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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Arbeit</title>
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		<title>„Ich bin nicht arbeitslos.“ Aktivierung? Nein danke!  ALG II-beziehende Ehefrauen mit Kinderbetreuungsverpflichtungen im Widerstand?</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 19:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Englert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der Einf&#252;hrung der Hartz IV-Gesetzgebung (SGB II) werden Ehefrauen als Aktivierungskundinnen entdeckt. Als solche erfahren sie eine Nicht-(mehr)-Duldung ihrer Mutterrolle im Rahmen des Ern&#228;hrermodells und werden stattdessen zu einer Erwerbsarbeitsaufnahme mobilisiert. Damit greift das SGB II die zentrale feministische Forderung nach einer gleichberechtigten Erwerbsintegration von Frauen auf. Doch kann dies angesichts der gro&#223;en Zumutungen und strengen Verhaltensnormen, die mit dem ALG II-Bezug verbunden sind, aus einer feministischen Sicht positiv bewertet werden? Und ist dann eine Verweigerung der Erwerbsaufnahme von Seiten der Ehefrauen aus feministischer Sicht zu kritisieren oder als eine Form von Widerstand zu begr&#252;&#223;en?..]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Mit der Einf&#252;hrung der Hartz IV-Gesetzgebung (SGB II) werden Ehefrauen als Aktivierungskundinnen entdeckt. Als solche erfahren sie eine Nicht-(mehr)-Duldung ihrer Mutterrolle im Rahmen des Ern&#228;hrermodells und werden stattdessen zu einer Erwerbsarbeitsaufnahme mobilisiert. Damit greift das SGB II die zentrale feministische Forderung nach einer gleichberechtigten Erwerbsintegration von Frauen auf. Doch kann dies angesichts der gro&#223;en Zumutungen und strengen Verhaltensnormen, die mit dem ALG II-Bezug verbunden sind, aus einer feministischen Sicht positiv bewertet werden? Und ist dann eine Verweigerung der Erwerbsaufnahme von Seiten der Ehefrauen aus feministischer Sicht zu kritisieren oder als eine Form von Widerstand zu begr&#252;&#223;en?</strong></p>
<p>Mit der Einf&#252;hrung des SGB II kommt es zu einer Abkehr vom Prinzip der Sicherung des Lebensstandards, das der Arbeitslosenhilfe zu Grunde lag. Gew&#228;hrt wird nun lediglich eine Existenzsicherung. Gleichzeitig wird die Eigenverantwortung bei der &#220;berwindung von Erwerbslosigkeit betont und eine verst&#228;rkte Verf&#252;gbarkeit auf dem Arbeitsmarkt mit entsprechend versch&#228;rften Zumutbarkeitsregelungen gefordert. Die Leistungen nach SGB II werden nicht mehr nach dem fr&#252;heren Einkommen des Ern&#228;hrers berechnet, sondern nach Gr&#246;&#223;e und Zusammensetzung der Bedarfsgemeinschaft. Bestand vor Einf&#252;hrung der Hartz IV-Gesetzgebung f&#252;r Ehefrauen die M&#246;glichkeit, sich freiwillig erwerbslos zu melden, so wird diese Freiwilligkeit nun durch eine Pflicht ersetzt: Sobald der Ehemann in den ALG II-Bezug ger&#228;t, wird die Ehefrau als Mitglied der Bedarfsgemeinschaft f&#252;r die Finanzierung der Bedarfsgemeinschaft mitverantwortlich und befindet sich somit im Geltungsbereich der SGB II-Tr&#228;ger. Hier werden erwerbslose Ehefrauen mit der Aktivierungspolitik und dem Zwang zur Arbeit konfrontiert und sollen als Aktivierungskundinnen der Norm universeller Erwerbsb&#252;rgerschaft entsprechend vergesellschaftet werden. Dabei ist jede Arbeit zumutbar, und die Nichterf&#252;llung von Forderungen wird sanktioniert. Von der Erwerbspflicht ausgenommen sind die Frauen nur dann, wenn sie Kinder unter drei Jahren betreuen oder pflegebed&#252;rftige Familienmitglieder versorgen.</p>
<p>Zu gewinnen haben die Ehefrauen durch die Entdeckung als Erwerbslose nicht viel, denn die SGB II-Tr&#228;ger fordern viel und f&#246;rdern wenig. Qualitativ hochwertige Ma&#223;nahmen und Qualifizierungsangebote gibt es kaum. F&#252;r die Ehefrauen ist zudem von Nachteil, dass Berufsr&#252;ckkehrerinnen im SGB II keine spezielle, f&#246;rderungsw&#252;rdige Personengruppe mehr darstellen. Auch erhalten sie kaum Unterst&#252;tzung von den SGB II-Tr&#228;gern bei der Organisation der Kinderbetreuung. Problematisch ist zudem, dass die Erwerbsintegration vor allem &#252;ber eine Besch&#228;ftigungsaufnahme im Niedriglohnsektor erreicht werden soll (siehe Englert 2008).</p>
<p>F&#252;r viele Frauen wird also die Abh&#228;ngigkeit vom Familienern&#228;hrer ersetzt durch die Pflicht zur Vermarktung der eigenen Arbeitskraft unter prek&#228;ren Bedingungen und durch ein Leben unter den rigiden Einschr&#228;nkungen und Zw&#228;ngen von ALG II (Winker 2007). Das Risiko Erwerbslosigkeit soll individuell und marktvermittelt bew&#228;ltigt werden. Der Lebensentwurf Ern&#228;hrermodell wird arbeitsmarktpolitisch nicht mehr geduldet, beide PartnerInnen werden als Erwerbspersonen angesprochen und damit wird der famili&#228;re Rollentausch gefordert. Dieses sozialrechtliche Prinzip kommt in der Geschichte der bundesrepublikanischen Arbeitsverwaltung erstmalig im SGB II zur Umsetzung und markiert auf normativer Ebene ein qualitativ neues Niveau der Abkehr vom Ern&#228;hrermodell. Deutlich wird aber, dass das Ern&#228;hrermodell schichtspezifisch verunm&#246;glicht und tendenziell von unten aufgek&#252;ndigt wird (Knuth 2007). Zu einer Abkehr vom Ern&#228;hrermodell kommt es n&#228;mlich nur, wenn das Prinzip der ehelichen Einstandspflicht &#252;ber die versch&#228;rften Regelungen zur Anrechnung von Partnereinkommen nicht greift, kurz: wenn der Ehemann zu wenig verdient. Wenn der Partner &#252;ber einen ausreichenden Lohn verf&#252;gt, erhalten die anderen Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft keine ALG II-Leistungen und werden zu sogenannten Nichtleistungsbeziehenden. In diesem Fall kommt es zu einer Konservierung des Ern&#228;hrermodells und zu einer Familialisierung des Risikos Erwerbslosigkeit, indem die finanziellen Folgen vom Ern&#228;hrer getragen werden.</p>
<p>Aus einer feministischen Perspektive ist die Konservierung des Ern&#228;hermodells &#252;ber die versch&#228;rfte Anrechnung von Partnereinkommen zu kritisieren. Gefordert werden muss eine Individualisierung der sozialen Sicherung, so dass familiale Einstandspflichten und private Abh&#228;ngigkeiten reduziert werden (Berghahn u.a. 2007). Aber auch die Abkehr vom Ern&#228;hrermodell im SGB II erscheint aus feministischer Perspektive problematisch, weil die Verteilung und Anerkennung von Sorgearbeit sowie das Anliegen von „guter Erwerbsarbeit“ (Kurz-Scherf u.a. 2005) ausgeblendet werden. Der Aktivierungsansatz richtet sich am „m&#228;nnlichen“ Modell einer Vollzeitverf&#252;gbarkeit aller erwerbsf&#228;higen Erwachsenen aus. Durch die geschlechtsneutralen Formulierungen bleiben die Rahmenbedingungen, in denen die Aktivierung stattfindet, ausgeblendet. Die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitssituationen von Frauen werden nicht ber&#252;cksichtigt. Dazu z&#228;hlt insbesondere die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zwischen Erwerbsarbeit und familialer Sorgearbeit. Sorgearbeit erscheint in der Logik des SGB II lediglich als lebensweltliches Vermittlungshemmnis, gilt als privates Problem hinsichtlich der Besch&#228;ftigungsf&#228;higkeit und wird nicht als gesellschaftlich notwendige Arbeit anerkannt. Desweiteren ist die Ausblendung der Segmentierung der Arbeitsm&#228;rkte zu problematisieren. Frauen haben schlechtere berufliche Positionen, werden niedriger entlohnt und sind durchschnittlich l&#228;nger erwerbslos. Es ist somit fraglich, inwiefern aktivierte Frauen &#252;berhaupt einen existenzsichernden Lohn mit ihrer Erwerbst&#228;tigkeit erwirtschaften k&#246;nnen – zumal sie aufgrund der neuen Zumutbarkeitsregelungen gezwungen sind, eine wie auch immer geartete Erwerbsarbeit anzunehmen, und ihre Arbeitsmarktposition nicht mit qualifizierenden Ma&#223;nahmen verbessert wird.</p>
<p>Die Forderung nach eigenst&#228;ndiger Existenzsicherung von Frauen wird im SGB II somit nicht mit der urspr&#252;nglich emanzipatorischen Intention einer Gleichstellung, Unabh&#228;ngigkeit und Selbstbestimmung der Individuen aufgegriffen, sondern um die nach neoliberalem Credo existierende Finanzkrise des Wohlfahrtsstaats zu beheben und so die angeblich staatlich nicht mehr finanzierbare Verantwortung f&#252;r das Risiko Erwerbslosigkeit neu zu verteilen. Vor diesem Hintergrund erscheint die gleichzeitige Abl&#246;sung und Konservierung des Ern&#228;hrermodells im SGB II weder als „geschlechterpolitisch konzeptionslos“ (Knapp 2004) noch als widerspr&#252;chlich. Vielmehr erm&#246;glichen sowohl die Modernisierung als auch die Reproduktion der Geschlechterverh&#228;ltnisse eine Reduzierung der &#246;ffentlichen Verantwortung f&#252;r das Risiko Erwerbslosigkeit, indem es vermarktlicht oder familialisiert wird. Somit erweisen sich sowohl modernisierte als auch traditionelle Geschlechterverh&#228;ltnisse als durchaus funktional hinsichtlich der Entlastung staatlicher Sicherungssysteme. Das feministische Ziel einer gleichberechtigten Erwerbsteilhabe von M&#228;nnern und Frauen wird folglich durch die Hartz IV-Gesetzgebung vereinnahmt.</p>
<p>Somit kann das Festhalten erwerbsloser Ehefrauen am Lebensentwurf Ern&#228;hrermodell unter den spezifischen historischen Bedingungen als Widerstand gelesen werden. Die Frauen verweigern sich den von der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik an sie gestellten Anforderungen: Sie werden weder zu einer „Unternehmerin ihrer Besch&#228;ftigungsf&#228;higkeit“ (Bescherer u.a. 2008) noch zu einer „Arbeitskraftmanagerin“ (Winker/Carstensen 2007), die verschiedenste Anforderungen aus Erwerbs- und Sorgearbeit flexibel in den Tagesplan integriert. Vielmehr bestehen sie auf der mit dem Ern&#228;hrermodell etablierten gesellschaftlichen Organisation von Erwerbs- und Sorgearbeit und verweigern sich somit der geforderten Verf&#252;gbarkeit auf dem Arbeitsmarkt und der angestrebten Vermarktlichung des Risikos Erwerbslosigkeit.</p>
<p>Es stellt sich f&#252;r eine kritische Geschlechterforschung die Aufgabe, die herrschaftsf&#246;rmige Vereinnahmung der feministischen Forderung nach gleichberechtigter Erwerbsteilhabe im Rahmen des SGB II weiter zu analysieren und feministische Forderungen hinsichtlich der Arbeitsmarktreform entsprechend zu reflektieren. Aus einer kritischen feministischen Perspektive m&#252;ssen nicht nur partnerschaftliche Abh&#228;ngigkeit, sondern auch die Abh&#228;ngigkeit von marktvermittelter Erwerbsarbeit und die Abh&#228;ngigkeit von staatlichen Transferleistungen, die an die Einhaltung bestimmter Verhaltensnormen gekoppelt sind, vermieden werden. Diese Ziele k&#246;nnten mit einem bedingungslosen, existenzsichernden Grundeinkommen erreicht werden. Damit w&#228;re eine sozial inklusive Staatsb&#252;rgerschaft m&#246;glich, die soziale Rechte nicht an eine Erwerbspflicht koppelt, sondern ein Recht auf Erwerbsarbeit und ein Recht auf Sorgearbeit vorsieht (Lister 2007). Ein bedingungsloses Grundeinkommen w&#228;re auch angesichts der strukturell bedingten Erwerbslosigkeit eine sinnvolle Alternative zur derzeitigen Aktivierungspolitik.</p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<p align="left">Berghahn, Sabine; K&#252;nzel, Annegret; Rostock, Petra; Wersig, Maria; Asmus, Antje; Reinelt, Julia; Liebscher, Doris; Schneider, Julia (2007): Forschungsprojekt Ehegattenunterhalt und sozialrechtliches Subsidiarit&#228;tsprinzip als Hindernis f&#252;r eine konsequente Gleichstellung von Frauen in der Existenzsicherung. Projektbericht, Berlin, http://web.fu-berlin.de/ernaehrermodell/mediumfassung.pdf [27.11.08].</p>
<p>Bescherer, Peter; R&#246;benack, Silke; Schierhorn, Karen (2008): Nach Hartz IV: Erwerbsorientierungen von Arbeitslosen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 33-34/ 2008, 19-24.</p>
<p>Englert, Kathrin (2008): Das Ern&#228;hrermodell unter neoliberalem Druck: Die Entdeckung von ALG II-beziehenden Ehefrauen als Aktivierungskundinnen. (Unver&#246;ffentlichte Master Thesis, Universit&#228;t Hamburg).</p>
<p>Knapp, Ulla (2004): Besch&#228;ftigungs- und Arbeitsmarktpolitik. Diskussionsbeitr&#228;ge aus dem Fachgebiet Volkswirtschaftlehre an der HWP, http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/wiso_dwp_vwl/Diskussionspapiere/Knapp/ArbMPol.pdf [27.11.08].</p>
<p>Knuth, Matthias (2007): Zwischen Arbeitsmarktpolitik und Armenf&#252;rsorge. Spannungsverh&#228;ltnisse und m&#246;gliche Entwicklungen der „Grundsicherung f&#252;r Arbeitssuchende“. In: Rudolph, Clarissa; Niekant, Renate (Hg.): Hartz IV – Zwischenbilanz und Perspektiven. M&#252;nster, 66-91.</p>
<p>Kurz-Scherf, Ingrid; Lepperhoff, Julia; Scheele, Alexandra (2005): Modernisierung jenseits von Traditionalismus und Neoliberalismus? Die aktuelle Arbeitsmarktpolitik als Ausdruck eines verk&#252;rzten Modernisierungskonzeptes. In: femina politica, Jg.14, Nr. 2/2005, 62-95.</p>
<p>Lister, Ruth (2007): Inclusive citizenship: Realizing the Potential. In: Citizenship Studies , Vol. 11, No. 1, 49-61.</p>
<p>Winker, Gabriele (2007): Traditionelle Geschlechterordnung unter neoliberalem Druck. Ver&#228;nderte Verwertungs- und Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraft. In: Gro&#223;, Melanie; Winker, Gabriele (Hg.): Queer-feministische Kritiken neoliberaler Verh&#228;ltnisse. M&#252;nster, 15-49.</p>
<p>Winker, Gabriele; Carstensen, Tanja (2007): Eigenverantwortung in Beruf und Familie – vom Arbeitskraftunternehmer zur ArbeitskraftmanagerIn. In: Feministische Studien, Jg. 25, Nr. 2/2007, 277-288.</p>
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		<title>Care Revolution – ein Weg aus der Reproduktionskrise</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 14:24:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gabriele Winker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Sorgearbeit f&#252;r sich und Andere ist von enormer Bedeutung sowohl f&#252;r das umsorgte Individuum als auch f&#252;r eine menschenw&#252;rdige Gesellschaft – das ist allgemeiner Konsens. Auch dass die privat zu organisierende Sorgearbeit zunimmt, wenn wie derzeit die staatlich abgesicherte Versorgung aus Kostengr&#252;nden eingespart wird, ist weitgehend unumstritten. Dennoch wird die Frage, wer Sorgearbeit in Zeiten allseits geforderter Erwerbst&#228;tigkeit &#252;bernehmen soll, im politischen Raum weder aufgeworfen noch beantwortet. Dies hat zur Folge, dass viele Menschen, insbesondere Frauen mit Sorgeverpflichtungen gegen&#252;ber Kindern, Pflegebed&#252;rftigen oder anderen unterst&#252;tzungsbed&#252;rftigen Personen, gezwungen sind, Sorgearbeit oft am Rande der vollst&#228;ndigen &#220;berbeanspruchung tagt&#228;glich neben der eigenen Berufst&#228;tigkeit auszuf&#252;hren. Mit einem Aufruf zur Care Revolution m&#246;chte ich das strategische Schweigen durchbrechen und dazu auffordern, Sorgearbeit in ihrer Bedeutung und Gestaltung gesellschaftlich neu zu diskutieren. Ziel soll es sein, gerade den Sorgearbeitenden Mu&#223;e bei gleichzeitiger sozialer Sicherheit zu erm&#246;glichen, anstatt sie weiterhin einer Doppelbelastung und fehlender sozialer Absicherung auszusetzen. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Sorgearbeit f&#252;r sich und Andere ist von enormer Bedeutung sowohl f&#252;r das umsorgte Individuum als auch f&#252;r eine menschenw&#252;rdige Gesellschaft – das ist allgemeiner Konsens. Auch dass die privat zu organisierende Sorgearbeit zunimmt, wenn wie derzeit die staatlich abgesicherte Versorgung aus Kostengr&#252;nden eingespart wird, ist weitgehend unumstritten. Dennoch wird die Frage, wer Sorgearbeit in Zeiten allseits geforderter Erwerbst&#228;tigkeit &#252;bernehmen soll, im politischen Raum weder aufgeworfen noch beantwortet. Dies hat zur Folge, dass viele Menschen, insbesondere Frauen mit Sorgeverpflichtungen gegen&#252;ber Kindern, Pflegebed&#252;rftigen oder anderen unterst&#252;tzungsbed&#252;rftigen Personen, gezwungen sind, Sorgearbeit oft am Rande der vollst&#228;ndigen &#220;berbeanspruchung tagt&#228;glich neben der eigenen Berufst&#228;tigkeit auszuf&#252;hren. Mit einem Aufruf zur Care Revolution m&#246;chte ich das strategische Schweigen durchbrechen und dazu auffordern, Sorgearbeit in ihrer Bedeutung und Gestaltung gesellschaftlich neu zu diskutieren. Ziel soll es sein, gerade den Sorgearbeitenden Mu&#223;e bei gleichzeitiger sozialer Sicherheit zu erm&#246;glichen, anstatt sie weiterhin einer Doppelbelastung und fehlender sozialer Absicherung auszusetzen.</strong></p>
<p>Die individuellen Sorgeanforderungen f&#252;r sich selbst und f&#252;r andere nahe Personen wachsen in dem Ma&#223;e, wie die gesellschaftliche Organisation von Arbeit die Wiederherstellung, sprich die Reproduktion der jeweils eigenen Arbeitskraft erschwert. Sorgearbeit ist in diesem Sinn als Reproduktionsarbeit zu verstehen, die nicht-warenf&#246;rmig, sondern am Gebrauchswert orientiert in famili&#228;ren Bereichen stattfindet und mit der die eigene oder die Arbeitskraft Anderer wiederhergestellt wird. Diese so verstandene Reproduktionsarbeit ist f&#252;r die Verwirklichung menschlicher Lebensinteressen von grundlegender Bedeutung. Ohne die umfassende Sorgearbeit von Eltern oder anderen nahen Menschen kann kein Kind &#252;berleben. Ohne die individuelle Sorge um die eigene Gesundheit, Fort- und Weiterbildung sowie die Organisation allt&#228;glicher Anforderungen im privaten Raum kann ein Erwachsener nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Ohne die Sorgearbeit von Nahestehenden bei Krankheit oder im hohen Alter gibt es kein menschenw&#252;rdiges Leben. Die t&#228;glichen Reproduktionsarbeiten f&#252;r Kinder und f&#252;r unterst&#252;tzungsbed&#252;rftige Erwachsene werden vor allem von Frauen erbracht. In ihrem Umfang &#252;berschreiten all die genannten Reproduktionsarbeiten in Deutschland die Erwerbsarbeit um mindestens ein Drittel. Allerdings gibt es im Gegensatz zur Erwerbsarbeit nach wie vor keinen politischen Diskurs dazu, wie und unter welchen Bedingungen Reproduktionsarbeit sinnvoll und Menschen angemessen ausgef&#252;hrt werden kann.</p>
<p>Das alte Familienern&#228;hrermodell, wie es in der BRD in den 1960er und Anfang der 1970er Jahre g&#228;ngig war, hat ausgedient. Damals &#252;bernahmen fast ausschlie&#223;lich Ehefrauen alle Reproduktionsarbeiten und waren im Gegenzug &#252;ber den Familienlohn und die Kranken-, Berufsunf&#228;higkeits-, Renten- und Arbeitslosenversicherung des Familienern&#228;hrers sozial abgesichert. Damit wurde allerdings gleichzeitig die patriarchale Abh&#228;ngigkeit aufrechterhalten, gegen die sich nicht zuletzt die Frauenbewegung seit den 1970er Jahren massiv gewehrt hat. Mit den strukturellen und zyklischen Wirtschaftskrisen ab Mitte der 1970er Jahre wurde das Ern&#228;hrermodell zusehends instabil. Reallohnsenkungen f&#252;hrten dazu, dass es bis weit in den Mittelstand hinein nicht mehr m&#246;glich war, mit einem Lohn eine Familie zu ern&#228;hren. Mit dem Verschwinden des Ern&#228;hrerlohns, aber auch aus emanzipatorischen Gr&#252;nden stieg die Frauenerwerbst&#228;tigkeit kontinuierlich an. Heute ist das neoliberale Konzept der Eigenverantwortung vorherrschend, wonach jeder und jede Einzelne durch Erwerbsarbeit f&#252;r die eigene Existenzabsicherung verantwortlich ist. Allerdings ist damit bisher keine Umorganisation der Reproduktionsarbeiten verbunden, obwohl gleichzeitig die Anforderungen an die eigene Gesundheit und Bildung ebenso zugenommen haben wie die entsprechenden Anforderungen an die Kindererziehung.</p>
<p>Reproduktionsarbeit in der Krise</p>
<p>Die Konsequenz: Viele Frauen finden sich heute in einer Art Reproduktionsfalle wieder. Zwar sind sie – wie durchaus gew&#252;nscht – erwerbst&#228;tig, werden dabei aber mit zunehmenden Flexibilit&#228;tsanspr&#252;chen der Unternehmen, kontinuierlich steigendem Leistungsdruck, Arbeitszeitverl&#228;ngerung durch &#220;berstunden und Wochenendarbeit konfrontiert. In einer Art Spagat setzen sie gleichzeitig – entsprechend des neoliberalen Credos der Eigenverantwortung – alles daran, diese beruflichen Anforderungen mit den zunehmenden Aufgaben der Selbstorganisation und den gestiegenen Leistungsanspr&#252;chen in der Reproduktionsarbeit zu vereinbaren. In aller Regel f&#252;hrt dies zu &#220;berbeanspruchung und &#220;berlastung. Nur wenige k&#246;nnen es sich leisten, diese Doppelbelastung dadurch zu vermindern, dass sie eine Hilfskraft, oft eine schlecht bezahlte Migrantin, f&#252;r Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pfleget&#228;tigkeiten besch&#228;ftigen. Andere wiederum reduzieren ihre berufliche Arbeitszeit, was die Karrierem&#246;glichkeiten extrem einschr&#228;nkt und im Falle einer Trennung vom Ehepartner oder Ehepartnerin dazu f&#252;hrt, dass sie, zumal mit der neuen Unterhaltsreform, ihre soziale Absicherung verlieren. Da es f&#252;r viele Menschen mit hohen Sorgeverpflichtungen keine zufriedenstellenden Auswege aus dem geschilderten Dilemma gibt, spreche ich von einer Krise der Reproduktionsarbeit.</p>
<p>Im Gegensatz zur Lohnarbeit spielt die Reproduktionsarbeit im politischen Handeln bislang keine Rolle. Die derzeitige politische Regulierung ist beinahe ausschlie&#223;lich darauf ausgerichtet, mit Wachstum welcher Art auch immer die Profitmaschine wieder flott zu machen, die Lebensinteressen vieler B&#252;rgerInnen werden nicht ernst genommen. Im Sinne der Aufwertung von Reproduktionsarbeit m&#252;ssten Programme aufgelegt werden, um insbesondere Sorgearbeitende durch den Ausbau staatlicher Sozialprogramme und durch Arbeitszeitverk&#252;rzungen bei vollem Lohnausgleich zu entlasten und sie sozial abzusichern. Aber das Gegenteil ist heute Realit&#228;t: Die neue Bundesregierung reduziert weiter die soziale Absicherung, um durch die eingesparten Kosten verbesserte Rahmenbedingungen f&#252;r eine hohe Profitabilit&#228;t des Kapitals zu schaffen. Nachdem die vorletzte Rot-Gr&#252;ne Regierung mit Hartz IV das Fundament der Arbeitslosenversicherung zerschlagen hat und die letzte Schwarz-Rote Regierung mit dem Ausbau des Niedriglohnbereichs und einer Rente ab 67 die Rentenversicherung durchl&#246;chert hat, macht sich jetzt die Schwarz-Gelbe Regierung daran die Krankenversicherung auf Kosten der Versicherten zu sanieren mit dem Ergebnis, dass der schleichende Leistungsabbau beschleunigt wird.</p>
<p>All die damit verbundenen neuen Problematiken der Armut, der fehlenden sozialen Absicherungen, der Ungewissheit, der gesundheitlichen Beeintr&#228;chtigungen fallen als neue Anforderungen auf die Reproduktionsarbeitenden zur&#252;ck. Mit den seit Jahren sinkenden Reall&#246;hnen steht vielen Familien immer weniger Geld zur Verf&#252;gung. Durch die zus&#228;tzliche schrittweise Abkehr von einer grundlegenden Absicherung bei Krankheit, Erwerbslosigkeit und im Alter wird auch die Reproduktionsarbeit immer weiter prekarisiert. Unterst&#252;tzungsbed&#252;rftige m&#252;ssen nicht nur umsorgt, sondern mit den wenigen ihnen zur Verf&#252;gung stehenden finanziellen Mitteln ern&#228;hrt und gepflegt werden. Die Kranken erhalten nicht mehr die umfassende Vorsorgung im Gesundheitssystem, die L&#252;cken sollen von pflegenden Familienmitgliedern ausgef&#252;llt werden. Die Lernprozesse von Kindern sind in &#252;berf&#252;llten Klassen mit &#252;berforderten Lehrpersonen nicht mehr zu realisieren und Familien werden zu Nachhilfebetrieben. Sorgearbeitende ben&#246;tigen ein ausgekl&#252;geltes System des Zeitmanagements, um die vielf&#228;ltigen Aufgaben &#252;berhaupt realisieren zu k&#246;nnen, nicht selten bricht ein solch prek&#228;res System zusammen.</p>
<p>Zeit f&#252;r Mu&#223;e und Sorgearbeit in sozialer Sicherheit</p>
<p>Umso dringlicher pl&#228;diere ich f&#252;r einen Ausstieg aus Wachstumsfetischismus und Leistungswahn und fordere eine Care Revolution. Dabei geht es um nicht weniger als die Forderung, dass nicht Profitmaximierung, sondern die Erf&#252;llung menschlicher Lebensbed&#252;rfnisse wie Mu&#223;e f&#252;r sich und Zeit f&#252;r Sorgearbeit, bei gleichzeitiger sozialer Absicherung, das Ziel gesellschaftlicher Transformationen sein sollte.</p>
<p>Dazu ist erstens eine radikale Erwerbsarbeitszeitverk&#252;rzung mit Lohn- und Personalausgleich, die Realisierung eines Mindestlohns sowie ein bedingungsloses, die Existenz sicherndes Grundeinkommen notwendig. Zweitens ist der Ausbau &#246;ffentlicher Bereiche zur Unterst&#252;tzung famili&#228;rer Reproduktionsarbeit unerl&#228;sslich. Es geht um den Ausbau staatlicher oder vergesellschafteter Dienstleistungen in Bildung, Gesundheit, Soziale Dienste und Pflege bei gleichzeitiger Demokratisierung dieser Bereiche und der finanziellen und normativen Aufwertung personennaher Dienstleistungen. Denn es gibt viele T&#228;tigkeiten, die derzeit im Bereich der individuellen Sorgearbeit oder im Bereich des Ehrenamtes ausgef&#252;hrt werden, die gemeinschaftlich allerdings sinnvoller und mit h&#246;herer Qualit&#228;t organisiert werden k&#246;nnen.</p>
<p>Im Rahmen konkreter Realpolitik geht es also zum einen darum, einen Ausbau von personennahen Dienstleistungen zu realisieren, die zeitliche Reduktionen von Erwerbsarbeit durchzusetzen und damit Arbeit im ganz umfassenden Sinne umzuverteilen bei gleichzeitiger sozialer Absicherung. Eine solche Politik w&#252;rde es auch Personen mit hohen Sorgeverpflichtungen erm&#246;glichen, Mu&#223;e neu zu erleben und oft schon gar nicht mehr wahrgenommene W&#252;nsche zu realisieren. Zum anderen kann ein konsequentes politisches Argumentieren im Sinne der Care Revolution dar&#252;ber hinaus zur Verbreiterung der radikalen Erkenntnis beitragen, dass menschliche Lebensinteressen nicht &#252;ber profitorientierte Kapitalakkumulation, sondern nur durch gemeinschaftliches Handeln und demokratisch organisierte Institutionen und Angebote zu verwirklichen sind. In diesem Sinn kann ein an Reproduktionsarbeit orientiertes feministisches Denken und Handeln zu einer Unterst&#252;tzung revolution&#228;rer Realpolitik im Sinne von Rosa Luxemburg beitragen. Eine politische Auseinandersetzung mit Care Revolution k&#246;nnte eine neu gewendete Debatte um sozialistische Visionen er&#246;ffnen. W&#252;nschenswert w&#228;re dies!</p>
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		<title>Arbeitende Frauen vereinigt Euch!</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 15:19:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Schrader</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Der franz&#246;sische Soziologe Michel Foucault pl&#228;diert in unterschiedlichen Texten und Gespr&#228;chen – u.a. in „Von der Freundschaft als Lebensweise“ mit Renè de Cecatty, Jean Danet und Jean Le Bitoux sowie in „Geschichte und Homosexualit&#228;t“, welches er mit J.P. Joecker, M. Querd, A. Sanzio f&#252;hrte – daf&#252;r, schwul zu werden bzw. daraufhin zu arbeiten. Es geht ihm dabei nicht darum, dass man homosexuell sein muss, sondern „ sich in eine Dimension zu versetzen, in der die sexuellen Entscheidungen, die man f&#228;llt, immer gegenw&#228;rtig sind und unser ganzes Leben beeinflussen.“ Mit diesen sexuellen Entscheidungen sollen nicht normative Lebensweisen geschaffen werden. Schwul zu sein durchdringt das gesamte Leben. Es geht ihm darum, vorgefertigte Lebensweisen abzulehnen und die Sexualit&#228;t daf&#252;r zu verwenden, neue Beziehungsformen zu erfinden. „Schwul zu sein hei&#223;t im Werden zu sein.“...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Der franz&#246;sische Soziologe Michel Foucault pl&#228;diert in unterschiedlichen Texten und Gespr&#228;chen – u.a. in „<em>Von der Freundschaft als Lebensweise</em>“ mit Renè de Cecatty, Jean Danet und Jean Le Bitoux sowie in „<em>Geschichte und Homosexualit&#228;t</em>“, welches er mit J.P. Joecker, M. Querd, A. Sanzio f&#252;hrte – daf&#252;r, schwul zu werden bzw. daraufhin zu arbeiten. Es geht ihm dabei nicht darum, dass man homosexuell sein muss, sondern „ sich in eine Dimension zu versetzen, in der die sexuellen Entscheidungen, die man f&#228;llt, immer gegenw&#228;rtig sind und unser ganzes Leben beeinflussen.“ Mit diesen sexuellen Entscheidungen sollen nicht normative Lebensweisen geschaffen werden. Schwul zu sein durchdringt das gesamte Leben. Es geht ihm darum, vorgefertigte Lebensweisen abzulehnen und die Sexualit&#228;t daf&#252;r zu verwenden, neue Beziehungsformen zu erfinden. „Schwul zu sein hei&#223;t im Werden zu sein.“</strong></p>
<p>Was meint Foucault damit? Nach meinem Verst&#228;ndnis geht es ihm darum, gegen die gesellschaftliche Normierung von Lebensstilen anzutreten. Die Aufforderung „Schwul zu werden“ soll ein Leben jenseits der hegemonialen heteronormativen Zumutungen des Alltags vorstellbar machen. Das Foucaultsche Pl&#228;doyer enth&#228;lt nicht nur einen emanzipativen Gedanken, sondern auch den Ansatz zur Solidarit&#228;t mit einer Gruppe von Menschen, die au&#223;erhalb der Mehrheitsgesellschaft steht.</p>
<p>Die Aufforderung Foucaults, solche Lebensweisen zu bevorzugen, die sich gegen den Duktus der Mehrheit wenden und Minorit&#228;ten ein-, statt ausschlie&#223;en, m&#246;chte ich erweitern und so die Arbeit und den Beruf der Prostituierten betrachten.</p>
<p>Das Gewerbe selbst wird von der Mehrheitsgesellschaft nach wie vor moralisch ge&#228;chtet und die dort T&#228;tigen sind bestenfalls als Abh&#228;ngige und Opfer oder als unmoralische Nymphomaninnen stigmatisiert, die keine Lust haben, einen anst&#228;ndigen Beruf auszu&#252;ben.</p>
<p>Prostituierte oder Sexarbeiterinnen widersetzen sich den gesellschaftlichen Normen von Treue, romantischer Liebe und Monogamie, denn allein durch ihren Beruf passen sie nicht in die Vorgaben normierter Sexualit&#228;t. Deshalb unterliegen ihr Beruf und auch ihre Sexualit&#228;t der staatlichen &#220;berwachung und der moralischen &#196;chtung.</p>
<p>Ausgehend von dem Foucaultschen Denkansatz m&#246;chte ich die oft vergessene feministische Idee der Frauensolidarit&#228;t aufgreifen und explizit die Prostituierten mit einbeziehen. Ich bin mir des essentiellen Diktums dieser Forderung durchaus bewusst und argumentiere hier f&#252;r einen strategisch emanzipativen Essentialismus und spreche deshalb von den Frauen.</p>
<p>Stellen wir uns vor, es existiere eine gesellschaftliche, ethische Vision, die es erm&#246;glicht, Frau zu sein und sexuelle Dienstleistungen zu verkaufen, ohne mit Restriktionen konfrontiert oder durch normative und moralische Vorgaben geg&#228;ngelt zu werden, dann k&#246;nnten neue Beziehungsformen und Lebensweisen entdeckt und der Entsolidarisierung unter Frauen entgegengewirkt werden.</p>
<h2><strong>Warum ist Arbeit nicht gleich Arbeit?</strong></h2>
<p>Ausgehend von einer moralisch determinierten gesellschaftlichen Rangfolge in der Bewertung von Arbeit m&#246;chte ich dem konstruierten Schlusslicht der Prostituierten die ganz oben stehende, verheiratete, maximal halbtags erwerbst&#228;tige Mutter gegen&#252;berstellen.</p>
<p>Warum erscheint uns die finanziell abh&#228;ngige Mutter in ihrer Rolle per se als gl&#252;cklich und selbstbestimmt und wir stilisieren sie gar zu einem gesellschaftlichem Vorbild, w&#228;hrend uns f&#252;r Sexarbeiterinnen auf Grund ihrer Abh&#228;ngigkeit positive Leitbilder unvorstellbar erscheinen? Wenn wir Sexarbeit nicht mehr als sittenwidrig betrachten, dann ist die Abh&#228;ngigkeit von Zuh&#228;ltern, Freiern oder BordellbesitzerInnen nicht schlimmer als die von einem allein verdienenden Ehemann. Sexarbeiterinnen h&#228;tten, wenn die gesetzlichen Regelungen durchgesetzt w&#252;rden, sogar die M&#246;glichkeit einen ausreichenden Lohn f&#252;r ihre Dienstleistungen einzuklagen, w&#228;hrend die angeblich gesellschaftlich so hoch gesch&#228;tzte Arbeit einer verheirateten Mutter nur indirekt &#252;ber den Ehemann bzw. Vater ihrer Kinder entlohnt wird. Folgt sie bei der Partnerwahl den Theorien mancher neoliberaler &#214;konomen und hat sich f&#252;r einen Mann mit &#252;ppigem Gehaltszettel oder wenigstens Karrierechancen entschieden, so werden sich ihre finanziellen Abh&#228;ngigkeiten in Grenzen halten und ihre Geb&#228;rleistung wird sich mit den Jahren amortisieren. War sie aber blind vor Liebe oder hatte einfach nur Pech, dann kann ihre Abh&#228;ngigkeit, an der ja auch noch das Los der Kinder h&#228;ngt, um ein Vielfaches gr&#246;&#223;er werden als das einer Prostituierten.</p>
<p>Betroffen ob der unertr&#228;glichen Abh&#228;ngigkeit werden Ausstiegsszenarien f&#252;r Prostituierte entworfen und organisiert, um sie aus ihren „Zwangslagen“ zu befreien, damit sie dann ein „selbstbestimmtes“ Leben f&#252;hren k&#246;nnen.</p>
<p>M&#252;ssten nicht auch f&#252;r abh&#228;ngige M&#252;tter und Ehefrauen Ausstiegsprogramme geschaffen werden, statt den Ausstieg aus ihren Abh&#228;ngigkeiten ihrem Selbstmanagement und ihrer eigenen Risikobereitschaft zu &#252;berlassen?</p>
<p>Bei aller Euphorie f&#252;r die Alpham&#228;dchen oder die F-Klasse (siehe in Kritik auch <a href="http://www.feministisches-institut.de/feminismus_winker" target="_blank">Winker, Gabriele, 2007</a>, auf den Seiten des FI): M&#252;tter sind nach wie vor in den schlecht bezahlten Jobs zu finden, erledigen ein Gro&#223;teil der unbezahlten nicht gesehenen Reproduktionsarbeit und sind in den F&#252;hrungsetagen kaum pr&#228;sent. Alleinerziehende M&#252;tter sind in besonderer Weise von Armut betroffen und stellen einen signifikanten Anteil der Hartz IV-Empf&#228;ngerInnen.</p>
<p>Das haben sich die Frauen mit ihrer Entscheidung f&#252;r die Familie sicher nicht freiwillig ausgesucht. Da die Gesellschaft kaum alternative Lebensentw&#252;rfe zur b&#252;rgerlichen Kleinfamilie akzeptiert und wir nach wie vor dem heteronormativen Herren-Signifikanten unterworfen sind, entscheiden sich viele Frauen daf&#252;r, dem traditionellen Weg zu folgen, was nat&#252;rlich auch seine Vorteile hat. Geht alles gut, sind sie finanziell und damit materiell abgesichert und ihnen wird ein Teil der Sorgearbeit abgenommen. Was passiert aber, wenn das Modell nicht tr&#228;gt, die Liebe vorbei ist, der Mann doch lieber lohnarbeitet oder seine Interessen auslebt, statt sich dem M&#252;hsal der Reproduktionsarbeit zu widmen, sich um den Haushalt und die Kinder zu k&#252;mmern? Dann existieren in dieser Konstellation auf einmal sehr existentielle Zw&#228;nge f&#252;r die Mutter, die die Selbstbestimmung bis zur Unfreiheit einschr&#228;nken.</p>
<h2><strong>Arbeit aus Liebe ist ungesehene, unbezahlte Reproduktionsarbeit</strong></h2>
<p>Festzuhalten bleibt, dass sich eine Frau, wenn sie sich f&#252;r Kinder entscheidet, in vielf&#228;ltige und umfassende Abh&#228;ngigkeiten entweder vom Ehemann, vom Arbeitgeber oder von staatlicher F&#252;rsorge begibt.</p>
<p>Auch Sexarbeiterinnen befinden sich noch viel zu oft in qualitativ unterschiedlichen Abh&#228;ngigkeiten von Zuh&#228;ltern und Bordellbesitzern bzw. von den Forderungen der Freier. Damit ist ihre Situation, l&#228;sst man mal die moralische Betrachtung au&#223;en vor und vergisst die Klischees, trotzdem nicht ausbeuterischer und weniger selbstbestimmt, als das Leben einer abh&#228;ngigen Mutter. Sexarbeit ist nach dem Gesetz immerhin eine zu verg&#252;tende Dienstleistung.</p>
<p>F&#252;r Sexarbeiterinnen wird eine sozialp&#228;dagogische Maschinerie angeworfen (und das ja auch nur im Sinne einer Symbolpolitik), um sie von dieser Arbeit zu „erl&#246;sen“. Was ja auch richtig ist, wenn Sexarbeit unter Zwangs- und Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnissen stattfindet. Aber m&#252;sste es nicht viel eher ein gesellschaftliches Ziel sein, menschenunw&#252;rdige Arbeits- und Lebensverh&#228;ltnisse zu beseitigen? So halten wir es ganz gut aus, dass alleinerziehende M&#252;tter mittlerweile staatlicherseits und finanziell in Arbeiten gezwungen werden, die weder ihren Qualifikationen noch ansatzweise ihren Lebensentw&#252;rfen entsprechen.</p>
<p>Wir sollten es wagen, radikale Forderungen an die Mehrheitsgesellschaft zu stellen, die Verantwortung f&#252;r alle ihre Mitglieder, dazu z&#228;hlen auch die nicht intelligiblen, verworfenen, gef&#228;hrdeten und deklassierten Leben zu &#252;bernehmen, ohne dabei Entscheidungen &#252;ber die K&#246;pfe der „Anderen“ hinweg zu treffen, nur weil deren Lebensstile aktuell nicht passen oder nicht en vogue sind.</p>
<p>Verantwortung hie&#223;e dann auch, akzeptable Qualifikationsangebote f&#252;r M&#252;tter, Sexarbeiterinnen, Reinigungskr&#228;fte etc. zu schaffen und nicht Scheinqualifikationen in N&#228;h- oder Computerkursen anzubieten, f&#252;r die es innerhalb eines von kapitalistischen Paradigmen durchoptimierten Marktes keine Nachfrage gibt.</p>
<p>Die Ehefrau eines gut verdienenden, toleranten Gatten hat die M&#246;glichkeit ihren oft durch moralische und b&#252;rgerliche Zw&#228;nge gepr&#228;gten Alltag aufzulockern, indem sie Mal-, Schreib-, Yoga-, Tanz- und Ayurvedakurse besucht. Oft kann sie ihre finanziell gesicherte Situation auch nutzen, um zu studieren und gesellschaftlich anerkannte Abschl&#252;sse und Qualifikationen zu erlangen. Ihr ist es dann freigestellt, ob sie die neuen F&#228;higkeiten nutzt, um ein Taschengeld hinzuzuverdienen. Sie kann sich auch mit Leib und Seele in die Waldorf- oder Privatschule ihrer Kinder einbringen und hier in unserer Gesellschaft ein anerkanntes Ehrenamt &#252;bernehmen. Aber ist das nicht auch ein St&#252;ck erkaufte Freiheit? Kann es nicht auch als erarbeitete Autonomie betrachtet werden, wenn sich Prostituierte von ihrem Lohn ihren Urlaubs-, Auto-, Ausbildungswunsch erf&#252;llen oder mit dem Verdienst ihre Familie ern&#228;hren oder sich Drogen kaufen, um ihren sonst tristen Alltag ertr&#228;glicher zu gestalten? Warum avanciert eine solche Frau nicht viel eher zu einer starken selbstbestimmten Figur, sondern bleibt in den gesellschaftlichen Bildern immer ein armes, abh&#228;ngiges, ausgebeutetes und moralisch verwerfliches Opfer?</p>
<p>Allerdings m&#246;chte ich nicht so verstanden werden, dass ich davon ausgehe, dass es in der Prostitution keine massive Ausbeutung g&#228;be. Es gibt sie – oft auch in extremer Form – und sie muss thematisiert und bek&#228;mpft werden. Nur darf dabei nie vergessen werden, dass Ausbeutungs- und Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnisse nicht durch moralische Positionen bez&#252;glich der T&#228;tigkeit zu beseitigen sind. Wir bek&#228;mpfen ja auch nicht das Berufsbild einer Hausarbeiterin oder eines Kinderm&#228;dchens, nur weil gerade in diesem Bereich oft Ausbeutungs- und Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnisse herrschen, die den schlechten Arbeitsbedingungen von Prostituierten oft in nichts nachstehen. Durch die Bresche, die mit moralischen Argumenten in die Mauer der Autonomie geschlagen wird, dringt der Gesetzgeber im vermeintlichen Auftrag der schweigenden Mehrheit ein und erzeugt in diesem moralisch legitimierten Kampf oft erst die Probleme, die er zu beseitigen vorgibt. So ist zum Beispiel die Rechtlosigkeit von Prostituierten ein Kollateralschaden moralisch legitimierter Verbote und Bestimmungen. Ausbeutungs- und Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnisse finden wir aber auch in vielen Partnerschaften und Ehen.</p>
<p>K&#228;mpfen gegen schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen hei&#223;t in erster Linie, Menschen das Handwerkszeug, die M&#246;glichkeit zu liefern, um sich aus Unterdr&#252;ckungsverh&#228;ltnissen zu befreien und ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Das setzt aber eine umfassende gesellschaftliche Solidarit&#228;t voraus und erfordert die Bereitschaft situative partielle Affinit&#228;ten zu bilden, die immer auch das Andere, das Ausgeschlossene mitdenken. Deshalb sollten sich arbeitende Frauen, egal welcher Profession, ob Altenpflegerin, Mutter, Sexarbeiterin, Professorin, Verk&#228;uferin … vereinigen und sich gegen jegliche Ausbeutungsverh&#228;ltnisse solidarisieren oder anders gesagt &#8211; durch eine symbolische Aneignung im Sinne von Foucault &#8211; Prostituierte werden!</p>
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		<title>Work-Life-Balance als Antwort auf die sch&#246;ne neue Welt?</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Feb 2008 10:54:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Paulus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wp.feministisches-institut.de/?p=126</guid>
		<description><![CDATA[…ultraflexible Arbeitsformen, dezentralisierte Arbeitspl&#228;tze, Privatisierung und Rationalisierung; das Auslagern von Funktionen und Dienstleistungen an Subunternehmen, MitarbeiterInnen, die sich selbst f&#252;r den Erfolg des Unternehmens verantwortlich f&#252;hlen sollen, die neoliberale Losung "Arbeit, Arbeit, Arbeit", das Bed&#252;rfnis einer Wirtschaftsweise f&#252;r stetigen Wachstum &#252;ber die ganze Erdkugel zu jagen und die billigsten Standorte und Arbeitskr&#228;fte zu finden... All das sind Formen einer kapitalistischen Verwertungsstrategie, die darauf abzielt Ausbeutungsbedingungen zu versch&#228;rfen und sozialstaatliche Sicherungen aufzul&#246;sen. Die Vereinbarkeit von Leben und Arbeit scheint au&#223;er Kontrolle geraten zu sein. Work-Life-Balance Konzepte versprechen Abhilfe…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>…ultraflexible Arbeitsformen, dezentralisierte Arbeitspl&#228;tze, Privatisierung und Rationalisierung; das Auslagern von Funktionen und Dienstleistungen an Subunternehmen, MitarbeiterInnen, die sich selbst f&#252;r den Erfolg des Unternehmens verantwortlich f&#252;hlen sollen, die neoliberale Losung &#8220;Arbeit, Arbeit, Arbeit&#8221;, das Bed&#252;rfnis einer Wirtschaftsweise f&#252;r stetigen Wachstum &#252;ber die ganze Erdkugel zu jagen und die billigsten Standorte und Arbeitskr&#228;fte zu finden&#8230; All das sind Formen einer kapitalistischen Verwertungsstrategie, die darauf abzielt Ausbeutungsbedingungen zu versch&#228;rfen und sozialstaatliche Sicherungen aufzul&#246;sen. Die Vereinbarkeit von Leben und Arbeit scheint au&#223;er Kontrolle geraten zu sein. Work-Life-Balance Konzepte versprechen Abhilfe…</strong></p>
<p>In dieser neuen Periode geht es weniger darum, &#252;ber gewerkschaftliche Vereinbarungen den kapitalistischen Widerspruch zwischen Arbeit und Leben zu minimieren, sondern darum, das materielle &#220;berleben durch die Gegenleistung einer m&#246;glich umfassenden egoistischen Flexibilit&#228;t in Bezug auf die berufliche Qualifikation, den Arbeitsplatz, die Arbeitszeit und den Arbeitslohn zu sichern. Die Lohnabh&#228;ngigen sind mit einem komplexeren und aufw&#228;ndiger zu organisierenden Alltag konfrontiert: die sch&#246;ne neue Welt erh&#246;ht den Druck auf die Einzelnen und auf ihre sozialen Beziehungen. Infolge dessen treten in den Industriel&#228;ndern bisher weitgehend unbeachtete Folgeerscheinungen auf, wie Individualisierung, Ehen, die im Schnitt nur noch 3 Jahre halten, ein f&#252;r Industrienationen scheinbar bedrohender R&#252;ckgang der Geburtenrate, eine zunehmende Anzahl Alleinerziehender und Patch-Work-Familien, psychische Probleme wie Stress- und Burnoutsyndrome bis hin zu &#8220;Karoshi&#8221;, den Tod durch &#220;berarbeitung. .</p>
<p>Der den Kapitalismus antreibende Mechanismus zur Selbstverwertung des Werts &#8211; aus Geld mehr Geld zu machen &#8211; &#8220;zwingt&#8221; Unternehmen und staatliche Institutionen immer wieder dazu, sich die Produktivit&#228;t der Arbeitkraft nutzbar zu machen, sie zu entwickeln, sie zu reproduzieren. Die Arbeitskr&#228;fte, welche in Rente gehen, durch Unf&#228;lle, Krankheiten ausfallen oder sterben, m&#252;ssen durch neue Arbeitskr&#228;fte ersetzt und angelernt werden, damit die Profitmaximierung nicht ins erliegen kommt. Anders als in Huxleys dystopischer Vorstellung der &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_neue_Welt">sch&#246;nen neuen Welt</a>&#8221; ist die kapitalistische Gesellschaft bislang noch nicht in der Lage, massenhaft Arbeitskr&#228;fte in vitro zu z&#252;chten und sie durch &#8220;hypnop&#228;dia&#8221; gef&#252;gig zu machen. Daher ist unsere Gesellschaft noch auf unbezahlte Reproduktionsarbeiten (Geb&#228;ren, Verpflegen etc.), staatliche Institutionen (Erziehung, Ausbildung etc.) und Ideologien (Nation, Familie etc.) angewiesen, um eine neue Generationen von Arbeitskr&#228;ften herzustellen.</p>
<p>Das Problem des Nachwuchsmangels und die Frage danach, wie die Geburtenrate gesteigert werden kann, wird nun seit einiger Zeit &#8211; erstmals nach 1945 &#8211; wieder &#246;ffentlich diskutiert. Die &#220;berlegungen zu Regulierung von Bev&#246;lkerungsentwicklungen sind keine Eugenik-Ma&#223;nahmen mehr, sondern nennen sich Work-Life-Balance.</p>
<h3>Work-Life-Balance</h3>
<p>Work-Life-Balance Konzepte zielen auf eine grundlegende Modernisierung der Arbeitsorganisation vor dem Hintergrund der ver&#228;nderten Geschlechterverh&#228;ltnisse, Sie lassen sich als eine Verzahnung von betrieblicher Personalpolitik und Regierungsma&#223;nahmen verstehen, mit der eine Steigerung der Geburtenrate, der Binnennachfrage und der Senkungen der Lohnnebenkosten erreicht werden sollen.</p>
<p>Um dieses Ziel zu erreichen hat sich die Initiative &#8220;Work-Life-Balance als Motor f&#252;r wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilit&#228;t&#8221; (<a href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Presse/pressemitteilungen,did=17096.html">BMFSJ Pressemitteilung</a>) unter der Schirmherrschaft des BDI zusammen mit b&#246;rsennotierten Konzernen, dem BMFSFJ sowie dem BMWA gebildet.</p>
<p>Aus der Sichtweise der Herrschenden bieten Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen (<a href="http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Work-Life-Balance,property=pdf.pdf">BMFSJ-Brosch&#252;re PDF</a>) als &#8220;Investitionen in das Humanverm&#246;gen&#8221; der Unternehmen die Chance die Produktivit&#228;t der Besch&#228;ftigten zu steigern, indem sie die Arbeitsmotivation erh&#246;hen, Fehlzeiten verringern und die Belegschaft st&#228;rker an das Unternehmen binden. Au&#223;erdem sollen Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen den Standort Deutschland durch eine Erh&#246;hung der Frauenerwerbsquote, sowie durch eine Steigerung der Geburtenrate sichern. Zunehmend wird hervorgehoben, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur unter dem Gesichtspunkt der &#8220;Humanisierung der Arbeitswelt&#8221; oder dem der Chancengleichheit zu sehen ist, sondern dass diesbez&#252;gliche Investitionen f&#252;r die Betriebe auch unter dem Gesichtspunkt der Kosten lohnend sein sollen, weil sich durch familienfreundliche Ma&#223;nahmen am Arbeitsplatz ein betriebswirtschaftlicher Nutzen ergibt (vgl. <a href="http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/PRM-24912-Broschure-Betriebswirtschaftli,property=pdf,bereich=,rwb=true.pdf">BMBFSJ-Brosch&#252;re PDF</a>).</p>
<p>Um Profit, Gesundheit, Vereinbarkeit und Geburtenrate zu steigern gibt es bis zu &#252;ber 150 unterschiedliche Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen. Sie reichen von Teilzeitarbeit, Gleitzeitangeboten, Telearbeit, Job-Sharing, Teamarbeit &#252;ber Mentoring, Sensibilisierungsstrategien f&#252;r F&#252;hrungskr&#228;fte, haushaltsnahe Dienstleistungen, Sozialberatung, betriebliche Kinderbetreuung bis hin zu Ma&#223;nahmen die auf Gesundheitspr&#228;vention durch Stressvermeidung und psychologische Beratung setzten.</p>
<p>Konkret geht die Initiative auf Grund von Berechnungen und den aktuellen Entwicklungen in den Unternehmen davon aus, dass in den n&#228;chsten 12 Jahren rund 30 % der Lohnabh&#228;ngigen an Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen teilnehmen. Bis 2020 erhofft sich die Initiative durch Kundenzufriedenheit und MitarbeiterInnenmotivation eine St&#228;rkung des Wirtschaftswachstums und ein zus&#228;tzliches Bruttoinlandsprodukt von 248 Mrd. €. Weiter wird sich eine St&#228;rkung der Wettbewerbsf&#228;higkeit durch weniger Fehlzeiten eine 1,6%ige h&#246;here Produktivit&#228;t pro Arbeitsstunde versprochen. Mehr Geburten sollen durch ein familienfreundliches Betriebklima erreicht werden. Die Geburtenrate soll auf 1,56 Geburten pro Frau steigen &#8211; fast 1 Million zus&#228;tzliche Geburten in den n&#228;chsten 12 Jahren. &#8211; Allerdings m&#252;ssen jetzt schon proportional mehr Kinder in den Folgejahren zur Welt kommen, da es im ersten Quartal 2007 nur 600 zus&#228;tzliche Geburten gab. Bedingt durch die steigende Erwerbst&#228;tigkeit und die skizzierte Bev&#246;lkerungsentwicklung soll der private Konsum einen zus&#228;tzlichen Profit von 191 Mrd. € einbringen. Mehr Konsum f&#252;hrt in dieser Logik wiederum zu mehr Arbeit. 221.000 neue Stellen sollen in den Unternehmen entstehen und die Gesundheitspr&#228;ventionen sollen wiederum die Lohnnebenkosten senken und gleichzeitig die Arbeitsproduktivit&#228;t steigern. Ziel und Zweck dieser Ma&#223;nahmen sind erh&#246;hte Einsatzbereitschaft, weniger Fehlzeiten und letztlich eine erh&#246;hte Produktivit&#228;t.</p>
<p>Zusammenfassend lassen sich Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen als wettbewerbsstrategische Antwort auf ver&#228;nderte gesellschaftliche Beziehungen lesen, die darauf abzielen die prek&#228;ren Geschlechterverh&#228;ltnisse wieder in den Griff zu kriegen. Im Prinzip sind diese Ma&#223;nahmen letztendlich der Versuch die Profitraten zu erh&#246;hen. Arbeite, Konsumiere, krieg Kinder und sei gl&#252;cklich ist die Devise. Die geschlechterdemokratische Rhetorik der Work-Life-Balance Konzepte verschleiert aber die immer noch existenten geschlechtshierarchischen Arbeitsteilungen, die Doppelbelastung von M&#252;ttern und dient letztlich dazu, eine offensive Bev&#246;lkerungspolitik salonf&#228;hig zu machen. Klar ist auch, dass Work-Life-Balance Ma&#223;nahmen nicht f&#252;r ALG II Empf&#228;ngerInnen oder prek&#228;r Besch&#228;ftigte ausgedacht wurden, sondern f&#252;r Besserverdienende und Hochqualifizierte des Mittelstandes. Unter Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird hier nicht verstanden, dass Lohnabh&#228;ngige mehr Freizeit erhalten, um sich Freunden und Freundinnen, Sport oder Spiel oder sogar zivilgesellschaftlichen Engagement zu widmen. Es geht hierbei vielmehr darum Arbeit und Leben so zu verzahnen, dass es rentabeler und produktiver wird. Pointiert l&#228;sst sich sagen, dass Staat und Kapital sich die Bev&#246;lkerungsentwicklung als Zielscheibe ausgesucht haben, um die Verwertungsbedingungen der Arbeitskraft zu optimieren und eine m&#246;glichst kosteng&#252;nstige Reproduktion einer neuen Generation von Arbeitskr&#228;ften zu gew&#228;hrleisten. Work-Life-Balance ist keine Antwort auf die sch&#246;ne neue Welt, sondern ein Teil von ihr.</p>
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		<title>Die H&#252;rden der Organisierung &#8211; Workshop zu kollektiven Handlungsm&#246;glichkeiten migrantischer Hausarbeiterinnen</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/hausarbeit/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Dec 2007 15:06:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Iris Nowak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Bezahlte Hausarbeit, sei es Putzen, Pflegearbeit oder Kinderh&#252;ten, ist f&#252;r Frauen, die in der Migration leben, einer der wichtigsten Arbeitsm&#228;rkte. Ihre prek&#228;re Lebens- und Arbeitssituation wird zunehmend Thema in manchen Massenmedien und wissenschaftlichen Kontexten. Auffallend ist dabei, dass kaum &#252;ber kollektive Handlungsm&#246;glichkeiten berichtet wird, mit denen die Frauen f&#252;r ihre Rechte k&#228;mpfen (k&#246;nnen). Der Workshop "Organisierung zwischen Autonomie und Pflegenotstand", der im September 2007 in Hamburg stattfand, wollte diese Leerstelle f&#252;llen. Das &#252;berraschend gro&#223;e Interesse an dem Workshop - etwa 60 Personen nahmen daran teil - l&#228;sst darauf schlie&#223;en, dass an solchen Diskussionen &#252;ber Organisierung, die Fragen nach Migration und Geschlecht als Ausgangspunkt nehmen, ein gro&#223;er Bedarf besteht...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Bezahlte Hausarbeit, sei es Putzen, Pflegearbeit oder Kinderh&#252;ten, ist f&#252;r Frauen, die in der Migration leben, einer der wichtigsten Arbeitsm&#228;rkte. Ihre prek&#228;re Lebens- und Arbeitssituation wird zunehmend Thema in manchen Massenmedien und wissenschaftlichen Kontexten. Auffallend ist dabei, dass kaum &#252;ber kollektive Handlungsm&#246;glichkeiten berichtet wird, mit denen die Frauen f&#252;r ihre Rechte k&#228;mpfen (k&#246;nnen). Der Workshop &#8220;Organisierung zwischen Autonomie und Pflegenotstand&#8221;, der im September 2007 in Hamburg stattfand, wollte diese Leerstelle f&#252;llen. Das &#252;berraschend gro&#223;e Interesse an dem Workshop &#8211; etwa 60 Personen nahmen daran teil &#8211; l&#228;sst darauf schlie&#223;en, dass an solchen Diskussionen &#252;ber Organisierung, die Fragen nach Migration und Geschlecht als Ausgangspunkt nehmen, ein gro&#223;er Bedarf besteht.</strong></p>
<p>Der Workshop (organisiert vom Institut f&#252;r soziale Infrastruktur, Preclab und dem Projekt Prekarisierung und kollektive Organisierung) er&#246;ffnete zun&#228;chst Raum f&#252;r Diskussion &#252;ber Ans&#228;tze der Selbstorganisierung von Migrantinnen. Diese verdeutlichte, dass die Frage nach den spezifischen Organisierungsm&#246;glichkeiten als Hausarbeiterinnen zwar notwendig ist, aber zugleich auch Gefahr l&#228;uft, den Blick zu verengen. Die Fokussierung auf die Arbeitsbedingungen in diesem Bereich macht insofern Sinn, als T&#228;tigkeiten in diesem Bereich aufgrund der hiesigen aufenthalts- und arbeitspolitischen Regulierungen f&#252;r viele Frauen die einzige M&#246;glichkeit zur Existenzsicherung darstellen. Ob Widerstandsm&#246;glichkeiten gegen Lohnraub, sexuelle und/oder psychische &#220;bergriffe durch die Arbeitgeber gefunden werden k&#246;nnen, kann f&#252;r ihre Lebensqualit&#228;t insofern existenzielle Bedeutung haben.</p>
<p>Zugleich stellt die Frage nach den Arbeitsbedingungen in Privathaushalten oft nur eine Facette der Selbstorganisierung von Migrantinnen dar. An einer Organisierung vor allem als Hausarbeiterinnen best&#252;nde, so erl&#228;uterte Luzenir Caixeta von dem Linzer Projekt Maiz (<a href="http://www.maiz.at/">www.maiz.at</a>), auf Seiten der Frauen aus zweierlei Gr&#252;nden wenig Interesse: Zum einen st&#228;nde oft die Unsicherheit und die Angst, die einem illegalisierten Aufenthaltsstatus entspringt, im Mittelpunkt des Alltags der Frauen. Zum anderen pendeln diese meist zwischen verschiedenen T&#228;tigkeitsbereichen hin und her. Zwar seien diese alle im Bereich der Sorge um individuell-k&#246;rperlich-sinnliche Bed&#252;rfnisse angesiedelt, darin aber gebe es im Alltag der Frauen einen flie&#223;enden Wechsel zwischen Sexarbeit, Reinigungs- und Pfleget&#228;tigkeit und der Gastronomie bzw. Unterhaltungsindustrie. Marylou Hardillo-Werning von Babaylan e.V., dem europaweiten Netzwerk philippinischer Migrantinnen (<a href="http://www.babaylan-europe.org/">http://www.babaylan-europe.org</a>), wies darauf hin, dass viele philippinische Frauen als Heiratsmigrantinnen nach Europa gekommen sind. Zwar gehe es in dieser Heiratsmigration auch oft um den Tausch von Sorge- und Sexarbeit gegen &#246;konomische und/oder rechtliche Sicherheit. Allerdings werde die juristische und soziale Situation, innerhalb der die Frauen leben, von ihrem Status als Ehefrauen bestimmt.</p>
<p>&#220;ber rassistische und geschlechtsspezifische Zuschreibungen wird an die Frauen unabh&#228;ngig von ihren tats&#228;chlichen Neigungen und Ausbildungsstand &#8211; viele von ihnen haben eine akademische Ausbildung &#8211; die Zust&#228;ndigkeit f&#252;r diesen Bereich der Sorge delegiert, der sowohl in ihren Herkunfts &#8211; als auch in den Ziell&#228;ndern gesellschaftlich gering bewertet wird und als Ausdruck nat&#252;rlicher F&#228;higkeiten gilt. Die &#220;bernahme bezahlter Hausarbeit erf&#252;llt zwar &#246;konomisch ihre Funktion. Die T&#228;tigkeit selbst l&#228;dt aber wenig dazu ein, von ihr ausgehend kraftvolle politische Identit&#228;ten und Ausdrucksformen zu entwickeln. Zugleich stellen die (z.T. intimen) Begegnungen mit den ArbeitgeberInnen in deren Privatbereich eine spezifische Bedingung dar; hier muss die individuelle Handlungsf&#228;higkeit der Frauen erweitert werden, sofern man sich individuelle Selbstbehauptung und -erm&#228;chtigung als wichtiges Moment jeder Form kollektiver Organisierung denkt.</p>
<p>Vermutlich stellt diese Zuschreibung nat&#252;rlicher Eigenschaften als Frau und Migrantin und die Verkn&#252;pfung aus Lohnverh&#228;ltnis und pers&#246;nlich-k&#246;rperlicher Begegnung zwischen Arbeiterin und Arbeitgeber eine der H&#252;rden f&#252;r Gewerkschaften wie auch f&#252;r andere m&#246;gliche Formen institutioneller Unterst&#252;tzung dar, wenn es darum geht, die Anliegen der Hausarbeiterinnen als politische Anliegen zu artikulieren. Offenbar gilt dies auch f&#252;r die Frauen selbst. Mehrere Referentinnen berichteten, dass Migrantinnen dort, wo ihnen die M&#246;glichkeit zur Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft gegeben wird, aufgrund dieser Mitgliedschaft oft ein st&#228;rkeres Bewusstsein als Arbeitende, die auf bestimmte Rechte bestehen k&#246;nnen, entwickeln.</p>
<p>Marylou Hardillo-Werning beschrieb, dass wichtige Orte, an denen Babaylan e.V. Kontakt zu neuen Frauen herstellt, Workshops zu Themen wie Sexualit&#228;t oder M&#246;glichkeiten des Umgangs mit allt&#228;glichem Rassismus sind. Von anderen Gruppen wurden Formen des Theaterspielens nach Augusto Boal und weitere Formen der Kulturproduktion als wichtige Formen der Selbstorganisation und des Widerstands beschrieben. Diese kulturellen Praxen stellen einen Prozess der kollektiven Auseinandersetzung &#252;ber die eigenen Denk-, F&#252;hl- und Handlungsweisen dar. Indem sie an die &#214;ffentlichkeit getragen werden, greifen sie zugleich von einem selbstbestimmten Standpunkt in gesellschaftliche Diskurse ein, in denen die Frauen wahlweise als &#8220;putzende Perle&#8221; oder als bemitleidenswerte Opfer krimineller Machenschaften auftauchen.</p>
<p>Fe Jusay, die zugleich als Vertreterin der Womens Programme of the Commission for Filipino Migrant Workers (CFMW) in den Niederlanden und als Vertreterin der europ&#228;ischen Initiative Respect Europe am Workshop teilnahm, beschrieb die hohe Bedeutung von Trainings, in denen Migrantinnen lernen, sich gegenseitig im Umgang mit Arbeitgebern zu unterst&#252;tzen und gemeinsam gesellschaftlich zu artikulieren. Die Anf&#228;nge entsprechender Praxen liegen im Falle der niederl&#228;ndischen Netzwerke ebenso wie bei Maiz und Babaylan in den 1990er Jahren. Entsprechende Praxen kn&#252;pfen an autonome Selbstorganisierung und individuelle Widerstandsformen der Frauen an, die Hausarbeiterinnen auch unabh&#228;ngig von institutioneller Unterst&#252;tzung entwickeln (m&#252;ssen), um ihr &#220;berleben zu sichern. Angebote, die die Migrantinnen durch individuelle Beratung unterst&#252;tzen, und solche Ans&#228;tze, die die Entwicklung kollektiver Handlungsm&#246;glichkeiten verfolgen, stehen in der konkreten Arbeit von und f&#252;r Migrantinnen oft in einem Spannungsverh&#228;ltnis, obschon beide notwendiges Moment einer solidarischen Unterst&#252;tzung sind.</p>
<p>Im Falle des niederl&#228;ndischen Netzwerkes kann entsprechendes Training nun auch mit gewerkschaftlicher Unterst&#252;tzung angeboten werden: Seit Juni 2006 k&#246;nnen migrantische Hausarbeiterinnen in der Abvakabo FNV (Federatie Nederlandse Vakorganisaties) unabh&#228;ngig von ihrem Aufenthaltsstatus Mitglied werden, was bereits 200 Frauen getan haben. Jusay bezeichnete dies als wichtigen Durchbruch, wobei sie zugleich darauf hinwies, dass erst der regelm&#228;&#223;ige Dialog zwischen der Gewerkschaft und ihren neuen Mitgliedern zeigen wird, was hieraus konkret folgen wird. Neben der &#220;berzeugungsarbeit in und mit Gewerkschaften sieht Respect Europe eine wichtige Strategie in den Begleitprozessen, die sich um das CEDAW-&#220;bereinkommen (Convention for the Elimination of all forms of Discrimination against Women) der Vereinten Nationen herum organisieren.</p>
<p>In dem Teil des Workshops, der sich einer allgemeineren Politik um Sorgearbeit widmete, stand das Ringen um (finanziell, arbeits- und aufenthaltsrechtlich) existenzsichernde Arbeitspl&#228;tze als zentrale realpolitische Perspektive im Raum. Allerdings wurde von Barbara Thiessen (Deutsches Jugendinstitut, M&#252;nchen) zugleich vorgef&#252;hrt, dass alle staatlichen Versuche der letzten Jahre, den Bereich der bezahlten Hausarbeit zu regulieren, weitgehend gescheitert sind, da es sowohl auf ArbeitgeberInnenseite als auch bei den Arbeitenden das Interesse gibt, diese Arbeit weiter informell zu regeln.</p>
<p>Problematisch war, dass in den Diskussionen des Workshops relativ wenig benannt wurde, dass eine Politik zur existenzsichernden Regulierung der Hausarbeit auf relativ enge Grenzen sto&#223;en wird, solange sie innerhalb gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse verwirklicht wird, in denen jegliche menschliche Regung &#246;konomisiert werden soll. Entgrenzte Zugriffe der Unternehmen auf die Arbeitskraft ihrer Angestellten treffen zunehmend sowohl M&#228;nner als auch Frauen; zugleich werden sozialstaatliche Einrichtungen und Leistungen abgebaut. Wo auch die Sorgearbeit durch entsprechende staatliche Regulierung marktf&#246;rmig gestaltet wird, stellt der R&#252;ckgriff auf die Arbeitskraft anderer, die deutlich schlechter bezahlt sein muss als die eigene, nicht blo&#223; ein Privileg, sondern fast schon eine &#246;konomische Notwendigkeit dar. Die prekarisierten Arbeits- und Lebensverh&#228;ltnisse von Migrantinnen im Bereich privater Haushalte sind insofern eine Voraussetzung f&#252;r ein erfolgreiches und selbstbestimmtes Handeln ihrer ArbeitgeberInnen innerhalb der &#8211; in anderer Weise &#8211; prekarisierten Verh&#228;ltnisse, in denen letztere leben. Die Frage ist, ob sich hieraus realpolitische B&#252;ndnisse schmieden lassen, die der neoliberalen Logik und zugleich der patriarchalen Abwertung von Sorget&#228;tigkeit Einhalt bieten. Dies w&#252;rde einerseits die Erneuerung feministischer Strategien, andererseits die verst&#228;rkte Ber&#252;cksichtigung bereits existierender feministischer Kritik in gewerkschaftlicher Arbeit voraussetzen.</p>
<h3>Weiterf&#252;hrende Informationen</h3>
<p>Texte und ein l&#228;ngerer Bericht zum Workshop finden sich demn&#228;chst unter <a href="http://www.rosalux.de/Themen/Geschlechterpolitiken">www.rosalux.de/Themen/Geschlechterpolitiken</a></p>
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		</item>
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		<title>Ein Pl&#228;doyer f&#252;r die Achtung von Alterit&#228;t und Destigmatisierung in der Sexarbeit</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/sexarbeit/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/sexarbeit/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Apr 2007 10:45:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Schrader</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Prostitution ist in Deutschland - trotz gesellschaftlicher Umbr&#252;che - auch weiterhin mit Stigmata behaftet. Diese klandestine Welt scheint reizvoll und hinterfragt gleichzeitig die Tabus im Umgang mit Sexualit&#228;t und K&#246;rper. Die Einf&#252;hrung des Prostitutionsgesetzes im Januar 2002 sollte die Situation der SexarbeiterInnen verbessern. Bislang wurden jedoch keine gro&#223;en Erfolge verzeichnet, weil einerseits die dichotomen Gegen&#252;berstellungen von Selbstbestimmung, Freiwilligkeit, positiver und negativer Freiheit versus Abh&#228;ngigkeit, Zwang und sexuelle Ausbeutung der Komplexit&#228;t von Prostitution nicht gerecht werden und andererseits die Verschr&#228;nkungen verschiedener Gesetzgebungen zu neuer Marginalisierung f&#252;hrt. Es ist erforderlich die Heterogenit&#228;t der Sexarbeit aufzuzeigen und auch die Marginalisierten entlang der Achse des Prostitutionsgesetzes sichtbar zu machen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Prostitution ist in Deutschland &#8211; trotz gesellschaftlicher Umbr&#252;che &#8211; auch weiterhin mit Stigmata behaftet. Diese klandestine Welt scheint reizvoll und hinterfragt gleichzeitig die Tabus im Umgang mit Sexualit&#228;t und K&#246;rper. Die Einf&#252;hrung des Prostitutionsgesetzes im Januar 2002 sollte die Situation der SexarbeiterInnen verbessern. Bislang wurden jedoch keine gro&#223;en Erfolge verzeichnet, weil einerseits die dichotomen Gegen&#252;berstellungen von Selbstbestimmung, Freiwilligkeit, positiver und negativer Freiheit versus Abh&#228;ngigkeit, Zwang und sexuelle Ausbeutung der Komplexit&#228;t von Prostitution nicht gerecht werden und andererseits die Verschr&#228;nkungen verschiedener Gesetzgebungen zu neuer Marginalisierung f&#252;hrt. Es ist erforderlich die Heterogenit&#228;t der Sexarbeit aufzuzeigen und auch die Marginalisierten entlang der Achse des Prostitutionsgesetzes sichtbar zu machen.</strong></p>
<p>&#8220;Das Stigma der Hure trennt uns Frauen in gute und schlechte Frauen. Dieses Stigma ist eine S&#228;ule der patriarchalen              Ideologie. Es ist notwendig, das Konzept der Prostitution &#8211; in dem dieses Stigma bereits festgeschrieben ist &#8211; zu              dekonstruieren.&#8221; Maria Cristina Boidi, Philosophin, Koordinatorin LEF&#214;, &#214;sterreich</p>
<p>Seit dem 1. Januar 2002 gibt es in Deutschland ein Gesetz zur Regelung der Rechtsverh&#228;ltnisse der Prostituierten (<a title="ProstitutionsGesetzt als PDF" href="http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/prostg/gesamt.pdf">ProstG</a>). Prostitution ist danach nicht mehr sittenwidrig. Ein Ziel dieses Gesetzes ist es, durch rechtlich abgesicherte Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse den Prostituierten einen Zugang zu den Sozialversicherungssystemen zu erm&#246;glichen und die Lebenssituation von Prostituierten generell zu verbessern.</p>
<p>Das Gesetz  wurde bereits evaluiert und die <a title="Bericht &#252;ber die Auswirkungen als PDF" href="http://www.auswirkungen-prostitutionsgesetz.de/Bericht_Auswirkungen_ProstG_Jan07.pdf">Ergebnisse</a> zeigen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen f&#252;r die Einf&#252;hrung sozialversicherungspflichtiger T&#228;tigkeit kaum genutzt werden. Eine Verbesserung der  Arbeitsbedingungen konnte ebenfalls nicht beobachtet werden.</p>
<p>Diese Sachlage ist u.a. auf die fehlenden Durchf&#252;hrungsbestimmungen zum ProstG zur&#252;ckzuf&#252;hren. Daraus resultiert eine Rechtsunsicherheit auf Seiten der SexarbeiterInnen, der BordellbetreiberInnen und der Beh&#246;rden, in deren Folge es z.B. zu Willk&#252;rakten mancher Finanz&#228;mter, bei der H&#246;he der steuerlichen Nachveranlagung kommt. In einigen Bundesl&#228;ndern m&#252;ssen SexarbeiterInnen, die ihr Gewerbe anmelden wollen, mit einer r&#252;ckwirkenden &#220;berpr&#252;fung ihrer Angaben und einer Anklage wegen Steuerhinterziehung rechnen. Au&#223;erdem gibt es bereits erste Forderungen an BordellbetreiberInnen eine Vorsteuer pro SexarbeiterIn in H&#246;he von 25€ pro Tag einzutreiben.</p>
<p>Gleichzeitig wird ein nicht unerheblicher Teil der Arbeit im sogenannten &#8220;illegalen&#8221; Bereich durch SexarbeiterInnen ohne g&#252;ltige Aufenthaltserlaubnis oder Beschaffungsprostituierte geleistet, deren Lebenssituation viel st&#228;rker durch andere, nicht ge&#228;nderte Gesetze bestimmt wird.</p>
<p>So ist zum Beispiel die Sperrgebietsverordnung in vielen deutschen St&#228;dten noch immer eine g&#228;ngige Praxis. Diese beruht auf dem besonders eklatanten Widerspruch, dass mit dem ProstG die Sittenwidrigkeit der Prostitution abgeschafft wurde, gleichzeitig jedoch im Einf&#252;hrungsgesetz zum Strafgesetzbuch (EGStGB) der Artikel 297 &#8220;Verbot der Prostitution&#8221; g&#252;ltig bleibt, der besagt: &#8220;Die Landesregierung kann zum Schutz der Jugend oder des &#246;ffentlichen Anstandes &#8230; durch Rechtsverordnung verbieten, der Prostitution nachzugehen&#8221; (<a href="http://www.buzer.de/gesetz/5387/a74190.htm">http://www.buzer.de/gesetz/5387/a74190.htm</a>).</p>
<p>Hier wird also den Landesregierungen erlaubt, das Aus&#252;ben einer &#8211; aus Sicht der Bundesregierung &#8211; legalen, nicht sittenwidrigen Besch&#228;ftigung, mit Verweis auf den Anstand, zu verbieten und die Prostitution so wieder zu illegalisieren.</p>
<p>Real dient ein Sperrgebiet nur denen, die Arbeitspl&#228;tze im Sperrgebiet oder in den Toleranzzonen anbieten und ist somit ein Instrument, das  Abh&#228;ngigkeiten schafft.</p>
<p>Von den Strafverfolgungsbeh&#246;rden wird die Sperrgebietsverordnung au&#223;erdem benutzt, um diese Gebiete zu kontrollieren und mit Razzien gegen das &#8220;organisierte Verbrechen&#8221; vorzugehen.</p>
<p>Die Konsequenzen dieser Vereinfachung polizeilicher Ermittlungsarbeit haben die SexarbeiterInnen ohne regul&#228;ren Aufenthaltsstatus zu tragen. Werden sie w&#228;hrend einer Razzia aufgegriffen, droht ihnen zwangsl&#228;ufig eine schnelle Abschiebung, wenn ihre Aussage nicht in einem Prozess ben&#246;tigt wird.</p>
<p>Der gegenw&#228;rtige Diskurs um Frauenhandel in Deutschland hat die finnische Rechtssprechung zum Vorbild und diskutiert auch die M&#246;glichkeit einer Umsetzung in Deutschland. Nach diesem Modell sollen auch die Freier von gehandelten und unter Zwang arbeitenden Frauen bestraft werden.</p>
<p>Die rechtliche Definition von &#8220;Zwang&#8221; und &#8220;Freiwilligkeit&#8221; f&#252;hrt jedoch automatisch zur Viktimisierung von MigrantInnen in der Sexarbeit. Au&#223;erdem setzen sich zwangsl&#228;ufig alle Freier von MigrantInnen dem Verdacht aus, eine Straftat zu begehen, was wiederum Rassismus reproduziert.</p>
<p>MigrantInnen, die ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland als SexarbeiterInnen arbeiten wollen, geraten automatisch in Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnisse, weil sie generell Strukturen vorfinden, die ihnen keinerlei rechtlichen Schutz bieten.</p>
<p>Dies gilt in etwas anderen Formen auch f&#252;r Beschaffungsprostituierte, sie arbeiten ebenfalls h&#228;ufig im Sperrgebiet und versto&#223;en durch ihren Drogenkonsum obendrein gegen das Bet&#228;ubungsmittelgesetz (BtMG). Diese Kriminalisierung verhindert, dass sie ihre Arbeitssituation auf Grundlage des ProstG verbessern k&#246;nnen. Gleichzeitig fehlen ihnen wichtige Stimmen in der gesellschaftlichen Diskussion, weil sie von vielen WissenschaftlerInnen und Sozialp&#228;dagogInnen nicht als Prostituierte gesehen werden, da f&#252;r sie die Finanzierung ihrer Sucht im Vordergrund st&#252;nde und sie es nur selten schafften, eine professionelle Distanz zu ihrer prostitutiven T&#228;tigkeit aufzubauen (Vgl. Br&#252;ckner/Oppenheimer, 2006, S. 12, 24).</p>
<p>Die Beispiele zeigen, wie komplex der Bereich der Prostitution ist.</p>
<p>Das ProstG inkludiert nur diejenigen, die &#252;ber das n&#246;tige soziale, &#246;konomische und kulturelle Kapital verf&#252;gen, um an der geschaffenen Rechtslage zu partizipieren. Damit wird ein wichtiger Teil des Sexmarktes durch die angestrebten Verbesserungen gar nicht erreicht.</p>
<p>Die schrittweise Umsetzung der Gesetzgebung wird von der  Forderung nach &#8220;Ausstieg&#8221; begleitet, da viele gesellschaftliche Vertreter meinen, dass Prostitution kein Beruf wie jeder andere sei (<a href="http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Presse/pressemitteilungen,did=93274.html">BMFSJ Pressemitteilung</a>).</p>
<p>Angesichts restriktiver HARTZ IV &#8211; Gesetzgebungen, der Diskussion um Mindestl&#246;hne und der Zunahme prek&#228;rer Arbeitsverh&#228;ltnisse stellt sich die Frage, wohin der Ausstieg erfolgen soll und welche Perspektiven sich denn &#8220;AussteigerInnen&#8221; bieten? Die Realit&#228;t in der Prostitution sieht au&#223;erdem v&#246;llig anders aus. Statt auszusteigen, dr&#228;ngen immer mehr Menschen aus Armuts- und &#220;berlebensgr&#252;nden in den Sexmarkt. Es zeigt sich, dass auch in prek&#228;ren Lebenssituationen die Abgrenzung zwischen &#8220;Freiwilligkeit&#8221; und &#8220;Zwang&#8221; in der Sexarbeit mehr als ein Definitionsproblem ist.</p>
<p>Viele Menschen haben in bestimmten Situationen nur noch eingeschr&#228;nkte Wahlm&#246;glichkeiten und entscheiden sich unter diesen Umst&#228;nden f&#252;r eine &#220;berlebensstrategie, die sie in anderen Situationen nicht w&#228;hlen w&#252;rden. Eine davon kann eben auch Sexarbeit sein. Statt die &#8220;Hilfsaktivit&#228;ten&#8221; immer nur auf den &#8220;Ausstieg&#8221; zu fokussieren, sollten rechtliche, soziale und &#246;konomische Strukturen geschaffen werden, die die Menschen st&#228;rken, ihnen Handlungsm&#246;glichkeiten geben und somit Abh&#228;ngigkeiten vermindern.</p>
<p>Es ist sehr schwer, den Opferdiskursen entgegen zu wirken und differenzierte Bilder zu vermitteln. F&#252;r sichtbares menschliches Leid werden bereitwillig Gelder gespendet, f&#252;r selbstbewusst handelnde Subjekte nicht. Mit medialen Bildern k&#246;nnen starke Identifizierungen hervorgerufen werden. Wenn Betroffene es schaffen, durch medienwirksame Bilder eine &#214;ffentlichkeit f&#252;r sich herzustellen, so wird ihnen der Status des Mitmenschen zugestanden. In der Folge k&#246;nnten sie Rechte einklagen, die nicht nur individuell g&#252;ltig sind, sondern die Gruppe betreffen.</p>
<p>Die Selbstorganisation von SexarbeiterInnen in Deutschland hat schon sehr viel erreicht, aber es ist schwierig, Strategien des Empowerment in den marginalisierten Bereichen der Sexarbeit zu etablieren, denn dort ist die Situation aufgrund der Gesetzgebung im Ausl&#228;nderrecht und im Strafrecht sowie aufgrund des strukturellen Rassismus bei &#196;mtern und Beh&#246;rden sehr kompliziert. SexarbeiterInnen sind nicht per se Opfer, sie sind in ihrer spezifischen Arbeitssituation nur vulnerabler als andere. Dies gilt insbesondere f&#252;r Beschaffungsprostituierte und SexarbeiterInnen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Auf Basis eines gesellschaftlichen Konsens muss gegen die Stigmatisierung von Sexarbeit angek&#228;mpft werden, indem die Bedingungen, die Menschen verletzbarer machen, aufgezeigt, hinterfragt und gegeben falls abgelehnt werden (vgl. Butler, 2005, S. 47).</p>
<p>Deshalb reicht eine Legalisierung und Regulierung der Prostitution allein nicht aus. Sie muss von erg&#228;nzenden &#196;nderungen im Ausl&#228;nderrecht, sowie im Strafrecht bez&#252;glich der Sperrgebietsverordnung und des BtMG flankiert werden.</p>
<p>Gleichzeitig sollte auch in der gesellschaftlichen Diskussion &#252;ber die scheinbare Gewissheit der eigenen Identit&#228;t und den daraus resultierenden Zuweisungen an &#8220;die Anderen&#8221; nachgedacht werden, was eben auch bedeutet, sich die patriarchalen Strukturen, die dem Konzept der Prostitution zu Grunde liegen, bewusst zu machen.</p>
<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Br&#252;ckner; Margit/Oppenheimer, Christa: Lebenssituation Prostitution. Ulrike Helmer Verlag, K&#246;nigstein/Taunus, 2006.</li>
<li>Butler, Judith: Gef&#228;hrdetes Leben. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005.</li>
</ul>
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		<title>Das bedingungslose Grundeinkommen &#8211; eine feministische Perspektive ?!</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/grundeinkommen/</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Jan 2007 14:41:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gabriele Winker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Derzeit gewinnt die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen in der politischen Arena an Bedeutung. Allerdings ist auffallend, dass sich FeministInnen nur selten und z&#246;gerlich zum bedingungslosen Grundeinkommen &#228;u&#223;ern. Ist ein Grund f&#252;r diese Zur&#252;ckhaltung die Angst, damit einmal mehr zur&#252;ck an Heim und Herd gedr&#228;ngt zu werden, gerade jetzt, wo Frauen sich gute Berufchancen angesichts ihrer hohen Bildung versprechen? Oder steht die Forderung nach dem Ausbau gesellschaftlich organisierter Sozial- und Bildungsbereiche so stark im Zentrum, dass daneben ein individualisiertes Grundeinkommen keinen Platz hat? Diese Fragen sind angesichts des feministischen Schweigens nicht abschlie&#223;end zu beantworten. Stattdessen m&#246;chte ich hier verdeutlichen, wie FeministInnen die Debatte f&#252;r ein bedingungsloses Grundeinkommen erweitern und vertiefen k&#246;nnen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Derzeit gewinnt die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen in der politischen Arena an Bedeutung. Allerdings ist auffallend, dass sich FeministInnen nur selten und z&#246;gerlich zum bedingungslosen Grundeinkommen &#228;u&#223;ern. Ist ein Grund f&#252;r diese Zur&#252;ckhaltung die Angst, damit einmal mehr zur&#252;ck an Heim und Herd gedr&#228;ngt zu werden, gerade jetzt, wo Frauen sich gute Berufchancen angesichts ihrer hohen Bildung versprechen? Oder steht die Forderung nach dem Ausbau gesellschaftlich organisierter Sozial- und Bildungsbereiche so stark im Zentrum, dass daneben ein individualisiertes Grundeinkommen keinen Platz hat? Diese Fragen sind angesichts des feministischen Schweigens nicht abschlie&#223;end zu beantworten. Stattdessen m&#246;chte ich hier verdeutlichen, wie FeministInnen die Debatte f&#252;r ein bedingungsloses Grundeinkommen erweitern und vertiefen k&#246;nnen.</strong></p>
<p>Die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen ist alles andere als neu, sie wird in Deutschland bereits seit den 1980er Jahren gef&#252;hrt. Das Ziel dieses Projekts ist klar umrissen. Es soll ein bedingungsloses Grundeinkommen realisiert werden, mit dem ein existenzsichernder Geldbetrag an alle Mitglieder eines Gemeinwesens individuell ausgezahlt wird und zwar ohne Bed&#252;rftigkeitspr&#252;fung und ohne irgendeine Form der Gegenleistung. Neben vielf&#228;ltigen Aktivit&#228;ten zum Grundeinkommen in der BRD, zum Beispiel &#252;ber das <a href="http://www.grundeinkommen.info">Netzwerk Grundeinkommen</a>, gibt es u.a. mit dem Basic Income Earth Network (<a href="http://www.basicincome.org">BIEN</a>)  auch weltweite Organisationen, die dieses Ziel verfolgen.</p>
<p>Seit die Schaffung von Arbeitspl&#228;tzen als zentrales Ziel der schwarz-gelben, rot-gr&#252;nen und schwarz-roten Bundesregierungen immer offensichtlicher scheitert, gewinnt die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen besondere Aktualit&#228;t. Warum sollen Erwerbslose einem Zwang zur Erwerbsarbeit unterworfen werden, wenn der Erfolg dieser Ma&#223;nahmen f&#252;r die Betroffenen prim&#228;r kurzzeitige Billigjobs bedeutet, die wiederum direkt dazu beitragen sozialversicherungspflichtige Arbeitspl&#228;tze zu vernichten. Anstelle von Zwang und G&#228;ngelung durch Hartz IV spricht viel f&#252;r ein existenzsicherndes bedingungsloses Grundeinkommen, das allen &#8211; zumindest im finanziellen Rahmen des Grundeinkommens &#8211; erlauben w&#252;rde ihren Interessen nachzugehen. Die Schwerpunkte der Lebensgestaltung k&#246;nnten dann frei gew&#228;hlt im Bereich f&#252;rsorgender, k&#252;nstlerischer, freizeitorientierter, ehrenamtlicher und/oder anderer T&#228;tigkeiten liegen.</p>
<p>Dennoch gibt es auch unter den prinzipiellen Bef&#252;rwortern des Grundeinkommens eine Reihe bedenkenswerter kritischer Fragen, die in einzelnen Statements auch aus feministischen Perspektiven zu h&#246;ren sind: Handelt es sich um eine Pr&#228;mie f&#252;r AussteigerInnen und Erwerbslose, damit sie ihre Ambitionen auf Erwerbsarbeit aufgeben? Dr&#228;ngt das Grundeinkommen die Frauen zur&#252;ck zum Herd? Wird es als Lohn f&#252;r Kindererziehung gesehen? F&#246;rdert das Grundeinkommen den weiteren Abbau des Sozialstaates?</p>
<p>Um Antworten auf diese Fragen zu finden, muss die derzeitige sozio-&#246;konomische Situation bedacht werden. Im neoliberalen System wird alles daran gesetzt, um die Reproduktionsarbeit im Interesse kapitalistischer Verwertungsbedingungen so g&#252;nstig wie m&#246;glich ohne allzu gro&#223;e staatliche Kosten zu realisieren. Aus einer feministischen Perspektive muss dagegen gefragt werden, wie es gelingen kann, m&#246;glichst vielen Menschen, auch Kindern und Pflegebed&#252;rftigen ein hochwertiges Angebot von G&#252;tern und Dienstleistungen im Bereich von Nahrung, Wohnung, Bildung und Gesundheit zur Verf&#252;gung zu stellen. Aus dieser Perspektive komme ich bzgl. des Grundeinkommens zu folgender Argumentation:</p>
<ul>
<li>Es muss darauf geachtet werden, dass wirklich jedem Menschen, also auch Kindern, das volle Grundeinkommen zusteht. In der Debatte wird ohne Begr&#252;ndung immer wieder das Grundeinkommen von Kindern auf 50% oder 60% des normalen Beitrags reduziert. Es sind jedoch gerade Kinder, die eine qualitativ hochwertige Erziehung und Bildung ben&#246;tigen und damit in ihrer Kindheit und Jugend eine Grundlage legen, um auch im sp&#228;teren Leben vielf&#228;ltigen Interessen nachgehen zu k&#246;nnen.</li>
<li>Es muss mit allem Nachdruck darauf verwiesen werden, dass das Grundeinkommen keinen Lohn f&#252;r Hausarbeit oder f&#252;r Kindererziehung darstellt. Bedingungslos wird in der Debatte immer wieder ausschlie&#223;lich auf Erwerbsarbeit und B&#252;rgerarbeit bezogen. Dies muss auf die F&#252;rsorgearbeit ausgedehnt werden. Denn selbstverst&#228;ndlich m&#252;ssen auch nach Einf&#252;hrung des Grundeinkommens all die Ma&#223;nahmen vorangetrieben werden, um Erziehenden und Pflegenden eine Vereinbarkeit ihrer F&#252;rsorgeaufgaben mit Erwerbsarbeit, mit politischer Arbeit oder mit anderen T&#228;tigkeiten, f&#252;r die sie sich entscheiden, zu erm&#246;glichen.</li>
<li>Damit ist auch klar, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen nur dann seine volle Wirkung entfalten kann, wenn es verbunden wird mit einem qualitativ hochwertigen Ausbau staatlicher Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereiche. Diese Angebote m&#252;ssen steuerfinanziert ohne Geb&#252;hren angeboten werden. Ansonsten wird das bedingungslose Grundeinkommen zu einem politischen Taschenspielertrick, wie dies bei dem Vorschlag des Th&#252;ringer Ministerpr&#228;sidenten Althaus bereits der Fall ist, der von € 800 Grundeinkommen sofort eine Gesundheitspauschale von € 200 abzieht.</li>
<li>In Zukunft muss deutlicher darauf verwiesen werden, dass das bedingungslose Grundeinkommen gerade auch f&#252;r Frauen ein wichtiger Schritt ist, um sich aus famili&#228;ren Abh&#228;ngigkeiten und dem&#252;tigenden Paarbeziehungen zu l&#246;sen. Oft sind es derzeit finanzielle Notlagen und Abh&#228;ngigkeiten von einem Ern&#228;hrer, die insbesondere Frauen dazu bringen, Unterdr&#252;ckung und Diskriminierung zu erdulden.</li>
<li>Auch im Erwerbsleben k&#246;nnen Individuen mit der Einf&#252;hrung des Grundeinkommens unw&#252;rdige Arbeitsvertr&#228;ge k&#252;ndigen und sich gegen prek&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse wenden, was gerade f&#252;r Menschen mit F&#252;rsorgeverpflichtungen wichtig ist. Waren doch sie bisher diejenigen, die sich aufgrund ihrer nicht vollst&#228;ndigen Flexibilit&#228;t mit geringen L&#246;hnen und schlechten Arbeitsbedingungen abfinden mussten. Gleichzeitig gilt es auch hier weiterhin Forderungen nach einer allgemeinen Arbeitszeitverk&#252;rzung und einem Mindestlohn aufrechtzuerhalten.</li>
<li>Auch Dienstleisterinnen im Haushalt k&#246;nnen sich bei Bezug eines Grundeinkommens gegen unabgesicherte und schlecht entlohnte Arbeitsbedingungen wehren. Allerdings ist dazu n&#246;tig, das Recht auf Grundeinkommen auf alle im Land t&#228;tigen MigrantInnen auszuweiten und ihnen nicht weiter nur dann Aufenthaltsrechte zu gew&#228;hren, wenn sie eine existenzsichernde Erwerbst&#228;tigkeit vorweisen k&#246;nnen.</li>
<li>Aus den genannten Argumenten wird auch klar, dass das Grundeinkommen nicht &#252;ber den Abbau staatlicher Leistungen finanziert werden darf. Es muss &#252;ber eine Umverteilung zwischen reich und arm realisiert werden, zwischen gut verdienenden Erwerbst&#228;tigen ohne Reproduktionsverpflichtungen gegen&#252;ber Dritten und Menschen, die aufgrund ihrer F&#252;rsorgeverpflichtungen nur Teilzeit erwerbst&#228;tig sein k&#246;nnen oder vom Erwerbsarbeitsmarkt ganz ausgegrenzt werden. Das bedeutet, dass das Grundeinkommen nicht neutral &#252;ber die Mehrwertsteuer oder eine andere Art von Konsumsteuer, sondern &#252;ber eine erh&#246;hte und konsequente Besteuerung von Gewinnen und Kapitalverm&#246;gen sowie einer Erh&#246;hung der Einkommenssteuer f&#252;r Besserverdienende realisiert werden sollte.</li>
</ul>
<p>Mit einer solchen Argumentation liegt der Fokus nicht weiter auf der Erwerbsarbeit als alleinigem Weg zur Existenzsicherung, und es wird deutlich, dass gesellschaftliche Teilhabe und Emanzipation auch auf anderen, vielf&#228;ltigen Wegen zu erzielen sind. Gleichzeitig wird aber auch klar, dass es nicht darum gehen kann, &#252;ber das Grundeinkommen individualisierte F&#252;rsorgearbeit zu unterst&#252;tzen, sondern hierf&#252;r nach wie vor hochwertige staatliche Dienstleistungen erforderlich sind. Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein spannendes unterst&#252;tzenswertes politisches Projekt. FeministInnen haben die Aufgabe und Chance, die aktuelle Debatte um das Grundeinkommen inhaltlich zu verbreitern und damit auch zu st&#228;rken.</p>
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