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	<title>Feministisches Institut Hamburg</title>
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		<title>Recht auf Stra&#223;e(-nstrich)! Stadtentwicklungspolitik als Spiegel gesellschaftlicher Ausschl&#252;sse Ein Workshop erkundet st&#228;dtische Vertreibungspolitiken und Widersetzungspraxen</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 14:40:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stella Gaertner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die akteuellen Verdr&#228;ngungspolitiken gegen&#252;ber Sexarbeiter_innen, aber auch das Schweigen vieler linker stadtpolitischer Bewegungen zu diesem Thema nahm Ragazza, das Hamburger Projekt f&#252;r drogengebrauchende Sexarbeiterinnen, zum Anlass, in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen internationalen Workshop zu organisieren. Unter dem Titel „Stadt, Prostitution, Vertreibung“ wurden Handlungsstrategien gegen repressive staatliche Politiken und medientr&#228;chtige Skandalisierungen diskutiert...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die aktuellen Verdr&#228;ngungspolitiken gegen&#252;ber Sexarbeiter_innen, aber auch das Schweigen vieler linker stadtpolitischer Bewegungen zu diesem Thema nahm <a href="http://www.ragazza-hamburg.de">Ragazza</a>, das Hamburger Projekt f&#252;r drogengebrauchende Sexarbeiterinnen, zum Anlass, in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen internationalen Workshop zu organisieren. Unter dem Titel „Stadt, Prostitution, Vertreibung“ wurden Handlungsstrategien gegen repressive staatliche Politiken und medientr&#228;chtige Skandalisierungen diskutiert.</strong></p>
<p>Der Verkauf sexueller Dienste war stets begleitet von einem Ringen um &#246;konomische, rassifizierende Verh&#228;ltnisse und Geschlechterverh&#228;ltnisse, um Vorstellungen von Ordnung und Moral. Diese Konflikte fanden ihren Ausdruck in gesellschaftlichen Regulierungen und in stadtr&#228;umlichen Ordnungen. Nach den selbstorganisierten K&#228;mpfen der Hurenbewegung in den 1980ern l&#228;sst sich heute f&#252;r eine – potentiell solidarische – Linke in Deutschland ein weitgehendes Schweigen zu dem Thema Sexarbeit feststellen, in feministischen Kontexten sind regressive Positionen besonders lautstark. Aktuell organisieren sich verschiedene Bewegungen um Konflikte zum Thema Stadt herum, gleichwohl sind die Verdr&#228;ngungspolitiken gegen&#252;ber Sexarbeiter_innen darin selten Thema. Dies nahm Ragazza , das Hamburger Projekt f&#252;r drogengebrauchende Sexarbeiterinnen, zum Anlass, in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen internationalen Workshop zu organisieren. Unter dem Titel „Stadt, Prostitution, Vertreibung“  (1) wurden Handlungsstrategien gegen die repressiven staatlichen Politiken und medientr&#228;chtige Skandalisierungen diskutiert. Ein weiterer Anlass war das 20j&#228;hrige Bestehen von Ragazza.<br />
Wie anderswo auch kommt es im Kontext einer &#246;konomisierten und rassifizierenden Stadtentwicklungspolitik in Hamburg St. Georg zu gesellschaftlichen Ausschl&#252;ssen. Sexarbeit soll aus dem aufzuschickenden Viertel verdr&#228;ngt werden, um einen Ort zu hinterlassen, der f&#252;r b&#252;rgerlich-<em>wei&#223;e </em>(2) Vorstellungen hergerichtet werden kann. Das Prostitutionsgesetz besteht seit 2002, bietet aber nur f&#252;r wenige Sexarbeiter_innen (3) eine Absicherung und hat kaum Auswirkungen auf eine gesellschaftliche Anerkennung der Arbeit. Diese Regulierung f&#252;hrt zudem zu neuen Differenzierungen innerhalb der Gruppe der Sexarbeiter_innen.<br />
Sexarbeit wird in St. Georg seit 1980 &#252;ber eine Sperrgebietsverordnung reguliert, welche Prostitution untersagt. Seit Anfang des Jahres 2011 wird diese in Kombination mit der Gefahrengebietsverordnung (4) &#252;ber Aufenthaltsverbote und Bu&#223;gelder &#252;ber mehrere hundert Euro versch&#228;rft umgesetzt. Effekt dieser Politik ist eine Potenzierung der Prekarit&#228;t von Sexarbeit in mehrerer Hinsicht: Durch den Druck, klandestiner zu arbeiten, werden weniger Kunden erreicht und somit weniger Einkommen erzielt. Gleichzeitig m&#252;ssen die durch Aufwertung und Repression gestiegenen Ausgaben ausgeglichen werden. Auf diese Weise verschwindet nicht die Sexarbeit, aber die M&#246;glichkeit, selbstbestimmt &#252;ber Arbeitsorte und -zeiten, Kunden und Praktiken zu entscheiden. Auf dem R&#252;cken einer prek&#228;ren Arbeiter_innenschaft wird eine Stadtpolitik durchgesetzt, die Gewerbe, Tourismus und Wohnen nach b&#252;rgerlichen Anspr&#252;chen bereitstellen will.<br />
Auf dem Workshop verdeutlichte Jenny K&#252;nkel, dass Sexarbeit in einem Feld der globalen St&#228;dtekonkurrenz, in der die Metropolen um die Ansiedlung von Mittelklasse und Unternehmen werben, durchaus widerspr&#252;chlich eingelassen sein kann. Ein Teil dieser Politik bestehe in einem „Aufr&#228;umen“ der St&#228;dte; eine andere Strategie sei die der Umarmung, der Einbettung in Form eines Zelebrierens von verwertbarer Vielfalt. W&#228;hrend Sexindustrie in St. Pauli als touristischer Magnet und Mythos vermarktet wird, gilt der Stra&#223;enstrich in St. Georg als „Schmuddel-Ecke“ und St&#246;rfaktor f&#252;r st&#228;dtische Aufwertungs- und Gentrifizierungsprozessen.<br />
Differente soziale Positionen und Lebensalltage der Sexarbeiterinnen f&#252;hren zu unterschiedlichen Formen der Prekarisierung. Wie Kathrin Schrader am Beispiel St. Georg erl&#228;uterte, setzt die Regulierung von Sexarbeit auf diese Differenzierungen. Die Position der Sexarbeiterinnen wird erneut geschw&#228;cht; die Disziplinierungsanforderungen zwischen Hilfesystem und Kriminalisierung stellen sich widerspr&#252;chlich dar. Schrader zeigte dabei auf, dass die – oft verneinte – Handlungsmacht von Sexarbeiterinnen als Moment von Konflikten ber&#252;cksichtigt werden muss. Diese besteht beispielsweise in Widersetzungen gegen Regulierungen und Zuschreibungen, der Inanspruchnahme juristischer Mittel und in der Suche von Schlupfl&#246;chern sowie gemeinschaftlichen Ans&#228;tzen der Arbeitsorganisierung. Um den Spaltungsversuchen entgegenzuwirken, ist f&#252;r Schrader eine Zur&#252;ckweisung von rassistischen Zuschreibungen, wie Anwohner_innen und Presse, aber auch einige Sexarbeiter_innen sie bedienen, notwendig. Soziale Einrichtungen verm&#246;gen ihr zufolge innerhalb rassistischer Verh&#228;ltnisse wenig Unterst&#252;tzung zu leisten, solange sich wei&#223;e Hegemonien in der Zusammensetzung der Mitarbeiter_innen, aber auch in Praxen und Positionen widerspiegeln.<br />
Egal, ob sie aus Amsterdam, Linz oder Berlin kamen, neben den st&#228;dtischen Aufwertungsprozessen ist die Verkn&#252;pfung der Themen Migration, Sexarbeit und Rassismus f&#252;r fast alle Teilnehmenden des Workshops zentrales Thema ihrer lokalen Arbeit. Gergana Schrenk vom Linzer Projekt <a href="http://www.maiz.at">Maiz </a>legte dar, dass eine Auseinandersetzung mit Zusammenh&#228;ngen von globaler Migration und unterschiedlichen prek&#228;ren Arbeitsfeldern Sexarbeit aus ihrer diskursiven Sonderrolle zu holen verm&#246;ge. Bislang verbleibe der Diskurs um Sexarbeit und Migration oft in der Rede &#252;ber „fremde Opfer“. Ein Beispiel hierf&#252;r ist die nach wie vor h&#228;ufige selbstverst&#228;ndliche Gleichsetzung von Sexarbeit und Frauenhandel. Die Folge sei dann nicht eine Erm&#228;chtigung der Position der migrierten Sexarbeiterinnen, sondern eine (west-)europ&#228;ische Abschottungspolitik und die Entm&#252;ndigung der arbeitenden und bisweilen subversiven Subjekte. Die Erkenntnis struktureller &#196;hnlichkeiten all der prek&#228;ren Arbeiten, die vor allem von migrierten Menschen / Frauen ausge&#252;bt werden, r&#252;cke dagegen globale Arbeitsverh&#228;ltnisse und -strukturen in den Fokus der Kritik.</p>
<p>In K&#228;mpfen f&#252;r gute Arbeits- und Lebensbedingungen f&#252;r Sexarbeiter_innen muss es als erstes, da waren sich alle Anwesenden einig, um die Anerkennung von Sexarbeit als einer Arbeit gehen, die anderen Formen von Erwerbst&#228;tigkeit gleichwertig ist. Eine solidarische Haltung und Handlungsstrategien, die auf Selbsterm&#228;chtigung von Sexarbeiter_innen abzielen, setzen in vielfacher Hinsicht eine Reflexion und Selbstpositionierung aller Beteiligten voraus. Grunds&#228;tzlich stellt sich bei dem Engagement sozialer Projekte immer die Frage, wer f&#252;r wen spricht. Jenny K&#252;nkel mahnte dar&#252;ber hinaus an zu hinterfragen, welche Diskurse mit dem Sprechen angerufen werden. So d&#252;rfe es beispielsweise nicht einfach um eine R&#252;ckeroberung des &#246;ffentlichen Raums gehen, ohne dabei zu betrachten, dass diese Politik an konservative Verst&#228;ndnisse anzuschlie&#223;en vermag. Ein Sprechen f&#252;r Sexarbeit m&#252;sse sich daher immer &#252;ber einen Abwehrkampf hinaus positionieren.<br />
Diese Reflexionen zu Handlungsstrategien stellen Ankn&#252;pfungspunkte f&#252;r das Hamburger B&#252;ndnis<a href="http://rechtaufstrasse.blogsport.de"> „Recht auf Stra&#223;e“ </a>dar. Aus feministisch-linker Perspektive begegnete das B&#252;ndnis den Konflikten um Sexarbeit bisher mit einer Kundgebung auf dem Hansaplatz in St. Georg – als Symbolort der Verdr&#228;ngung – sowie Diskussionsveranstaltungen und Aktionen. Eine feministische Perspektive bedeutet f&#252;r das B&#252;ndnis zu verdeutlichen, dass nicht die Sexarbeiter_innen das &#220;bel sind, sondern die gesellschaftlichen Umst&#228;nde, die zu Sexarbeit und ihrer prek&#228;ren Situation f&#252;hren. Die gegens&#228;tzliche Politik um Sexarbeit, die die Stadt Hamburg in St.Pauli einerseits, in St. Georg andererseits verfolgt, kritisiert das B&#252;ndnis entsprechend auch aus antikapitalistischer und migrationspolitischer Sicht. Die Verdr&#228;ngung der Sexarbeit in St. Georg stelle sich demnach explizit als eine Verdr&#228;ngung der besonders Prekarisierten (unsicherer Arbeits-/Aufenthaltsstatus, Drogengebrauch) dar.</p>
<p>Die Notwendigkeit, unterschiedlich wirkende Herrschaftsverh&#228;ltnisse zusammenzudenken, wurde innerhalb des Workshops &#252;berdeutlich. Eine solche Perspektive stellt eine wichtige Strategie gegen Vereinnahmungs-, Spaltungs- und Verwertungspolitiken dar. Die diskursive Legitimierung der Verdr&#228;ngungsbestrebungen basiert neben gesellschaftlichen Dominanzpositionen auf dem Bild, das &#252;ber Sexarbeit vorherrscht. Sexarbeit wird in hegemonialen Diskursen nicht als – wenn auch prek&#228;re, vulnerable – Arbeit im Kontext globaler Migration und Arbeitsteilung repr&#228;sentiert, sondern als kriminell, als moralisch deviant. Hier wirken Bilder von Sexualit&#228;t, Geschlechterverh&#228;ltnissen, Intimit&#228;t, Privatheit und &#214;ffentlichkeit. Gerade die um das Thema Sexarbeit oft gef&#252;hrte Diskussion um Freiwilligkeit und Selbstbestimmung kann nur dann emanzipatorisch sein und erneuten (Fehl- und Fremd-)Repr&#228;sentationen begegnen, wenn sie aufzeigt, dass die Frage nach der Freiwilligkeit und der Einbeziehung des gesamten K&#246;rpers innerhalb der Kontexte von Lohnarbeit und rassifizierenden wie vergeschlechtlichten Arbeitsverh&#228;ltnissen f&#252;r alle Arbeitenden widerspr&#252;chlich zu beantworten ist.</p>
<p><strong>Fu&#223;noten<br />
</strong><br />
(1) Ein ausf&#252;hrlicher Bericht zum Workshop „Stadt, Prostitution, Vertreibung“, der am 2.12.2011 stattfand, steht demn&#228;chst unter <a href="http://www.rosalux.de ">www.rosalux.de </a>.<br />
(2) Mit der Benennung von <em>wei&#223; </em>soll seine Selbstverst&#228;ndlichkeit als unsichtbare gesetzte Norm demaskiert werden. <em>Wei&#223;e </em>Privilegien sollen so sichtbar gemacht und die damit zusammenh&#228;ngenden Geschichten von Kolonialismus und Rassismus aufgedeckt werden. Werden <em>wei&#223;e </em>Positionen nicht bezeichnet, bleibt ihre Erlangung durch einen privilegierten Status in einem rassistischen und klassifizierenden Gesellschaftszusammenhang verdeckt. Zudem wird mit der Kursivschreibung der Konstruktions-Charakter von <em>wei&#223; </em>hervorgehoben.<br />
(3) In diesem Text sprechen wir von Sexarbeiter_innen, wenn nicht explizit nur Frauen gemeint sind. Der Unterstrich soll aufzeigen, dass auch vielf&#228;ltige weitere sexuelle Identit&#228;ten (kindlich, m&#228;nnlich, trans, poly&#8230;) nachgefragt und angeboten werden.<br />
(4) Das Hamburger Polizeigesetz erm&#246;glicht damit verdachtsunabh&#228;ngige Personenkontrollen, Durchsuchungen, Aufenthaltsverbote oder Ingewahrsamnahmen. F&#252;r St. Georg liegt der Fokus auf Drogenkonsument_innen.</p>
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		<title>Die Spendenaktion zur Rettung des Frauenhaus Wedel</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 18:20:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Nordmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die ersten Frauenh&#228;user in der BRD wurden in den 1970er Jahren im Kontext der Autonomen Frauenbewegung gegr&#252;ndet. Bis heute sind sie zentraler Bestandteil des Schutz- und Beratungsangebots f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen. In Schleswig-Holstein wurde jedoch die Streichung der Finanzierung des „Autonomen Frauenhaus Wedel“ und des “AWO Frauenhaus L&#252;beck“ beschlossen und dies trotz hoher Auslastung. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die ersten Frauenh&#228;user in der BRD wurden in den 1970er Jahren im Kontext der Autonomen Frauenbewegung gegr&#252;ndet. Bis heute sind sie zentraler Bestandteil des Schutz- und Beratungsangebots f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen. In Schleswig-Holstein wurde jedoch die Streichung der Finanzierung des „Autonomen Frauenhaus Wedel“ und des “AWO Frauenhaus L&#252;beck“ beschlossen und dies trotz hoher Auslastung. Die Begr&#252;ndung ist, dass dort Frauen aus anderen Bundesl&#228;ndern Schutz suchen. Die Sparma&#223;nahmen sind vor dem Hintergrund einer fehlenden bundesweiten Finanzierungssicherheit der Frauenh&#228;user zu sehen und folgen einer Politik, die zu Lasten der Opfer von Gewalt geht. Zur Rettung des Frauenhauses Wedel wurde deshalb eine Spendenaktion gestartet.</strong></p>
<p>Insgesamt hat die CDU/FDP Landesregierung Schleswig-Holstein die Einsparung von 48 Frauenhauspl&#228;tzen beschlossen. Ab Ende 2011 soll die F&#246;rderung wegfallen. Die Streichung geschieht ungeachtet der Tatsache, dass Frauenh&#228;user die einzigen Schutzeinrichtungen f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder sind. J&#228;hrlich suchen in den ca. 380 Frauenh&#228;usern bundesweit etwa 45.000 Frauen Schutz. Das von den Einsparungen betroffene Frauenhaus Wedel hat 15 Pl&#228;tze. Pro Jahr werden dort etwa 100 Frauen und deren Kinder aufgenommen, durchschnittlich ist das Haus zu 85% belegt. Die Begr&#252;ndung f&#252;r die Streichung der Finanzierung ist auch nicht, dass das Frauenhaus zu wenig ausgelastet sei. Die Landesregierung sagt vielmehr, dass in dem an der Grenze zu Hamburg gelegenen Frauenhaus zu viele Frauen aus anderen Bundesl&#228;ndern Schutz suchen und weigert sich, die Kosten f&#252;r deren Unterbringung zu tragen. Dar&#252;ber hinaus wird eine Zugangsbeschr&#228;nkung f&#252;r Frauen aus anderen Bundesl&#228;ndern in Schleswig-Holstein f&#252;r die &#252;brig bleibenden Frauenh&#228;user geplant.</p>
<p>Die Sparma&#223;nahmen der Landesregierung l&#228;sst die Situation der von Gewalt betroffenen Frauen v&#246;llig au&#223;er Acht. Oft k&#246;nnen Frauen aufgrund der Bedrohung nicht in der N&#228;he ihres bisherigen Wohnortes ein Frauenhaus aufsuchen. Sie fl&#252;chten deshalb aus Sicherheitsgr&#252;nden in Frauenh&#228;user, die z.T. sehr weit entfernt liegen. Mit der Streichung der Frauenhauspl&#228;tze verbindet die Landesregierung die Hoffnung, dass mit weniger Pl&#228;tzen auch weniger Frauen kommen. Doch nur weil Pl&#228;tze gestrichen werden, wird die Gewalt nicht weniger und der Bedarf an Schutz und Unterst&#252;tzung nicht geringer.</p>
<h3>Fehlende bundesweite Finanzierung der Frauenh&#228;user</h3>
<p>Die Diskussion um „zu viele“ Frauen aus anderen Bundesl&#228;ndern ist nicht nur zynisch, sondern auch vor dem Hintergrund einer fehlenden bundesweit einheitlichen, unb&#252;rokratischen Finanzierung der Frauenh&#228;user zu betrachten. In Schleswig-Holstein erhalten die Frauenh&#228;user &#252;ber das Finanzausgleichsgesetz (FAG) ihre Zuwendungen aus dem Kommunalen Finanzausgleich. Dieses Modell gilt im Vergleich zu anderen Finanzierungsmodellen als vorbildlich, da es den Frauenh&#228;usern durch eine pauschale Finanzierung Planungssicherheit garantiert und eine unb&#252;rokratische, anonyme und schnelle Aufnahme betroffener Frauen erm&#246;glicht. Die Hilfe der Frauenh&#228;user kann unabh&#228;ngig von der finanziellen Situation der betroffenen Frauen in Anspruch genommen werden; die ohnehin hohe H&#252;rde ein Frauenhaus aufzusuchen wird niedrig gehalten und dadurch dieser Schritt vielen Frauen erleichtert und erm&#246;glicht. Dies hat auch zur Folge, dass Schleswig-Holstein ein relativ gutes Netzwerk an Frauenh&#228;usern im Vergleich zu reicheren Bundesl&#228;ndern wie etwa Bayern oder Baden W&#252;rttemberg hat. In anderen Bundesl&#228;ndern basiert die Finanzierung von Frauenh&#228;usern auf einzelfallabh&#228;ngigen Tagess&#228;tzen. Die sogenannte Pro-Kopf-Finanzierung ist mit hohem b&#252;rokratischem Aufwand verbunden. Die Opfer von Gewalt m&#252;ssen individuell f&#252;r die Kosten des Frauenhausaufenthalts aufkommen. Ist dies den Betroffenen nicht m&#246;glich, muss die Kosten&#252;bernahme beantragt und genehmigt werden und das bevor eine Frau ein Frauenhaus aufsucht. Dieser b&#252;rokratische Umgang bringt Frauen in lebensbedrohliche Situationen. Viele Frauen wie z.B. Studentinnen sind au&#223;erdem von der Beantragung der Gelder ausgeschlossen. Einige Frauenh&#228;user mussten auf Basis dieser Finanzierung trotz des hohen Bedarfes schlie&#223;en, da sie &#252;ber l&#228;ngere Zeit nicht voll belegt waren, denn die betroffenen Frauen sind in ihrer bedrohlichen Situation i.d.R. nicht in der Lage ein Antragsverfahren durchzustehen.</p>
<h3>Gewalt gegen Frauen &#8211; die Gr&#252;ndung der ersten Autonomen Frauenh&#228;user</h3>
<p>Gewalt gegen Frauen war lange ein Tabuthema und wurde als Privatsache angesehen. Erst in den 1970er Jahren hat die Autonome Frauenbewegung das Ausma&#223; der Gewalt gegen Frauen &#246;ffentlich gemacht und sich f&#252;r gesellschaftliche Ver&#228;nderungen eingesetzt. Als politische Antwort darauf gr&#252;ndeten Frauengruppen nach dem Vorbild der Frauenh&#228;user in England 1976 die ersten Autonomen Frauenh&#228;user in Berlin und K&#246;ln. In deren Folge sind weitere Frauenh&#228;user als autonome feministische Projekte entstanden.</p>
<p>Nach wie vor ist der Bedarf an Frauenh&#228;usern gro&#223;: In seinem Staatenbericht (2009) hat das CEDAW (Convention on the Elimination of all Forms of Diskrimination against Women) Komitee der Vereinten Nationen (UN) die Bundesregierung aufgefordert die Finanzierung der Frauenh&#228;user in Deutschland angemessen sicherzustellen. Die derzeitige Politik verst&#246;&#223;t gegen die Menschenrechte und die Frauenrechtskonvention (CEDAW), die Deutschland selbst ratifiziert hat. Hinzu kommt, dass Schleswig-Holstein durch die Streichung der Pl&#228;tze noch weiter hinter den vom Europarat empfohlenen Standard von einem Frauenhausplatz pro 7.500 Einwohner zur&#252;ckf&#228;llt. Die Notwendigkeit von Frauenh&#228;usern als Schutz- und Unterst&#252;tzungseinrichtungen belegt eine Studie des Bundesministeriums f&#252;r Familie, Frauen, Senioren und Jugend von 2004, nach der jede vierte Frau mindestens ein- oder auch mehrmals in ihrer Beziehung k&#246;rperliche und sexuelle Gewalt erlebt. H&#228;usliche Gewalt betrifft Frauen aus allen Schichten, jeden Alters und ist unabh&#228;ngig von kulturellen Hintergrund, Religion oder Nationalit&#228;t. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen erweist sich allein schon der vom Europarat empfohlene Standard von Frauenhauspl&#228;tzen als verschwindend gering.</p>
<h3>Frauenhausarbeit</h3>
<p>Frauenh&#228;user verstehen sich nicht als betreuende soziale Einrichtungen, sondern als Hilfe zur Selbsthilfe und als politische Projekte, da sie Gewalt gegen Frauen skandalisieren und gesellschaftliche Ver&#228;nderungen anstreben. Teile dieses Selbstverst&#228;ndnisses zeigen sich auch heute in der Struktur und der allt&#228;glichen Arbeit der Autonomen Frauenh&#228;user. Hierzu geh&#246;rt z.B. der Anspruch von Hierarchiefreiheit, ein antirassistisches und feministisches Selbstverst&#228;ndnis und ein Verst&#228;ndnis von Frauenhausarbeit als politische Arbeit, in der &#214;ffentlichkeits- und Pr&#228;ventionsarbeit zu h&#228;uslicher Gewalt einen hohen Stellenwert haben. Dar&#252;ber hinaus bieten Frauenh&#228;user Beratung Schutz und Unterst&#252;tzung f&#252;r Frauen und deren Kinder, die vor k&#246;rperlicher, sexueller und/oder seelischer Gewalt fliehen. Die Adresse der Frauenh&#228;user ist aus Sicherheitsgr&#252;nden geheim. Aufnahmen sind 24 Stunden am Tag m&#246;glich. Einige Frauen wenden sich selbst telefonisch an ein Frauenhaus. Andere kommen &#252;ber eine Beratungsstelle oder die Polizei. Ist das Frauenhaus belegt, erfolgt eine Weitervermittlung. Frauenh&#228;user sind untereinander bundesweit vernetzt.</p>
<p>Die Mitarbeiterinnen arbeiten nach dem Bezugsfrauensystem, aufgeteilt in einen Frauen- und einen Kinderbereich, d.h. jede Frau und jedes Kind hat eine Mitarbeiterin, die haupts&#228;chliche Ansprechpartnerin ist. Die Frauen bleiben aber f&#252;r sich und ihre Kinder eigenverantwortlich. Die Mitarbeiterinnen begleiten und unterst&#252;tzen bei psychischer Stabilisierung, Verarbeitung der erfahrenen Gewalt und Entwicklung neuer Perspektiven f&#252;r ein gewaltfreies Leben. Viele Frauen kommen aufgrund einer &#252;berst&#252;rzten Flucht v&#246;llig ohne eigene Sachen und Unterlagen. Oft waren sie aufgrund der gewaltt&#228;tigen Beziehung sozial isoliert. Im Frauenhaus erfahren sie Sicherheit und Selbstbestimmung. Die Frauen bleiben so lange, wie sie brauchen, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist drei Monate &#8211; eine sehr kurze Zeit, um sich ein neues Leben aufzubauen.</p>
<h3>Spendenaktion 2012</h3>
<p>Das Autonome Frauenhaus Wedel ist aus einem Frauentreff heraus entstanden und existiert seit 25 Jahren. Es hat 15 Pl&#228;tze und bietet externe Beratung f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen. F&#252;nf qualifizierte Mitarbeiterinnen arbeiten dort in Teilzeit.</p>
<p>Das Frauenhaus hat einen Tr&#228;gerverein mit &#252;ber 60 Mitfrauen, sowie einen F&#246;rderverein. Das Frauenhaus Wedel ist Teil der sozialen Einrichtungen vor Ort und einzige Ansprechstelle zu h&#228;uslicher Gewalt in Wedel. Als bekannt wurde, dass das Frauenhaus ab Ende 2011 keine Gelder mehr bekommen soll, war die Unterst&#252;tzung sehr gro&#223;. Es wurden &#252;ber 5000 Unterschriften gesammelt, um die anstehenden Sparma&#223;nahmen zu verhindern. Ungeachtet dessen wurde mit nur einer Stimme Mehrheit das Sparpaket und somit auch die Streichung der Finanzierung des Frauenhauses beschlossen.</p>
<p>Daraufhin starteten die Vereinsfrauen und Mitarbeiterinnen eine Spendenaktion zur Rettung des Frauenhauses. Ziel ist mit Hilfe von Spenden das Jahr 2012 zu &#252;berbr&#252;cken und &#252;ber Verhandlungen auf allen politischen Ebenen wieder in die institutionelle F&#246;rderung zu kommen.</p>
<p>In nur vier Monaten wurden &#252;ber 100.000 Euro gespendet. Der aktuelle Stand der Spendenaktion liegt bei einer gesicherten Finanzierung von zehn Pl&#228;tzen. Ein Platz wird derzeit gef&#246;rdert mit 10.500 Euro pro Jahr. Das hei&#223;t, das Frauenhaus setzt seine Arbeit im n&#228;chsten Jahr fort, in welcher Form ist noch unklar. Offen bleibt auch die Frage, wie es nach dem Jahr 2012 weiter geht. Alle Parteien haben ihre Unterst&#252;tzung zugesagt, ob diesen Worten auch nach der Wahl im Jahr 2012 in Schleswig-Holstein Taten folgen? Die Vereinsfrauen und Mitarbeiterinnen sind skeptisch, da bisher politische Entscheidungen getroffen wurden, die nicht die Schutzbed&#252;rfnisse der Opfer von Gewalt in den Vordergrund stellen, sondern eine &#246;konomische Perspektive, die auf sehr kurzfristige Spareffekte zielt und deren langfristige Auswirkungen ignoriert.</p>
<h3>Finanzierungssicherheit f&#252;r Frauenh&#228;user</h3>
<p>Im November feiert das Autonome Frauenhaus Wedel sein 25j&#228;hriges Bestehen. Seine weitere Zukunft bleibt ungeachtet der offensichtlichen Notwendigkeit ungewiss. Trotz einer Enttabuisierung der Thematisierung von Gewalt gegen Frauen durch feministische queere Bewegungen, gibt es kein Anzeichen f&#252;r ihre Abnahme. Frauenh&#228;user leisten &#252;berlebenswichtige Unterst&#252;tzungsarbeit f&#252;r von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder, sowie unverzichtbare Aufkl&#228;rungs- und &#214;ffentlichkeitsarbeit. Finanzierungssicherheit ist die Basis f&#252;r diese Arbeit und zeigt die Anerkennung des politischen Konsenses, dass Gewalt gegen Frauen ein gesellschaftliches Problem ist.</p>
<p>Frauenh&#228;user folgen dem Prinzip, dass Frauen, die von Gewalt betroffen sind, aufgenommen werden &#8211; egal woher sie kommen. Die Finanzierungsfrage von Frauenhauspl&#228;tzen kann nicht zu Lasten der Opfer von Gewalt gehen, deren Entscheidungsfreiheit beschr&#228;nken und finanzielle und b&#252;rokratische Barrieren aufbauen. Es m&#252;ssen politische Antworten und Ma&#223;nahmen folgen, die grundlegende Menschenrechte anerkennen.</p>
<p>Die Spendenaktion zur Rettung des Frauenhauses Wedel l&#228;uft weiter, in der Hoffnung im Jahr 2012 alle Pl&#228;tze und die Arbeitsstellen aller Mitarbeiterinnen erhalten zu k&#246;nnen.</p>
<p>Zur Unterst&#252;tzung der Spendenaktion zur Rettung des Frauenhaus Wedel:</p>
<p>F&#246;rderverein Frauenhaus Wedel<br />
Konto: 95303<br />
Stadtsparkasse Wedel<br />
BLZ 2211730</p>
<p><a href="http://www.frauenhaus-wedel.de">http://www.frauenhaus-wedel.de</a><br />
<a href="info@frauenhaus-wedel.de">info[at]frauenhaus-wedel[dot]de</a></p>
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		<title>Unterhaltsrecht, Bildungsgutscheine und soziale Ungleichheit – Eine Polemik auf eine sozialpolitische Posse</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/soziale_ungleichheiten/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 17:43:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Steigende Kinderarmut, Bildungsgutscheine, Armutsrisiko Alleinerziehender, Vollzeitarbeit-Verpflichtung f&#252;r Alleinerziehende, fehlende Betreuungspl&#228;tze, unterbezahlte ErzieherInnen – diese Stichw&#246;rter markieren ein Feld voller ungel&#246;ster sozialpolitischer Probleme. In diesem politischen Feld versch&#228;rfen sich soziale Ungleichheiten immer weiter. Dennoch wird  in konsequent neoliberalem Gestus permanent von ‚F&#246;rderung‘, ‚Gleichheit‘ und ‚Selbstverantwortung‘ gesprochen. Eine Polemik zur andauernden sozialpolitischen Posse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Steigende Kinderarmut, Bildungsgutscheine, Armutsrisiko Alleinerziehender, Vollzeitarbeit-Verpflichtung f&#252;r Alleinerziehende, fehlende Betreuungspl&#228;tze, unterbezahlte ErzieherInnen – diese Stichw&#246;rter markieren ein Feld voller ungel&#246;ster sozialpolitischer Probleme. In diesem politischen Feld versch&#228;rfen sich soziale Ungleichheiten immer weiter. Dennoch wird  in konsequent neoliberalem Gestus permanent von ‚F&#246;rderung‘, ‚Gleichheit‘ und ‚Selbstverantwortung‘ gesprochen. Eine Polemik zur andauernden sozialpolitischen Posse.</strong></p>
<p>Es ist schon erstaunlich, wie wenig es im aktuell herrschenden politischen Diskurs notwendig zu sein scheint, das Zementieren sozialer Ungleichheiten zu verstecken, w&#228;hrend gleichzeitig mit Vokabeln hantiert wird, deren Bedeutungsrahmen vormals eigentlich das genaue Gegenteil skizzierten. Wie kann es eine ‚F&#246;rderung‘ sein, in Armut lebenden Familien, die nicht nur arm an &#246;konomischem, sondern auch an sozialem und kulturellem Kapital sind, durch beim Amt erh&#228;ltliche komplizierte Antragsformulare Bildungsgutscheine zukommen zu lassen? Wie kann von Gleichheit und Selbstverantwortung gesprochen werden, wenn erwerbst&#228;tigen Elternteilen nicht mehr l&#228;nger zugemutet werden soll Unterhalt an den/die Ex-PartnerIn zu zahlen, der/die das gemeinsame Kind versorgt, wenn dieseR stattdessen Vollzeit berufst&#228;tig sein soll, um sich den Lebensunterhalt selbst zu verdienen?  Und in welche Betreuungseinrichtung soll das Kind bittesch&#246;n gebracht werden, wenn Vollzeit mit Mittagspause mindestens 8,5 Stunden hei&#223;t und Fahrtwege von ca. 1 Stunde pro Tag mitgerechnet werden? Wer findet es v&#246;llig unproblematisch sein Kind 9,5h am Tag in eine (schlecht ausgestattete und g&#228;nzlich unterbezahlte) Betreuungseinrichtung zu geben – und in welche &#252;berhaupt? Und kann mensch vom dem Vollzeitjob dann &#252;berhaupt leben?</p>
<p>Man mag diese Aneinanderreihung von Fragen polemisch nennen – die soziale Realit&#228;t der von Armut und Bildungsungleichheit betroffenen Kinder, Eltern und Alleinerziehenden wird in Deutschland immer h&#228;rter und die damit einhergehenden sozialen Probleme und langfristigen Konsequenzen f&#252;r demokratische Gesellschaften werden m.E. schlichtweg &#252;bergangen. Der Film Berliner Rand aus dem Jahre 2010 hat eindrucksvoll diese Lebensrealit&#228;t von Jugendlichen in Berlin eingefangen (<a href=" http://www.hff-potsdam.de/de/studienbewerbung/ba-studiengaenge/drama0/lehrende/pdb/detail/0/0/becker-jens/0.html">Jens Becker</a>, <a href="http://www.dokumentarfilm.info/index.php?view=article&amp;id=172%3Adoku-tipp-berliner-rand&amp;option=com_content&amp;Itemid=62">Berliner Rand</a>). Der aktuelle Mikrozensus 2010 (<a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2011/Mikro__Kinder/pressebroschuere__kinder,property=file.pdf">Auszug des Statistischen Bundesamtes zur Lage von Kindern</a>) weist erneut auf das erh&#246;hte Armutsrisiko von Kindern und insbesondere von Kindern Alleinerziehender hin und nahezu gleichzeitig f&#228;llt der BGH sein Urteil (<a href="http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=57216&amp;pos=0&amp;anz=1">http://juris.bundesgerichtshof.de</a>) zum Unterhaltsrecht und st&#228;rkt damit das aus dem Jahre 2008 stammende neue Unterhaltsrecht: Demnach sollen alleinerziehende Geschiedene sich ihren Unterhalt ab dem 3. Lebensjahr des Kindes durch Vollzeiterwerbsarbeit selbst verdienen. Die Alleinerziehenden – meistens M&#252;tter – haben also die Wahl: Entweder sie haben aufgrund ihrer gering entlohnte Teilzeit-Erwerbst&#228;tigkeit kein Geld, das sie f&#252;r gemeinsame Aktivit&#228;ten, Bildung und Erziehung aber ben&#246;tigen. Oder sie werden zu Fr&#252;hst&#252;ck-ZubereiterInnen und Zu-Bett-BringerInnen f&#252;r Kinder, die sie als Vollzeit erwerbst&#228;tige Alleinerziehende fast nur noch schlafend kennen. Statt elterlicher F&#252;rsorge, Bindung und Gemeinsamkeit d&#252;rfen sie dann das verdiente Geld an die Betreuungseinrichtung weiter reichen.</p>
<p>Wie stark &#246;konomische Armut und Bildungsarmut zusammenh&#228;ngen, haben etliche Studien, Expertisen und Artikel immer wieder deutlich gemacht (z.B. <a href="http://www.unicef.de/presse/pm/2008/080526-wachsende-kluft-zwischen-kindern/">Unicef Bericht 2008</a>, <a href="http://www.feministisches-institut.de/kinderarmut/">http://www.feministisches-institut.de/kinderarmut/</a>). Der Kreislauf Aufwachsen in Armut – schlechte Bildungschancen – schlechte Teilhabem&#246;glichkeiten f&#252;r sich selbst und die sp&#228;teren eigenen Kinder, also die soziale Vererbung von Armut d&#252;rfte allseits bekannt sein. Dass dem nicht entschieden durch Umverteilung, <a href="http://www.feministisches-institut.de/grundeinkommen-2">bedingungsloses Grundeinkommen</a>, gut bezahlte ErzieherInnen, bessere Betreuungsschl&#252;ssel in Betreuungseinrichtungen usw. entgegengesteuert wird, l&#228;sst vermuten, dass die sich immer st&#228;rker etablierenden Klassenverh&#228;ltnisse gewollt zu sein scheinen. Wir haben es mit einer konsequenten Politik der Ungleichheit zu tun, deren Nebelbegriffe wie ‚Selbstverantwortung‘ und ‚Freiheit‘ letztlich nur verschleiern, dass ‚frei‘ immer nur die zu sein scheinen, die &#252;ber &#246;konomisches Kapital verf&#252;gen. Strukturelle Probleme der Arbeitsmarktpolitik, des Bildungssektors und der Sozialpolitik werden nach wie vor zu Individualproblemen erkl&#228;rt und allzu oft auch als pers&#246;nliches Schicksal erlebt.</p>
<p>Warum sollte die unter diesen Umst&#228;nden aufwachsende Generation das Soziale der Gesellschaft, Demokratie, Solidarit&#228;t und Gerechtigkeit achten?</p>
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		<title>Feministische &#214;ffentlichkeiten im Web 2.0. M&#246;glichkeiten und Grenzen feministischer Partizipation im Internet</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/feministische-oeffentlichkeiten/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 14:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Deborah Schmidt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Feministische &#214;ffentlichkeiten sind seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil der feministischen bzw. queerfeministischen Bewegung. Sie haben unter anderem dazu beigetragen, dass feministische Diskurse in die &#214;ffentlichkeit geraten und mittlerweile auch im sogenannten Mainstream angekommen sind. Themen wie die Frauenquote und Geschlechtergerechtigkeit sind allt&#228;glich geworden, wenn auch nach wie vor die Frage bleibt, auf welche Weise die Themen im Mainstream behandelt werden. Heute ger&#228;t vor allem das Internet als digitales Medium in den Blickpunkt feministischer &#214;ffentlichkeiten... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Feministische &#214;ffentlichkeiten sind seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil der feministischen bzw. queerfeministischen Bewegung. Sie haben unter anderem dazu beigetragen, dass feministische Diskurse in die &#214;ffentlichkeit geraten und mittlerweile auch im sogenannten Mainstream angekommen sind. Themen wie die Frauenquote und Geschlechtergerechtigkeit sind allt&#228;glich geworden, wenn auch nach wie vor die Frage bleibt, auf welche Weise die Themen im Mainstream behandelt werden. Heute ger&#228;t vor allem das Internet als digitales Medium in den Blickpunkt feministischer &#214;ffentlichkeiten.</strong></p>
<p>Das Internet hat sich zu einem wichtigen globalen Medium entwickelt, in dem Feminist_innen sich austauschen, vernetzen, publizieren und sich organisieren. Mit dem Aufkommen des Web 2.0 entstand eine breite Diskussion um das Potenzial und den Einfluss auf demokratische Partizipation und demokratische Prozesse im Internet. Dabei stellten sich die Fragen in wie weit wirkliche demokratische Partizipation m&#246;glich ist und ob das Internet tats&#228;chlich zugangsoffen f&#252;r alle Menschen ist. K&#246;nnen Feminist_innen beispielsweise gleichberechtigt partizipieren, welche M&#246;glichkeiten der Partizipation gibt es f&#252;r sie und wo sto&#223;en sie an Grenzen?<br />
Im Folgenden m&#246;chte ich einige Beispiele feministischer Gegen&#246;ffentlichkeiten und feministischer Partizipation im Web 2.0 darstellen und gleichzeitig aufzeigen, mit welchen Widerspr&#252;chen und Machtmechanismen feministische Medienmacher_innen sich im virtuellen Raum auseinandersetzen m&#252;ssen.</p>
<p><strong>Demokratische Partizipation im Web 2.0</strong><br />
Das Web 2.0, so hei&#223;t es, biete heute die M&#246;glichkeit der direkten Partizipation. Es ist m&#246;glich die Inhalte des Internets selbst mitzugestalten. Mit der Entstehung des Web 2.0 gehen genau die gleichen Hoffnungen einher, wie sie bereits in den 1930er Jahren Walter Benjamin in seinem Text „Der Autor als Produzent“ &#228;u&#223;erte und die auch Berthold Brecht formulierte, indem er postulierte die Medienkonsument_innen sollten zu Produzent_innen werden. Die Produzent_innen sollten sich demnach das Medium – damals noch das Radio – aneignen und ihre eigene Meinung verbreiten. Die proletarische Partizipation lie&#223; auf Ver&#228;nderung der vorherrschenden Meinungen und eine Teilhabe der Minderheiten an der Mitgestaltung der &#214;ffentlichen Meinung hoffen. Die weitere Entwicklung von Radio und Fernsehen hat dann leider all den Hoffnungen auf Ver&#228;nderung hin zu einer kritischen &#214;ffentlichkeit kaum entsprochen.<br />
Genauso verh&#228;lt es sich mit dem Web 2.0. Es hat sich zwar im Laufe der Zeit herausgestellt, dass das Web 2.0 mehr Partizipation m&#246;glich macht, jedoch hei&#223;t das nicht, dass alle die gleichen Zugangsvoraussetzungen haben und schon gar nicht, dass diese Partizipation emanzipatorischer ist und gesellschaftskritischer mit Inhalten umgeht. Heute ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die demokratischen Prozesse durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien vielschichtiger und differenzierter zu betrachten sind, als es noch Ende der neunziger Jahre von vielen Wissenschaftler_innen angenommen wurde (Dr&#252;cke, Winker 2005). Susanne Baer, Verfassungsrichterin in Karlsruhe, stellt fest, dass das Grundgesetz in Bezug auf die Netzpolitik ein Update braucht. Das Internet ist ein Kommunikationsort und ist somit nicht besser oder schlechter als die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Es stellt sich die Frage, ob alle wirklich gleichberechtigt und demokratisch an dem Medium Internet teilhaben k&#246;nnen oder wenn nicht, wo genau die Grenzen liegen? Baer stellt in ihrem Text die demokratischen M&#246;glichkeiten des Internets in Frage. Die gleichberechtigte Partizipation aller sei nicht m&#246;glich, da noch nicht alle die gleichen Zugangsvoraussetzungen haben. Besonders in l&#228;ndlichen Gegenden sei der Netzzugang nicht &#252;berall m&#246;glich. Au&#223;erdem schlie&#223;e die L&#252;cke zwischen jungen und &#228;lteren Internetnutzer_innen sich erst langsam (Baer 2011). W&#228;hrend bereits 98,2% der 20-29 J&#228;hrigen online sind, liegt der Anteil bei den &#252;ber 60 J&#228;hrigen gerade bei 34,5%. Der Anteil weiblicher und m&#228;nnlicher Internetnutzer_innen dagegen n&#228;hert sich, laut der <a href="http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/">ARD/ZDF-Onlinestudie 2011</a>, langsam an. Aktuell sind in Deutschland 68,5% Frauen und 78,3% M&#228;nner online.</p>
<p><strong>Feministische &#214;ffentlichkeiten</strong><br />
Feministische &#214;ffentlichkeiten sind Kommunikationsorte, an denen herrschende Geschlechterverh&#228;ltnisse kritisch hinterfragt und analysiert werden. Feministische &#214;ffentlichkeiten machen kollektive Handlungsspielr&#228;ume, Selbstverst&#228;ndigung und Identit&#228;tsfindung m&#246;glich (Dorer 2002). Trotz der Institutionalisierung und Verbreitung von feministischen &#214;ffentlichkeiten in den letzten Jahrzehnten sind feministische Medien immer noch marginalisiert. Historisch gesehen sind Kommunikationsorte von Frauen eher dem Privaten zugeordnet gewesen und nicht dem &#214;ffentlichen. Oft waren es geheime, heimliche &#214;ffentlichkeiten. Frauen haben die h&#228;usliche Reproduktionsarbeit geleistet und waren nicht in dem sogenannten &#246;ffentlichen Bereichen wie z.B. der Politik t&#228;tig. Im Laufe der Jahre hat sich jedoch die feministische &#214;ffentlichkeit die vor allem m&#228;nnlich dominierten R&#228;ume angeeignet.<br />
Heutzutage ist das Internet in der Kommunikations- und Informationsgesellschaft zu einem wichtigen Ort geworden, an dem feministische &#214;ffentlichkeit Pr&#228;senz zeigt. Zum einen bietet das Internet eine Teilhabe f&#252;r feministische Inhalte, auf der anderen Seite bleibt jedoch die Frage inwieweit die sozialen, kulturellen und &#246;konomischen Gesetzm&#228;&#223;igkeiten des Internets beachtet werden m&#252;ssen, um sich in der Netzkultur behaupten zu k&#246;nnen. Das Internet gibt feministischen Medienmacher_innen die M&#246;glichkeit sich an einer virtuellen &#214;ffentlichkeit zu beteiligen. Besonders im journalistischen Bereich kann das Internet f&#252;r feministische Themen von Vorteil sein. Feministische Themen, die sonst in den Mainstreammedien kein Geh&#246;r f&#228;nden, k&#246;nnen im Internet publiziert werden. Das bedeutet meistens allerdings, dass insbesondere Journalist_innen sich zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung bewegen, wenn sie &#252;ber Themen berichten, die in den Mainstreammedien keine Resonanz finden, da z.B. journalistische Blogger_innen f&#252;r ihre Arbeit meistens keine Entlohnung erhalten. Das Internet ist f&#252;r feministische Medienmacher_innen ein Medium an dem die eigenen Ambivalenzen in Bezug auf die &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse sichtbar werden. Das Internet propagiert einen freien, &#246;ffentlichen Zugang, entkoppelt an feste Arbeitszeiten und einen festen Arbeitsplatz, perfekt f&#252;r selbstbestimmtes Arbeiten. Genau dies f&#252;hrt zu ungesicherten und prek&#228;ren Arbeitsverh&#228;ltnissen in denen sich Frauen seit Jahren bewegen. Die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und die Doppelbelastung durch Kindererziehung sind evidente Debatten. Die Durchsetzung auf dem Internetmarkt macht die immer wiederkehrenden Diskussionen um Kommerzialit&#228;t und Autonomie unvermeidbar. Soll sich besser mit inhaltlichen Themen angepasst werden, um auf dem Onlinemarkt konkurrenzf&#228;hig zu bleiben oder ist das Nischendasein eine Alternative? Ist es wichtig auf Rang 1 der Blogcharts aufzutauchen, um ernst genommen zu werden oder muss sich das Social Media Marketing einverleibt werden? Die &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse von feministischen Medienmacher_innen bleiben also auch in Bezug auf das Internet ein wichtiges Thema.</p>
<p><strong>Partizipation im Internet &#8211; Feministische Gegen&#246;ffentlichkeiten im Web 2.0</strong><br />
Das Web 2.0 bietet Feminist_innen jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik eine gro&#223;e und vielseitige Chance der Partizipation. Sie k&#246;nnen ihre eigenen Inhalte, die im &#246;ffentlichen Diskurs meistens eher marginal wahrgenommenen Themen, wie z.B. sexuelle Gewalt an Frauen, ver&#246;ffentlichen. Im Internet k&#246;nnen sie eine so genannte subalterne Gegen&#246;ffentlichkeit, wie Nancy Fraser es postuliert, schaffen, sich vernetzen und Themen austauschen (Dr&#252;cke, Winker 2005). Die folgenden Webauftritte von Feminist_innen zeigen einen kleinen Ausschnitt aus der Vielfalt der feministischen Gegen&#246;ffentlichkeiten.</p>
<p><strong>Grassrootfeminism</strong><br />
Ein gutes Beispiel f&#252;r queerfeministisches Netzwerken ist die Seite <a href="http://www.grassrootsfeminism.net/">grassrootfeminism.net</a> . Die Seite ist entstanden, um M&#228;dchen und jungen Frauen eine Plattform zu bieten. Die Webseite m&#246;chte vor allem dem Vorurteil entgegentreten, dass junge Menschen und insbesondere M&#228;dchen und junge Frauen nur Konsument_innen der Massenmedien seien und keine aktive Rolle einnehmen w&#252;rden. Auf dieser Webseite k&#246;nnen M&#228;dchen und junge Frauen ihre eigenen selbstproduzierten Texte, Podcasts und diverse andere Inhalte und Produktionen einfach hochladen und ver&#246;ffentlichen. Dabei wird ihnen die M&#246;glichkeit gegeben miteinander in Kontakt zu treten, sich zu vernetzen und eigene Themen zu ver&#246;ffentlichen.<br />
<a href="http://www.freie-radios.net/40583">Zitat von Rosa Reitsamer, </a>Gr&#252;nderin von grassrootfeminism.net: „Es geht nicht darum, wieviel Freunde man bei Facebook hat. Denn davon lerne ich nicht viel, sondern es soll eine Plattform geschaffen werden, wo Wissen ausgetauscht werden kann.“</p>
<p><strong>Riot grrrl Forum</strong><br />
Das Forum <a href="http://www.feministinnen.de/">riot-grrrl.de</a> bietet eine Plattform zum Austausch von feministischen und queerfeministischen Inhalten. Das Riot grrrl Forum steht in der Tradition der Riot grrrl Bewegung, die sich in den 90iger Jahren in den USA gegr&#252;ndet hat. Die Riot grrrl Bewegung ist aus der Punk- und Hardcoreszene entstanden und thematisierte den Sexismus in der sehr m&#228;nnlich dominierten Subkultur. Der Riot grrrl Bewegung ging es um das Sichtbarmachen von Musikerinnen in dieser Szene. Genauso m&#246;chte das Riot grrrl Forum einen Ort bieten, wo es um den Austausch von Themen wie Musik, Technik, Ladyfeste, allt&#228;glicher Sexismus und diverse andere feministische Inhalte geht.</p>
<p><strong>M&#228;dchenblog</strong><br />
Das <a href="http://maedchenblog.blogsport.de/">M&#228;dchenblog</a> ist eine Webseite f&#252;r queerfeministische Theorie und Praxis. Das M&#228;dchenblog ist ein offenes Gemeinschaftsprojekt, das sich mit Themen wie K&#246;rper, Sexualit&#228;t, Pop- und Subkultur, Politik, Schule und Ausbildung besch&#228;ftigt. Das Blog soll Sexismus, der sich im Internet sowie in der realen Welt vorfindet, sichtbar machen. Das M&#228;dchenblog versucht queerfeministische Theorie und Praxis zu verbinden. Au&#223;erdem hat das M&#228;dchenblog den Anspruch, eine weniger theoretische, akademische Sprache zu verwenden, um die Wissensaneignung f&#252;r alle m&#246;glich zu machen. Das M&#228;dchenblog bedient sich der Blogform, weil damit einerseits die Artikel im Gegensatz zu einem Forum auch f&#252;r sich allein stehen k&#246;nnen und andererseits die Kommentarfunktion die M&#246;glichkeit zur Diskussion bietet. Das M&#228;dchenblog ist ein offenes Projekt und lebt davon, dass viele Menschen sich am Mitschreiben beteiligen.</p>
<p>Diese drei Beispiele feministischer Netzkultur belegen deutlich, wie das Potential des Internets f&#252;r feministische &#214;ffentlichkeiten genutzt werden kann indem Sichtbarmachung, kollektives Handeln, Selbstverst&#228;ndigung und Identit&#228;tsfindung m&#246;glich gemacht wird.</p>
<p><strong>Ungleichheitsverh&#228;ltnisse im Netz</strong><br />
Das Internet ist zwar ein Ort, der viele M&#246;glichkeiten bietet, jedoch sto&#223;en Feminist_innen immer wieder an ihre Grenzen, da sich im Internet gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsmechanismen reproduzieren. Das Internet ist schlie&#223;lich kein autonomer Raum, sondern ein Abbild der Gesellschaft. Ungleichheiten im Internet werden u.a. deutlich durch antifeministische Anfeindungen, Zugangsbeschr&#228;nkungen, Arbeitsteilung und Beteiligung an Autor_innenschaft. So ist es zum Beispiel f&#252;r Frauen oftmals schwieriger in Blogs &#252;ber Technikthemen zu berichten, weil sie sich gegen&#252;ber sexistischen Anfeindungen bzw. Relativismus durchsetzen m&#252;ssen (vgl. <a href="http://www.freie-radios.net/38203">Radiobeitrag zu Feminismus und Internet</a>). Au&#223;erdem gibt es auf feministischen Seiten immer wieder antifeministische Angriffe von so genannten Trollen. Trolle sind Personen, die versuchen &#252;ber Kommentare die Kommunikation &#252;ber bestimmte Sachverhalte im Netz zu st&#246;ren. Das bedeutet f&#252;r feministische Blogs wie z.B. das M&#228;dchenblog, dass sie ihre Kommentare moderieren m&#252;ssen. <a href="http://hatr.org">Hatr.org</a>, eine Plattform, auf der Trollkommentare gesammelt werden, hat sich zur Aufgabe gemacht aus den Kommentaren wenigstens ein wenig Profit mittels Werbung zu schlagen.<br />
Im Internet besteht ein deutlicher Gender Gap. Dies wird besonders deutlich an der Informationsbranche, M&#228;nner dominieren den Beruf des Softwareentwicklers und Informatikers. Bereiche der Informatik, in denen es einen gro&#223;en Frauenanteil gibt, wie in der Medieninformatik, werden als „M&#228;dcheninformatik“ diffamiert. Au&#223;erdem zeigt sich der Gender Gap an der Beteiligung der Autor_innenschaft bei Wikipedia. Bei Wikipedia etwa schreiben nur 12% Frauen mit. Das erkl&#228;rt auch, warum feministische Themen bei Wikipedia zur Disposition stehen. Das ist eine kleine Auswahl an Beispielen f&#252;r Geschlechterungleichheiten im Netz. Weitere hat Tanja Carstensen in ihrem Text „<a href="http://www.feministisches-institut.de/web_oeffentlichkeit/#more-978">Web 2.0 = demokratische &#214;ffentlichkeit? Einige (feministische) Anmerkungen zu einer erneuten Debatte</a>“ herausgearbeitet.</p>
<p><strong>Herausforderungen f&#252;r feministische Gegen&#246;ffentlichkeiten</strong><br />
Herausforderungen f&#252;r feministische &#214;ffentlichkeiten und Medienmacher_Innen im Internet sind, sich in der Informationsgesellschaft zu etablieren und sie zu nutzen. Denn so k&#246;nnen weiterhin feministische Themen Teil von &#246;ffentlichen Diskursen werden und in die hegemonialen Wissensdiskurse hineinwirken. Das Internet ist ein Ort, an dem es um Aushandlungsprozesse geht. Das bedeutet, sich gegen&#252;ber Geschlechterhierarchien durchzusetzen, Zugangsbeschr&#228;nkungen aufzubrechen und &#246;konomische Verh&#228;ltnisse transparent zu machen und im besten Fall zu &#252;berwinden.<br />
Offen bleibt jedoch, welche Rolle zunehmend &#246;konomische Verh&#228;ltnisse f&#252;r feministische &#214;ffentlichkeiten im Internet spielen. Die meisten Personen, die sich f&#252;r digitale feministische Netzwerke engagieren, tun dies aus einem Idealismus an der Sache heraus und sind nebenbei erwerbst&#228;tig. Wie mit der prek&#228;ren Finanzierung perspektivisch umgegangen wird, bleibt auszuhandeln.</p>
<p><strong>Ausblick</strong><br />
Feministische Medienmacher_innen sind im digitalen Zeitalter immer noch marginalisiert, deshalb ist es umso wichtiger, dass sie existieren und die Pr&#228;senz im Internet ausgebaut wird. Es geht also weiterhin inhaltlich wie auch praktisch darum, aus dem privaten Raum herauszutreten und aktiv an der digitalen, wie auch „analogen“ &#214;ffentlichkeit teilzuhaben. Inhaltlich in dem Sinne, dass z.B. im Internet zu m&#228;nnlich besetzten Themen berichtet wird, praktisch werde auch Du Softwareentwicklerin!</p>
<p><strong>Literatur</strong><br />
Baer, Susanne (2011): Braucht das Grundgesetz ein Update? Demokratie im Internetzeitalter. in Bl&#228;tter f&#252;r deutsche und internationale Politik. Bl&#228;tter Verlagsgesellschaft Berlin, S.90-100.</p>
<p>Carstensen, Tanja (2010): Web 2.0 = demokratische &#214;ffentlichkeit? Einige (feministische) Anmerkungen zu einer erneuten Debatte, 21.06.2010, http://www.feministisches-institut.de/web_oeffentlichkeit/</p>
<p>Dorer, Johanna, Birgit, Geiger (2002): Feministische Kommunikations- und Medienwissenschaft. Feministische Medien. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden.</p>
<p>Dr&#252;cke, Ricarda, Winker, Gabriele (2005): Neue &#214;ffentlichkeiten durch frauenpolitische Internet-Auftritte. In: Schachtner, Christina, Winker, Gabriele (Hg.)Virtuelle R&#228;ume &#8211; neue &#214;ffentlichkeiten. Frauennetze im Internet. Campus Verlag. Frankfurt am Main, S.31-49.</p>
<p>Klaus, Elisabeth (2008): Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus. Lit Verlag, Wien.</p>
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		<title>Zum Konzept der &#8220;T&#228;uschung&#8221; &#8211; Einladung zu queer-feministischen Veranstaltungen in Bremen:  „Queer-feministische Debatten, Reflexionen und Interventionen“</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/taeuschung/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/taeuschung/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 May 2011 09:14:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ines Pohlkamp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Queer-feministische Perspektiven setzen an alltagsweltlichen Erz&#228;hlungen an und positionieren sich herrschafts- und identit&#228;tskritisch. Sie stellen Normalit&#228;ten in Frage, fokussieren Br&#252;che und gehen davon aus, dass die Suche nach der einen "Wahrheit" vergeblich ist. Die "T&#228;uschung" ist ein Gegenst&#252;ck der "Wahrheit". Das Konzept der "T&#228;uschung" zu dekonstruieren ist wesentlicher Bestandteil queer-feministischer Betrachtungen. Um dies nachvollziehbarer zu machen, m&#246;chte ich zu einem gedanklichen Vergleich zweier recht unterschiedlicher alltagsweltlicher Beispiele mit den Elementen "T&#228;uschung", "Betrug" und "Wahrheit" einladen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Queer-feministische Perspektiven setzen an alltagsweltlichen Erz&#228;hlungen an und positionieren sich herrschafts- und identit&#228;tskritisch. Sie stellen Normalit&#228;ten in Frage, fokussieren Br&#252;che und gehen davon aus, dass die Suche nach der einen &#8220;Wahrheit&#8221; vergeblich ist. Die &#8220;T&#228;uschung&#8221; ist ein Gegenst&#252;ck der &#8220;Wahrheit&#8221;. Das Konzept der &#8220;T&#228;uschung&#8221; zu dekonstruieren ist wesentlicher Bestandteil queer-feministischer Betrachtungen. Um dies nachvollziehbarer zu machen, m&#246;chte ich zu einem gedanklichen Vergleich zweier recht unterschiedlicher alltagsweltlicher Beispiele mit den Elementen &#8220;T&#228;uschung&#8221;, &#8220;Betrug&#8221; und &#8220;Wahrheit&#8221; einladen.</strong></p>
<p>(1) Karl-Theodor zu Guttenberg habe &#8220;vors&#228;tzlich get&#228;uscht&#8221;, hei&#223;t es in der Stellungnahme der Universit&#228;t Bayreuth (vgl. <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsaffaere-bundeswehrreform-kundus-affaere-das-elend-des-talentierten-herrn-guttenberg-1.1094287">Heribert Prantl 2011</a>). Guttenberg ist damit in drei zentralen M&#228;nnlichkeiten-produzierenden Normierungsinstanzen gescheitert: in der Wissenschaft, in der Politik und als Verteidigungsminister im Feld des Milit&#228;rischen. Seine &#8220;T&#228;uschung&#8221; der Wissenschaft versuchte er zu entschuldigen, indem er erkl&#228;rte, diese sei auch eine Folge von Mehrfachbelastungen als junger Familienvater (vgl. <a href="http://derstandard.at/1297818756254/Guttenberg-erklaert-sich-War-hochmuetig-und-ueberlastet">Birgit Baumann 2011</a>).</p>
<p>(2) Eine Pflegekraft berichtete mir von folgendem &#220;bergriff im Krankenhaus, der keinen Einzelfall darstelle. Wenn Trans*Patient_innen zu betreuen seien, k&#228;me es mitunter zu &#8220;Aufruhr im Personal&#8221;. Nicht zust&#228;ndige &#196;rzt_innen und Pflegepersonal w&#252;rden in die An&#228;sthesie kommen, um sich sogar w&#228;hrend der Narkose ein Bild davon machen zu k&#246;nnen, &#8220;wie die aussehen&#8221;. Sie berichtete davon, die Kolleg_innen in solchen F&#228;llen f&#246;rmlich rauswerfen zu m&#252;ssen, um deren &#8220;Neugierde zu stoppen“.</p>
<p><strong>Gemeinsamkeiten &amp; Unterschiede</strong></p>
<p>Die Gemeinsamkeiten beider Ereignisse sind schnell skizziert: In beiden F&#228;llen sind Normierungsinstanzen wie Medizin bzw. Wissenschaft beteiligt. In beiden F&#228;llen geht es um normative Wahrheitsproduktionen: Auf der einen Seite handelt es sich um &#8220;T&#228;uschung&#8221; und Entlarvung in Wissenschaft und Politik und auf der anderen Seite um medizinische Ethik und Eindeutigkeit in Geschlechterfragen. Gemeinsam ist beiden F&#228;llen zudem die Entdeckung einer (vermeintlich) verwerflichen Devianz. Ansonsten &#252;berwiegen die Unterschiede:</p>
<p>Der Pressewirbel um Karl-Theodor zu Guttenberg ist/war enorm. Sein Ruf ist ruiniert, seine weitere politische Karriere ist – zumindest vorerst – gescheitert. Auch wenn er selbst keine Gewalt erfahren hat, ist die H&#228;rte der H&#228;me gegen ihn m&#246;glicherweise schmerzhaft. Zudem hat der Vorfall eine breite mediale Diskussion um &#8220;Wahrheit&#8221; und Ehrlichkeit in der Wissenschaft ausgel&#246;st.</p>
<p>Demgegen&#252;ber steht ein Ereignis im Krankenhaus, das keinen medialen Wirbel ausl&#246;st. Transphobe Gewalt ist kein &#246;ffentliches Thema. Die betroffene Person und das beteiligte Personal besitzen keinerlei Prominenz. Der voyeuristische &#220;bergriff im Krankenhaus geht im Alltagsgeschehen unter. Transphobie als vermutete Aufdeckung einer &#8220;geschlechtlichen T&#228;uschung&#8221; bleibt unbeachtet und die normative Kraft der Zweigeschlechtlichkeit unhinterfragt.</p>
<p>Die Normierungsinstanzen konstruieren das Andere, indem sie es als &#8220;T&#228;uschung&#8221; oder Betrug in den Blick nehmen. Das Personal im Krankenhaus sieht sein gewaltsames Handeln durch ein Alltagsverst&#228;ndnis von Geschlecht legitimiert, dass besagt, dass in erster Linie Frauen und M&#228;nner existieren. Alle Anderen sind in heteronormativen Augen &#8220;exotisch&#8221; geschlechtliche Ausnahmen. In einem bin&#228;ren Denk- und Geschlechtersystem ist Zweigeschlechtlichkeit das Gegenst&#252;ck zur Konstruktion anderer Geschlechter. Es existieren demnach &#8220;wahre&#8221; Geschlechter und &#8220;weniger wahre&#8221; Geschlechter, wie Personen, die sich transsexuell, transgender, intersexuell oder anders nennen (m&#252;ssen).</p>
<p>Die Wissenschaftler der Universit&#228;t Bayreuth mussten Karl-Theodor zu Guttenberg bescheinigen, dass er nicht aufrichtig, ehrlich und wahrheitsgem&#228;&#223; gehandelt hat, dass er get&#228;uscht, betrogen oder gelogen hat. Legitimierend wirkt eine wissenschaftliche Ethik, die das &#8220;Abschreiben&#8221; nicht erlaubt. Guttenberg wird durch sein Handeln zum Plagiator, zum &#8220;scientific outlaw&#8221;. Die_der Patient_in wird ebenfalls – aber von au&#223;en – falsch zitiert und zum geschlechtliche Anderen konstruiert.</p>
<p>Der Plagiator wurde enttarnt. Das Outing kam nachgelagert. Die &#214;ffentlichkeit wurde darauf aufmerksam gemacht, dass er abgeschrieben hat. Der Doktortitel wurde aberkannt. Das Coming-Out der_des Patient_in als Trans* Person war vermutlich der Versuch, dem Vorwurf einer &#8220;geschlechtlichen T&#228;uschung&#8221; entgegenzuwirken und m&#246;gliche gewaltsame Konsequenzen auszuhebeln. Denkbar w&#228;re aber auch, dass ihre_seine geschlechtliche Orientierung aufgrund der Behandlung oder der Krankenakte im medizinischen Personal &#8220;durchsickerte&#8221;. In jedem Fall war die vermeintliche &#8220;T&#228;uschung&#8221; bekannt und f&#252;hrte dazu, dass die Person ohne ihr Wissen gedem&#252;tigt und der Gewalt ausgesetzt wurde. Diese Abgrenzungsleistung des Personals reproduziert im gleichen Atemzug die heteronormative Zweigeschlechtlichkeit durch die Konstruktion eines Anderen.</p>
<p><strong>„T&#228;uschung“-“Wahrheit“-Eindeutigkeit</strong></p>
<p>Wo eine &#8220;T&#228;uschung&#8221; ist, da ist das Feld des Aufruhrs nicht weit. Eine &#8220;T&#228;uschung&#8221; zu entlarven ist machtvoll: Sie diskreditiert die betroffenen Personen: Im harmloseren Fall ist der Ruf gesch&#228;digt, eine Karriere vorbei, im schlimmsten Fall erfolgt ein (gewaltsamer) &#220;bergriff. Das Pendant der &#8220;T&#228;uschung&#8221; ist die &#8220;Wahrheit&#8221; als Eindeutigkeit. Mehr noch, schon die &#8220;Wahrheit&#8221; ist die erste &#8220;T&#228;uschung&#8221;. Die des ehrlichen und akademisch korrekten Politikers. Oder die eines_r Patient_in mit eindeutigem Geschlecht.</p>
<p>Doch zur&#252;ck zu Guttenberg und der_dem Patient_in: Das eigene Wissen um eine vermeintliche &#8220;T&#228;uschung&#8221;, derer man bezichtigt werden k&#246;nnte, bedeutet, dass Angst vorhanden ist. Eine Angst davor, dass eine Entlarvung zum Ausschluss oder zur Gewalt f&#252;hren k&#246;nnte. Guttenberg musste das sp&#252;ren, die_der Patient_in ebenfalls. Mit anderen Worten: Im Alltag existiert eine gewaltsame &#220;berlegenheit der Eindeutigkeit. Das gro&#223;e Verbot der &#8220;T&#228;uschung&#8221; impliziert ein best&#228;ndiges Auffordern zur &#8220;T&#228;uschung&#8221;, denn in der &#8220;Wahrheit&#8221;“ liegt bereits eine erste &#8220;T&#228;uschung&#8221;. Scheitert eine Person an ihren &#8220;T&#228;uschungen“, ist dies kein individuelles Versagen, sondern eine – auch in Guttenbergs Fall – gesellschaftliche Position, die sie_er markiert. Guttenbergs sexistische Legitimierungsstrategie der &#220;berforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei nur eine Komponente, die zeigt, wie sehr es sich hierbei neben (s)einer wissenschaftlichen &#8220;T&#228;uschung&#8221; auch um eine m&#246;glicherweise eigene geschlechtliche &#8220;T&#228;uschung&#8221; in Bezug auf die eigene M&#228;nnlichkeit handeln k&#246;nnte. Die Entt&#228;uschung einer M&#228;nnlichkeit, die alles richtig machen wollte, um in seiner Eindeutigkeit nach Erfolg in Beruf und Familie zu streben. Es bleibt dabei: Es existiert eine Wirkm&#228;chtigkeit der (geschlechtlichen) Eindeutigkeit oder anders formuliert: der Sehnsucht nach Authentizit&#228;t und Ehrlichkeit, die sich in beiden Beispielen abzeichnet.</p>
<p><strong>Einladung</strong></p>
<p>In Bremen finden in diesem Fr&#252;hjahr initiiert von der <a href="http://www.rosa-luxemburg.info/">Rosa Luxemburg Initiative Bremen</a> verschiedene queer-feministische Veranstaltungen statt. Akteur_innen wollen zu Diskussionen anregen und aktuelle Transformationen und Verschiebungen der Geschlechtertheorien und Interventionen im Neoliberalismus beleuchten. Diskurse um &#8220;T&#228;uschung&#8221;, &#8220;Wahrheit&#8221; und Eindeutigkeit, Biologie, Medizin und Intersektionalit&#228;t spielen dabei ebenso eine Rolle wie die M&#246;glichkeiten und Grenzen queer-feministischer Interventionen in der feministischen M&#228;dchenarbeit.</p>
<p>In der n&#228;chsten Veranstaltung „Warum es biologisch Frau und Mann nicht gibt“ am 20. Mai 2011 um 20 Uhr im Infoladen in Bremen (St.Pauli Stra&#223;e 10-12, 28203 Bremen) reflektiert Heinz-J&#252;rgen Voss das System der Zweigeschlechtlichkeit aus konstruktivistischer Perspektive. Am 28. Mai 2011 um 20 Uhr werden im Infoladen Bremen die Debatten um Queer-Theory und Queer Politics in Deutschland von Franziska Rauchut zur Diskussion gestellt. Am 13. Juni 2011 um 19.30 Uhr stelle ich das Buch „Feministische M&#228;dchenarbeit weiterdenken. Zur Aktualit&#228;t eines bildungspolitischen Ansatzes“ in der Villa Ichon (Goetheplatz 4, 28203 Bremen) vor.</p>
<p>Wir Veranstalter_innen freuen uns &#252;ber Interessierte, die Lust haben, sich der Kritik der Geschlechterverh&#228;ltnisse zu stellen. Sie sind aufs Herzlichste eingeladen.</p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p>Baumann, Birgit (2011) (Der Standard online ): Guttenberg erkl&#228;rt sich. „War hochm&#252;tig und &#252;berlastet“.<br />
<a href="http://derstandard.at/1297818756254/Guttenberg-erklaert-sich-War-hochmuetig-und-ueberlastet">http://derstandard.at/1297818756254/Guttenberg-erklaert-sich-War-hochmuetig-und-ueberlastet</a> [letzter Abruf 16. Mai 2011].</p>
<p>Prantl, Heribert (2011) Die S&#252;ddeutsche online: „Das Elend des talentierten Herrn Guttenberg“.<br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsaffaere-bundeswehrreform-kundus-affaere-das-elend-des-talentierten-herrn-guttenberg-1.1094287">http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsaffaere-bundeswehrreform-kundus-affaere-das-elend-des-talentierten-herrn-guttenberg-1.1094287</a> [letzter Abruf 16. Mai 2011].</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Biopolitischer Rassismus der b&#252;rgerlichen Mitte im Hamburger Stadtteil St. Georg</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/biopolitischer-rassismus-der-buergerlichen-mitte-im-hamburger-stadtteil-st-georg-2/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 Apr 2011 19:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Schrader</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter der &#220;berschrift Chronik einer Woche fordert die Hansaplatz Initiative ein lebenswertes Umfeld f&#252;r Familien mit Kindern im Stadtteil Hamburg St. Georg. Der traditionell ans&#228;ssige Stra&#223;enstrich soll in ein abgelegenes Gewerbegebiet im haupts&#228;chlich f&#252;r seine industrielle Nutzung bekannten Stadtteil Rothenburgsort verlagert werden, um endlich „menschenw&#252;rdige Verh&#228;ltnisse f&#252;r alle, (…) den Schutz der Kinder“, sowie die Ansiedlung einer bunten Vielfalt von Kunst und Kultur, Einzelhandel und Gastronomie am und um den Hansaplatz zu erm&#246;glichen. Unter dem Deckmantel der bunten Vielfalt kommt hier ein biopolitischer Rassismus der b&#252;rgerlichen Mitte zum Tragen, wie er aus vielen europ&#228;ischen Gro&#223;st&#228;dten und ihrer Gentrifizierungslogik bekannt ist. Zur Durchsetzung ihrer individuellen Ziele ist der Initiative offensichtlich jede Argumentation – und sei sie noch so haltlos – recht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Unter der &#220;berschrift Chronik einer Woche (<a href="http://initiative-hansaplatz.de/index.html">http://initiative-hansaplatz.de/index.html</a>) fordert die Hansaplatz Initiative ein lebenswertes Umfeld f&#252;r Familien mit Kindern im Stadtteil Hamburg St. Georg. Der traditionell ans&#228;ssige Stra&#223;enstrich soll in ein abgelegenes Gewerbegebiet im haupts&#228;chlich f&#252;r seine industrielle Nutzung bekannten Stadtteil Rothenburgsort verlagert werden, um endlich „menschenw&#252;rdige Verh&#228;ltnisse f&#252;r alle, (…) den Schutz der Kinder“, sowie die Ansiedlung einer bunten Vielfalt von Kunst und Kultur, Einzelhandel und Gastronomie am und um den Hansaplatz zu erm&#246;glichen. Unter dem Deckmantel der bunten Vielfalt kommt hier ein biopolitischer Rassismus der b&#252;rgerlichen Mitte zum Tragen, wie er aus vielen europ&#228;ischen Gro&#223;st&#228;dten und ihrer Gentrifizierungslogik bekannt ist. Zur Durchsetzung ihrer individuellen Ziele ist der Initiative offensichtlich jede Argumentation – und sei sie noch so haltlos – recht.</strong></p>
<p>So wird in dem Artikel der Hansaplatz Initiative eine soziale Einrichtung zur Betreuung drogengebrauchender, sich prostituierender Frauen als semikriminelle Vereinigung diffamiert, die Menschenh&#228;ndlerInnen und deren ProfiteurInnen gewissenlos in die H&#228;nde spiele. „Prostitution in Verbindung mit Menschenhandel ist jedoch eine Tatsache (…). Eine bewusste Negierung dieser Tatsache gleicht einer unverantwortlichen Verschleierungstaktik. (…) Wer da wegschaut, wie es nun ragazza e.V. fordert und Teile von Politik und Gesellschaft eh praktizieren, f&#246;rdert diesen Menschenhandel.“ Die Argumentation basiert auf einer v&#246;llig falschen Interpretation der berechtigten Forderung von ExpertInnen und Professionellen, Sexarbeit nicht permanent mit dem Thema Menschenhandel zu vermischen, und st&#252;tzt sich auf Zitate, die bewusst entstellend aus dem Kontext gerissen wurden. Menschenhandel ist selbstredend ein Verbrechen. Aber der hegemoniale Menschenhandelsdiskurs, der Sexarbeit vereinnahmt, ist gef&#228;hrlich, da Sexarbeiterinnen darin immer nur als Opfer verhandelt werden und ihnen keine eigenst&#228;ndige Handlungsf&#228;higkeit zugewiesen wird. W&#252;rden die AgitatorInnen dieser Initiative genauer die Konzepte der sozialen Einrichtungen lesen, dann w&#252;ssten sie, dass es in erster Linie um Empowermentans&#228;tze f&#252;r Sexarbeiterinnen geht, um Handlungsstrategien gegen Ausbeutung und Abh&#228;ngigkeit zu entwickeln. Menschen werden nicht handlungsf&#228;hig, indem sie aus dem st&#228;dtischen Raum in Vororte oder Industriegebiete verdr&#228;ngt werden. Das ist eine Logik, die nur denen etwas bringt, die ihre sch&#246;ne neue, saubere und City-nahe Welt durch die Anwesenheit der Marginalisierten nicht gest&#246;rt wissen wollen. Die sozialen Einrichtungen weisen immer wieder darauf hin, dass das Leben von Sexarbeiterinnen hart und gef&#228;hrlich ist, weil sie in Folge der Sperrgebietsverordnung kriminalisiert werden und Repressionen ausgesetzt sind. Durch solche Ma&#223;nahmen liefert die Exekutive die Sexarbeiterinnen dem Missbrauch durch Zuh&#228;lterInnen und Freiern aus.</p>
<p>Viele Sexarbeiterinnen aber w&#252;rden ihre Arbeit gern verlassen, denn es ist, wie viele andere T&#228;tigkeiten im Kapitalismus auch, eine Form entfremdeter Arbeit; aber es existieren keine Alternativen (Ward 2007). Speziell f&#252;r Menschen, die am Existenzminimum leben, ist Sexarbeit oft die einzige M&#246;glichkeit ihr &#220;berleben zu sichern. Die &#252;bernehmen Arbeiten, die die Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft als inakzeptabel ablehnen, deren Nutznie&#223;er sie aber oft sind. Deshalb verwahren sich Sexarbeiterinnen und soziale Einrichtungen gegen die Gleichsetzung von Frauenhandel und Sexarbeit. Sexarbeit ist Arbeit und eine Dienstleistung. Sie darf niemals mit einem Verbrechen und einer Menschenrechtsverletzung wie Frauenhandel gleichgesetzt werden. „Die begriffliche Vermischung verst&#228;rkt die Stigmatisierung, die dem Bereich Prostitution eingeschrieben ist; sie assoziiert Sexarbeit mit Gewalt und setzt Prostitution und Migration mit Frauenhandel gleich. Dabei wird auch vermittelt, dass einer Gruppe von Frauen zugestanden wird, in der Sexarbeit freiwillig t&#228;tig zu sein und der anderen Gruppe &#8211; Migrantinnen &#8211; nicht. Einer Migrantin wird grunds&#228;tzlich weniger Entscheidungsautonomie zugestanden (El-Nagashi 2007).“ Gleiches gilt nat&#252;rlich auch f&#252;r die Gruppe der Drogengebrauchenden Sexarbeiterinnen, ihnen wird jegliche Entscheidungsautonomie abgesprochen. Gerade weil die Prostitution zwar vom b&#252;rgerlichen Milieu nachgefragt, aber nicht als legale Dienstleistung akzeptiert wird, entstehen die Bedingungen f&#252;r Ausbeutung und Menschenhandel.</p>
<p>Um ihr Ziel durchzusetzen, greift die Hansaplatz Initiative die sozialen Einrichtungen an, die erst daf&#252;r gesorgt haben, dass St. Georg ein so lebenswerter Stadtteil geworden ist, dass sich selbst die Mitglieder dieser Initiative vorstellen konnten hier zu wohnen. Die sozialen Einrichtungen und Projekte haben seit Jahren Kontakt zu den Menschen, die jetzt vertrieben werden sollen. Um diesen Vorsprung aufzuholen, m&#252;ssen die AkteurInnen der Hansaplatz Initiative das Wohl von Kindern instrumentalisieren, um die zu beschimpfen und zu vertreiben, deren Eltern oft nicht &#252;ber das finanzielle, soziale und kulturelle Kapital verf&#252;gten, ihnen Schutz und ein abgesichertes Leben zukommen zu lassen. Offensichtlich wollen sie nur ihre eigenen Kinder vor Armut, schmutzigen Jobs, Krankheiten, Deklassierung, Ausgrenzung und anderen Zumutungen des Lebens sch&#252;tzen. Ihre Kinder sollen nicht sehen, was es bedeutet, in dieser Gesellschaft &#252;berfl&#252;ssig zu sein. Ihre Welt soll anders aussehen: kulturvoll, bunt und mit einer in jeder Hinsicht perspektivreichen Zukunft. Allerdings sollte das f&#252;r alle Kinder und Menschen zutreffen. Die L&#246;sung kann nicht darin bestehen, dass die, deren Schicksal an die gesellschaftliche Verantwortung erinnert, aus dem Blickfeld entfernt werden und dann so getan wird, als sei das Problem damit erledigt. Die AutorInnen des Hansaplatz-Artikels wissen offensichtlich nicht, dass sich auch diese Menschen nichts anderes w&#252;nschen, als ein normales Leben f&#252;hren zu k&#246;nnen. Sie haben nicht die M&#246;glichkeit im Internet auf ihre Situation oder die ihrer Kinder aufmerksam zu machen. Sie k&#246;nnen froh sein, wenn ihre Kinder und sie selbst &#252;berleben. Da sie keine Stimme in dieser Gesellschaft haben, sind soziale Einrichtungen oft ihr einziges Sprachrohr.</p>
<p>Jedoch will die Hansaplatz Initiative nicht h&#246;ren, was diese Menschen zu sagen haben, und soziale Einrichtungen sollen das „Elend“ unsichtbar und im Sinne der b&#252;rgerlichen Mitte verwalten. Diese rabiate und alle Formen der Fairness verletzende Vorgehensweise der Hansaplatz Initiative ist nur durch biopolitischen Rassismus zu erkl&#228;ren. Dieser hat sich mit dem Aufkommen der Bio-Macht im 19. Jahrhundert als grundlegender Mechanismus der Macht in modernen Staaten etabliert, es ist die Macht „leben zu machen oder in den Tod zu sto&#223;en (Foucault 1995: 165/ebd. 1999: 301).“ Rassismus sei ein Mittel im Bereich des Lebens, eine Z&#228;sur einzuf&#252;hren zwischen dem was Leben darf und dem was sterben muss. Schon die Unterteilung der „Rassen“ und Hierarchien festzuschreiben und bestimmte „Rassen“ abzuwerten, zeige die Macht, die dieses Feld besetzt. Die erste Funktion des Rassismus liege darin, zu fragmentieren. Es sei eine Art und Weise bestimmte Gruppen im Inneren der Bev&#246;lkerung gegeneinander auszuspielen (ebd. 1999: 301). Rassismus habe noch eine zweite Funktion, die positive Konnotation zum T&#246;ten aufzustellen: „je mehr du sterben l&#228;&#223;t, um so mehr wirst du eben deswegen leben (ebd.).“ Nach Foucault ist das keine Erfindung des Rassismus oder der modernen Staaten, sondern eine kriegerische Beziehung: Wenn Du leben willst, musst du t&#246;ten. Rassismus l&#228;sst diesen kriegerischen Typ funktionieren. „Der Tod des anderen bedeutet nicht einfach mein &#220;berleben in der Weise, da&#223; meine pers&#246;nliche Sicherheit erh&#246;ht; der Tod des Anderen, der Tod der b&#246;sen Rasse, der niederen (der degenerierten oder anormalen) Rasse wird das Leben im allgemeinen ges&#252;nder machen; ges&#252;nder und reiner. (…) Rasse, Rassismus ist die Bedingung f&#252;r die Akzeptanz des T&#246;tens in einer Normalisierungsgesellschaft (ebd., 302).“ Es handele sich nicht um eine milit&#228;rische oder politische Beziehung, sondern um eine biologische: Die zu unterdr&#252;ckenden Feinde sind nicht politische Gegner, sie sind &#228;u&#223;ere und innere Gefahren f&#252;r die Bev&#246;lkerung (ebd.).</p>
<p>Unter T&#246;tung wird nicht direkter Mord verstanden, so Foucault, „sondern auch alle Formen des indirekten Mordes: jemanden der Gefahr des Todes ausliefern, f&#252;r bestimmte Leute das Todesrisiko oder ganz einfach den politischen Tod, die Vertreibung, Abschiebung usw. zu erh&#246;hen (ebd., 302).“</p>
<p>Was tut die Hansaplatz Initiative anderes? Ihre ApologetInnen fordern die Vertreibung, Inhaftierung und Abschiebung von Menschen, die angetrieben von existentieller Not seit Jahrzehnten im Stadtteil um ihr &#220;berleben k&#228;mpfen. Die MitarbeiterInnen der sozialen Projekte wissen, wie fragil der physische und psychische Zustand dieser Menschen ist und welche existenzbedrohenden Konsequenzen derartig einschneidende Ver&#228;nderungen in der Szene nach sich ziehen. Deshalb rufen sie zu Demonstrationen auf und nehmen nicht billigend das Elend und den Tod von Mitmenschen in Kauf, nur um Kindern, deren Eltern in angesagten Stadteilen wohnen wollen, eine heile Welt vorzuspielen (siehe Plakat <a href="http://initiative-hansaplatz.de/index.html">http://initiative-hansaplatz.de/index.html</a>).</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<ul>
<li> El-Nagashi, Faika Anna (2007): Interview f&#252;r die Zeitschrift &#8220;malmoe&#8221;<br />
<a href="http://no-racism.net/article/2077">http://no-racism.net/article/2077</a></li>
<li> Foucault, Michel (1995): Der Wille zum Wissen, Frankfurt am Main.<br />
ebd.(1999): Vorlesung vom 17. M&#228;rz 1976. In ebd.: In Verteidigung einer Gesellschaft. Vorlesung am Collège de France 1975 – 76, Frankfurt am Main, 291.</li>
<li> Helen Ward (2007): Marxismus versus Moralismus.<br />
<a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd7807/t407807.html">http://www.trend.infopartisan.net/trd7807/t407807.html</a></li>
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		<item>
		<title>„Homosexualit&#228;t ist heilbar!“ – eine queere Perspektive auf Naturalisierungsstrategien in der Ex-Gay-Bewegung</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/ex-gay-bewegung/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/ex-gay-bewegung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 29 Mar 2011 08:43:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannah Mietke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ausgehend von den USA haben sich mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum verschiedene Vereine, Institutionen und Selbsthilfegruppen etabliert, die annehmen, Homosexualit&#228;t sei eine psychische Krankheit, die „geheilt“ werden kann und sollte. Sie bieten Therapien, Beratungen und Fortbildungen zu dem Thema an, es wird geforscht, publiziert und dieses spezifische Wissen wird u.a. auf Tagungen und Kongressen verbreitet. Hier sollen die Thesen der Bewegung kurz skizziert und anschlie&#223;end kritisiert werden, indem aus einer queer-theoretisch inspirierten Perspektive heraus die Naturalisierungstechniken aufgezeigt werden, mit denen Heteronormativit&#228;t stabilisiert wird...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Ausgehend von den USA haben sich mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum verschiedene Vereine, Institutionen und Selbsthilfegruppen etabliert, die annehmen, Homosexualit&#228;t sei eine psychische Krankheit, die „geheilt“ werden kann und sollte. Sie bieten Therapien, Beratungen und Fortbildungen zu dem Thema an, es wird geforscht, publiziert und dieses spezifische Wissen wird u.a. auf Tagungen und Kongressen verbreitet. Hier sollen die Thesen der Bewegung kurz skizziert und anschlie&#223;end kritisiert werden, indem aus einer queer-theoretisch inspirierten Perspektive heraus die Naturalisierungstechniken aufgezeigt werden, mit denen Heteronormativit&#228;t stabilisiert wird.</strong></p>
<p><strong><span class="einleitung"> </span></strong>Viele der Gruppen, die der Ex-Gay-Bewegung zuzuordnen sind, haben einen religi&#246;sen Hintergrund – dass der Diskurs um die Heilbarkeit von Homosexualit&#228;t jedoch nicht nur in christlich-konservativen Kreisen zirkuliert, unterstreicht eine Studie aus dem Jahr 2009, in der 17% der 1328 befragten britischen Psychotherapeut_innen angaben, dass sie bereits mindestens ein Mal versucht haben, die Homosexualit&#228;t ihrer Klient_innen zu vermindern oder zu &#228;ndern (vgl. Bartlett/Smith/King 2009). Deshalb weisen Wissenschaftler_innen in den USA bereits deutlich darauf hin, dass der Einfluss der Ex-Gay-Bewegung auf den Diskurs um die Problematisierung von Homosexualit&#228;t nicht zu untersch&#228;tzen sei. So Robinson und Spivey: „[...] we [...] suggest that the movement´s potential to affect the social order through public policy and influencing the global culture should not be underestimated“ (2007: 665).</p>
<p>Queere Perspektiven erm&#246;glichen eine Kritik an den Thesen der Ex-Gay-Bewegung, indem mit ihnen die Strukturen aufgedeckt werden k&#246;nnen, die der Reproduktion von Heterosexualit&#228;t als Normalit&#228;t dienen.</p>
<p><strong>Thesen der Bewegung: Definition und Ursachen von Homosexualit&#228;t</strong></p>
<p>Vertreter_innen der Bewegung zufolge ist Homosexualit&#228;t ein unnat&#252;rliches und unnormales Ph&#228;nomen, was oft mit der Fortpflanzung begr&#252;ndet wird – Homosexualit&#228;t k&#246;nne schlie&#223;lich keine Kultur oder Gesellschaft am Leben erhalten. M&#228;nner und Frauen seien au&#223;erdem psychisch und physisch verschieden, was schon auf ihre gegenseitige Verwiesenheit hindeute. Eine Therapie sei aber auch f&#252;r homosexuelle Personen selbst gewinnbringend, da Homosexualit&#228;t mit bestimmten negativen Eigenschaften verbunden sei, wie z.B. einer &#252;berm&#228;&#223;igen Egozentrik, kaum Selbstdisziplin und Arroganz (vgl. Haley 2006).</p>
<p>Von Natur aus sei also jeder Mensch heterosexuell, eine bestimmte Konstellation von Faktoren k&#246;nne aber dazu f&#252;hren, dass manche Menschen mit einem homosexuellen „Problem“ zu k&#228;mpfen haben. Einige dieser Faktoren, so wird pauschalisierend argumentiert, seien sexueller Missbrauch, Kontakt mit Pornographie, der Einfluss der Medien, ein negatives K&#246;rperbild und als „geschlechtsuntypisch“ konstruiertes Verhalten in der Kindheit. Als wesentlicher Faktor gilt jedoch die nicht gelungene Identifikation mit der eigenen M&#228;nnlichkeit bzw. Weiblichkeit, die auf eine misslungene Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil zur&#252;ckgef&#252;hrt wird (vgl. Vonholdt 2006). Dies k&#246;nne z.B. durch Zur&#252;ckweisungserfahrungen geschehen, durch die die Heranwachsenden einen Geschlechtsminderwertigkeitskomplex ausbilden, sich also weniger weiblich bzw. m&#228;nnlich f&#252;hlen als „normal entwickelte“ Gleichaltrige. Hierdurch sollen dann „geschlechtsungem&#228;&#223;e“ Gewohnheiten und Pers&#246;nlichkeitsmerkmale entstehen. Der homosexuelle Akt stelle dann in der Konsequenz die nachtr&#228;gliche Identifikation mit der eigenen M&#228;nnlichkeit bzw. Weiblichkeit dar.</p>
<p><strong>„Therapie“ von Homosexualit&#228;t</strong></p>
<p>Neben Ratschl&#228;gen f&#252;r Eltern, wie sie einer „homosexuellen Karriere“ ihrer Kinder vorbeugen k&#246;nnen, wurde eine F&#252;lle an Therapieformen erarbeitet, die der Umwandlung von Homo- in Heterosexualit&#228;t (oder „notfalls“ in Asexualit&#228;t) dienen soll. Eine der Gruppen in Deutschland, die solche Therapien bzw. Beratungen anbietet, ist <a href="http://www.wuestenstrom.de">wuestenstrom e.V.</a> mit Sitz in Tamm nahe Stuttgart. Wuestenstrom besch&#228;ftigt nach eigenen Angaben heute 15 haupt- und &#252;ber 400 ehrenamtliche Mitarbeiter_innen.</p>
<p>Neben seiner therapeutischen bzw. beratenden Arbeit f&#252;hrt der Verein regelm&#228;&#223;ig Seminare und Fortbildungen f&#252;r Seelsorger_innen und Berater_innen zum Thema Homosexualit&#228;t durch und benennt „&#214;ffentlichkeitsarbeit“ – also die Verbreitung von Informationen und die Teilnahme am &#246;ffentlichen Diskurs &#252;ber Homosexualit&#228;t – als ein wichtiges Ziel ihrer Arbeit.</p>
<p>In den Therapien bzw. Beratungsangeboten von wuestenstrom soll, wie der Leiter des Vereins Markus Hoffmann auf dem 5. internationalen Kongress f&#252;r Psychotherapie und Seelsorge 2006 in Marburg erkl&#228;rte, zun&#228;chst nach den pers&#246;nlichen Gr&#252;nden f&#252;r die Homosexualit&#228;t gesucht werden, da davon ausgegangen wird, dass Homosexualit&#228;t immer auf tiefer liegende Bed&#252;rfnisse hindeute (vgl. Hoffmann 2006).</p>
<p>Da Homosexualit&#228;t aber auch als ein Problem der Geschlechtsidentifikation gesehen wird, sollen in vielen solcher „Konversionstherapien“ nicht nur die Folgen der Traumatisierung (z.B. durch die Zur&#252;ckweisung durch das gleichgeschlechtliche Elternteil) verarbeitet, sondern ebenso die „geschlechtsuntypischen“ Verhaltensweisen (wieder) abgelegt werden, um somit nachtr&#228;glich f&#252;r eine Identifikation mit der „nat&#252;rlichen“ Geschlechtsidentit&#228;t zu sorgen (vgl. Aardweg 1999: 185 ff.). Dies soll durch die Imitation „traditioneller“ Geschlechterrollen geschehen, indem auf entsprechende Stereotype zur&#252;ckgegriffen wird: Homosexuelle Frauen sollen sich schminken, sich eine „feminine“ Frisur zulegen und ihre Ablehnung gegen T&#228;tigkeiten, die ihrem Geschlecht entsprechen (wie z.B. sich um G&#228;ste zu k&#252;mmern oder auf M&#228;nner zu h&#246;ren) ablegen. F&#252;r M&#228;nner gilt: Sie sollen besonders auf ihre Stimme, ihre Handbewegungen und ihren Gang achten, au&#223;erdem k&#246;nnen sie durch Erlebnisse wie Holz hacken oder Fu&#223;ball spielen ihre M&#228;nnlichkeit erfahren. Wichtig sei auch, dass sich der angehende heterosexuelle Mann dar&#252;ber bewusst werde, dass er (s)einer Frau gegen&#252;ber Verantwortung zu &#252;bernehmen habe und auch f&#252;r sie Entscheidungen treffen m&#252;sse.</p>
<p><strong>Zwei Ebenen von Naturalisierung</strong></p>
<p>Die Argumentation der Ex-Gay-Bewegung kann als machtvoll beschrieben werden, da sie Heterosexualit&#228;t und Zweigeschlechtlichkeit naturalisiert und somit alles Nicht-heterosexuelle als krankhaft und untersuchenswert markiert. Diese Naturalisierungen funktionieren hier auf zwei Ebenen:</p>
<p>Auf einer Makroebene wird das „Ph&#228;nomen“ Homosexualit&#228;t untersucht, das unnat&#252;rlich sein muss, da Heterosexualit&#228;t nat&#252;rlich ist.</p>
<p>Da Homo- und Heterosexualit&#228;t als sich diametral gegen&#252;berstehend konstruiert werden, verweist die Nat&#252;rlichkeit von Heterosexualit&#228;t immer schon auf die Unnat&#252;rlichkeit von Homosexualit&#228;t. Diese Nat&#252;rlichkeit von Heterosexualit&#228;t muss jedoch immer wieder hergestellt werden – dies geschieht durch die st&#228;ndige Bezugnahme auf die Abweichung, die aber sofort wieder abgewertet wird, indem sie als psychische Krankheit, die es zu heilen gilt, konstruiert wird.</p>
<p>Die Ex-Gay-Bewegung versucht durch ihre „Umpolungsversuche“ scheinbar Homosexualit&#228;t auszul&#246;schen, jedoch wird deutlich, dass Homosexualit&#228;t als Abweichung bestehen muss, um die Norm zu stabilisieren (vgl. Butler 1996). So versichert sich die Norm ihrer eigenen (h&#246;herwertigen) Identit&#228;t. Das Verh&#228;ltnis von Homo- zu Heterosexualit&#228;t wird somit als Machtverh&#228;ltnis reproduziert, da von heterosexueller Seite aus bestimmt wird, was und wie Homosexuelle sind und dass „sie“ &#252;berhaupt eine homogene Gruppe darstellen.</p>
<p>Die Nat&#252;rlichkeit von Heterosexualit&#228;t wird mit der Nat&#252;rlichkeit der Zweigeschlechtlichkeit begr&#252;ndet, indem M&#228;nner und Frauen in eine Opposition zueinander gesetzt und als einzige nat&#252;rliche Geschlechter konstruiert werden, die sich so zwangsl&#228;ufig sexuell aufeinander beziehen m&#252;ssen.</p>
<p>Auf einer Mikroebene der Naturalisierung wird nicht Homosexualit&#228;t, sondern werden homosexuelle Menschen selbst pathologisiert, weil sie pers&#246;nlich mit der vermeintlich nat&#252;rlichen Koh&#228;renz zwischen sex, gender und Begehren brechen. Dies geschieht durch die Konstruktion geschlechtsungem&#228;&#223;en Verhaltens, indem davon ausgegangen wird, es gebe „von Natur aus“ spezifisch „m&#228;nnliche“ und spezifisch „weibliche“ Verhaltensweisen und jede Abweichung hiervon m&#252;sse psychologische Ursachen haben. Folglich soll nicht nur das Begehren durch die genannten Therapien heterosexualisiert werden, sondern auch die Koh&#228;renz zwischen dem biologischen Geschlecht, der Geschlechtsidentit&#228;t und dem Begehren hergestellt werden, um „traditionelle“ Geschlechterrollen und ein entsprechendes Geschlechterverh&#228;ltnis zu reproduzieren (vgl. Hark 2008).</p>
<p><strong>Naturalisierungen aufdecken und angreifen</strong></p>
<p>Die n&#228;here Betrachtung der Thesen der Ex-Gay-Bewegung zeigt, wie hier Naturalisierungen gezielt eingesetzt werden, um nicht-heterosexuelle Lebensweisen zu pathologisieren. Diese Naturalisierungen sind zugleich Grundlage und Ergebnis der Argumentation, die durch die Kombination einer Mikro- und einer Makroebene besonders wirkungsvoll wird.</p>
<p>Queere Perspektiven erm&#246;glichen eine heteronormativit&#228;tskritische Betrachtung der Ex-Gay-Bewegung, indem eine dezidiert gegenteilige Position zu der der Bewegung eingenommen wird: Nicht die Abweichung Homosexualit&#228;t wird untersucht, sondern die diskursive Herstellung bzw. Aufrechterhaltung der Norm durch die Bewegung selbst. Durch diesen Blickwechsel wird deutlich, dass die Pathologisierungen vornehmlich der Reproduktion von Heteronormativit&#228;t dienen und nicht etwa der Unterst&#252;tzung der „Betroffenen“. Erst das Aufdecken bzw. Sichtbarmachen dieser genannten Ebenen macht sie angreifbar.</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Aardweg, Gerard J. M. van den (1999): Selbsttherapie von Homosexualit&#228;t. Leitfaden f&#252;r Betroffene und Berater. 2. Aufl. Neuhausen-Stuttgart: H&#228;nssler</p>
<p>Butler, Judith (1996): Imitation und die Aufs&#228;ssigkeit der Geschlechtsidentit&#228;t. In: Hark, Sabine (Hrsg.): Grenzen lesbischer Identit&#228;ten. Berlin: Quer</p>
<p>Bartlett, Annie/Smith, Glenn/King, Michael (2009): The response of mental health professionals to clients seeking help to change or redirect same-sex sexual orientation. <a href="http://www.biomedcentral.com/1471-244X/9/11">http://www.biomedcentral.com/1471-244X/9/11</a></p>
<p>Haley, Mike (2006): Homosexualit&#228;t. Fragen und Antworten. Bielefeld: CLV</p>
<p>Hark, Sabine (2008): Lesbenforschung und Queer Theorie: Theoretische Konzepte, Entwicklungen und Korrespondenzen. In: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. 2. Aufl. Wiesbaden: VS</p>
<p>Hoffmann, Markus (2006): Konzept und Begleitung homosexueller Menschen. <a href="http://akademieps.de/download/8429-Hoffmann-Konzept%20und%20Begleitung%20homosexueller%20Menschen.doc">http://akademieps.de/download/8429-Hoffmann-Konzept%20und%20Begleitung%20homosexueller%20Menschen.doc</a></p>
<p>Robinson, Christine/Spivey, Sue (2007): The politics of masculinity and the ex-gay movement. In: Gender and Society 2007, 21, 650-675</p>
<p>Vonholdt, Christl Ruth (2006): Homosexualit&#228;t verstehen. In: Bulletin. Nachrichten aus dem Deutschen Institut f&#252;r Jugend und Gesellschaft, Sonderdruck 2006, 1-12</p>
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		<title>Feministisches Gedankengut – ein veraltetes Konzept in der Sozialen Arbeit?</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/feministische_soziale-arbeit/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 18:13:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Micus-Loos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[„Parteilichkeit“ und „gemeinsame Betroffenheit“ – dies scheinen Schlagworte einer anderen Zeit zu sein. Als Handlungsmaxime pr&#228;gten sie zu Beginn der 1970er Jahre die ersten Konzepte feministischer Sozialer Arbeit. Haben diese Konzepte und ihre Annahmen angesichts konstruktivistischer und poststrukturalistischer Theorien und einer Debatte, dass M&#228;dchen zunehmend als „Bildungsgewinnerinnen“ gelten, ausgedient? Diese Frage steht im Mittelpunkt des folgenden Beitrags, der zun&#228;chst kurz res&#252;miert, was Feminismus wollte und will, um dann zu kl&#228;ren, ob Gleichberechtigung wirklich erreicht ist, und welche Relevanz diese &#220;berlegungen f&#252;r die Soziale Arbeit heute noch haben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>„Parteilichkeit“ und „gemeinsame Betroffenheit“ – dies scheinen Schlagworte einer anderen Zeit zu sein. Als Handlungsmaxime pr&#228;gten sie zu Beginn der 1970er Jahre die ersten Konzepte feministischer Sozialer Arbeit. Haben diese Konzepte und ihre Annahmen angesichts konstruktivistischer und poststrukturalistischer Theorien und einer Debatte, dass M&#228;dchen zunehmend als „Bildungsgewinnerinnen“ gelten, ausgedient? Diese Frage steht im Mittelpunkt des folgenden Beitrags, der zun&#228;chst kurz res&#252;miert, was Feminismus wollte und will, um dann zu kl&#228;ren, ob Gleichberechtigung wirklich erreicht ist, und welche Relevanz diese &#220;berlegungen f&#252;r die Soziale Arbeit heute noch haben.</strong></p>
<p>In Seminaren zur Bedeutung des Feminismus mache ich  h&#228;ufig eine &#228;hnliche Erfahrung, habe ich folgendes Déjà-vu: Fr&#252;her oder sp&#228;ter meldet sich eine j&#252;ngere Studentin, um die 20 Jahre alt, und vertritt die Auffassung, dass der Feminismus doch ein „alter Hut“ sei und dass wir ihn nicht mehr br&#228;uchten, da die Gleichberechtigung von Frauen und M&#228;nnern erreicht sei. Sie f&#252;hle sich jedenfalls keinesfalls benachteiligt oder gar unterdr&#252;ckt.</p>
<p>Hier deutet sich ein Konflikt zwischen Vertreter_innen feministischer &#220;berzeugungen und solchen, die sich mit feministischen Positionen nicht identifizieren k&#246;nnen, an, der mehr oder weniger regelm&#228;&#223;ig entbrennt. Die Konfliktlinie verl&#228;uft bisweilen entlang der Generationsgrenzen, durchkreuzt sie aber auch. Die aktuelle Feminismusdebatte in Deutschland, die sich an den umstrittenen &#196;u&#223;erungen der Bundesfamilienministerin Kristina Schr&#246;der entz&#252;ndet hat, belegt dies ebenso eindr&#252;cklich wie das Aufeinandertreffen von Alice Schwarzer und Verona Feldbusch in der Talkshow von Johannes B. Kerner im Jahr 2001. Was damals unter dem Titel „Brain trifft Body“ von einer gro&#223;en Tageszeitung angek&#252;ndigt wurde, war nichts anderes als die mediale Inszenierung par exzellence der Begegnung zweier Frauen, bei der die eine der anderen vorwarf, nur das „Weibchen“ zu spielen und damit alle Bem&#252;hungen weiblicher Emanzipation zu konterkarieren, w&#228;hrend die andere sich dieses Vorwurfs nicht erwehrte, sondern gerne und freiwillig die „Barbie-Karte“ &#252;bernahm.</p>
<p>Beides sind Beispiele des Widerspruchs einer feministischen &#220;berzeugung und eines postmodernen Antifeminismus.</p>
<h3>Was wollte und will Feminismus?</h3>
<p>Feminismus umfasst sehr heterogene, auch gegenl&#228;ufige Konzepte, von denen im Folgenden nur einzelne, ausgew&#228;hlte Ideen thematisiert werden k&#246;nnen, die im Zuge der Zweiten Frauenbewegung von Bedeutung waren.</p>
<p>Dem Androzentrismus in Wissenschaft und Praxis konnte nur begegnet werden, indem das spezifisch Weibliche bestimmt, der Blick auf weibliche Lebenswelten, vor allem auf weibliche St&#228;rken und F&#228;higkeiten (vgl. Gilligan 1984; Ostner/Beck-Gernsheim 1979) gelenkt, und die Bedeutung von Geschlecht als Kategorie sozialer Schlie&#223;ung thematisiert wurde. Simone de Beauvoir verwies auf das „Gemacht-Werden“ von Geschlechtlichkeit, auf machtvolle Zuschreibungsprozesse und bedeutsame Sozialisationserfahrungen zur Erkl&#228;rung von Geschlechterdifferenzen.</p>
<p>Mit einem kritischen Blick auf den vorherrschenden Androzentrismus war aber auch eine Kritik an der Gestaltung und Verteilung vorhandener R&#228;umlichkeiten und p&#228;dagogischer Angebote verbunden. Als erste Grunds&#228;tze feministischer M&#228;dchen- und Frauenarbeit galten „Parteilichkeit“ und „gemeinsame Betroffenheit“. Es entstanden erste Ans&#228;tze geschlechtshomogener Arbeit, beispielsweise die Einrichtung von feministischen Beratungsstellen, Frauenh&#228;usern und M&#228;dchentreffs mit dem Anspruch, R&#228;ume nur f&#252;r M&#228;dchen und Frauen jenseits von patriarchalen Strukturen zu schaffen. An diesen Orten sollte es m&#246;glich sein, Verhaltensweisen und F&#228;higkeiten von M&#228;dchen zu f&#246;rdern und gesellschaftlich aufzuwerten, M&#228;dchen und Frauen zu st&#228;rken, sie zur Unabh&#228;ngigkeit &#8211; beispielsweise von m&#228;nnlichen Zuschreibungen &#8211; zu ermutigen, und Frauen Schutz vor m&#228;nnlicher Gewalt zu gew&#228;hren. Die gemeinsame Betroffenheit von M&#228;dchen und Frauen bestand in dem Erleben patriarchaler Strukturen und Unterdr&#252;ckung.</p>
<h3>Ist Gleichberechtigung wirklich erreicht oder bleibt trotz Wandel und Ann&#228;herung der Geschlechter aneinander vieles beim Alten?</h3>
<p>Auf der Einstellungsebene machen Erziehende historisch betrachtet immer weniger Unterschiede zwischen M&#228;dchen und Jungen; geschlechter&#252;bergreifende Eigenschaften werden zunehmend akzeptiert. Erwachsene w&#252;nschen sich f&#252;r Heranwachsende beiderlei Geschlechts Berufsorientierung und Selbstst&#228;ndigkeit, Sozialkompetenzen und Autonomie (Deutsche Shell 2000, 2010). Dennoch flie&#223;en zum einen in Erziehungsprozesse immer wieder geschlechtstypisierende Erwartungen und Vorstellungen ein (Rendtorff 2007), zum anderen leben viele Erwachsene ihren Kindern traditionale Geschlechterarrangements vor. Geschlechterbilder wirken &#252;ber vielf&#228;ltigste Gesten und materialisieren sich auch in den jeweiligen K&#246;rpern (Bourdieu 1997; Goffman 1959, 1977).</p>
<p>Auch auf der Ebene der Sozialstruktur zeigen sich Ver&#228;nderungen wie Ver&#228;nderungsresistenzen: Bildungs- und Erwerbsbeteiligung von Frauen sind zur Selbstverst&#228;ndlichkeit geworden, von einer wirklichen Chancengleichheit im Erwerbsleben kann noch keine Rede sein. Nach wie vor zeigen sich geschlechtsspezifische Prozesse bei der Berufswahl, den Aufstiegsm&#246;glichkeiten, dem Zugang zu F&#252;hrungspositionen, der Bezahlung von Erwerbst&#228;tigkeit sowie der Verteilung von Teilzeitarbeit.<br />
So greift auch die derzeitige Debatte der Jungen als „Bildungsverlierer“ bzw. M&#228;dchen als „Bildungsgewinnerinnen“ zu kurz. Erstens zeigt sich, dass Jungen nicht nur bei den Risikosch&#252;ler_innen zahlenm&#228;&#223;ig &#252;berwiegen, sondern auch in der Gruppe der sehr erfolgreichen Sch&#252;ler_innen, zweitens, dass Bildungschancen im deutschen Schulsystem vor allem von der Schichtzugeh&#246;rigkeit, der staatlichen bzw. ethnischen Zugeh&#246;rigkeit oder auch den famili&#228;ren Bildungsabschl&#252;ssen abh&#228;ngen und drittens, dass m&#228;nnliche Jugendliche je nach ethnischer Zugeh&#246;rigkeit trotz schlechterer Schulabschl&#252;sse einen vergleichsweise besseren Zugang zu Ausbildungsberufen und Einstiegschancen ins Erwerbsleben finden (vgl. Budde 2010).</p>
<p>Gegenstand von Wandel und Kontinuit&#228;t ist auch die famili&#228;re geschlechterbezogene Funktionsteilung. Das in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren vorherrschende Leitbild der Hausfrauenehe hat sich &#252;berlebt. Die zunehmende Bildungsbeteiligung der Frauen, die wachsende weibliche Erwerbst&#228;tigkeit, der Wunsch, Familie und Beruf zu vereinbaren, sind als wesentliche Momente weiblicher Lebensentw&#252;rfe l&#228;ngst bekannt und haben neben der Pluralisierung von Familienformen Einfluss auf den Wandel der Mutter- und Vaterrolle. Die von Parsons und Bales (1955) beschriebene &#220;bernahme instrumenteller Rollenanforderungen durch den Mann, und die &#220;bernahme expressiver Rollenanforderungen durch die Frau, f&#252;r die das Zeigen von Gef&#252;hlen eine Pflicht war, vervielf&#228;ltigt sich. In den letzten Jahren taucht in Wissenschaft und &#214;ffentlichkeit der Begriff des Neuen Vaters auf, unter dem eine „neue, positiv konnotierte V&#228;terlichkeit“ (Friebertsh&#228;user/Matzner/Rothm&#252;ller 2007, 183) verstanden wird. Neue V&#228;ter zeichnen sich vor allem auf der Beziehungsebene durch ein bewusstes und gef&#252;hlsbetontes Engagement ihren Kindern gegen&#252;ber aus, Hausarbeit bleibt allerdings weiterhin Sache der Frauen (K&#252;nzler 1994). Nach wie vor besteht f&#252;r M&#252;tter eine gesellschaftliche Verpflichtung, die Pflege, Erziehung und Sorge, vor allem kleiner Kinder, zu &#252;bernehmen. Das normative Muster von der „guten Mutter“ ist wirkm&#228;chtig und h&#228;lt sich hartn&#228;ckig (Badinter 1981; Sch&#252;tze 1996). Daran &#228;ndert vorerst auch die Einf&#252;hrung des Elterngeldes nichts, die dazu f&#252;hrt, dass der Anteil der V&#228;ter, die Elternzeit beantragen, steigt. Dies darf aber nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass die V&#228;ter zum einen f&#252;r eine deutlich k&#252;rzere Zeit Elterngeld beanspruchen als die M&#252;tter, zum anderen gerne parallel zu den M&#252;ttern zu Hause bleiben. Trotz der ver&#228;nderten Geschlechtsrollen, zeigen sich Resistenzen in der Geschlechtsspezifik der Lebensf&#252;hrung. Bei aller Angleichung der Bildungschancen und erreichter Gleichberechtigung schleichen sich immer wieder Fallen der Ungleichheit und Ungerechtigkeit ein.</p>
<h3>Hat feministische Soziale Arbeit „ausgedient“?</h3>
<p>Solange das Geschlechterverh&#228;ltnis ein soziales Ungleichheitsverh&#228;ltnis ist und solange eine androzentrische Sicht noch h&#228;ufig die Grundlage von Theorie und Praxis darstellt, ist die Wahrnehmung von Geschlechterdifferenzen, die feministische Positionen charakterisiert, von zentraler Bedeutung. Die Anerkennung der Geschlechterdifferenzen, die Sensibilisierung f&#252;r geschlechtsspezifische Lebenswelten, Umgangsformen und Bew&#228;ltigungsstrategien ist wesentliche Voraussetzung f&#252;r Handlungsans&#228;tze in der Sozialen Arbeit. Menschen m&#252;ssen sich mit einer Kultur auseinandersetzen, die zweigeschlechtlich organisiert ist, und so offen oder subtil an heranwachsende M&#228;dchen und Jungen, an Frauen und M&#228;nner verschiedene Erwartungen, Aufgaben, Angebote und Sanktionen richtet.</p>
<p>Die feministische Handlungsmaxime der Parteilichkeit ist nach wie vor – vor allem bei Gewalt im sozialen Nahraum – von existentieller Bedeutung.  Gerade in Zeiten, in denen der Eindruck entsteht, dass die Geschlechter aus Konkurrenz um F&#246;rdert&#246;pfe gegeneinander ausgespielt werden, so dass z.B. die spezifische Arbeit mit M&#228;dchen zugunsten einer Jungenf&#246;rderung von K&#252;rzungen bedroht ist bzw. M&#228;dchen- und Frauenprojekte um ihr Fortbestehen bangen, bedarf es weiterhin der Anerkennung und F&#246;rderung von M&#228;dchentreffs sowie feministischer Beratungsstellen und Frauenh&#228;user.</p>
<p>Der Erhalt solcher geschlechtshomogenen R&#228;ume f&#252;r M&#228;dchen und Frauen ist auch in Zukunft notwendig. Gleichzeitig sind Weiterentwicklungen geschlechtsbezogener Jungenarbeit vonn&#246;ten. Beide Geschlechter bed&#252;rfen der spezifischen R&#228;ume und der Unterst&#252;tzung, um sich mit gesellschaftlichen normativen Erwartungen von M&#228;nnlichkeiten und Weiblichkeiten auseinandersetzen und subjektive, individuelle Lebensentw&#252;rfe in selbstbestimmter Weise leben zu k&#246;nnen, ohne durch Geschlechtstypisierungen eingeschr&#228;nkt zu werden.</p>
<p>Entgegen  einer „Ikonisierung von Weiblichkeit“ (Knapp 1988), gilt es, f&#252;r vielf&#228;ltige Differenzierungen zu sensibilisieren. Nicht alle Jungen und M&#228;nner profitieren gleicherma&#223;en vom Patriarchat bzw. hegemonialer M&#228;nnlichkeit; vielmehr gilt es, Widerspr&#252;che, Br&#252;che und Konflikte innerhalb einer Geschlechtskategorie zu untersuchen.</p>
<p>Erst eine Infragestellung bin&#228;rer Differenzordnungen erm&#246;glicht einen kritischen Blick auf Normen und Ausschl&#252;sse. Intersektionalit&#228;t r&#252;ckt die Verwobenheit und das Zusammenwirken verschiedener Differenzkategorien und unterschiedlicher Dimensionen sozialer Ungleichheit wie beispielsweise Alter, Behinderung, Ethnizit&#228;t, Klasse, , Religion, sexuelle Orientierung etc. in den Fokus.</p>
<p>Ich pl&#228;diere f&#252;r die Gleichzeitigkeit verschiedener Diskurse, also f&#252;r ein Denken im Bewusstsein der Differenzen zwischen den Diskursen, ein Denken, das sich dem „Gestus der letzten Bestimmung in der Alternative von Entweder-Oder entzieht“ (Meyer-Drawe 1990, 82), ohne eine &#252;bergreifende Vers&#246;hnung anzustreben. Vielmehr wei&#223; es um die St&#228;rken, aber auch die Grenzen der einzelnen Diskurse. Indem ich das Entweder-Oder verneine, pl&#228;diere ich nicht f&#252;r die Beliebigkeit der Diskurse oder verneine die Pr&#228;ferenz einzelner Diskurse. Aber f&#252;r die Soziale Arbeit ist es entscheidend, erg&#228;nzend zu differenztheoretischen Positionen Spielarten des Konstruktivismus und des Poststrukturalismus zu ber&#252;cksichtigen.</p>
<p>Es bleibt eine Herausforderung f&#252;r die Soziale Arbeit, neben dem Differenzparadigma den Blick f&#252;r das zu sch&#228;rfen, was in bestimmten Diskursen durch Binarit&#228;t verworfen, nicht-gedacht oder erm&#246;glicht wird, wie Macht- und Unterordnungsverh&#228;ltnisse begr&#252;ndet bzw. stabilisiert werden und wie Subjekte durch solche Ein- und Ausschlussverfahren auf der Ebene der hegemonialen gesellschaftlichen Machtverh&#228;ltnisse konstituiert werden (Butler 1991).</p>
<p>Sensibilisiert das Differenzparadigma f&#252;r Unterschiede zwischen den Geschlechtern und ist Grundlage f&#252;r feministische, parteiliche und geschlechterreflektierende Konzepte Sozialer Arbeit, f&#252;hrt uns der Poststrukturalismus die eigene Beteiligung an Machtprozessen vor Augen. Professionell T&#228;tige in der Sozialen Arbeit sind nicht nur im Sinne des „doing gender“ (West/Zimmerman 1987) in der Interaktion mit den Adressat_innen Mitkonstrukteur_innen von Geschlecht, sondern die „Anrufung“ – wie Professionell T&#228;tige beispielsweise ihre Adressat_innen nennen und bezeichnen – entscheidet dar&#252;ber, was Menschen zu bzw. abgesprochen wird, ob und wie sie Anerkennung erfahren. So geht beispielsweise allein mit der Bezeichnung eines Menschen als „Harz IV-Empf&#228;nger“ eine soziale Stigmatisierung einher – in den Worten Butlers werden diese Menschen an Orte verwiesen, an denen ihnen keine Anerkennung zuteil wird –, die sich immer auch auf die Selbstwahrnehmung auswirkt und die F&#228;higkeit beeinflusst, den mit dieser Charakterisierung verbundenen Zustand zu &#252;berwinden.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus ist nicht nur von Bedeutung, wen beispielsweise Konzepte von Sozialer Arbeit ein- bzw. ausschlie&#223;en, wer wie benannt, dargestellt, zugeordnet oder auch nicht benannt wird, sondern auch was benannt und bew&#228;ltigt werden kann und wie diese Bew&#228;ltigung gelingen kann.</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<ul>
<li> Badinter, Elisabeth (1981): Die Mutterliebe. Die Geschichte eines Gef&#252;hls vom 17. Jahrhundert bis heute. M&#252;nchen.</li>
<li> Bourdieu, Pierre (1997): „Die m&#228;nnliche Herrschaft“. In: D&#246;lling, Irene/Krais, Beate (Hrsg.): Ein allt&#228;gliches Spiel. Geschlechterkonstruktionen in der sozialen Praxis. Frankfurt/Main, 153-217.</li>
<li>Budde, J&#252;rgen (2010): „Der Valentin ist ein Sorgenkind &#8230;“ Bildungsungleichheiten als kulturelle Passungsprobleme zwischen m&#228;nnlichem Habitus und institutionalisierten Schulkulturen? Vortrag im Rahmen der Tagung „Konstruktionsprozesse in der Schule aus Sicht der Gender Studies“, Zentrum f&#252;r transdisziplin&#228;re Geschlechterstudien, Humboldt-Universit&#228;t zu Berlin.</li>
<li>Butler, Judith (1991): Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt/M. 1991.</li>
<li>Deutsche Shell (Hrsg.) (2000): 13. Shell Jugendstudie. Jugend 2000. Opladen.</li>
<li>Deutsche Shell (Hrsg) (2010): 16. Shell Jugendstudie. Jugend 2010. Opladen.</li>
<li>Friebertsh&#228;user, Barbara/Matzner, Michael/Rothm&#252;ller, Ninette (2007). In: Ecarius, Jutta (Hrsg.): Handbuch Familie. Wiesbaden, 179-198.</li>
<li>Gilligan, Carol (1984): Die andere Stimme. Lebenskonflikte und Moral der Frau. M&#252;nchen.</li>
<li>Goffman, Erving (1959): The Presentation of Self in Everyday Life. Michigan.</li>
<li>Goffman, Erving (1977/1994): Interaktion und Geschlecht, hrsg. von Hubert A. Knoblauch. Frankfurt/Main/New York.</li>
<li>Knapp, Gudrun-Axeli (1988): Die vergessene Differenz. In: Hark, Sabine (Hrsg.): Dis/Kontinuit&#228;ten. Feministische Theorie. Opladen, 252-272.</li>
<li>K&#252;nzler, J. (1994): Familiale Arbeitsteilung. Die Beteiligung von M&#228;nnern an der Hausarbeit. Bielefeld.</li>
<li>Meyer-Drawe, K&#228;te (1990): Provokationen eingespielter Aufkl&#228;rungsgewohnheiten durch ‘postmodernes Denken’. In: Heinz-Hermann Kr&#252;ger (Hrsg.): Abschied von der Aufkl&#228;rung? Perspektiven der Erziehungswissenschaft. Opladen, 81-90.</li>
<li>Ostner, Ilona; Beck-Gernsheim, Elisabeth (1979): Mitmenschlichkeit als Beruf. Eine Analyse des Alltags in der Krankenpflege. Frankfurt/ New York.</li>
<li>Parsons, Talcott; Bales, Robert E. (1955): Family, Socialisation and Interaction Process. Glencoe.<br />
Rendtorff, Barbara (2007): Geschlechteraspekte im Kontext von Familie. In: Ecarius, Jutta (Hrsg.): Handbuch Familie. Wiesbaden, 94-111.</li>
<li>Sch&#252;tze, Yvonne (1996): Die gute Mutter. Zur Geschichte des normativen Musters „Mutterliebe“. In: Karsten, Maria-Eleonora/Otto, Hans-Uwe (Hrsg.): Die sozialp&#228;dagogische Ordnung der Familie. Weinheim/M&#252;nchen, 98-121.</li>
<li>West, Candance; Zimmerman, Don H. (1987): Doing gender. In: Gender and Society 1, 125-151.</ul>
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		<title>Heteronormativit&#228;tskritische Filmbildung – Pl&#228;doyer f&#252;r queere Perspektiven in der Medienp&#228;dagogik</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Feb 2011 21:04:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Bader</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Medienp&#228;dagogische Filmbildung hat es bislang g&#228;nzlich vers&#228;umt queer-theoretische Ans&#228;tze in der Filmbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzugreifen. Darum schlage ich ein Konzept heteronormativit&#228;tskritischer Filmbildung vor, mit dem medienp&#228;dagogische Ans&#228;tze innerhalb der Filmbildungsarbeit f&#252;r queer ge&#246;ffnet werden, das sich insbesondere f&#252;r subjektbezogene Konzepte von Filmbildung dringend empfiehlt. Heteronormativit&#228;tskritische Filmbildung stellt eine ver&#228;nderte M&#246;glichkeit der Herangehensweise an das Medium Film dar: Filmische Repr&#228;sentation wird als Ort der Reproduktion heteronormativer Strukturen fokussiert und gleichzeitig der Frage nachgegangen, inwiefern Interventionen in die symbolische Ordnung durch filmisch vermittelte Formen des Widerstandes aussehen k&#246;nnen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Medienp&#228;dagogische Filmbildung hat es bislang g&#228;nzlich vers&#228;umt queer-theoretische Ans&#228;tze in der Filmbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzugreifen. Darum schlage ich ein Konzept heteronormativit&#228;tskritischer Filmbildung vor, mit dem medienp&#228;dagogische Ans&#228;tze innerhalb der Filmbildungsarbeit f&#252;r queer ge&#246;ffnet werden, das sich insbesondere f&#252;r subjektbezogene Konzepte von Filmbildung dringend empfiehlt. Heteronormativit&#228;tskritische Filmbildung stellt eine ver&#228;nderte M&#246;glichkeit der Herangehensweise an das Medium Film dar: Filmische Repr&#228;sentation wird als Ort der Reproduktion heteronormativer Strukturen fokussiert und gleichzeitig der Frage nachgegangen, inwiefern Interventionen in die symbolische Ordnung durch filmisch vermittelte Formen des Widerstandes aussehen k&#246;nnen. </strong></p>
<p><strong>Medienp&#228;dagogische Filmbildung – queere Perspektiven</strong><br />
Medienp&#228;dagogische Filmbildung versteht Medien als Bildungstr&#228;ger, denen eine sozialisationsrelevante Funktion zugeschrieben wird, sie gelten als Wissensvermittler, die Kindern und Jugendlichen die M&#246;glichkeit zur Weltaneignung und Partizipation an gesellschaftlichen Prozessen er&#246;ffnen (vgl. Demmler et al. 2009, S. 9). Politische Bildung als ein Zielwert medienp&#228;dagogischer Filmbildung fokussiert die F&#246;rderung kritischen Denkens, kritischer Reflexionen von Gesellschaft und politischem Verantwortungsgef&#252;hl (vgl. Maurer 2010, S. 292f). Aktuelle Filmbildungsprojekte sind z.B. die Schulkinowochen, die j&#228;hrlich bundesweit von Vision Kino durchgef&#252;hrt werden, Kinder- und Jugendfilmfestivals wie das Bielefelder Kinderfilmfest oder auf internationaler Ebene das Kinderfilmfestival Lucas in Frankfurt. Weitere wichtige Tr&#228;ger f&#252;r Filmbildungsprojekte sind der Bundesverband Jugend und Film e.V. sowie das Institut f&#252;r Kino und Filmkultur.</p>
<p>F&#252;r subjektbezogene Konzepte von Filmbildung liegt die Relevanz der Besch&#228;ftigung mit dem Medium Film darin, unterschiedliche Interpretationen und Bedeutungszuschreibungen durch die Rezipient_innen herauszuarbeiten (vgl. Maurer 2010, S. 38). Dies geschieht vor dem Hintergrund der jeweilig einzigartigen Biografien, Erfahrungswerte, Wissensstrukturen, Normen, Werte etc. Als geeignet werden daher Filme mit einem thematisch lebensnahen Bezug f&#252;r diejenigen Personen eingestuft, die f&#252;r einen Filmbildungsprozess gewonnen werden sollen (vgl. Niesyto 2007, S. 11).</p>
<p>Auffallend in gegenw&#228;rtiger Filmbildungsarbeit ist, dass zwar gender punktuell als Analysekategorie verwendet wird, um Reflexionen stereotypisierter Darstellungsweisen von M&#228;nnern und Frauen anzuregen. Das Themenfeld Sexualit&#228;t/sexuelle Orientierung als Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ist bisher jedoch kaum in der Filmbildungsarbeit ber&#252;cksichtigt worden. Dies wird z.B. mit Blick auf kinofenster.de deutlich: ca. 200 Filme werden gelistet, die von unterschiedlichen Filmbildungsinitiativen eingesetzt werden. Der Anteil der Filme mit schwul/lesbischen Themen ist mehr als marginal. Queer-theoretische Ans&#228;tze bieten sich an, diese L&#252;cke zu f&#252;llen, da sie &#252;ber gender hinausgehen und vielmehr Sexualit&#228;t als Untersuchungsgegenstand und politische Kategorie benennen (vgl. Genschel 1997). Diesen Fokus zu w&#228;hlen, bedeutet Vorstellungen von Heterosexualit&#228;t als Norm und „das Nat&#252;rliche“ in Frage zu stellen. Queer nimmt die Formen von Sexualit&#228;t in den Blick, die im &#246;ffentlichen Diskurs unsichtbar gemacht werden und/oder als Abweichung von der heterosexuellen Norm, als das erkl&#228;rungsbed&#252;rftige sexuell Andere stigmatisiert und gebrandmarkt werden, wie z.B. Transsexualit&#228;t, Intersexualit&#228;t, lesbische und schwule Homosexualit&#228;t, Bisexualit&#228;t, Asexualit&#228;t etc.</p>
<p><strong>Heteronormativit&#228;tskritische Filmbildung</strong><br />
Queer-theoretisch inspirierte Filmbildung benennt als bildungspolitisches Moment die Reflexion von Gesellschaft aus einer heteronormativit&#228;tskritischen Perspektive. Dies bedeutet eine ver&#228;nderte Herangehensweise zu bisherigen, nur sehr sporadisch vorhandenen Auseinandersetzungen um das Themenfeld Sexualit&#228;t/sexuelle Orientierung: Rezeptive Filmarbeit bedeutet dann gerade nicht mehr eine stark personenbezogene Thematisierung von Homosexualit&#228;t, die oft in einem problemzentrierten Kontext angesiedelt ist wie das Coming Out einer Figur (Raus aus Åmål, Lukas Moodysson 1998; Sommersturm, Marco Kreuzpaintner 2004) oder der Kampf gegen die Unterdr&#252;ckung von Homosexuellen (Milk, Gus Van Sant 2008). Sie zeichnet sich nicht aus durch Fokussierung der Interaktionsebene (wie verh&#228;lt sich Person X zu Person Y nach deren Coming Out etc.) und will auch nicht mit Hilfe des Mediums Film zu mehr Toleranz aufrufen gegen&#252;ber so genannten sexuellen Minderheiten. Heteronormativit&#228;tskritische Filmbildung verfolgt vielmehr das Ziel Heterosexualit&#228;t als gesellschaftliches Machtverh&#228;ltnis zu problematisieren. Es geht um die Frage, wie heterosexuelle Normalit&#228;t immer wieder hergestellt wird – Queer beantwortet diese Frage mit dem Verweis auf gesellschaftliche Diskurse, die als Ort der Herstellung gesellschaftlicher und sozialer Wirklichkeit, wie z.B. heterosexueller Normalit&#228;tsverh&#228;ltnisse, verstanden werden (vgl. Genschel 1997, S. 529). Heteronormativit&#228;tskritische Filmbildung versucht Kinder und Jugendliche f&#252;r diskursive Herstellungsverfahren im Film zu sensibilisieren. Diese Konstruktionsprozesse geschehen vor allem im Mainstreamfilm (vgl. Brunner 2008, S. 342f.), in dem sehr h&#228;ufig heterosexuelle Lebensentw&#252;rfe selbstverst&#228;ndlich als sexuelle Normalit&#228;t inszeniert werden – nicht in erster Linie mittels konkreter, eindeutiger Verbalisierungen, sondern indem andere Lebensentw&#252;rfe gerade nicht vorkommen, ausgeblendet werden oder allenfalls als (karikierte) Nebenfiguren auftauchen in der Funktion, Heterosexualit&#228;t als Normalit&#228;t zu best&#228;tigen.</p>
<p>Heteronormativit&#228;t als zentrales Machtverh&#228;ltnis, mit dem Gesellschaft organisiert wird (vgl. Genschel 1997, S. 528f.), in die Analyse von Filmen mit einflie&#223;en zu lassen, bedeutet auch danach zu fragen, welche M&#246;glichkeiten in Bezug auf widerst&#228;ndige Inszenierungen f&#252;r Filme existieren in einem heteronormativ gepr&#228;gten gesellschaftlichen Raum (vgl. Engel 2001, S. 132f.). Fokussiert wird die Frage danach, inwiefern queere Repr&#228;sentationen eine Intervention darstellen in die symbolische Ordnung, wie filmisch vermittelte Formen des Widerstandes aussehen k&#246;nnen und zu einer Entprivilegierung heterosexueller Normalit&#228;tsverh&#228;ltnisse beitragen k&#246;nnen. Daher bleibt es nicht bei einer Lokalisierung heteronormativer Strukturen im Film, gleichzeitig will heteronormativit&#228;tskritische Filmbildung Kinder und Jugendliche dazu bef&#228;higen, erkennen zu k&#246;nnen, inwiefern Inszenierungsstrategien im Queer Cinema und New Queer Cinema mit der Herstellung eigener, selbstbestimmter Bilder und Artikulationen eigener Positionen (vgl. Brunner 2008, S. 343f.) zum subkulturellen Widerstand eingesetzt werden k&#246;nnen (vgl. Aaron 2004, S. 5f.). Filme aus dem Queer Cinema und dem New Queer Cinema sind bisher nicht als bildunsgrelevante Filme eingestuft worden, bieten sich jedoch gerade durch ihre spezifische Art der Inszenierung gesellschaftlicher Realit&#228;t an: Oftmals queer-theoretisch inspiriert, problematisieren sie heterosexuelle Normalit&#228;tsverh&#228;ltnisse indem z.B. nicht-heterosexuelle Lebensentw&#252;rfe als Normalit&#228;t entworfen werden.</p>
<p>Wie bisher in Filmbildungsarbeit h&#228;ufig praktiziert, kommt dem Entschl&#252;sseln der Filmsprache durch die Rezipient_innen eine besondere Bedeutung zu. Zentral ist die Frage danach, warum spezifische film-&#228;sthetische Mittel gew&#228;hlt werden (Kamera, Ton, Schnitt, Montage, Licht, Figurenkonstellation etc.), um einen bestimmten Filminhalt zu transportieren (vgl. Volland 2008, S. 155ff.). Heteronormativit&#228;tskritische Filmanalysen untersuchen, welche Mittel Film zur Verf&#252;gung stehen, um nicht-heterosexuelle Lebensentw&#252;rfe darzustellen und inwiefern heterosexuelle Normalit&#228;tsverh&#228;ltnisse durch eine spezifische Art der Inszenierung (ein St&#252;ck weit) entprivilegiert und destabilisiert werden k&#246;nnen. Die Analyse des Einsatzes der subjektiven Kamera bietet sich z.B. an, um Perspektiven queerer Protagonist_innen auf Gesellschaft und ihren Alltag wiederzugeben, sie als selbstbestimmt und selbstbewusst zu zeichnen (z.B. in Mein Freund aus Faro, Nana Neul 2007). Mit Fokus auf Stilmittel des Erz&#228;hlens wie Satire oder Ironie kann herausgearbeitet werden, wie der kausallogische Zusammenhang „Frau &#8211; weibliches gender &#8211; heterosexuelle Orientierung“ karikiert und aufgebrochen wird (etwa in But I’m a Cheerleader, Jamie Babbit 1999).</p>
<p><strong>Differenzerfahrung als Pers&#246;nlichkeitsbildung</strong><br />
Filmbildung erm&#246;glicht Differenzerfahrungen z.B. durch den Einbezug widerst&#228;ndiger Inszenierungen in Bezug auf gesellschaftlich verankerte heterosexuelle Normalit&#228;tsverh&#228;ltnisse. „Bildung hat als Entwicklung von reflexiver Distanz zum Gegebenen und zun&#228;chst selbstverst&#228;ndlich Erscheinenden zun&#228;chst eine irritierende Funktion“ (vgl. Fromme 2009, S. 1045). Widerst&#228;ndige Inszenierungen k&#246;nnen Bildungsprozesse ansto&#223;en, da sie alternative Lebenswirklichkeiten und Lebensentw&#252;rfe jenseits von Heterosexualit&#228;t als Normalit&#228;t inszenieren und somit Differenzerfahrungen darstellen k&#246;nnen, die irritieren. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen kann heteronormativit&#228;tskritische Filmbildung pers&#246;nlichkeitsbildende Prozesse anregen, die bisher durch Filmbildungsarbeit nicht erm&#246;glicht wurden: kritische Reflexionen und ggf. Modifikation eigener Positionen, normativer Denk- und Handlungsmuster, Reflexionen der Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie eigener Normen und gesellschaftlicher Pr&#228;gungen. Einer queeren medienp&#228;dagogischen Filmanalyse kommt hierbei die Funktion der Sch&#228;rfung des eigenen Blickes sowohl auf gesamtgesellschaftliche Prozesse als auch auf sich selbst zu.</p>
<p>Queer-theoretische Perspektiven sind in der Medienp&#228;dagogik bisher nicht vertreten. Der von mir skizzierte Entwurf einer heteronormativit&#228;tskritischen Filmbildung kann bisherige medienp&#228;dagogische Filmbildung insofern gewinnbringend erg&#228;nzen, als dass Heterosexualit&#228;t als gesellschaftliches Machtverh&#228;ltnis problematisiert, Herstellungsverfahren der Konstruktion heterosexueller Normalit&#228;t aufgedeckt und Interventionsm&#246;glichkeiten filmischer Repr&#228;sentation aufgesp&#252;rt werden. Um Filmbildung mit diesem Fokus praktisch an Schulen in Form von Kinoseminaren etc. durchf&#252;hren zu k&#246;nnen, muss sich die Medienp&#228;dagogik zun&#228;chst f&#252;r queer-theoretische Perspektiven &#246;ffnen, m&#252;ssen entsprechende praxistaugliche Konzepte erstellt werden und Filme aus dem Queer Cinema und New Queer Cinema endlich in der Filmbildungsarbeit ber&#252;cksichtigt werden.<br />
Politische Bildung wird als ein Zielwert medienp&#228;dagogischer Filmbildung beschrieben (vgl. Maurer 2010, S. 292f.) – heteronormativit&#228;tskritische Filmbildung bietet die M&#246;glichkeit queere Perspektiven in der Medienp&#228;dagogik zu verankern und dem Mangel an politischen Dimensionen innerhalb der Medienp&#228;dagogik entgegenzuwirken.</p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<p>Brunner, Philipp (2008): Queer Cinema: Schwul-lesbisches Filmschaffen seit den Achtzigern. In: Christen, Thomas/Blanchet, Robert (Hrsg.) (2008): New Hollywood bis Dogma 95. Einf&#252;hrung in die Filmgeschichte. Marburg: Sch&#252;ren, S. 339 &#8211; 354</p>
<p>Demmler, Kathrin et al. (2009): Medien bilden – aber wie? Grundlagen f&#252;r eine nachhaltige medienp&#228;dagogische Praxis. M&#252;nchen: kopaed</p>
<p>Fromme, Johannes (2009): Mediale Bildung. In: Mertens, Gerhard et al. (2009): Handbuch der Erziehungswissenschaft. Paderborn: Ferdinand Sch&#246;ningh, S. 1043 – 1054<br />
Genschel, Corinna (1996): Fear of a Queer Planet: Dimensionen lesbisch-schwuler Gesellschaftskritik. In: Das Argument, Zeitschrift f&#252;r Philosophie und Sozialwissenschaften. Jg. 38, Nr. 216, S. 525 &#8211; 537</p>
<p>Maurer, Bj&#246;rn (2010): Subjektorientierte Filmbildung in der Hauptschule. Theoretische Grundlegungen und p&#228;dagogische Konzepte f&#252;r die Unterrichtspraxis. M&#252;nchen: kopaed</p>
<p>Niesyto, Horst (2007): Filmbildung, Situation und Perspektiven. In: KinoKompetenz – der Bundeskongress „KinoKompetenz 24 mal Bildung pro Sekunde, 11. &#8211; 13 Mai 2007, Kommunales Kino Stuttgart</p>
<p>Volland, Kerstin (2008): Zeitspieler: Inszenierungen des Temporalen bei Bergson, Deleuze und Lynch. Wiesbaden: VS</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Gender Gap? –  eine Auseinandersetzung am Einzelfall</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Jan 2011 19:49:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Ballenthien</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Sexistische Situationen begegnen uns in unserem Alltag immer wieder und stellen uns vor die Aufgabe, einen ad&#228;quaten Umgang damit zu finden. Dieser Artikel pl&#228;diert daf&#252;r, jede Situation in ihrem jeweiligen Kontext als spezifischen Einzelfall zu betrachten, und demnach auf offenes, „nicht-b&#246;se-gemeintes“, platt traditionell und sozialpolitisch verankertes sexistisches Verhalten und die diversen Schnittmengen spezifisch zu reagieren. Im Fokus des Artikels steht eine Situation, in der es um eine sprachliche Auseinandersetzung &#252;ber die in einem TV Werbespot dargestellten Geschlechterrollen geht. Darin wird eine M&#246;glichkeit feministischer Handlungsf&#228;higkeit vorgeschlagen, die die differenzierten Deutungshorizonte sexistischen Handelns versucht zu verstehen und ernst zu nehmen, um auf dieser Grundlage Diskurse zu verhandeln und zu ver&#228;ndern...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Sexistische Situationen begegnen uns in unserem Alltag immer wieder und stellen uns vor die Aufgabe, einen ad&#228;quaten Umgang damit zu finden. Dieser Artikel pl&#228;diert daf&#252;r, jede Situation in ihrem jeweiligen Kontext als spezifischen Einzelfall zu betrachten, und demnach auf offenes, „nicht-b&#246;se-gemeintes“, platt traditionell und sozialpolitisch verankertes sexistisches Verhalten und die diversen Schnittmengen spezifisch zu reagieren. Im Fokus des Artikels steht eine Situation, in der es um eine sprachliche Auseinandersetzung &#252;ber die in einem TV Werbespot dargestellten Geschlechterrollen geht. Darin wird eine M&#246;glichkeit feministischer Handlungsf&#228;higkeit vorgeschlagen, die die differenzierten Deutungshorizonte sexistischen Handelns versucht zu verstehen und ernst zu nehmen, um auf dieser Grundlage Diskurse zu verhandeln und zu ver&#228;ndern.</strong></p>
<p>Ich wurde durch mein Umfeld in einen gendergerechten Umgang, in eine gendergerechte Sprache, in ein feministisch-politisches Bewusstsein einsozialisiert. Mein Umfeld, das ist ein Freundes- und Bekanntenkreis innerhalb einer politischen Szene, in dem gesellschaftliche Missst&#228;nde &#252;ber Genderaspekte hinaus skandalisiert und aktiv bek&#228;mpft werden. Unser Umgang beruht dabei auf gegenseitigen Respekt und versucht, im Rahmen der eigenen Fehlbarkeit, fernab von Sexismus, Rassismus und anderen Diskriminierungsfaktoren zu sein. Dieses Bewusstsein macht potentiell verletzlicher innerhalb des gesellschaftlichen Normalzustandes, denn ich erkenne weitaus h&#228;ufiger offenes, „nicht-b&#246;se-gemeintes“, platt traditionell und sozialpolitisch verankertes sexistisches Verhalten und die diversen Schnittmengen.</p>
<p>Bin ich damit Betroffene, Verantwortungstr&#228;gerin oder beides? Und vor allem, welches Diskussionsverhalten zwischen mir und meinen Mitmenschen sollte daraus resultieren? Wie sollte ich mit ihnen kommunizieren, wenn sie sich „traditionell“-sexistisch verhalten, zum Beispiel schon ein einziges Binnen-I zu Irritationen oder sogar Anfeindungen f&#252;hrt? Wie sollte ich reagieren, wenn ich mit Machismen konfrontiert werde? Wie sollte ich reagieren, wenn Menschen in meiner Gegenwart aktiv Genderstereotype reproduzieren?</p>
<p>Mit meinem Bewusstsein f&#252;r die genderspezifischen Aspekte und vor allem Problemstellungen der Gesellschaft versuche ich – davon abgesehen, dass wir alle nicht unfehlbar sind – dementsprechend zu agieren. Uns allen ist bewusst, dass dies nicht immer einfach ist. Wie oft werden wir am Arbeitsplatz, im Supermarkt, auf Tagungen, auf Partys, in Blogs oder an jedem beliebigen anderen Ort mit Sexismen konfrontiert? Wie oft haben wir diskutiert, wie oft f&#252;hlten wir uns vor den Kopf gesto&#223;en und l&#228;cherlich gemacht und wie oft haben wir uns resigniert und kopfsch&#252;ttelnd abgewendet. In den Situationen, in denen eine verbale Auseinandersetzung m&#246;glich schien, haben wir sie oft nicht mehr ergriffen, weil wir dessen m&#252;de geworden sind. Das &#8216;nicht-reagieren&#8217; oder &#8216;nicht-reagieren-k&#246;nnen&#8217; kennen wir. Das Erlangen von sinnvoller aktiver Handlungsf&#228;higkeit bringt uns an unsere Grenzen. Das hat meiner Meinung nach zwei Gr&#252;nde. Zum einen haben wir das Gef&#252;hl, dass sich die gleichen Szenen st&#228;ndig wiederholen, wir uns immer wieder den gleichen Vorurteilen und Anfeindungen stellen m&#252;ssen und immer wieder den gleichen Text abspulen  m&#252;ssen. Zum anderen sind die Situationen gleichzeitig zu divers. Sie entziehen sich unserer Reaktion, weil sie uns &#252;berrumpeln, weil wir sie nicht in ihrer G&#228;nze durchschauen k&#246;nnen und weil wir somit nicht in jeder Situation den richtigen Spruch auf den Lippen haben.</p>
<p>Adrian Lang, ein Berliner Blogger hat dieses Dilemma sehr geschickt gel&#246;st, indem er mit der F&#252;lle an Situationen in einem Blogeintrag gemeinsam „abrechnete“. In seinem Blogeintrag <a href="http://blog.adrianlang.de/?p=848">„Sprache und Geschlecht“</a> setzt sich Adrian in klarer Sprache, ernsthaft aber humorvoll mit den Inhalten aus Kommentaren auseinander, die irritierten oder anfeindenden Bezug auf seine gendergerechte Schriftsprache nehmen. Die Spiegelung der gesellschaftlichen Machtverh&#228;ltnisse durch Handeln und Sprechen spricht er dabei ebenso an, wie seine eigenen kleinen Inkonsequenzen, sich den Machtverh&#228;ltnissen zu widersetzen. Und doch &#252;berl&#228;sst er es den (Netz-)Subjekten selbst, sich f&#252;r oder gegen eine gendergerechte Sprache zu entscheiden, indem er ihnen einen ironiegeladenen Schlussabsatz an die Hand gibt: „Immer noch nicht &#252;berzeugt? Kein Problem. Habt eine mehr oder weniger begr&#252;ndete Position, warum ihr sch&#246;n weiter generisches Maskulinum schreibt – es werden keine Horden von Feminist_innen bei euch einfallen und unter jeden eurer Blogposts Kommentarhaufen setzen. Sofern ihr euch nicht gerade in linksradikalen, tendenziell profeministischen Kreisen herumtreibt, werdet ihr wohl nie in die Verlegenheit kommen, euch zu rechtfertigen.“ (ebd.). Diese Ansprache an die verallgemeinerten Anderen ist in diesem Fall m&#246;glich, da Schriftsprache geduldig ist, und es sich zudem anbietet, den aus feministischer Perspektive fragw&#252;rdigen Umgang mit Sprache als gemeinsames Bezugsmerkmal der Angesprochenen zu nehmen.</p>
<p>Offline lassen sich Situationen leider nicht so leicht „clustern“, und der/die Andere wartet sicher nicht, bis wir der Situation eine Gesamtanalyse unterzogen haben, um anschlie&#223;end angemessen zu reagieren. Und doch ist dies genau der Weg, f&#252;r den ich mich entschieden habe. Ich reagiere (oder reagiere eben nicht) weiterhin im Rahmen der sich aus der Situation ergebenden Spontaneit&#228;t, doch gleichzeitig bin ich der Meinung, dass jede einzelne von mir erlebte Situation die Berechtigung hat, im Nachhinein kritisch reflektiert zu werden. Selten ist die Ursprungssituation dann fortsetzbar. Mein Fundus an Reaktionsm&#246;glichkeiten in sp&#228;teren Situationen w&#228;chst aber damit stetig [1].</p>
<p>Die folgende Situation stellt keinen offenen sexistischen Angriff dar. Dennoch ist sie emotional aufgeladen, handelt es sich doch bei meinem Gegen&#252;ber um einen nahen Verwandten. Die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Einzelfall wird aufgrund der spezifischen verwandtschaftlichen Ebenen der Situation besonders deutlich.</p>
<p>Vor kurzem sah ich einen TV Webespot, in dem ein bundesweit sehr erfolgreicher Comedian f&#252;r elektronische Haushaltsprodukte warb. Er benutzte daf&#252;r unter anderem die Darstellung landl&#228;ufiger Stereotype unterschiedlichen Kaufverhaltens von M&#228;nnern und Frauen und gr&#246;&#223;erer Technikversiertheit von M&#228;nnern gegen&#252;ber Frauen. Die Auseinandersetzung &#252;ber in diesem Spot dargestellten Genderrollen w&#228;re sicher einen eigenen Artikel wert. Den Inhalt eines solchen schreibenswerten Artikels erz&#228;hlte ich meinem Verwandten, dem ich bis dato immer eine gewisse Gender-Kompetenz zugesprochen hatte. Ich musste ern&#252;chternd feststellen, dass eine Jahrzehnte lange gerechte Aufteilung der Hausarbeit in seiner ehelichen Beziehung und  Geburtstagsgeschenke wie ein Elektronikbaukasten und ein Mikroskop statt einer Puppe noch lange keine Indizien daf&#252;r sind, dass mein Verwandter nicht positiv von sexistischen, die Heteronormativit&#228;t reproduzierenden Werbespots angesprochen wird. Ihn befiel tats&#228;chlich die Bef&#252;rchtung, ich k&#246;nne „eine M&#228;nnerhasserin, so wie Alice Schwarzer“ [2] sein. Dieser Bef&#252;rchtung wollte er sogleich entgegenwirken mit bekannten Argumenten wie: „Das ist doch witzig, dein Freund geht doch auch total ungern einkaufen und ist dann ganz zielstrebig, weil er schnell wieder ausm Laden raus will. Und du eben nicht!“ und „Dass Frauen als Schnatterg&#228;nse dargestellt werden, die keine Ahnung von Technik haben, hat doch nichts mit dem Frauenbild in der Gesellschaft zu tun!“ und „Wenn du jetzt schreibst, dass das frauenfeindlich ist, dann fassen sich die Frauen an den Kopf und sagen, was isn das f&#252;r ne bl&#246;de Emanze!“ und „Es gibt doch auch Blondinenwitze, warum ist dann dieser Webespot so schlimm?“ etc. </p>
<p>Nach anf&#228;nglichen Schock und eskalierendem Aufbegehren ruderte ich zur&#252;ck und analysierte die Situation: Mein Verwandter liebt Comedysketche und nimmt keine Differenz zwischen Comedy und politischem Kabarett wahr, solange nur die Pointe gut ist. Und mein Verwandter hatte wie ein Gro&#223;teil der Menschen in der eurozentristischen Welt durchaus schon etwas von Feminismus geh&#246;rt. Allerdings leider von der Art Feminismus, gegen den wir FeministInnen der dritten Welle (Baumgardner/Richards 2000), des Popfeminismus (Eismann 2007), des Feminismus 2.0 (M&#228;dchenmannschaft, Missy Magazine u.a.) oder des Queerfeminismus (Gro&#223; 2007; Hausotter 2010), so divers wir in unserer konkreten Ausrichtung auch sind, eine Gegenbewegung darstellen und kritisch Stellung beziehen [3]. Auch haben wir einen unterschiedlichen Deutungshorizont, was die gesellschaftliche Reproduktion und Verfestigung von stereotypen Genderrollen durch dessen (hier kom&#246;diantische) Darstellung betrifft. Paradoxerweise war ihm also vermutlich auch nicht bewusst, dass er durch seine Geburtstagsgeschenke bei mir einen Grundstein daf&#252;r gelegt hatte, stereotype Genderrollen zu hinterfragen. Ich lie&#223; etwas Zeit verstreichen und &#252;berlegte mir Handlungsoptionen. Ein einfaches Ausschweigen der Diskussion w&#228;re die einfachste L&#246;sung gewesen. Aber der Umstand, dass in diesem Fall ein geliebter Teil meiner Familie meine Werte und Ideale nicht verstand, nagte zu sehr an mir. Ich entschied mich in den Konflikt zu begeben. So entwickelte ich eine Strategie, die nicht darauf beruhte, ihn als Gewohntheits-Sexisten anzuklagen, sondern gemeinsam mit ihm &#252;ber die unab&#228;nderliche gesellschaftliche Realit&#228;t zu reflektieren, in der wir uns beide gleichberechtigt – oder eben gerade nicht gleichberechtigt – befinden. Ich leitete unser Gespr&#228;ch mit statistischen Informationen bez&#252;glich der sozialpolitischen Geschlechterungleichheiten ein, f&#252;r die ich meinen Verwandten versuchte zu sensibilisieren. Von dort aus zeichnete ich langsam verbal eine gro&#223;e Kurve, um schlussendlich und ohne Fachtermini den Zusammenhang zwischen sozialpolitischer Realit&#228;t und genderrelevantem Handeln herzuleiten. Mein Verwandter und ich waren danach beide sehr ersch&#246;pft. Seine „heile Welt“ hatte Risse bekommen, und mir wurde mal wieder in voller G&#228;nze meine Unzul&#228;nglichkeit, oder gar die Unzul&#228;nglichkeit des Feminismus, bewusst, unsere Perspektive auf die Gesellschaft mit all ihrem Basis- und ExpertInnenwissen an der aktuellen Gender-Kompetenz unserer Gespr&#228;chspartnerInnen orientiert zu vermitteln. Mein Verwandter und ich konnten uns nur auf einen fragilen Konsens einigen. Er gestand mir ein, Recht zu haben, allerdings nicht ohne den Hinweis, bitte nicht mehr &#252;ber den umstrittenen Comedian zu sprechen. „Ich m&#246;chte das bitte weiter ohne Analyse und lachend anschauen k&#246;nnen.“ Ich willigte ein.</p>
<p>Diese Reaktion w&#228;re leicht pessimistisch auszulegen. Ich m&#246;chte sie allerdings positiv bewerten. Ein Grundstein f&#252;r zuk&#252;nftige Diskussionen wurde von uns beiden dadurch gelegt, dass wir die Grenzen des aktuellen Bewusstseins von genderrelevanten Themen gegenseitig akzeptierten. Entgegen paternalistischer Ambitionen m&#246;chte ich also einen beidseitigen Lernprozess voranbringen. Wie es weitergeht? Wir beide besuchen demn&#228;chst ein feministisches Kabarett. </p>
<p>Dieser Einzelfall zeigt exemplarisch wie wichtig es ist, die differenzierten Deutungshorizonte (sexistischen) Handelns zu verstehen und ernst zu nehmen, um auf dieser Grundlage Diskurse zu verhandeln. Nur mit unseren Gegen&#252;bern gemeinsam sind wir inner- und au&#223;erakademische FeministInnen in der Lage, die im gesellschaftlichen Diskurs vorherrschenden Genderdebatten zu ver&#228;ndern. Das Bewusstsein f&#252;r genderspezifische Problemstellungen der Gesellschaft ist meiner Meinung nach eine Verantwortung, die wir &#252;bernehmen m&#252;ssen, obgleich wir uns durch unsere Sensibilisierung gegen&#252;ber diesen Themen, gleichzeitig als Betroffene wahrnehmen k&#246;nnen.</p>
<p>Neben aller Betroffenheit und bei all den Ungleichheitsdimensionen, in die wir gesellschaftlich, ganz pers&#246;nlich und als Gruppierung verwoben sind, sind wir inner- und au&#223;erakademischen in eine Genderkompetenz einsozialisierten FeministInnen doch auch privilegiert. Mit diesem Privileg verschanzen wir uns aus Angst vor Verletzung, aus gesunkener Frustrationstoleranz und/oder aus &#220;berheblichkeit allzu oft in einem Elfenbeinturm, einer Festung, die nur durchl&#228;ssiger werden kann, wenn wir unsere Gegen&#252;ber weder vorverurteilen noch ignorieren oder gar missionieren sondern Perspektiven&#252;bernahmen versuchen und mit ihnen gemeinsam Konzepte entwickeln, die die Genderkompetenz der Gesellschaft erh&#246;hen. Um dies zu erreichen pl&#228;diere ich f&#252;r eine sensible Auseinandersetzung mit dem Einzelfall. Da die Anzahl der Einzelf&#228;lle mir bislang als unz&#228;hlbar erscheint, bleibt mir an dieser Stelle nur zu sagen: Fortsetzung folgt. Vielleicht auch durch euch?</p>
<p>[1] Dabei m&#246;chte ich nicht unterschlagen, dass es selbstverst&#228;ndlich Situationen gibt, in denen auch ich an den Grenzen meiner Toleranz ankomme. Mit manchen SexistInnen m&#246;chte ich auch nicht im Traum erneut an einem Tisch sitzen und Perspektiven ernst nehmen. Diese Situationen bleiben, vermutlich aufgrund meines eher politischen Umfeldes, in der Minderzahl. Meine solidarischen Gedanken gehen an dieser Stelle an die Menschen, die es weitaus schwerer haben, sich einem sexistischen, rassistischen oder wie auch immer verwobenen diskriminierenden Umfeld zu entziehen.</p>
<p>[2] Alice Schwarzer ist eine der bekanntesten VertreterInnen des Feminismus der zweiten Welle (Gerhard 2009).</p>
<p>[3] Ich bin mir der teils harten Differenzen der unterschiedlichen feministischen Str&#246;mungen bewusst. Wenn ich an dieser Stelle von „Wir“ spreche, meine ich nicht mehr und nicht weniger, als dass wir alle geistige Kinder der ersten und zweiten Welle des Feminismus sind. Ob und in welchem Ausma&#223; daraus ein Wir-Gef&#252;hl resultiert, sei dahingestellt. Mir pers&#246;nlich tut es emotional gut, ab und an von einem politischen „Wir“ auszugehen, auch wenn ich damit, unsere kleine politische Schnittmenge zugrunde legend, einer Utopie anh&#228;nge.</p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<p>Baumgardner, Jennifer/Richards Amy (2000): Manifesta: Young Women, Feminism, and the Future. Straus and Giroux: Farrar</p>
<p>Eismann, Sonja (2007): Hot Topic: Popfeminismus heute. Ventil Verlag</p>
<p>Eismann, Sonja/Lohaus, Stefanie/K&#246;ver, Chris/Tsomou, Margarita (Hrsg.): Missy Magazine. Magazin &#252;ber Popkultur, Politik und Style f&#252;r Frauen, <a href="http://missy-magazine.de">http://missy-magazine.de</a></p>
<p>Gerhard, Ute (2009): Frauenbewegung und Feminismus. Eine Geschichte seit 1789. Beck Verlag</p>
<p>Gro&#223;, Melanie (2007): Queer Theory, <a href="http://www.feministisches-institut.de/queertheory">http://www.feministisches-institut.de/queertheory</a></p>
<p>Hausotter, Jette (2010): Zwischen Emanzipation und Einpassung. Postfeministische Verwicklung in Politik und Popkultur, <a href="http://www.feministisches-institut.de/postfeministische-verwicklungen">http://www.feministisches-institut.de/postfeministische-verwicklungen</a></p>
<p>Lang, Adrian (2010): Sprache und Geschlecht. Auf: Adrians Blog, <a href="http://blog.adrianlang.de/?p=848">http://blog.adrianlang.de/?p=848</a></p>
<p>M&#228;dchenmannschaft, Feministischer Blog, <a href="http://maedchenmannschaft.net">http://maedchenmannschaft.net</a></p>
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