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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Rhoda Tretow</title>
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		<title>Frauenrechte in der Bundesrepublik Deutschland durchsetzen &#8211; die Frauenrechtskonvention der Vereinten Nationen CEDAW</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Sep 2007 10:37:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rhoda Tretow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das rechtsverbindliche, internationale &#220;bereinkommen CEDAW bietet im Vergleich mit anderen Antidiskriminierungsinstrumenten mehrere Vorteile: es erlaubt zeitweilige Sonderma&#223;nahmen zu Gunsten von Frauen, es ist frauenspezifisch, inhaltlich umfassend und so formuliert, dass auch neu entstehende Diskriminierungstatbest&#228;nde geahndet werden k&#246;nnen. Anl&#228;sslich der Ver&#246;ffentlichung des 6. Staatenberichts der Bundesrepublik Deutschland wird im Folgenden anhand von Beispielen aus der vergangenen Berichtsperiode skizziert, wie verschiedene gesellschaftliche AkteurInnen dazu beitragen k&#246;nnen, CEDAW zum Pr&#252;fstein jeder Entscheidung &#246;ffentlicher Gremien und politischer Ma&#223;nahmen avancieren zu lassen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Das rechtsverbindliche, internationale &#220;bereinkommen CEDAW bietet im Vergleich mit anderen Antidiskriminierungsinstrumenten mehrere Vorteile: es erlaubt zeitweilige Sonderma&#223;nahmen zu Gunsten von Frauen, es ist frauenspezifisch, inhaltlich umfassend und so formuliert, dass auch neu entstehende Diskriminierungstatbest&#228;nde geahndet werden k&#246;nnen. Anl&#228;sslich der Ver&#246;ffentlichung des 6. Staatenberichts der Bundesrepublik Deutschland wird im Folgenden anhand von Beispielen aus der vergangenen Berichtsperiode skizziert, wie verschiedene gesellschaftliche AkteurInnen dazu beitragen k&#246;nnen, CEDAW zum Pr&#252;fstein jeder Entscheidung &#246;ffentlicher Gremien und politischer Ma&#223;nahmen avancieren zu lassen.</strong></p>
<p>Im Juni 2007 ver&#246;ffentlichte die Bundesregierung den <a title="Bericht als PDF" href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/RedaktionBMFSFJ/Abteilung4/Pdf-Anlagen/cedaw-bericht,property=pdf,bereich=,sprache=de,rwb=true.pdf">6. Staatenbericht (PDF)</a> zum &#220;bereinkommen der Vereinten Nationen (VN) zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau, nach seiner englischen Abk&#252;rzung <a title="Gesetztestext als PDF" href="http://institut-fuer-menschenrechte.de/dav/Bibliothek/Dokumente/UN-Dokumente%20deutschsprachig/CEDAW.pdf">CEDAW (PDF)</a> genannt.</p>
<p>In der Bundesrepublik Deutschland wird derzeit vor allem zwei anderen Antidiskriminierungsinstrumenten Beachtung               geschenkt: der Strategie des <a href="http://www.genderkompetenz.info/gendermainstreaming/">Gender Mainstreaming (GM)</a> und dem <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/agg/index.html">Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)</a>, das               dieser Tage seinen ersten Geburtstag feiert.</p>
<p>GM, seit 1999 per Bundeskabinettsbeschluss als offizielle Gleichstellungsstrategie etabliert, wird zunehmend               mit Diversity Management verschr&#228;nkt. Diese holistische Herangehensweise kann zu einer Qualit&#228;tssteigerung f&#252;hren,               birgt jedoch auch die Gefahr einer Verw&#228;sserung feministischer Perspektiven (vgl. <a href="http://www.femina-politica.de/abstracts/abs1-07.htm#absLepperhoff">femina politica 1/2007</a>).               Zudem kristallisiert sich seit l&#228;ngerem heraus, dass GM-Ma&#223;nahmen, trotz aller Warnungen, Frauenf&#246;rderung eher               abl&#246;sen als erg&#228;nzen (vgl. <a href="http://www.fes.de/fulltext/asfo/00802006.htm#E10E6">Stiegler 2000</a>, 5.3)               wobei dieser Effekt nicht GM immanent ist, sondern wohl eher auf Fehlinterpretationen der Strategie beruht.</p>
<p>Das AGG wiederum deckt, entsprechend der EU-Richtlinien auf denen es basiert, nur einen Bruchteil aller Diskriminierungstatbest&#228;nde ab und ist nicht frauenspezifisch. Hinzu kommen Umsetzungsm&#228;ngel (<a href="http://www.djb.de/Kommissionen/kommission-arbeits-gleichstellungs-und-wirtschaftsrecht/St07-11-Umsetzung-Antidiskriminierungsrichtlinien/">siehe Juristinnenbund</a>).               Ob und wann die Bundesregierung diese nachbessern wird, ist unklar.</p>
<p>In dieser Situation gewinnt als drittes Instrument die rechtsverbindliche, internationale &#220;bereinkunft CEDAW an Gewicht, die jede Form der Diskriminierung auf allen gesellschaftlichen Ebenen und in allen Lebensbereichen von Frauen verbietet. Zeitweilige Sonderma&#223;nahmen, welche die Benachteiligung von Frauen verhindern bzw. aufheben, sind ausdr&#252;cklich erlaubt. Das &#220;bereinkommensmandat ist so weit gefasst, dass CEDAW flexibel auf sich ver&#228;ndernde und neue Diskriminierungstatbest&#228;nde eingehen kann. Zudem gelten die in CEDAW verbrieften Rechte f&#252;r alle Menschen, die sich in der Bundesrepublik aufhalten, ob sie dies nun legal oder illegalisiert tun.</p>
<p>In der DDR trat CEDAW 1980, in der Bundesrepublik Deutschland f&#252;nf Jahre sp&#228;ter in Kraft. Das 2002 in der               Bundesrepublik in Kraft getretene <a href="http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/webcom/show_article.php/_c-503/_nr-2/i.html">Fakultativprotokoll</a> zu CEDAW stellt weitere Kontrollmechanismen zur Verf&#252;gung: das Individualbeschwerde- sowie das Untersuchungsverfahren.</p>
<p>Mit der Ratifizierung von CEDAW geht eine 4-j&#228;hrliche Berichtspflicht einher, der die Bundesregierung mit der aktuellen Ver&#246;ffentlichung beinahe p&#252;nktlich nachgekommen ist, obwohl sich die &#220;bersetzung ins Englische und damit die &#220;bergabe an die VN verz&#246;gert. In ihrem Bericht beschreibt sie, welche Ma&#223;nahmen sie ergriffen hat, um die tats&#228;chliche Gleichstellung von Frauen und M&#228;nnern zu gew&#228;hrleisten. Wie schon in den vorhergegangenen Berichtsperioden wird der CEDAW-Ausschuss der VN den Bericht untersuchen, ihn im Rahmen eines konstruktiven Dialoges mit der Bundesregierung verhandeln und so genannte Abschlie&#223;ende Bemerkungen verfassen, nach denen die Bundesregierung zuk&#252;nftige frauenpolitische Ma&#223;nahmen ausrichten soll.</p>
<p>Der Ausschuss begr&#252;&#223;t Stimmen aus der Zivilgesellschaft, die ihn darin unterst&#252;tzen, sich ein regierungsunabh&#228;ngiges Bild von der menschenrechtlichen Lage in einem Vertragsstaat zu verschaffen. Nichtregierungsorganisationen (NROen) kommt dabei eine wichtige Rolle zu: Sie k&#246;nnen auf Grundlage des Fakultativprotokolls im Namen einzelner Diskriminierungsopfer Beschwerde f&#252;hren und dar&#252;ber hinaus so genannte Schattenberichte verfassen, die auf L&#252;cken in den Regierungsberichten hinweisen und inhaltliche Korrekturen vornehmen. Schattenberichte gewinnen an politischem Gewicht, je mehr NROen an ihrer Erstellung beteiligt sind. Im Juli 2003 wurde eine Sammlung von sieben <a href="http://www.frauenrechte.de/tdf/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=123&amp;Itemid=120">Schattenberichten</a> an den CEDAW-Ausschuss und im Dezember 2003 im Rahmen              einer &#246;ffentlichen Fachtagung an die Bundesregierung &#252;bergeben.</p>
<p>VertreterInnen von NROen haben w&#228;hrend der Sitzung des CEDAW-Ausschusses, in der eine Regierungsdelegation dem Ausschuss Rede und Antwort steht, die M&#246;glichkeit, m&#252;ndlich Stellung zu nehmen, sowie in Gespr&#228;chen mit einzelnen Ausschussmitgliedern Informationen zu aktualisieren. 2004 erf&#252;llte eine dreik&#246;pfige NRO-Delegation diese Watchdog-Funktion und h&#246;rte Erstaunliches aus Regierungsmund: zum Beispiel, dass die Hartz-Reformen die Situation von Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt verbessern w&#252;rden (<a href="http://www.un.org/womenwatch/daw/cedaw/30sess.htm">Sitzungsmittschnitt, Seite 3 Punkt 8</a>). (F&#252;r eine Liste der bis              2004 feststellbaren Verschlechterungen f&#252;r Frauen s. <a href="http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/webcom/show_shop.php/_c-488/_nr-36/i.html">Fuchsloch, Christine: &#8220;Frauen als Verliererinnen der Hartzreformen&#8221;</a>.)</p>
<p>Von dem im Fakultativprotokoll geregelten Individualbeschwerdeverfahren machte u.a. die bundesdeutsche NRO Ban Ying Gebrauch. Sie prangerte die auf Grund diplomatischer Immunit&#228;t der ArbeitgeberInnen quasi rechtlose Situation von Angestellten in diplomatischen Haushalten in der Bundesrepublik an. Ihre Beschwerde veranlasste das Ausw&#228;rtige Amt die ihnen zur Verf&#252;gung stehenden Mittel zu pr&#252;fen und auszusch&#246;pfen, ein Erfolg zivilgesellschaftlicher Intervention der hier exemplarisch f&#252;r viele genannt sei und der im Bericht auf Seite 48 ausf&#252;hrlich nachzulesen ist.</p>
<p>Der Fall behandelt nur eine Facette des Diskriminierungsspektrums, die eine Gruppe von Frauen betreffen, die umgangssprachlich unter der &#220;berschrift &#8220;Frauen mit Migrationshintergrund&#8221; zusammengefasst werden. Das Beispiel l&#228;sst erahnen, wie wenig homogen diese Gruppe tats&#228;chlich ist und wie entsprechend vielf&#228;ltig frauenpolitische Ma&#223;nahmen in diesem Bereich sein m&#252;ssen. NROen arbeiten unerm&#252;dlich daran, migrantinnenspezifische Belange als Querschnittsthemen auf die Agenden aller politischen Diskurse zu setzen &#8211; oft mit Erfolg. J&#252;ngstes Beispiel ist der <a href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=100648.html">Sammelband zum Thema              Zwangsverheiratung</a>, den das Bundesministerium f&#252;r Familie, Jugend, Frauen und Soziales (BMFSFJ) im September 2007              herausgab und der besonderen Augenmerk auf die Situation von Migrantinnen richtet.</p>
<p>Aber auch gesamtgesellschaftlich sind Frauen in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor benachteiligt. Diese Aussage sei anhand einiger bundesdeutscher Arbeitsmarktfakten exemplarisch belegt: Das durchschnittliche Einkommen von Frauen liegt so weit unter dem von M&#228;nnern, dass die Bundesrepublik bez&#252;glich des Lohngef&#228;lles im europ&#228;ischen Vergleich (<a href="http://ec.europa.eu/employment_social/emplweb/publications/publication_de.cfm?id=87">EU</a>) regelm&#228;&#223;ig auf einem              der letzten Pl&#228;tze rangiert. In dem <a href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Politikbereiche/gleichstellung,did=5152.html">Bericht              zur Berufs- und Einkommenssituation von Frauen und M&#228;nnern</a> des BMFSFJ hei&#223;t es 2002, Frauen seien von registrierter Arbeitslosigkeit und nicht realisierten Erwerbsw&#252;nschen &#252;berdurchschnittlich betroffen. Frauen arbeiten zudem immer h&#228;ufiger Teilzeit, wobei auch Frauen, die nur ein paar Stunden pro Woche erwerbst&#228;tig sind, in den Statistiken als &#8220;besch&#228;ftigt&#8221; gef&#252;hrt werden. Mit einem Wechsel in die Teilzeitarbeit sinkt nicht nur das Gesamteinkommen, sondern die soziale Absicherung insgesamt. Besonders gravierend wirkt sich Teilzeitarbeit in einkommensabh&#228;ngigen Rentensystemen auf die Altersabsicherung aus. (F&#252;r eine Diskussion frauenspezifischer Altersarmut s. <a href="http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/webcom/show_shop.php/_c-488/_nr-36/i.html">Rust, Ursula:               &#8220;Rentenreform: Auswirkungen impliziter Diskriminierung&#8221;, S. 35-41.</a>).</p>
<p>Der gleichstellungspolitische Handlungsbedarf in diesem und in zahlreichen anderen Bereichen ist also enorm. Umso              schwerer nachzuvollziehen ist die chronische Unterfinanzierung der zivilgesellschaftlichen CEDAW-Arbeit. Anfragen              f&#252;r finanzielle Unterst&#252;tzung wurden 2003 vom BMFSFJ abschl&#228;gig beschieden. Im Juli 2007 hei&#223;t es in einer <a title="Antwort auf Kleine Anfrage als PDF-Datei" href="http://dip.bundestag.de/btd/16/060/1606096.pdf">Antwort              der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (PDF)</a> im Bundestag, eine F&#246;rderung von NROen komme nur in eingeschr&#228;nktem Ma&#223;e in Betracht. Die Finanzierung bundesweiter Arbeitsgruppen, die thematisch umfassender als bisher und fr&#252;hzeitig vor Erscheinen des Berichts t&#228;tig werden, sowie die einer Koordinierungsstelle nach niederl&#228;ndischem Vorbild (<a href="http://www.e-quality.nl/assets/e-quality/nieuws/cedaw.html">Shadow Report NL</a>),              scheint in weite Ferne ger&#252;ckt.</p>
<p>So verwundert es nicht, dass noch heute, drei Monate nach Erscheinen des 6. Berichts, nicht feststeht, ob und wenn ja von wem die dringend notwendigen Kommentare geschrieben werden. Eine umfassende Beschreibung aller Missst&#228;nde wird auch dieses Mal wohl kaum realisierbar sein. Immerhin plant das <a href="http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/">Deutsche Institut f&#252;r Menschenrechte (DIMR)</a> (L14) im Herbst 2007 einen Aktivierungsworkshop f&#252;r zivilgesellschaftliche AkteurInnen.</p>
<p>Das DIMR war es auch, das dem <a href="http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/webcom/show_shop.php/_c-488/_nr-36/i.html">Follow-up Prozess</a>,  der zur &#220;berpr&#252;fung der Umsetzung der Abschlie&#223;enden Bemerkungen dient, ein Forum verlieh und damit ma&#223;geblich zur Kontinuit&#228;t der CEDAW-Arbeit beitrug.</p>
<p>NROen fordern mit unverminderter Vehemenz, dass CEDAW bei allen Entscheidungen &#246;ffentlicher Gremien und politischer Ma&#223;nahmen als Pr&#252;fstein verwendet wird. Dabei appellieren sie auch an politisch verantwortungsvolle Einzelpersonen, die Bundesregierung an ihre v&#246;lkerrechtlichen Verpflichtungen im Rahmen von CEDAW zu erinnern. Sie k&#246;nnen dem &#220;bereinkommen Gewicht verleihen, indem sie sich in Ver&#246;ffentlichungen und Vortr&#228;gen sowie vor allem in politischen Eingaben und F&#246;rdermittelantr&#228;gen auf die relevanten CEDAW-Artikel berufen. Wem der <a title="Gesetzestext CEDAW als PDF-Datei" href="http://institut-fuer-menschenrechte.de/dav/Bibliothek/Dokumente/UN-Dokumente%20deutschsprachig/CEDAW.pdf">Gesetzestext (PDF)</a> zu umfangreich ist, die/ der findet eine Zusammenfassung der Artikel auf einem Flyer, der &#252;ber info[at]frauenrechte.de unentgeltlich bezogen werden kann.</p>
<h3>Weiterf&#252;hrende Links</h3>
<ul>
<li>f&#252;r CEDAW-Dokumente:<a href="http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/de/menschenrechtsinstrumente/vereinte-nationen/menschenrechtsabkommen/frauenrechtskonvention-cedaw.html"> http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/de/menschenrechtsinstrumente/vereinte-nationen/menschenrechtsabkommen/frauenrechtskonvention-cedaw.html</a></li>
<li>f&#252;r aktuelle Kritik des Deutschen Juristinnenbunds am AGG: <a href="http://www.djb.de/">www.djb.de</a></li>
<li>f&#252;r Fragen zu Gender Mainstreaming: <a href="http://www.genderkompetenz.info/">www.genderkompetenz.info</a></li>
</ul>
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