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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Bildung</title>
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		<title>Feministische P&#228;dagogik in 3-D &#8211; Feministische Umgangsweisen mit der Geschlechterdifferenz</title>
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		<comments>http://www.feministisches-institut.de/paedagogik/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2009 17:57:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Plößer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Suche nach den praktischen Konsequenzen gendertheoretischer Einsichten markiert eine zentrale Aufgabenstellung feministischer P&#228;dagogik. Allerdings wird die Frage, wie in p&#228;dagogischen Kontexten mit der Geschlechterdifferenz umzugehen ist, nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet. Wurde in den 1970er und 1980er Jahren vor allem ein anerkennender Umgang mit der Kategorie Geschlecht gefordert, ist der feministische Diskurs seit Mitte der 1990er Jahre von Ans&#228;tzen bestimmt, die sich kritisch mit der Differenz auseinandersetzen und die problematischen Effekte eines anerkennenden Umgangs mit der Geschlechterdifferenz hervorheben. Beide p&#228;dagogischen Umgangsweisen, Differenzanerkennung und Differenzkritik sollen im folgenden Beitrag nicht als sich gegenseitig ausschlie&#223;ende, sondern als sich notwendig erg&#228;nzende Perspektiven herausgestellt werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die Suche nach den praktischen Konsequenzen gendertheoretischer Einsichten markiert eine zentrale Aufgabenstellung feministischer P&#228;dagogik. Allerdings wird die Frage, wie in p&#228;dagogischen Kontexten mit der Geschlechterdifferenz umzugehen ist, nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet. Wurde in den 1970er und 1980er Jahren vor allem ein anerkennender Umgang mit der Kategorie Geschlecht gefordert, ist der feministische Diskurs seit Mitte der 1990er Jahre von Ans&#228;tzen bestimmt, die sich kritisch mit der Differenz auseinandersetzen und die problematischen Effekte eines anerkennenden Umgangs mit der Geschlechterdifferenz hervorheben. Beide p&#228;dagogischen Umgangsweisen, Differenzanerkennung und Differenzkritik sollen im folgenden Beitrag nicht als sich gegenseitig ausschlie&#223;ende, sondern als sich notwendig erg&#228;nzende Perspektiven herausgestellt werden.</strong></p>
<h3>Differenzanerkennung</h3>
<p>Die Vernachl&#228;ssigung geschlechtsspezifischer Unterschiede und die Ausblendung der Lebenswelten von M&#228;dchen und Frauen bilden den Ansatzpunkt differenzbezogener Handlungsans&#228;tze in der P&#228;dagogik. Werden Differenzen zwischen den Geschlechtern und die damit einhergehenden Ungleichheiten nicht (an-)erkannt &#8211; so das Credo differenzbezogener Konzepte &#8211; werden p&#228;dagogische Angebote den spezifischen Interessen, Bed&#252;rfnissen und Problemlagen ihrer Adressat_innen nicht gerecht und werden bestehende Macht- und Ungleichheitsverh&#228;ltnisse fortgeschrieben. So helfe erst die Ber&#252;cksichtigung von Differenzen solche Bedingungen und Verh&#228;ltnisse zu f&#246;rdern, in denen Diskriminierungen und Benachteiligungen abgebaut und Subjekte Anerkennung erfahren k&#246;nnen. F&#252;r die feministische P&#228;dagogik &#228;u&#223;erte sich die Forderung der Anerkennung beispielsweise in der Skandalisierung patriarchaler Strukturen, in der Einrichtung von Frauenh&#228;usern, M&#228;dchentreffs und feministischen Beratungsstellen, in der Entwicklung geschlechtsbezogener Bildungskonzepte sowie in der Formulierung von feministischen Handlungsmaximen wie &#8220;Parteilichkeit&#8221; oder &#8220;gemeinsame Betroffenheit&#8221;.</p>
<h3>Differenzkritik</h3>
<p>Dass die Perspektive der Differenzanerkennung nicht unproblematisch ist, ist von so genannten differenzkritischen Ans&#228;tzen der Geschlechterforschung deutlich gemacht worden. Diese werfen den differenzbezogenen Ans&#228;tzen vor, durch die Praxis der Anerkennung (und durch daraus hervorgehende p&#228;dagogische Maximen wie Parteilichkeit oder geschlechtshomogene Angebote) eine ebenso festschreibende wie verk&#252;rzende Sichtweise auf ihre Adressat_innen einzunehmen. Durch die Brille der Anerkennung betrachtet &#8211; so der Vorwurf der differenzkritischen Ans&#228;tze &#8211; w&#252;rden Differenzen in der Differenz ausgeblendet und Stereotype &#252;ber die M&#228;dchen und Frauen (re-)produziert. Die Perspektive, die demgegen&#252;ber von differenzkritischen &#8211; so etwa von queeren oder dekonstruktiven &#8211; Differenzkonzepten profiliert wird, zeichnet sich dementsprechend durch die Infragestellung bin&#228;rer Differenzordnungen und vor allem auch durch die kritische Hinterfragung p&#228;dagogischer Umgangsweisen mit diesen Ordnungen aus. Differenzkritische Ans&#228;tze wollen die Dilemmata, die mit der Anerkennung der Geschlechterdifferenz einhergehen, offen legen und eine Irritation der oppositionell und hierarchisch strukturierten Differenzschemata anregen. Weiterhin fordern differenzkritische Ans&#228;tze dazu auf, die eigene p&#228;dagogische Praxis danach zu untersuchen, wie hier z.B. durch Anreden, Zuordnungen oder Diagnosen Geschlechterdifferenzen (re-)produziert aber auch verschoben werden.</p>
<p>Geht es also bei der Strategie des Differenzbezugs um die Suche nach geschlechtsspezifischen Unterschieden und die Anerkennung derselben, zeigen differenzkritische Ans&#228;tze auf, welche Effekte aus dem Engagement f&#252;r die Anerkennung von Frauen und M&#228;dchen resultieren und welche Ordnungen und Normen im Zuge dieser differenzbezogenen Ans&#228;tze ungewollt gest&#252;tzt bzw. produziert werden. Praktische Beispiele f&#252;r die Umsetzung differenzkritischer Ans&#228;tze in der feministischen P&#228;dagogik finden sich in der zunehmenden Ber&#252;cksichtigung der Verwobenheit der Kategorie Geschlecht mit anderen Differenzkategorien, der selbstkritischen Auseinandersetzung mit normativen M&#228;dchen- und Frauenbildern, der Entwicklung von Methoden, durch die die Konstruktion der Geschlechterdifferenz aufgezeigt und eine Vervielf&#228;ltigung von Identit&#228;ten angeregt werden k&#246;nnen sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit heteronormativen Mustern.</p>
<h3>3-D Perspektive</h3>
<p>Obwohl differenzkritische Ans&#228;tze die M&#246;glichkeit er&#246;ffnen, die Probleme differenzbest&#228;tigender Umgangsweisen aufzuzeigen, k&#246;nnen sie diese nicht abl&#246;sen. W&#228;hrend differenzbezogene Ans&#228;tze eine Festschreibung von Differenz und damit auch eine Fortschreibung ungleicher Differenzverh&#228;ltnisse bef&#246;rdern k&#246;nnen, drohen durch differenzkritische Ans&#228;tze die Notwendigkeiten differenzbezogener Positionierungen f&#252;r die Subjekte wie auch die Potentiale differenzanerkennender Praxen verkannt zu werden (vgl. Mecheril/Pl&#246;&#223;er 2009, Tatschmurat 1996). So problematisch differenzbezogene P&#228;dagogiken aus differenzkritischer Sicht deshalb einerseits auch sein m&#246;gen, so unverzichtbar erweisen sich diese auf der anderen Seite.</p>
<p>Ausgehend von Differenzverh&#228;ltnissen braucht die feministische P&#228;dagogik deshalb eine 3-D Perspektive im Umgang mit der Geschlechterdifferenz. Das hei&#223;t, sie braucht den Fokus der Differenz(an-)erkennung, mit dem unterschiedliche Lebenslagen und Lebenswelten von Subjekten in den Blick genommen werden k&#246;nnen. Um die Gefahren der Stigmatisierung und Normierung von Andersheit zu minimieren, und um die vielf&#228;ltigen Verkn&#252;pfungen von Differenzkategorien wahrzunehmen, bedarf es hingegen einer differenzkritischen Perspektive. Diese zeigt auf, dass jeder Bezug auf Differenz und Andersheit unweigerlich festschreibend und produktiv ist und sie er&#246;ffnet einen kritischen Blick auf die eigenen p&#228;dagogischen Normen und Ausschl&#252;sse. Gerahmt bzw. gehalten werden diese beiden Perspektiven, von dem dritten &#8220;D&#8221;, der Haltung der Dominanzsensibilit&#228;t (vgl. Mecheril 2002). Dominanzsensibilit&#228;t bedeutet eine Sichtweise, die Differenzen im Hinblick auf die Machtverh&#228;ltnisse, in die diese eingebunden sind, wie auch im Hinblick auf ihre Machtwirkungen fokussiert. Eine solche Dominanzsensibilit&#228;t &#228;u&#223;ert sich auf der differenzkritischen Seite in einer besonderen Achtsamkeit gegen&#252;ber Hierarchisierungen und Abwertungen auf einer symbolischen Ebene. Dominanzsensible Differenzkritik hei&#223;t hier vor allem die bin&#228;r organsierte sprachliche Differenzordnung (Mann-Frau, heterosexuell-homosexuell, gesund-behindert, usw.) aber auch die damit produzierten Normen und Ausschl&#252;sse in den Blick nehmen und ver&#228;ndern zu wollen. F&#252;r die differenzanerkennenden Ans&#228;tze &#228;u&#223;ert sich die Haltung der Dominanzsensibilit&#228;t hingegen vor allem in einer kritischen Achtsamkeit gegen&#252;ber strukturellen Ungleichheiten, ungleichen Partizipationsm&#246;glichkeiten sowie ungleichen Rechten und Ressourcen (zur Notwendigkeit der Erg&#228;nzung unterschiedlicher politischer Strategien im Feminismus vgl. Gro&#223; 2008).</p>
<p>Erst die Zusammenf&#252;hrung der beiden unterschiedlichen Umgangsweisen Differenzkritik und Differenzanerkennung durch die Haltung der Dominanzsensibilit&#228;t er&#246;ffnet einen 3D-Blick, das hei&#223;t einen vielschichtigeren und tieferen Blick auf die Geschlechterdifferenz und die mit ihr einhergehenden Dilemmata und Probleme.</p>
<h3>Literatur:</h3>
<ul>
<li>Gro&#223;, Melanie (2008): Geschlecht und Widerstand. Post..| queer.. | linksradikal… K&#246;nigstein</li>
<li>Mecheril, Paul (2002): Weder differenzblind noch differenzfixiert. F&#252;r einen reflexiven und kontextspezifischen Gebrauch von Begriffen. In: IDA-NRW. &#220;berblick 4/2002, Jg. 8, S. 10-16, <a title="Artikel als PDF" href="http://www.ida-nrw.de/html/Ueberblick_4_02.pdf">http://www.ida-nrw.de/html/Ueberblick_4_02.pdf</a></li>
<li>Mecheril, Paul/ Pl&#246;&#223;er, Melanie (2009): Differenz und P&#228;dagogik. In: Oelkers, J&#252;rgen/Andresen, Sabine/Casale, Rita/ Gabriel, Thomas/ Horlacher, Rebekka/ Larcher, Sabina (Hrsg): Handw&#246;rterbuch der P&#228;dagogik der Gegenwart. Weinheim</li>
<li>Tatschmurat, Carmen (1996): Feministisch orientierte soziale Arbeit: Parteilich handeln, dekonstruktivistisch denken? In: Miller, Tilly / Tatschmurat, Carmen (Hrsg.): Soziale Arbeit mit Frauen und M&#228;dchen. Positionsbestimmungen und Handlungsperspektiven. Stuttgart, S. 9-28</li>
</ul>
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		<title>Hamburger Trauerspiel um erfolgreiche Gender und Queer Studies</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/genderstudies/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/genderstudies/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 03 Jul 2008 13:14:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gabriele Winker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Stellungnahme des Feministisches Instituts Hamburg anl&#228;sslich des Hamburger Frauen-Ratschlags der Partei DIE LINKE am 1. Juli 2008

Im Wintersemester 2002/2003 starteten an Hamburger Hochschulen zwei sehr ambitionierte Projekte, der Masterstudiengang Gender und Arbeit an der damaligen Hochschule f&#252;r Wirtschaft und Politik sowie ein Magister- und Diplom-Nebenfachstudium Gender und Queer Studies an der Universit&#228;t Hamburg. Beide Studieng&#228;nge sind hochschul&#252;bergreifend und interdisziplin&#228;r angelegt. Zentrales Merkmal ist die Mitnutzung einer gro&#223;en Zahl einschl&#228;giger Lehrangebote insbesondere der TU Hamburg-Harburg, der Hochschule f&#252;r Angewandte Wissenschaften, der Hochschule f&#252;r bildende Kunst, der Hochschule f&#252;r Musik und Theater und der Evangelischen Hochschule f&#252;r Soziale Arbeit. Auf diese Weise wurde es m&#246;glich, den Gender und Queer Studierenden jedes Semester trotz geringer eigener Kapazit&#228;ten der Studieng&#228;nge 80-100 Lehrveranstaltungen anzubieten. (vgl. Lehrangebot im Hamburger Genderportal) Die Konzeptionen dieser Studienprogramme stie&#223;en bei Studierenden auf reges Interesse. Ca. 180 Studierende studierten oder studieren im grundst&#228;ndigen universit&#228;ren Magister- und Diplom-Nebenfach. Weitere ca. 60 Studierende, darunter viele Teilzeitstudierende, durchliefen den bereits 2004 akkreditierten Master Gender und Arbeit. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong><br />
Stellungnahme des Feministisches Instituts Hamburg anl&#228;sslich des Hamburger Frauen-Ratschlags der Partei DIE LINKE am 1. Juli 2008</strong></p>
<p class="einleitung"><strong>Im Wintersemester 2002/2003 starteten an Hamburger Hochschulen zwei sehr ambitionierte Projekte, der Masterstudiengang Gender und Arbeit an der damaligen Hochschule f&#252;r Wirtschaft und Politik sowie ein Magister- und Diplom-Nebenfachstudium Gender und Queer Studies an der Universit&#228;t Hamburg. Beide Studieng&#228;nge sind hochschul&#252;bergreifend und interdisziplin&#228;r angelegt.<br />
Zentrales Merkmal ist die Mitnutzung einer gro&#223;en Zahl einschl&#228;giger Lehrangebote insbesondere der TU Hamburg-Harburg, der Hochschule f&#252;r Angewandte Wissenschaften, der Hochschule f&#252;r bildende Kunst, der Hochschule f&#252;r Musik und Theater und der Evangelischen Hochschule f&#252;r Soziale Arbeit. Auf diese Weise wurde es m&#246;glich, den Gender und Queer Studierenden jedes Semester trotz geringer eigener Kapazit&#228;ten der Studieng&#228;nge 80-100 Lehrveranstaltungen anzubieten. (vgl. Lehrangebot im <a title="Gender Portal www.genderstudies-hamburg.de" href="http://www.genderstudies-hamburg.de">Hamburger Genderportal</a>) Die Konzeptionen dieser Studienprogramme stie&#223;en bei Studierenden auf reges Interesse. Ca. 180 Studierende studierten oder studieren im grundst&#228;ndigen universit&#228;ren agister- und Diplom-Nebenfach. Weitere ca. 60 Studierende, darunter viele Teilzeitstudierende, durchliefen den bereits 2004 akkreditierten Master Gender und Arbeit.</strong></p>
<p>Doch hier endet die Erfolgsgeschichte. Beide Studieng&#228;nge sind inzwischen von der Universit&#228;t Hamburg mit einem Zulassungsstopp belegt und drohen eingestellt zu werden. Als Gr&#252;nde werden vielf&#228;ltige benannt wie z.B. die angeblich zu geringe Nachfrage im Masterstudiengang,  der fehlende modulare Aufbau im Bachelor-Nebenfachstudiengang oder auch immer wieder das aufgrund der geringen Kapazit&#228;ten nicht hinreichende Lehrangebot. Doch anstatt bei Schwierigkeiten und M&#228;ngel nach L&#246;sungen zu suchen, wird von der Universit&#228;t ein mit Millionen vom Senat finanziertes Projekt gestoppt,  in dem Hamburg Vorreiter war und das jetzt an vielen anderen Hochschulen wie Berlin, Bremen oder Bielefeld mit viel Elan und Erfolg fortgef&#252;hrt wird.</p>
<p>Das Feministische Institut Hamburg ist der Meinung, dass es sich f&#252;r die neu gew&#228;hlte B&#252;rgerschaft, seien es die VertreterInnen in der Opposition oder in der Regierung, lohnt, die Tradition der Hamburger Gender und Queer Studies wieder neu anzusto&#223;en. Die B&#252;rgerschaft k&#246;nnte &#252;ber Runde Tische, Hearings, finanzielle Anreize und konkrete Beschl&#252;sse Anst&#246;&#223;e geben, die Gender und Queer Studies Projekte weiterzuentwickeln und daf&#252;r Sorge zu tragen, es sicher in der Hamburger Hochschullandschaft zu verankern.</p>
<p>Fachinhaltliche Gr&#252;nde daf&#252;r gibt es vielerlei, so sind z.B. die Hamburger Gender und Queer Studies gerade durch die Integration der Technischen und K&#252;nstlerischen Hochschulen sehr innovativ und tats&#228;chlich interdisziplin&#228;r ausgerichtet, noch immer ist das Hamburger Konzept bundesweit f&#252;hrend in der Queer Theorie und es gibt breite Erfahrungen der hochschul&#252;bergreifenden Zusammenarbeit u.a. auch in einem Graduiertenkolleg. Auch wird in Hamburg derzeit der Ansatz der Intersektionalit&#228;t vorangetrieben, mit dem Diskriminierungen und soziale Ungleichheiten auf der Grundlage von Geschlecht und Sexualit&#228;t verkn&#252;pft werden mit anderen Herrschaftsverh&#228;ltnissen, die mit den Differenzkategorien Klasse, Ethnie oder Alter einhergehen.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus haben die Hamburger Gender und Queer Studies enorme positive Auswirkungen auf die Hamburger Zivilgesellschaft. Das Feministische Institut Hamburg kann als eine Art &#8220;Ausgr&#252;ndung&#8221; der Hamburger Gender und Queer Studies gesehen werden. Wir versuchen theoretische Erkenntnisse queer-feministischer Forschung in die politische Praxis zu tragen. Gleichzeitig gibt es kaum eine feministische Gruppe, gleichstellungsorientierte Arbeitsgruppe oder frauenpolitische Menschenrechtsorganisation in Hamburg, die nicht &#252;ber einzelne ihrer Mitglieder direkt von dem Lehrangebot der Gender und Queer Studies oder den &#246;ffentlichen Vortr&#228;gen, Workshops, Diskussionszusammenh&#228;ngen profitiert, die rund um diese Studienangebote in Hamburg entstanden sind. Alle in der B&#252;rgerschaft vertretenen Parteien, die dieses zivilgesellschaftliche Engagement sch&#228;tzen und voranbringen m&#246;chten und nicht bei einer sicherlich notwendigen, aber nicht ausreichenden Karrieref&#246;rderung von Frauen stehen bleiben m&#246;chten, sollten deswegen ein eigenst&#228;ndiges Interesse an gesellschaftskritischen Studieng&#228;ngen wie die der Gender und Queer Studies haben.</p>
<p>Derzeit bietet die Gemeinsamen Kommission  f&#252;r Frauenstudien, Frauen- und Geschlechterforschung, Gender und Queer Studies zur &#220;berbr&#252;ckung der Zeit des Zulassungsstopps ein Zertifikat Genderkompetenz an, das Studierende erhalten k&#246;nnen, wenn sie aus den nach wie vor bestehenden Gender Lehrangebote mehrere Lehrveranstaltungen belegen. Mittelfristig muss es allerdings darum gehen, die vielf&#228;ltigen Kompetenzen im Bereich der Gender und Queer Studies in Hamburg neu zu b&#252;ndeln. Dazu bedarf es des Interesses und der Hilfe von au&#223;erhalb der Universit&#228;t. Das Feministische Institut ist der Meinung, dass es sich auch f&#252;r eine lebendige Zivilgesellschaft lohnt, mit einem attraktiven Angebot wiederum Studierende nach Hamburg zu holen, die sich interdisziplin&#228;r mit Gender und Queer Studies auseinandersetzen. Diese Studierenden sind mit ihrem kritischen und im Aufdecken von Machtmechanismen gesch&#228;rften Denken nicht nur ein Gewinn f&#252;r die Hamburger Hochschulen, sondern auch f&#252;r einen Standort Hamburg, dem der Abbau von Diskriminierungen und die Verbesserung der Lebensbedingungen aller Menschen ein Anliegen ist.</p>
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		</item>
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		<title>LizzyNet &#8211; eine Bildungsgelegenheit f&#252;r M&#228;dchen im Internet</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/lizzynet/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/lizzynet/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 11:07:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Angela Tillmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wp.feministisches-institut.de/?p=136</guid>
		<description><![CDATA[Das Internet stellt viele Bildungsgelegenheiten f&#252;r Jugendliche bereit. Es ist jedoch nach wie vor nicht f&#252;r alle Bev&#246;lkerungsgruppen gleicherma&#223;en attraktiv und zug&#228;nglich. So werden M&#228;dchen und Frauen immer noch mit Schlie&#223;ungsmechanismen konfrontiert und wenig bei der Aneignung des Mediums unterst&#252;tzt. Zudem treffen sie dort auf zielgruppenspezifische kommerzielle Angebote, die in erster Linie Stereotype bedienen. Abhilfe schafft hier ein Angebot - LizzyNet -, das ausschlie&#223;lich f&#252;r M&#228;dchen konzipiert wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, Kompetenzen von M&#228;dchen zu f&#246;rdern, ihr Selbstwertgef&#252;hl zu st&#228;rken und ihren Handlungsspielraum zu erweitern...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Das Internet stellt viele Bildungsgelegenheiten f&#252;r Jugendliche bereit. Es ist jedoch nach wie                 vor nicht f&#252;r alle Bev&#246;lkerungsgruppen gleicherma&#223;en attraktiv und zug&#228;nglich. So werden                 M&#228;dchen und Frauen immer noch mit Schlie&#223;ungsmechanismen konfrontiert und wenig bei der                 Aneignung des Mediums unterst&#252;tzt. Zudem treffen sie dort auf zielgruppenspezifische                 kommerzielle Angebote,                 die in erster Linie Stereotype bedienen. Abhilfe schafft hier ein Angebot &#8211;                 <a href="http://www.lizzynet.de/">LizzyNet</a> -, das ausschlie&#223;lich f&#252;r                 M&#228;dchen konzipiert wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, Kompetenzen von M&#228;dchen zu                 f&#246;rdern, ihr Selbstwertgef&#252;hl zu st&#228;rken und ihren Handlungsspielraum zu erweitern.</strong></p>
<p>Die Auseinandersetzung mit und &#252;ber Medien ist im h&#246;chsten Ma&#223;e identit&#228;ts- und bildungsrelevant. Insbesondere die seit Anfang der 1980er Jahre gegr&#252;ndeten Online-Communitys als auch die neuen partizipativen Beteiligungsformen des Web 2.0 laden zur Artikulation und Reflexion eigener Erfahrungen und gemeinsamen Wissensproduktion ein. Dieses Bildungspotential des Internet ist jedoch zun&#228;chst nicht allen Bev&#246;lkerungsgruppen gleicherma&#223;en zug&#228;nglich &#8211; dies verdeutlichen die geringeren Nutzungszahlen von M&#228;dchen und Frauen von Beginn an. Bis heute lassen sich Unterschiede bei der Ausstattung mit Rechnern und der Nutzungsintensit&#228;t feststellen (<a href="http://www.mpfs.de/index.php?id=110">JIM-Studie 2007</a>). Erkl&#228;rt werden kann dies damit, dass Technik innerhalb der Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit immer noch einen gender-differenzierenden Faktor darstellt. Technik- oder Computer-begeisterten M&#228;dchen f&#228;llt es schwerer, sich &#8220;weiblich&#8221; zu positionieren (Klaus/Pater/Schmidt 1997). Sie k&#246;nnen sich (zumal vor Jungen) kaum damit schm&#252;cken, in Sachen neue Technologien besonders firm zu sein. Dies f&#252;hrt eher zu Gender-Verwirrungen, die in einer heteronormativ ausgerichteten Welt die Suche nach einer ersten Beziehung deutlich erschweren. Zudem l&#228;sst sich im Internet weiterhin ein Verteilungskampf um attraktive Online-R&#228;ume beobachten, der in Form von Schlie&#223;ungsmechanismen gef&#252;hrt wird, die sich z.B. in Form von herabw&#252;rdigenden &#196;u&#223;erungen gegen&#252;ber M&#228;dchen/Frauen, der Infragestellung von technischem Knowhow bei M&#228;dchen/Frauen und den ausschlie&#223;lich an m&#228;nnlichen Bed&#252;rfnissen sich orientierenden Kommunikationsinhalten &#228;u&#223;ert (Schachtner/Duval 2004). Auch eignet sich das &#220;berangebot an pornographischen und sexistischen Angeboten wenig dazu, das Internet f&#252;r M&#228;dchen und Frauen attraktiver zu machen. Zielgruppenspezifische Internetseiten, die sich explizit an M&#228;dchen oder Jugendliche richten, sind meist kommerziell ausgerichtet und bedienen weiterhin Stereotype, wie z.B. die romantische heterosexuelle Liebe, das Sch&#246;nheitsideal, einseitige Kleidungsnormen usw. Diese Angebote laden nicht zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtsidentit&#228;t und Welt ein. Ein Angebot, das versucht, den M&#228;dchen und jungen Frauen eine Alternative zu bieten, ist <a href="http://www.lizzynet.de/">LizzyNet</a>.</p>
<h3>LizzyNet &#8211; Ein Angebot nur f&#252;r M&#228;dchen</h3>
<p>LizzyNet, urspr&#252;nglich Anfang 2000 von Schulen ans Netz e.V. gegr&#252;ndet, zu Beginn diesen Jahres dann an die Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg (MDS) &#252;bergeben, nimmt von der Konzeption und Anlage her Bezug auf sozialkonstruktivistische Gender-Theorien. Es kn&#252;pft, da es sich ausschlie&#223;lich an M&#228;dchen richtet, allerdings auch an differenztheoretisch begr&#252;ndete Prinzipien der M&#228;dchenarbeit an. Dabei wird nicht angenommen, dass M&#228;dchen einen anderen Nutzungsstil haben, vielmehr stellt LizzyNet den M&#228;dchen einen gesch&#252;tzten Raum zur Verf&#252;gung, in dem sie ihren eigenen individuellen Nutzungsstil entwickeln und weiter ausdifferenzieren k&#246;nnen. In einem geschlechtshomogenen Raum werden 12- bis 18-j&#228;hrige M&#228;dchen verschiedene Angebote zur Auseinandersetzung mit sich und der Welt gemacht. Es geht darum, Kompetenzen von M&#228;dchen zu f&#246;rdern, ihr Selbstwertgef&#252;hl zu st&#228;rken und ihren Handlungsspielraum, insbesondere im Umgang mit dem Computer und Internet, als auch ihr berufliches Spektrum zu erweitern. Die M&#228;dchen finden bei LizzyNet Artikel von Redakteurinnen und Userinnen aus den Bereichen K&#246;rper, Politik, (Pop-)Kultur, Forschung und Internet sowie verschiedene M&#246;glichkeiten zur aktiven Teilnahme (z.B. Wettbewerbe), ein umfangreiches Kommunikationsangebot (E-Mail, Chat, Foren, Clubs), zahlreiche Online-Kurse und -Spiele sowie Tipps zum genussvollen Surfen als auch Informationen und Tricks f&#252;r die Berufsfindung und Bewerbung. Unterst&#252;tzt werden die M&#228;dchen in ihren Aktivit&#228;ten von erfahrenen Nutzerinnen &#8211; den LizzyScouts &#8211; und der Redaktion.</p>
<h3>Die Faszination des Netzwerks f&#252;r M&#228;dchen</h3>
<p>Im Rahmen einer Studie und damit zahlreichen Interviews und Beobachtungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, wurde deutlich, dass das Angebot seinen besonderen Reiz f&#252;r die M&#228;dchen erh&#228;lt, da es &#8220;Spa&#223;&#8221; verspricht und eine zun&#228;chst sehr unverbindliche und damit offene Ann&#228;herung erm&#246;glicht. Ein weiterer &#8211; noch wesentlicherer &#8211; Grund daf&#252;r, warum die M&#228;dchen dabei bleiben und sich in Folge engagiert einbringen, liegt an der m&#228;dchenspezifischen Ausrichtung des Angebots. M&#228;dchen werden im Alltag mit anderen Themen und Problemen konfrontiert als Jungen, da sich ihre gesellschaftlich normierten Handlungsaufgaben im Hinblick auf Risiken und Handlungsspielr&#228;ume anders angehen und bew&#228;ltigen. Dementsprechend haben sie unter M&#228;dchen eher &#8220;das Gef&#252;hl, die Leute verstehen einen&#8221; (Lizzy, 19 Jahre). Des Weiteren sch&#228;tzen die M&#228;dchen auf LizzyNet den Schutz vor sexuellen Bel&#228;stigungen und abwertenden (m&#228;nnlichen) Kommentaren, der es ihnen erm&#246;glicht, sich sehr offen mit ihren Themen &#8211; ihrer Geschlechtsidentit&#228;t &#8211; auseinander zusetzen. Denn sonst w&#252;rde es &#8220;gerade auch in den Chats losgehen wie in &#246;ffentlichen Chatrooms, so Jungs M&#228;dels Sachen. Und ja, vielleicht k&#246;nnte man auch nicht mehr so offen miteinander umgehen wie M&#228;dels untereinander&#8221; (Lizzy, 16 Jahre). Des Weiteren weisen die M&#228;dchen auf die vielf&#228;ltigen Partizipationsm&#246;glichkeiten im Netzwerk hin und stellen die besondere Bedeutung der medienp&#228;dagogische Betreuung heraus. Sie sch&#228;tzen die spezifische Auswahl und Aufbereitung an Themen. Zudem garantieren die Redakteurinnen eine kontinuierliche Unterst&#252;tzung in fachlichen (HTML-Kurs) als auch pers&#246;nlichen Fragen: &#8220;Die sind einfach super, auf jeden Fall. Die sind halt da, wenn irgendetwas ist, dann kann man die ansprechen und das ist voll sch&#246;n. Das sind irgendwie die Eltern in der gro&#223;en Familie&#8221; (Lizzy, 16 Jahre).</p>
<h3>Identit&#228;tsarbeit im Internet &#8211; nur f&#252;r M&#228;dchen?</h3>
<p>Die Studie hat gezeigt, wie wichtig geschlechtshomogene und nicht-kommerzielle R&#228;ume im Internet sind. Sie erm&#246;glichen es, dass M&#228;dchen in einem sicheren und nicht gewinnorientierten Umfeld ihre Leidenschaften, Interessen und Sorgen aber auch ihr Expertinnentum auf pers&#246;nlichen Websites, Fanpages oder Blogs, per E-Mail, Foren, Chats oder in der Online-Zeitung (LizzyPress) f&#252;r andere darstellen und diskutieren. In der Auseinandersetzung mit anderen M&#228;dchen sichern sie ihren Lebensstil ab, teilen ihre aktuellen Schulprobleme, Zukunfts&#228;ngste und Unsicherheiten mit dem eigenen K&#246;rper, diskutieren &#252;ber heterosexuelle Umgangsformen und pr&#228;sentieren auf vielf&#228;ltige Weise ihre Medienkompetenz. Dabei sind sie immer auf der Suche nach Anerkennung, machen also Beziehungsangebote in Foren, versehen ihre Websites mit einem G&#228;stebuch, beteiligen sich am Button-Tausch, nehmen an Wettbewerben teil usw. Die R&#252;ckmeldungen dienen dabei nicht nur der Selbstbest&#228;tigung, sondern auch zur Kontaktaufnahme und Vernetzung. Mit anderen Worten: M&#228;dchen partizipieren auf vielf&#228;ltige Art und Weise &#8211; und erweitern auf diese Weise ihren bisherigen Identit&#228;tsspielraum.</p>
<p>K&#246;nnen wir uns ein solches Angebot auch f&#252;r Jungen denken? Wie m&#252;sste es konzipiert sein? Als Ankn&#252;pfungspunkte, um das Interesse der Jungen zu wecken, dr&#228;ngen sich einige Themen auf: Computerspiele, Sport &#8211; v.a. Fu&#223;ball, Autos, Artikel zu Sachthemen usw. Jungen m&#252;sste allerdings &#8211; als Pendant zu dem p&#228;dagogisch-politischen Auftrag von LizzyNet &#8211; weniger die Scheu vor der (neuen) Technologie genommen oder das Berufspektrum hin zu technischen Berufen erweitert werden, Ziel m&#252;sste es vielmehr sein, deren Lese- und vielleicht Sozialkompetenz zu f&#246;rdern und ihr Berufsspektrum in Richtung soziale Berufe zu erweitern. W&#252;rden sich Jungen in einem solchen Netzwerk wohlf&#252;hlen und dauerhaft engagieren? Eine gewisse Skepsis bleibt, womit erneut deutlich wird, dass sich das Geschlechterverh&#228;ltnis weiterhin als ein hierarchisches darstellt, in dem &#8220;m&#228;nnliche&#8221; Attribute erstrebenswerter erscheinen als &#8220;weibliche&#8221;. Aber vielleicht w&#228;re es ja trotzdem einen Versuch wert…</p>
<div>
<hr /></div>
<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Klaus, E. / Pater, M. / Schmidt, U. C. (1997): Das Gendering neuer Technologien. Durchsetzungsprozesse alter und neuer Kommunikationstechnologien. In: Das Argument, 39. Jg., 223, S. 803-818</li>
<li>Schachtner, C. / Duval, B. (2004): Virtuelle Frauenr&#228;ume: Wie M&#228;dchen und Frauen im Netz-Medium Platz nehmen. In: Kahlert, H. / Kajatin, C. (Hrsg.): Arbeit und Vernetzung im Informationszeitalter. Wie neue Technologien die Geschlechterverh&#228;ltnisse ver&#228;ndern. Frankfurt a. M.: S. 279-298</li>
</ul>
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		<title>Differenzen zwischen Frauen im Kontext von Schule: M&#228;dchenm&#252;tter gegen Jungsm&#252;tter</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/muetter/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 11:10:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wibke Derboven</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Im postmodernen Feminismus werden Differenzen zwischen Frauen betont. Das es diese gibt, ist ohne jeden Zweifel. Doch die Differenzen, die von Frauen im Alltag konstruiert werden, muten zuweilen grotesk an und sind nicht immer f&#246;rderlich. Will man Strukturen und Systeme ver&#228;ndern, braucht es gelegentlich einen Blick auf das Gemeinsame, auch wenn es ein Blick ist, der vieles &#252;bersieht. So werden besonders im Kontext von Schule - ausgel&#246;st durch die PISA-Debatte und gerahmt von der vermeintlichen "Erkenntnis" &#252;ber die unterschiedlichen Schulleistungen und Arbeitshaltungen von Jungen und M&#228;dchen - Differenzen zwischen Frauen konstruiert, die letztendlich dazu beitragen, das vorhandene Schulsystem zu stabilisieren. Ich m&#246;chte nicht das normierende Wir-Gef&#252;hl der alten Frauenbewegung bem&#252;hen, um die Akteurinnen zu befrieden, aber auch nicht den postmodernen Blick auf die Differenzen einnehmen, um die Realit&#228;t beschreibend zu erfassen. Ich w&#252;nschte mir die Entwicklung eines partiellen Wir-Gef&#252;hls aller Schulakteure, um gegen die Eigendynamik eines Schulsystems anzutreten, das in der derzeitigen Erscheinung eigentlich niemand wollen kann...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Im postmodernen Feminismus werden Differenzen zwischen Frauen betont. Das es diese gibt, ist ohne jeden Zweifel. Doch die Differenzen, die von Frauen im Alltag konstruiert werden, muten zuweilen grotesk an und sind nicht immer f&#246;rderlich. Will man Strukturen und Systeme ver&#228;ndern, braucht es gelegentlich einen Blick auf das Gemeinsame, auch wenn es ein Blick ist, der vieles &#252;bersieht. So werden besonders im Kontext von Schule &#8211; ausgel&#246;st durch die PISA-Debatte und gerahmt von der vermeintlichen &#8220;Erkenntnis&#8221; &#252;ber die unterschiedlichen Schulleistungen und Arbeitshaltungen von Jungen und M&#228;dchen &#8211; Differenzen zwischen Frauen konstruiert, die letztendlich dazu beitragen, das vorhandene Schulsystem zu stabilisieren. Ich m&#246;chte nicht das normierende Wir-Gef&#252;hl der alten Frauenbewegung bem&#252;hen, um die Akteurinnen zu befrieden, aber auch nicht den postmodernen Blick auf die Differenzen einnehmen, um die Realit&#228;t beschreibend zu erfassen. Ich w&#252;nschte mir die Entwicklung eines partiellen Wir-Gef&#252;hls aller Schulakteure, um gegen die Eigendynamik eines Schulsystems anzutreten, das in der derzeitigen Erscheinung eigentlich niemand wollen kann.</strong></p>
<p>Die alte Frauenbewegung hatte es noch: das frauenumspannende Wir-Gef&#252;hl, die globale Schwesternschaft. Es reichte zur Solidarit&#228;t und damit zur politischen Handlungsf&#228;higkeit &#8211; aber auch zur kollektiven Unterwerfung vieler Subjekte unter das neu geschaffene Bild der modernen Frau. Der Schatten der Emanzipationsbewegung generierte gewaltige Normierungsprozesse, von denen sich immer mehr Frauen unterdr&#252;ckt f&#252;hlten. Die Frauenbewegung &#252;berwand nicht nur alte Zw&#228;nge sondern erschuf in gleichem Ma&#223;e Neue. Ein Kampf um kulturelle bzw. identit&#228;re Hegemonie begann und l&#246;ste den solidarischen &#8211; d.h. &#252;ber Differenzen hinweg sehenden und das Gemeinsame in den Vordergrund stellenden &#8211; Kampf um die Transformation ungleichheitsgenerierender Strukturen ab. Die Emanzipation von der Emanzipation nahm ihren Weg. An Stelle eines Diskurses, der das Ziel hat Interessen zu formulieren und durchzusetzen, trat ein Diskurs um Identit&#228;ten. Der Fokus verschob sich von Fragen der Gerechtigkeit zu Fragen der Anerkennung, von der Suche nach Gleichheit zur Suche nach Differenz. Ohne die Frage beantworten zu k&#246;nnen, zu wollen oder zu m&#252;ssen, ob Frauen nun verschieden oder gleich sind, ob ein Wir-Gef&#252;hl angemessen erscheint oder auch nicht, scheint mir die Frage wichtig, welche K&#228;mpfe und welche B&#252;ndnisse zwischen welchen Menschen in welchen Systemen ausgetragen werden. Dadurch k&#246;nnen spezifische Konfliktlinien erkannt werden, die zur strukturellen und identit&#228;ren Hierarchisierung in den jeweiligen Bezugssystemen f&#252;hren. Manchmal werden es Konfliktlinien zwischen und manchmal innerhalb der Geschlechter sein. Trotz postmoderner Debatte um die Differenz von Frauen scheinen generell die allt&#228;glichen Konfliktlinien innerhalb der Geschlechter zurzeit weniger erforscht. Hier scheint ein Blick auf die Alltagspraxen sehr aufschlussreich. Zur Zeit tobt in der Praxis in den verschiedensten Kontexten ein Kampf um den richtigen Lebensstil. Diese Kampfzonen des Alltags k&#246;nnen Aufschluss dar&#252;ber geben, wann die Perspektive der Gleichheit und wann die der Differenz eine Verst&#228;rkung braucht.</p>
<p>Eine lange Tradition der allt&#228;glichen Differenzerfahrung zwischen Frauen haben &#8211; speziell in Deutschland &#8211; die M&#252;tter. Dabei ging es immer um die Definitionsmacht &#252;ber das Konzept der richtigen Mutterschaft. Zun&#228;chst ging es um den Disput, ob eine Mutter berufst&#228;tig sein darf oder nicht. Im Zuge der Betreuungsdebatte wird gerade wieder intensiv und ideologisch aufgeladen dar&#252;ber diskutiert, &#8220;wie viel Mutter ein Kind braucht&#8221; und wie man als Mutter zu sein hat (1). Hinzu kamen weitere Konfliktlinien, die immer spezifischer wurden. Am Beispiel des Systems Mutterschaft l&#228;sst sich verdeutlichen, wie kleinteilig Differenzerfahrungen sein k&#246;nnen. Ein Artikel im Magazin der S&#252;ddeutschen Zeitung (02.08.2007) &#252;ber Kinder-Kriegerinnen fand f&#252;r diese Kleinteiligkeit humoristische Worte:</p>
<ul>
<li>&#8220;M&#252;tter, die nur an Elternabenden in die Schule gehen, verabscheuen M&#252;tter, die den Geburtstag der Lehrerin wissen und ihr                   auch noch einen Kuchen backen.</li>
<li>M&#252;tter mit p&#228;dagogischen Ratgebern verachten M&#252;tter, die sich mit Erziehung keine M&#252;he machen, da &#8220;alles eine Frage der Gene                   ist&#8221;.</li>
<li>M&#252;tter mit Kleidergr&#246;&#223;e 40 hassen M&#252;tter mit Gr&#246;&#223;e 34/36, die Kuchen essen und jammern, seit der Geburt w&#228;ren ihre H&#252;ften                   so breit.</li>
<li>Osteopathisch gebildete M&#252;tter finden M&#252;tter unm&#246;glich, die den fragilen Nacken ihres S&#228;uglings im Babyjogger herumschleudern und &#252;ber hohe Bordsteine rumpeln.&#8221;</li>
</ul>
<p>(<a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/index.php?id=110&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=3294&amp;tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1&amp;cHash=35a450507f">Karina L&#252;bke in S&#252;ddeutsche Zeitung Magazin</a>)</p>
<p>Im Kontext der Schule gedeihen derzeit nicht weniger groteske Kampflinien. Ausgel&#246;st durch den erh&#246;hten Leistungsdruck werden verst&#246;rende Differenzen zwischen Frauen &#252;ber das Geschlecht ihrer Kinder konstruiert. Von der Forschung noch wenig beachtet, im Schulalltag jedoch schon allt&#228;glich, greift die Presse zunehmend das Thema auf. Der Beitrag &#8220;Jungsm&#252;tter-M&#228;dchenm&#252;tter. Warum gibt es immer Streit?&#8221; in Brigitte beschreibt z. B. die &#8220;herrschende Eiszeit&#8221; zwischen M&#252;ttern mit Kindern verschiedenen Geschlechts (<a href="http://www.brigitte.de/frau/familie/jungs-und-maedchenmuetter/index.html?p=2">Brigitte.de</a>). In einer neuen Variante des Geschlechterkampfes und vorwiegend im Kontext von Schulangelegenheiten werfen M&#252;tter von T&#246;chtern den M&#252;ttern von S&#246;hnen vor, diese h&#228;tten ihre S&#246;hne nicht im Griff und seien damit f&#252;r eine leistungsferne Lernatmosph&#228;re verantwortlich. M&#252;tter von S&#246;hnen werfen demgegen&#252;ber den M&#252;ttern von T&#246;chtern vor, dass das Perfektionismus- und Konkurrenzdenken ihrer T&#246;chter das Lernklima negativ pr&#228;ge.</p>
<p>Die Kampfzone M&#228;dchenm&#252;tter gegen Jungsm&#252;tter speist sich aus vielen Diskursen, Kategorien und Konfliktlinien. Dabei geht es nur vordergr&#252;ndig um Jungen und M&#228;dchen, sondern viel mehr um die Angst, das eigene Kind finde sp&#228;ter keinen Platz in der Gesellschaft. Und da vorrangig immer noch die M&#252;tter f&#252;r das m&#228;chtige und entgrenzte Erziehungspaket zur Anpassung ihrer Kinder an die Bedarfe einer globalisierten, kapitalistischen Gesellschaft zust&#228;ndig sind, sind ihre &#196;ngste und gleichzeitig Ohnmachtsgef&#252;hle so stark, dass groteske Differenzen untereinander konstruiert werden. Im Versuch der Durchsetzung bestimmter Leistungskulturen bedient man sich auf Elternabenden Kategorien, die als politisch korrekt gelten oder auch einfach nur modern sind. Denn die Leistungskategorie gilt eher als &#8220;Ellbogenkategorie&#8221; und damit als anr&#252;chig und wird auf Elternabenden nur selten genutzt. So wirkm&#228;chtig die Leistungskategorie die Konflikte in Schulen gestaltet so verschleiert tritt sie in Diskursen auf. Wer will anderen schon vorwerfen, ihr/sein Kind verlangsame den Unterricht. Da ist es doch moralisch viel korrekter sich auf die allgemein akzeptierte Wahrheit der Differenz von Jungen und M&#228;dchen zu st&#252;rzen und als Argumentationsfigur f&#252;r die Durchsetzung der eigenen Leistungsanspr&#252;che zu nutzen.</p>
<p>Im Kontext von Schule w&#252;nschte ich mir weniger Differenzempfinden und mehr Solidarit&#228;t unter den M&#252;ttern und aller anderen Schulakteure. Wie w&#228;re es mit einem partiellen Wir aller M&#228;dchenm&#252;tter, Jungsm&#252;tter, M&#228;dchenv&#228;ter, Jungsv&#228;ter, Lehrer, Lehrerinnen, Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen? Dann g&#228;be es endlich eine Interessensgruppe, die sich trotz offensichtlicher Differenzen gemeinsam gegen ein Schulsystem wehrt, das eigentlich keiner will und keinem gut tut, aber eine Eigendynamik entwickelt hat, der man meiner Meinung nach nur mit der Konstruktion eines partiellen Wir-Gef&#252;hls aller Akteure entgegentreten kann.</p>
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		<title>Teilhabende und Ausgegrenzte in der Schule: Was macht den Unterschied?</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/schule/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 Jun 2007 18:02:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wibke Derboven</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Momentan gibt es eine breite Debatte &#252;ber unterschiedliche Leistungen von Jungen und M&#228;dchen in unserer Schule. Jungen gelten als weniger flei&#223;ig, weniger zielstrebig, weniger angepasst, etc.. L&#228;ngst ist es eine soziale Tatsache, dass Schulversagen m&#228;nnlich ist. Eine Reformierung des deutschen Schulsystems scheint diese Debatte aber nicht zur Folge zu haben, eine Zementierung von Geschlechterdifferenzen dagegen schon. Deshalb ist es dringend notwendig, die Kategorie Geschlecht mit feldspezifischen Differenzlinien zu verzahnen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Momentan gibt es eine breite Debatte &#252;ber unterschiedliche Leistungen von Jungen und M&#228;dchen in unserer Schule. Jungen gelten als weniger flei&#223;ig, weniger zielstrebig, weniger angepasst, etc.. L&#228;ngst ist es eine soziale Tatsache, dass Schulversagen m&#228;nnlich ist. Eine Reformierung des deutschen Schulsystems scheint diese Debatte aber nicht zur Folge zu haben, eine Zementierung von Geschlechterdifferenzen dagegen schon. Deshalb ist es dringend notwendig, die Kategorie Geschlecht mit feldspezifischen Differenzlinien zu verzahnen.</strong></p>
<p>Am Anfang waren es Statistiken. So bewegten 2002 z. B. Zahlen, die belegten, dass 65% der Schulabg&#228;nger/innen ohne Schulabschluss und 64% der Sch&#252;ler/innen an Sonder &#8211; und F&#246;rderschulen m&#228;nnlich waren, die gesellschaftliche Debatte &#252;ber bundesdeutsche Schulwelten (Dannenb&#246;ck/Meidinger 2003). Dann wurde eine soziale Tatsache geschaffen: Schulversagen ist m&#228;nnlich. Der Zeitgeist gab dem Schulversagen ein Geschlecht. Der Spiegel Artikel &#8220;Schlaue M&#228;dchen, Dumme Jungen &#8211; Sieger und Verlierer in der Schule&#8221; (Der Spiegel, 21/2004) war Ausdruck dieser gesellschaftlichen, bin&#228;ren Wahrnehmung. Schlaue Jungs schienen die Konsequenzen zu ahnen und werten sich postum. &#8220;Ich bin sieben Jahre alt und gehe in die zweite Klasse. Ich bin nicht dumm und auch kein Verlierer&#8221;, begann ein Leserbrief (Der Spiegel, 22/2004) zu diesem Artikel. Von solchen Leserbriefen sichtlich unber&#252;hrt mehren sich seit dieser Zeit Artikel &#252;ber m&#228;nnliche Schulversager und auch in meinem Bekanntenkreis ist es l&#228;ngst eine Selbstverst&#228;ndlichkeit, dass Jungen mehr Probleme in der Schule haben als M&#228;dchen. In der Fachliteratur ist von &#8220;Boy Crisis&#8221; und &#8220;Jungenkatastrophe&#8221; die Rede. Dieser Botschaft etwas &#252;berdr&#252;ssig und zur&#252;ckgreifend auf Batesons ber&#252;hmte Sprachfigur frage ich mich schon seit l&#228;ngerem, ob Geschlecht im Kontext von Schule wirklich der Unterschied ist, der einen Unterschied macht. Und ich frage mich weiter, ob diese Unterscheidung geeignet ist, Gestaltungsma&#223;nahmen abzuleiten, die auf weniger Ausschl&#252;sse und mehr Engagement und Lernfreude in den Schulen fokussieren.</p>
<p>Die Zahlen, die aufzeigen, dass Jungen h&#228;ufiger als M&#228;dchen ausgegrenzt werden und sich ausgrenzen lassen, gibt es und sie sollten auch nicht ignoriert werden. Sie sollten aber auch nicht in den Dienst einer unreflektierten Zementierung von Geschlechterdifferenzen gestellt werden. Die wesentlichen und vor allem gestaltungsrelevanten Unterscheidungen, die &#252;ber Erfolg und Misserfolg in der Schule entscheiden, liegen immer noch im Verborgenen und werden eher verschleiert als in den &#246;ffentlichen Raum getragen, wenn man zu sehr auf die Kategorie Geschlecht fokussiert. So leicht die Kategorie Geschlecht auch zu operationalisieren ist &#8211; was ihrer Beliebtheit in den Sozialwissenschaften sicherlich zu Gute kommt-, so sperrig geb&#228;rt sie sich, wenn es um die Gestaltung unserer Welt geht. Die Gefahr der Reifizierung immer im Gep&#228;ck kann unsensibler Aktionismus die Geschlechterdifferenzen eher verst&#228;rken denn abbauen. Ich m&#246;chte genauer hinschauen und die kategoriale Brille meiner Wahrnehmung und Deutung um andere Kategorien erweitern. Es geht in erster Linie weniger um die Unterscheidung &#8220;Junge &#8211; M&#228;dchen&#8221; im Schulsystem, sondern um die Unterscheidung &#8220;erfolgreiche Akteur/innen &#8211; erfolglose Akteur/innen&#8221;. Was sind aber die wirkm&#228;chtigen Differenzen, die im Kampf um Schulerfolg und Schulversagen, im Kampf um Teilhabe und Ausgrenzung wirken? Mit welchen Unterscheidungen m&#252;ssen wir in die Analyse gehen, um daraus Konzepte zu entwickeln, die mehr Lernende zu Teilhabenden in der Schule und damit sp&#228;ter auch in der Gesellschaft werden lassen? Es ist an der Zeit die Kategorie Geschlecht mit feldspezifischen Kategorien der Differenz zu verzahnen, damit sich in unserer Gesellschaft nicht das materialisiert, was man verhindern m&#246;chte &#8211; n&#228;mlich Geschlechterdifferenz. Die Geschlechterforschung hat &#8211; ausgel&#246;st durch die Debatte um die Reifizierung &#8211; neue Wege der Kategorisierung in der wissenschaftlichen Forschung und f&#252;r gesellschaftliche Debatten vor- und eingeschlagen und verschiedene Konzepte f&#252;r eine komplexere Analyse entwickelt. Die Aussagen &#252;ber Jungen in der Schule sollten nicht hinter diese Debatte zur&#252;ckfallen. Vor diesem Hintergrund ist die Sichtbarmachung vielf&#228;ltigster Kapitalien und Differenzlinien in der Lebenswelt &#8220;Schule&#8221; mehr als &#252;berf&#228;llig. In j&#252;ngster Zeit kann man zwar eine Verkn&#252;pfung der Kategorie &#8220;Geschlecht&#8221; mit der Kategorie &#8220;Schicht&#8221; und der Kategorie &#8220;Ethnie&#8221; beobachten, die unter bestimmten Rahmungen zu begr&#252;&#223;en w&#228;re, derzeit aber eher Zuschreibungen und Vorurteile produziert. Der Trend zeichnet sich ab, dass Schulversager ein neues Label bekommen: m&#228;nnlich, aus der Unterschicht und mit Migrationshintergrund. Stereotypisierungseffekte sind vorprogrammiert, wenn man diese neue Differenzierung nicht in die Rahmung von struktureller Ausgrenzung, sondern in die Rahmung von elterlichen Erziehungsdefiziten stellt. Ein Blick auf feldspezifische Differenzlinien ist nach wie vor dringend notwendig.</p>
<p>Schaut man in den <a title="Bildungsbericht des Konsortium Bildungsberichterstattung als PDF" href="http://www.bildungsbericht.de/daten/gesamtbericht.pdf">Bildungsbericht          2006</a> so lassen sich gestaltungsm&#228;chtige Differenzlinien jenseits des Geschlechts erkennen, wenn auch manchmal erst auf den zweiten Blick. So wird z. B. in dem Kapitel &#8220;Unterschiede nach Geschlecht&#8221; vor allem auf die h&#246;heren Sprachkompetenzen der M&#228;dchen hingewiesen. Sprachkompetenzen scheinen ein Kapital darzustellen, welches nicht innerhalb des Systems angesammelt werden kann, aber f&#252;r die Schullaufbahn von entscheidender Bedeutung ist und damit eine entscheidende Differenzlinie darstellt. Ebenso Geschlechter different aber weit weniger schulrelevant sind computerbezogene Kompetenzen. Im Bildungsbericht wird fest gehalten, dass Jungen insgesamt besser mit dem Computer umgehen als M&#228;dchen. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Umgang mit dem Computer weitgehend au&#223;erhalb der Schule erlernt wird und dass diese Kompetenz &#8211; obwohl in au&#223;erschulischen Lebenswelten &#228;u&#223;erst wichtig &#8211; keine entscheidende Kapitalie und damit Differenzlinie f&#252;r einen generellen Schulerfolg darstellt. Will man Teilhabe gerechter gestalten, darf Schule bei schulischen Kernkompetenzen weder auf den Lernort &#8220;Freizeit&#8221; vertrauen noch wesentliche gesellschaftliche Kompetenzen komplett aus der Bewertungslogik ausblenden.</p>
<p>Insgesamt scheint unser Schulsystem offensichtlich besonders ungeeignet zu sein, mit Differenz umzugehen. In der Schule haben sprechende, schreibende und lesende T&#228;tigkeiten Vorrang vor allen anderen. Der Umgang mit zeitgem&#228;&#223;en Werkzeugen f&#252;hrt ein Schattendasein. Damit wird vorherrschend auf b&#252;rokratische Lebenswelten vorbereitet und damit einhergehend werden &#8220;b&#252;rokratische Lernstile&#8221; stark beg&#252;nstigt und einseitig gefestigt. Und dies obwohl in der Lernforschung seit langem bekannt ist, dass diese Art des Lerners eher passives Wissen erzeugt und wenig geeignet ist &#8220;Selbstwirksamkeit&#8221; zu konstruieren. Und was ist mit Kindern, die andere Lernstile in ihrer Lebenswelt ausgebildet haben? Kinder, die eher einen praktischen denn einen theoretischen Sinnhorizont entwickelt haben. Diese Kinder werden stark benachteiligt, egal ob Junge oder M&#228;dchen, und dies obwohl gerade praktisches und weniger theoretisches Handeln in vielen Lebensbereichen die Expertin/den Experten ausmacht. Vor dem Hintergrund von gleichwertiger Verschiedenartigkeit und struktureller Ungleichstellung, gibt es jenseits vom Geschlecht wirkm&#228;chtige Dimensionen, die helfen, sowohl die Inhalte, die Didaktik als auch die Bewertungslogiken neu zu beleuchten. Diese Dimensionen m&#252;ssen in ihrer Vielfalt und relationalen Bedingtheit diskutiert und in entsprechende Strukturen und vor allem soziale Praktiken transformiert werden. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Selektionslogik in unserem Schulsystem eine wirkliche Herausforderung!</p>
<h3>Literatur:</h3>
<p>Dannenb&#246;ck, Kornelia &amp; Meidinger, Heinz-Peter (2003): Geraten Jungen in unserem Bildungssystem immer mehr ins Abseits? In: Das Magazin f&#252;r Gymnasium und Gesellschaft, 3, S. 8-14.</p>
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		<title>Gender@Wiki &#8211; ein Fachwiki f&#252;r die deutschsprachige Frauen- und Geschlechterforschung</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2007 10:58:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 09.02.2007 ging das Gender@Wiki unter www.genderwiki.de online. Mit diesem Projekt, das aus einem studentischen Projekttutorium heraus entwickelt wurde, entsteht ein Informations- und Vernetzungsangebot f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung, mit dem sich aus feministischer und wissenschaftspolitischer Sicht sowie f&#252;r die Internetforschung und -gestaltung verschiedene interessante Chancen, Herausforderungen und Fragen ergeben...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Am 09.02.2007 ging das Gender@Wiki unter www.genderwiki.de online. Mit diesem Projekt, das aus einem studentischen Projekttutorium heraus entwickelt wurde, entsteht ein Informations- und Vernetzungsangebot f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung, mit dem sich aus feministischer und wissenschaftspolitischer Sicht sowie f&#252;r die Internetforschung und -gestaltung verschiedene interessante Chancen, Herausforderungen und Fragen ergeben.</strong></p>
<p>Am 09.02.2007 ging das Gender@Wiki unter <a title="Gender@Wiki" href="http://www.genderwiki.de/">www.genderwiki.de</a> offiziell online. Das Wiki soll f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung ein &#8220;kollaboratives Informations- und Vernetzungsangebot&#8221; sein. Studierende und Lehrende sind eingeladen, das Gender@Wiki aktiv mitzugestalten. Es soll als &#8220;ein virtueller Diskussionsraum bzw. als Onlineplattform eines Kommunikationsnetzwerkes genutzt werden, in dem der Austausch von Fachinformationen unter Ber&#252;cksichtigung der f&#252;r die Geschlechterforschung zentralen Kennzeichen (Kategorie Geschlecht, Inter- bzw. Transdisziplinarit&#228;t, Wissenschaftskritik, Wissenstransfer in die Praxis) m&#246;glich ist&#8221; (<a title="Gender@Wiki" href="http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Hauptseite">Gender@Wiki</a>). Dieses ambitionierte Projekt entstand im Rahmen eines studentischen Projekttutoriums an der Humboldt-Universit&#228;t zu Berlin. Die beteiligten Studierenden aus F&#228;chern wie Bibliothekswissenschaften und Gender Studies haben mittlerweile den Verein &#8220;Gender@Wiki &#8211; Gesellschaft zur F&#246;rderung von frei zug&#228;nglichem Fachwissen der Frauen- und Geschlechterstudien e.V.&#8221; (<a title="Foto der Gr&#252;ndungsgruppe Gender@Wiki" href="http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Bild:Gruendungsgruppe.jpg">Bild der Gruendungsgruppe</a>) gegr&#252;ndet. Seit der Er&#246;ffnung steigt die Zahl der Artikel kontinuierlich. Dabei finden sich dort nicht nur Artikel zu Begriffen und Themen, sondern auch zu AkteurInnen und Institutionen der Frauen- und Geschlechterforschung wie Forschungseinrichtungen, Bibliotheken, Stiftungen und Arbeitskreise.</p>
<p>&#196;hnlich wie bei der popul&#228;ren Online-Enzyklop&#228;die Wikipedia liegt die Idee dieses Projekts darin, dass Interessierte schnell Informationen und Entwicklungen in das Wiki einarbeiten und &#228;ndern k&#246;nnen. Das Gender@Wiki bietet Studierenden und Lehrenden gleichzeitig eine M&#246;glichkeit, ihre Schwerpunkte und Thesen an einem zentralen Ort abzubilden. Recherchierende haben dadurch die M&#246;glichkeit, sich einfach einen &#220;berblick zu verschaffen, welche Personen zu welchen Themen forschen. Zu jeder erstellten Seite geh&#246;rt eine Diskussionsseite, so dass strittige Punkte &#246;ffentlich diskutiert werden k&#246;nnen. Ver&#228;nderungen, die an einzelnen Beitr&#228;gen vorgenommen wurden, k&#246;nnen durch die Versionsgeschichte nachvollzogen werden. &#8220;Gemeinsames Arbeiten an einem Text f&#252;hrt zur Verwischung der Grenzen zwischen passivem Lesen und aktivem Erstellen und somit zu einem neuen Verst&#228;ndnis von Texten&#8221;, so die Projektgruppe (<a title="Portal Gender@Wiki" href="http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Gender@Wiki:Portal">Gender@Wiki: Portal</a>). Die Texte werden als kontinuierlich im Wandel und als unfertig und ver&#228;nderbar begriffen. Damit wird anerkannt, dass Wissen nichts Objektives, sondern Ergebnis umk&#228;mpfter Positionen und verhandelbar ist. Das Gender@Wiki stellt sich dadurch in die Tradition feministischer Erkenntniskritik.</p>
<p>Das Gender@Wiki ist aus unserer Sicht ein spannendes und unterst&#252;tzenswertes Projekt, da es verschiedene Chancen beinhaltet und interessante Fragen aufwirft. Zum Beispiel stellt es die zurzeit in der Wissenschaft &#252;bliche Publikationspraxis in Frage. Der wissenschaftliche Alltag ist gepr&#228;gt von der Notwendigkeit langer Publikationslisten, von Zeitknappheit und der Abgrenzung der eigenen Themen von denen anderer. Texte zu schreiben und bereitzustellen, die andere ver&#228;ndern k&#246;nnen, passt nicht wirklich in diese Logik. Spannend wird also sein zu beobachten, mit wie viel Engagement sich Studierende und Lehrende an der Mitgestaltung des Gender@Wiki beteiligen.</p>
<p>Interessant ist auch die Frage, inwiefern mit dem Gender@Wiki ein Raum entsteht, in dem es gelingt, Hierarchien des Wissenschaftssystems au&#223;er Kraft zu setzen. Es wird sich zeigen, ob es denkbar und m&#246;glich wird, dass Studierende Artikel von Lehrenden korrigieren, kritisieren und &#252;berarbeiten.</p>
<p>Zudem ist das Gender@Wiki ein viel versprechender Versuch der B&#252;ndelung, Strukturierung und Vernetzung frauen- und geschlechterpolitischer Informationen im Internet. Die vorfindbare F&#252;lle an Informationen im Internet ist gr&#246;&#223;tenteils unverbunden und dadurch sehr un&#252;bersichtlich. Informationen sind oft nicht leicht zu finden. Damit bleiben viele Websites lose Punkte ohne Netz. Mit dem Gender@Wiki kann es gelingen, die verstreuten Informationen und die zergliederte und vielf&#228;ltige Hochschul- und Universit&#228;tslandschaft im Feld der Frauen- und Geschlechterforschung zu vernetzen, transparenter und besser findbar zu machen. Gleichzeitig kann eine erfolgreiche Vernetzung zu einer St&#228;rkung der AkteurInnen nach au&#223;en f&#252;hren, was vor dem Hintergrund der vielerorts zu beobachtenden finanziellen K&#252;rzungen im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung nicht unwichtig ist.</p>
<p>Mit dem Gender@Wiki wird auch die Forderung nach feministischer Mitgestaltung von Technik umgesetzt. Neben vielen androzentrischen und sexistischen Inhalten entsteht damit ein Ort f&#252;r frauen- und geschlechterpolitische Themen im Internet. Gleichzeitig muss dar&#252;ber nachgedacht werden, inwiefern es sinnvoll ist, ein eigenes, separates Wiki f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung zu er&#246;ffnen oder ob es nicht genauso wichtig w&#228;re, Mainstream-Angebote wie Wikipedia mit Inhalten der Frauen- und Geschlechterforschung zu f&#252;llen. Dass es ein solches Bed&#252;rfnis zu geben scheint, zeigt die schnelle &#220;bertragung einzelner Artikel von Gender@Wiki nach Wikipedia, die bereits kurz nach deren Ver&#246;ffentlichung erfolgte. Das Interessante am Internet ist, dass beides relativ unkompliziert gleichzeitig verwirklicht werden kann.</p>
<p>Dass es auf diese Fragen und Herausforderungen keine eindeutigen und klaren Antworten gibt, macht das Gender@Wiki zu einem spannenden und viel versprechenden Projekt f&#252;r die Frauen- und Geschlechter- sowie auch f&#252;r die Internetforschung. Bleibt zu hoffen, dass sich viele Studierende, Forschende und Lehrende an der Mitgestaltung beteiligen!</p>
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