<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Feministischer Arbeitskreis ‚Schöner leben‘</title>
	<atom:link href="http://www.feministisches-institut.de/author/schoenerleben/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.feministisches-institut.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Fri, 20 Jan 2012 07:54:16 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Die Tomate weiter werfen… Feministische Gesellschaftskritik jenseits von Alpham&#228;dchen und F-Klasse</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/tomate/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/tomate/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 09:43:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feministischer Arbeitskreis ‚Schöner leben‘</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.feministisches-institut.de/?p=916</guid>
		<description><![CDATA[Feminismus soll gerade f&#252;r junge Frauen wieder attraktiv gemacht werden. Cool und l&#228;ssig soll Feminismus sein und das Leben f&#252;r Frauen sch&#246;ner machen, so das Credo vieler B&#252;cher. Ist damit Feminismus schon so salonf&#228;hig, dass man/Frau dar&#252;ber gar nicht mehr in gesellschaftskritischer Form sprechen m&#252;sste? Dass sich dieser „neue Feminismus“ nicht auf alle Frauen bezieht und sich oftmals nicht als feministische Kritik an der gesamten Gesellschaft versteht, ist scharf zu kritisieren. Deshalb pl&#228;diert der „Feministische Arbeitskreis ‚Sch&#246;ner Leben‘“ aus M&#252;nster f&#252;r eine lokale feministisch gesellschaftskritische Bewusstseinsbildung. Leerstellen wie Rassismus, soziale Spaltungen und &#246;konomische Ausbeutung, die insbesondere Frauen treffen, zeigen, dass es notwendig ist feministische Widerstandspraxen innerhalb breiter sozialer Bewegungen zu etablieren!...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Feminismus soll gerade f&#252;r junge Frauen wieder attraktiv gemacht werden. Cool und l&#228;ssig soll Feminismus sein und das Leben f&#252;r Frauen sch&#246;ner machen, so das Credo vieler B&#252;cher. Ist damit Feminismus schon so salonf&#228;hig, dass man/Frau dar&#252;ber gar nicht mehr in gesellschaftskritischer Form sprechen m&#252;sste? Dass sich dieser „neue Feminismus“ nicht auf </strong><strong>alle Frauen bezieht und sich oftmals nicht als feministische Kritik an der gesamten Gesellschaft versteht, ist scharf zu kritisieren. Deshalb pl&#228;diert der „Feministische Arbeitskreis ‚Sch&#246;ner Leben‘“ aus M&#252;nster f&#252;r eine lokale feministisch gesellschaftskritische Bewusstseinsbildung. Leerstellen wie Rassismus, soziale Spaltungen und &#246;konomische Ausbeutung, die insbesondere Frauen treffen, zeigen, dass es notwendig ist feministische Widerstandspraxen innerhalb breiter sozialer Bewegungen zu etablieren!</strong></p>
<p>Debatten um Familienpolitik, Kinderbetreuung, Elterngeld und V&#228;terzeit ebenso wie der seit einiger Zeit in den Medien kursierende sogenannte „neue Feminismus“ scheinen auf den ersten Blick Diskussionen um Geschlechtergerechtigkeit wieder auf die politische Tagesordnung gebracht zu haben. So scheint der Feminismus in staatlichen Institutionen und in der b&#252;rgerlichen Mitte angekommen zu sein. Haben sich emanzipatorische Forderungen damit also erledigt?</p>
<p>Hervorgeholt aus der vermeintlichen Mottenkiste und befreit vom Mief der 70er Jahre soll Feminismus gerade f&#252;r junge Frauen wieder attraktiv gemacht werden. Feminismus kann cool und l&#228;ssig sein und soll das Leben sch&#246;ner machen, so Meredith Haaf, Susanne Klinger und Barbara Streidl in ihrem Buch „Wir Alpha-M&#228;dchen“. Thea Dorn propagiert in Abgrenzung vom Feminismus der 70er Jahre die neue F-Klasse, erfolgreiche Individualistinnen, die es geschafft haben, „ihre Projekte trotz Anfechtungen durchzusetzen und dennoch keine schmallippigen Karrieremaschinen geworden sind.“ Ebenso verabschieden sich die „neuen deutschen M&#228;dchen“ Jana Hensel und Elisabeth Raether von einem Popul&#228;r-Feminismus à la Alice Schwarzer und konzentrieren sich stattdessen in autobiografischer Weise auf das, was ihrer Auffassung nach der Feminismus au&#223;en vor gelassen hat: die Probleme, W&#252;nsche und Sehns&#252;chte des privaten Lebens von Frauen.</p>
<p>So ist auf den ersten Blick zu meinen, dass im Namen des sogenannten „neuen Feminismus“ in Form von Literatur wie Wir Alpha-M&#228;dchen oder die Neue F-Klasse, aber auch der Familienpolitik der gro&#223;en Koalition doch eigentlich Feminismus schon zum Mainstream und so salonf&#228;hig geworden ist, dass man/Frau dar&#252;ber doch gar nicht mehr in gesellschaftskritischer Form sprechen m&#252;sste.</p>
<p>Zu fragen ist aber, ob sich dieser sogenannte „neue Feminismus“ auf <strong>alle</strong> Frauen bezieht und inwiefern sich dieser tats&#228;chlich als feministische Kritik an der gesamten Gesellschaft versteht?</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Feministische Leerstellen</strong></p>
<p>Bei genauerem Hinsehen f&#228;llt n&#228;mlich auf, dass diese Art Post-Feminismus nichts gemeinsam hat mit einem gesellschaftskritischen Feminismus der sogenannten zweiten Frauenbewegung, die im Kontext der StudentInnenbewegung 1968 entstand. Ein Tomatenwurf w&#228;hrend der Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes war 1968 einer der Startsch&#252;sse f&#252;r diese zweite deutsche Frauenbewegung. Damals kritisierten die Studentinnen, der SDS ignoriere die Diskriminierung von Frauen. Als Teil sozialer Bewegungen und K&#228;mpfe formulierte sie eine fundamentale Kritik an bestehenden kapitalistischen Verh&#228;ltnissen. Die Perspektive der Generation der Alpha-Feministinnen ist jedoch eine andere. Ihnen geht es vor allem um sich selbst: Um mittelst&#228;ndische, intellektuelle Frauen auf der Karriereleiter steil nach oben. Ihr „feministischer“ Anspruch ist begrenzt auf individuelle Selbstverwirklichung und beruflichen Erfolg.</p>
<p>Die Lebenssituation von Migrantinnen, Hartz IV-Empf&#228;ngerinnen, Alleinerziehenden, um nur einige zu nennen, kommen hingegen nicht vor, geschweige denn, dass ein Blick &#252;ber den eigenen bundesrepublikanischen Tellerrand hinaus gemacht wird. So scheint es der neuen feministischen Avantgarde noch nicht aufgefallen zu sein, dass globale (patriarchale) Unrechtsstrukturen besonders auch Frauen betreffen und unter den Frauen selbst gro&#223;e Ungleichheitsverh&#228;ltnisse existieren.</p>
<p>Mag der Anspruch dieses sogenannten „neuen Feminismus“ das Lebensgef&#252;hl einer bestimmten Gruppe von Frauen aufgreifen, angesichts der aktuellen sozialen und politischen Entwicklungen greift er jedenfalls viel zu kurz. Leerstellen wie Rassismus, soziale Spaltungen, &#246;konomische Ausbeutung, Elitenf&#246;rderung und Klassenverh&#228;ltnisse zeigen, dass es sich im Gegenteil lohnt die „Tomate weiterzuwerfen…“</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Lokale feministische Bewusstseinsbildung</strong></p>
<p>Um eine feministische gesellschaftskritische Diskussion gerade unter Einbeziehung dieser Leerstellen anzusto&#223;en, konstituierte sich unter dem Namen „Feministischer Arbeitskreis ‚Sch&#246;ner leben‘“ Ende 2007 eine Gruppe von sechs Frauen im Umfeld des Institut f&#252;r Theologie und Politik und der attac-Regionalgruppe in M&#252;nster. Im Gegensatz zum entsolidarisierten B&#252;cherfeminismus bestand das Hauptanliegen der Gruppe darin, sich an lokaler feministischer Bewusstseinsbildung zu beteiligen.</p>
<p>Zum einen sollte die Frage danach gestellt werden, wie sich Formen feministischer Politik ver&#228;ndert haben? Wo gibt es heute Protest und Widerstand gegen Frauendiskriminierung und Geschlechterhierarchie, ohne die kapitalistische Gesellschaft nicht funktionieren w&#252;rde? Wie kann es gelingen, gleichzeitig die Geschlechterrollen und ganz grunds&#228;tzlich die Einteilung in zwei Geschlechter selbst als hierarchisch und &#252;berholt zu entlarven und zu bek&#228;mpfen? Wie k&#246;nnen wir Ans&#228;tze grunds&#228;tzlicher feministischer Kritik sichtbarer machen, miteinander ins Gespr&#228;ch bringen und &#246;ffentliche Debatten ansto&#223;en?</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus ging es darum, die derzeit zum gr&#246;&#223;ten Teil fragmentierten lokalen feministischen Gruppen und Institutionen (z.B. die autonomen Frauenh&#228;user oder Frauenrechtsgruppen oder autonome Gruppen, die z.B. Ladyfeste organisieren, feministische Politik und Diskussionen an den Hochschulen oder in linken Gruppen organisieren) nicht nur sichtbarer werden zu lassen, sondern M&#246;glichkeiten st&#228;rkerer Vernetzung zu erschlie&#223;en.</p>
<p>Einige Monate traf sich die Gruppe, um sich &#252;ber aktuelle Debatten und Publikationen im Bereich ‚Feminismus‘ zu informieren. So diskutierten wir die oben genannten B&#252;cher und die Debatten um den daran anschlie&#223;enden ‚neuen Feminismus‘ in den Medien. Auf der anderen Seite diskutierten wir aber auch Publikationen z.B. des Feministischen Institut Hamburg (G. Winker, Melanie Gro&#223;: „Queer-/feministische Kritiken neoliberaler Verh&#228;ltnisse“, M&#252;nster 2007) oder von Frigga Haug (Die Vier-in-Einem-Perspektive, Hamburg 2008). Daraus entstand die Idee, eine Veranstaltungsreihe zum Thema „neuer Feminismus“ und m&#246;glicher Kritik daran zu initiieren. Klingt diese Vorstellung auch akademisch, ging es uns um sehr reale Alltagssituationen, die politisch eingesch&#228;tzt werden und in politische feministische Praxis umgesetzt sein wollen. Um die Fragestellungen in eine breitere &#214;ffentlichkeit zu tragen, haben wir im Fr&#252;hjahr 2009 eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Die Tomate weiterwerfen….Feministische Gesellschaftskritik jenseits von Alpha-M&#228;dchen und F-Klasse“ dazu durchgef&#252;hrt.</p>
<p><strong>„Die Tomate weiter werfen“ – Die Veranstaltungsreihe</strong></p>
<p>Mit dem Film „Bread and Roses“ von Ken Loach wurde die dreiteilige Veranstaltungsreihe er&#246;ffnet. Der im Jahr 2000 entstandene Film zeigt das Schicksal der illegalisierten mexikanischen Migrantin Maya, die in Los Angeles in einer Putzkolonne arbeitet und sich nach und nach politisiert und gewerkschaftlich organisiert, gleichzeitig aber dadurch auch in massiven Konflikt mit ihrer Schwester ger&#228;t. Der Film basiert auf den Erfahrungen der Gewerkschafts-Kampagne „Justice for Janitors“ in den USA und zeigt deutlich die Verquickung von sexistischer, rassistischer und sozialer Diskriminierung auf. Dies war uns ein besonderes Anliegen angesichts des neuen „Eliten-Feminismus“. Au&#223;erdem machte er die internationale Dimension des Themas deutlich.</p>
<p>Auf die Entstehung und Entwicklung der Frauenbewegung in Deutschland seit 1968 konzentrierte sich die Politologin Stefanie Ehmsen (Berlin) mit ihrem Vortrag unter dem Titel „Ausverkauf des Feminismus? Von der Revolution&#228;rin 1968 zur Gleichstellungsbeauftragten“. Im Anschluss daran entstand eine rege Diskussion unter den Teilnehmenden und mit der Referentin &#252;ber Chancen und Grenzen von aktueller Gleichstellungspolitik, &#252;ber Geschlechterverh&#228;ltnisse und – rechtm&#228;&#223;ig oder unrechtm&#228;&#223;ig – verloren gegangene Anspr&#252;che von Gesellschaftskritik aus feministischer Perspektive. Ganz grunds&#228;tzlich wurde &#252;ber die Definition von „Feminismus“ oder „Frauenbewegung“ und ihre Aktualit&#228;t diskutiert. Dabei wurden sehr kontroverse Positionen deutlich, die aber gut nebeneinander stehen gelassen werden konnten. Trotzdem konnte insgesamt unter den Beteiligten Konsens dar&#252;ber festgestellt werden, dass es notwendig ist, Diskriminierung und immer noch verfestigte Rollenbilder sowohl &#246;ffentlich als auch innerhalb von Beziehungen zu thematisieren.</p>
<p>Vor welche Herausforderungen feministische Gesellschaftskritik in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise gestellt ist, analysierte die Soziologin Gabriele Winker (Hamburg). Ihr Vortrag nahm die Wirtschaftskrise als Ausgangspunkt, um den Ansatz der Intersektionalit&#228;t, der von Gabriele Winker und ihren Kolleginnen zurzeit entwickelt wird, vorzustellen. Dieser ber&#252;cksichtigt vier Kategorien – Geschlecht, K&#246;rper, ‚Rasse‘ und Klasse, um Unterdr&#252;ckung und Herrschaft auf drei Ebenen, n&#228;mlich Struktur, Repr&#228;sentation und Identit&#228;t, zu beschreiben. An der TU Hamburg, an der die Referentin lehrt, wird dieses Modell anhand einer Studie zu Erwerbslosigkeit von einem Forscherinnenteam zur Zeit getestet.</p>
<p>Die anschlie&#223;ende Diskussion drehte sich viel um die Verbindung des theoretischen Anspruchs des Modells ‚Intersektionalit&#228;t‘ mit konkreten politischen Notwendigkeiten, z.B. der Organisierung von feministischen Anliegen in Gruppen, B&#252;ndnisbildung und politischer Wirksamkeit. Angesichts der dominanten Interpretationen der Wirtschaftskrise und entsprechend konservativen Handlungsstrategien scheint zurzeit wenig Spielraum f&#252;r emanzipatorische Gesellschaftsver&#228;nderung zu existieren. Die Frage, wie konkret ein Aufbrechen dieser Dominanzen zurzeit m&#246;glich ist, musste offen bleiben. Die Betrachtungsweise des intersektionalen Ansatzes, unterschiedliche Herrschaftsformen zusammen zu denken und doch als eigenst&#228;ndige zu verstehen, wurde jedoch von der Mehrheit als sehr n&#252;tzlich f&#252;r Perspektiven von Ver&#228;nderung und neuen Strategien angesehen.</p>
<p><strong>Perspektiven und Potenziale feministischer Widerstandspraxen vor Ort</strong></p>
<p>Von mehreren Seiten bekamen wir Anerkennung daf&#252;r, das Thema aufgegriffen und in M&#252;nster &#246;ffentlich diskutierbar gemacht zu haben, da es kaum kritische Veranstaltungen dazu gibt. Durch die Suche nach Mitveranstaltenden ergaben oder vertieften sich Kontakte und es besteht das Interesse, weitere Veranstaltungen gemeinsam zu organisieren. Leider sind wir in M&#252;nster weit davon entfernt, (wieder!?) ein handlungsf&#228;higes feministisch-politisches B&#252;ndnis auf die Beine zu stellen &#8211; die letzte spektren&#252;bergreifende Vorbereitung des Internationalen Frauentags mit aussagekr&#228;ftigen Protest-Aktionen fand 2005 statt. Von daher muss es im Moment bei solchen kleinen Projekten und Anst&#246;&#223;en bleiben. Dennoch k&#246;nnen die verschiedenen feministischen Widerstandspraxen innerhalb breiter sozialer Bewegungen dazu beitragen, dass eine andere Welt denkbar wird, in der ein menschenw&#252;rdiges Leben f&#252;r alle selbstverst&#228;ndlich ist. So wollen wir weiterhin Ans&#228;tze feministischer Gesellschaftskritik sichtbar machen, Impulse und Ideen anzusto&#223;en und nach Handlungsm&#246;glichkeiten feministischen Widerstands f&#252;r eine gerechtere und solidarischere Welt zu suchen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.feministisches-institut.de/tomate/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

