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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Susan Banihaschemi</title>
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		<title>&#8220;Die Frau aus dem Folter-Gef&#228;ngnis Abu Ghraib&#8221; &#8211; Die mediale Vergeschlechtlichung des &#8220;Folterskandals&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Mar 2008 13:37:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susan Banihaschemi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Weiblichkeit pr&#228;sentiert sich heute vielf&#228;ltig und widerspr&#252;chlich. Krieg und Gewalt erscheinen gegenw&#228;rtig nicht mehr als reine M&#228;nnerdom&#228;ne. Immer mehr Frauen befinden sich als Soldatinnen in h&#246;heren milit&#228;rischen Positionen und bef&#252;rworten milit&#228;rische Interventionen. Vor knapp vier Jahren im April 2004 kam es w&#228;hrend des Irak-Kriegs in den Medien zur Ver&#246;ffentlichung von Bildern aus dem Abu-Ghraib-Gef&#228;ngnis, die US-amerikanische Soldaten und Soldatinnen beim Praktizieren von Folterhandlungen an irakischen Gefangenen zeigten. Hierbei waren deutlich mehrere Soldatinnen als Gewalt-T&#228;terinnen zu erkennen. Die &#246;ffentliche Wahrnehmung widmete insbesondere einer Frau - der Soldatin Lynndie England - als T&#228;terin gro&#223;es Interesse. Auch heute noch ist ihr Gesicht in den Medien pr&#228;sent. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Stern" vom 17. M&#228;rz 2008 widmet ihr vier Jahre nach den Geschehnissen die Titelstory: "Die Frau aus dem Folter-Gef&#228;ngnis Abu Ghraib". Lynndie England scheint nicht nur gegen Normen der Rechtsordnung, sondern auch gegen Normen der Geschlechterordnung zu versto&#223;en.Im vorliegenden Artikel wird die Berichterstattung der Medien &#252;ber den "Folterskandal Abu Ghraib" als ein Ort der sozialen, diskursiven Konstruktion von Geschlecht begriffen und der Frage nachgegangen, wie Frauen als T&#228;terinnen in der Berichterstattung vorstellbar gemacht werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Weiblichkeit pr&#228;sentiert sich heute vielf&#228;ltig und widerspr&#252;chlich. Krieg und Gewalt erscheinen gegenw&#228;rtig nicht mehr als reine M&#228;nnerdom&#228;ne. Immer mehr Frauen befinden sich als Soldatinnen in h&#246;heren milit&#228;rischen Positionen und bef&#252;rworten milit&#228;rische Interventionen. Vor knapp vier Jahren im April 2004 kam es w&#228;hrend des Irak-Kriegs in den Medien zur Ver&#246;ffentlichung von Bildern aus dem Abu-Ghraib-Gef&#228;ngnis, die US-amerikanische Soldaten und Soldatinnen beim Praktizieren von Folterhandlungen an irakischen Gefangenen zeigten. Hierbei waren deutlich mehrere Soldatinnen als Gewalt-T&#228;terinnen zu erkennen. Die &#246;ffentliche Wahrnehmung widmete insbesondere einer Frau &#8211; der Soldatin Lynndie England &#8211; als T&#228;terin gro&#223;es Interesse. Auch heute noch ist ihr Gesicht in den Medien pr&#228;sent. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift &#8220;Stern&#8221; vom 17. M&#228;rz 2008 widmet ihr vier Jahre nach den Geschehnissen die Titelstory: <a href="http://www.stern.de/magazin/heft/614420.html">&#8220;Die Frau aus dem Folter-Gef&#228;ngnis Abu Ghraib&#8221;</a>.  Lynndie England scheint nicht nur gegen Normen der Rechtsordnung, sondern auch gegen Normen der Geschlechterordnung zu versto&#223;en.Im vorliegenden Artikel wird die Berichterstattung der Medien &#252;ber den &#8220;Folterskandal Abu Ghraib&#8221; als ein Ort der sozialen, diskursiven Konstruktion von Geschlecht begriffen und der Frage nachgegangen, wie Frauen als T&#228;terinnen in der Berichterstattung vorstellbar gemacht werden.</strong></p>
<h3>Diskursive Strategien der Vergeschlechtlichung weiblicher T&#228;terschaft: Wie sind Frauen als T&#228;terinnen vorstellbar?</h3>
<p>In der medialen Berichterstattung &#252;ber den &#8220;Folterskandal Abu Ghraib&#8221; spielt Geschlecht, vor allem Weiblichkeit eine besondere Rolle. An der Darstellung der folternden Soldatin Lynndie England lassen sich f&#252;nf diskursive Strategien der Vergeschlechtlichung weiblicher T&#228;terschaft nachzeichnen.</p>
<p>&#8220;(…) ausgerechnet die kleine Lynndie England im Irak&#8221; (<a href="http://www.welt.de/print-welt/article312224/Eine_elende_Domina.html">Welt, 08.05.2004</a>).  Die erste in der Berichterstattung untersuchte diskursive Strategie der Vergeschlechtlichung weiblicher T&#228;terschaft ist die <strong>Infantilisierung</strong>.  Die Darstellung der Person Lynndie Englands zeigt, wie das Bild der jungen Naiven ohne eigene Willensbildung konstruiert wird. Lynndie England wird qua Alter und Geschlecht die Verantwortlichkeit f&#252;r die begangenen Taten abgesprochen. Auch die <strong>Seduktion</strong> als eine weitere diskursive Strategie der Vergeschlechtlichung weiblicher T&#228;terschaft, die sich durch das Aufzeigen des Bildes der durch Liebe verf&#252;hrten auszeichnet, spricht England individuelle Verantwortung ab. Hierbei spielt das Verh&#228;ltnis zwischen ihr und dem Soldaten Charles Graner als dem Verf&#252;hrer sowie die daraus hervorgegangene Schwangerschaft in der Berichterstattung eine besondere Rolle. &#8220;Ins Innere der Anstalt zog es die junge Frau dann, weil sie in Liebe zum Feldwebel Charles Graner, 35, entbrannt war&#8221; (<a title="Artikel des Spiegel als PDF" href="http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=30833335&amp;aref=image035/E0420/ROSP200402001040105.PDF&amp;thumb=false">Spiegel 10.05.2004, PDF</a>).  Die durch den eigentlichen Hauptt&#228;ter Charles Graner verf&#252;hrte Lynndie England erscheint hier lediglich als die passive, untergeordnete Gehilfin. Auch durch die dritte diskursive Strategie, die ich als <strong>Viktimisierung</strong> bezeichne, wird ihre individuelle Verantwortung bestritten und sie wird als passiv und von anderen benutzt dargestellt. Jedoch wird dadurch nicht das Bild der durch Liebe Verf&#252;hrten gezeichnet, sondern allgemeiner das Bild des Opfers der sozialen Umst&#228;nde. Hier werden Englands Sozialisation, ihre Erziehung, ihr soziales Herkunftsmilieus sowie &#246;konomische Hintergr&#252;nde, wie Geldnot angef&#252;hrt. Die viktimisierte T&#228;terin wird entsprechend als Opfer der Anpassung an &#8220;M&#228;nnerb&#252;ndnisse&#8221; oder sehr allgemein als Opfer des Patriarchats beschrieben (<a href="http://www.emma.de/596.html">Emma, Nr.4, 2004</a>).</p>
<p>Das Bild von einer letztlich doch unschuldigen Weiblichkeit ohne individuelle Verantwortlichkeit f&#252;r die begangenen Taten, sei es wegen kindlicher Naivit&#228;t, Verf&#252;hrung aus Liebe oder wegen des Opferstatus, findet sein Gegenst&#252;ck im Bild der devianten, grausamen Frau bzw. dem Bild der Bestie. Diese in der Berichterstattung h&#228;ufig benutzten Darstellungen habe ich als die diskursive Strategie der <strong>Pathologisierung</strong> weiblicher T&#228;terschaft benannt. Bezeichnungen wie &#8220;sadistische Foltermagd&#8221;, &#8220;Fratze des b&#246;sen Amerika&#8221;,                      &#8220;wilder Teufelsbraten&#8221; (<a href="http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/469/31438/">S&#252;deutsche Zeitung, 08.05.2008</a>) sind das Pendant einer z.B. durch kindliche Naivit&#228;t oder durch Betonung des Opferstatus unschuldigen Weiblichkeit. Durch d&#228;monisierende und insbesondere auch skandalisierende Beschreibungen der Person Englands findet zudem eine Entmenschlichung statt. Ihre Taten erscheinen als ein unnormaler Einzelfall und eine absolute Ausnahme. Weibliche Gewalt wird somit in den Bereich individueller Abnormit&#228;t verschoben. In der Berichterstattung werden die durch Pathologisierung weiblicher Gewalt begangenen Verbrechen h&#228;ufig mit Sexualit&#228;t begr&#252;ndet. Bei den sexualisierenden Beschreibungen der Ereignisse in Abu Ghraib als Exzess oder Orgien werden auch Vergleiche zur Pornographie bem&#252;ht. So wird Abu Ghraib gleichzeitig als Ort von &#8220;unkontrollierten Exzessen&#8221; und als Ort einer geplanten (Porno)-Inszenierung beschrieben. Dabei wird ein Zusammenhang von Exzessen, pornographischer Darstellung und Beteiligung von Frauen herausgestellt. Zudem wird Lynndie England h&#228;ufig ein besonderer Sadismus, eine Perversion und vor allem Lust an den Taten zugeschrieben. &#8220;Lynndie Englands Grinsen verr&#228;t Genuss, nicht Unsicherheit, keine Spur von Angst&#8221; (<a href="http://www.welt.de/print-welt/article312224/Eine_elende_Domina.html">Welt, 08.05.2004</a>). Diese Zuschreibungen sind                      typisch f&#252;r die f&#252;nfte und letzte diskursive Strategie der <strong>Sexualisierung und Pornographisierung</strong> in der Berichterstattung. Mit dem Bild einer abnormen Sexualit&#228;t wird Lynndie England als ohne moralische Urteilskraft und allein durch ihren sexuellen Trieb und ihre Lust gesteuert dargestellt.</p>
<p>Zusammenfassend wurden diese f&#252;nf diskursiven Strategien der Vergeschlechtlichung weiblicher T&#228;terschaft in der untersuchten Berichterstattung ausgemacht, die ineinander vermischt vorkommen und sich gegenseitig zu stabilisieren scheinen. Auffallend ist, dass h&#228;ufig alle Strategien bei der Berichterstattung insgesamt und auch in einzelnen Artikeln gleichzeitig in Anspruch genommen werden. Eigenm&#228;chtige Handlungen weiblicher T&#228;terschaft werden einerseits negiert und eine letztlich unschuldige Weiblichkeit dargestellt wie bei den diskursiven Strategien der Infantilisierung, der Seduktion und der Viktimisierung. Hierdurch erf&#228;hrt Lynndie England eine Entlastung von der T&#228;terschaft. Andererseits wird durch die Pathologisierung und die Sexualisierung bzw. Pornographisierung weibliche T&#228;terschaft als eine absolute Ausnahme dargestellt und die Gewalttaten erscheinen als unnormaler Einzelfall. Dabei hat das Bild von weiblicher Unschuld sein Gegenst&#252;ck im Bild der grausamen und devianten Frau. Diese dichotomen Weiblichkeitskonstruktionen sind zumindest in der westlichen Welt schon lange etablierte Konstruktionen.</p>
<p>Wie sind also weibliche T&#228;terinnen vorstellbar? Auch wenn die untersuchte Berichterstattung zeigt, dass Weiblichkeit durchaus vielf&#228;ltig dargestellt wird, zeigt die in der Berichterstattung vorzufindende besondere Schockierung dar&#252;ber, wie denn Frauen zu &#8220;T&#228;terinnen&#8221;, zu &#8220;gewaltt&#228;tigen Folterinnen&#8221; werden konnten, das zugrundeliegende Verst&#228;ndnis von einer weiblichen Friedfertigkeit. Hier offenbart sich die Unvereinbarkeit von Weiblichkeit, Gewalt und T&#228;terschaft. Die dichotomen Weiblichkeitskonstruktionen k&#246;nnen als R&#252;ckgriff auf tradiertes Wissen beschrieben werden. Das gespaltene Frauenbild findet sich bereits in der Polarisierung von Ehefrau vs. Geliebter, von Mutter vs. Hure, Heiliger vs. S&#252;nderin, eine Aufteilung in reine und d&#228;monische Bilder. Beide Seiten dieser konstruierten Weiblichkeitsbilder sind dabei stets aufeinander bezogen (vgl. Eschenbach 2003: 98). Allen diskursiven Strategien ist gemeinsam, dass sie die T&#228;terin als nicht selbstverantwortlich handelnde Person zeichnen, welche bewusst eigene Entscheidungen treffen kann. Der folternden Frau werden bei den Taten keine eigenen moralischen Entscheidungen oder Einsichten zugestanden. Trotz gesellschaftspolitischer Ver&#228;nderungen wie der &#214;ffnung des Milit&#228;rs f&#252;r Frauen und der direkten Beteiligung von Frauen an Krieg und Gewalt, besitzt die traditionelle essentialistische Vorstellung von friedfertiger Weiblichkeit nach wie vor enorme G&#252;ltigkeit.</p>
<h3>Verwendete Literatur:</h3>
<ul>
<li>Eschenbach, Insa: Gespaltene Frauenbilder: Geschlechterdramaturgien im juristischenostdeutschen Diskurs, in: Weckel, Ulrike/Wolfrum, Edgar (Hgg.): &#8220;Bestien&#8221; und &#8220;Befehlsempf&#228;nger&#8221;. Frauen und M&#228;nner in NS-Prozessen nach 1945, G&#246;ttingen 2003, S. 99-106</li>
</ul>
<div>
<hr /></div>
<p>Diesem Artikel liegen die Ergebnisse einer diskursanalytischen Untersuchung zugrunde, welche die Autorin im Rahmen ihrer Diplomarbeit: &#8220;Foltern Frauen wie M&#228;nner?&#8221; Eine diskursanalytische Betrachtung der medialen Vergeschlechtlichung des &#8220;Folterskandals Abu Ghraib&#8221; vorgenommen habe. Den Materialkorpus der Analyse bilden 262 Printmedienartikel &#252;ber den &#8220;Folterskandal&#8221; aus sechs auflagenstarken &#252;berregionalen Printmedien verschiedener politischer Provenienz, welche sich um die so genannte politische Mitte formieren. Ein ausf&#252;hrlicher Artikel hierzu befindet sich in <a title="Artikel im IFF Info als PDF" href="http://www.uni-bielefeld.de/IFF/aktuelles/IFFInfoSS06.pdf">IFF Info</a> &#8211;                        Zeitschrift des Interdisziplin&#228;ren Zentrums f&#252;r Frauen- und Geschlechterforschung, 2006, 23 Jg., Nr. 31</p>
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