23.09.2009, Sabine Ritter
Emanzipatorische Wissenschaft hat die Aufgabe, soziale Verhältnisse zu analysieren und zu dekonstruieren. Aber auch Gesellschaftskritik ist in historischen und aktuellen Diskursen verankert und bedarf, will sie ihr Potential ausschöpfen, kontinuierlicher Reflexivität. Deren Fehlen hat sich im Fall der postkolonialen Rekonstruktionen einer zum anthropologischen Forschungsobjekt des 19. Jahrhunderts diskriminierten Frau als Auslöser eines veritablen ‘race-and-gender-bias’ erwiesen: im Bemühen, die Geschichte der sogenannten ‘Hottentot Venus’ als Beispiel kolonialen Unrechts und Missbrauchs zu thematisieren, werden sexistische und rassistische Stereotype reproduziert. Darüber hinaus erschafft die reduktionistische Sicht auf das Phänomen ‘Hottentottenvenus’ eine neuartig fetischisierende Eindimensionalität… Zum ganzen Artikel
9.07.2008, Melanie Groß
In der Nacht von Samstag auf Sonntag am vergangenen Wochenende griff ein Mann seine Freundin auf einer Straße in Hamburg an, würgte und schlug sie. Es eilten Menschen zu Hilfe und wehrten den Mann mit Reizgas ab. Dieser ging in seine Wohnung und bewaffnete sich mit zwei Messern. Als er mit diesen wieder auf der Straße erschien, riefen PassantInnen die Polizei. Zwei Funkstreifen kamen, um einzugreifen. Diese Geschichte könnte hier enden und das Gefühl hinterlassen, dass Menschen eingreifen, wenn Frauen von Lebensgefährten, Ex-Freunden oder Ehemännern angegriffen werden. Sie könnte Mut machen. Aber leider ist sie nur zur Hälfte erzählt, denn diese Szene spielte sich vor dem Autonomen Zentrum Rote Flora ab und die Eskalation nahm ihren Lauf. Es wurde eine Geschichte von Repression gegen ein linkes Zentrum und von Bagatellisierung von Gewalt gegen Frauen… Zum ganzen Artikel
25.03.2008, Susan Banihaschemi
Weiblichkeit präsentiert sich heute vielfältig und widersprüchlich. Krieg und Gewalt erscheinen gegenwärtig nicht mehr als reine Männerdomäne. Immer mehr Frauen befinden sich als Soldatinnen in höheren militärischen Positionen und befürworten militärische Interventionen. Vor knapp vier Jahren im April 2004 kam es während des Irak-Kriegs in den Medien zur Veröffentlichung von Bildern aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis, die US-amerikanische Soldaten und Soldatinnen beim Praktizieren von Folterhandlungen an irakischen Gefangenen zeigten. Hierbei waren deutlich mehrere Soldatinnen als Gewalt-Täterinnen zu erkennen. Die öffentliche Wahrnehmung widmete insbesondere einer Frau – der Soldatin Lynndie England – als Täterin großes Interesse. Auch heute noch ist ihr Gesicht in den Medien präsent. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Stern” vom 17. März 2008 widmet ihr vier Jahre nach den Geschehnissen die Titelstory: “Die Frau aus dem Folter-Gefängnis Abu Ghraib”. Lynndie England scheint nicht nur gegen Normen der Rechtsordnung, sondern auch gegen Normen der Geschlechterordnung zu verstoßen.Im vorliegenden Artikel wird die Berichterstattung der Medien über den “Folterskandal Abu Ghraib” als ein Ort der sozialen, diskursiven Konstruktion von Geschlecht begriffen und der Frage nachgegangen, wie Frauen als Täterinnen in der Berichterstattung vorstellbar gemacht werden… Zum ganzen Artikel
Feministisches Institut Hamburg
Telefon: 040 - 42878 - 4005 · Fax: 040 - 42878 - 2081