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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Melanie Plößer</title>
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		<title>Feministische P&#228;dagogik in 3-D &#8211; Feministische Umgangsweisen mit der Geschlechterdifferenz</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/paedagogik/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/paedagogik/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2009 17:57:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Plößer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Suche nach den praktischen Konsequenzen gendertheoretischer Einsichten markiert eine zentrale Aufgabenstellung feministischer P&#228;dagogik. Allerdings wird die Frage, wie in p&#228;dagogischen Kontexten mit der Geschlechterdifferenz umzugehen ist, nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet. Wurde in den 1970er und 1980er Jahren vor allem ein anerkennender Umgang mit der Kategorie Geschlecht gefordert, ist der feministische Diskurs seit Mitte der 1990er Jahre von Ans&#228;tzen bestimmt, die sich kritisch mit der Differenz auseinandersetzen und die problematischen Effekte eines anerkennenden Umgangs mit der Geschlechterdifferenz hervorheben. Beide p&#228;dagogischen Umgangsweisen, Differenzanerkennung und Differenzkritik sollen im folgenden Beitrag nicht als sich gegenseitig ausschlie&#223;ende, sondern als sich notwendig erg&#228;nzende Perspektiven herausgestellt werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die Suche nach den praktischen Konsequenzen gendertheoretischer Einsichten markiert eine zentrale Aufgabenstellung feministischer P&#228;dagogik. Allerdings wird die Frage, wie in p&#228;dagogischen Kontexten mit der Geschlechterdifferenz umzugehen ist, nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet. Wurde in den 1970er und 1980er Jahren vor allem ein anerkennender Umgang mit der Kategorie Geschlecht gefordert, ist der feministische Diskurs seit Mitte der 1990er Jahre von Ans&#228;tzen bestimmt, die sich kritisch mit der Differenz auseinandersetzen und die problematischen Effekte eines anerkennenden Umgangs mit der Geschlechterdifferenz hervorheben. Beide p&#228;dagogischen Umgangsweisen, Differenzanerkennung und Differenzkritik sollen im folgenden Beitrag nicht als sich gegenseitig ausschlie&#223;ende, sondern als sich notwendig erg&#228;nzende Perspektiven herausgestellt werden.</strong></p>
<h3>Differenzanerkennung</h3>
<p>Die Vernachl&#228;ssigung geschlechtsspezifischer Unterschiede und die Ausblendung der Lebenswelten von M&#228;dchen und Frauen bilden den Ansatzpunkt differenzbezogener Handlungsans&#228;tze in der P&#228;dagogik. Werden Differenzen zwischen den Geschlechtern und die damit einhergehenden Ungleichheiten nicht (an-)erkannt &#8211; so das Credo differenzbezogener Konzepte &#8211; werden p&#228;dagogische Angebote den spezifischen Interessen, Bed&#252;rfnissen und Problemlagen ihrer Adressat_innen nicht gerecht und werden bestehende Macht- und Ungleichheitsverh&#228;ltnisse fortgeschrieben. So helfe erst die Ber&#252;cksichtigung von Differenzen solche Bedingungen und Verh&#228;ltnisse zu f&#246;rdern, in denen Diskriminierungen und Benachteiligungen abgebaut und Subjekte Anerkennung erfahren k&#246;nnen. F&#252;r die feministische P&#228;dagogik &#228;u&#223;erte sich die Forderung der Anerkennung beispielsweise in der Skandalisierung patriarchaler Strukturen, in der Einrichtung von Frauenh&#228;usern, M&#228;dchentreffs und feministischen Beratungsstellen, in der Entwicklung geschlechtsbezogener Bildungskonzepte sowie in der Formulierung von feministischen Handlungsmaximen wie &#8220;Parteilichkeit&#8221; oder &#8220;gemeinsame Betroffenheit&#8221;.</p>
<h3>Differenzkritik</h3>
<p>Dass die Perspektive der Differenzanerkennung nicht unproblematisch ist, ist von so genannten differenzkritischen Ans&#228;tzen der Geschlechterforschung deutlich gemacht worden. Diese werfen den differenzbezogenen Ans&#228;tzen vor, durch die Praxis der Anerkennung (und durch daraus hervorgehende p&#228;dagogische Maximen wie Parteilichkeit oder geschlechtshomogene Angebote) eine ebenso festschreibende wie verk&#252;rzende Sichtweise auf ihre Adressat_innen einzunehmen. Durch die Brille der Anerkennung betrachtet &#8211; so der Vorwurf der differenzkritischen Ans&#228;tze &#8211; w&#252;rden Differenzen in der Differenz ausgeblendet und Stereotype &#252;ber die M&#228;dchen und Frauen (re-)produziert. Die Perspektive, die demgegen&#252;ber von differenzkritischen &#8211; so etwa von queeren oder dekonstruktiven &#8211; Differenzkonzepten profiliert wird, zeichnet sich dementsprechend durch die Infragestellung bin&#228;rer Differenzordnungen und vor allem auch durch die kritische Hinterfragung p&#228;dagogischer Umgangsweisen mit diesen Ordnungen aus. Differenzkritische Ans&#228;tze wollen die Dilemmata, die mit der Anerkennung der Geschlechterdifferenz einhergehen, offen legen und eine Irritation der oppositionell und hierarchisch strukturierten Differenzschemata anregen. Weiterhin fordern differenzkritische Ans&#228;tze dazu auf, die eigene p&#228;dagogische Praxis danach zu untersuchen, wie hier z.B. durch Anreden, Zuordnungen oder Diagnosen Geschlechterdifferenzen (re-)produziert aber auch verschoben werden.</p>
<p>Geht es also bei der Strategie des Differenzbezugs um die Suche nach geschlechtsspezifischen Unterschieden und die Anerkennung derselben, zeigen differenzkritische Ans&#228;tze auf, welche Effekte aus dem Engagement f&#252;r die Anerkennung von Frauen und M&#228;dchen resultieren und welche Ordnungen und Normen im Zuge dieser differenzbezogenen Ans&#228;tze ungewollt gest&#252;tzt bzw. produziert werden. Praktische Beispiele f&#252;r die Umsetzung differenzkritischer Ans&#228;tze in der feministischen P&#228;dagogik finden sich in der zunehmenden Ber&#252;cksichtigung der Verwobenheit der Kategorie Geschlecht mit anderen Differenzkategorien, der selbstkritischen Auseinandersetzung mit normativen M&#228;dchen- und Frauenbildern, der Entwicklung von Methoden, durch die die Konstruktion der Geschlechterdifferenz aufgezeigt und eine Vervielf&#228;ltigung von Identit&#228;ten angeregt werden k&#246;nnen sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit heteronormativen Mustern.</p>
<h3>3-D Perspektive</h3>
<p>Obwohl differenzkritische Ans&#228;tze die M&#246;glichkeit er&#246;ffnen, die Probleme differenzbest&#228;tigender Umgangsweisen aufzuzeigen, k&#246;nnen sie diese nicht abl&#246;sen. W&#228;hrend differenzbezogene Ans&#228;tze eine Festschreibung von Differenz und damit auch eine Fortschreibung ungleicher Differenzverh&#228;ltnisse bef&#246;rdern k&#246;nnen, drohen durch differenzkritische Ans&#228;tze die Notwendigkeiten differenzbezogener Positionierungen f&#252;r die Subjekte wie auch die Potentiale differenzanerkennender Praxen verkannt zu werden (vgl. Mecheril/Pl&#246;&#223;er 2009, Tatschmurat 1996). So problematisch differenzbezogene P&#228;dagogiken aus differenzkritischer Sicht deshalb einerseits auch sein m&#246;gen, so unverzichtbar erweisen sich diese auf der anderen Seite.</p>
<p>Ausgehend von Differenzverh&#228;ltnissen braucht die feministische P&#228;dagogik deshalb eine 3-D Perspektive im Umgang mit der Geschlechterdifferenz. Das hei&#223;t, sie braucht den Fokus der Differenz(an-)erkennung, mit dem unterschiedliche Lebenslagen und Lebenswelten von Subjekten in den Blick genommen werden k&#246;nnen. Um die Gefahren der Stigmatisierung und Normierung von Andersheit zu minimieren, und um die vielf&#228;ltigen Verkn&#252;pfungen von Differenzkategorien wahrzunehmen, bedarf es hingegen einer differenzkritischen Perspektive. Diese zeigt auf, dass jeder Bezug auf Differenz und Andersheit unweigerlich festschreibend und produktiv ist und sie er&#246;ffnet einen kritischen Blick auf die eigenen p&#228;dagogischen Normen und Ausschl&#252;sse. Gerahmt bzw. gehalten werden diese beiden Perspektiven, von dem dritten &#8220;D&#8221;, der Haltung der Dominanzsensibilit&#228;t (vgl. Mecheril 2002). Dominanzsensibilit&#228;t bedeutet eine Sichtweise, die Differenzen im Hinblick auf die Machtverh&#228;ltnisse, in die diese eingebunden sind, wie auch im Hinblick auf ihre Machtwirkungen fokussiert. Eine solche Dominanzsensibilit&#228;t &#228;u&#223;ert sich auf der differenzkritischen Seite in einer besonderen Achtsamkeit gegen&#252;ber Hierarchisierungen und Abwertungen auf einer symbolischen Ebene. Dominanzsensible Differenzkritik hei&#223;t hier vor allem die bin&#228;r organsierte sprachliche Differenzordnung (Mann-Frau, heterosexuell-homosexuell, gesund-behindert, usw.) aber auch die damit produzierten Normen und Ausschl&#252;sse in den Blick nehmen und ver&#228;ndern zu wollen. F&#252;r die differenzanerkennenden Ans&#228;tze &#228;u&#223;ert sich die Haltung der Dominanzsensibilit&#228;t hingegen vor allem in einer kritischen Achtsamkeit gegen&#252;ber strukturellen Ungleichheiten, ungleichen Partizipationsm&#246;glichkeiten sowie ungleichen Rechten und Ressourcen (zur Notwendigkeit der Erg&#228;nzung unterschiedlicher politischer Strategien im Feminismus vgl. Gro&#223; 2008).</p>
<p>Erst die Zusammenf&#252;hrung der beiden unterschiedlichen Umgangsweisen Differenzkritik und Differenzanerkennung durch die Haltung der Dominanzsensibilit&#228;t er&#246;ffnet einen 3D-Blick, das hei&#223;t einen vielschichtigeren und tieferen Blick auf die Geschlechterdifferenz und die mit ihr einhergehenden Dilemmata und Probleme.</p>
<h3>Literatur:</h3>
<ul>
<li>Gro&#223;, Melanie (2008): Geschlecht und Widerstand. Post..| queer.. | linksradikal… K&#246;nigstein</li>
<li>Mecheril, Paul (2002): Weder differenzblind noch differenzfixiert. F&#252;r einen reflexiven und kontextspezifischen Gebrauch von Begriffen. In: IDA-NRW. &#220;berblick 4/2002, Jg. 8, S. 10-16, <a title="Artikel als PDF" href="http://www.ida-nrw.de/html/Ueberblick_4_02.pdf">http://www.ida-nrw.de/html/Ueberblick_4_02.pdf</a></li>
<li>Mecheril, Paul/ Pl&#246;&#223;er, Melanie (2009): Differenz und P&#228;dagogik. In: Oelkers, J&#252;rgen/Andresen, Sabine/Casale, Rita/ Gabriel, Thomas/ Horlacher, Rebekka/ Larcher, Sabina (Hrsg): Handw&#246;rterbuch der P&#228;dagogik der Gegenwart. Weinheim</li>
<li>Tatschmurat, Carmen (1996): Feministisch orientierte soziale Arbeit: Parteilich handeln, dekonstruktivistisch denken? In: Miller, Tilly / Tatschmurat, Carmen (Hrsg.): Soziale Arbeit mit Frauen und M&#228;dchen. Positionsbestimmungen und Handlungsperspektiven. Stuttgart, S. 9-28</li>
</ul>
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		<title>Feministische P&#228;dagogik in 3-D – Feministische Umgangsweisen mit der Geschlechterdifferenz</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Feb 2009 10:20:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Plößer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feministische Theorien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Suche nach den praktischen Konsequenzen gendertheoretischer Einsichten markiert eine zentrale Aufgabenstellung feministischer P&#228;dagogik. Allerdings wird die Frage, wie in p&#228;dagogischen Kontexten mit der Geschlechterdifferenz umzugehen ist, nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet. Wurde in den 1970er und 1980er Jahren vor allem ein anerkennender Umgang mit der Kategorie Geschlecht gefordert, ist der feministische Diskurs seit Mitte der 1990er Jahre von Ans&#228;tzen bestimmt, die sich kritisch mit der Differenz auseinandersetzen und die problematischen Effekte eines anerkennenden Umgangs mit der Geschlechterdifferenz hervorheben. Beide p&#228;dagogischen Umgangsweisen, Differenzanerkennung und Differenzkritik sollen im folgenden Beitrag nicht als sich gegenseitig ausschlie&#223;ende, sondern als sich notwendig erg&#228;nzende Perspektiven herausgestellt werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die Suche nach den praktischen Konsequenzen gendertheoretischer Einsichten markiert eine zentrale Aufgabenstellung feministischer P&#228;dagogik. Allerdings wird die Frage, wie in p&#228;dagogischen Kontexten mit der Geschlechterdifferenz umzugehen ist, nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet. Wurde in den 1970er und 1980er Jahren vor allem ein anerkennender Umgang mit der Kategorie Geschlecht gefordert, ist der feministische Diskurs seit Mitte der 1990er Jahre von Ans&#228;tzen bestimmt, die sich kritisch mit der Differenz auseinandersetzen und die problematischen Effekte eines anerkennenden Umgangs mit der Geschlechterdifferenz hervorheben. Beide p&#228;dagogischen Umgangsweisen, Differenzanerkennung und Differenzkritik sollen im folgenden Beitrag nicht als sich gegenseitig ausschlie&#223;ende, sondern als sich notwendig erg&#228;nzende Perspektiven herausgestellt werden.</strong></p>
<h3>Differenzanerkennung</h3>
<p>Die Vernachl&#228;ssigung geschlechtsspezifischer Unterschiede und die Ausblendung der Lebenswelten von M&#228;dchen und Frauen bilden den Ansatzpunkt differenzbezogener Handlungsans&#228;tze in der P&#228;dagogik. Werden Differenzen zwischen den Geschlechtern und die damit einhergehenden Ungleichheiten nicht (an-)erkannt &#8211; so das Credo differenzbezogener Konzepte &#8211; werden p&#228;dagogische Angebote den spezifischen Interessen, Bed&#252;rfnissen und Problemlagen ihrer Adressat_innen nicht gerecht und werden bestehende Macht- und Ungleichheitsverh&#228;ltnisse fortgeschrieben. So helfe erst die Ber&#252;cksichtigung von Differenzen solche Bedingungen und Verh&#228;ltnisse zu f&#246;rdern, in denen Diskriminierungen und Benachteiligungen abgebaut und Subjekte Anerkennung erfahren k&#246;nnen. F&#252;r die feministische P&#228;dagogik &#228;u&#223;erte sich die Forderung der Anerkennung beispielsweise in der Skandalisierung patriarchaler Strukturen, in der Einrichtung von Frauenh&#228;usern, M&#228;dchentreffs und feministischen Beratungsstellen, in der Entwicklung geschlechtsbezogener Bildungskonzepte sowie in der Formulierung von feministischen Handlungsmaximen wie &#8220;Parteilichkeit&#8221; oder &#8220;gemeinsame Betroffenheit&#8221;.</p>
<h3>Differenzkritik</h3>
<p>Dass die Perspektive der Differenzanerkennung nicht unproblematisch ist, ist von so genannten differenzkritischen Ans&#228;tzen der Geschlechterforschung deutlich gemacht worden. Diese werfen den differenzbezogenen Ans&#228;tzen vor, durch die Praxis der Anerkennung (und durch daraus hervorgehende p&#228;dagogische Maximen wie Parteilichkeit oder geschlechtshomogene Angebote) eine ebenso festschreibende wie verk&#252;rzende Sichtweise auf ihre Adressat_innen einzunehmen. Durch die Brille der Anerkennung betrachtet &#8211; so der Vorwurf der differenzkritischen Ans&#228;tze &#8211; w&#252;rden Differenzen in der Differenz ausgeblendet und Stereotype &#252;ber die M&#228;dchen und Frauen (re-)produziert. Die Perspektive, die demgegen&#252;ber von differenzkritischen &#8211; so etwa von queeren oder dekonstruktiven &#8211; Differenzkonzepten profiliert wird, zeichnet sich dementsprechend durch die Infragestellung bin&#228;rer Differenzordnungen und vor allem auch durch die kritische Hinterfragung p&#228;dagogischer Umgangsweisen mit diesen Ordnungen aus. Differenzkritische Ans&#228;tze wollen die Dilemmata, die mit der Anerkennung der Geschlechterdifferenz einhergehen, offen legen und eine Irritation der oppositionell und hierarchisch strukturierten Differenzschemata anregen. Weiterhin fordern differenzkritische Ans&#228;tze dazu auf, die eigene p&#228;dagogische Praxis danach zu untersuchen, wie hier z.B. durch Anreden, Zuordnungen oder Diagnosen Geschlechterdifferenzen (re-)produziert aber auch verschoben werden.</p>
<p>Geht es also bei der Strategie des Differenzbezugs um die Suche nach geschlechtsspezifischen Unterschieden und die Anerkennung derselben, zeigen differenzkritische Ans&#228;tze auf, welche Effekte aus dem Engagement f&#252;r die Anerkennung von Frauen und M&#228;dchen resultieren und welche Ordnungen und Normen im Zuge dieser differenzbezogenen Ans&#228;tze ungewollt gest&#252;tzt bzw. produziert werden. Praktische Beispiele f&#252;r die Umsetzung differenzkritischer Ans&#228;tze in der feministischen P&#228;dagogik finden sich in der zunehmenden Ber&#252;cksichtigung der Verwobenheit der Kategorie Geschlecht mit anderen Differenzkategorien, der selbstkritischen Auseinandersetzung mit normativen M&#228;dchen- und Frauenbildern, der Entwicklung von Methoden, durch die die Konstruktion der Geschlechterdifferenz aufgezeigt und eine Vervielf&#228;ltigung von Identit&#228;ten angeregt werden k&#246;nnen sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit heteronormativen Mustern.</p>
<h3>3-D Perspektive</h3>
<p>Obwohl differenzkritische Ans&#228;tze die M&#246;glichkeit er&#246;ffnen, die Probleme differenzbest&#228;tigender Umgangsweisen aufzuzeigen, k&#246;nnen sie diese nicht abl&#246;sen. W&#228;hrend differenzbezogene Ans&#228;tze eine Festschreibung von Differenz und damit auch eine Fortschreibung ungleicher Differenzverh&#228;ltnisse bef&#246;rdern k&#246;nnen, drohen durch differenzkritische Ans&#228;tze die Notwendigkeiten differenzbezogener Positionierungen f&#252;r die Subjekte wie auch die Potentiale differenzanerkennender Praxen verkannt zu werden (vgl. Mecheril/Pl&#246;&#223;er 2009, Tatschmurat 1996). So problematisch differenzbezogene P&#228;dagogiken aus differenzkritischer Sicht deshalb einerseits auch sein m&#246;gen, so unverzichtbar erweisen sich diese auf der anderen Seite.</p>
<p>Ausgehend von Differenzverh&#228;ltnissen braucht die feministische P&#228;dagogik deshalb eine 3-D Perspektive im Umgang mit der Geschlechterdifferenz. Das hei&#223;t, sie braucht den Fokus der Differenz(an-)erkennung, mit dem unterschiedliche Lebenslagen und Lebenswelten von Subjekten in den Blick genommen werden k&#246;nnen. Um die Gefahren der Stigmatisierung und Normierung von Andersheit zu minimieren, und um die vielf&#228;ltigen Verkn&#252;pfungen von Differenzkategorien wahrzunehmen, bedarf es hingegen einer differenzkritischen Perspektive. Diese zeigt auf, dass jeder Bezug auf Differenz und Andersheit unweigerlich festschreibend und produktiv ist und sie er&#246;ffnet einen kritischen Blick auf die eigenen p&#228;dagogischen Normen und Ausschl&#252;sse. Gerahmt bzw. gehalten werden diese beiden Perspektiven, von dem dritten &#8220;D&#8221;, der Haltung der Dominanzsensibilit&#228;t (vgl. Mecheril 2002). Dominanzsensibilit&#228;t bedeutet eine Sichtweise, die Differenzen im Hinblick auf die Machtverh&#228;ltnisse, in die diese eingebunden sind, wie auch im Hinblick auf ihre Machtwirkungen fokussiert. Eine solche Dominanzsensibilit&#228;t &#228;u&#223;ert sich auf der differenzkritischen Seite in einer besonderen Achtsamkeit gegen&#252;ber Hierarchisierungen und Abwertungen auf einer symbolischen Ebene. Dominanzsensible Differenzkritik hei&#223;t hier vor allem die bin&#228;r organsierte sprachliche Differenzordnung (Mann-Frau, heterosexuell-homosexuell, gesund-behindert, usw.) aber auch die damit produzierten Normen und Ausschl&#252;sse in den Blick nehmen und ver&#228;ndern zu wollen. F&#252;r die differenzanerkennenden Ans&#228;tze &#228;u&#223;ert sich die Haltung der Dominanzsensibilit&#228;t hingegen vor allem in einer kritischen Achtsamkeit gegen&#252;ber strukturellen Ungleichheiten, ungleichen Partizipationsm&#246;glichkeiten sowie ungleichen Rechten und Ressourcen (zur Notwendigkeit der Erg&#228;nzung unterschiedlicher politischer Strategien im Feminismus vgl. Gro&#223; 2008).</p>
<p>Erst die Zusammenf&#252;hrung der beiden unterschiedlichen Umgangsweisen Differenzkritik und Differenzanerkennung durch die Haltung der Dominanzsensibilit&#228;t er&#246;ffnet einen 3D-Blick, das hei&#223;t einen vielschichtigeren und tieferen Blick auf die Geschlechterdifferenz und die mit ihr einhergehenden Dilemmata und Probleme.</p>
<h3>Literatur:</h3>
<ul>
<li> Gro&#223;, Melanie (2008): Geschlecht und Widerstand. Post..| queer.. | linksradikal… K&#246;nigstein</li>
<li>Mecheril, Paul (2002): Weder differenzblind noch differenzfixiert. F&#252;r einen reflexiven und kontextspezifischen Gebrauch von Begriffen. In: IDA-NRW. &#220;berblick 4/2002, Jg. 8, S. 10-16, <a title="Artikel als PDF" href="http://www.ida-nrw.de/html/Ueberblick_4_02.pdf">http://www.ida-nrw.de/html/Ueberblick_4_02.pdf</a></li>
<li>Mecheril, Paul/ Pl&#246;&#223;er, Melanie (2009): Differenz und P&#228;dagogik. In: Oelkers, J&#252;rgen/Andresen, Sabine/Casale, Rita/ Gabriel, Thomas/ Horlacher, Rebekka/ Larcher, Sabina (Hrsg): Handw&#246;rterbuch der P&#228;dagogik der Gegenwart. Weinheim</li>
<li>Tatschmurat, Carmen (1996): Feministisch orientierte soziale Arbeit: Parteilich handeln, dekonstruktivistisch denken? In: Miller, Tilly / Tatschmurat, Carmen (Hrsg.): Soziale Arbeit mit Frauen und M&#228;dchen. Positionsbestimmungen und Handlungsperspektiven. Stuttgart, S. 9-28</li>
</ul>
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