<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Tanja Paulitz</title>
	<atom:link href="http://www.feministisches-institut.de/author/tpaulitz/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.feministisches-institut.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Fri, 20 Jan 2012 07:54:16 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Maschinen konstruieren &#8211; M&#228;nnlichkeit und Technik in der Moderne</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/maennlichkeit/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/maennlichkeit/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 19:41:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tanja Paulitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wp.feministisches-institut.de/?p=227</guid>
		<description><![CDATA[Ob und in welcher Weise technische Fachinhalte gender-relevant sind, ist bislang kaum erforscht. Zwar wei&#223; man inzwischen, dass technische Kompetenzen einen hohen Stellenwert in der Ausbildung einer m&#228;nnlichen Geschlechtsidentit&#228;t haben. Doch ist der Kenntnisstand dar&#252;ber erstaunlich karg, wie beides in der Wissenstradition des Ingenieurwesens eine so enge und dauerhafte Allianz eingehen konnte, welche Ver&#228;nderungen es im Laufe der Zeit gegeben hat und wie traditionelle Bilder destabilisiert werden k&#246;nnten. Um zu verstehen, wie die symbolische Ebene im Ingenieurbereich strukturiert ist, m&#252;ssen also diese historischen Beziehungen zwischen M&#228;nnlichkeitsbildern und Technik genauer untersucht werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Ob und in welcher Weise technische Fachinhalte gender-relevant sind, ist bislang kaum erforscht. Zwar wei&#223; man inzwischen, dass technische Kompetenzen einen hohen Stellenwert in der Ausbildung einer m&#228;nnlichen Geschlechtsidentit&#228;t haben. Doch ist der Kenntnisstand dar&#252;ber erstaunlich karg, wie beides in der Wissenstradition des Ingenieurwesens eine so enge und dauerhafte Allianz eingehen konnte, welche Ver&#228;nderungen es im Laufe der Zeit gegeben hat und wie traditionelle Bilder destabilisiert werden k&#246;nnten. Um zu verstehen, wie die symbolische Ebene im Ingenieurbereich strukturiert ist, m&#252;ssen also diese historischen Beziehungen zwischen M&#228;nnlichkeitsbildern und Technik genauer untersucht werden. </strong></p>
<p>Dass M&#228;nner qua Geschlecht eine Faszination f&#252;r Technik versp&#252;rten, ist eine weit verbreitete Meinung besonders in westlichen Gesellschaften. Frauen- und Geschlechterforschung wie Gleichstellungspolitik haben dieses Vorurteil seit etlichen Jahren entschieden kritisiert und zahlreiche Initiativen gestartet, um das Vorurteil abzubauen.</p>
<p>Im Forschungsprojekt &#8220;Technisches Konstruieren und Geschlecht in der Informationsgesellschaft&#8221; (1) ging es darum, die Grundlagenforschung f&#252;r dieses Feld weiter voran zu bringen, um neue Ansatzpunkte zu identifizieren, wie die &#8216;Monokulturen&#8217; im technischen Bereich zustande kommen. Zentrales Anliegen war es, die im Ingenieurbereich dominanten gesellschaftlichen Bilder und Vorstellungen zu untersuchen. Eine solche Verschiebung des Forschungsinteresses von den Zugangsbarrieren hin zur Analyse der Fachinhalte folgt der leitenden Grundannahme des Projekts, dass Ausschl&#252;sse nicht allein eine Frage der strukturellen Organisation des Berufsfeldes und der Sozialisation sind, sondern auch auf einer symbolischen Ebene liegen (ausf&#252;hrlicher vgl. Paulitz 2006). Notwendig ist folglich die Erforschung der inhaltlichen Grundlagen, der Wissenstraditionen und Fachkulturen in einschl&#228;gigen Gebieten der Ingenieurwissenschaften und -praxis.</p>
<p>Technische Konstruktion ist ein solches Gebiet. Es handelt sich geradezu um die klassische Ingenieurt&#228;tigkeit par excellence, die insbesondere im Maschinenbau auf eine lange, bis ins 19. Jahrhundert reichende Geschichte zur&#252;ckblicken kann. Die Ergebnisse aus der historischen Analyse dieser Wissenstradition best&#228;tigen die Hypothese, dass das Verst&#228;ndnis der technischen Konstruktion zentral f&#252;r die Formulierung des Berufsbildes des Ingenieurs und f&#252;r die Institutionalisierung des Berufsfeldes war.</p>
<p>Und Gender? In der geschichtswissenschaftlichen wie in der soziologischen Forschung liegen bislang nur wenige Hinweise darauf vor, ob und in welcher Weise der ingenieurwissenschaftliche Fachdiskurs gender-relevant ist (vgl. u.a. Zachmann 2004; Oldenziel 1999Faulkner 2001 und 2007). Zwar wei&#223; man inzwischen, dass technische Kompetenzen einen hohen Stellenwert in der Ausbildung einer m&#228;nnlichen Geschlechtsidentit&#228;t haben. Doch ist der Kenntnisstand dar&#252;ber erstaunlich karg, wie beides in der Wissenstradition des Ingenieurwesens eine so enge und dauerhafte Allianz eingehen konnte, welche Bilder von M&#228;nnlichkeit hier im einzelnen im Vordergrund stehen, welche Ver&#228;nderungen es im Laufe der Zeit gegeben hat und wie traditionelle Bilder destabilisiert werden k&#246;nnten. Um zu verstehen, wie die symbolische Ebene im Ingenieurbereich strukturiert ist, m&#252;ssen also diese historischen Beziehungen zwischen M&#228;nnlichkeitsbildern und Technik genauer untersucht werden.</p>
<p>Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass es hier nicht ein einheitliches Bild gibt. Interessant ist, dass es insbesondere in der Zeit um 1900 intensive Kontroversen &#252;ber das &#8220;richtige&#8221; Verst&#228;ndnis der Ingenieurt&#228;tigkeit innerhalb des Maschinenbaus gegeben hat, die historisch eine Genderrelevanz zeigen. Strittig war insbesondere, ob das Erfinden und Konstruieren von Maschinen eine schwerpunktm&#228;&#223;ig auf wissenschaftliche Gesetze und Modelle oder eine auf Erfahrungswissen und konstruktivem Gef&#252;hl gest&#252;tzte T&#228;tigkeit ist (vgl. K&#246;nig 1999; Heymann 2005). Beide Ausrichtungen haben gemeinsam, dass sie diese Ingenieurt&#228;tigkeit ausdr&#252;cklich als Leistung von M&#228;nnern verstehen. Allerdings werden dabei unterschiedliche Bilder vom Ingenieurberuf produziert:</p>
<p>1. Die an der Wissenschaftlichkeit orientierte Ausrichtung bringt das Bild des europ&#228;ischen, rationalen Maschinenwissenschaftlers hervor, der die Herrschaft der westlichen Kultur durch seine Technologien sichert. Das Konstruieren von Maschinen wird hier vorrangig als geistige Arbeit verstanden, die mit der Entwicklung von Arbeitsmaschinen ein Vielfaches an Produktivit&#228;t erzeugen kann, als die k&#246;rperlich arbeitenden M&#228;nner der nicht-europ&#228;ischen &#8220;V&#246;lker&#8221; dies k&#246;nnten. Im Kampf f&#252;r die soziale Aufw&#228;rtsmobilit&#228;t der Ingenieure in der westlichen Welt betonen die Vertreter dieser Ausrichtung also den Unterschied zwischen geistig und k&#246;rperlich arbeitenden M&#228;nnern, zwischen vormodernem Verharren in einer g&#246;ttlichen Weltordnung und der Dynamik der modernen Welt des Fortschritts.</p>
<p>2. Die an der Erfahrungspraxis orientierte Ausrichtung produzierte hingegen ein Bild vom Ingenieur als dem genialen Maschinenk&#252;nstler. Die Vertreter betonen hier Phantasie, Wille und Kraft als Eigenschaften des Konstrukteurs. Sie beziehen sich auf ein maskulinistisches Ideal als kreative Ressource f&#252;r das Erfinden von Technik. Ihre Absage an wissenschaftliche Rationalit&#228;t als Hauptquelle technischen Schaffens r&#252;ckt zwar Emotionalit&#228;t und Intuition im Schaffensprozess von Ingenieuren in den Vordergrund. Zwar handelt es sich dabei um traditionell Frauen zugeschriebene Eigenschaften. Diese erfahren jedoch in einem solchen Bild des Konstrukteurs eine deutliche Umcodierung zum spezifischen Verm&#246;gen des Mannes der Tat. Die M&#228;nnlichkeit dieses genialen K&#252;nstler-Ingenieurs wird geradezu zum Programm.</p>
<p>Die Analyse zeigt also auch, dass mit diesen beiden Bildern des Ingenieurs auch zwei verschiedene Formen der Herstellung von der M&#228;nnlichkeit verbunden sind: W&#228;hrend die eine unhinterfragt davon ausgeht, dass M&#228;nner die ma&#223;geblichen Akteure in der zeitgen&#246;ssischen Weltordnung sind, erhebt die andere Ausrichtung die M&#228;nnlichkeit explizit zu einer spezifischen und geradezu gefeierten F&#228;higkeit. Mit der Abkehr vom wissenschaftlich-rationalen Modell von technischer Konstruktion und mit der Betonung von Erfahrung, Intuition und Gef&#252;hl wird der Ingenieurbereich also nicht f&#252;r diejenigen (Frauen z.B.) ge&#246;ffnet, denen traditionell solche Eigenschaften zugeschrieben werden. Es zeigt sich vielmehr, dass es in der Geschichte des Maschinenbaus gelungen ist, gerade auch ein nicht-rationales Modell des Konstruierens als ein spezifisch m&#228;nnliches Verm&#246;gen zu verstehen. Der Vergleich des Ingenieurs mit dem freien K&#252;nstler in der Moderne soll den Ausnahmecharakter des Ingenieurschaffens verdeutlichen.</p>
<p>Auf Basis dieser Ergebnisse l&#228;sst sich zum jetzigen Zeitpunkt &#8211; etwas verallgemeinert betrachtet &#8211; folgendes Res&#252;mee ziehen: Will man Genderforschung im Feld der Technik betreiben, so reicht es nicht aus, die Situation der Frauen zu analysieren. Man muss hingegen M&#228;nnlichkeitsforschung betreiben, um mehr Wissen dar&#252;ber zu erlangen, wie Berufsbilder und -kulturen im Ingenieurbereich &#8216;gestrickt&#8217; sind und funktionieren.</p>
<p>Und heute? Die Konstruktionswissenschaft und -methodik hat sich inzwischen zu einem eigenen Fachgebiet innerhalb des Maschinenbaus entwickelt, das methodische Konzepte f&#252;r die technische Produktentwicklung formuliert. Mittlerweile wurden nicht nur zahlreiche interdisziplin&#228;re Anschlussstellen ausgebaut. Auch der Einfluss von IT-gest&#252;tzten Innovationen in der Konstruktionsarbeit spielt sp&#228;testens seit der Computerisierung (Computer Aided Design &#8211; CAD) eine wichtige Rolle. Unter dem Stichwort &#8220;collaborative design&#8221; beispielsweise werden aktuell auch die M&#246;glichkeiten dezentral verteilter Konstruktionsteams diskutiert. Solche inhaltlichen Fortentwicklungen dieses Teilgebiets im Maschinenbau gehen notwendigerweise mit Ver&#228;nderungen des Anforderungsprofils an Konstrukteure/Konstrukteurinnen sowie mit neuen Modellen der Ingenieurt&#228;tigkeit einher. Es ist anzunehmen, dass theoretisch-methodische Umorientierungen im Ingenieurbereich nicht nur stark von gegenw&#228;rtigen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen beeinflusst sind, sondern ihrerseits auch interessante soziale Effekte hervorrufen k&#246;nnen. Diese Effekte aus einer Geschlechterperspektive zu beleuchten k&#246;nnte sich lohnen: Wie wird in Zukunft das T&#228;tigkeitsprofil des Maschinenbauingenieurs/der Maschinenbauingenieurin aussehen? Welche Kompetenzen werden erwartet? Welche werden selbstverst&#228;ndlich unterstellt? Welches professionelle Selbstverst&#228;ndnis wird im Studium vermittelt? Welche Au&#223;endarstellung des Ingenieurberufs wird entstehen? Und inwiefern sind diese Bilder und Anspr&#252;che mit aktuellen gesellschaftlichen Bildern von M&#228;nnlichkeit bzw. Weiblichkeit verkn&#252;pft? Wird die symbolische &#8216;Verdrahtung&#8217; von technischer Kreativit&#228;t und M&#228;nnlichkeit aufgeweicht und auf diese Weise der Ingenieurbereich mehr ge&#246;ffnet? Die Relevanz der festgestellten, historisch unterschiedlichen Ausformulierungen technischer Konstruktion w&#228;re f&#252;r solche aktuellen Entwicklungen genauer zu pr&#252;fen.</p>
<p>Wie die historische Analyse zeigt, bedeuten solche neuen Bilder jedoch nicht automatisch eine &#214;ffnung des technischen Berufsfeldes. Und auch aus geschlechterpolitischer Perspektive kann ein Modell &#8220;weiblichen&#8221; Konstruierens nicht das Ziel sein. Aus Sicht feministischer Politik gilt es vielmehr darauf zu achten, dass neue Modelle des Konstruierens und neue Berufsbilder im technischen Bereich nicht wieder in einer Weise zementiert werden, die vereinfachende geschlechtliche (und ggf. auch andere) Zuordnungen beinhalten und somit Zug&#228;nge verschlie&#223;en.</p>
<div>
<hr /></div>
<p>(1) Das im Jahr 2007 abgeschlossene Projekt wurde durchgef&#252;hrt am Inter-Universit&#228;ren Forschungszentrum f&#252;r Technik, Arbeit und Kultur (IFZ) in Graz (<a href="http://www.sts.tugraz.at/paulitz">http://www.sts.tugraz.at/paulitz</a>), finanziell gef&#246;rdert vom &#214;sterreichischen Wissenschaftsfond (FWF) im Rahmen des Lise-Meitner-Mobilit&#228;tsprogramms.</p>
<h3>Literatur:</h3>
<p>Faulkner, Wendy, 2001: The Technology Question in Feminism: a View from Feminist Technology Studies. Women&#8217;s Studies International Forum (24) 1: 79-95.</p>
<p>Faulkner, Wendy, 2007: &#8220;Nuts and Bolts and People&#8221;: Gender-troubled engineering identities. Social Studies of Science (37) 3. (forthcoming).</p>
<p>Heymann, Matthias, 2005: &#8220;Kunst&#8221; und Wissenschaft in der Technik des 20. Jahrhunderts. Zur Geschichte der Konstruktionswissenschaft. Z&#252;rich.</p>
<p>K&#246;nig, Wolfgang, 1999: K&#252;nstler und Strichezieher. Konstruktions- und Technikkulturen im deutschen, britischen, amerikanischen und franz&#246;sischen Maschinenbau zwischen 1850 und 1930. Frankfurt/Main.</p>
<p>Oldenziel, Ruth, 1999: Making Technology Masculine. Men, Women and Modern Machines in America 1870-1945. Amsterdam.</p>
<p>Paulitz, Tanja, 2006: Geschlechterforschung und Technikwissenschaften: Konstruktionen von Wissen in Fachkulturen des Ingenieurbereichs. Zeitschrift f&#252;r Frauenforschung und Geschlechterstudien Nr. 4. 23-42.</p>
<p>Zachmann, Karin, 2004: Mobilisierung der Frauen. Technik, Geschlecht und Kalter Krieg in der DDR. Frankfurt/M., New York.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.feministisches-institut.de/maennlichkeit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

