine andere Welt m&#246;glich ist, in der ein menschenw&#252;rdiges Leben f&#252;r alle selbstverst&#228;ndlich ist.</p>
<h3>Literatur:</h3>
<ul>
<li>Boltanski, Luc; Chiapello, Ève (2003): Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz</li>
<li>Gro&#223;, Melanie (2007): Feministischer Widerstand aus post-/queer-/linksradikal-feministischer Perspektive. In: Melanie Gro&#223;; Gabriele Winker (Hg.): Queer-|Feministische Kritiken neoliberaler Verh&#228;ltnisse, M&#252;nster, 169-189</li>
<li>Hennessy, Rosemary (2003): Feminismus. In: Frigga Haug (Hg.): Historisch-Kritisches W&#246;rterbuch des Feminismus, Band 1, Hamburg, 155-170</li>
<li>Wehr, Christiane (2007): Queer und seine Anderen. Zu den Schwierigkeiten und M&#246;glichkeiten queerer B&#252;ndnispolitik zwischen Pluralismusanspr&#252;chen und Dominanzeffekten. In: Melanie Gro&#223;; Gabriele Winker (Hg.): Queer-|Feministische Kritiken neoliberaler Verh&#228;ltnisse, M&#252;nster, 149-168</li>
<li>Winker, Gabriele (2007): Traditionelle Geschlechterarrangements unter neoliberalem Druck. Ver&#228;nderte Verwertungs- und Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraft. In: Melanie Gro&#223;/Gabriele Winker (Hg.): Queer-|Feministische Kritiken neoliberaler Verh&#228;ltnisse, M&#252;nster, 15-49</li>
</ul>
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