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	<title>Feministisches Institut Hamburg</title>
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		<title>Die Schleckerfrauen: Der Kapitalismus kennt keine Moral</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 19:07:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kersten Artus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schlecker-Pleite, Folge einer jahrelangen verfehlten Unternehmenspolitik, bedroht die Existenzen zehntausender Menschen, vor allem Frauen. Die Gr&#252;ndung einer Transfergesellschaft scheiterte am Widerstand der Neoliberalen. Doch auch die Gewerkschaften haben Fehler gemacht. Die Schlecker-Pleite sollte Anlass sein, &#252;ber eine neue Standortpolitik, &#252;ber pers&#246;nliche Managerhaftung, mehr betriebliche Mitbestimmung und eine Reform der staatlichen Leistungen in Richtung einer repressionsfreien, existenzsichernden Grundleistung nachzudenken. Au&#223;erdem weist sie auf ein kommendes Problem hin, das uns in Zukunft immer mehr besch&#228;ftigen wird: die massenhafte Altersarmut vor allem von Frauen durch immer mehr Kurzfrist-, Teilzeit- und Minijobs...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>
<p class="einleitung">Die Schlecker-Pleite, Folge einer jahrelangen verfehlten Unternehmenspolitik, bedroht die Existenzen zehntausender Menschen, vor allem Frauen. Die Gr&#252;ndung einer Transfergesellschaft scheiterte am Widerstand der Neoliberalen. Doch auch die Gewerkschaften haben Fehler gemacht. Die Schlecker-Pleite sollte Anlass sein, &#252;ber eine neue Standortpolitik, &#252;ber pers&#246;nliche Managerhaftung, mehr betriebliche Mitbestimmung und eine Reform der staatlichen Leistungen in Richtung einer repressionsfreien, existenzsichernden Grundleistung nachzudenken. Au&#223;erdem weist sie auf ein kommendes Problem hin, das uns in Zukunft immer mehr besch&#228;ftigen wird: die massenhafte Altersarmut vor allem von Frauen durch immer mehr Kurzfrist-, Teilzeit- und Minijobs.</p>
<p></strong><br />
Schlecker am Kattrepel im Hamburger Kontorviertel ist eigentlich immer schlecht besucht gewesen. Das lag nicht am Ruf der Drogerie, sondern dass der Kattrepel eine um 150 Meter tief im Schatten der Einkaufsmeile M&#246;nckebergstra&#223;e gelegene kleine Stra&#223;e ist. Die Verkaufsstelle dort ist Sinnbild f&#252;r die Krise, die den Schlecker-Konzern eingeholt hat.<br />
Wahllos hatte der Drogeriebetreiber L&#228;den er&#246;ffnet, auch an Orten, von denen klar war, dass sie nicht das einbringen, um dem Imperium Profit zu sichern. Aber getreu dem Motto: Masse statt Klasse wurde die Marktf&#252;hrer-Strategie fortgesetzt. Die Opfer sind: Vorwiegend &#228;ltere und gering qualifizierte Frauen. Auch Schleckers Verm&#246;gen ist futsch, angeblich.<br />
Von 240 Angestellten in Hamburg droht etwa 120 der Arbeitsplatzverlust, 64 davon sind bereits gek&#252;ndigt. Bundesweit sind es von insgesamt 27.500 ca. 11.000 Besch&#228;ftigte, deren Arbeitspl&#228;tze Ende M&#228;rz verloren gegangen sind. Am 8. M&#228;rz 2012, dem Internationalen Frauentag, demonstrierte ein Teil der Betroffenen durch die Stadt, begleitet von Gewerkschafterinnen, die an diesem Tag ohnehin auf der Stra&#223;e waren. Linke und sozialdemokratische Abgeordnete der Hamburgischen B&#252;rgerschaft zeigten sich solidarisch, Sozialsenator Detlef Scheele sagte Unterst&#252;tzung zu – auch f&#252;r eine Transfergesellschaft. Mit 70 Millionen Euro h&#228;tte sie die Folgen f&#252;r die Schleckerfrauen abfedern k&#246;nnen.<br />
Der Plan: Die Bundesl&#228;nder &#252;bernehmen das Kreditrisiko, die staatliche Kreditanstalt f&#252;r Wiederaufbau w&#252;rde ein Darlehen geben. Der Erfahrung nach h&#228;tte mindestens jede zweite Verk&#228;uferin dadurch wieder in Arbeit vermittelt werden k&#246;nnen.<br />
Auch die Gewerkschaft Verdi und die Betriebsr&#228;te k&#228;mpften f&#252;r dieses Modell. Gleichzeitig versuchten sie sich in einer Imagekampagne: Schlecker ist besser als sein Ruf, die Arbeitsbedingungen gar nicht so schlecht, es gibt Tarifvertr&#228;ge und eine Interessenvertretung. Ma&#223;geblicher Grund: Die Suche des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz nach einem K&#228;ufer. Das Unternehmen soll solide erscheinen. Den Seelen der Betroffenen und dem Zusammenhalt tat die Kampagne gut. Marktkenner hingegen ben&#246;tigen sie nicht. Der seit Jahren anhaltende Preiskampf der Drogeriebranche, diese gr&#246;&#223;te anzunehmende Unvernunft, &#252;ber schnellen Absatz Erfolg zu generieren, wird seit langem mit Sorge betrachtet. Preisk&#228;mpfe sind wie &#252;berm&#252;tiges H&#252;pfen auf Glatteis: Die Gefahr des Ausrutschens ist hoch, wenn die Balance verloren geht. Viele Preise bei Schlecker galten als zu hoch, der Eigenmarkenanteil als zu gering.<br />
Transfergesellschaften sind bei den Grahlsh&#252;tern der radikalen Marktwirtschaft unbeliebt: Die Aufgefangenen stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verf&#252;gung. Es wird einerseits Kurzarbeitergeld gezahlt, andererseits fortgebildet. Daf&#252;r klagen diejenigen nicht beim Arbeitsgericht, die in die Gesellschaft eintreten, das Unternehmen zahlt im Normalfall weiterhin Sozialversicherungsabgaben. Transfergesellschaften sind ein Notgriff, bevor der Abgrund namens Arbeitslosigkeit einen verschluckt. Vizekanzler und FDP-Vorsitzender R&#246;sner hingegen pl&#228;dierte f&#252;r eine schnelle Anschlussverwendung der Schleckerfrauen und produzierte damit den Top-Favoriten zum Unwort des Jahres.<br />
Die FDP gibt Verdi eine Mitschuld an der Situation von Schlecker: Die Gewerkschaft h&#228;tte schlie&#223;lich zum Boykott der M&#228;rkte aufgerufen. Das ideologische Get&#246;se war zu erwarten. Einerseits trifft zu: Verdi hatte 2009 auf den unsozialen Expansionskurs von Schlecker aufmerksam gemacht. Schlecker hatte Filialen geschlossen und neue, so genannte XL-Filialen, er&#246;ffnet. Die dort Wiedereingestellten verdienten um die H&#228;lfte weniger, ca. 1000 Euro brutto. Andererseits war es Verdi gelungen, die Besch&#228;ftigten zu mobilisieren, Tarifvertr&#228;ge und Betriebsr&#228;te durchzusetzen und somit zur inneren Stabilit&#228;t des Unternehmens beizutragen. Dies ist heute ein gro&#223;es Pfund bei den Verkaufsverhandlungen des Insolvenzverwalters.<br />
Verdi hat sich in der konkreten Situation aber leider auch als wenig kompetent dargestellt. Die Gewerkschaft strebt an, dass das Unternehmen als Ganzes erhalten bleibt. Das ist eine zwar identit&#228;tsbildende, aber eher unrealistische Forderung, ist doch das gro&#223;s&#252;chtige Schlecker- Gesch&#228;ftsmodell soeben gescheitert. Und wie die Parole der Hamburger Verdi zu verstehen ist, dass keine Jobs durch Managementfehler verloren gehen d&#252;rfen, erkl&#228;rt sich ebenfalls nur durch Hilfslosigkeit und dem Wunsch, in den Medien zitiert zu werden. Es stellt sich eher die Frage nach neuen Jobs, nach sicheren Arbeitspl&#228;tzen.<br />
Das Ende von Schlecker und damit die massenhafte Vernichtung von Arbeitspl&#228;tzen war vorauszusehen. Der Markt reguliert sich. Das macht er seit zwei Jahrhunderten so und nennt sich ruin&#246;ser Wettbewerb. Moral und tr&#246;stende Worte reichen daher nicht aus. Den Frauen muss geholfen werden, darin liegt die Verantwortung des Staates und der unf&#228;higen Manager. Der Zynismus der FDP sollte als letztes Aufst&#246;hnen einer untergehenden Partei verhallen. Es m&#252;ssen dringend Konzepte f&#252;r eine Strukturpolitik her, die in einer Region daf&#252;r sorgen, dass Opfer von Arbeitsplatzvernichtung neue Jobs bekommen. Hier k&#246;nnte der Deutsche Gewerkschaftsbund einen wichtigen Beitrag leisten. Das ist nicht Aufgabe eines Fachbereichs einer Dienstleistungsgewerkschaft. Standortpolitik k&#246;nnte neu erdacht werden, weniger auf Wachstum, mehr auf Lebensqualit&#228;t. Die Entwicklung der Metropole birgt Chancen, auch wenn durch den zu erwartenden Zuzug J&#252;ngerer – im Jahr 2030 werden ca. 100.000 mehr Menschen in Hamburg leben als heute – die Arbeitsplatzkonkurrenz unter den Generationen steigt. Der Fachkr&#228;ftemangel in einigen Branchen, der Gesundheit als Wachstumsmarkt beispielsweise, weist jedoch Wege auf.<br />
Warum die Schleckerfrauen dringend Hilfe und Solidarit&#228;t ben&#246;tigen, liegt folgenden Fakten zugrunde: Millionen Frauen m&#252;ssen bef&#252;rchten, im Alter arm zu werden. Grund sind die Teilzeit- und Minijobs, in denen vor allem Frauen t&#228;tig sind. Eine Rechnung, die die Bundesregierung nach einer aktuellen Anfrage der linken Bundestagsfraktion aufgestellt hat: Pro Jahr der Besch&#228;ftigung in einem Minijob wird ein Rentenanspruch von 3,11 Euro erworben. Macht nach 45 Versicherungsjahren 139,95 Euro. Auch die Teilzeitarbeit vieler Frauen, auch die von Schlecker, wirken sich armutsgef&#228;hrdend aus. Der Gleichstellungsbericht der Bundesregierung mahnt daher zu Recht an, Minijobs abzuschaffen. Derzeit betr&#228;gt die Durchschnittsrente von Frauen 535 Euro. Plus anderen Eink&#252;nften lebt eine Frau im Alter von 1.188 Euro, mit abnehmender Tendenz. Und das nach einem Erwerbsleben, nach Jahren der Erziehung von Kindern. Expertinnen und Experten gehen zudem von einer weiteren Absenkung der Vollzeitarbeitspl&#228;tze aus. Bereits heute erfolgt jede zweite Neueinstellung nur befristet. Der Weg f&#252;r eine existenzsichernde Zukunft von Frauen muss daher stringent und schnell eingeschlagen werden. Hinzu kommen gesetzliche Weichenstellungen auf Bundesebene. Dies verlangt grunds&#228;tzliche &#196;nderungen in unserem Sozialsystem und eine Kampfansage an die gesellschaftliche Vorteilsnahme des Mannes.<br />
Das Hartz-IV-System hat in den letzten sechs Jahren die Lage versch&#228;rft, die Einkommensschere weiter ge&#246;ffnet, Dumpingl&#246;hnen und prek&#228;ren Arbeitsbedingungen Vorschub geleistet. Es geh&#246;rt durch eine existenzsichernde, repressionsfreie Grundleistung ersetzt. Weiterhin geh&#246;ren die pers&#246;nliche Managerhaftung und die Erweiterung der betrieblichen Mitbestimmung auf die wirtschaftlichen Entscheidungskompetenzen gesetzlich geregelt und die Umverteilung der Arbeit durch Arbeitszeitverk&#252;rzung in den Fokus.<br />
Bis Pfingsten sollen neue Eigent&#252;mer f&#252;r Schlecker gefunden werden. Entscheidend, sagt Insolvenzverwalter Geiwitz, ist der Kaufpreis. Auch das ist ein Gesetz des Kapitalismus.</p>
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		<title>Polizei und Sexismus: Erfahrungen mit den Vertreter*innen der Exekutive</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 20:13:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Ballenthien</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Kontakt mit der Polizei m&#252;ssen Menschen aller Geschlechter unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig h&#228;ufig sexistische Situationen erleben. Sei es in F&#228;llen, wo eine*r sich Hilfe suchend an die Ordnungsh&#252;ter auf der Wache wendet oder im Rahmen von Personalienfeststellungen, Ingewahrsamnahmen oder Festnahmen. Wir dokumentieren in diesem Text Erfahrungen, die wir und Freundinnen von uns gemacht haben, und beschreiben die Schwierigkeit innerhalb dieser Situationen zu intervenieren oder im Nachgang einen Umgang damit zu finden. Die Falldarstellungen k&#246;nnten bei Personen, die &#228;hnliches erlebt haben, m&#246;glicherweise triggernd wirken...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Im Kontakt mit der Polizei m&#252;ssen Menschen aller Geschlechter unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig h&#228;ufig sexistische Situationen erleben. Sei es in F&#228;llen, wo eine*r sich Hilfe suchend an die Ordnungsh&#252;ter auf der Wache wendet oder im Rahmen von Personalienfeststellungen, Ingewahrsamnahmen oder Festnahmen. Wir dokumentieren in diesem Text Erfahrungen, die wir und Freundinnen von uns gemacht haben, und beschreiben die Schwierigkeit innerhalb dieser Situationen zu intervenieren oder im Nachgang einen Umgang damit zu finden. Die Falldarstellungen k&#246;nnten bei Personen, die &#228;hnliches erlebt haben, m&#246;glicherweise triggernd wirken.</strong></p>
<p>Unsere Freundin Tiffy arbeitet mehrmals in der Woche in einer Kneipe. Wenn sie abends arbeitet, wird es meistens 4 Uhr, bis sie nach Hause kommt. Unter der Woche ist die Nachtbusanbindung schlecht, aber der Weg ist zum Gl&#252;ck nicht allzu weit. Tiffy genie&#223;t es, nach der anstrengenden Schicht nach Hause zu laufen und dabei Musik zu h&#246;ren. Eines Nachts sieht sie einen Mann in einem Hauseingang auf der anderen Stra&#223;enseite stehen, der sich an seinem Hosenschlitz zu schaffen macht. Sie rechnet damit, dass er sich dort erleichtern will, aber dann dreht er sich in ihre Richtung. Ein Exhibitionist. Sie geht erschrocken weiter und rechnet nicht damit, dass er ihr folgt. Pl&#246;tzlich sp&#252;rt sie seine Hand auf ihrer Schulter. Er steht hinter ihr, ber&#252;hrt mit der anderen Hand sein Glied. Sie entrei&#223;t sich ihm und rennt panisch und &#252;ber Umwege nach Hause.</p>
<p>Zwei Tage sp&#228;ter begleitet eine von uns sie zur Polizei. Sie w&#228;re zun&#228;chst gar nicht auf die Idee gekommen, den Vorfall zu melden. „Du hast Recht, vielleicht ist es gut, Bescheid zu sagen.“ Wir gehen zu einer Polizeiwache in der Nachbarschaft. An der Empfangstheke stehen wir einem Polizisten gegen&#252;ber, der etwa 25 Jahre alt ist. Er m&#246;chte wissen, warum wir da sind. Tiffy kommt ein bisschen ins Stocken. Es ist merkw&#252;rdig, einer fremden Person von diesem Erlebnis zu erz&#228;hlen, dass nun gerade anderthalb Tage her ist. „Vorgestern Nacht, sagen Sie? Und warum kommen Sie dann erst jetzt? Das kann ich nicht verstehen, da k&#246;nnen wir doch jetzt auch nichts mehr machen. Und wenn Ihnen das in der X-Stra&#223;e passiert ist, ist daf&#252;r auch eigentlich die Wache im anderen Viertel zust&#228;ndig. Aber jetzt ist es eigentlich eh zu sp&#228;t.“ Das sitzt. Ich bin fassungslos und muss mich zusammenrei&#223;en, um dem Polizisten mit einigerma&#223;en ruhiger Stimme zu sagen, dass er Tiffy jetzt nicht auch noch Schuldgef&#252;hle einreden soll. Er ist irritiert, f&#252;hlt sich sichtlich ertappt, entschuldigt sich und beschlie&#223;t, erstmal bei der Wache im Nachbarviertel anzurufen, um sich zu erkundigen, ob die noch von anderen F&#228;llen in der Nacht geh&#246;rt haben. Die wissen aber nichts. Er wendet sich wieder an uns, sichtlich verunsichert, was er jetzt tun soll. Es sei wichtig, dass Tiffy den Fall zu Protokoll gibt. Dazu m&#252;sse sie aber in die andere Wache gehen, am besten an diesem Abend noch. Oder nein, wir sollten mal eben warten. Er verschwindet in einem B&#252;ro und h&#228;lt R&#252;cksprache mit einem Kollegen. Dann kommt er zur&#252;ck und sagt, dass er den Fall an Ort und Stelle zu Protokoll nehmen wird. Dazu setzt er sich mit Tiffy hinter eine halbe Wand im Empfangsraum, wo ein Rechner steht.</p>
<p>Von meinem Platz auf der Wartebank kann ich das Gespr&#228;ch zwischen den beiden mith&#246;ren, wie im &#220;brigen auch alle anderen Wartenden. Ich nutze das aus, um ein paar Notizen &#252;ber den Verlauf des Gespr&#228;ches zu machen. Es dauert lange, bis der Polizist das Protokoll aufgenommen hat. Immer wieder kommt er davon ab, Tiffy Fragen zum Tathergang zu stellen, und verf&#228;llt in einen belehrenden Ton. Sie h&#228;tte sofort die Polizei rufen sollen, denn wer w&#252;sste, was der Kerl als n&#228;chstes macht. Und die Polizei k&#246;nnte ja nicht &#252;berall sein, „sonst haben wir am Ende wieder die ganze Zeit Demos gegen den &#220;berwachungsstaat.“ Es sei auch ung&#252;nstig, dass sie Kopfh&#246;rer getragen hat, weil sie so nicht verstehen konnte, ob der Exhibitionist etwas zu ihr gesagt hat. Tiffy bleibt souver&#228;n, sogar als er sie fragt: „Was macht eine junge Frau um diese Uhrzeit eigentlich nachts allein auf der Stra&#223;e?“</p>
<p>Was hier passiert ist, ist eine allzu h&#228;ufige Form gesellschaftlich geduldeter sexistischer Verhaltensweisen. In diesem Fall sind sie dar&#252;ber hinaus eingebunden in eine Situation ohnehin schon ungleicher Hierarchien und Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnisse. Tiffy braucht viel Mut und Selbstbewusstsein, um sich als Betroffene zu outen, und das gegen&#252;ber einer m&#228;nnlichen Person in einer staatlich verankerten Machtposition. Das Image vom Freund und Helfer f&#228;llt uns ein; ein galgenhumoriges Lachen bleibt uns im Halse stecken. Als sei es nicht schon genug, der sexuellen Bel&#228;stigung ausgeliefert zu sein, geht es in der Wache einfach weiter. Zum einen geht es hier um victim blaming: Die Verantwortung auf das Opfer schieben. Sich selbst nicht zust&#228;ndig f&#252;hlen aus der Unf&#228;higkeit heraus, den eigenen Job richtig zu machen. Zum anderen zeigt sich der Sexismus des Polizisten, wenn er deutlich macht, Frauen seien von Natur aus gef&#228;hrdet, brauchten Besch&#252;tzer oder sollten besser gleich zu Hause bleiben.</p>
<p>Als politische Aktivistinnen sind wir entr&#252;stet, aber hatten auch nichts anderes von der Polizei erwartet. Machen wir doch selbst das eine ums andere Mal sexistische Erfahrungen im Umgang mit der Polizei. Als wir sp&#228;ter Freund*innen und Bekannten von der Situation erz&#228;hlen, sind alle entsprechend schockiert. Doch es geht ihnen wie uns, und sie sch&#252;tteln sogleich ihre sexistischen Erfahrungen mit der Polizei aus dem &#196;rmel. Im Gegensatz zu Tiffys Erlebnis auf der Wache, bei der der Polizist in erster Linie einen unbeholfenen Eindruck machte, zeugen ihre Erfahrungen von bewusst angewandtem, offenem Sexismus. Eine m&#246;chten wir hier n&#228;her skizzieren. W&#228;hrend einer politischen Blockadeaktion einer Stra&#223;e wird eine Freundin von uns in Gewahrsam genommen. L&#228;ngere Zeit muss sie mit mehreren m&#228;nnlichen Polizisten der Landespolizei alleine in einem Waldst&#252;ck verbringen. Diese machen alsbald Bemerkungen &#252;ber ihre Handwerker*innen-Hose. Diese s&#228;he ja gut aus und sitze gut. Der Kommentar verursacht h&#228;misches Lachen bei den Kollegen. Als meine Freundin nach Feuer f&#252;r ihre Zigarette fragt, erwidert ein Beamter: &#8220;Ich habe Pfeffer, das brennt auch.&#8221; Sie f&#252;hlt sich ausgeliefert. Noch vor Ort werden ihr Fragen zum Blockadegeschehen gestellt, auf die sie nur mit Gegenfragen reagiert. „Sind Sie alleine hier?“ beantwortet sie mit: „Haben Sie heute schon gefr&#252;hst&#252;ckt?“ Der Polizist weist die Kollegen an, ihr auf keinen Fall Feuer zu geben und droht, es sei besser f&#252;r sie, wenn sie nun kooperiere. Dann folgt die sexistische Kr&#246;nung des Ganzen: “Seien Sie mal froh, dass meine Kollegen Sie eben nicht ‘gefr&#252;hst&#252;ckt’ haben.“ Trotz der bedrohlichen Situation spiegelt unsere Freundin dem Polizisten sein Verhalten und fragt ihn, ob er sich bewusst sei, eben formuliert zu haben, sie solle froh sein, von den Kollegen nicht vergewaltigt worden zu sein. Er erwidert darauf, er h&#228;tte doch nur die Situation auflockern wollen. Die Herausgabe des Namens und der Dienstnummer des Polizisten wird ihr verweigert.</p>
<p>Je mehr Situationen wir erz&#228;hlt bekommen, desto un&#252;bersehbarer wird eine Art Struktur. Eine von uns Autorinnen denkt an eine ihrer Erfahrungen in einem Gefangenenbus: Eine Freundin und ich sind die letzten, die aus einer kleinen, fast schalldichten Zelle heraus durch den Gang des Busses nach drau&#223;en sollen. Wir sind noch steif von der langen Fahrt auf engem Raum und bewegen uns langsam. Da werden wir angeschrien: “Nun macht mal hin! Die anderen M&#228;dchen waren auch alle h&#252;bsch und willig.” Im Gang des Busses h&#228;ngt ein Bild mit einer <a href="http://polizeiundsexismus.files.wordpress.com/2012/04/gefangenentransporter.jpg">Uli Stein Zeichnung</a>, die ich mit meinem Smartphone fotografierte. Darauf sind zwei Aasgeier zu sehen, die in der Steppe an einem Tisch sitzen und eine Bestellung aufgeben: “Zweimal gemischtes Aas mit Sahne!” Ich erinnere mich an ein anderes Mal in einer Gefangenensammelstelle. Eine Bekannte bittet darum, von einer weiblichen Polizistin auf die Toilette gebracht zu werden. Ein m&#228;nnlicher Polizist kommt ans Zellengitter mit dem Spruch, er k&#246;nne ihr doch auch helfen, den Tampon zu wechseln.</p>
<p>Das unverfrorene Ausnutzen der Machtposition in diesen Situationen ist weit mehr als der gemeinhin erlebte sexistische “Normalzustand” der Gesellschaft. Es ist N&#246;tigung, Diskriminierung, Einsch&#252;chterung, es ist das Ausleben der feuchten Tr&#228;ume der Polizisten auf Kosten ihrer Gefangenen bzw. in Gewahrsamgenommenen. Es ist Strategie, es ist Schikane, es ist entw&#252;rdigend, es macht traurig und w&#252;tend. Und es macht den Anschein, strukturell institutionalisiertes Programm zu sein. Wenn offener und bewusster Sexismus ein fester und regul&#228;r benutzter Bestandteil im Repressionsrepertiore der Polizei zu sein scheint, ist es kein Wunder, wenn auch Streifenpolizisten in Wachen latentem Sexismus in Form von Victim Blaming fr&#246;nen oder schamhaft aufsitzen. Wohlwollend gehen wir davon aus, dass die Ausbildung bei der Polizei kein Seminar zu den besten Blamingkommentaren und Diskriminierungsformen beinhaltet. Wohl aber m&#252;ssen wir davon ausgehen, dass bei der Polizei ein Habitus vermittelt wird, der ein rassistisches, sexistisches oder wie auch immer geartetes latentes und offenes diskriminierendes Verhalten bedingt und f&#246;rdert.</p>
<p>Uns ist keine Situation bekannt, die zur Anzeige gebracht wurde oder auch nur eine Dienstaufsichtsbeschwerde nach sich gezogen hat. Aber wie auch, ohne Namen oder Dienstnummer? Selbst wenn diese bekannt sind, gibt es oft keine Zeugen au&#223;er den Kolleg*innen der sexistischen Polizistin oder des weitaus h&#228;ufiger vorkommenden sexistischen Polizisten. Dazu kommen bei vielen Betroffenen Scham und Unbehagen. Letztendlich handelt es sich um stark hierarchisch angelegte Situationen, die eine direkte Intervention, wie sie in anderen gesellschaftlichen Kontexten gegebenenfalls noch m&#246;glich w&#228;re, nahezu ausschlie&#223;t. Bin ich Anzeigeerstatter*in, so will ich etwas von der Polizei, bin auf sie angewiesen, bin schambelastet und vielleicht sogar traumatisiert. Bin ich Vorverurteilte und/oder in Gewahrsamgenommene, so bin ich der Situation ausgeliefert und will sie gegebenenfalls nicht noch weiter eskalieren.</p>
<p>Es bleiben kaum Interventionsm&#246;glichkeiten. Ratsam ist es, beim selbstgew&#228;hlten Kontakt mit der Polizei eine Vertrauensperson mitzunehmen, die im Zweifelsfall gen&#252;gend Distanz zur Situation hat, um zu reagieren und den Polizisten auf sein Verhalten hinzuweisen. &#220;berhaupt ist es immer sinnvoll, in Situationen erlebter Polizeirepression zu versuchen, andere Menschen einzubeziehen, wenn keine Vertrauenspersonen oder Bezugsgruppen in der N&#228;he sind, zum Beispiel Kolleg*innen der diskriminierenden Person anzusprechen und auf das Verhalten und/oder das eigenen Unbehagen aufmerksam zu machen. Allerdings ist es leicht zu verstehen, dass Betroffene in solchen entw&#252;rdigenden Situationen auch h&#228;ufig gar nicht dazu in der Lage sind, zu reagieren. Schlie&#223;lich sind die Erlebnisse emotionale Ausnahmesituationen, in denen Menschen nicht einfach auf Interventionsmodus stellen k&#246;nnen. Sofern wir Situationen beobachten, gilt es sich einzumischen und zu intervenieren und damit auch die betroffene Person zu entlasten. Egal ob sp&#228;ter rechtliche Schritte eingeleitet werden sollen oder nicht, kann es helfen, &#252;ber das Erlebte in gesch&#252;tztem Rahmen zu sprechen. Manchmal hilft es, das Erlebte aufzuschreiben. Letztlich bleibt unsere Handlungsmacht beschr&#228;nkt. Es liegt an den einzelnen Polizist*innen, ihr eigenes Verhalten und das ihrer Kolleg*innen kritisch zu reflektieren. In der Ausbildung und in regelm&#228;&#223;igen Fortbildungen sollten Polizist*innen dar&#252;ber hinaus sensibilisiert werden, zum Beispiel, indem sie spezielle Gender- und Antirassimustrainings mitmachen. Dass es auch jetzt schon anders geht, zeigt zum Beispiel der Fortgang von Tiffys Anzeigenerstattung. Tiffy wird gebeten, sich noch eine Reihe von Fotos anzuschauen, auf denen Personen zu sehen sind, die zu ihrer Beschreibung passen. Den Part &#252;bernimmt ein anderer Beamter, der freundlich und souver&#228;n ist, sein Bedauern &#252;ber den Vorfall zum Ausdruck bringt und daf&#252;r sorgt, dass die Situation m&#246;glichst wenig unangenehm ist.</p>
<p>Im Rahmen der Entstehung dieses Artikels wurde von einer der Autorinnen ein <a href="http://polizeiundsexismus.wordpress.com/">Blog</a> gestartet, auf dem Betroffene oder Beobachter*innen die M&#246;glichkeit haben, das Erlebte nach Wunsch anonymisiert und entkontextualisiert zu ver&#246;ffentlichen. So k&#246;nnen sie es “abgeben” und gleichzeitig &#246;ffentlich machen, was eine Option zum Umgang und zur Verarbeitung sein kann. &#214;ffentlich wahrgenommen werden sexistische Erfahrungen im Umgang mit der Polizei bisher kaum, was sich durch das Blog hoffentlich &#228;ndern wird. Weitere Empowermentstrategien konnten an dieser Stelle nur sehr verk&#252;rzt dargestellt werden. Aus diesem Grund m&#246;chten wir abschlie&#223;end auf folgende Beratungsm&#246;glichkeiten und Seiten hinweisen, die sich ausf&#252;hrlich mit Empowermentstrategien befassen.</p>
<p><strong>Links zu Empowermentstrategien beim Erleben oder Beobachten von sexistischen Situation<br />
</strong><br />
<a href="http://www2.kein-sexismus.de/uploads/sexist_diskrim_end.pdf">F&#246;rster, Franziska/Hoffmann, Jana/Schmiedgen, Janett/Zamzow, Lena: Sexistische Diskriminierung und sexuelle Bel&#228;stigung – Informationen und Gegenstrategien. Freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften<br />
</a><br />
<a href="http://www.uibk.ac.at/gleichbehandlung/service/leitfaden_antidiskriminierung_allg.pdf">Leitfaden zum Umgang mit rassistischen, sexistischens &#196;usserungen. Eine Kooperation von V&#214;GB – Verband &#214;sterreichischer Gewerkschaftlicher Bildung und ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit<br />
</a><br />
<a href="http://www.jpberlin.de/antifa-pankow/defmacht/index.php?section=anger">Text zur Definitionsmachtkampagne der Antifa Pankow<br />
</a><br />
<a href="http://www.lesmigras.de/tl_files/lesmigras/Tapesh/LM_Broschuere_Tapesh_einzelseiten_korrigiert.pdf">LesMigraS Brosch&#252;re zu Empowerment in Bezug auf Rassismus und Transphobie in LSBTI-Kontexten<br />
</a><br />
<strong>Links zu Empowermentstrategien in beim Erleben und Beobachten von Polizeirepression<br />
</strong><br />
<a href="http://www.aussageverweigerung.info/">Brosch&#252;re der Roten Hilfe e.V. „Bitte sagen sie jetzt nichts!!!“ zum Aussageverweigerungsrecht </a> </p>
<p><a href="http://www.rote-hilfe.de">Website der Roten Hilfe e.V., einer Solidarit&#228;tsorganisation, die politisch Verfolgte aus dem linken Spektrum unterst&#252;tzt.<br />
</a><br />
<a href="http://www.nadir.org/nadir/archiv/PolitischeStroemungen/antirepression/rechtshilfe/index.htm">Rechtshilfebrosch&#252;re der Roten Hilfe f&#252;r Demos, Hausdurchsuchungen, Ermittlungsverfahren, Strafbefehle, Vorladungen, Prozesse etc. „Was tun wenn es brennt?“ </a></p>
<p><strong>Links zu Beratungsstellen<br />
</strong><br />
<a href="http://kritischebildungsarbeit.blogsport.de/workshops/von-gender-und-anderen-hindernissen-ein-einfuehrender-workshop-zu-feminismus-und-antisexismus/antisexismus-fuer-multiplikatorinnen/">Blog Kritische Bildungsarbeit mit einem Text und Kontaktdaten zu Antisexismus f&#252;r MultiplikatorInnen<br />
</a><br />
&#220;ber die Kommentarfunktion kann diese Liste erweitert werden!</p>
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		<title>Warum wir Geschlecht ber&#252;cksichtigen, um Gesellschaft zu verstehen. Ein Pl&#228;doyer f&#252;r eine heteronormativit&#228;tskritische Analyseperspektive</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/heteronormativitaetskritische-analyseperspektive/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 16:09:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Degele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feministische Theorien]]></category>

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		<description><![CDATA[Weil Geschlecht im allt&#228;glichen Tun und in gesellschaftlichen Strukturen so tief eingelassen ist, dass es aufgrund seiner daraus resultierenden Selbstverst&#228;ndlichkeit aus dem Blick ger&#228;t, ist Geschlecht im Alltag und auch in den Wissenschaften nahezu unsichtbar und l&#228;uft auch bei jeder gesellschaftswissenschaftlichen Analyse unbemerkt mit. In welcher Weise Wissenschaft eine solche Unsichtbarkeit &#252;ber die Einf&#252;hrung von Heteronormativit&#228;t als grundlegende Analyseperspektive &#252;berwinden kann, um die damit verbundenen Dimensionen der Naturalisierung, Inkorporierung und Institutionalisierung zu erkl&#228;ren, ist Gegenstand dieses Beitrags.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Weil Geschlecht im allt&#228;glichen Tun und in gesellschaftlichen Strukturen so tief eingelassen ist, dass es aufgrund seiner daraus resultierenden Selbstverst&#228;ndlichkeit aus dem Blick ger&#228;t, ist Geschlecht im Alltag und auch in den Wissenschaften nahezu unsichtbar und l&#228;uft auch bei jeder gesellschaftswissenschaftlichen Analyse unbemerkt mit. In welcher Weise Wissenschaft eine solche Unsichtbarkeit &#252;ber die Einf&#252;hrung von Heteronormativit&#228;t als grundlegende Analyseperspektive &#252;berwinden kann, um die damit verbundenen Dimensionen der Naturalisierung, Inkorporierung und Institutionalisierung zu erkl&#228;ren, ist Gegenstand dieses Beitrags.</strong></p>
<p>(Die ausf&#252;hrliche Version unserer Argumentation mit Literaturhinweisen und Forschungsbeispielen finden Sie in der <a href="http://www.feministisches-institut.de/wp-content/uploads/2012/03/DegeleBethmannHeckemeyer11Heteronormativit&#228;t.pdf">Vollversion des Artikels – hier abrufbar als pdf</a>.)</p>
<p>Dass wir Gesellschaft besser verstehen, wenn wir die Rolle von Geschlecht darin ber&#252;cksichtigen, liegt nicht unbedingt auf der Hand. Zwar bem&#252;hen sich GeschlechterforscherInnen seit vielen Jahren darum, diese Analysekategorie in den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften zu etablieren. Geschlecht ist jedoch im Alltag und auch in den Wissenschaften nahezu unsichtbar und l&#228;uft auch bei jeder gesellschaftswissenschaftlichen Analyse unbemerkt mit – zumeist ohne ausdr&#252;cklich benannt zu werden. Warum wir Geschlecht ber&#252;cksichtigen m&#252;ssen, sobald wir Gesellschaft beschreiben, l&#228;sst sich am besten verstehen, indem wir Geschlecht zun&#228;chst seine unhinterfragbare Selbstverst&#228;ndlichkeit nehmen: Versuchen Sie beispielsweise, sich einen konkreten Menschen vorzustellen – ohne Geschlecht. Das funktioniert nicht. Denn stets rufen wir Bilder von M&#228;nnern und Frauen auf, von &#196;rzten und Krankenschwestern, von Sekret&#228;rinnen und Unternehmensberatern, von V&#228;tern und M&#252;ttern, von Sexarbeiterinnen und Geb&#228;udereinigern. Dass Menschen einem der beiden Geschlechter angeh&#246;ren, dass sie ein Geschlecht haben, scheint das normalste der Welt zu sein. Wovon aber sprechen wir, wenn wir von Personen immer schon als Personen mit einem Geschlecht sprechen? Welche Annahmen verbergen sich dahinter? Und wie zeigen sich diese in der Forschungspraxis und damit auch in den daraus hervorgehenden Ergebnissen? Die Frage danach, was in Wissenschaft und Alltag bei Bezeichnungen wie Arbeiter, Prostituierte, &#196;rzte, Arzthelfer, Sekret&#228;re, Geb&#228;udereiniger oder DAX-Vorst&#228;nde mitschwingt, hat das Ziel, Geschlecht ans Licht wissenschaftlicher Reflektion holen. Diese Technik bezeichnen wir als Entselbstverst&#228;ndlichung.</p>
<p>Um es zu entselbstverst&#228;ndlichen m&#252;ssen wir Geschlecht gleichzeitig als etwas tagt&#228;glich Gemachtes und Ver&#228;nderbares und als etwas strukturell Gegebenes und Ver&#228;nderungsresistentes begreifen. Der Begriff Geschlecht soll dabei au&#223;erdem keine Vorab-Vorstellung von M&#228;nnern und Frauen zementieren. Denn Menschen inszenieren Geschlecht in ihren allt&#228;glichen Handlungen auf unterschiedliche Weise; erst durch ihre Art sich zu kleiden und zu bewegen, zu reden und zu interagieren stellen sie das her, was wir als m&#228;nnlich und weiblich bezeichnen. Genau dies beschreiben GeschlechterforscherInnen als doing gender: Der Geschlechtsk&#246;rper ist nicht Ausgangspunkt, sondern Produkt von Handlungen und Wahrnehmungen, er ist gemacht. Das Ergebnis dieses Tuns ist nicht nat&#252;rlich gegeben, sondern im Prinzip kontingent (das hei&#223;t: „es k&#246;nnte immer auch anders sein“). So gibt es ganz unterschiedliche M&#228;nnlichkeiten und Weiblichkeiten, aber auch K&#246;rperpr&#228;sentationen jenseits herk&#246;mmlicher Zweigeschlechtlichkeit wie Transgender, Trans- oder Intersexuelle. Was wir tun, um Mann oder Frau zu sein, h&#228;ngt v&#246;llig von gesellschaftlichen Bedingungen ab, die im historischen und kulturellen Vergleich ganz verschieden ausfallen k&#246;nnen.</p>
<h3>Heteronormativit&#228;t und ihre Naturalisierung, Inkorporierung und Institutionalisierung</h3>
<p>Um Geschlecht das Selbstverst&#228;ndliche zu nehmen und als gesellschaftliches Ph&#228;nomen  analysierbar zu machen, eignet sich die heteronormativit&#228;tskritische Analyseperspektive der Geschlechterforschung. Wir sprechen von Heteronormativit&#228;t, weil dieser Begriff mehr einschlie&#223;t und theoretisch gehaltvoller ist als der Begriff Geschlecht. Heteronormativit&#228;t bezeichnet eine Geschlechterordnung, die auf zwei gesellschaftlich tief verankerten Annahmen basiert: erstens, dass es von Natur aus nur zwei Geschlechter gibt, n&#228;mlich M&#228;nner und Frauen, und zweitens, dass sich diese beiden Geschlechter in ihrer Sexualit&#228;t nat&#252;rlicherweise aufeinander beziehen, also heterosexuell sind. Sich einem der beiden gesellschaftlich existenten Geschlechter zuzuordnen ist die Voraussetzung f&#252;r die Anerkennung als ein vollwertiges und somit auch handlungsf&#228;higes Gesellschaftsmitglied. Weil alle Personen einer Gesellschaft sich heteronormativ klassifizieren lassen m&#252;ssen, k&#246;nnen wir Gesellschaft nur dann beschreiben und verstehen, wenn wir das Wirken von Heteronormativit&#228;t mit nachvollziehen. Dazu m&#252;ssen wir zun&#228;chst jene drei Normalisierungen analysieren, die Heteronormativit&#228;t den Anschein des Nat&#252;rlichen, Normalen, Selbstverst&#228;ndlichen verleihen. Erstens ist das die Naturalisierung von Heteronormativit&#228;t, das hei&#223;t der Anschein der Nat&#252;rlichkeit genau und nur zweier Geschlechter wie auch ihrer heterosexuellen Bezogenheit aufeinander. Zweitens wird die heteronormative Ordnung durch Inkorporierung hergestellt: unser Wissen von Geschlechterunterschieden im Alltag ist nicht theoretisch oder abstrakt, sondern ein verinnerlichtes K&#246;rper-Wissen. Drittens sorgt Institutionalisierung daf&#252;r, dass das, was als nat&#252;rliches Geschlecht gilt und wie es verk&#246;rpert wird, zwar historisch ver&#228;nderbar, aber dennoch erstaunlich stabil ist. (Die drei Dimensionen erl&#228;utern wir in der Vollversion des Artikels.)</p>
<h3>Heteronormativit&#228;tskritisch Forschen</h3>
<p>Geschlecht und Sexualit&#228;t sind &#252;ber den blo&#223;en Anschein hinaus von grundlegender Bedeutung f&#252;r die Herstellung sozialer Ordnung. Weil Heteronormativit&#228;t naturalisiert, inkorporiert und institutionalisiert ist, ger&#228;t sie in ihrer Allgegenwart leicht aus dem Blick. Deshalb bleibt Geschlecht bis heute in zahlreichen sozial- und gesellschaftswissenschaftlichen Arbeiten au&#223;en vor oder l&#228;uft als ein unhinterfragter Tatbestand mit – womit die Soziologie hinter ihren M&#246;glichkeiten bleibt, vermeintlich Nat&#252;rliches und Individuelles als Soziales auszuweisen und die Normalit&#228;t von Ph&#228;nomenen immer wieder aufs Neue in Frage zu stellen. Um Heteronormativit&#228;t sichtbar zu machen, muss sie immer wieder und in Bezug auf den jeweiligen Forschungsgegenstand entselbstverst&#228;ndlicht werden. Entselbstverst&#228;ndlichung als Technik und als heteronormativitit&#228;tskritische Haltung hilft der Soziologie, zu weiter reichenden und besseren Gesellschaftsanalysen zu kommen. Zahlreiche feministische Arbeiten haben gezeigt, dass so ein umfassender und produktiver Blick auf sozialwissenschaftliche Themen m&#246;glich wird. Beispielhafte Analysen zu Modernisierungsprozessen, zur Arbeitsteilung und zum Konsum in einer kapitalistischen Gesellschaft, die diesen Mehrwert veranschaulichen, haben wir in der Vollversion dieses Beitrags dargelegt. F&#252;r alle Gesellschaftsanalysen lohnt sich die Frage, wie Geschlecht im dem untersuchten Feld von Bedeutung ist, wie es hergestellt und unsichtbar gemacht wird und welche Folgen dies gesellschaftliche Prozesse hat.</p>
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		<title>Feministisches Pamphlet zur Sexarbeit in Hamburg</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/fempamzursexarbeit/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 18:23:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Habermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Mischung aus dem Wunsch, die Frage nach „dem Feministischen“ in der Thematisierung von Sexarbeit zu beantworten, aus der Notwendigkeit, die Verquickung von Herrschaftsverh&#228;ltnissen auch gegen konservativ-feministische und hegemoniale Deutungsweisen aufzuzeigen und aus schlichter Wut &#252;ber derzeitige stadtpolitische Argumentationen und Praxen innerhalb des konkreten Konflikts um Sexarbeit in St. Georg brachte dieses Pamphlet hervor, dass es sich zur Aufgabe macht, kurz und knapp Gedanken zusammen und auf den Punkt zu bringen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Eine Mischung aus dem Wunsch, die Frage nach „dem Feministischen“ in der Thematisierung von Sexarbeit zu beantworten, aus der Notwendigkeit, die Verquickung von Herrschaftsverh&#228;ltnissen auch gegen konservativ-feministische und hegemoniale Deutungsweisen aufzuzeigen und aus schlichter Wut &#252;ber derzeitige stadtpolitische Argumentationen und Praxen innerhalb des konkreten Konflikts um Sexarbeit in St. Georg brachte dieses Pamphlet hervor, dass es sich zur Aufgabe macht, kurz und knapp Gedanken zusammen und auf den Punkt zu bringen.</strong></p>
<p>Zun&#228;chst stellt es sieben Punkte vorweg, die im Folgenden ausgef&#252;hrt werden.<br />
1. Sexarbeit ist Teil der kapitalistischen Lohnarbeitsverh&#228;ltnisse, ebenso wie vergeschlechtlichter Logiken &#252;ber „verf&#252;gbare K&#246;rper“.<br />
2. Sexarbeit ist darin der selbstbewusste Einsatz des sexuellen Kapitals innerhalb von rassistischen Verh&#228;ltnissen globaler und vergeschlechtlichter Arbeitsteilung.<br />
3. Innerhalb kapitalistischer Verh&#228;ltnisse wird Sexarbeit hier als Form von Inwertsetzung betrachtet und steht unter anderem Vorstellungen von Eheverh&#228;ltnissen, in denen der Anspruch auf Verf&#252;gbarkeit von dem „Ern&#228;hrer“ erkauft wird, als selbstbewusste Entscheidung gegen&#252;ber.<br />
4. Die_der Sexarbeitende entscheidet &#252;ber Preis, Art und Ort der sexuellen Dienstleistungen.<br />
5.  Diese Bedingungen gilt es zu st&#228;rken und durchzusetzen.<br />
6. Darum hei&#223;t hiernach eine feministische Position: F&#252;r die Selbstbestimmung und deren Absicherung zu k&#228;mpfen.<br />
7. PS: Repression, Spaltung und Verdr&#228;ngung sind schlicht Akte der Gewalt.<br />
Diese Auflistung von Punkten entspringt der Zielsetzung, die Essenzen der Kritik runterzubrechen und benennbar zu machen. Ihre Ausf&#252;hrung ist ein Eingest&#228;ndnis, dass Einiges der Erl&#228;uterung und Verfestigung bedarf.<br />
Sp&#228;testens seit Entstehung der b&#252;rgerlich-m&#228;nnlich-nationalen Gesellschaft wird Sexarbeit als Infragestellung der hinter diesem System stehenden dichotomen Logiken gesehen und bek&#228;mpft, bzw. zu regulieren versucht. Die „Hure“/Sexarbeiter_in stellt die Logik von Produktion/Reproduktion, geschlechtlicher Arbeitsteilung und Entlohnungshierarchien in Frage. Die_der Sexarbeiter_in verkehrt innerhalb aller Klassen, der Verdienst erm&#246;glicht das Anlegen eines wohlhabenden Habitus, die Arbeit ist nicht an nationale Begrenzungen gebunden und kann selbstst&#228;ndig jederzeit verlegt werden. Auch Geschlechterrollen k&#246;nnen – entsprechend der Nachfrage – kreativ angeeignet, performt, verqueert werden. Zudem bricht das selbstbewusste Einsetzen der Sexualit&#228;t mit der Rolle passiver (kostenloser!) weiblicher Verf&#252;gbarkeit und dreht die Ordnung um, indem der Mann angelockt wird, der Sexarbeiter_in dann aber die Entscheidung obliegt, das Erw&#252;nschte zu versagen oder einen Preis daf&#252;r festzulegen.<br />
Die Sexarbeitenden stellen so f&#252;r bestehende Ordnungen eine Bedrohung, aus feministisch-dekonstruktiver Perspektive aber ein Aufbrechen, dar. Die „Hure“ ist ein_e Grenzg&#228;nger_in zwischen den Geschlechtern, zwischen nationalen und Klassengrenzen; sie verweist auf die Durchl&#228;ssigkeit dieser Grenzen selbst. Diese Unterwanderungen von sich immer wieder scheinbar nat&#252;rlich reproduzierenden Logiken und besonders die (Wieder-)Aneignung der Selbstbestimmung &#252;ber den sexualisierten K&#246;rper verweist aus queerer Sicht auf ein selbsterm&#228;chtigendes Moment und stellt sich gegen Viktimisierungen von (migrierten) Frauen – in ihren differenten Subjektivit&#228;ten und sozialen Positionen.<br />
Die Undurchsichtigkeit, das Chaos der Sexarbeit (sowie die Gefahr des unkontrollierbaren Durchdringens der b&#252;rgerlichen Gesellschaft mit Krankheiten) spielten auch historisch f&#252;r die Aushandlung und Durchsetzung gesellschaftlicher Normen eine wichtige Rolle. Mitte des 19. Jahrhunderts brachten nationale Innenpolitiken in Europa Regulierungen der Prostitution hervor. Erg&#228;nzt von moralischen Bildern und ihren praktischen Konsequenzen wie den „gefallenen M&#228;dchen“, der Bek&#228;mpfung von „Herumtreiberei“ und mangelnder „Sesshaftigkeit“ wurden Zwangsuntersuchungen, Meldeauflagen, zeitliche und r&#228;umliche Begrenzungen sowie kontrollierte Bordelle anstelle von Stra&#223;enprostitution eingef&#252;hrt. Der Gro&#223;teil dieser Ma&#223;nahmen hat die Zeit &#252;berdauert und besteht fort. Damit „wurde der Hure die Verf&#252;gungsgewalt &#252;ber den eigenen K&#246;rper entzogen und dieser unter staatliche Aufsicht und Verwaltung gestellt“(1). Die Regulierung und gleichzeitige Repression – damals wie heute – entziehen den Frauen/Sexarbeitenden das Selbstbestimmungsrecht.<br />
Dieser Punkt ist aus (queer-) feministischer Perspektive fundamental. Der (meist verweiblichte) K&#246;rper wird unter ein m&#228;nnliches System der Ordnung und Verwaltung gestellt. Die Disziplinierung stellt zudem durch die m&#228;nnliche Regulierung die Grundlage dar, auf der m&#228;nnliche Kunden der Arbeit sich im Glauben w&#228;hnen k&#246;nnen, Teil des Systems derjenigen zu sein, das &#252;ber die sich Anbietenden zu entscheiden und verwalten vermag. Bestehende Risiken in der Arbeit werden so verst&#228;rkt. Grenz&#252;berschreitungen und &#220;bergriffe werden so im Vorhinein durch Instanzen von Repression und Moral quasi legitimiert. Dagegen ist es einzig die Unterst&#252;tzung in dem Moment der Selbstbestimmung der Sexarbeiter_in, mit der dieses Verh&#228;ltnis wieder umzudrehen ist und in dem die Arbeitende die Macht &#252;ber ihre Produktionsmittel zu erhalten vermag.<br />
Ein weiterer Punkt in der geschlechtlichen Ordnung ist die Aufspaltung in die „Hure“ und die „Heilige“. Sexarbeit soll mittels von Repressionen in der b&#252;rgerlichen Gesellschaft unsichtbar gemacht werden. Die „Heilige“, die (b&#252;rgerliche-wei&#223;e) Frau soll vor vermeintlicher Verwechselungsgefahr mit der „Hure“ gesch&#252;tzt werden. Sie soll sich auf den h&#228;uslichen Raum beschr&#228;nken, sich dem &#246;ffentlichen fern halten und letzterer soll die sexuellen Dienste zwar weiterhin erm&#246;glichen, aber unsichtbar sein.<br />
In diesem Denken mag auch die Begr&#252;ndung der momentan f&#252;r St. Georg beschlossenen „Freierbestrafung“(2) liegen. Denn diese dient nicht der Ermahnung der M&#228;nner, prek&#228;re Verh&#228;ltnisse in kapitalistischen Hierarchien nicht auszunutzen und auch nicht dem Schutz der Sexarbeitenden vor unangenehmen Kunden. Sie ist vielmehr Ausdruck eines patriarchalen Machtbestrebens oder maximal eines daraus hervorgehend motivierten Schutzbed&#252;rfnisses gegen&#252;ber den „Heiligen“ – umgesetzt durch die „Schutzm&#228;nner“/Ordnungsh&#252;ter. Hiermit ist auch die Setzung einer r&#228;umlichen Ordnung vollzogen: Der private Raum ist der „Schutzraum“ der „heiligen b&#252;rgerlichen Wei&#223;en“. Wie Sexualit&#228;t in diesem gelebt wird, ist nicht Teil &#246;ffentlicher Auseinandersetzungen. Die Sexualit&#228;t der &#246;ffentlichen R&#228;ume soll (ebenfalls) in m&#228;nnlichen Regulierungen aufgehen und dabei auch unsichtbar und so dethematisiert werden. Die Berechtigung dar&#252;ber, wer angesprochen, begehrt, angefasst werden darf, soll in patriarchaler Deutungshoheit liegen. Die Regulierung der Sexarbeit dient dieser Selbstversicherung m&#228;nnlicher Logiken. Frauen/Sexarbeiter_innen, die selbst &#252;ber ihre Sexualit&#228;t und den Zugang dazu bestimmen, kann es in diesem (b&#252;rgerlich-national-wei&#223;-hetero-m&#228;nnlichen-*) Ordnungssystem nicht geben, sie werden der Repression ausgesetzt.<br />
Die Freierbestrafung ist also nicht Ergebnis feministischer Forderungen nach Einbezug einer kritischen m&#228;nnlichen Position, sondern ein disziplinierendes Mittel mit dem Resultat der gnadenlosen Prekarisierung der Sexarbeiter_innen, denen so die Grundlage zur Lebensfinanzierung entzogen, deren Konkurrenzdruck versch&#228;rft und deren Basis f&#252;r selbstbestimmte Wahl der Arbeit minimiert wird. Eine Spaltung in „gute“ (Steuern erbringende) und „zu verdr&#228;ngende“ (rassifizierte, drogengebrauchende) Sexarbeiter_innen gilt es abzuwehren. Dagegen dient aus queer-feministischer Sicht die Forderung nach Rechten, ebenso wie eine Solidarisierung und St&#228;rkung gegen rassistische Abgrenzungen. Eine feministische Position innerhalb dieses Konfliktes muss in einer Fokussierung auf Selbstbestimmung liegen. Hierzu bedarf es der Intervention in Diskurse, um Selbstbestimmung als Wert stark zu machen, ebenso wie einer rechtlichen Absicherung f&#252;r ALLE Sexarbeitenden. Also: St&#228;rkung der Arbeitsrechte f&#252;r alle, Recht auf soziale Leistungen f&#252;r alle, Abschaffung von Einschr&#228;nkungen durch Aufenthalts- und Arbeitsgesetz, Abschaffung des Bet&#228;ubungsmittelgesetzes, der Sperr-/Gefahrengebiete sowie des Zwangs zur Lohnarbeit.</p>
<p><strong>Fu&#223;noten</strong><br />
(1) Frank, Susanne (2003): Stadtplanung im Geschlechterkampf. Stadt und Geschlecht in der Gro&#223;stadtentwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts. S. 154<br />
(2) Hiermit ist die aktuell f&#252;r Hamburg St. Georg diskutierte „Kontaktverbots-Verordnung“ gemeint, die es Kunden unter Strafe von bis zu 5000 Euro untersagt, von Sexarbeiter_innen ihre Dienstleistung zu erfragen.</p>
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		<title>Recht auf Stra&#223;e(-nstrich)! Stadtentwicklungspolitik als Spiegel gesellschaftlicher Ausschl&#252;sse Ein Workshop erkundet st&#228;dtische Vertreibungspolitiken und Widersetzungspraxen</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/recht-auf-strassenstrich/</link>
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		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 14:40:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stella Gaertner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die akteuellen Verdr&#228;ngungspolitiken gegen&#252;ber Sexarbeiter_innen, aber auch das Schweigen vieler linker stadtpolitischer Bewegungen zu diesem Thema nahm Ragazza, das Hamburger Projekt f&#252;r drogengebrauchende Sexarbeiterinnen, zum Anlass, in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen internationalen Workshop zu organisieren. Unter dem Titel „Stadt, Prostitution, Vertreibung“ wurden Handlungsstrategien gegen repressive staatliche Politiken und medientr&#228;chtige Skandalisierungen diskutiert...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die aktuellen Verdr&#228;ngungspolitiken gegen&#252;ber Sexarbeiter_innen, aber auch das Schweigen vieler linker stadtpolitischer Bewegungen zu diesem Thema nahm <a href="http://www.ragazza-hamburg.de">Ragazza</a>, das Hamburger Projekt f&#252;r drogengebrauchende Sexarbeiterinnen, zum Anlass, in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen internationalen Workshop zu organisieren. Unter dem Titel „Stadt, Prostitution, Vertreibung“ wurden Handlungsstrategien gegen repressive staatliche Politiken und medientr&#228;chtige Skandalisierungen diskutiert.</strong></p>
<p>Der Verkauf sexueller Dienste war stets begleitet von einem Ringen um &#246;konomische, rassifizierende Verh&#228;ltnisse und Geschlechterverh&#228;ltnisse, um Vorstellungen von Ordnung und Moral. Diese Konflikte fanden ihren Ausdruck in gesellschaftlichen Regulierungen und in stadtr&#228;umlichen Ordnungen. Nach den selbstorganisierten K&#228;mpfen der Hurenbewegung in den 1980ern l&#228;sst sich heute f&#252;r eine – potentiell solidarische – Linke in Deutschland ein weitgehendes Schweigen zu dem Thema Sexarbeit feststellen, in feministischen Kontexten sind regressive Positionen besonders lautstark. Aktuell organisieren sich verschiedene Bewegungen um Konflikte zum Thema Stadt herum, gleichwohl sind die Verdr&#228;ngungspolitiken gegen&#252;ber Sexarbeiter_innen darin selten Thema. Dies nahm Ragazza , das Hamburger Projekt f&#252;r drogengebrauchende Sexarbeiterinnen, zum Anlass, in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen internationalen Workshop zu organisieren. Unter dem Titel „Stadt, Prostitution, Vertreibung“  (1) wurden Handlungsstrategien gegen die repressiven staatlichen Politiken und medientr&#228;chtige Skandalisierungen diskutiert. Ein weiterer Anlass war das 20j&#228;hrige Bestehen von Ragazza.<br />
Wie anderswo auch kommt es im Kontext einer &#246;konomisierten und rassifizierenden Stadtentwicklungspolitik in Hamburg St. Georg zu gesellschaftlichen Ausschl&#252;ssen. Sexarbeit soll aus dem aufzuschickenden Viertel verdr&#228;ngt werden, um einen Ort zu hinterlassen, der f&#252;r b&#252;rgerlich-<em>wei&#223;e </em>(2) Vorstellungen hergerichtet werden kann. Das Prostitutionsgesetz besteht seit 2002, bietet aber nur f&#252;r wenige Sexarbeiter_innen (3) eine Absicherung und hat kaum Auswirkungen auf eine gesellschaftliche Anerkennung der Arbeit. Diese Regulierung f&#252;hrt zudem zu neuen Differenzierungen innerhalb der Gruppe der Sexarbeiter_innen.<br />
Sexarbeit wird in St. Georg seit 1980 &#252;ber eine Sperrgebietsverordnung reguliert, welche Prostitution untersagt. Seit Anfang des Jahres 2011 wird diese in Kombination mit der Gefahrengebietsverordnung (4) &#252;ber Aufenthaltsverbote und Bu&#223;gelder &#252;ber mehrere hundert Euro versch&#228;rft umgesetzt. Effekt dieser Politik ist eine Potenzierung der Prekarit&#228;t von Sexarbeit in mehrerer Hinsicht: Durch den Druck, klandestiner zu arbeiten, werden weniger Kunden erreicht und somit weniger Einkommen erzielt. Gleichzeitig m&#252;ssen die durch Aufwertung und Repression gestiegenen Ausgaben ausgeglichen werden. Auf diese Weise verschwindet nicht die Sexarbeit, aber die M&#246;glichkeit, selbstbestimmt &#252;ber Arbeitsorte und -zeiten, Kunden und Praktiken zu entscheiden. Auf dem R&#252;cken einer prek&#228;ren Arbeiter_innenschaft wird eine Stadtpolitik durchgesetzt, die Gewerbe, Tourismus und Wohnen nach b&#252;rgerlichen Anspr&#252;chen bereitstellen will.<br />
Auf dem Workshop verdeutlichte Jenny K&#252;nkel, dass Sexarbeit in einem Feld der globalen St&#228;dtekonkurrenz, in der die Metropolen um die Ansiedlung von Mittelklasse und Unternehmen werben, durchaus widerspr&#252;chlich eingelassen sein kann. Ein Teil dieser Politik bestehe in einem „Aufr&#228;umen“ der St&#228;dte; eine andere Strategie sei die der Umarmung, der Einbettung in Form eines Zelebrierens von verwertbarer Vielfalt. W&#228;hrend Sexindustrie in St. Pauli als touristischer Magnet und Mythos vermarktet wird, gilt der Stra&#223;enstrich in St. Georg als „Schmuddel-Ecke“ und St&#246;rfaktor f&#252;r st&#228;dtische Aufwertungs- und Gentrifizierungsprozessen.<br />
Differente soziale Positionen und Lebensalltage der Sexarbeiterinnen f&#252;hren zu unterschiedlichen Formen der Prekarisierung. Wie Kathrin Schrader am Beispiel St. Georg erl&#228;uterte, setzt die Regulierung von Sexarbeit auf diese Differenzierungen. Die Position der Sexarbeiterinnen wird erneut geschw&#228;cht; die Disziplinierungsanforderungen zwischen Hilfesystem und Kriminalisierung stellen sich widerspr&#252;chlich dar. Schrader zeigte dabei auf, dass die – oft verneinte – Handlungsmacht von Sexarbeiterinnen als Moment von Konflikten ber&#252;cksichtigt werden muss. Diese besteht beispielsweise in Widersetzungen gegen Regulierungen und Zuschreibungen, der Inanspruchnahme juristischer Mittel und in der Suche von Schlupfl&#246;chern sowie gemeinschaftlichen Ans&#228;tzen der Arbeitsorganisierung. Um den Spaltungsversuchen entgegenzuwirken, ist f&#252;r Schrader eine Zur&#252;ckweisung von rassistischen Zuschreibungen, wie Anwohner_innen und Presse, aber auch einige Sexarbeiter_innen sie bedienen, notwendig. Soziale Einrichtungen verm&#246;gen ihr zufolge innerhalb rassistischer Verh&#228;ltnisse wenig Unterst&#252;tzung zu leisten, solange sich wei&#223;e Hegemonien in der Zusammensetzung der Mitarbeiter_innen, aber auch in Praxen und Positionen widerspiegeln.<br />
Egal, ob sie aus Amsterdam, Linz oder Berlin kamen, neben den st&#228;dtischen Aufwertungsprozessen ist die Verkn&#252;pfung der Themen Migration, Sexarbeit und Rassismus f&#252;r fast alle Teilnehmenden des Workshops zentrales Thema ihrer lokalen Arbeit. Gergana Schrenk vom Linzer Projekt <a href="http://www.maiz.at">Maiz </a>legte dar, dass eine Auseinandersetzung mit Zusammenh&#228;ngen von globaler Migration und unterschiedlichen prek&#228;ren Arbeitsfeldern Sexarbeit aus ihrer diskursiven Sonderrolle zu holen verm&#246;ge. Bislang verbleibe der Diskurs um Sexarbeit und Migration oft in der Rede &#252;ber „fremde Opfer“. Ein Beispiel hierf&#252;r ist die nach wie vor h&#228;ufige selbstverst&#228;ndliche Gleichsetzung von Sexarbeit und Frauenhandel. Die Folge sei dann nicht eine Erm&#228;chtigung der Position der migrierten Sexarbeiterinnen, sondern eine (west-)europ&#228;ische Abschottungspolitik und die Entm&#252;ndigung der arbeitenden und bisweilen subversiven Subjekte. Die Erkenntnis struktureller &#196;hnlichkeiten all der prek&#228;ren Arbeiten, die vor allem von migrierten Menschen / Frauen ausge&#252;bt werden, r&#252;cke dagegen globale Arbeitsverh&#228;ltnisse und -strukturen in den Fokus der Kritik.</p>
<p>In K&#228;mpfen f&#252;r gute Arbeits- und Lebensbedingungen f&#252;r Sexarbeiter_innen muss es als erstes, da waren sich alle Anwesenden einig, um die Anerkennung von Sexarbeit als einer Arbeit gehen, die anderen Formen von Erwerbst&#228;tigkeit gleichwertig ist. Eine solidarische Haltung und Handlungsstrategien, die auf Selbsterm&#228;chtigung von Sexarbeiter_innen abzielen, setzen in vielfacher Hinsicht eine Reflexion und Selbstpositionierung aller Beteiligten voraus. Grunds&#228;tzlich stellt sich bei dem Engagement sozialer Projekte immer die Frage, wer f&#252;r wen spricht. Jenny K&#252;nkel mahnte dar&#252;ber hinaus an zu hinterfragen, welche Diskurse mit dem Sprechen angerufen werden. So d&#252;rfe es beispielsweise nicht einfach um eine R&#252;ckeroberung des &#246;ffentlichen Raums gehen, ohne dabei zu betrachten, dass diese Politik an konservative Verst&#228;ndnisse anzuschlie&#223;en vermag. Ein Sprechen f&#252;r Sexarbeit m&#252;sse sich daher immer &#252;ber einen Abwehrkampf hinaus positionieren.<br />
Diese Reflexionen zu Handlungsstrategien stellen Ankn&#252;pfungspunkte f&#252;r das Hamburger B&#252;ndnis<a href="http://rechtaufstrasse.blogsport.de"> „Recht auf Stra&#223;e“ </a>dar. Aus feministisch-linker Perspektive begegnete das B&#252;ndnis den Konflikten um Sexarbeit bisher mit einer Kundgebung auf dem Hansaplatz in St. Georg – als Symbolort der Verdr&#228;ngung – sowie Diskussionsveranstaltungen und Aktionen. Eine feministische Perspektive bedeutet f&#252;r das B&#252;ndnis zu verdeutlichen, dass nicht die Sexarbeiter_innen das &#220;bel sind, sondern die gesellschaftlichen Umst&#228;nde, die zu Sexarbeit und ihrer prek&#228;ren Situation f&#252;hren. Die gegens&#228;tzliche Politik um Sexarbeit, die die Stadt Hamburg in St.Pauli einerseits, in St. Georg andererseits verfolgt, kritisiert das B&#252;ndnis entsprechend auch aus antikapitalistischer und migrationspolitischer Sicht. Die Verdr&#228;ngung der Sexarbeit in St. Georg stelle sich demnach explizit als eine Verdr&#228;ngung der besonders Prekarisierten (unsicherer Arbeits-/Aufenthaltsstatus, Drogengebrauch) dar.</p>
<p>Die Notwendigkeit, unterschiedlich wirkende Herrschaftsverh&#228;ltnisse zusammenzudenken, wurde innerhalb des Workshops &#252;berdeutlich. Eine solche Perspektive stellt eine wichtige Strategie gegen Vereinnahmungs-, Spaltungs- und Verwertungspolitiken dar. Die diskursive Legitimierung der Verdr&#228;ngungsbestrebungen basiert neben gesellschaftlichen Dominanzpositionen auf dem Bild, das &#252;ber Sexarbeit vorherrscht. Sexarbeit wird in hegemonialen Diskursen nicht als – wenn auch prek&#228;re, vulnerable – Arbeit im Kontext globaler Migration und Arbeitsteilung repr&#228;sentiert, sondern als kriminell, als moralisch deviant. Hier wirken Bilder von Sexualit&#228;t, Geschlechterverh&#228;ltnissen, Intimit&#228;t, Privatheit und &#214;ffentlichkeit. Gerade die um das Thema Sexarbeit oft gef&#252;hrte Diskussion um Freiwilligkeit und Selbstbestimmung kann nur dann emanzipatorisch sein und erneuten (Fehl- und Fremd-)Repr&#228;sentationen begegnen, wenn sie aufzeigt, dass die Frage nach der Freiwilligkeit und der Einbeziehung des gesamten K&#246;rpers innerhalb der Kontexte von Lohnarbeit und rassifizierenden wie vergeschlechtlichten Arbeitsverh&#228;ltnissen f&#252;r alle Arbeitenden widerspr&#252;chlich zu beantworten ist.</p>
<p><strong>Fu&#223;noten<br />
</strong><br />
(1) Ein ausf&#252;hrlicher Bericht zum Workshop „Stadt, Prostitution, Vertreibung“, der am 2.12.2011 stattfand, steht demn&#228;chst unter <a href="http://www.rosalux.de ">www.rosalux.de </a>.<br />
(2) Mit der Benennung von <em>wei&#223; </em>soll seine Selbstverst&#228;ndlichkeit als unsichtbare gesetzte Norm demaskiert werden. <em>Wei&#223;e </em>Privilegien sollen so sichtbar gemacht und die damit zusammenh&#228;ngenden Geschichten von Kolonialismus und Rassismus aufgedeckt werden. Werden <em>wei&#223;e </em>Positionen nicht bezeichnet, bleibt ihre Erlangung durch einen privilegierten Status in einem rassistischen und klassifizierenden Gesellschaftszusammenhang verdeckt. Zudem wird mit der Kursivschreibung der Konstruktions-Charakter von <em>wei&#223; </em>hervorgehoben.<br />
(3) In diesem Text sprechen wir von Sexarbeiter_innen, wenn nicht explizit nur Frauen gemeint sind. Der Unterstrich soll aufzeigen, dass auch vielf&#228;ltige weitere sexuelle Identit&#228;ten (kindlich, m&#228;nnlich, trans, poly&#8230;) nachgefragt und angeboten werden.<br />
(4) Das Hamburger Polizeigesetz erm&#246;glicht damit verdachtsunabh&#228;ngige Personenkontrollen, Durchsuchungen, Aufenthaltsverbote oder Ingewahrsamnahmen. F&#252;r St. Georg liegt der Fokus auf Drogenkonsument_innen.</p>
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		<title>Die Spendenaktion zur Rettung des Frauenhaus Wedel</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 18:20:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Nordmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die ersten Frauenh&#228;user in der BRD wurden in den 1970er Jahren im Kontext der Autonomen Frauenbewegung gegr&#252;ndet. Bis heute sind sie zentraler Bestandteil des Schutz- und Beratungsangebots f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen. In Schleswig-Holstein wurde jedoch die Streichung der Finanzierung des „Autonomen Frauenhaus Wedel“ und des “AWO Frauenhaus L&#252;beck“ beschlossen und dies trotz hoher Auslastung. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die ersten Frauenh&#228;user in der BRD wurden in den 1970er Jahren im Kontext der Autonomen Frauenbewegung gegr&#252;ndet. Bis heute sind sie zentraler Bestandteil des Schutz- und Beratungsangebots f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen. In Schleswig-Holstein wurde jedoch die Streichung der Finanzierung des „Autonomen Frauenhaus Wedel“ und des “AWO Frauenhaus L&#252;beck“ beschlossen und dies trotz hoher Auslastung. Die Begr&#252;ndung ist, dass dort Frauen aus anderen Bundesl&#228;ndern Schutz suchen. Die Sparma&#223;nahmen sind vor dem Hintergrund einer fehlenden bundesweiten Finanzierungssicherheit der Frauenh&#228;user zu sehen und folgen einer Politik, die zu Lasten der Opfer von Gewalt geht. Zur Rettung des Frauenhauses Wedel wurde deshalb eine Spendenaktion gestartet.</strong></p>
<p>Insgesamt hat die CDU/FDP Landesregierung Schleswig-Holstein die Einsparung von 48 Frauenhauspl&#228;tzen beschlossen. Ab Ende 2011 soll die F&#246;rderung wegfallen. Die Streichung geschieht ungeachtet der Tatsache, dass Frauenh&#228;user die einzigen Schutzeinrichtungen f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder sind. J&#228;hrlich suchen in den ca. 380 Frauenh&#228;usern bundesweit etwa 45.000 Frauen Schutz. Das von den Einsparungen betroffene Frauenhaus Wedel hat 15 Pl&#228;tze. Pro Jahr werden dort etwa 100 Frauen und deren Kinder aufgenommen, durchschnittlich ist das Haus zu 85% belegt. Die Begr&#252;ndung f&#252;r die Streichung der Finanzierung ist auch nicht, dass das Frauenhaus zu wenig ausgelastet sei. Die Landesregierung sagt vielmehr, dass in dem an der Grenze zu Hamburg gelegenen Frauenhaus zu viele Frauen aus anderen Bundesl&#228;ndern Schutz suchen und weigert sich, die Kosten f&#252;r deren Unterbringung zu tragen. Dar&#252;ber hinaus wird eine Zugangsbeschr&#228;nkung f&#252;r Frauen aus anderen Bundesl&#228;ndern in Schleswig-Holstein f&#252;r die &#252;brig bleibenden Frauenh&#228;user geplant.</p>
<p>Die Sparma&#223;nahmen der Landesregierung l&#228;sst die Situation der von Gewalt betroffenen Frauen v&#246;llig au&#223;er Acht. Oft k&#246;nnen Frauen aufgrund der Bedrohung nicht in der N&#228;he ihres bisherigen Wohnortes ein Frauenhaus aufsuchen. Sie fl&#252;chten deshalb aus Sicherheitsgr&#252;nden in Frauenh&#228;user, die z.T. sehr weit entfernt liegen. Mit der Streichung der Frauenhauspl&#228;tze verbindet die Landesregierung die Hoffnung, dass mit weniger Pl&#228;tzen auch weniger Frauen kommen. Doch nur weil Pl&#228;tze gestrichen werden, wird die Gewalt nicht weniger und der Bedarf an Schutz und Unterst&#252;tzung nicht geringer.</p>
<h3>Fehlende bundesweite Finanzierung der Frauenh&#228;user</h3>
<p>Die Diskussion um „zu viele“ Frauen aus anderen Bundesl&#228;ndern ist nicht nur zynisch, sondern auch vor dem Hintergrund einer fehlenden bundesweit einheitlichen, unb&#252;rokratischen Finanzierung der Frauenh&#228;user zu betrachten. In Schleswig-Holstein erhalten die Frauenh&#228;user &#252;ber das Finanzausgleichsgesetz (FAG) ihre Zuwendungen aus dem Kommunalen Finanzausgleich. Dieses Modell gilt im Vergleich zu anderen Finanzierungsmodellen als vorbildlich, da es den Frauenh&#228;usern durch eine pauschale Finanzierung Planungssicherheit garantiert und eine unb&#252;rokratische, anonyme und schnelle Aufnahme betroffener Frauen erm&#246;glicht. Die Hilfe der Frauenh&#228;user kann unabh&#228;ngig von der finanziellen Situation der betroffenen Frauen in Anspruch genommen werden; die ohnehin hohe H&#252;rde ein Frauenhaus aufzusuchen wird niedrig gehalten und dadurch dieser Schritt vielen Frauen erleichtert und erm&#246;glicht. Dies hat auch zur Folge, dass Schleswig-Holstein ein relativ gutes Netzwerk an Frauenh&#228;usern im Vergleich zu reicheren Bundesl&#228;ndern wie etwa Bayern oder Baden W&#252;rttemberg hat. In anderen Bundesl&#228;ndern basiert die Finanzierung von Frauenh&#228;usern auf einzelfallabh&#228;ngigen Tagess&#228;tzen. Die sogenannte Pro-Kopf-Finanzierung ist mit hohem b&#252;rokratischem Aufwand verbunden. Die Opfer von Gewalt m&#252;ssen individuell f&#252;r die Kosten des Frauenhausaufenthalts aufkommen. Ist dies den Betroffenen nicht m&#246;glich, muss die Kosten&#252;bernahme beantragt und genehmigt werden und das bevor eine Frau ein Frauenhaus aufsucht. Dieser b&#252;rokratische Umgang bringt Frauen in lebensbedrohliche Situationen. Viele Frauen wie z.B. Studentinnen sind au&#223;erdem von der Beantragung der Gelder ausgeschlossen. Einige Frauenh&#228;user mussten auf Basis dieser Finanzierung trotz des hohen Bedarfes schlie&#223;en, da sie &#252;ber l&#228;ngere Zeit nicht voll belegt waren, denn die betroffenen Frauen sind in ihrer bedrohlichen Situation i.d.R. nicht in der Lage ein Antragsverfahren durchzustehen.</p>
<h3>Gewalt gegen Frauen &#8211; die Gr&#252;ndung der ersten Autonomen Frauenh&#228;user</h3>
<p>Gewalt gegen Frauen war lange ein Tabuthema und wurde als Privatsache angesehen. Erst in den 1970er Jahren hat die Autonome Frauenbewegung das Ausma&#223; der Gewalt gegen Frauen &#246;ffentlich gemacht und sich f&#252;r gesellschaftliche Ver&#228;nderungen eingesetzt. Als politische Antwort darauf gr&#252;ndeten Frauengruppen nach dem Vorbild der Frauenh&#228;user in England 1976 die ersten Autonomen Frauenh&#228;user in Berlin und K&#246;ln. In deren Folge sind weitere Frauenh&#228;user als autonome feministische Projekte entstanden.</p>
<p>Nach wie vor ist der Bedarf an Frauenh&#228;usern gro&#223;: In seinem Staatenbericht (2009) hat das CEDAW (Convention on the Elimination of all Forms of Diskrimination against Women) Komitee der Vereinten Nationen (UN) die Bundesregierung aufgefordert die Finanzierung der Frauenh&#228;user in Deutschland angemessen sicherzustellen. Die derzeitige Politik verst&#246;&#223;t gegen die Menschenrechte und die Frauenrechtskonvention (CEDAW), die Deutschland selbst ratifiziert hat. Hinzu kommt, dass Schleswig-Holstein durch die Streichung der Pl&#228;tze noch weiter hinter den vom Europarat empfohlenen Standard von einem Frauenhausplatz pro 7.500 Einwohner zur&#252;ckf&#228;llt. Die Notwendigkeit von Frauenh&#228;usern als Schutz- und Unterst&#252;tzungseinrichtungen belegt eine Studie des Bundesministeriums f&#252;r Familie, Frauen, Senioren und Jugend von 2004, nach der jede vierte Frau mindestens ein- oder auch mehrmals in ihrer Beziehung k&#246;rperliche und sexuelle Gewalt erlebt. H&#228;usliche Gewalt betrifft Frauen aus allen Schichten, jeden Alters und ist unabh&#228;ngig von kulturellen Hintergrund, Religion oder Nationalit&#228;t. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen erweist sich allein schon der vom Europarat empfohlene Standard von Frauenhauspl&#228;tzen als verschwindend gering.</p>
<h3>Frauenhausarbeit</h3>
<p>Frauenh&#228;user verstehen sich nicht als betreuende soziale Einrichtungen, sondern als Hilfe zur Selbsthilfe und als politische Projekte, da sie Gewalt gegen Frauen skandalisieren und gesellschaftliche Ver&#228;nderungen anstreben. Teile dieses Selbstverst&#228;ndnisses zeigen sich auch heute in der Struktur und der allt&#228;glichen Arbeit der Autonomen Frauenh&#228;user. Hierzu geh&#246;rt z.B. der Anspruch von Hierarchiefreiheit, ein antirassistisches und feministisches Selbstverst&#228;ndnis und ein Verst&#228;ndnis von Frauenhausarbeit als politische Arbeit, in der &#214;ffentlichkeits- und Pr&#228;ventionsarbeit zu h&#228;uslicher Gewalt einen hohen Stellenwert haben. Dar&#252;ber hinaus bieten Frauenh&#228;user Beratung Schutz und Unterst&#252;tzung f&#252;r Frauen und deren Kinder, die vor k&#246;rperlicher, sexueller und/oder seelischer Gewalt fliehen. Die Adresse der Frauenh&#228;user ist aus Sicherheitsgr&#252;nden geheim. Aufnahmen sind 24 Stunden am Tag m&#246;glich. Einige Frauen wenden sich selbst telefonisch an ein Frauenhaus. Andere kommen &#252;ber eine Beratungsstelle oder die Polizei. Ist das Frauenhaus belegt, erfolgt eine Weitervermittlung. Frauenh&#228;user sind untereinander bundesweit vernetzt.</p>
<p>Die Mitarbeiterinnen arbeiten nach dem Bezugsfrauensystem, aufgeteilt in einen Frauen- und einen Kinderbereich, d.h. jede Frau und jedes Kind hat eine Mitarbeiterin, die haupts&#228;chliche Ansprechpartnerin ist. Die Frauen bleiben aber f&#252;r sich und ihre Kinder eigenverantwortlich. Die Mitarbeiterinnen begleiten und unterst&#252;tzen bei psychischer Stabilisierung, Verarbeitung der erfahrenen Gewalt und Entwicklung neuer Perspektiven f&#252;r ein gewaltfreies Leben. Viele Frauen kommen aufgrund einer &#252;berst&#252;rzten Flucht v&#246;llig ohne eigene Sachen und Unterlagen. Oft waren sie aufgrund der gewaltt&#228;tigen Beziehung sozial isoliert. Im Frauenhaus erfahren sie Sicherheit und Selbstbestimmung. Die Frauen bleiben so lange, wie sie brauchen, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist drei Monate &#8211; eine sehr kurze Zeit, um sich ein neues Leben aufzubauen.</p>
<h3>Spendenaktion 2012</h3>
<p>Das Autonome Frauenhaus Wedel ist aus einem Frauentreff heraus entstanden und existiert seit 25 Jahren. Es hat 15 Pl&#228;tze und bietet externe Beratung f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen. F&#252;nf qualifizierte Mitarbeiterinnen arbeiten dort in Teilzeit.</p>
<p>Das Frauenhaus hat einen Tr&#228;gerverein mit &#252;ber 60 Mitfrauen, sowie einen F&#246;rderverein. Das Frauenhaus Wedel ist Teil der sozialen Einrichtungen vor Ort und einzige Ansprechstelle zu h&#228;uslicher Gewalt in Wedel. Als bekannt wurde, dass das Frauenhaus ab Ende 2011 keine Gelder mehr bekommen soll, war die Unterst&#252;tzung sehr gro&#223;. Es wurden &#252;ber 5000 Unterschriften gesammelt, um die anstehenden Sparma&#223;nahmen zu verhindern. Ungeachtet dessen wurde mit nur einer Stimme Mehrheit das Sparpaket und somit auch die Streichung der Finanzierung des Frauenhauses beschlossen.</p>
<p>Daraufhin starteten die Vereinsfrauen und Mitarbeiterinnen eine Spendenaktion zur Rettung des Frauenhauses. Ziel ist mit Hilfe von Spenden das Jahr 2012 zu &#252;berbr&#252;cken und &#252;ber Verhandlungen auf allen politischen Ebenen wieder in die institutionelle F&#246;rderung zu kommen.</p>
<p>In nur vier Monaten wurden &#252;ber 100.000 Euro gespendet. Der aktuelle Stand der Spendenaktion liegt bei einer gesicherten Finanzierung von zehn Pl&#228;tzen. Ein Platz wird derzeit gef&#246;rdert mit 10.500 Euro pro Jahr. Das hei&#223;t, das Frauenhaus setzt seine Arbeit im n&#228;chsten Jahr fort, in welcher Form ist noch unklar. Offen bleibt auch die Frage, wie es nach dem Jahr 2012 weiter geht. Alle Parteien haben ihre Unterst&#252;tzung zugesagt, ob diesen Worten auch nach der Wahl im Jahr 2012 in Schleswig-Holstein Taten folgen? Die Vereinsfrauen und Mitarbeiterinnen sind skeptisch, da bisher politische Entscheidungen getroffen wurden, die nicht die Schutzbed&#252;rfnisse der Opfer von Gewalt in den Vordergrund stellen, sondern eine &#246;konomische Perspektive, die auf sehr kurzfristige Spareffekte zielt und deren langfristige Auswirkungen ignoriert.</p>
<h3>Finanzierungssicherheit f&#252;r Frauenh&#228;user</h3>
<p>Im November feiert das Autonome Frauenhaus Wedel sein 25j&#228;hriges Bestehen. Seine weitere Zukunft bleibt ungeachtet der offensichtlichen Notwendigkeit ungewiss. Trotz einer Enttabuisierung der Thematisierung von Gewalt gegen Frauen durch feministische queere Bewegungen, gibt es kein Anzeichen f&#252;r ihre Abnahme. Frauenh&#228;user leisten &#252;berlebenswichtige Unterst&#252;tzungsarbeit f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder, sowie unverzichtbare Aufkl&#228;rungs- und &#214;ffentlichkeitsarbeit. Finanzierungssicherheit ist die Basis f&#252;r diese Arbeit und zeigt die Anerkennung des politischen Konsenses, dass Gewalt gegen Frauen ein gesellschaftliches Problem ist.</p>
<p>Frauenh&#228;user folgen dem Prinzip, dass Frauen, die von Gewalt betroffen sind, aufgenommen werden &#8211; egal woher sie kommen. Die Finanzierungsfrage von Frauenhauspl&#228;tzen kann nicht zu Lasten der Opfer von Gewalt gehen, deren Entscheidungsfreiheit beschr&#228;nken und finanzielle und b&#252;rokratische Barrieren aufbauen. Es m&#252;ssen politische Antworten und Ma&#223;nahmen folgen, die grundlegende Menschenrechte anerkennen.</p>
<p>Die Spendenaktion zur Rettung des Frauenhauses Wedel l&#228;uft weiter, in der Hoffnung im Jahr 2012 alle Pl&#228;tze und die Arbeitsstellen aller Mitarbeiterinnen erhalten zu k&#246;nnen.</p>
<p>Zur Unterst&#252;tzung der Spendenaktion zur Rettung des Frauenhaus Wedel:</p>
<p>F&#246;rderverein Frauenhaus Wedel<br />
Konto: 95303<br />
Stadtsparkasse Wedel<br />
BLZ 2211730</p>
<p><a href="http://www.frauenhaus-wedel.de">http://www.frauenhaus-wedel.de</a><br />
<a href="info@frauenhaus-wedel.de">info[at]frauenhaus-wedel[dot]de</a></p>
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		<title>Unterhaltsrecht, Bildungsgutscheine und soziale Ungleichheit – Eine Polemik auf eine sozialpolitische Posse</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 17:43:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Steigende Kinderarmut, Bildungsgutscheine, Armutsrisiko Alleinerziehender, Vollzeitarbeit-Verpflichtung f&#252;r Alleinerziehende, fehlende Betreuungspl&#228;tze, unterbezahlte ErzieherInnen – diese Stichw&#246;rter markieren ein Feld voller ungel&#246;ster sozialpolitischer Probleme. In diesem politischen Feld versch&#228;rfen sich soziale Ungleichheiten immer weiter. Dennoch wird  in konsequent neoliberalem Gestus permanent von ‚F&#246;rderung‘, ‚Gleichheit‘ und ‚Selbstverantwortung‘ gesprochen. Eine Polemik zur andauernden sozialpolitischen Posse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Steigende Kinderarmut, Bildungsgutscheine, Armutsrisiko Alleinerziehender, Vollzeitarbeit-Verpflichtung f&#252;r Alleinerziehende, fehlende Betreuungspl&#228;tze, unterbezahlte ErzieherInnen – diese Stichw&#246;rter markieren ein Feld voller ungel&#246;ster sozialpolitischer Probleme. In diesem politischen Feld versch&#228;rfen sich soziale Ungleichheiten immer weiter. Dennoch wird  in konsequent neoliberalem Gestus permanent von ‚F&#246;rderung‘, ‚Gleichheit‘ und ‚Selbstverantwortung‘ gesprochen. Eine Polemik zur andauernden sozialpolitischen Posse.</strong></p>
<p>Es ist schon erstaunlich, wie wenig es im aktuell herrschenden politischen Diskurs notwendig zu sein scheint, das Zementieren sozialer Ungleichheiten zu verstecken, w&#228;hrend gleichzeitig mit Vokabeln hantiert wird, deren Bedeutungsrahmen vormals eigentlich das genaue Gegenteil skizzierten. Wie kann es eine ‚F&#246;rderung‘ sein, in Armut lebenden Familien, die nicht nur arm an &#246;konomischem, sondern auch an sozialem und kulturellem Kapital sind, durch beim Amt erh&#228;ltliche komplizierte Antragsformulare Bildungsgutscheine zukommen zu lassen? Wie kann von Gleichheit und Selbstverantwortung gesprochen werden, wenn erwerbst&#228;tigen Elternteilen nicht mehr l&#228;nger zugemutet werden soll Unterhalt an den/die Ex-PartnerIn zu zahlen, der/die das gemeinsame Kind versorgt, wenn dieseR stattdessen Vollzeit berufst&#228;tig sein soll, um sich den Lebensunterhalt selbst zu verdienen?  Und in welche Betreuungseinrichtung soll das Kind bittesch&#246;n gebracht werden, wenn Vollzeit mit Mittagspause mindestens 8,5 Stunden hei&#223;t und Fahrtwege von ca. 1 Stunde pro Tag mitgerechnet werden? Wer findet es v&#246;llig unproblematisch sein Kind 9,5h am Tag in eine (schlecht ausgestattete und g&#228;nzlich unterbezahlte) Betreuungseinrichtung zu geben – und in welche &#252;berhaupt? Und kann mensch vom dem Vollzeitjob dann &#252;berhaupt leben?</p>
<p>Man mag diese Aneinanderreihung von Fragen polemisch nennen – die soziale Realit&#228;t der von Armut und Bildungsungleichheit betroffenen Kinder, Eltern und Alleinerziehenden wird in Deutschland immer h&#228;rter und die damit einhergehenden sozialen Probleme und langfristigen Konsequenzen f&#252;r demokratische Gesellschaften werden m.E. schlichtweg &#252;bergangen. Der Film Berliner Rand aus dem Jahre 2010 hat eindrucksvoll diese Lebensrealit&#228;t von Jugendlichen in Berlin eingefangen (<a href=" http://www.hff-potsdam.de/de/studienbewerbung/ba-studiengaenge/drama0/lehrende/pdb/detail/0/0/becker-jens/0.html">Jens Becker</a>, <a href="http://www.dokumentarfilm.info/index.php?view=article&amp;id=172%3Adoku-tipp-berliner-rand&amp;option=com_content&amp;Itemid=62">Berliner Rand</a>). Der aktuelle Mikrozensus 2010 (<a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2011/Mikro__Kinder/pressebroschuere__kinder,property=file.pdf">Auszug des Statistischen Bundesamtes zur Lage von Kindern</a>) weist erneut auf das erh&#246;hte Armutsrisiko von Kindern und insbesondere von Kindern Alleinerziehender hin und nahezu gleichzeitig f&#228;llt der BGH sein Urteil (<a href="http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=57216&amp;pos=0&amp;anz=1">http://juris.bundesgerichtshof.de</a>) zum Unterhaltsrecht und st&#228;rkt damit das aus dem Jahre 2008 stammende neue Unterhaltsrecht: Demnach sollen alleinerziehende Geschiedene sich ihren Unterhalt ab dem 3. Lebensjahr des Kindes durch Vollzeiterwerbsarbeit selbst verdienen. Die Alleinerziehenden – meistens M&#252;tter – haben also die Wahl: Entweder sie haben aufgrund ihrer gering entlohnte Teilzeit-Erwerbst&#228;tigkeit kein Geld, das sie f&#252;r gemeinsame Aktivit&#228;ten, Bildung und Erziehung aber ben&#246;tigen. Oder sie werden zu Fr&#252;hst&#252;ck-ZubereiterInnen und Zu-Bett-BringerInnen f&#252;r Kinder, die sie als Vollzeit erwerbst&#228;tige Alleinerziehende fast nur noch schlafend kennen. Statt elterlicher F&#252;rsorge, Bindung und Gemeinsamkeit d&#252;rfen sie dann das verdiente Geld an die Betreuungseinrichtung weiter reichen.</p>
<p>Wie stark &#246;konomische Armut und Bildungsarmut zusammenh&#228;ngen, haben etliche Studien, Expertisen und Artikel immer wieder deutlich gemacht (z.B. <a href="http://www.unicef.de/presse/pm/2008/080526-wachsende-kluft-zwischen-kindern/">Unicef Bericht 2008</a>, <a href="http://www.feministisches-institut.de/kinderarmut/">http://www.feministisches-institut.de/kinderarmut/</a>). Der Kreislauf Aufwachsen in Armut – schlechte Bildungschancen – schlechte Teilhabem&#246;glichkeiten f&#252;r sich selbst und die sp&#228;teren eigenen Kinder, also die soziale Vererbung von Armut d&#252;rfte allseits bekannt sein. Dass dem nicht entschieden durch Umverteilung, <a href="http://www.feministisches-institut.de/grundeinkommen-2">bedingungsloses Grundeinkommen</a>, gut bezahlte ErzieherInnen, bessere Betreuungsschl&#252;ssel in Betreuungseinrichtungen usw. entgegengesteuert wird, l&#228;sst vermuten, dass die sich immer st&#228;rker etablierenden Klassenverh&#228;ltnisse gewollt zu sein scheinen. Wir haben es mit einer konsequenten Politik der Ungleichheit zu tun, deren Nebelbegriffe wie ‚Selbstverantwortung‘ und ‚Freiheit‘ letztlich nur verschleiern, dass ‚frei‘ immer nur die zu sein scheinen, die &#252;ber &#246;konomisches Kapital verf&#252;gen. Strukturelle Probleme der Arbeitsmarktpolitik, des Bildungssektors und der Sozialpolitik werden nach wie vor zu Individualproblemen erkl&#228;rt und allzu oft auch als pers&#246;nliches Schicksal erlebt.</p>
<p>Warum sollte die unter diesen Umst&#228;nden aufwachsende Generation das Soziale der Gesellschaft, Demokratie, Solidarit&#228;t und Gerechtigkeit achten?</p>
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		<title>Feministische &#214;ffentlichkeiten im Web 2.0. M&#246;glichkeiten und Grenzen feministischer Partizipation im Internet</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/feministische-oeffentlichkeiten/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 14:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Deborah Schmidt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Feministische &#214;ffentlichkeiten sind seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil der feministischen bzw. queerfeministischen Bewegung. Sie haben unter anderem dazu beigetragen, dass feministische Diskurse in die &#214;ffentlichkeit geraten und mittlerweile auch im sogenannten Mainstream angekommen sind. Themen wie die Frauenquote und Geschlechtergerechtigkeit sind allt&#228;glich geworden, wenn auch nach wie vor die Frage bleibt, auf welche Weise die Themen im Mainstream behandelt werden. Heute ger&#228;t vor allem das Internet als digitales Medium in den Blickpunkt feministischer &#214;ffentlichkeiten... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Feministische &#214;ffentlichkeiten sind seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil der feministischen bzw. queerfeministischen Bewegung. Sie haben unter anderem dazu beigetragen, dass feministische Diskurse in die &#214;ffentlichkeit geraten und mittlerweile auch im sogenannten Mainstream angekommen sind. Themen wie die Frauenquote und Geschlechtergerechtigkeit sind allt&#228;glich geworden, wenn auch nach wie vor die Frage bleibt, auf welche Weise die Themen im Mainstream behandelt werden. Heute ger&#228;t vor allem das Internet als digitales Medium in den Blickpunkt feministischer &#214;ffentlichkeiten.</strong></p>
<p>Das Internet hat sich zu einem wichtigen globalen Medium entwickelt, in dem Feminist_innen sich austauschen, vernetzen, publizieren und sich organisieren. Mit dem Aufkommen des Web 2.0 entstand eine breite Diskussion um das Potenzial und den Einfluss auf demokratische Partizipation und demokratische Prozesse im Internet. Dabei stellten sich die Fragen in wie weit wirkliche demokratische Partizipation m&#246;glich ist und ob das Internet tats&#228;chlich zugangsoffen f&#252;r alle Menschen ist. K&#246;nnen Feminist_innen beispielsweise gleichberechtigt partizipieren, welche M&#246;glichkeiten der Partizipation gibt es f&#252;r sie und wo sto&#223;en sie an Grenzen?<br />
Im Folgenden m&#246;chte ich einige Beispiele feministischer Gegen&#246;ffentlichkeiten und feministischer Partizipation im Web 2.0 darstellen und gleichzeitig aufzeigen, mit welchen Widerspr&#252;chen und Machtmechanismen feministische Medienmacher_innen sich im virtuellen Raum auseinandersetzen m&#252;ssen.</p>
<p><strong>Demokratische Partizipation im Web 2.0</strong><br />
Das Web 2.0, so hei&#223;t es, biete heute die M&#246;glichkeit der direkten Partizipation. Es ist m&#246;glich die Inhalte des Internets selbst mitzugestalten. Mit der Entstehung des Web 2.0 gehen genau die gleichen Hoffnungen einher, wie sie bereits in den 1930er Jahren Walter Benjamin in seinem Text „Der Autor als Produzent“ &#228;u&#223;erte und die auch Berthold Brecht formulierte, indem er postulierte die Medienkonsument_innen sollten zu Produzent_innen werden. Die Produzent_innen sollten sich demnach das Medium – damals noch das Radio – aneignen und ihre eigene Meinung verbreiten. Die proletarische Partizipation lie&#223; auf Ver&#228;nderung der vorherrschenden Meinungen und eine Teilhabe der Minderheiten an der Mitgestaltung der &#214;ffentlichen Meinung hoffen. Die weitere Entwicklung von Radio und Fernsehen hat dann leider all den Hoffnungen auf Ver&#228;nderung hin zu einer kritischen &#214;ffentlichkeit kaum entsprochen.<br />
Genauso verh&#228;lt es sich mit dem Web 2.0. Es hat sich zwar im Laufe der Zeit herausgestellt, dass das Web 2.0 mehr Partizipation m&#246;glich macht, jedoch hei&#223;t das nicht, dass alle die gleichen Zugangsvoraussetzungen haben und schon gar nicht, dass diese Partizipation emanzipatorischer ist und gesellschaftskritischer mit Inhalten umgeht. Heute ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die demokratischen Prozesse durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien vielschichtiger und differenzierter zu betrachten sind, als es noch Ende der neunziger Jahre von vielen Wissenschaftler_innen angenommen wurde (Dr&#252;cke, Winker 2005). Susanne Baer, Verfassungsrichterin in Karlsruhe, stellt fest, dass das Grundgesetz in Bezug auf die Netzpolitik ein Update braucht. Das Internet ist ein Kommunikationsort und ist somit nicht besser oder schlechter als die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Es stellt sich die Frage, ob alle wirklich gleichberechtigt und demokratisch an dem Medium Internet teilhaben k&#246;nnen oder wenn nicht, wo genau die Grenzen liegen? Baer stellt in ihrem Text die demokratischen M&#246;glichkeiten des Internets in Frage. Die gleichberechtigte Partizipation aller sei nicht m&#246;glich, da noch nicht alle die gleichen Zugangsvoraussetzungen haben. Besonders in l&#228;ndlichen Gegenden sei der Netzzugang nicht &#252;berall m&#246;glich. Au&#223;erdem schlie&#223;e die L&#252;cke zwischen jungen und &#228;lteren Internetnutzer_innen sich erst langsam (Baer 2011). W&#228;hrend bereits 98,2% der 20-29 J&#228;hrigen online sind, liegt der Anteil bei den &#252;ber 60 J&#228;hrigen gerade bei 34,5%. Der Anteil weiblicher und m&#228;nnlicher Internetnutzer_innen dagegen n&#228;hert sich, laut der <a href="http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/">ARD/ZDF-Onlinestudie 2011</a>, langsam an. Aktuell sind in Deutschland 68,5% Frauen und 78,3% M&#228;nner online.</p>
<p><strong>Feministische &#214;ffentlichkeiten</strong><br />
Feministische &#214;ffentlichkeiten sind Kommunikationsorte, an denen herrschende Geschlechterverh&#228;ltnisse kritisch hinterfragt und analysiert werden. Feministische &#214;ffentlichkeiten machen kollektive Handlungsspielr&#228;ume, Selbstverst&#228;ndigung und Identit&#228;tsfindung m&#246;glich (Dorer 2002). Trotz der Institutionalisierung und Verbreitung von feministischen &#214;ffentlichkeiten in den letzten Jahrzehnten sind feministische Medien immer noch marginalisiert. Historisch gesehen sind Kommunikationsorte von Frauen eher dem Privaten zugeordnet gewesen und nicht dem &#214;ffentlichen. Oft waren es geheime, heimliche &#214;ffentlichkeiten. Frauen haben die h&#228;usliche Reproduktionsarbeit geleistet und waren nicht in dem sogenannten &#246;ffentlichen Bereichen wie z.B. der Politik t&#228;tig. Im Laufe der Jahre hat sich jedoch die feministische &#214;ffentlichkeit die vor allem m&#228;nnlich dominierten R&#228;ume angeeignet.<br />
Heutzutage ist das Internet in der Kommunikations- und Informationsgesellschaft zu einem wichtigen Ort geworden, an dem feministische &#214;ffentlichkeit Pr&#228;senz zeigt. Zum einen bietet das Internet eine Teilhabe f&#252;r feministische Inhalte, auf der anderen Seite bleibt jedoch die Frage inwieweit die sozialen, kulturellen und &#246;konomischen Gesetzm&#228;&#223;igkeiten des Internets beachtet werden m&#252;ssen, um sich in der Netzkultur behaupten zu k&#246;nnen. Das Internet gibt feministischen Medienmacher_innen die M&#246;glichkeit sich an einer virtuellen &#214;ffentlichkeit zu beteiligen. Besonders im journalistischen Bereich kann das Internet f&#252;r feministische Themen von Vorteil sein. Feministische Themen, die sonst in den Mainstreammedien kein Geh&#246;r f&#228;nden, k&#246;nnen im Internet publiziert werden. Das bedeutet meistens allerdings, dass insbesondere Journalist_innen sich zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung bewegen, wenn sie &#252;ber Themen berichten, die in den Mainstreammedien keine Resonanz finden, da z.B. journalistische Blogger_innen f&#252;r ihre Arbeit meistens keine Entlohnung erhalten. Das Internet ist f&#252;r feministische Medienmacher_innen ein Medium an dem die eigenen Ambivalenzen in Bezug auf die &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse sichtbar werden. Das Internet propagiert einen freien, &#246;ffentlichen Zugang, entkoppelt an feste Arbeitszeiten und einen festen Arbeitsplatz, perfekt f&#252;r selbstbestimmtes Arbeiten. Genau dies f&#252;hrt zu ungesicherten und prek&#228;ren Arbeitsverh&#228;ltnissen in denen sich Frauen seit Jahren bewegen. Die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und die Doppelbelastung durch Kindererziehung sind evidente Debatten. Die Durchsetzung auf dem Internetmarkt macht die immer wiederkehrenden Diskussionen um Kommerzialit&#228;t und Autonomie unvermeidbar. Soll sich besser mit inhaltlichen Themen angepasst werden, um auf dem Onlinemarkt konkurrenzf&#228;hig zu bleiben oder ist das Nischendasein eine Alternative? Ist es wichtig auf Rang 1 der Blogcharts aufzutauchen, um ernst genommen zu werden oder muss sich das Social Media Marketing einverleibt werden? Die &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse von feministischen Medienmacher_innen bleiben also auch in Bezug auf das Internet ein wichtiges Thema.</p>
<p><strong>Partizipation im Internet &#8211; Feministische Gegen&#246;ffentlichkeiten im Web 2.0</strong><br />
Das Web 2.0 bietet Feminist_innen jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik eine gro&#223;e und vielseitige Chance der Partizipation. Sie k&#246;nnen ihre eigenen Inhalte, die im &#246;ffentlichen Diskurs meistens eher marginal wahrgenommenen Themen, wie z.B. sexuelle Gewalt an Frauen, ver&#246;ffentlichen. Im Internet k&#246;nnen sie eine so genannte subalterne Gegen&#246;ffentlichkeit, wie Nancy Fraser es postuliert, schaffen, sich vernetzen und Themen austauschen (Dr&#252;cke, Winker 2005). Die folgenden Webauftritte von Feminist_innen zeigen einen kleinen Ausschnitt aus der Vielfalt der feministischen Gegen&#246;ffentlichkeiten.</p>
<p><strong>Grassrootfeminism</strong><br />
Ein gutes Beispiel f&#252;r queerfeministisches Netzwerken ist die Seite <a href="http://www.grassrootsfeminism.net/">grassrootfeminism.net</a> . Die Seite ist entstanden, um M&#228;dchen und jungen Frauen eine Plattform zu bieten. Die Webseite m&#246;chte vor allem dem Vorurteil entgegentreten, dass junge Menschen und insbesondere M&#228;dchen und junge Frauen nur Konsument_innen der Massenmedien seien und keine aktive Rolle einnehmen w&#252;rden. Auf dieser Webseite k&#246;nnen M&#228;dchen und junge Frauen ihre eigenen selbstproduzierten Texte, Podcasts und diverse andere Inhalte und Produktionen einfach hochladen und ver&#246;ffentlichen. Dabei wird ihnen die M&#246;glichkeit gegeben miteinander in Kontakt zu treten, sich zu vernetzen und eigene Themen zu ver&#246;ffentlichen.<br />
<a href="http://www.freie-radios.net/40583">Zitat von Rosa Reitsamer, </a>Gr&#252;nderin von grassrootfeminism.net: „Es geht nicht darum, wieviel Freunde man bei Facebook hat. Denn davon lerne ich nicht viel, sondern es soll eine Plattform geschaffen werden, wo Wissen ausgetauscht werden kann.“</p>
<p><strong>Riot grrrl Forum</strong><br />
Das Forum <a href="http://www.feministinnen.de/">riot-grrrl.de</a> bietet eine Plattform zum Austausch von feministischen und queerfeministischen Inhalten. Das Riot grrrl Forum steht in der Tradition der Riot grrrl Bewegung, die sich in den 90iger Jahren in den USA gegr&#252;ndet hat. Die Riot grrrl Bewegung ist aus der Punk- und Hardcoreszene entstanden und thematisierte den Sexismus in der sehr m&#228;nnlich dominierten Subkultur. Der Riot grrrl Bewegung ging es um das Sichtbarmachen von Musikerinnen in dieser Szene. Genauso m&#246;chte das Riot grrrl Forum einen Ort bieten, wo es um den Austausch von Themen wie Musik, Technik, Ladyfeste, allt&#228;glicher Sexismus und diverse andere feministische Inhalte geht.</p>
<p><strong>M&#228;dchenblog</strong><br />
Das <a href="http://maedchenblog.blogsport.de/">M&#228;dchenblog</a> ist eine Webseite f&#252;r queerfeministische Theorie und Praxis. Das M&#228;dchenblog ist ein offenes Gemeinschaftsprojekt, das sich mit Themen wie K&#246;rper, Sexualit&#228;t, Pop- und Subkultur, Politik, Schule und Ausbildung besch&#228;ftigt. Das Blog soll Sexismus, der sich im Internet sowie in der realen Welt vorfindet, sichtbar machen. Das M&#228;dchenblog versucht queerfeministische Theorie und Praxis zu verbinden. Au&#223;erdem hat das M&#228;dchenblog den Anspruch, eine weniger theoretische, akademische Sprache zu verwenden, um die Wissensaneignung f&#252;r alle m&#246;glich zu machen. Das M&#228;dchenblog bedient sich der Blogform, weil damit einerseits die Artikel im Gegensatz zu einem Forum auch f&#252;r sich allein stehen k&#246;nnen und andererseits die Kommentarfunktion die M&#246;glichkeit zur Diskussion bietet. Das M&#228;dchenblog ist ein offenes Projekt und lebt davon, dass viele Menschen sich am Mitschreiben beteiligen.</p>
<p>Diese drei Beispiele feministischer Netzkultur belegen deutlich, wie das Potential des Internets f&#252;r feministische &#214;ffentlichkeiten genutzt werden kann indem Sichtbarmachung, kollektives Handeln, Selbstverst&#228;ndigung und Identit&#228;tsfindung m&#246;glich gemacht wird.</p>
<p><strong>Ungleichheitsverh&#228;ltnisse im Netz</strong><br />
Das Internet ist zwar ein Ort, der viele M&#246;glichkeiten bietet, jedoch sto&#223;en Feminist_innen immer wieder an ihre Grenzen, da sich im Internet gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsmechanismen reproduzieren. Das Internet ist schlie&#223;lich kein autonomer Raum, sondern ein Abbild der Gesellschaft. Ungleichheiten im Internet werden u.a. deutlich durch antifeministische Anfeindungen, Zugangsbeschr&#228;nkungen, Arbeitsteilung und Beteiligung an Autor_innenschaft. So ist es zum Beispiel f&#252;r Frauen oftmals schwieriger in Blogs &#252;ber Technikthemen zu berichten, weil sie sich gegen&#252;ber sexistischen Anfeindungen bzw. Relativismus durchsetzen m&#252;ssen (vgl. <a href="http://www.freie-radios.net/38203">Radiobeitrag zu Feminismus und Internet</a>). Au&#223;erdem gibt es auf feministischen Seiten immer wieder antifeministische Angriffe von so genannten Trollen. Trolle sind Personen, die versuchen &#252;ber Kommentare die Kommunikation &#252;ber bestimmte Sachverhalte im Netz zu st&#246;ren. Das bedeutet f&#252;r feministische Blogs wie z.B. das M&#228;dchenblog, dass sie ihre Kommentare moderieren m&#252;ssen. <a href="http://hatr.org">Hatr.org</a>, eine Plattform, auf der Trollkommentare gesammelt werden, hat sich zur Aufgabe gemacht aus den Kommentaren wenigstens ein wenig Profit mittels Werbung zu schlagen.<br />
Im Internet besteht ein deutlicher Gender Gap. Dies wird besonders deutlich an der Informationsbranche, M&#228;nner dominieren den Beruf des Softwareentwicklers und Informatikers. Bereiche der Informatik, in denen es einen gro&#223;en Frauenanteil gibt, wie in der Medieninformatik, werden als „M&#228;dcheninformatik“ diffamiert. Au&#223;erdem zeigt sich der Gender Gap an der Beteiligung der Autor_innenschaft bei Wikipedia. Bei Wikipedia etwa schreiben nur 12% Frauen mit. Das erkl&#228;rt auch, warum feministische Themen bei Wikipedia zur Disposition stehen. Das ist eine kleine Auswahl an Beispielen f&#252;r Geschlechterungleichheiten im Netz. Weitere hat Tanja Carstensen in ihrem Text „<a href="http://www.feministisches-institut.de/web_oeffentlichkeit/#more-978">Web 2.0 = demokratische &#214;ffentlichkeit? Einige (feministische) Anmerkungen zu einer erneuten Debatte</a>“ herausgearbeitet.</p>
<p><strong>Herausforderungen f&#252;r feministische Gegen&#246;ffentlichkeiten</strong><br />
Herausforderungen f&#252;r feministische &#214;ffentlichkeiten und Medienmacher_Innen im Internet sind, sich in der Informationsgesellschaft zu etablieren und sie zu nutzen. Denn so k&#246;nnen weiterhin feministische Themen Teil von &#246;ffentlichen Diskursen werden und in die hegemonialen Wissensdiskurse hineinwirken. Das Internet ist ein Ort, an dem es um Aushandlungsprozesse geht. Das bedeutet, sich gegen&#252;ber Geschlechterhierarchien durchzusetzen, Zugangsbeschr&#228;nkungen aufzubrechen und &#246;konomische Verh&#228;ltnisse transparent zu machen und im besten Fall zu &#252;berwinden.<br />
Offen bleibt jedoch, welche Rolle zunehmend &#246;konomische Verh&#228;ltnisse f&#252;r feministische &#214;ffentlichkeiten im Internet spielen. Die meisten Personen, die sich f&#252;r digitale feministische Netzwerke engagieren, tun dies aus einem Idealismus an der Sache heraus und sind nebenbei erwerbst&#228;tig. Wie mit der prek&#228;ren Finanzierung perspektivisch umgegangen wird, bleibt auszuhandeln.</p>
<p><strong>Ausblick</strong><br />
Feministische Medienmacher_innen sind im digitalen Zeitalter immer noch marginalisiert, deshalb ist es umso wichtiger, dass sie existieren und die Pr&#228;senz im Internet ausgebaut wird. Es geht also weiterhin inhaltlich wie auch praktisch darum, aus dem privaten Raum herauszutreten und aktiv an der digitalen, wie auch „analogen“ &#214;ffentlichkeit teilzuhaben. Inhaltlich in dem Sinne, dass z.B. im Internet zu m&#228;nnlich besetzten Themen berichtet wird, praktisch werde auch Du Softwareentwicklerin!</p>
<p><strong>Literatur</strong><br />
Baer, Susanne (2011): Braucht das Grundgesetz ein Update? Demokratie im Internetzeitalter. in Bl&#228;tter f&#252;r deutsche und internationale Politik. Bl&#228;tter Verlagsgesellschaft Berlin, S.90-100.</p>
<p>Carstensen, Tanja (2010): Web 2.0 = demokratische &#214;ffentlichkeit? Einige (feministische) Anmerkungen zu einer erneuten Debatte, 21.06.2010, http://www.feministisches-institut.de/web_oeffentlichkeit/</p>
<p>Dorer, Johanna, Birgit, Geiger (2002): Feministische Kommunikations- und Medienwissenschaft. Feministische Medien. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden.</p>
<p>Dr&#252;cke, Ricarda, Winker, Gabriele (2005): Neue &#214;ffentlichkeiten durch frauenpolitische Internet-Auftritte. In: Schachtner, Christina, Winker, Gabriele (Hg.)Virtuelle R&#228;ume &#8211; neue &#214;ffentlichkeiten. Frauennetze im Internet. Campus Verlag. Frankfurt am Main, S.31-49.</p>
<p>Klaus, Elisabeth (2008): Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus. Lit Verlag, Wien.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Zum Konzept der &#8220;T&#228;uschung&#8221; &#8211; Einladung zu queer-feministischen Veranstaltungen in Bremen:  „Queer-feministische Debatten, Reflexionen und Interventionen“</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/taeuschung/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/taeuschung/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 May 2011 09:14:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ines Pohlkamp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Queer-feministische Perspektiven setzen an alltagsweltlichen Erz&#228;hlungen an und positionieren sich herrschafts- und identit&#228;tskritisch. Sie stellen Normalit&#228;ten in Frage, fokussieren Br&#252;che und gehen davon aus, dass die Suche nach der einen "Wahrheit" vergeblich ist. Die "T&#228;uschung" ist ein Gegenst&#252;ck der "Wahrheit". Das Konzept der "T&#228;uschung" zu dekonstruieren ist wesentlicher Bestandteil queer-feministischer Betrachtungen. Um dies nachvollziehbarer zu machen, m&#246;chte ich zu einem gedanklichen Vergleich zweier recht unterschiedlicher alltagsweltlicher Beispiele mit den Elementen "T&#228;uschung", "Betrug" und "Wahrheit" einladen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Queer-feministische Perspektiven setzen an alltagsweltlichen Erz&#228;hlungen an und positionieren sich herrschafts- und identit&#228;tskritisch. Sie stellen Normalit&#228;ten in Frage, fokussieren Br&#252;che und gehen davon aus, dass die Suche nach der einen &#8220;Wahrheit&#8221; vergeblich ist. Die &#8220;T&#228;uschung&#8221; ist ein Gegenst&#252;ck der &#8220;Wahrheit&#8221;. Das Konzept der &#8220;T&#228;uschung&#8221; zu dekonstruieren ist wesentlicher Bestandteil queer-feministischer Betrachtungen. Um dies nachvollziehbarer zu machen, m&#246;chte ich zu einem gedanklichen Vergleich zweier recht unterschiedlicher alltagsweltlicher Beispiele mit den Elementen &#8220;T&#228;uschung&#8221;, &#8220;Betrug&#8221; und &#8220;Wahrheit&#8221; einladen.</strong></p>
<p>(1) Karl-Theodor zu Guttenberg habe &#8220;vors&#228;tzlich get&#228;uscht&#8221;, hei&#223;t es in der Stellungnahme der Universit&#228;t Bayreuth (vgl. <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsaffaere-bundeswehrreform-kundus-affaere-das-elend-des-talentierten-herrn-guttenberg-1.1094287">Heribert Prantl 2011</a>). Guttenberg ist damit in drei zentralen M&#228;nnlichkeiten-produzierenden Normierungsinstanzen gescheitert: in der Wissenschaft, in der Politik und als Verteidigungsminister im Feld des Milit&#228;rischen. Seine &#8220;T&#228;uschung&#8221; der Wissenschaft versuchte er zu entschuldigen, indem er erkl&#228;rte, diese sei auch eine Folge von Mehrfachbelastungen als junger Familienvater (vgl. <a href="http://derstandard.at/1297818756254/Guttenberg-erklaert-sich-War-hochmuetig-und-ueberlastet">Birgit Baumann 2011</a>).</p>
<p>(2) Eine Pflegekraft berichtete mir von folgendem &#220;bergriff im Krankenhaus, der keinen Einzelfall darstelle. Wenn Trans*Patient_innen zu betreuen seien, k&#228;me es mitunter zu &#8220;Aufruhr im Personal&#8221;. Nicht zust&#228;ndige &#196;rzt_innen und Pflegepersonal w&#252;rden in die An&#228;sthesie kommen, um sich sogar w&#228;hrend der Narkose ein Bild davon machen zu k&#246;nnen, &#8220;wie die aussehen&#8221;. Sie berichtete davon, die Kolleg_innen in solchen F&#228;llen f&#246;rmlich rauswerfen zu m&#252;ssen, um deren &#8220;Neugierde zu stoppen“.</p>
<p><strong>Gemeinsamkeiten &amp; Unterschiede</strong></p>
<p>Die Gemeinsamkeiten beider Ereignisse sind schnell skizziert: In beiden F&#228;llen sind Normierungsinstanzen wie Medizin bzw. Wissenschaft beteiligt. In beiden F&#228;llen geht es um normative Wahrheitsproduktionen: Auf der einen Seite handelt es sich um &#8220;T&#228;uschung&#8221; und Entlarvung in Wissenschaft und Politik und auf der anderen Seite um medizinische Ethik und Eindeutigkeit in Geschlechterfragen. Gemeinsam ist beiden F&#228;llen zudem die Entdeckung einer (vermeintlich) verwerflichen Devianz. Ansonsten &#252;berwiegen die Unterschiede:</p>
<p>Der Pressewirbel um Karl-Theodor zu Guttenberg ist/war enorm. Sein Ruf ist ruiniert, seine weitere politische Karriere ist – zumindest vorerst – gescheitert. Auch wenn er selbst keine Gewalt erfahren hat, ist die H&#228;rte der H&#228;me gegen ihn m&#246;glicherweise schmerzhaft. Zudem hat der Vorfall eine breite mediale Diskussion um &#8220;Wahrheit&#8221; und Ehrlichkeit in der Wissenschaft ausgel&#246;st.</p>
<p>Demgegen&#252;ber steht ein Ereignis im Krankenhaus, das keinen medialen Wirbel ausl&#246;st. Transphobe Gewalt ist kein &#246;ffentliches Thema. Die betroffene Person und das beteiligte Personal besitzen keinerlei Prominenz. Der voyeuristische &#220;bergriff im Krankenhaus geht im Alltagsgeschehen unter. Transphobie als vermutete Aufdeckung einer &#8220;geschlechtlichen T&#228;uschung&#8221; bleibt unbeachtet und die normative Kraft der Zweigeschlechtlichkeit unhinterfragt.</p>
<p>Die Normierungsinstanzen konstruieren das Andere, indem sie es als &#8220;T&#228;uschung&#8221; oder Betrug in den Blick nehmen. Das Personal im Krankenhaus sieht sein gewaltsames Handeln durch ein Alltagsverst&#228;ndnis von Geschlecht legitimiert, dass besagt, dass in erster Linie Frauen und M&#228;nner existieren. Alle Anderen sind in heteronormativen Augen &#8220;exotisch&#8221; geschlechtliche Ausnahmen. In einem bin&#228;ren Denk- und Geschlechtersystem ist Zweigeschlechtlichkeit das Gegenst&#252;ck zur Konstruktion anderer Geschlechter. Es existieren demnach &#8220;wahre&#8221; Geschlechter und &#8220;weniger wahre&#8221; Geschlechter, wie Personen, die sich transsexuell, transgender, intersexuell oder anders nennen (m&#252;ssen).</p>
<p>Die Wissenschaftler der Universit&#228;t Bayreuth mussten Karl-Theodor zu Guttenberg bescheinigen, dass er nicht aufrichtig, ehrlich und wahrheitsgem&#228;&#223; gehandelt hat, dass er get&#228;uscht, betrogen oder gelogen hat. Legitimierend wirkt eine wissenschaftliche Ethik, die das &#8220;Abschreiben&#8221; nicht erlaubt. Guttenberg wird durch sein Handeln zum Plagiator, zum &#8220;scientific outlaw&#8221;. Die_der Patient_in wird ebenfalls – aber von au&#223;en – falsch zitiert und zum geschlechtliche Anderen konstruiert.</p>
<p>Der Plagiator wurde enttarnt. Das Outing kam nachgelagert. Die &#214;ffentlichkeit wurde darauf aufmerksam gemacht, dass er abgeschrieben hat. Der Doktortitel wurde aberkannt. Das Coming-Out der_des Patient_in als Trans* Person war vermutlich der Versuch, dem Vorwurf einer &#8220;geschlechtlichen T&#228;uschung&#8221; entgegenzuwirken und m&#246;gliche gewaltsame Konsequenzen auszuhebeln. Denkbar w&#228;re aber auch, dass ihre_seine geschlechtliche Orientierung aufgrund der Behandlung oder der Krankenakte im medizinischen Personal &#8220;durchsickerte&#8221;. In jedem Fall war die vermeintliche &#8220;T&#228;uschung&#8221; bekannt und f&#252;hrte dazu, dass die Person ohne ihr Wissen gedem&#252;tigt und der Gewalt ausgesetzt wurde. Diese Abgrenzungsleistung des Personals reproduziert im gleichen Atemzug die heteronormative Zweigeschlechtlichkeit durch die Konstruktion eines Anderen.</p>
<p><strong>„T&#228;uschung“-“Wahrheit“-Eindeutigkeit</strong></p>
<p>Wo eine &#8220;T&#228;uschung&#8221; ist, da ist das Feld des Aufruhrs nicht weit. Eine &#8220;T&#228;uschung&#8221; zu entlarven ist machtvoll: Sie diskreditiert die betroffenen Personen: Im harmloseren Fall ist der Ruf gesch&#228;digt, eine Karriere vorbei, im schlimmsten Fall erfolgt ein (gewaltsamer) &#220;bergriff. Das Pendant der &#8220;T&#228;uschung&#8221; ist die &#8220;Wahrheit&#8221; als Eindeutigkeit. Mehr noch, schon die &#8220;Wahrheit&#8221; ist die erste &#8220;T&#228;uschung&#8221;. Die des ehrlichen und akademisch korrekten Politikers. Oder die eines_r Patient_in mit eindeutigem Geschlecht.</p>
<p>Doch zur&#252;ck zu Guttenberg und der_dem Patient_in: Das eigene Wissen um eine vermeintliche &#8220;T&#228;uschung&#8221;, derer man bezichtigt werden k&#246;nnte, bedeutet, dass Angst vorhanden ist. Eine Angst davor, dass eine Entlarvung zum Ausschluss oder zur Gewalt f&#252;hren k&#246;nnte. Guttenberg musste das sp&#252;ren, die_der Patient_in ebenfalls. Mit anderen Worten: Im Alltag existiert eine gewaltsame &#220;berlegenheit der Eindeutigkeit. Das gro&#223;e Verbot der &#8220;T&#228;uschung&#8221; impliziert ein best&#228;ndiges Auffordern zur &#8220;T&#228;uschung&#8221;, denn in der &#8220;Wahrheit&#8221;“ liegt bereits eine erste &#8220;T&#228;uschung&#8221;. Scheitert eine Person an ihren &#8220;T&#228;uschungen“, ist dies kein individuelles Versagen, sondern eine – auch in Guttenbergs Fall – gesellschaftliche Position, die sie_er markiert. Guttenbergs sexistische Legitimierungsstrategie der &#220;berforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei nur eine Komponente, die zeigt, wie sehr es sich hierbei neben (s)einer wissenschaftlichen &#8220;T&#228;uschung&#8221; auch um eine m&#246;glicherweise eigene geschlechtliche &#8220;T&#228;uschung&#8221; in Bezug auf die eigene M&#228;nnlichkeit handeln k&#246;nnte. Die Entt&#228;uschung einer M&#228;nnlichkeit, die alles richtig machen wollte, um in seiner Eindeutigkeit nach Erfolg in Beruf und Familie zu streben. Es bleibt dabei: Es existiert eine Wirkm&#228;chtigkeit der (geschlechtlichen) Eindeutigkeit oder anders formuliert: der Sehnsucht nach Authentizit&#228;t und Ehrlichkeit, die sich in beiden Beispielen abzeichnet.</p>
<p><strong>Einladung</strong></p>
<p>In Bremen finden in diesem Fr&#252;hjahr initiiert von der <a href="http://www.rosa-luxemburg.info/">Rosa Luxemburg Initiative Bremen</a> verschiedene queer-feministische Veranstaltungen statt. Akteur_innen wollen zu Diskussionen anregen und aktuelle Transformationen und Verschiebungen der Geschlechtertheorien und Interventionen im Neoliberalismus beleuchten. Diskurse um &#8220;T&#228;uschung&#8221;, &#8220;Wahrheit&#8221; und Eindeutigkeit, Biologie, Medizin und Intersektionalit&#228;t spielen dabei ebenso eine Rolle wie die M&#246;glichkeiten und Grenzen queer-feministischer Interventionen in der feministischen M&#228;dchenarbeit.</p>
<p>In der n&#228;chsten Veranstaltung „Warum es biologisch Frau und Mann nicht gibt“ am 20. Mai 2011 um 20 Uhr im Infoladen in Bremen (St.Pauli Stra&#223;e 10-12, 28203 Bremen) reflektiert Heinz-J&#252;rgen Voss das System der Zweigeschlechtlichkeit aus konstruktivistischer Perspektive. Am 28. Mai 2011 um 20 Uhr werden im Infoladen Bremen die Debatten um Queer-Theory und Queer Politics in Deutschland von Franziska Rauchut zur Diskussion gestellt. Am 13. Juni 2011 um 19.30 Uhr stelle ich das Buch „Feministische M&#228;dchenarbeit weiterdenken. Zur Aktualit&#228;t eines bildungspolitischen Ansatzes“ in der Villa Ichon (Goetheplatz 4, 28203 Bremen) vor.</p>
<p>Wir Veranstalter_innen freuen uns &#252;ber Interessierte, die Lust haben, sich der Kritik der Geschlechterverh&#228;ltnisse zu stellen. Sie sind aufs Herzlichste eingeladen.</p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p>Baumann, Birgit (2011) (Der Standard online ): Guttenberg erkl&#228;rt sich. „War hochm&#252;tig und &#252;berlastet“.<br />
<a href="http://derstandard.at/1297818756254/Guttenberg-erklaert-sich-War-hochmuetig-und-ueberlastet">http://derstandard.at/1297818756254/Guttenberg-erklaert-sich-War-hochmuetig-und-ueberlastet</a> [letzter Abruf 16. Mai 2011].</p>
<p>Prantl, Heribert (2011) Die S&#252;ddeutsche online: „Das Elend des talentierten Herrn Guttenberg“.<br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsaffaere-bundeswehrreform-kundus-affaere-das-elend-des-talentierten-herrn-guttenberg-1.1094287">http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsaffaere-bundeswehrreform-kundus-affaere-das-elend-des-talentierten-herrn-guttenberg-1.1094287</a> [letzter Abruf 16. Mai 2011].</p>
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		<title>Biopolitischer Rassismus der b&#252;rgerlichen Mitte im Hamburger Stadtteil St. Georg</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Apr 2011 19:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Schrader</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter der &#220;berschrift Chronik einer Woche fordert die Hansaplatz Initiative ein lebenswertes Umfeld f&#252;r Familien mit Kindern im Stadtteil Hamburg St. Georg. Der traditionell ans&#228;ssige Stra&#223;enstrich soll in ein abgelegenes Gewerbegebiet im haupts&#228;chlich f&#252;r seine industrielle Nutzung bekannten Stadtteil Rothenburgsort verlagert werden, um endlich „menschenw&#252;rdige Verh&#228;ltnisse f&#252;r alle, (…) den Schutz der Kinder“, sowie die Ansiedlung einer bunten Vielfalt von Kunst und Kultur, Einzelhandel und Gastronomie am und um den Hansaplatz zu erm&#246;glichen. Unter dem Deckmantel der bunten Vielfalt kommt hier ein biopolitischer Rassismus der b&#252;rgerlichen Mitte zum Tragen, wie er aus vielen europ&#228;ischen Gro&#223;st&#228;dten und ihrer Gentrifizierungslogik bekannt ist. Zur Durchsetzung ihrer individuellen Ziele ist der Initiative offensichtlich jede Argumentation – und sei sie noch so haltlos – recht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Unter der &#220;berschrift Chronik einer Woche (<a href="http://initiative-hansaplatz.de/index.html">http://initiative-hansaplatz.de/index.html</a>) fordert die Hansaplatz Initiative ein lebenswertes Umfeld f&#252;r Familien mit Kindern im Stadtteil Hamburg St. Georg. Der traditionell ans&#228;ssige Stra&#223;enstrich soll in ein abgelegenes Gewerbegebiet im haupts&#228;chlich f&#252;r seine industrielle Nutzung bekannten Stadtteil Rothenburgsort verlagert werden, um endlich „menschenw&#252;rdige Verh&#228;ltnisse f&#252;r alle, (…) den Schutz der Kinder“, sowie die Ansiedlung einer bunten Vielfalt von Kunst und Kultur, Einzelhandel und Gastronomie am und um den Hansaplatz zu erm&#246;glichen. Unter dem Deckmantel der bunten Vielfalt kommt hier ein biopolitischer Rassismus der b&#252;rgerlichen Mitte zum Tragen, wie er aus vielen europ&#228;ischen Gro&#223;st&#228;dten und ihrer Gentrifizierungslogik bekannt ist. Zur Durchsetzung ihrer individuellen Ziele ist der Initiative offensichtlich jede Argumentation – und sei sie noch so haltlos – recht.</strong></p>
<p>So wird in dem Artikel der Hansaplatz Initiative eine soziale Einrichtung zur Betreuung drogengebrauchender, sich prostituierender Frauen als semikriminelle Vereinigung diffamiert, die Menschenh&#228;ndlerInnen und deren ProfiteurInnen gewissenlos in die H&#228;nde spiele. „Prostitution in Verbindung mit Menschenhandel ist jedoch eine Tatsache (…). Eine bewusste Negierung dieser Tatsache gleicht einer unverantwortlichen Verschleierungstaktik. (…) Wer da wegschaut, wie es nun ragazza e.V. fordert und Teile von Politik und Gesellschaft eh praktizieren, f&#246;rdert diesen Menschenhandel.“ Die Argumentation basiert auf einer v&#246;llig falschen Interpretation der berechtigten Forderung von ExpertInnen und Professionellen, Sexarbeit nicht permanent mit dem Thema Menschenhandel zu vermischen, und st&#252;tzt sich auf Zitate, die bewusst entstellend aus dem Kontext gerissen wurden. Menschenhandel ist selbstredend ein Verbrechen. Aber der hegemoniale Menschenhandelsdiskurs, der Sexarbeit vereinnahmt, ist gef&#228;hrlich, da Sexarbeiterinnen darin immer nur als Opfer verhandelt werden und ihnen keine eigenst&#228;ndige Handlungsf&#228;higkeit zugewiesen wird. W&#252;rden die AgitatorInnen dieser Initiative genauer die Konzepte der sozialen Einrichtungen lesen, dann w&#252;ssten sie, dass es in erster Linie um Empowermentans&#228;tze f&#252;r Sexarbeiterinnen geht, um Handlungsstrategien gegen Ausbeutung und Abh&#228;ngigkeit zu entwickeln. Menschen werden nicht handlungsf&#228;hig, indem sie aus dem st&#228;dtischen Raum in Vororte oder Industriegebiete verdr&#228;ngt werden. Das ist eine Logik, die nur denen etwas bringt, die ihre sch&#246;ne neue, saubere und City-nahe Welt durch die Anwesenheit der Marginalisierten nicht gest&#246;rt wissen wollen. Die sozialen Einrichtungen weisen immer wieder darauf hin, dass das Leben von Sexarbeiterinnen hart und gef&#228;hrlich ist, weil sie in Folge der Sperrgebietsverordnung kriminalisiert werden und Repressionen ausgesetzt sind. Durch solche Ma&#223;nahmen liefert die Exekutive die Sexarbeiterinnen dem Missbrauch durch Zuh&#228;lterInnen und Freiern aus.</p>
<p>Viele Sexarbeiterinnen aber w&#252;rden ihre Arbeit gern verlassen, denn es ist, wie viele andere T&#228;tigkeiten im Kapitalismus auch, eine Form entfremdeter Arbeit; aber es existieren keine Alternativen (Ward 2007). Speziell f&#252;r Menschen, die am Existenzminimum leben, ist Sexarbeit oft die einzige M&#246;glichkeit ihr &#220;berleben zu sichern. Die &#252;bernehmen Arbeiten, die die Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft als inakzeptabel ablehnen, deren Nutznie&#223;er sie aber oft sind. Deshalb verwahren sich Sexarbeiterinnen und soziale Einrichtungen gegen die Gleichsetzung von Frauenhandel und Sexarbeit. Sexarbeit ist Arbeit und eine Dienstleistung. Sie darf niemals mit einem Verbrechen und einer Menschenrechtsverletzung wie Frauenhandel gleichgesetzt werden. „Die begriffliche Vermischung verst&#228;rkt die Stigmatisierung, die dem Bereich Prostitution eingeschrieben ist; sie assoziiert Sexarbeit mit Gewalt und setzt Prostitution und Migration mit Frauenhandel gleich. Dabei wird auch vermittelt, dass einer Gruppe von Frauen zugestanden wird, in der Sexarbeit freiwillig t&#228;tig zu sein und der anderen Gruppe &#8211; Migrantinnen &#8211; nicht. Einer Migrantin wird grunds&#228;tzlich weniger Entscheidungsautonomie zugestanden (El-Nagashi 2007).“ Gleiches gilt nat&#252;rlich auch f&#252;r die Gruppe der Drogengebrauchenden Sexarbeiterinnen, ihnen wird jegliche Entscheidungsautonomie abgesprochen. Gerade weil die Prostitution zwar vom b&#252;rgerlichen Milieu nachgefragt, aber nicht als legale Dienstleistung akzeptiert wird, entstehen die Bedingungen f&#252;r Ausbeutung und Menschenhandel.</p>
<p>Um ihr Ziel durchzusetzen, greift die Hansaplatz Initiative die sozialen Einrichtungen an, die erst daf&#252;r gesorgt haben, dass St. Georg ein so lebenswerter Stadtteil geworden ist, dass sich selbst die Mitglieder dieser Initiative vorstellen konnten hier zu wohnen. Die sozialen Einrichtungen und Projekte haben seit Jahren Kontakt zu den Menschen, die jetzt vertrieben werden sollen. Um diesen Vorsprung aufzuholen, m&#252;ssen die AkteurInnen der Hansaplatz Initiative das Wohl von Kindern instrumentalisieren, um die zu beschimpfen und zu vertreiben, deren Eltern oft nicht &#252;ber das finanzielle, soziale und kulturelle Kapital verf&#252;gten, ihnen Schutz und ein abgesichertes Leben zukommen zu lassen. Offensichtlich wollen sie nur ihre eigenen Kinder vor Armut, schmutzigen Jobs, Krankheiten, Deklassierung, Ausgrenzung und anderen Zumutungen des Lebens sch&#252;tzen. Ihre Kinder sollen nicht sehen, was es bedeutet, in dieser Gesellschaft &#252;berfl&#252;ssig zu sein. Ihre Welt soll anders aussehen: kulturvoll, bunt und mit einer in jeder Hinsicht perspektivreichen Zukunft. Allerdings sollte das f&#252;r alle Kinder und Menschen zutreffen. Die L&#246;sung kann nicht darin bestehen, dass die, deren Schicksal an die gesellschaftliche Verantwortung erinnert, aus dem Blickfeld entfernt werden und dann so getan wird, als sei das Problem damit erledigt. Die AutorInnen des Hansaplatz-Artikels wissen offensichtlich nicht, dass sich auch diese Menschen nichts anderes w&#252;nschen, als ein normales Leben f&#252;hren zu k&#246;nnen. Sie haben nicht die M&#246;glichkeit im Internet auf ihre Situation oder die ihrer Kinder aufmerksam zu machen. Sie k&#246;nnen froh sein, wenn ihre Kinder und sie selbst &#252;berleben. Da sie keine Stimme in dieser Gesellschaft haben, sind soziale Einrichtungen oft ihr einziges Sprachrohr.</p>
<p>Jedoch will die Hansaplatz Initiative nicht h&#246;ren, was diese Menschen zu sagen haben, und soziale Einrichtungen sollen das „Elend“ unsichtbar und im Sinne der b&#252;rgerlichen Mitte verwalten. Diese rabiate und alle Formen der Fairness verletzende Vorgehensweise der Hansaplatz Initiative ist nur durch biopolitischen Rassismus zu erkl&#228;ren. Dieser hat sich mit dem Aufkommen der Bio-Macht im 19. Jahrhundert als grundlegender Mechanismus der Macht in modernen Staaten etabliert, es ist die Macht „leben zu machen oder in den Tod zu sto&#223;en (Foucault 1995: 165/ebd. 1999: 301).“ Rassismus sei ein Mittel im Bereich des Lebens, eine Z&#228;sur einzuf&#252;hren zwischen dem was Leben darf und dem was sterben muss. Schon die Unterteilung der „Rassen“ und Hierarchien festzuschreiben und bestimmte „Rassen“ abzuwerten, zeige die Macht, die dieses Feld besetzt. Die erste Funktion des Rassismus liege darin, zu fragmentieren. Es sei eine Art und Weise bestimmte Gruppen im Inneren der Bev&#246;lkerung gegeneinander auszuspielen (ebd. 1999: 301). Rassismus habe noch eine zweite Funktion, die positive Konnotation zum T&#246;ten aufzustellen: „je mehr du sterben l&#228;&#223;t, um so mehr wirst du eben deswegen leben (ebd.).“ Nach Foucault ist das keine Erfindung des Rassismus oder der modernen Staaten, sondern eine kriegerische Beziehung: Wenn Du leben willst, musst du t&#246;ten. Rassismus l&#228;sst diesen kriegerischen Typ funktionieren. „Der Tod des anderen bedeutet nicht einfach mein &#220;berleben in der Weise, da&#223; meine pers&#246;nliche Sicherheit erh&#246;ht; der Tod des Anderen, der Tod der b&#246;sen Rasse, der niederen (der degenerierten oder anormalen) Rasse wird das Leben im allgemeinen ges&#252;nder machen; ges&#252;nder und reiner. (…) Rasse, Rassismus ist die Bedingung f&#252;r die Akzeptanz des T&#246;tens in einer Normalisierungsgesellschaft (ebd., 302).“ Es handele sich nicht um eine milit&#228;rische oder politische Beziehung, sondern um eine biologische: Die zu unterdr&#252;ckenden Feinde sind nicht politische Gegner, sie sind &#228;u&#223;ere und innere Gefahren f&#252;r die Bev&#246;lkerung (ebd.).</p>
<p>Unter T&#246;tung wird nicht direkter Mord verstanden, so Foucault, „sondern auch alle Formen des indirekten Mordes: jemanden der Gefahr des Todes ausliefern, f&#252;r bestimmte Leute das Todesrisiko oder ganz einfach den politischen Tod, die Vertreibung, Abschiebung usw. zu erh&#246;hen (ebd., 302).“</p>
<p>Was tut die Hansaplatz Initiative anderes? Ihre ApologetInnen fordern die Vertreibung, Inhaftierung und Abschiebung von Menschen, die angetrieben von existentieller Not seit Jahrzehnten im Stadtteil um ihr &#220;berleben k&#228;mpfen. Die MitarbeiterInnen der sozialen Projekte wissen, wie fragil der physische und psychische Zustand dieser Menschen ist und welche existenzbedrohenden Konsequenzen derartig einschneidende Ver&#228;nderungen in der Szene nach sich ziehen. Deshalb rufen sie zu Demonstrationen auf und nehmen nicht billigend das Elend und den Tod von Mitmenschen in Kauf, nur um Kindern, deren Eltern in angesagten Stadteilen wohnen wollen, eine heile Welt vorzuspielen (siehe Plakat <a href="http://initiative-hansaplatz.de/index.html">http://initiative-hansaplatz.de/index.html</a>).</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<ul>
<li> El-Nagashi, Faika Anna (2007): Interview f&#252;r die Zeitschrift &#8220;malmoe&#8221;<br />
<a href="http://no-racism.net/article/2077">http://no-racism.net/article/2077</a></li>
<li> Foucault, Michel (1995): Der Wille zum Wissen, Frankfurt am Main.<br />
ebd.(1999): Vorlesung vom 17. M&#228;rz 1976. In ebd.: In Verteidigung einer Gesellschaft. Vorlesung am Collège de France 1975 – 76, Frankfurt am Main, 291.</li>
<li> Helen Ward (2007): Marxismus versus Moralismus.<br />
<a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd7807/t407807.html">http://www.trend.infopartisan.net/trd7807/t407807.html</a></li>
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