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Arbeit

Prekäre Gegenmacht im Lebensmitteleinzelhandel

17.12.2012, Matthias Neumann

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) war in den letzten Jahren in den Medien vor allem präsent durch Negativschlagzeilen, was Löhne, Arbeitsbedingungen oder den Umgang von Unternehmen oder Vorgesetzten mit den Beschäftigten betrifft: Arbeitshetze und rücksichtsloser Umgang mit Beschäftigten, Anti-Betriebsrats-Strategien oder Scheinwerkverträge, also faktische Leiharbeit unter Umgehung der gesetzlichen und tariflichen Regulierungen. Zuletzt die Schließung von vier Netto-Märkten in Göttingen, in denen sich ein gewerkschaftlicher Vertrauensleutekörper gebildet hatte. So entsteht der Eindruck, dass die Arbeit im Supermarkt unter prekären Bedingungen stattfindet, ohne betriebliche Interessenvertretung schlecht bezahlt wird, die unterdrückten Kolleginnen hilflos sind und am liebsten aufhören würden, sobald sie etwas Besseres finden. Dieses Bild ist nicht einfach falsch. Was da skandalisiert wird, sind keine Einzelfälle, und das Bild beschreibt Verhältnisse, die für viele Beschäftigte so alltäglich wie unerträglich sind. Dennoch versuche ich im Folgenden zu zeigen, dass dieses Bild unvollständig ist… Zum ganzen Artikel


Zur bundesweiten Kaiserschnitt-Kampagne

2.10.2012, Karin Bergdoll

„In Deutschland kommt jedes dritte Kind durch einen Kaiserschnitt auf die Welt. – Es ist höchste Zeit, die Kaiserschnittrate zu senken.“ Mit dieser Aussage hat der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft (AKF e.V.) eine bundesweite Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland eingeleitet… Zum ganzen Artikel


Die Schleckerfrauen: Der Kapitalismus kennt keine Moral

29.04.2012, Kersten Artus

Die Schlecker-Pleite, Folge einer jahrelangen verfehlten Unternehmenspolitik, bedroht die Existenzen zehntausender Menschen, vor allem Frauen. Die Gründung einer Transfergesellschaft scheiterte am Widerstand der Neoliberalen. Doch auch die Gewerkschaften haben Fehler gemacht. Die Schlecker-Pleite sollte Anlass sein, über eine neue Standortpolitik, über persönliche Managerhaftung, mehr betriebliche Mitbestimmung und eine Reform der staatlichen Leistungen in Richtung einer repressionsfreien, existenzsichernden Grundleistung nachzudenken. Außerdem weist sie auf ein kommendes Problem hin, das uns in Zukunft immer mehr beschäftigen wird: die massenhafte Altersarmut vor allem von Frauen durch immer mehr Kurzfrist-, Teilzeit- und Minijobs… Zum ganzen Artikel


„Nach meinem Studium möchte ich Au-pair werden“: Zur Bedeutung des Au-pair Aufenthalts in der Biographie junger Russinnen

16.12.2010, Caterina Rohde

Au-pair Programme richten sich in Westeuropa an junge Frauen, die nach dem Ende ihrer Schulzeit einige Monate in ein anderes Land reisen wollen, um die Kultur kennenzulernen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern oder sich eine Auszeit zu nehmen, bevor sie ein Studium oder eine Ausbildung beginnen. Blickt man aber auf Au-pairs aus Russland, ist auffällig, dass ihr Au-pair Aufenthalt oft in eine ganz andere Phase des Lebenslaufs fällt. Viele studieren oder haben ihr Studium sogar abgeschlossen und erste Berufserfahrungen gesammelt. In der Wissenschaft wird aktuell der „Au-pair Austausch“ von Ost- nach Westeuropa hauptsächlich in Hinblick auf die schlecht entlohnten oder gar ausbeuterischen Beschäftigungsverhältnisse im Privathaushalt diskutiert (vgl. Rerrich 2006, Anderson 2006, Lutz 2008). Bisher ist wenig bekannt über die jungen Frauen, die sich entscheiden als Au-pair zu arbeiten (vgl. Hess 2009, Orthofer 2009). Dieser Artikel möchte daher einen kleinen Einblick in die Bedeutung des Au-pair Aufenthalts in den Lebensläufen junger Russinnen geben und dabei vor allem Augenmerk auf den Faktor „Geschlecht“ legen… Zum ganzen Artikel


„Ich bin nicht arbeitslos.“ Aktivierung? Nein danke! ALG II-beziehende Ehefrauen mit Kinderbetreuungsverpflichtungen im Widerstand?

20.01.2010, Kathrin Englert

Mit der Einführung der Hartz IV-Gesetzgebung (SGB II) werden Ehefrauen als Aktivierungskundinnen entdeckt. Als solche erfahren sie eine Nicht-(mehr)-Duldung ihrer Mutterrolle im Rahmen des Ernährermodells und werden stattdessen zu einer Erwerbsarbeitsaufnahme mobilisiert. Damit greift das SGB II die zentrale feministische Forderung nach einer gleichberechtigten Erwerbsintegration von Frauen auf. Doch kann dies angesichts der großen Zumutungen und strengen Verhaltensnormen, die mit dem ALG II-Bezug verbunden sind, aus einer feministischen Sicht positiv bewertet werden? Und ist dann eine Verweigerung der Erwerbsaufnahme von Seiten der Ehefrauen aus feministischer Sicht zu kritisieren oder als eine Form von Widerstand zu begrüßen?.. Zum ganzen Artikel


Care Revolution – ein Weg aus der Reproduktionskrise

16.12.2009, Gabriele Winker

Sorgearbeit für sich und Andere ist von enormer Bedeutung sowohl für das umsorgte Individuum als auch für eine menschenwürdige Gesellschaft – das ist allgemeiner Konsens. Auch dass die privat zu organisierende Sorgearbeit zunimmt, wenn wie derzeit die staatlich abgesicherte Versorgung aus Kostengründen eingespart wird, ist weitgehend unumstritten. Dennoch wird die Frage, wer Sorgearbeit in Zeiten allseits geforderter Erwerbstätigkeit übernehmen soll, im politischen Raum weder aufgeworfen noch beantwortet. Dies hat zur Folge, dass viele Menschen, insbesondere Frauen mit Sorgeverpflichtungen gegenüber Kindern, Pflegebedürftigen oder anderen unterstützungsbedürftigen Personen, gezwungen sind, Sorgearbeit oft am Rande der vollständigen Überbeanspruchung tagtäglich neben der eigenen Berufstätigkeit auszuführen. Mit einem Aufruf zur Care Revolution möchte ich das strategische Schweigen durchbrechen und dazu auffordern, Sorgearbeit in ihrer Bedeutung und Gestaltung gesellschaftlich neu zu diskutieren. Ziel soll es sein, gerade den Sorgearbeitenden Muße bei gleichzeitiger sozialer Sicherheit zu ermöglichen, anstatt sie weiterhin einer Doppelbelastung und fehlender sozialer Absicherung auszusetzen. … Zum ganzen Artikel


Arbeitende Frauen vereinigt Euch!

21.11.2009, Kathrin Schrader

Der französische Soziologe Michel Foucault plädiert in unterschiedlichen Texten und Gesprächen – u.a. in „Von der Freundschaft als Lebensweise“ mit Renè de Cecatty, Jean Danet und Jean Le Bitoux sowie in „Geschichte und Homosexualität“, welches er mit J.P. Joecker, M. Querd, A. Sanzio führte – dafür, schwul zu werden bzw. daraufhin zu arbeiten. Es geht ihm dabei nicht darum, dass man homosexuell sein muss, sondern „ sich in eine Dimension zu versetzen, in der die sexuellen Entscheidungen, die man fällt, immer gegenwärtig sind und unser ganzes Leben beeinflussen.“ Mit diesen sexuellen Entscheidungen sollen nicht normative Lebensweisen geschaffen werden. Schwul zu sein durchdringt das gesamte Leben. Es geht ihm darum, vorgefertigte Lebensweisen abzulehnen und die Sexualität dafür zu verwenden, neue Beziehungsformen zu erfinden. „Schwul zu sein heißt im Werden zu sein.“… Zum ganzen Artikel


Work-Life-Balance als Antwort auf die schöne neue Welt?

6.02.2008, Stefan Paulus

…ultraflexible Arbeitsformen, dezentralisierte Arbeitsplätze, Privatisierung und Rationalisierung; das Auslagern von Funktionen und Dienstleistungen an Subunternehmen, MitarbeiterInnen, die sich selbst für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich fühlen sollen, die neoliberale Losung “Arbeit, Arbeit, Arbeit”, das Bedürfnis einer Wirtschaftsweise für stetigen Wachstum über die ganze Erdkugel zu jagen und die billigsten Standorte und Arbeitskräfte zu finden… All das sind Formen einer kapitalistischen Verwertungsstrategie, die darauf abzielt Ausbeutungsbedingungen zu verschärfen und sozialstaatliche Sicherungen aufzulösen. Die Vereinbarkeit von Leben und Arbeit scheint außer Kontrolle geraten zu sein. Work-Life-Balance Konzepte versprechen Abhilfe… Zum ganzen Artikel


Die Hürden der Organisierung – Workshop zu kollektiven Handlungsmöglichkeiten migrantischer Hausarbeiterinnen

4.12.2007, Iris Nowak

Bezahlte Hausarbeit, sei es Putzen, Pflegearbeit oder Kinderhüten, ist für Frauen, die in der Migration leben, einer der wichtigsten Arbeitsmärkte. Ihre prekäre Lebens- und Arbeitssituation wird zunehmend Thema in manchen Massenmedien und wissenschaftlichen Kontexten. Auffallend ist dabei, dass kaum über kollektive Handlungsmöglichkeiten berichtet wird, mit denen die Frauen für ihre Rechte kämpfen (können). Der Workshop “Organisierung zwischen Autonomie und Pflegenotstand”, der im September 2007 in Hamburg stattfand, wollte diese Leerstelle füllen. Das überraschend große Interesse an dem Workshop – etwa 60 Personen nahmen daran teil – lässt darauf schließen, dass an solchen Diskussionen über Organisierung, die Fragen nach Migration und Geschlecht als Ausgangspunkt nehmen, ein großer Bedarf besteht… Zum ganzen Artikel


Ein Plädoyer für die Achtung von Alterität und Destigmatisierung in der Sexarbeit

4.04.2007, Kathrin Schrader

Prostitution ist in Deutschland – trotz gesellschaftlicher Umbrüche – auch weiterhin mit Stigmata behaftet. Diese klandestine Welt scheint reizvoll und hinterfragt gleichzeitig die Tabus im Umgang mit Sexualität und Körper. Die Einführung des Prostitutionsgesetzes im Januar 2002 sollte die Situation der SexarbeiterInnen verbessern. Bislang wurden jedoch keine großen Erfolge verzeichnet, weil einerseits die dichotomen Gegenüberstellungen von Selbstbestimmung, Freiwilligkeit, positiver und negativer Freiheit versus Abhängigkeit, Zwang und sexuelle Ausbeutung der Komplexität von Prostitution nicht gerecht werden und andererseits die Verschränkungen verschiedener Gesetzgebungen zu neuer Marginalisierung führt. Es ist erforderlich die Heterogenität der Sexarbeit aufzuzeigen und auch die Marginalisierten entlang der Achse des Prostitutionsgesetzes sichtbar zu machen. Zum ganzen Artikel


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Über Anregungen, Kritiken und andere Positionen freuen wir uns jederzeit: info[at]feministisches-institut.de


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