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Arbeit

Sexarbeit – das Tabu des konservativen Feminismus

15.03.2016, Kathrin Schrader

oder warum haben manche Feminist_innen Probleme mit Sexarbeit, wenn Sie doch Carearbeit als zwingend notwendig erachten?
Der folgende Text ist das Manuskript des Vortrags auf dem Sexarbeitskongress an der HAW (2.-4. März 2016). Im Vortrag habe ich mich den folgenden 5 Thesen gewidmet und einen Vorschlag unterbreitet:
1. Sexarbeit ist feministisch, aber Feminismus ist manchmal paternalistisch.
2. Sexarbeit ist ein Teil von Carearbeit.
3. Care- und Sexarbeit sind Dienstleistungen in kapitalistischen Verwertungsprozessen.
4. In einer freien Gesellschaft wird es Carearbeit und damit auch Sexarbeit geben.
5. Sexarbeit als Zwang oder bezahlte Vergewaltigung zu bezeichnen, ist zutiefst unfeministisch.

In der von mir sehr geschätzten queerfeministischen Zeitschrift Missy Magazin vom Dezember 2015 wurden folgende Fragen gestellt: Was haben Sexarbeiter_innen und Geflüchtete gemeinsam? Vielleicht sind es miserable Lebensbedingungen, die durch die geltende Gesetzeslage geschaffen werden oder die Bevormundungen durch Privilegierte, wie z. B. weiße Feminist_innen mit Helfer_innensyndrom? Ich würde die Fragen bejahen und dies im Folgenden durch die 5 Thesen begründen.
1. Sexarbeit ist feministisch, aber Feminismus ist manchmal paternalistisch
1971 bekennen sich mutige Frauen im „stern“, dass sie abgetrieben haben. Sie legen damit das Fundament für eine Initiative, die unter dem Slogan „Mein Bauch gehört mir“ bekannt wurde, und beginnen damit einen langen Kampf für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen.
2013 … Zum ganzen Artikel


Statement zur aktuellen Diskussion um Sexarbeit vom AK Reproduktion und dem Feministische Institut Hamburg

20.01.2015, AK Reproduktion und Feministisches Institut Hamburg

Aktuell wird im Bundestag über die Novellierung des 2002 verabschiedeten Prostitutionsgesetzes beraten. In der öffentlichen Diskussion darum wird häufig ein generelles Verbot von Sexarbeit gefordert – von Seiten der Regierungsparteien, aber auch von links-feministischen Kreisen. Letztere erhoffen sich davon unter anderem eine Schwächung patriarchaler Verhältnisse. Statt gesellschaftliche Strukturen in den Blick zu nehmen und herrschende Geschlechterverhältnisse anzugreifen, würde ein Prostitutionsverbot jedoch in erster Linie die Situation vieler Frauen in der Sexarbeit verschlechtern. Zudem würden feministische Erfolge – z.B. ein selbstbewusstes Ringen um anständige Arbeitsverhältnisse und Gesundheitsschutz – untergraben. Es handelt sich bei der Forderung um ein generelles Verbot von Sexarbeit also um Symbolpolitik, die außerdem wertkonservative Vorstellungen von Sexualität befördert. Diese Debatte und die mit ins Feld getragenen Argumente gehen uns alle an. Der Arbeitskreis Reproduktion und das Feministische Institut Hamburg halten es vor diesem Hintergrund für dringend notwendig, der Diskussion andere Argumente entgegenzusetzen.

Sexarbeit galt jahrhundertelang als sittenwidrig. Sexarbeiter_innen wurden und werden ins gesellschaftliche Abseits gedrängt, verfolgt, vergewaltigt und für ihren Job umgebracht. Auch in der BRD hatten sie kaum Rechte. Das hat sich erst 2002 durch das von der rot-grünen Bundesregierung verabschiedete Prostitutionsgesetz (ProstG) etwas verbessert. Seitdem sind die Vereinbarungen zwischen Prostituierten und ihren Kund_innenen nicht länger … Zum ganzen Artikel


Zur Situation von Arbeitsmigrantinnen in Südspanien. Am Beispiel marokkanischer Frauen in der Erdbeerernte in Huelva.

12.05.2014, Laura-Solmaz Litschel

Es ist kein Novum, dass die Situation der Arbeitsmigrantinnen in der Gemüseproduktion Südspaniens katastrophal ist. Die in den letzten Jahren betriebene Politik der Legalisierung hat die Situation zwar verändert, jedoch nicht zum Guten. Die Erdbeerernte in Huelva ist ein Beispiel für das von der EU geförderte Konzept der kontrollierten ‘zirkulären’ Frauenarbeitsmigration in dem die Rückreise schon im Vertrag mit inbegriffen ist. Wer das ganze Jahr über billige Erdbeeren im Supermarkt kauft, sollte sich im Klaren sein, welche sexistischen Bedingungen mit der Produktion einhergehen. Ein Bericht zur Situation in Huelva. Zum ganzen Artikel


Unterstützung für Care-Arbeitende – Fehlanzeige im CDU/SPD-Koalitionsvertrag

14.12.2013, Gabriele Winker

Seit vielen Jahren erleben immer mehr Menschen in der BRD, dass die gestiegenen Anforderungen der Erwerbsarbeit bei gleichzeitig zunehmender Sorgearbeit für Kinder und unterstützungsbedürftige Angehörige wenig Zeit für Selbstsorge und schon gar keine Zeit für Muße lassen. Die Gründe sind hinlänglich bekannt: Im neoliberalen System sollen sowohl alle erwerbsfähigen Personen möglichst in Vollzeit berufstätig sein, um sich auch fürs Alter eine Absicherung zu erarbeiten, gleichzeitig aber auch jenseits dieser Berufstätigkeit immer mehr Verantwortung für ihre eigene Bildung und Gesundheit sowie für das Aufwachsen ihrer Kinder und die Pflege von Angehörigen übernehmen. Das kann nur zu enormer Überbelastung und Zeitstress führen. Doch im Koalitionsvertrag steht weder die unentlohnte Care-Arbeit, die meist in Familien, insbesondere von Frauen, ausgeführt wird, noch die entlohnte Care-Arbeit in Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen im Zentrum. Im Koalitionsvertrag ist fast ausschließlich von den wirtschaftlichen Aktivitäten jenseits der Care-Arbeit die Rede, da dort die Mehrwertproduktion realisiert wird. Care-Arbeit ist zwar zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendig und hat mehr als den doppelten Umfang, verglichen mit allen anderen wirtschaftlichen Aktivitäten zusammengenommen, soll aber im Sinne der Gewinnmaximierung möglichst wenig kosten. Hier ist eine Care-Bewegung gefordert, die an Kraft und Sichtbarkeit gewinnen muss… Zum ganzen Artikel


Professionalisierung der Pflegeberufe durch Stärkung der Care-Potentiale

10.07.2013, Sandra Mehmecke

Welche Professionalisierungsstrategie für Pflegeberufe ist vernünftig? Diese Frage kann zwei Jahrzehnte nach Etablierung zahlreicher Pflegestudiengänge als zentrale Herausforderung der Pflegepraktiker_innen und -wissenschaftler_innen in Deutschland gesehen werden. Die bisher nahezu unkritische Anpassung an die Ökonomisierung führt nicht zu einer Professionalisierung der Pflegeberufe, sondern zu einer Abwertung des professionellen Pflegehandelns. Mit diesem vorherrschenden Professionsverständnis geht ein Schwinden des „Typisch Pflegerischen“ einher, worunter die interaktiven, sprechenden und berührenden Pflegeleistungen zu verstehen sind, die schwer operationalisierbar sind. Im Folgenden plädiere ich für die Stärkung dieser Care-Potentiale. Zum ganzen Artikel


Zwischen Marginalisierung und Selbstermächtigung: Perspektiven auf Frauen-Migration am Beispiel indonesischer und koreanischer Krankenschwestern

10.06.2013, Laura-Solmaz Litschel

Der mehrheitsgesellschaftliche Diskurs um die sogenannte ‘Gastarbeiter-Ära’ der sechziger bis achtziger Jahre, suggeriert eine patriarchal-strukturierte Migration: Männer migrieren, Frauen und Kinder folgen. Durch diese Konnotation wird die Selbstbestimmung vieler Frauen marginalisiert, da sie historisch als ‘Nachfolge-Migration’ stigmatisiert wird. Tatsächlich kamen aber viele qualifizierte Arbeitnehmerinnen aus eigenem Antrieb in die Bundesrepublik. Die Migration von Krankenschwestern aus Indonesien und Südkorea ist ein gutes Beispiel für die Tradition qualifizierter Frauen-Migration in die Bundesrepublik, eine Tatsache, der bislang kein Platz im historischen Gedächtnis des Landes zukommt… Zum ganzen Artikel


Ist Reproduktionsarbeit wertproduzierende Arbeit?

14.05.2013, Stefan Paulus

Inwiefern Reproduktionsarbeit in den Wertbildungsprozess eingeht, war ein wesentlicher Streitpunkt in der sogenannten Hausarbeitsdebatte: die Diskussion um den „richtigen“ Anschluss an die Marxsche Theorie. Die in den 1960er Jahren gestellte Frage hat auch heute nichts an Aktualität eingebüßt und wird derzeit wieder aus unterschiedlichen Perspektiven und theoretischen Zugängen diskutiert. Meine Studie „Hausarbeitsdebatte Revisited. Zur Arbeitswerttheorie von Haus- und Reproduktionsarbeit“ widmet sich der Hausarbeitsdebatte und stellt verschiedene Antworten auf die oben gestellte Frage dar. Im Folgenden Artikel möchte ich jedoch weniger auf die unterschiedlichen Perspektiven eingehen, sondern ein Schlaglicht auf diese Frage im Anschluss an die Marxsche Werttheorie skizzieren… Zum ganzen Artikel


Prekäre Gegenmacht im Lebensmitteleinzelhandel

17.12.2012, Matthias Neumann

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) war in den letzten Jahren in den Medien vor allem präsent durch Negativschlagzeilen, was Löhne, Arbeitsbedingungen oder den Umgang von Unternehmen oder Vorgesetzten mit den Beschäftigten betrifft: Arbeitshetze und rücksichtsloser Umgang mit Beschäftigten, Anti-Betriebsrats-Strategien oder Scheinwerkverträge, also faktische Leiharbeit unter Umgehung der gesetzlichen und tariflichen Regulierungen. Zuletzt die Schließung von vier Netto-Märkten in Göttingen, in denen sich ein gewerkschaftlicher Vertrauensleutekörper gebildet hatte. So entsteht der Eindruck, dass die Arbeit im Supermarkt unter prekären Bedingungen stattfindet, ohne betriebliche Interessenvertretung schlecht bezahlt wird, die unterdrückten Kolleginnen hilflos sind und am liebsten aufhören würden, sobald sie etwas Besseres finden. Dieses Bild ist nicht einfach falsch. Was da skandalisiert wird, sind keine Einzelfälle, und das Bild beschreibt Verhältnisse, die für viele Beschäftigte so alltäglich wie unerträglich sind. Dennoch versuche ich im Folgenden zu zeigen, dass dieses Bild unvollständig ist… Zum ganzen Artikel


Zur bundesweiten Kaiserschnitt-Kampagne

2.10.2012, Karin Bergdoll

„In Deutschland kommt jedes dritte Kind durch einen Kaiserschnitt auf die Welt. – Es ist höchste Zeit, die Kaiserschnittrate zu senken.“ Mit dieser Aussage hat der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft (AKF e.V.) eine bundesweite Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland eingeleitet… Zum ganzen Artikel


Die Schleckerfrauen: Der Kapitalismus kennt keine Moral

29.04.2012, Kersten Artus

Die Schlecker-Pleite, Folge einer jahrelangen verfehlten Unternehmenspolitik, bedroht die Existenzen zehntausender Menschen, vor allem Frauen. Die Gründung einer Transfergesellschaft scheiterte am Widerstand der Neoliberalen. Doch auch die Gewerkschaften haben Fehler gemacht. Die Schlecker-Pleite sollte Anlass sein, über eine neue Standortpolitik, über persönliche Managerhaftung, mehr betriebliche Mitbestimmung und eine Reform der staatlichen Leistungen in Richtung einer repressionsfreien, existenzsichernden Grundleistung nachzudenken. Außerdem weist sie auf ein kommendes Problem hin, das uns in Zukunft immer mehr beschäftigen wird: die massenhafte Altersarmut vor allem von Frauen durch immer mehr Kurzfrist-, Teilzeit- und Minijobs… Zum ganzen Artikel


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Die kollektive Arbeitsniederlegung, der Streik, ist einerseits ein Mittel zur Durchsetzung von besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen. Andererseits gilt der Streik aus einer anarchistischen bzw. anarchosyndikalistischen Perspektive als Hebel zur Einleitung der sozialen Revolution. Aus einer feministischen oder... mehr

Über Anregungen, Kritiken und andere Positionen freuen wir uns jederzeit: info[at]feministisches-institut.de


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