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Feministische Theorien

Wie lange brauchen wir noch Genderwissenschaften?

7.09.2014, Wiegand Grafe

Genderwissenschaften sind immer wieder Gegenstand nicht nur von fundierter und damit legitimer Kritik, sondern viel häufiger auch Zielscheibe von ideologisch motivierten Vorurteilen, Pauschalisierung und Polemiken, die sich gern auch als Satire tarnen. Es scheint, als könne die Gesellschaft nur schwer akzeptieren, dass die von ihr favorisierten Verhaltensweisen nicht deshalb problemlos akzeptiert werden, weil sie so natürlich sind, sondern weil sie die Mehrheit zelebriert und protegiert. Anlässlich eines Jubiläums bot sich die Gelegenheit, mal wieder die Lanze für eine Wissenschaft zu brechen, die solche Gewissheiten mit neuen Ansätzen und Ideen in Frage stellt.
Wie es sich für einen guten sozialwissenschaftlich inspirierten Text gehört, beginne ich mit meiner Positionierung, um dem Leser zu verdeutlichen, wer ich bin und für wen ich in diesem Text spreche. Ich bin ein 49-jähriger mutmaßlich heterosexueller weißer mitteleuropäischer Mann und damit ein Vertreter der hegemonialen Männlichkeit und spreche als bekennender Ingenieur für die Technokraten in der Mehrheitsgesellschaft. Die Positionsbestimmung möchte ich mit einem Zitat aus einem Diskussionsbeitrag zu einem Text beim Feministischen Institut unterlegen:
„Ah – einmal auf den Namen des Autors geklickt und schon bin ich klüger. ,Wiegand Grafe hat Konstruktionstechnik/Maschinenbau studiert und arbeitet als angestellter Ingenieur.‘ Erstaunlich, wer so Alles für ein “Feministisches … Zum ganzen Artikel


Papst waren wir schon – sind wir jetzt schwul?

21.01.2014, Nina Degele

Das Outing von Thomas Hitzsperger im Januar 2014 hat ein Medienecho sondergleichen nach sich gezogen. Homophobie ist damit thematisiert, nicht aber verschwunden. Vielmehr liegen unter der Welle von Anerkennung und Respekt nach wie vor wirksame heteronormative Tiefenstrukturen, die medial in den Hintergrund gerückt sind, bei einer Analyse von Fußball als soziale Praxis und mediales Ereignis in den Blick kommen. Grundlage der folgenden Ausführungen ist eine abgeschlossene Untersuchung zu Sexismus, Rassismus und Homophobie im Fußball (Degele 2013)… Zum ganzen Artikel


Queer und arbeitswerttheoretisch – Die Forschungsgruppe Arbeit-Gender-Technik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg

15.02.2013, Ute Kalender

Queer Theory ist verschiedentlich vorgeworfen worden, Kapitalismus nicht mitzudenken. Der darauf reagierenden Queeren Ökonomiekritik wiederum, dass sie Fragen nach Staat oder einem kapitalistischen Ganzen ausklammere. Sie würde sich dadurch an einer Modernisierung des Kapitalismus beteiligen oder gar Ausdruck kapitalistischer Wissensproduktion sein. Dass dem nicht so ist, zeigen die Beiträge rund um die Forschungsgruppe Arbeit-Gender-Technik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Die darin arbeitenden Sozialwissenschaftlerinnen haben Begriffe wie Arbeitskraftmanagerin oder Care Revolution geprägt, die Debatte um das Grundeinkommen gequeert oder gefragt, welche Rolle eigentlich der Staat für eine kapitalistische Ökonomie spielt, in der Heteronormativität nach wie vor allgegenwärtig ist. Jetzt wird die Arbeitsgruppe zehn Jahre alt. Ein guter Grund das Denkkollektiv vorzustellen. Zum ganzen Artikel


Rosa Luxemburg – Eine Vordenkerin der Intersektionalität?

11.01.2013, Kathrin Schrader

Seit den 1970er Jahren wird von Teilen der feministischen Bewegung intersektionales Denken praktiziert, auch wenn damals der Terminus noch nicht verwendet wurde. Jedoch verorte ich die VorläuferInnen intersektionaler Ansätze bereits viel früher. Es gab schon immer kritische DenkerInnen, die ihrer Sicht auf die Welt die Verwobenheit von Kategorien zu Grunde legten und dies an das Postulat ethischer Grundsätze menschlichen Zusammenlebens knüpften. So würde ich auch Rosa Luxemburg als eine Wegbereiterin intersektionalen Denkens einen Platz einräumen, da ihre politischen Forderungen aus heutiger Sicht bereits intersektional angelegt waren. Es geht mir nicht darum, Luxemburg die Entwicklung einer intersektionalen Theorie zuzuschreiben, sondern zu zeigen, dass ihre „Kampfschriften für allgemeine Menschenrechte“ eine Grundlage für die spezifische Wahrnehmung von Unrecht aufgrund unterschiedlicher Differenzkategorien sind und sich daraus ein zeitgemäßer Ansatz für die Untersuchung von Diskriminierung und Empowerment ableiten lässt… Zum ganzen Artikel


Warum wir Geschlecht berücksichtigen, um Gesellschaft zu verstehen. Ein Plädoyer für eine heteronormativitätskritische Analyseperspektive

5.03.2012, Nina Degele, Stephanie Bethmann und Karolin Heckemeyer

Weil Geschlecht im alltäglichen Tun und in gesellschaftlichen Strukturen so tief eingelassen ist, dass es aufgrund seiner daraus resultierenden Selbstverständlichkeit aus dem Blick gerät, ist Geschlecht im Alltag und auch in den Wissenschaften nahezu unsichtbar und läuft auch bei jeder gesellschaftswissenschaftlichen Analyse unbemerkt mit. In welcher Weise Wissenschaft eine solche Unsichtbarkeit über die Einführung von Heteronormativität als grundlegende Analyseperspektive überwinden kann, um die damit verbundenen Dimensionen der Naturalisierung, Inkorporierung und Institutionalisierung zu erklären, ist Gegenstand dieses Beitrags. Zum ganzen Artikel


Geschlechtertheoretische Diskurse in den USA. Eine subjektive Situierung

11.05.2010, Stefan Paulus

Zurzeit bin ich Gastwissenschaftler an der Universität Berkeley, USA, Department Gender and Women Studies. Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch darauf, die US-amerikanischen Debatten im Ganzen darzustellen. Er soll vielmehr einen subjektiven Überblick geben. Um dieses Vorhaben zu realisieren führte ich Gespräche, E-Mail- und Videointerviews mit Feministinnen über geschlechtertheoretische Diskurse.(1) In den Interviews stellte ich folgende Fragen: Welche geschlechterrelevanten Debatten sind in den USA virulent? Wie wird die Kategorie “Klasse” im Zusammenhang mit der Kategorie “Geschlecht” besprochen? Wie artikuliert sich die Theorie der Intersektionalität im alltäglichen Leben im Zusammenhang von Klasse, „Rasse“ und Geschlecht? … Zum ganzen Artikel


‘Hottentot Venus’ oder: Fetischismus als Wissenschaftspraxis

23.09.2009, Sabine Ritter

Emanzipatorische Wissenschaft hat die Aufgabe, soziale Verhältnisse zu analysieren und zu dekonstruieren. Aber auch Gesellschaftskritik ist in historischen und aktuellen Diskursen verankert und bedarf, will sie ihr Potential ausschöpfen, kontinuierlicher Reflexivität. Deren Fehlen hat sich im Fall der postkolonialen Rekonstruktionen einer zum anthropologischen Forschungsobjekt des 19. Jahrhunderts diskriminierten Frau als Auslöser eines veritablen ‘race-and-gender-bias’ erwiesen: im Bemühen, die Geschichte der sogenannten ‘Hottentot Venus’ als Beispiel kolonialen Unrechts und Missbrauchs zu thematisieren, werden sexistische und rassistische Stereotype reproduziert. Darüber hinaus erschafft die reduktionistische Sicht auf das Phänomen ‘Hottentottenvenus’ eine neuartig fetischisierende Eindimensionalität… Zum ganzen Artikel


Prozessual-strategische Subjektivität: Handlungsfähigkeit, politische Bündnisse und Widerstand aus queer-feministischer Sicht

1.09.2009, Do. Gerbig

Feminismus nach Butler, wie ist das noch möglich?

Meines Erachtens brachte gerade die, durch Judith Butler (1990) ausgelöste Infragestellung einer vermeintlich angeborenen Weiblichkeit und die Dekonstruktion von körperlichem Geschlecht neue und politisch wichtige Denkansätze für Feminismen hervor. Um Subjekte dennoch und auch jenseits der Figur der „Unternehmerin ihrer Selbst“ handlungsfähig und widerständig erscheinen lassen zu können, habe ich in meiner Diplomarbeit den Begriff „prozessual-strategische Subjektivität“ entwickelt. Dabei war für meine Konzeption von Subjektivität und Politik zentral, Widerstand sowohl auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene zu formulieren und dabei weder auf subjektive Autonomie zu referieren, noch Herrschaftsverhältnisse unbeachtet zu lassen… Zum ganzen Artikel


Feminismus, Geschlechterforschung und die Neurowissenschaft

15.05.2009, Anelis Kaiser

Wir leben gegenwärtig in einer Neurozeit; manche setzen die Erforschung des Gehirns mit der Erforschung des Menschen gleich. Wie positionieren sich FeministInnen und GeschlechterforscherInnen zur immer wichtiger werdenden Rolle des Gehirns und der Neurowissenschaft in der Gesellschaft? Wie wollen wir, theoretisch und praktisch, Geschlechterähnlichkeit und -differenz im Gehirn handhaben? Gerade weil eine ganze Generation von feministischen NeurowissenschaftlerInnen fehlt, lautet das Plädoyer hier für mehr neurowissenschaftliche Forschung – und zwar für eine kritisch-feministische, die auf die neurobiologische Veränderbarkeit von Differenzen und Ähnlichkeiten zielt… Zum ganzen Artikel


Feministische Pädagogik in 3-D – Feministische Umgangsweisen mit der Geschlechterdifferenz

18.02.2009, Melanie Plößer

Die Suche nach den praktischen Konsequenzen gendertheoretischer Einsichten markiert eine zentrale Aufgabenstellung feministischer Pädagogik. Allerdings wird die Frage, wie in pädagogischen Kontexten mit der Geschlechterdifferenz umzugehen ist, nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet. Wurde in den 1970er und 1980er Jahren vor allem ein anerkennender Umgang mit der Kategorie Geschlecht gefordert, ist der feministische Diskurs seit Mitte der 1990er Jahre von Ansätzen bestimmt, die sich kritisch mit der Differenz auseinandersetzen und die problematischen Effekte eines anerkennenden Umgangs mit der Geschlechterdifferenz hervorheben. Beide pädagogischen Umgangsweisen, Differenzanerkennung und Differenzkritik sollen im folgenden Beitrag nicht als sich gegenseitig ausschließende, sondern als sich notwendig ergänzende Perspektiven herausgestellt werden… Zum ganzen Artikel


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Die Revolution frisst ihre Kinder

Die Suche nach den praktischen Konsequenzen gendertheoretischer Einsichten markiert eine zentrale Aufgabenstellung feministischer Pädagogik. Allerdings wird die Frage, wie in pädagogischen Kontexten mit der Geschlechterdifferenz umzugehen ist, nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet. Wurde in den 1970er und... mehr

Vernetzung für die Care Revolution. Bericht vom ersten Netzwerktreffen

Nachdem sich im März 2014 ca. 500 Menschen, die in verschiedenen Feldern sozialer Reproduktion politisch aktiv sind, in Berlin zur Aktionskonferenz Care Revolution getroffen hatten, fand am 1.11. das erste Netzwerktreffen statt. Es kamen knapp 50 Teilnehmer_innen, u.a.... mehr

Über Anregungen, Kritiken und andere Positionen freuen wir uns jederzeit: info[at]feministisches-institut.de


Feministisches Institut Hamburg