11.05.2010, Stefan Paulus
Zurzeit bin ich Gastwissenschaftler an der Universität Berkeley, USA, Department Gender and Women Studies. Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch darauf, die US-amerikanischen Debatten im Ganzen darzustellen. Er soll vielmehr einen subjektiven Überblick geben. Um dieses Vorhaben zu realisieren führte ich Gespräche, E-Mail- und Videointerviews mit Feministinnen über geschlechtertheoretische Diskurse.(1) In den Interviews stellte ich folgende Fragen: Welche geschlechterrelevanten Debatten sind in den USA virulent? Wie wird die Kategorie “Klasse” im Zusammenhang mit der Kategorie “Geschlecht” besprochen? Wie artikuliert sich die Theorie der Intersektionalität im alltäglichen Leben im Zusammenhang von Klasse, „Rasse“ und Geschlecht? … Zum ganzen Artikel
23.09.2009, Sabine Ritter
Emanzipatorische Wissenschaft hat die Aufgabe, soziale Verhältnisse zu analysieren und zu dekonstruieren. Aber auch Gesellschaftskritik ist in historischen und aktuellen Diskursen verankert und bedarf, will sie ihr Potential ausschöpfen, kontinuierlicher Reflexivität. Deren Fehlen hat sich im Fall der postkolonialen Rekonstruktionen einer zum anthropologischen Forschungsobjekt des 19. Jahrhunderts diskriminierten Frau als Auslöser eines veritablen ‘race-and-gender-bias’ erwiesen: im Bemühen, die Geschichte der sogenannten ‘Hottentot Venus’ als Beispiel kolonialen Unrechts und Missbrauchs zu thematisieren, werden sexistische und rassistische Stereotype reproduziert. Darüber hinaus erschafft die reduktionistische Sicht auf das Phänomen ‘Hottentottenvenus’ eine neuartig fetischisierende Eindimensionalität… Zum ganzen Artikel
1.09.2009, Do. Gerbig
Feminismus nach Butler, wie ist das noch möglich?
Meines Erachtens brachte gerade die, durch Judith Butler (1990) ausgelöste Infragestellung einer vermeintlich angeborenen Weiblichkeit und die Dekonstruktion von körperlichem Geschlecht neue und politisch wichtige Denkansätze für Feminismen hervor. Um Subjekte dennoch und auch jenseits der Figur der „Unternehmerin ihrer Selbst“ handlungsfähig und widerständig erscheinen lassen zu können, habe ich in meiner Diplomarbeit den Begriff „prozessual-strategische Subjektivität“ entwickelt. Dabei war für meine Konzeption von Subjektivität und Politik zentral, Widerstand sowohl auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene zu formulieren und dabei weder auf subjektive Autonomie zu referieren, noch Herrschaftsverhältnisse unbeachtet zu lassen… Zum ganzen Artikel
15.05.2009, Anelis Kaiser
Wir leben gegenwärtig in einer Neurozeit; manche setzen die Erforschung des Gehirns mit der Erforschung des Menschen gleich. Wie positionieren sich FeministInnen und GeschlechterforscherInnen zur immer wichtiger werdenden Rolle des Gehirns und der Neurowissenschaft in der Gesellschaft? Wie wollen wir, theoretisch und praktisch, Geschlechterähnlichkeit und -differenz im Gehirn handhaben? Gerade weil eine ganze Generation von feministischen NeurowissenschaftlerInnen fehlt, lautet das Plädoyer hier für mehr neurowissenschaftliche Forschung – und zwar für eine kritisch-feministische, die auf die neurobiologische Veränderbarkeit von Differenzen und Ähnlichkeiten zielt… Zum ganzen Artikel
18.02.2009, Melanie Plößer
Die Suche nach den praktischen Konsequenzen gendertheoretischer Einsichten markiert eine zentrale Aufgabenstellung feministischer Pädagogik. Allerdings wird die Frage, wie in pädagogischen Kontexten mit der Geschlechterdifferenz umzugehen ist, nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet. Wurde in den 1970er und 1980er Jahren vor allem ein anerkennender Umgang mit der Kategorie Geschlecht gefordert, ist der feministische Diskurs seit Mitte der 1990er Jahre von Ansätzen bestimmt, die sich kritisch mit der Differenz auseinandersetzen und die problematischen Effekte eines anerkennenden Umgangs mit der Geschlechterdifferenz hervorheben. Beide pädagogischen Umgangsweisen, Differenzanerkennung und Differenzkritik sollen im folgenden Beitrag nicht als sich gegenseitig ausschließende, sondern als sich notwendig ergänzende Perspektiven herausgestellt werden… Zum ganzen Artikel
1.11.2007, Gabriele Winker und Nina Degele
Das Konzept der Intersektionalität ist auf dem besten Weg, zu einem neuen Paradigma in der Geschlechterforschung zu avancieren. Intersektionalität bezeichnet die Analyse der Verwobenheit und des Zusammenwirkens verschiedener Differenzkategorien sowie unterschiedlicher Dimensionen sozialer Ungleichheit und Herrschaft. Auch wenn dabei vor allem Wechselwirkungen zwischen Ungleichheit generierenden Kategorien wie Geschlecht, Rasse und Klasse im Vordergund stehen, sind Kategorien wie Sexualität, Nationalität oder Alter grundsätzlich integrierbar. Offen ist dagegen, auf welcher Ebene die Wechselwirkungen ansetzen: Sind gesellschaftliche Strukturen gemeint, interaktive Identitätskonstruktionen (doing difference) oder symbolische Repräsentationen? Wir plädieren in unserer intersektionalen Mehrebenenanalyse für eine theoretische und empirische Verknüpfung der Struktur-, Symbol- und Identitätsebene… Zum ganzen Artikel
24.07.2007, Melanie Groß
Feministische postkoloniale Ansätze beziehen sich auf die Arbeiten des US-amerikanischen Black Feminism (u.a. Combahee River Collective 1982; hooks 1996) und verbinden diese verstärkt mit poststrukturalistischen Philosophieansätzen und marxistischen Theorien. Zentrale Gemeinsamkeit dieser verschiedenen kritischen Reflexionen ist die Problematisierung der Kategorie Frau und die Betonung der sozialen Konstruktion der Kategorie race. Beide Kategorien werden als Konstruktionen und dis-kursive Produktionen verstanden. Konstruktionen und diskursive Produktionen generieren jedoch nicht nur Bedeutungen, sondern sie werden als Prozesse gefasst, die mit strukurellen und identitären Effekten einhergehen… Zum ganzen Artikel
24.06.2007, Melanie Groß
Die Gruppe derer, die die Macht haben zu sprechen und gehört zu werden, ist zwar klein, ihre Diskurse sind durch ihre Verwurzelung innerhalb der Weißen Dominanzkultur jedoch wirkmächtig und folgenreich. Das hat auch innerhalb der hegemonialen feministischen Theorie Folgen, die sich in der Unsichtbarkeit des Weiß-Seins der Forschenden und in rassistischen Kategorisierungen und Ausschlüssen ausdrückt… Zum ganzen Artikel
24.06.2007, Melanie Groß
Mit der Queer Theory hat die feministische Kritik an Heteronormativität seit den 1990er Jahren einen Namen erhalten. Ein zentrales Merkmal dieser Forschungsrichtung ist es aufzuzeigen, wie feministische Theorien selbst dazu beitragen, die Forschungsgegenstände zu schaffen, die sie vermeintlich nur untersuchen. Dabei werden vor allem Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität als das scheinbar Normale produziert und andere Existenzweisen als ‘das Andere’ ausgegrenzt… Zum ganzen Artikel
Feministisches Institut Hamburg
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