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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Melanie Groß</title>
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		<title>Unterhaltsrecht, Bildungsgutscheine und soziale Ungleichheit – Eine Polemik auf eine sozialpolitische Posse</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 17:43:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Steigende Kinderarmut, Bildungsgutscheine, Armutsrisiko Alleinerziehender, Vollzeitarbeit-Verpflichtung f&#252;r Alleinerziehende, fehlende Betreuungspl&#228;tze, unterbezahlte ErzieherInnen – diese Stichw&#246;rter markieren ein Feld voller ungel&#246;ster sozialpolitischer Probleme. In diesem politischen Feld versch&#228;rfen sich soziale Ungleichheiten immer weiter. Dennoch wird  in konsequent neoliberalem Gestus permanent von ‚F&#246;rderung‘, ‚Gleichheit‘ und ‚Selbstverantwortung‘ gesprochen. Eine Polemik zur andauernden sozialpolitischen Posse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Steigende Kinderarmut, Bildungsgutscheine, Armutsrisiko Alleinerziehender, Vollzeitarbeit-Verpflichtung f&#252;r Alleinerziehende, fehlende Betreuungspl&#228;tze, unterbezahlte ErzieherInnen – diese Stichw&#246;rter markieren ein Feld voller ungel&#246;ster sozialpolitischer Probleme. In diesem politischen Feld versch&#228;rfen sich soziale Ungleichheiten immer weiter. Dennoch wird  in konsequent neoliberalem Gestus permanent von ‚F&#246;rderung‘, ‚Gleichheit‘ und ‚Selbstverantwortung‘ gesprochen. Eine Polemik zur andauernden sozialpolitischen Posse.</strong></p>
<p>Es ist schon erstaunlich, wie wenig es im aktuell herrschenden politischen Diskurs notwendig zu sein scheint, das Zementieren sozialer Ungleichheiten zu verstecken, w&#228;hrend gleichzeitig mit Vokabeln hantiert wird, deren Bedeutungsrahmen vormals eigentlich das genaue Gegenteil skizzierten. Wie kann es eine ‚F&#246;rderung‘ sein, in Armut lebenden Familien, die nicht nur arm an &#246;konomischem, sondern auch an sozialem und kulturellem Kapital sind, durch beim Amt erh&#228;ltliche komplizierte Antragsformulare Bildungsgutscheine zukommen zu lassen? Wie kann von Gleichheit und Selbstverantwortung gesprochen werden, wenn erwerbst&#228;tigen Elternteilen nicht mehr l&#228;nger zugemutet werden soll Unterhalt an den/die Ex-PartnerIn zu zahlen, der/die das gemeinsame Kind versorgt, wenn dieseR stattdessen Vollzeit berufst&#228;tig sein soll, um sich den Lebensunterhalt selbst zu verdienen?  Und in welche Betreuungseinrichtung soll das Kind bittesch&#246;n gebracht werden, wenn Vollzeit mit Mittagspause mindestens 8,5 Stunden hei&#223;t und Fahrtwege von ca. 1 Stunde pro Tag mitgerechnet werden? Wer findet es v&#246;llig unproblematisch sein Kind 9,5h am Tag in eine (schlecht ausgestattete und g&#228;nzlich unterbezahlte) Betreuungseinrichtung zu geben – und in welche &#252;berhaupt? Und kann mensch vom dem Vollzeitjob dann &#252;berhaupt leben?</p>
<p>Man mag diese Aneinanderreihung von Fragen polemisch nennen – die soziale Realit&#228;t der von Armut und Bildungsungleichheit betroffenen Kinder, Eltern und Alleinerziehenden wird in Deutschland immer h&#228;rter und die damit einhergehenden sozialen Probleme und langfristigen Konsequenzen f&#252;r demokratische Gesellschaften werden m.E. schlichtweg &#252;bergangen. Der Film Berliner Rand aus dem Jahre 2010 hat eindrucksvoll diese Lebensrealit&#228;t von Jugendlichen in Berlin eingefangen (<a href=" http://www.hff-potsdam.de/de/studienbewerbung/ba-studiengaenge/drama0/lehrende/pdb/detail/0/0/becker-jens/0.html">Jens Becker</a>, <a href="http://www.dokumentarfilm.info/index.php?view=article&amp;id=172%3Adoku-tipp-berliner-rand&amp;option=com_content&amp;Itemid=62">Berliner Rand</a>). Der aktuelle Mikrozensus 2010 (<a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2011/Mikro__Kinder/pressebroschuere__kinder,property=file.pdf">Auszug des Statistischen Bundesamtes zur Lage von Kindern</a>) weist erneut auf das erh&#246;hte Armutsrisiko von Kindern und insbesondere von Kindern Alleinerziehender hin und nahezu gleichzeitig f&#228;llt der BGH sein Urteil (<a href="http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=57216&amp;pos=0&amp;anz=1">http://juris.bundesgerichtshof.de</a>) zum Unterhaltsrecht und st&#228;rkt damit das aus dem Jahre 2008 stammende neue Unterhaltsrecht: Demnach sollen alleinerziehende Geschiedene sich ihren Unterhalt ab dem 3. Lebensjahr des Kindes durch Vollzeiterwerbsarbeit selbst verdienen. Die Alleinerziehenden – meistens M&#252;tter – haben also die Wahl: Entweder sie haben aufgrund ihrer gering entlohnte Teilzeit-Erwerbst&#228;tigkeit kein Geld, das sie f&#252;r gemeinsame Aktivit&#228;ten, Bildung und Erziehung aber ben&#246;tigen. Oder sie werden zu Fr&#252;hst&#252;ck-ZubereiterInnen und Zu-Bett-BringerInnen f&#252;r Kinder, die sie als Vollzeit erwerbst&#228;tige Alleinerziehende fast nur noch schlafend kennen. Statt elterlicher F&#252;rsorge, Bindung und Gemeinsamkeit d&#252;rfen sie dann das verdiente Geld an die Betreuungseinrichtung weiter reichen.</p>
<p>Wie stark &#246;konomische Armut und Bildungsarmut zusammenh&#228;ngen, haben etliche Studien, Expertisen und Artikel immer wieder deutlich gemacht (z.B. <a href="http://www.unicef.de/presse/pm/2008/080526-wachsende-kluft-zwischen-kindern/">Unicef Bericht 2008</a>, <a href="http://www.feministisches-institut.de/kinderarmut/">http://www.feministisches-institut.de/kinderarmut/</a>). Der Kreislauf Aufwachsen in Armut – schlechte Bildungschancen – schlechte Teilhabem&#246;glichkeiten f&#252;r sich selbst und die sp&#228;teren eigenen Kinder, also die soziale Vererbung von Armut d&#252;rfte allseits bekannt sein. Dass dem nicht entschieden durch Umverteilung, <a href="http://www.feministisches-institut.de/grundeinkommen-2">bedingungsloses Grundeinkommen</a>, gut bezahlte ErzieherInnen, bessere Betreuungsschl&#252;ssel in Betreuungseinrichtungen usw. entgegengesteuert wird, l&#228;sst vermuten, dass die sich immer st&#228;rker etablierenden Klassenverh&#228;ltnisse gewollt zu sein scheinen. Wir haben es mit einer konsequenten Politik der Ungleichheit zu tun, deren Nebelbegriffe wie ‚Selbstverantwortung‘ und ‚Freiheit‘ letztlich nur verschleiern, dass ‚frei‘ immer nur die zu sein scheinen, die &#252;ber &#246;konomisches Kapital verf&#252;gen. Strukturelle Probleme der Arbeitsmarktpolitik, des Bildungssektors und der Sozialpolitik werden nach wie vor zu Individualproblemen erkl&#228;rt und allzu oft auch als pers&#246;nliches Schicksal erlebt.</p>
<p>Warum sollte die unter diesen Umst&#228;nden aufwachsende Generation das Soziale der Gesellschaft, Demokratie, Solidarit&#228;t und Gerechtigkeit achten?</p>
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		<title>Ausverkauf oder gelungener Guerilla-Kampf? Die Massentauglichkeit von Beth Ditto, Peaches und Co.</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Jul 2009 07:45:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Einigen K&#252;nstler_innen der riot grrrl und Ladyfest-Szene ist der Durchbruch in den Mainstream gelungen. Le Tigre sind schon l&#228;ngst zu einem Major-Label gewechselt, Peaches schafft es immer &#246;fter aufs Cover angesagter Musikzeitschriften und nun flimmert Beth Ditto &#252;ber alle Kan&#228;le – dick befreundet mit der Modeindustrie. Was ist von soviel Ruhm zu halten? Kann er als erfolgreiche Intervention in die Zeichenebene des Geschlechterdualismus interpretiert werden oder handelt es sich bei Massentauglichkeit immer gleich nur um Ausverkauf...?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Einigen K&#252;nstler_innen der riot grrrl und <a href="/ladyfest">Ladyfest</a>-Szene ist der Durchbruch in den Mainstream gelungen. Le Tigre sind schon l&#228;ngst zu einem Major-Label gewechselt, Peaches schafft es immer &#246;fter aufs Cover angesagter Musikzeitschriften und nun flimmert Beth Ditto &#252;ber alle Kan&#228;le – dick befreundet mit der Modeindustrie. Was ist von so viel Ruhm zu halten? Kann er als erfolgreiche Intervention in die Zeichenebene des Geschlechterdualismus interpretiert werden oder handelt es sich bei Massentauglichkeit immer gleich nur um Ausverkauf?</strong></p>
<p>K&#252;nstler_innen wie Peaches sind meiner Meinung nach eine gro&#223;e Bereicherung f&#252;r die Popkultur, wenngleich ihre feministischen und queer-|feministischen Grenz&#252;berschreitungen von geschlechtlichen und sexuellen Normen im Pop im Prinzip nichts Neues sind. So gab es gerade in dieser Szene immer schon etwas mehr Spielraum f&#252;r Darstellungsweisen von Geschlecht, die jenseits dessen liegen, was im Mainstream als &#8216;normal&#8217; und &#8216;nat&#252;rlich&#8217; gilt oder gegolten hat. Das Besondere an ihnen ist die explizit queer-|feministische Positionierung, die sie vornehmen. Peaches hat sich in der Kulturindustrie stets explizit f&#252;r feministische Ideen eingesetzt und mit Klischees von Frauen als Sexsymbol in erm&#228;chtigender Weise gespielt. Sichtbare Schamhaare, umgeschnallte Dildos und das provokative Fatherfuckers-Album sind hier nur kleine Beispiele, die in der Zurschaustellung zugleich sichtbar machen, was Frauen eigentlich nicht gestattet ist. Beth Ditto &#8211; ganz im Sinne der riot grrrl Szene der 1990er Jahre &#8211; &#252;berzeugt mit einer unglaublichen B&#252;hnenpr&#228;senz und mit ihrem queeren Lebensentwurf. Diese K&#252;nstler_innen artikulieren Sex, Geschlechtlichkeit, Begehren und K&#246;rper jenseits der Norm und erweitern somit Grenzen des Lebbaren und des Denkbaren. Ihre Popularit&#228;t weist meines Erachtens auf zweierlei hin: Zum einen zitieren sie (hetero-)sexistische und homophobe Elemente im Mainstream und unterlaufen sie subversiv, indem sie sie aufnehmen und umarbeiten. Mit dieser Guerilla-Strategie er&#246;ffnen sie R&#228;ume jenseits der rigiden Norm der Zweigeschlechtlichkeit mit all ihren Stereotypen und Rollenanforderungen. Sie machen Lebensweisen sichtbar und verschaffen damit auch denjenigen Sichtbarkeit, denen normalerweise der Subjektstatus in unserer Gesellschaft vorenthalten wird. In diesem Sinne ist Popularit&#228;t ein gro&#223;er Erfolg. Zum anderen funktioniert die Verwertungslogik nicht-normativer K&#246;rper und Lebensweisen aber immer auch &#252;ber die M&#246;glichkeit der Exotisierung, die einen erneuten Ausschluss bedeuten kann. Werden sie betrachtet als das Andere, das Ungew&#246;hnliche, das Bunte, mit denen &#8216;Normalos&#8217; sich hin und wieder gerne mal schm&#252;cken, um sich ihrer eigenen Normalit&#228;t und Durchschnittlichkeit zu vergewissern? Ich denke, dass es beides ist: eine nicht zu untersch&#228;tzende &#220;berschreitung von Geschlechternormen und gleichzeitig eine Disziplinierung durch Exotisierung. Letztlich kann das aber nicht am Schreibtisch entschieden werden, sondern ist eine je subjektive Betrachtungsweise in einem je subjektiven Kontext &#8211; es ist das, was Konzertbesucher_innen darin sehen und was sie daraus machen. F&#252;r die einen sind sie Ikonen, Vorbilder &#8211; die, die sich trauen, die, die laut sind und endlich queer-|feministische Positionen beziehen, so dass es bald niemand mehr &#252;berh&#246;ren kann. F&#252;r die anderen sind sie die schrillen, die &#252;berdrehten, die merkw&#252;rdigen aber ganz witzigen, die man sich hin und wieder mal ansieht und dann zufrieden &#252;ber die eigene heteronormale und -normative Kleinfamilie den Fernseher abschaltet.</p>
<p>Die Frage, warum diese K&#252;nstler_innen gerade jetzt so erfolgreich sind, scheint m&#252;&#223;ig. M&#246;glicherweise haben die letzten ca. 15 Jahre riot grrrl- und Ladyfest-Kultur es geschafft, nun endlich von der Subkultur in den Mainstream zu gelangen &#8211; auch wenn es sich hier nur um wenige Ausnahmen der unz&#228;hligen K&#252;nstler_innen handelt. F&#252;r junge Menschen sind sie sicher deshalb attraktiv, weil sie politische Inhalte in der Popkultur artikulieren und mit queer-|feministischen Statements auch das Bed&#252;rfnis vieler, die mehr Identit&#228;tsspielr&#228;ume wollen, widerspiegeln. Feminismus ist in diesem Kontext ein sehr ernstzunehmendes Spiel wider die Zweigeschlechtlichkeit und gleichzeitig eine massive Kritik an heterosexistischer und zumeist m&#228;nnlicher Macht innerhalb und au&#223;erhalb der Kulturindustrie. Das Dilemma der Popularit&#228;t liegt meines Erachtens in der Geschwindigkeit und F&#228;higkeit kapitalistischer Verh&#228;ltnisse, alles das, was anders und besonders ist, aufzusaugen und zu vermarkten. In neoliberalen Zeiten, wo Pluralit&#228;t und Individualit&#228;t zum Markenzeichen geworden sind, wo Modelabels mit Rebellion und Protest Werbung machen, w&#228;re eine weitere Lesart, dass queer-|feministische Popkultur genau dieses Segment ungewollt auch bedient. Das k&#246;nnte ein weiterer Grund sein, warum sie heute so popul&#228;r geworden sind: sie sind vermarktbar geworden. Allerdings bedeutet das nicht, dass sie aufgrund dessen kritisiert werden m&#252;ssten. Es hei&#223;t vielmehr, dass wir es mit einer Ambivalenz zu tun haben, die nicht aufl&#246;sbar ist. Es hei&#223;t allerdings auch, dass Protestartikulationen im Mainstream wandelbar bleiben m&#252;ssen, wenn sie nicht umgehend vermarktet werden wollen.</p>
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		<title>Queer goes Pop? Zur Ambivalenz von Sichtbarkeit und Disziplinierung im Mainstream</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Apr 2009 10:12:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Queer ist inzwischen ein fester Bestandteil der uns umgebenden Popkulturen. Doch wie ist das Verh&#228;ltnis von Queer und Pop? Um welchen Preis wird Queer Pop? Das Spannungsfeld von Sichtbarkeit und Disziplinierung er&#246;ffnet einerseits neue R&#228;ume f&#252;r Identifikationen und &#252;berschreitet Grenzen ‚des Normalen', andererseits begrenzt es diese R&#228;ume zugleich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Queer ist inzwischen ein fester Bestandteil der uns umgebenden Popkulturen. Doch wie ist das Verh&#228;ltnis von Queer und Pop? Um welchen Preis wird Queer Pop? Das Spannungsfeld von Sichtbarkeit und Disziplinierung er&#246;ffnet einerseits neue R&#228;ume f&#252;r Identifikationen und &#252;berschreitet Grenzen ‚des Normalen&#8217;, andererseits begrenzt es diese R&#228;ume zugleich.</strong></p>
<p>Ein Blick ins Fernsehen f&#246;rdert heute erstaunliche Mengen an queeren Lebensweisen zutage. Seien es Daily Soaps wie             <a href="http://www.daserste.de/verboteneliebe">Verbotene Liebe</a> (ARD), aufw&#228;ndig produzierte US-amerikanische Prime             Time Serials wie <a href="http://www.hbo.com/sixfeetunder/about/index.shtml">Six Feet Under</a> (HBO/VOX) oder deutsche             Doku-Soaps wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frauentausch_%28Fernsehsendung%29">Frauentausch</a> (RTL 2) &#8211; ohne Schwule, Lesben, trans- oder bisexuelle Charaktere scheinen sie alle nicht mehr auszukommen. In der Verbotenen Liebe sehen wir Lesben heiraten und einen Schwulen gegen die Homophobie im Amateur- und Profi-Boxen k&#228;mpfen. In Six Feet Under sind wir beeindruckt von einem sehr religi&#246;sen Beerdigungsinstitutsleiter, der mit einem Ex-Polizisten zusammenlebt und Kinder adoptiert. &#220;ber f&#252;nf Staffeln der Serie hinweg ist ihre Beziehung die einzige, die Bestand hat. Bei Frauentausch tauchen statt der sonst ihre Qualit&#228;ten als Hausfrauen und M&#252;tter demonstrierenden Frauen Drag-Queens wie <a href="http://www.youtube.com/watch?v=HxzU2ambYFY">Nina</a> auf, die die Gastfamilie in der tristen Platte mit ausgedr&#252;ckten Kippen im Blumentopf und demonstrativ zur Schau gestelltem Desinteresse an h&#228;uslichen T&#228;tigkeiten zur Verzweiflung bringt.</p>
<p>Neben solchen Highlights sind in den letzten Jahren auch komplette Serien entstanden und erfolgreich gewesen, die explizit             nicht-heterosexuelle Geschichten erz&#228;hlen: <a href="http://www.sho.com/site/queer/home.do">Queer as Folk</a> (Showtime/Pro7)             oder <a href="http://www.sho.com/site/lword/home.do%20und%20http://www.l-word.org/">The L-Word</a> (Showtime/Pro7) haben             gro&#223;e Zuschauer_innenzahlen erreicht. Gerade r&#228;umt mit <a href="http://www.imdb.com/media/rm3813709568/tt0496328">Itty-Bitty-Titty-Committee</a> ein Indie-Kino-Film haufenweise Preise ab mit der Geschichte einer radikal-postmodern-queer-trans-feministischen             Aktivist_innen-Gruppe, die mit Witz, Sex und Radikalit&#228;t politische Aktionen ungemein attraktiv erscheinen l&#228;sst.</p>
<p>Auch wenn sich der Eindruck nicht von der Hand weisen l&#228;sst, dass in Zeiten von &#246;konomistisch verstandenem Diversity Management das Augenmerk der Werbeindustrie auf der Erschlie&#223;ung neuer Marktsegmente liegen d&#252;rfte: Diese Pr&#228;senz und Sichtbarkeit von sexuell verd&#228;chtigen Lebensweisen im Mainstream ist in dieser Breite neu und hoch erfreulich. Noch bis in die 1980er Jahre hinein war Homosexualit&#228;t auf der Leinwand und im Fernsehen entweder verschl&#252;sselt zu sehen, oder die Darstellungen bewegten sich meist in sehr engen Klischees, Abwertungen oder exzentrischen Exotisierungen. Bis in die 1960er Jahre war die Darstellung von Homosexualit&#228;t im US-amerikanischen Kino durch den von 1934 bis 1967 geltenden Hays-Code g&#228;nzlich verboten und l&#228;sst sich in vielen Produktionen nur ‚zwischen den Zeilen&#8217; erkennen (vgl. <a href="http://www.kultur-online.net/?q=node/2120">Gasperi 2008</a>).             Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hays_Code">Hays Code</a> war nie gesetzlich verankert, umso m&#228;chtiger aber fungierte er als Freiwillige Selbstkontrolle der Hollywood-Produktionsfirmen: Eine eigens zur Kontrolle eingesetzte Production Code Administration nahm jedes Drehbuch unter die Lupe und konnte hohe Geldstrafen verh&#228;ngen. Erst ein Gerichtsbeschluss aus den 1960er Jahren setze dem Hays Code schlie&#223;lich ein Ende.</p>
<h2>Sichtbarkeit er&#246;ffnet R&#228;ume f&#252;r Identifikation</h2>
<p>Die heute deutlich breitere Sichtbarkeit und Normalit&#228;t f&#252;r verschiedene sexuelle Orientierungen und Identit&#228;ten er&#246;ffnet neue R&#228;ume f&#252;r vielf&#228;ltigere Identifikationen. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender oder Transsexuelle werden durchaus differenziert und individuell dargestellt. Diese Sichtbarkeit tr&#228;gt auch ins letzte provinzielle Wohnzimmer, dass es auf dieser Welt auch etwas anderes als die heteronormative Klein- und Kleinstfamilie gibt. Die gezeigten Zweier-Liebesverh&#228;ltnisse sind zwar nicht g&#228;nzlich entstandardisiert und die Figuren sind auch nicht polymorph pervers &#8211; aber zumindest scheinen sie nur noch seriell monogam zu sein.</p>
<p>Die Repr&#228;sentationen der Charaktere sind vielf&#228;ltig: Gerade die Logik der Serie bietet mehr Spielr&#228;ume als ein m&#252;hsam formuliertes Flugblatt sie je aufzeigen k&#246;nnte: Nicht eine einzige Familie in der Verbotenen Liebe ist ‚klassisch&#8217;: Es sind hochkomplexe Patchwork-Familien, mehrfach wechseln M&#252;tter und V&#228;ter, Kinder kommen dazu, verschwinden wieder. Gerade die Daily Soaps pr&#228;sentieren uns das umk&#228;mpfte Feld der Identit&#228;t auf verbl&#252;ffend postmoderne Weise: Figuren wechseln ihre Identit&#228;ten und sexuellen Orientierungen, wie es gerade ins nie enden d&#252;rfende Drehbuch passt &#8211; sogar die Schauspieler_innen werden hin und wieder einfach ausgetauscht, ohne dass die Handlung unterbrochen w&#252;rde.</p>
<h2>Was ist der Preis der Sichtbarkeit?</h2>
<p>Und dennoch &#8211; bei aller Begeisterung: Sichtbarkeit von Queers im Pop gibt es nur f&#252;r den Preis der Disziplinierung. So             d&#252;rfen Schwule in der <a href="http://www.lindenstrasse.de/">Lindenstra&#223;e</a> (ARD) immer noch keinen Sex haben &#8211; Frauen in The L-Word daf&#252;r umso mehr. Die heteronormative Schaulust begrenzt die Sichtbarkeit auf ein scheinbar ertr&#228;gliches Mittelma&#223;, das nicht &#252;berfordert und dennoch die Lust auf das Exotische, das Andere bedient und n&#228;hrt. Zweigeschlechtlichkeit wird nur ausgesprochen selten grunds&#228;tzlich in Frage gestellt. Heteronormativit&#228;t als Matrix der Gesellschaft bleibt in der Regel unhinterfragt. Auch wenn Familien beispielsweise immer br&#252;chiger werden, suchen die meisten Figuren auf der Leinwand immer noch ihr Gl&#252;ck in der romantischen Zweierbeziehung. So bleibt Sichtbarkeit in einem Spannungsverh&#228;ltnis von Normalisierung auf der einen Seite und Disziplinierung auf der anderen Seite, um anschlussf&#228;hig an heterosexuell verfasste Gesellschaften zu bleiben &#8211; das eine ist ohne das andere nicht zu haben.</p>
<p>Es w&#228;re allerdings ein Fehler ‚abweichende&#8217; Sexualit&#228;ten im Mainstream nur dann anzuerkennen, wenn sie politisch korrekt und progressiv daher kommen w&#252;rden &#8211; damit werden Lebensweisen und Identit&#228;ten auch aus kritischer Perspektive markiert und zum Anderen gemacht. Warum sollte eine Lesbe in einer Daily Soap nicht stinklangweilig und spie&#223;ig sein d&#252;rfen? Das sind alle anderen Figuren ja auch.</p>
<p>Das Salz in der popkulturellen Suppe sind aber nat&#252;rlich genau die Figuren und Geschichten, die mit Hegemonialem             brechen &#8211; es entweder &#252;berspitzen oder unterlaufen, die Geschichten re-artikulieren, umschreiben, neu und anders             zitieren. Sie sind immer noch radikaler, lauter und progressiver und eher im Independent-Bereich zu finden als im             Mainstream, aber immer &#246;fter &#252;berschreiten sie die Grenzen.</p>
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		<title>Gewalt gegen Frauen &#8211; Vom beherzten Eingreifen und seinen Folgen</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jul 2008 18:59:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Nacht von Samstag auf Sonntag am vergangenen Wochenende griff ein Mann seine Freundin auf einer Stra&#223;e in Hamburg an, w&#252;rgte und schlug sie. Es eilten Menschen zu Hilfe und wehrten den Mann mit Reizgas ab. Dieser ging in seine Wohnung und bewaffnete sich mit zwei Messern. Als er mit diesen wieder auf der Stra&#223;e erschien, riefen PassantInnen die Polizei. Zwei Funkstreifen kamen, um einzugreifen. Diese Geschichte k&#246;nnte hier enden und das Gef&#252;hl hinterlassen, dass Menschen eingreifen, wenn Frauen von Lebensgef&#228;hrten, Ex-Freunden oder Ehem&#228;nnern angegriffen werden. Sie k&#246;nnte Mut machen. Aber leider ist sie nur zur H&#228;lfte erz&#228;hlt, denn diese Szene spielte sich vor dem Autonomen Zentrum Rote Flora ab und die Eskalation nahm ihren Lauf. Es wurde eine Geschichte von Repression gegen ein linkes Zentrum und von Bagatellisierung von Gewalt gegen Frauen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>In der Nacht von Samstag auf Sonntag am vergangenen Wochenende griff ein Mann seine Freundin auf einer Stra&#223;e in Hamburg an, w&#252;rgte und schlug sie. Es eilten Menschen zu Hilfe und wehrten den Mann mit Reizgas ab. Dieser ging in seine Wohnung und bewaffnete sich mit zwei Messern. Als er mit diesen wieder auf der Stra&#223;e erschien, riefen PassantInnen die Polizei. Zwei Funkstreifen kamen, um einzugreifen. Diese Geschichte k&#246;nnte hier enden und das Gef&#252;hl hinterlassen, dass Menschen eingreifen, wenn Frauen von Lebensgef&#228;hrten, Ex-Freunden oder Ehem&#228;nnern angegriffen werden. Sie k&#246;nnte Mut machen. Aber leider ist sie nur zur H&#228;lfte erz&#228;hlt, denn diese Szene spielte sich vor dem Autonomen Zentrum Rote Flora ab und die Eskalation nahm ihren Lauf. Es wurde eine Geschichte von Repression gegen ein linkes Zentrum und von Bagatellisierung von Gewalt gegen Frauen.</strong></p>
<p>Die PolizeibeamtInnen wollten n&#228;mlich nicht nur den Angreifer mitnehmen, sondern auch einen derjenigen aus der Roten Flora, die der jungen Frau zu Hilfe geeilt waren. Da Reizgas verwendet wurde, wurde pl&#246;tzlich einer der Helfenden als T&#228;ter eingesch&#228;tzt, der daraufhin festgenommen werden sollte. Dies wurde von den Umstehenden mit Unmut aufgenommen und es kam zu Auseinandersetzungen mit den PolizeibeamtInnen. Was genau geschah, ist schwer zu sagen, jedenfalls wurde der Helfer wohl befreit und das Polizeiauto besch&#228;digt. Hierauf folgte eine massive Eskalation der Ereignisse: Mit der Begr&#252;ndung, diejenigen, die den Gefangenen befreit hatten, h&#228;tten sich in der Roten Flora verschanzt, wurde diese schlie&#223;lich von Bereitschaftspolizei umstellt, ein Polizeihubschrauber kreiste &#252;ber dem Geb&#228;ude und mehrere Wasserwerfer wurden aufgefahren &#8211; insgesamt waren 370 PolizeibeamtInnen im Einsatz. Gegen 11.30 Uhr am Sonntag wurde die Rote Flora schlie&#223;lich gest&#252;rmt. Alle sich noch darin befindlichen Personen wurden u.a. mit den Vorw&#252;rfen des Landfriedenbruchs, Gefangenenbefreiung und Sachbesch&#228;digung in Gewahrsam genommen.</p>
<p>Kurz darauf erschienen die ersten (Re)Konstruktionen in der Presse: Radio 90,3 beispielsweise spricht in einem kurzen Beitrag als Ausl&#246;ser des Polizeieinsatzes schlicht von einem &#8220;Beziehungsstreit&#8221; (<a href="http://www1.ndr.de/nachrichten/hamburg/flora102.html">Radio 90,3 Beitrag vom 6.07.08</a> rechts im Kasten &#8220;Audio&#8221;). Der gewaltt&#228;tige Angriff wird durch solche Berichterstattung v&#246;llig bagatellisiert &#8211; die Hamburger Morgenpost schreibt sogar von P&#228;rchen-Zoff und meint dazu: &#8220;Ein P&#228;rchen zankt sich lautstark. Nichts besonders in der Schanze.&#8221; (<a href="http://archiv.mopo.de/archiv/2008/20080707/hamburg/politik/grosseinsatz_weil_sich_ein_paerchen_zoffte.html">MoPo Artikel vom 07.07.08</a>). So wird unter der Hand ein gewaltt&#228;tiger Angriff eines Mannes auf seine Freundin normalisiert: Zum einen erscheint es als v&#246;llig normal, dass Frauen geschlagen und gew&#252;rgt werden, zum anderen wird Gewalt in Beziehungen hier als ein Privatproblem verharmlost und damit die gesellschaftlichte Bedingtheit dieser Gewalt v&#246;llig ausgeblendet.</p>
<p>Der NDR schreibt lediglich von &#8220;Personen, die in Streit geraten&#8221; seien (<a href="http://www1.ndr.de/nachrichten/hamburg/flora100.html">NDR Artikel vom 06.07.08</a>) und verzichtet in einem weiteren Artikel g&#228;nzlich auf die Vorgeschichte der Ereignisse (<a href="http://www1.ndr.de/nachrichten/hamburg/flora102.html">NDR Artikel vom 07.07.08</a>). Dies mag auch daran liegen, dass im zuerst ver&#246;ffentlichten Polizeibericht, der scheinbar einfach &#252;bernommen wurde, keine Informationen zu dem &#220;begriff des Mannes auf seine Freundin standen. Der Bericht wurde wohl inzwischen &#252;berarbeitet und um die Vorgeschichte erg&#228;nzt (<a href="http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/6337/1223638/polizei_hamburg">Pressebericht vom 06.07.08 16:42 Uhr</a>).</p>
<p>Die Ereignisse vom Wochenende verweisen m.E. auf zweierlei: Erstens ist es ein unglaubliches Vorgehen, Personen, die in Gewaltakte eingreifen &#8211; auch wenn sie dies mit Reizgas tun, allein schon um sich selbst zu sch&#252;tzen &#8211; festnehmen zu wollen. Mit solchen Eins&#228;tzen straft die Polizei ihre eigenen Werbekampagnen l&#252;gen, die vom &#8220;Hinsehen&#8221;, &#8220;Eingreifen&#8221; und von &#8220;Zivilcourage&#8221; sprechen. Die St&#252;rmung der Roten Flora, der Einsatz von 370 PolizistInnen, Wasserwerfern und einem Hubschrauber ist eine polizeiliche Eskalation der Ereignisse und nicht nachvollziehbar. Es wird sich zeigen, ob dies nun die neue Politik der Hamburger Polizei ist, auch unter Beteiligung der GAL in der Regierung regelm&#228;&#223;ig mit Repression und Durchsuchungen gegen das linke Zentrum vorzugehen. Die taz berichtet in diesem Zusammenhang von Insider-Informationen, nach denen die Hamburger Polizei jeden Vorwand nutzen will, die Rote Flora zu durchsuchen (<a href="http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/?dig=2008%2F07%2F08%2Fa0016&amp;cHash=7536a7f868">taz vom 08.07.08</a>).</p>
<p>Zweitens ist es nicht hinnehmbar, wie in den genannten Presseberichten mit Gewalt in Beziehungen umgegangen wird. Sexistische gewaltt&#228;tige Angriffe m&#252;ssen als solche benannt werden, wenn wir uns nicht damit abfinden wollen, dass Gewalt gegen Frauen als allt&#228;glich und normal eingesch&#228;tzt wird. M&#246;glicherweise w&#228;re es eine wichtige politische Strategie, die vielf&#228;ltigen interaktiven M&#246;glichkeiten, die die Presse im Internet anbietet &#8211; seien es Foren, Blogs oder email-Funktionen f&#252;r LeserInnenbriefe &#8211; massiv zu nutzen, wenn wieder einmal gewaltt&#228;tige Verh&#228;ltnisse als Normalit&#228;t dargestellt werden. Dar&#252;ber hinaus ist und bleibt es ein Skandal, dass immer &#246;fter komplette Polizeiberichte gedruckt werden, statt recherchierte Artikel zu ver&#246;ffentlichen, in denen zumindest auch die Beschuldigten zu Wort kommen &#8211; in diesem Fall lag bereits am Sonntag Nachmittag eine Erkl&#228;rung der Roten Flora zu den Ereignissen vor (<a href="http://de.indymedia.org/2008/07/221425.shtml">Rote Flora Erkl&#228;rung vom 06.07.08 15:16 Uhr</a>).</p>
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		<title>Jugend als Problem?</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/jugend/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 May 2008 19:15:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA["Sie posieren mit Messern, doppell&#228;ufigen Flinten, Pistolen: Im Internet werfen die Jungs, manche wohl gerade zehn oder elf Jahre alt, sich in Posen, die sie f&#252;r extrem stark und m&#228;nnlich halten. Es sind Jugendliche aus der Lenzsiedlung in Eimsb&#252;ttel" (Hamburger Abendblatt, 24.10.2007). So oder &#228;hnlich lauten zahlreiche Presseberichte, die aufmerksam machen wollen auf das Ph&#228;nomen der Jugendgewalt - oder genauer: der Jungengewalt, die in sozial benachteiligten Stadtteilen zu eskalieren drohe. Es geht mal wieder um das Gespenst der gef&#228;hrlichen Jugend...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>&#8220;Sie posieren mit Messern, doppell&#228;ufigen Flinten, Pistolen: Im Internet werfen die Jungs, manche wohl gerade zehn oder elf Jahre alt, sich in Posen, die sie f&#252;r extrem stark und m&#228;nnlich halten. Es sind Jugendliche aus der Lenzsiedlung in Eimsb&#252;ttel&#8221; (Hamburger Abendblatt, 24.10.2007). So oder &#228;hnlich lauten zahlreiche Presseberichte, die aufmerksam machen wollen auf das Ph&#228;nomen der Jugendgewalt &#8211; oder genauer: der Jungengewalt, die in sozial benachteiligten Stadtteilen zu eskalieren drohe. Es geht mal wieder um das Gespenst der gef&#228;hrlichen Jugend.</strong></p>
<p>Die Situation erscheint verheerend: In Berlin-Neuk&#246;lln patroullieren nach dem Skandal um die R&#252;tli-Schule im M&#228;rz 2006 und eines medial in Szene gesetzten Angriffs auf einen Lehrer im Juni 2007 nun private Sicherheitsdienste auf dreizehn Schulh&#246;fen. LehrerInnen und Sch&#252;lerInnen sollen auf diese Weise nunmehr seit Dezember 2007 vor den gewaltbereiten Jugendlichen aus der Nachbarschaft gesch&#252;tzt werden. &#8220;Der Schritt ist unausweichlich&#8221; sagt Heinz Buschkowsky (SPD) &#8220;Wir k&#246;nnen den Eltern sonst den Schutz und die Sicherheit ihrer Kinder nicht mehr garantieren.&#8221; (Quelle: <a href="http://www.rp-online.de/public/article/panorama/deutschland/453692/Wachdienste-sollen-Gewalt-an-Schulen-verhindern.html">RP online</a>, 29.06.2007). Dass es sich bei den gewaltt&#228;tigen Jugendlichen zumeist um solche mit Migrationshintergrund handeln solle, scheint in den Presseberichten unisono als Fakt. Der preisgekr&#246;nte Kinofilm Knallhart (2006) von Detlev Buck greift solche Skandalberichterstattung auf und setzt sie in Szene: Michael zieht mit seiner Mutter aus dem Berliner Stadtteil Zehlendorf nach Neuk&#246;lln und wird dort zum Opfer &#8220;einer t&#252;rkischen Gang&#8221; (OT des DVD Covers). Dieser Gewalt kann er entfliehen, indem er als Drogenkurier f&#252;r den aus Afghanistan stammenden Hamal anheuert und dadurch den Schutz des Drogenkartells erh&#228;lt. Der Film gilt als besonders realistisch &#8211; der rassistische Tenor wird kaum in Frage gestellt.</p>
<p>Neben solchen Szenarien werden mit der Begr&#252;ndung fiskalischer Zw&#228;nge und dem damit einhergehenden R&#252;ckbau des Sozialstaats gleichzeitig Einrichtungen der Sozialen Arbeit zusammengeschrumpft. Staatliche Interventionen erfolgen zunehmend in Form ordnungspolitischer Ma&#223;nahmen. Die wenigen und schlecht ausgestatteten Einrichtungen beispielsweise der Jugendarbeit werden zunehmend zum Risikomanagement degradiert, statt Jugendlichen Bildung und Unterst&#252;tzung in erforderlichem Ma&#223;e anbieten zu k&#246;nnen: Zunehmend wird &#8211; wie etwa im hessischen Wahlkampf 2007 &#8211; gefordert, dass Soziale Arbeit die Rolle &#252;bernehmen solle als staatliches Fr&#252;hwarn-, Kontroll- und Sanktionssystem die Gesellschaft vor der problematischen Jugend zu sch&#252;tzen.</p>
<h3>Gef&#228;hrdete statt gef&#228;hrliche Jugend</h3>
<p>Der Diskurs &#252;ber Jugend als Problem findet vor dem &#8211; h&#228;ufig wenig Aufmerksamkeit erregendem &#8211; Hintergrund statt, dass Jugend weniger ein Problem ist, sondern vielmehr ein massives Problem hat: Jedes sechste Kind w&#228;chst in Deutschland in Armut auf (<a href="http://www.unicef.de/5495.html">Unicef-Bericht</a> zur Lage der Kinder in Deutschland 2008) &#8211; das sind etwa 2,5 Mio Kinder, die in Familien leben, die h&#246;chstens &#252;ber ein Haushaltseinkommen von 60% des bundesweiten Durchschnitts verf&#252;gen. Die <a href="http://www.nationale-armutskonferenz.de/">Nationale Armutskonferenz</a> spricht 2007 sogar von einer Dunkelziffer von insgesamt 3 Mio in Armut lebenden Kindern. Zudem entscheidet in Deutschland die soziale Herkunft von Kindern und Jugendlichen ma&#223;geblich &#252;ber ihre Zukunftschancen. Armut wird vererbt und das Bildungssystem scheint wenig in der Lage zu sein, diesen Mechanismus auszuhebeln &#8211; das ist sp&#228;testens seit den Pisa-Studien bekannt: &#8220;Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist in Deutschland dramatisch und h&#246;her als in jedem anderen vergleichbaren Land&#8221; (<a href="http://www.bmbf.de/press/1517.php">Presseerkl&#228;rung BMBF 2005</a>).</p>
<h3>Mit intersektionalen Perspektiven hegemonialen Bildern trotzen</h3>
<p>Es scheint also dringend erforderlich Diskurse &#252;ber Jugend genauer unter die Lupe zu nehmen und mit Daten &#252;ber strukturelle Verh&#228;ltnisse in Beziehung zu setzen: Welche Bilder &#252;ber Jugendliche sind im Umlauf und werden hegemonial? In was f&#252;r &#246;konomischen Verh&#228;ltnissen wachsen Kinder und Jugendliche auf? Welche Chancen haben sie? Welche Risiken tragen sie? Mit einer Perspektive, die versucht diesen Fragen auf den Grund zu gehen, kann gezeigt werden, dass wir es weniger mit einer allgemein gewaltt&#228;tigen und gef&#228;hrlichen Jugend zu tun haben, sondern dass Jugendliche heute vielmehr in strukturell gewaltt&#228;tigen Verh&#228;ltnissen aufwachsen. Gleichzeitig werden sie als Problemgruppe stigmatisiert, die es ordnungspolitisch zu kontrollieren gelte. Die Probleme, die Jugendliche haben, werden durch Kontrollma&#223;nahmen, Erziehungslager (sog. Bootcamps) oder &#228;hnliche derzeit munter diskutierte Ma&#223;nahmen freilich nicht angetastet. Im Gegenteil: &#8220;Indem sie Jugend zum Sicherheitsrisiko erkl&#228;rt, wertet die Erwachsenengesellschaft berechtigte Anspr&#252;che der Jugend an die Zukunft ab&#8221; (Luedtke 2003).</p>
<p>Es werden nicht nur Anspr&#252;che der Jugend an die Zukunft abgewehrt, sondern zudem wird das &#8220;Problem Jugend&#8221; externalisiert: Wenn von den &#8220;ausl&#228;ndischen Gewaltt&#228;tern&#8221; die Rede ist, ist die Forderung nach deren Abschiebung nicht mehr weit. Des Problems k&#246;nne man sich also entledigten &#8211; in diesem Fall braucht eine Gesellschaft sich dann auch nicht mehr die Frage zu stellen, warum Jugendliche wie handeln, sondern f&#252;hrt deren Handeln kurzerhand auf ihre Herkunft zur&#252;ck. Bei einem differenzierten Blick auf Jugend w&#228;re es also dringend erforderlich auch den zunehmend rassistischen Tenor im Beschw&#246;ren des Gespenstes unter die Lupe zu nehmen.</p>
<p>Aus feministischer Perspektive k&#246;nnte der Ansatz der Intersektionalit&#228;t (Degele/Winker: <a href="http://www.feministisches-institut.de/intersektionalitaet.html">Intersektionalit&#228;t</a>) hier gewinnbringend sein, um zu tragf&#228;higeren Aussagen &#252;ber Jugendliche zu kommen. Mit diesem ist es m&#246;glich jugendliche Selbstinszenierungen vor dem Hintergrund hegemonialer Bilder &#252;ber Jugend einerseits und struktureller Verh&#228;ltnisse andererseits zu analysieren. Dabei werden Differenzkategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft/Ethnie, Bildung aber auch K&#246;rper aufgesp&#252;rt und deren Relevanz aus der Perspektive der Jugendlichen selbst in die Analyse miteinbezogen. Allzu vereinfachenden Bildern &#252;ber die Jugend k&#246;nnen somit differenzierte Analysen &#252;ber Jugenden entgegen gesetzt werden. Solche Analysen werden dringend ben&#246;tigt, um f&#252;r Jugendliche heute die erforderlichen &#246;konomischen und sozialen Hilfen einfordern zu k&#246;nnen.</p>
<div>
<hr /></div>
<h3>Literatur:</h3>
<p>Luedtke, Jens (2003): Zur ‚besonderen&#8217; Illegitimit&#228;t von Jugendgewalt. In: Mansel, J&#252;rgen; Griese, Hartmut M.; Scherr, Albert (Hg): Theoriedefizite in der Jugendforschung. Standortbestimmungen und Perspektiven. Weinheim/M&#252;nchen, 157-173.</p>
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		<title>Feministische postkoloniale Positionen</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/postkolonial/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/postkolonial/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 24 Jul 2007 18:54:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feministische Theorien]]></category>

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		<description><![CDATA[Feministische postkoloniale Ans&#228;tze beziehen sich auf die Arbeiten des US-amerikanischen Black Feminism (u.a. Combahee River Collective 1982; hooks 1996) und verbinden diese verst&#228;rkt mit poststrukturalistischen Philosophieans&#228;tzen und marxistischen Theorien. Zentrale Gemeinsamkeit dieser verschiedenen kritischen Reflexionen ist die Problematisierung der Kategorie Frau und die Betonung der sozialen Konstruktion der Kategorie race. Beide Kategorien werden als Konstruktionen und dis-kursive Produktionen verstanden. Konstruktionen und diskursive Produktionen generieren jedoch nicht nur Bedeutungen, sondern sie werden als Prozesse gefasst, die mit strukurellen und identit&#228;ren Effekten einhergehen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Feministische postkoloniale Ans&#228;tze beziehen sich auf die Arbeiten des US-amerikanischen Black Feminism (u.a. Combahee River Collective 1982; hooks 1996) und verbinden diese verst&#228;rkt mit poststrukturalistischen Philosophieans&#228;tzen und marxistischen Theorien. Zentrale Gemeinsamkeit dieser verschiedenen kritischen Reflexionen ist die Problematisierung der Kategorie Frau und die Betonung der sozialen Konstruktion der Kategorie race. Beide Kategorien werden als Konstruktionen und dis-kursive Produktionen verstanden. Konstruktionen und diskursive Produktionen generieren jedoch nicht nur Bedeutungen, sondern sie werden als Prozesse gefasst, die mit strukurellen und identit&#228;ren Effekten einhergehen.</strong></p>
<h3>Race &#8211; soziale Konstruktion und Herrschaftssystem</h3>
<p>Stuart Hall (1994) verweist in dem Aufsatz-Band Rassismus und kulturelle Identit&#228;t auf die soziale Konstruktion der Kategorie Schwarz. Mit Einblicken in seine Biographie erl&#228;utert er, wie er erst durch die Einreise nach England zu einem als Schwarz markierten Menschen wurde. In den 1950er Jahren migrierte er zum Studium von Jamaika nach England und wurde dort mit einer Kategorisierung konfrontiert, die in seinem vorherigen Leben in Jamaika nicht relevant war:</p>
<p>&#8220;Bis zu meiner Abreise h&#246;rte ich niemals, da&#223; jemand sich selbst oder die anderen als Schwarz bezeichnet h&#228;tte, obwohl vermutlich 98 Prozent der Bev&#246;lkerung Jamaikas schwarz oder auf andere Weise farbig sind. Niemals h&#246;rte ich das Wort schwarz, daf&#252;r aber mehr als tausend andere Bezeichnungen&#8221; (ebd.: 79).</p>
<p>In dieser kurzen Sequenz macht Hall eindr&#252;cklich deutlich, wie heterogen und diversifiziert die soziale Realit&#228;t ist, die durch die Kategorie Schwarz vereinheitlicht wird. Neben der machtvollen Hervorbringung von identit&#228;ren Wirkungen hat die Konstruktion von Kategorien wie race und Schwarz auch materialisierte und verfestigte strukturelle Konsequenzen zur Folge (Frankenberg 1996). Schwarz bezeichnet also nicht etwa eine real existierende Gruppe, die erst durch die Identifikationen, die dieser Gruppe zugeschrieben werden, zu einer konstruierten und rassistischen Kategorie wird. Die diskursive Erzeugung der Kategorie und damit der Gruppe selbst ist bereits ein gewaltf&#246;rmiger Akt, durch den Unterschiede unsichtbar gemacht werden und Bedeutungen produziert werden. Als Schwarz bezeichnete Menschen gibt es nur deshalb, weil sie diskursiv erzeugt wurden. Den Kategorien Schwarz und race liegen keine vordiskursiven Realit&#228;ten zugrunde. Hiermit ist nicht gemeint, dass es keine unterschiedlichen Abstufungen von Hautfarben g&#228;be. Entscheidend ist hingegen, dass in der Bildung der Kategorie Schwarz Homogenisierungen und Zuschreibungen greifen und dadurch &#8220;das Andere&#8221; erzeugt wird. Die Kategorie Schwarz fungiert also als politische Kategorie und ist keine unschuldige Beschreibung.</p>
<p>Die Artikulation der Kategorie Schwarz wurde im kolonialen und rassistischen Diskurs mit visuellen Bildern und literarischen Erz&#228;hlungen (wie beispielsweise durch literarische Reiseberichte Steyerl 2002), mit naturwissenschaftlichen, medizinischen Techniken des Unterscheidens und mit ethnisierenden und exotisierenden Abwertungen und Zuschreibungen verbunden. Rassismus ist also durch die Konstruktion der Kategorie race und die damit einhergehende ideologische Bedeutungszuschreibung gepr&#228;gt. Die Artikulation von Schwarz war in diesem Kontext stets eine Repr&#228;sentation durch hegemoniale Positionen, die das Andere geschaffen haben. Im anglo-amerikanischen Sprachraum wird die Kategorie Black ebenso wie die Kategorie race durch einen Kampf der Selbstartikulation zur&#252;ckerobert: &#8220;In diesem Kampf vollzieht sich eine Ver&#228;nderung im Bewu&#223;tsein, in der Selbstwahrnehmung, ein neuer Proze&#223; der Identifikation, das Hervortreten eines neuen Subjekts ins Sichtbare&#8221; (Hall 1994: 80).</p>
<h3>Ausschluss und &#8220;paternalistische Mission&#8221;</h3>
<p>Im deutschsprachigen Diskurs gab es ebenfalls bereits in den 1980er Jahren kritische Positionen Schwarzer Feministinnen; sie gelangten jedoch nicht in den feministischen Mainstream und wurden folglich weder breit diskutiert noch hinterlie&#223;en sie Spuren in den hegemonialen feministischen Konzepten. Erst die Perspektiven postkolonialer Positionen wurden verst&#228;rkt in den 1990er Jahren diskutiert und schlie&#223;lich vom feministischen Mainstream aufgenommen. Der Vorsprung der USA in der Debatte um race und postkoloniale Positionen erkl&#228;rt sich vor allem daraus, dass diese sich aufgrund der Erfolge der B&#252;rgerrechtsbewegung und als klassisches Einwanderungsland zu einem fr&#252;heren Zeitpunkt f&#252;r postkoloniale Diskurse interessieren mussten. Dass dieser Prozess erst mit einer Verz&#246;gerung im deutschsprachigen Raum einsetzte, wird als ein Merkmal der zugrunde liegenden Problematik angesehen: dem Ausblenden der Kontinuit&#228;t rassistischen und v&#246;lkischen Denkens auch innerhalb emanzipatorischer Theorieans&#228;tze (siehe auch: <a title="Artikel: Wei&#223;-Sein - unmarkiertes Merkmal feministischer Theoriebildung" href="http://www.feministisches-institut.de/whiteness.html">Critical Whiteness</a>).</p>
<p>Bereits im Jahre 1988 hat Chandra Talpade Mohanty deutlich herausgearbeitet, dass die Produktion der unterdr&#252;ckten Frau der so genannten Dritten Welt konstitutiv ist f&#252;r die Produktion der emanzipierten westlichen Feministin. &#196;hnlich argumentiert auch Gayatri Chakravorty Spivak (1990), die das Engagement der Feministinnen des Nordens f&#252;r die Frauen des S&#252;dens als &#8220;paternalistische Mission&#8221; kritisiert. Spivak stellt eine schwesterliche Verbundenheit zwischen westlichen Feministinnen und Frauen der kolonisierten L&#228;nder in Frage und setzt sich mit der Frage nach dem Zusammenhang von Imperialismus und Feminismus auseinander. Das Sprechen im Namen ‚der Frau&#8217; ist in Anbetracht der verschiedenen Positionierungen nach Klasse, Religion, Nationalit&#228;t oder Kultur zentraler Gegenstand der Kritik am westlichen Feminismus.</p>
<p>Mit Bezug auf Spivak wird in den Arbeiten postkolonialer feministischer Positionen betont, dass die Sicht auf die Welt stets im Kontext des Kolonialismus analysiert werden muss und dass dies auch f&#252;r feministische Perspektiven auf die Welt gilt. Die mit dem Kolonialismus einhergehende Sicht von der Welt und damit gleichzeitig auch von der Aneignung der Welt ist stets durch hegemoniale Diskurse, Sprache und Schrift gepr&#228;gt. Das bedeutet, dass Sichtweisen und Deutungsmuster der Welt nicht jenseits des Kolonialismus angesiedelt werden k&#246;nnen, sondern dass vielmehr anerkannt werden muss, dass durch den Kolonialismus und die Produktion des ‚Westens und dem Rest&#8217; (Hall 1994: 137ff.) spezifische machtvolle Wissenssysteme hervorgebracht wurden.</p>
<p>Ziel einer postkolonialen Theorieposition ist es, einerseits eurozentristischen (bzw. US-amerikanischen, imperialistischen) und Wei&#223;en wissenschaftlichen und politischen Blicken differente Subjektivit&#228;ten und komplexe Heterogenit&#228;ten von Gesellschaften entgegenzustellen. Dar&#252;ber hinaus geht es um die Rekonstruktion des ‚So-Geworden-Seins&#8217; von Wahrheitssystemen. Dieses Wahrheitssystem ist gepr&#228;gt von Ausschluss, Homogenisierung und Alterit&#228;t. Durch die Analyse des So-Geworden-Seins wird versucht, derart machtvolle Prozesse zu durchbrechen.</p>
<p>Diese Verbindung von Erkenntniskritik mit Gesellschaftskritik, die in der feministischen postkolonialen Theorie vorgelegt wird, ist eine dringend notwendige Erweiterung feministischer Theorien. Sie kann auch als eine konsequente Weiterf&#252;hrung feministischer Wissenschaftskritik verstanden werden, die wie Sand im Getriebe feministische Positionen mit ihren eigenen Ausschl&#252;ssen und ihrer Beteiligung an der Stabilisierung der Dominanzkultur konfrontiert. Insofern ist es notwendig, dass die Kritik postkolonialer Ans&#228;tze systematisch in feministische Theoriepositionen einflie&#223;t, um rassistische Kontinuit&#228;ten zu durchbrechen.</p>
<h3>Weiterf&#252;hrende Literatur</h3>
<ul>
<li>Collins, Patricia Hill (1996): Ist das Pers&#246;nliche politisch genug? Afrikanisch-amerikanische Frauen und feministische Praxis. In: Fuchs, Brigitte; Habinger, Gabriele (Hg): Rassismen und Feminismen. Differenzen, Machtverh&#228;ltnisse und Solidarit&#228;t zwischen Frauen. Wien, 67-91.</li>
<li>Combahee River Collective (1982): A Black Feminist Statement. In: Hull, Gloria T.; Scott, Patricia Bell; Smith, Barbara (eds): But Some of Us Are Brave. Black Women&#8217;s Studies. Old Westbury, 13-22.</li>
<li>Frankenberg, Ruth (1996): Wei&#223;e Frauen, Feminismus und die Herausforderung des Antirassismus. In: Fuchs, Brigitte; Habinger, Gabriele (Hg): Rassismen und Feminismen. Differenzen, Machtverh&#228;ltnisse und Solidarit&#228;t zwischen Frauen. Wien, 51-66.</li>
<li>Hall, Stuart (1994): Rassismus und kulturelle Identit&#228;t. Ausgew&#228;hlte Schriften II. Hamburg.</li>
<li>hooks, bell (1996): Sehnsucht und Widerstand. Kultur, Ethnie, Geschlecht. Berlin.</li>
<li>Mohanty, Chandra Talpade (1988): Aus westlicher Sicht: feministische Theorie und koloniale Diskurse. In: beitr&#228;ge zur feministischen theorie und praxis: Modernisierung der Ungleichheit &#8211; weltweit, Heft 23, 149-162.</li>
<li>Spivak, Gayatri Chakravorty (1990): The Post-Colonial Critic. Interviews, Strategies, Dialogues (Edited by Sarah Harasym). New York, London.</li>
<li>Steyerl, Hito (2002): Reise und Rasse. Tourismus als Motor globaler Klassenbildung. In: Backes, Martina; Goethe, Tina; G&#252;nther, Stefan; Magg, Rosaly (Hg): Im Handgep&#228;ck Rassismus. Beitr&#228;ge zu Tourismus und Kultur. Freiburg im Breisgau, 29-42.</li>
</ul>
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		<title>Wei&#223;-Sein &#8211; unmarkiertes Merkmal feministischer Theoriebildung</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jun 2007 09:55:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feministische Theorien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gruppe derer, die die Macht haben zu sprechen und geh&#246;rt zu werden, ist zwar klein, ihre Diskurse sind durch ihre Verwurzelung innerhalb der Wei&#223;en Dominanzkultur jedoch wirkm&#228;chtig und folgenreich. Das hat auch innerhalb der hegemonialen feministischen Theorie Folgen, die sich in der Unsichtbarkeit des Wei&#223;-Seins der Forschenden und in rassistischen Kategorisierungen und Ausschl&#252;ssen ausdr&#252;ckt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Die Gruppe derer, die die Macht haben zu sprechen und geh&#246;rt zu werden, ist zwar klein, ihre Diskurse sind durch ihre Verwurzelung innerhalb der Wei&#223;en Dominanzkultur jedoch wirkm&#228;chtig und folgenreich. Das hat auch innerhalb der hegemonialen feministischen Theorie Folgen, die sich in der Unsichtbarkeit des Wei&#223;-Seins der Forschenden und in rassistischen Kategorisierungen und Ausschl&#252;ssen ausdr&#252;ckt</strong></p>
<p>In den Studien aus dem Kontext der Critical Whiteness wird mit Bezug auf feministische postkoloniale Theorieans&#228;tze, Black Feminism und Schwarzer Feminismus die Beschr&#228;nkung des forschenden Blicks durch die eigene Situierung deutlich gemacht und problematisiert. Hier wird gezeigt, dass westliche feministische Theorien vor dem Hintergrund der eigenen Wei&#223;en Hautfarbe und der Zugeh&#246;rigkeit zu europ&#228;ischen und US-amerikanischen Gesellschaften produziert werden, dieser Zusammenhang und seine Folgen f&#252;r die Produktion von Erkenntnissen jedoch ausgeblendet wird.</p>
<p>Diese Problematik wird u.a. dadurch deutlich, dass Fragen nach der Kategorie Geschlecht im feministischen Mainstream vorrangig vor der Thematisierung der Kategorie race behandelt wurden und werden. Dadurch wird eine bestimmte Form des Wissens generiert, die nicht zu trennen ist von der sozialen Ordnung und der Zugeh&#246;rigkeit zur Wei&#223;en Dominanzkultur. Inzwischen wird zwar versucht, race als Kategorie zumindest mit zu denken und mit weiteren Achsen der Differenz wie Klasse zu thematisieren; eine systematische Auseinandersetzung mit dem Verh&#228;ltnis von Rassismus und Feminismus, das &#252;berhaupt erst die Perspektive eines Mit-Denkens und damit ein Au&#223;erhalb des Feminismus produziert, bleibt jedoch von Seiten Wei&#223;er Feministinnen bislang zumeist aus. H&#228;ufig wird statt der Analyse der gegenseitigen Wechselwirkungen von Kategorien wie gender und race versucht, die Diskriminierungen als additive Verkn&#252;pfungen zu analysieren. Dagmar Schultz hat jedoch bereits 1990 im Kontext der Frage, wie multiple Diskriminierungsmechanismen theoretisch gefasst werden k&#246;nnen, darauf hingewiesen, dass eine rein additive Verbindung von Differenzkategorien ausgesprochen kontraproduktiv ist, weil sie zum einen die Zweigeschlechtlichkeit fortschreibt und zum anderen wiederum gender als Hauptdifferenz zugrunde legt. Gegen ein solches Konzept der Addition von Unterdr&#252;ckung wird von Black Feminists das Konzept intersections verwendet. Dieser Begriff wurde 1989 von der Juristin Kimberlé Crenshaw gepr&#228;gt. Er umfasst Verbindungen und &#220;berschneidungen von Ungleichheit erzeugenden Kategorien wie race, Klasse, Sexualit&#228;t und Geschlecht und betont die Unaufl&#246;sbarkeit der gegenseitigen Verschr&#228;nkungen und Wechselwirkungen solcher Kategorien. Es geht dabei also nicht darum, zus&#228;tzlich zur Diskriminierungserfahrung als Frau auch noch von Rassismus betroffen zu sein, sondern vielmehr darum, dass die Verschr&#228;nkung eine andere und spezifische Form der Unterdr&#252;ckung hervorbringt. So ist beispielsweise f&#252;r Wei&#223;e westliche Frauen die Losung &#8220;Das Private ist politisch&#8221; eine zentrale Figur zur Kritik der Trennung von &#214;ffentlichkeit und Privatheit gewesen. Sie hatte insbesondere f&#252;r die Solidarisierung zwischen Wei&#223;en Frauen eine hohe Bedeutung, da sie zur Entlarvung und Enttabuisierung sexualisierter Gewalt beigetragen, diese vom Charakter des Einzelschicksals befreit und ihre strukturelle Verwobenheit mit patriarchalen Verh&#228;ltnissen betont hat. Die daraus erwachsende Solidarit&#228;t wurde jedoch von Black Feminists nicht geteilt, da sie gerade den privaten Raum als Schutzraum vor Rassismus verstehen. Insofern ist er eher ein Ort des Empowerments innerhalb der Black Community. Eine Solidarisierung mit Wei&#223;en Frauen gegen die eigene Community wird hier abgelehnt (Collins 1996).</p>
<p>Trotz solcher kritischen Einw&#228;nde wird in deutschsprachigen Wei&#223;en feministischen Theoriediskursen auf die Frage nach der Verbindung von Feminismus mit Rassismus eher z&#246;gerlich geantwortet. Zudem wird Rassismus zumeist als ein dem Feminismus &#228;u&#223;erliches Ph&#228;nomen eingeordnet. Wie wenig das Verh&#228;ltnis von Feminismus und rassistischem Ausschluss im deutschsprachigen Diskurs pr&#228;sent ist, hat Sedef G&#252;men (1998) in ihrer Dekonstruktion des Einleitungsartikels f&#252;r den Tagungsband Differenz und Gleichheit &#8211; Menschenrechte haben (k)ein Geschlecht (Gerhard u. a. 1990) eindrucksvoll aufgezeigt. Trotz einer vordergr&#252;ndigen Rhetorik, sich mit Fragen wie Interkulturalit&#228;t und Rassismus auseinander setzen zu wollen, wird in dem Aufsatz deutlich gemacht, dass eine solche thematische Ausrichtung eher ein Sonderthema des Feminismus sei. Die Rede ist von der &#8220;hiesigen Frauenbewegung&#8221;, die zwar &#8220;Ausl&#228;nderinnenprobleme kennt&#8221;, der es aber &#8220;sehr viel grunds&#228;tzlicher um eine Analyse und Er&#246;rterung der strukturellen Gr&#252;nde der gesellschaftlichen und rechtlichen Diskriminierung der Frau&#8221; gegangen sei (ebd.: 10). Migrantinnen werden hier als homogene externe Gruppe behandelt, die dem &#8220;hiesigen&#8221; Feminismus nicht genuin zugeh&#246;rig sind. Feminismus wird damit genauso wie die Gruppe der Migrantinnen homogenisiert, und diese werden zugleich als Subjekte des Feminismus ausgeschlossen und als die Anderen markiert. Damit bleiben sie de facto ausgeschlossen aus der feministischen Community.</p>
<p>Solche Ausschl&#252;sse haben gravierende Folgen auch f&#252;r wissenschaftliche Diskurse. Denn sie f&#252;hren dazu, dass marginalisierte Positionen keine wissenschaftliche Repr&#228;sentation erlangen konnten und k&#246;nnen. <a title="Artikel: Feministische postkoloniale Positionen" href="http://www.feministisches-institut.de/postkolonial.html">Feministische postkoloniale Positionen</a> haben deshalb immer auch die Verschr&#228;nkung von Wissen und Macht in der Produktion von (politischen wie theoretischen) Diskursen und deren Effekte auf Subjekte im Blick: Von welchem Standpunkt aus wird welche Politik gemacht? Was erscheint wem warum als Hauptkategorie, entlang derer Diskriminierungserfahrungen gemacht werden? Diese Frage ist jedoch je nach individueller Erfahrung und sozialer Situierung anders zu beantworten. Nicht von Rassismus, Exotisierung und Ethnisierung betroffen zu sein, bleibt auch in der Theoriebildung ein unmarkierter Standpunkt, der zugleich als ein universeller artikuliert wird. So wie M&#228;nner im wissenschaftlichen Mainstream das unmarkierte Geschlecht zu sein scheinen, scheint der hegemoniale Feminismus keine Hautfarbe zu haben. So wird nicht nur eine spezifische Erfahrung, sondern gleichzeitig die rassistische Struktur unsichtbar gemacht. Die systematische Einbeziehung und kritische Reflexion der sozialen Situierung und des Verh&#228;ltnisses von Rassismus und Feminismus ist dringend notwendig, um Macht- und Herrschaftsformen verstehen und angreifen zu k&#246;nnen.</p>
<p>An diesem Punkt setzen die Studien zur Kritischen Wei&#223;seinsforschung an und versuchen somit, nicht mehr in paternalistischer Mission &#252;ber &#8220;die Anderen&#8221; zu reden, sondern vielmehr die l&#228;ngst &#252;berf&#228;llige Reflexion der eigenen Verstrickungen mit solchen Machtverh&#228;ltnissen zu reflektieren, die einer solchen Sichtweise zu Grunde liegen.</p>
<h3>Verwendete Literatur</h3>
<ul>
<li>Collins, Patricia Hill (1996): Ist das Pers&#246;nliche politisch genug? Afrikanisch-amerikanische Frauen und feministische Praxis. In: Fuchs, Brigitte; Habinger, Gabriele (Hg): Rassismen und Feminismen. Differenzen, Machtverh&#228;ltnisse und Solidarit&#228;t zwischen Frauen. Wien, 67-91.</li>
<li>Gerhard, Ute; Jansen, Mechtild; Maihofer, Andrea; Schmid, Pia; Schulz, Irmgard (Hg) (1990): Differenz und Gleichheit. Menschenrechte haben (k)ein Geschlecht. Frankfurt am Main.</li>
<li>G&#252;men, Sedef (1998): Das Soziale des Geschlechts. Frauenforschung und die Kategorie ‚Ethnizit&#228;t&#8217;. In: Das Argument. Zeitschrift f&#252;r Philosophie und Sozialwissenschaften: Grenzen, Jg. 40, Heft 224, 187-202.</li>
<li>Schultz, Dagmar (1990): Unterschiede zwischen Frauen &#8211; ein kritischer Blick auf den Umgang mit ‚den Anderen&#8217; in der feministischen Forschung wei&#223;er Frauen. In: beitr&#228;ge zur feministischen theorie und praxis: Geteilter Feminismus: Rassismus &#8211; Antisemitismus &#8211; Fremdenha&#223;, Heft 27, 45-58.</li>
</ul>
<h3>Weiterf&#252;hrende Literatur</h3>
<ul>
<li>Eggers, Maureen Maisha; Kilomba, Grada; Piesche, Peggy; Arndt, Susan (Hg) (2007): Mythen, Masken &amp; Subjekte. Kritische Wei&#223;seinsforschung in Deutschland. M&#252;nster.</li>
<li>Ti&#223;berger, Martina; Dietze, Gabriele; Hrzán, Daniela; Husmann-Kastein, Jana (Hg) (2006): Wei&#223; &#8211; Wei&#223;sein &#8211; Whiteness. Kritische Studien zu Gender und Rassismus. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles u.a</li>
</ul>
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		<title>Queer Theory</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/queertheory/</link>
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		<pubDate>Sun, 24 Jun 2007 09:30:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feministische Theorien]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der Queer Theory hat die feministische Kritik an Heteronormativit&#228;t seit den 1990er Jahren einen Namen erhalten. Ein zentrales Merkmal dieser Forschungsrichtung ist es aufzuzeigen, wie feministische Theorien selbst dazu beitragen, die Forschungsgegenst&#228;nde zu schaffen, die sie vermeintlich nur untersuchen. Dabei werden vor allem Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualit&#228;t als das scheinbar Normale produziert und andere Existenzweisen als 'das Andere' ausgegrenzt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Mit der Queer Theory hat die feministische Kritik an Heteronormativit&#228;t seit den 1990er Jahren einen Namen erhalten. Ein zentrales Merkmal dieser Forschungsrichtung ist es aufzuzeigen, wie feministische Theorien selbst dazu beitragen, die Forschungsgegenst&#228;nde zu schaffen, die sie vermeintlich nur untersuchen. Dabei werden vor allem Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualit&#228;t als das scheinbar Normale produziert und andere Existenzweisen als &#8216;das Andere&#8217; ausgegrenzt.</strong></p>
<p>Politischer und theoretischer Anfang einer Bewegung, die als Queer bezeichnet wird, liegt in den USA der 1990er Jahre. Drei zentrale Gr&#252;nde f&#252;r diese Neu- und Reformulierung insbesondere homosexueller Politiken sind die Institutionalisierung und Kommerzialisierung homosexueller und feministischer Bewegungen, das Erstarken der Neuen Rechten und die Auswirkungen der Aids-Epidemie (Woltersdorff 2003). Mit der Institutionalisierung und Kommerzialisierung ging auch eine verst&#228;rkte Form der vereinheitlichenden Identit&#228;tspolitik einher, durch die versucht wurde, Schwule und Lesben als ethnische Minderheit zu konstruieren, die eigene Anspr&#252;che auf B&#252;rgerrechte artikulierten. Dabei wurden innerhalb der LesbischSchwulen Bewegung Vorstellung von lesbischschwulem Lebensweisen geschaffen, die als Norm fungieren und nicht unumstritten geblieben sind. Als &#8217;sex wars&#8217; werden die Auseinandersetzungen innerhalb der lesbisch-feministischen Szene bezeichnet, die sich um Themen wie Bisexualit&#228;t, Promiskuit&#228;t, SM und Pornografie drehten und dazu f&#252;hrten, dass viele sich nicht mehr eindeutig der Community zugeh&#246;rig f&#252;hlten (ebd.). Queere Politik versucht in Folge dessen nun einerseits randst&#228;ndige und dissidente Positionen innerhalb der Lesbian and Gay Community sichtbar zu machen, sich gegen die kommerzielle Verwertbarkeit der eigenen Lebensstile zu wehren und die offizielle schwul-lesbische Identit&#228;tspolitik aufzudecken und anzugreifen. Andererseits setzt sie das Projekt der Lesbian and Gay Community weiter fort, Heterosexualit&#228;t als Normalit&#228;tsregime zu kritisieren. Diese doppelte Geste der queeren Strategie zeichnet sich also durch kritische Selbstreflexivit&#228;t und produktive Weiterf&#252;hrung zugleich aus. Mit Queer wird es nun m&#246;glich, neue und andere B&#252;ndnisse einzugehen und zugleich die eigene Differenz zu betonen. Dar&#252;ber hinaus werden verst&#228;rkt Bewegungen in den Blick genommen, die sich gegen die Grenzen des als Normal markierten zur Wehr setzen. Vor allem die Transgender, Transsexuellen und Intersexuellen Bewegungen weisen darauf hin, dass auch lesbisch schwule Politik Zweigeschlechtlichkeit reproduziere. In diesen Bewegungen wird nicht nur die normative Heterosexualit&#228;t angegriffen sondern dar&#252;ber deutlich gemacht, wie gewaltf&#246;rmig die Norm der Zweigeschlechtlichkeit ist.</p>
<h3>Was hei&#223;t &#8220;Queer&#8221;?</h3>
<p>Queer war lange Zeit eine abwertende Bezeichnung f&#252;r Lesben und Schwule. &#220;bersetzt bedeutet der Begriff &#8217;seltsam, sonderbar, schwul, Falschgeld&#8217;. Mit der Selbstbezeichnung queer wurde dieser Begriff zur&#252;ckerobert und zu einer Strategie der Verst&#246;rung und Irritation derjenigen, die diese zuvor abwertende Bezeichnungen einsetzten. Die Selbstbezeichnung entzieht den Diffamierenden die Macht &#252;ber die Repr&#228;sentation von Schwulen und Lesben. Die erfahrene Verletzung bleibt dadurch sichtbar. Dar&#252;ber hinaus war und ist die neue Bezeichnungspraxis eine Abgrenzung von Begriffen wie Homosexualit&#228;t und Gay. &#8216;Homosexualit&#228;t&#8217; ist stark in sexualwissenschaftlichen Diskursen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts verwurzelt und zitiert ein medizinisch biologistisches Bild von der oder dem Homosexuellen, das in den 1960er Jahren, als Gay (schwul/lesbisch) sich zunehmend durchsetzte, politisch verworfen wurde. Zwar war die Annahme, es gebe eine biologisch begr&#252;ndete Homosexualit&#228;t, urspr&#252;nglich zu Anfang des 20. Jahrhunderts auch als politischer Versuch unternommen worden, Homosexualit&#228;t theoretisch als etwas zu fassen, wof&#252;r niemand etwas &#8216;kann&#8217;. Jedoch wurde sich in den sp&#228;ten 1960ern immer mehr diesem Begriff verabschiedet. Diese Ablehnung beruht darauf, dass mit der Verwendung einer Bezeichnung auch ein ganz bestimmter Bedeutungshorizont zitiert wird und dieser zunehmend verschoben wurde:</p>
<p>&#8220;[D]er Weg von &#8216;homosexuell&#8217; &#252;ber &#8217;schwul&#8217; oder &#8216;lesbisch&#8217; zu &#8216;queer&#8217; (stellt) genau die Begriffe und Identifikationskategorien dar, mit denen gleichgeschlechtliches Begehren in der Regel gefa&#223;t wurde&#8221; (Jagose 2001: 97).</p>
<p>Jedoch meint er eben nicht das immer gleiche. In der Verschiebung der Bezeichnungen vollzieht sich auch eine Verschiebung dessen, was bezeichnet wird. Teresa de Lauretis formulierte 1991 als erste queer als Begriff f&#252;r eine kritische theoretische Auseinandersetzung mit nicht normgerechten Sexualit&#228;ten.</p>
<h3>Queer Theory &#8211; theoretische Positionen</h3>
<p>Queer Theory bildete sich also zum einen aus politischen K&#228;mpfen und zum anderen aus einer kritischen (Selbst-)Reflexion feministischer Theorien mit Methoden poststrukturalistischer Theorieans&#228;tze. Feministische Theorien hatten die Thematisierung von Begehrensformen und sexuellen Existenzweisen vernachl&#228;ssigt &#8211; die Anerkennung der Differenzen innerhalb der Gruppe der Frauen wird nun u.a. durch queere Positionen eingefordert.</p>
<p>Zentrale Elemente der Queer Theory sind die Betonung der Differenzen zwischen Frauen und die Problematisierung normativer Heterosexualit&#228;t. Judith Butler, die prominenteste Vertreterin queerer Theoriebildung, setzt sich 1991 in ihrem Werk Das Unbehagen der Geschlechter mit der Frage nach dem So-Geworden-Sein von gender auseinander. &#196;hnlich wie in <a href="file:///D:/html/institut/google/postkolonial.html">postkolonialen Theorien</a> die Hervorbringung einer sozialen Gruppe durch die Bezeichnung &#8216;Schwarz&#8217; betont wird, fasst Butler &#8216;gender&#8217; als Kategorie, deren Verwendungsweise erst das erzeugt, was sie scheinbar nur beschreibt. So geht Butler davon aus, dass diskursive Prozesse Geschlecht &#252;berhaupt erst als relevante Unterscheidungskategorie hervorbringen und dadurch &#8216;Geschlecht&#8217; erzeugen statt nur zu beschreiben. An dieser Produktion von Geschlecht sind auch &#8211; so ihre Kritik &#8211; feministische Theorien beteiligt, in dem sie Menschen in nur zwei Gruppen von M&#228;nnern und Frauen einteilen und deren Unterschiede zum Gegenstand ihrer Analysen machen. Dadurch wird das System der Zweigeschlechtlichkeit permanent erzeugt und hervorgebracht und gleichzeitig festgeschrieben und materialisiert. Zweigeschlechtlichkeit wird im Kontext queerer Theorieans&#228;tze als gewaltf&#246;rmiger Prozess verstanden, der ‚Andere&#8217; als konstitutives Au&#223;en, also als notwendige Bedingung f&#252;r die Herstellung eigener innerer Einheit produziert: Homosexualit&#228;t wird zum Anderen der Heterosexualit&#228;t, zur Abgrenzungsfolie und zur Vergewisserung der eigenen Normalit&#228;t und Nat&#252;rlichkeit.</p>
<p>Feministische Theorien m&#252;ssen sich der Herausforderung stellen, ihre eigenen Wissensproduktionen kritisch zu reflektieren und daf&#252;r auch die Positionen queerer Theoretiker_innen systematisch einbinden. So m&#252;ssen feministische Positionen sich stets die Frage gefallen lassen, ob und auf welche Weise sie (wenn auch ungewollt) das System heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit mit produzieren.</p>
<h3>Weiterf&#252;hrende Literatur</h3>
<ul>
<li>Butler, Judith (1991): Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt am Main.</li>
<li>Jagose, Annemarie (2001): Queer theory &#8211; Eine Einf&#252;hrung. Berlin.</li>
<li>Lauretis, Teresa de (1991): Queer Theory: Lesbian and Gay Sexualities. An Introduction. In: differences: A Journal of Feminist Cultural Studies: Queer Theory. Lesbian and Gay Sexualities, Vol. 3, No. 2, iii-xviii.</li>
<li><a title="Artikel von Volker Woltersdorff als PDF" href="http://www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Utopie_kreativ/156/156_woltersdorff.pdf">Woltersdorff, Volker (2003): Queer Theory und Queer Politics. In: UTOPIE kreativ, Heft 156, 914-923.</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Gender@Wiki &#8211; ein Fachwiki f&#252;r die deutschsprachige Frauen- und Geschlechterforschung</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/genderwiki/</link>
		<comments>http://www.feministisches-institut.de/genderwiki/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 Mar 2007 10:58:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 09.02.2007 ging das Gender@Wiki unter www.genderwiki.de online. Mit diesem Projekt, das aus einem studentischen Projekttutorium heraus entwickelt wurde, entsteht ein Informations- und Vernetzungsangebot f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung, mit dem sich aus feministischer und wissenschaftspolitischer Sicht sowie f&#252;r die Internetforschung und -gestaltung verschiedene interessante Chancen, Herausforderungen und Fragen ergeben...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Am 09.02.2007 ging das Gender@Wiki unter www.genderwiki.de online. Mit diesem Projekt, das aus einem studentischen Projekttutorium heraus entwickelt wurde, entsteht ein Informations- und Vernetzungsangebot f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung, mit dem sich aus feministischer und wissenschaftspolitischer Sicht sowie f&#252;r die Internetforschung und -gestaltung verschiedene interessante Chancen, Herausforderungen und Fragen ergeben.</strong></p>
<p>Am 09.02.2007 ging das Gender@Wiki unter <a title="Gender@Wiki" href="http://www.genderwiki.de/">www.genderwiki.de</a> offiziell online. Das Wiki soll f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung ein &#8220;kollaboratives Informations- und Vernetzungsangebot&#8221; sein. Studierende und Lehrende sind eingeladen, das Gender@Wiki aktiv mitzugestalten. Es soll als &#8220;ein virtueller Diskussionsraum bzw. als Onlineplattform eines Kommunikationsnetzwerkes genutzt werden, in dem der Austausch von Fachinformationen unter Ber&#252;cksichtigung der f&#252;r die Geschlechterforschung zentralen Kennzeichen (Kategorie Geschlecht, Inter- bzw. Transdisziplinarit&#228;t, Wissenschaftskritik, Wissenstransfer in die Praxis) m&#246;glich ist&#8221; (<a title="Gender@Wiki" href="http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Hauptseite">Gender@Wiki</a>). Dieses ambitionierte Projekt entstand im Rahmen eines studentischen Projekttutoriums an der Humboldt-Universit&#228;t zu Berlin. Die beteiligten Studierenden aus F&#228;chern wie Bibliothekswissenschaften und Gender Studies haben mittlerweile den Verein &#8220;Gender@Wiki &#8211; Gesellschaft zur F&#246;rderung von frei zug&#228;nglichem Fachwissen der Frauen- und Geschlechterstudien e.V.&#8221; (<a title="Foto der Gr&#252;ndungsgruppe Gender@Wiki" href="http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Bild:Gruendungsgruppe.jpg">Bild der Gruendungsgruppe</a>) gegr&#252;ndet. Seit der Er&#246;ffnung steigt die Zahl der Artikel kontinuierlich. Dabei finden sich dort nicht nur Artikel zu Begriffen und Themen, sondern auch zu AkteurInnen und Institutionen der Frauen- und Geschlechterforschung wie Forschungseinrichtungen, Bibliotheken, Stiftungen und Arbeitskreise.</p>
<p>&#196;hnlich wie bei der popul&#228;ren Online-Enzyklop&#228;die Wikipedia liegt die Idee dieses Projekts darin, dass Interessierte schnell Informationen und Entwicklungen in das Wiki einarbeiten und &#228;ndern k&#246;nnen. Das Gender@Wiki bietet Studierenden und Lehrenden gleichzeitig eine M&#246;glichkeit, ihre Schwerpunkte und Thesen an einem zentralen Ort abzubilden. Recherchierende haben dadurch die M&#246;glichkeit, sich einfach einen &#220;berblick zu verschaffen, welche Personen zu welchen Themen forschen. Zu jeder erstellten Seite geh&#246;rt eine Diskussionsseite, so dass strittige Punkte &#246;ffentlich diskutiert werden k&#246;nnen. Ver&#228;nderungen, die an einzelnen Beitr&#228;gen vorgenommen wurden, k&#246;nnen durch die Versionsgeschichte nachvollzogen werden. &#8220;Gemeinsames Arbeiten an einem Text f&#252;hrt zur Verwischung der Grenzen zwischen passivem Lesen und aktivem Erstellen und somit zu einem neuen Verst&#228;ndnis von Texten&#8221;, so die Projektgruppe (<a title="Portal Gender@Wiki" href="http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Gender@Wiki:Portal">Gender@Wiki: Portal</a>). Die Texte werden als kontinuierlich im Wandel und als unfertig und ver&#228;nderbar begriffen. Damit wird anerkannt, dass Wissen nichts Objektives, sondern Ergebnis umk&#228;mpfter Positionen und verhandelbar ist. Das Gender@Wiki stellt sich dadurch in die Tradition feministischer Erkenntniskritik.</p>
<p>Das Gender@Wiki ist aus unserer Sicht ein spannendes und unterst&#252;tzenswertes Projekt, da es verschiedene Chancen beinhaltet und interessante Fragen aufwirft. Zum Beispiel stellt es die zurzeit in der Wissenschaft &#252;bliche Publikationspraxis in Frage. Der wissenschaftliche Alltag ist gepr&#228;gt von der Notwendigkeit langer Publikationslisten, von Zeitknappheit und der Abgrenzung der eigenen Themen von denen anderer. Texte zu schreiben und bereitzustellen, die andere ver&#228;ndern k&#246;nnen, passt nicht wirklich in diese Logik. Spannend wird also sein zu beobachten, mit wie viel Engagement sich Studierende und Lehrende an der Mitgestaltung des Gender@Wiki beteiligen.</p>
<p>Interessant ist auch die Frage, inwiefern mit dem Gender@Wiki ein Raum entsteht, in dem es gelingt, Hierarchien des Wissenschaftssystems au&#223;er Kraft zu setzen. Es wird sich zeigen, ob es denkbar und m&#246;glich wird, dass Studierende Artikel von Lehrenden korrigieren, kritisieren und &#252;berarbeiten.</p>
<p>Zudem ist das Gender@Wiki ein viel versprechender Versuch der B&#252;ndelung, Strukturierung und Vernetzung frauen- und geschlechterpolitischer Informationen im Internet. Die vorfindbare F&#252;lle an Informationen im Internet ist gr&#246;&#223;tenteils unverbunden und dadurch sehr un&#252;bersichtlich. Informationen sind oft nicht leicht zu finden. Damit bleiben viele Websites lose Punkte ohne Netz. Mit dem Gender@Wiki kann es gelingen, die verstreuten Informationen und die zergliederte und vielf&#228;ltige Hochschul- und Universit&#228;tslandschaft im Feld der Frauen- und Geschlechterforschung zu vernetzen, transparenter und besser findbar zu machen. Gleichzeitig kann eine erfolgreiche Vernetzung zu einer St&#228;rkung der AkteurInnen nach au&#223;en f&#252;hren, was vor dem Hintergrund der vielerorts zu beobachtenden finanziellen K&#252;rzungen im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung nicht unwichtig ist.</p>
<p>Mit dem Gender@Wiki wird auch die Forderung nach feministischer Mitgestaltung von Technik umgesetzt. Neben vielen androzentrischen und sexistischen Inhalten entsteht damit ein Ort f&#252;r frauen- und geschlechterpolitische Themen im Internet. Gleichzeitig muss dar&#252;ber nachgedacht werden, inwiefern es sinnvoll ist, ein eigenes, separates Wiki f&#252;r die Frauen- und Geschlechterforschung zu er&#246;ffnen oder ob es nicht genauso wichtig w&#228;re, Mainstream-Angebote wie Wikipedia mit Inhalten der Frauen- und Geschlechterforschung zu f&#252;llen. Dass es ein solches Bed&#252;rfnis zu geben scheint, zeigt die schnelle &#220;bertragung einzelner Artikel von Gender@Wiki nach Wikipedia, die bereits kurz nach deren Ver&#246;ffentlichung erfolgte. Das Interessante am Internet ist, dass beides relativ unkompliziert gleichzeitig verwirklicht werden kann.</p>
<p>Dass es auf diese Fragen und Herausforderungen keine eindeutigen und klaren Antworten gibt, macht das Gender@Wiki zu einem spannenden und viel versprechenden Projekt f&#252;r die Frauen- und Geschlechter- sowie auch f&#252;r die Internetforschung. Bleibt zu hoffen, dass sich viele Studierende, Forschende und Lehrende an der Mitgestaltung beteiligen!</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Was haben Kopenhagener &#8220;Krawalle&#8221; mit dem 8. M&#228;rz zu tun? Ein Nachruf</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/frauentag/</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2007 10:25:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Groß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 5. M&#228;rz wurde in Kopenhagen im Stadtteil Norrebrø in der Jagtvej 69 das Ungdomshuset abgerissen. Nach dem Beginn der R&#228;umung des besetzten Hauses am 1. M&#228;rz kam es zu mehrt&#228;gigen Protesten und insgesamt etwa 700 Festnahmen. Das Ungdomshuset war ein Haus mit Geschichte: Unter anderem beschloss hier die II. Internationale Frauenkonferenz am 27. August 1910 die Einf&#252;hrung eines Internationalen Frauentages...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Am 5. M&#228;rz wurde in Kopenhagen im Stadtteil Norrebrø in der Jagtvej 69 das Ungdomshuset abgerissen. Nach dem Beginn der R&#228;umung des besetzten Hauses am 1. M&#228;rz kam es zu mehrt&#228;gigen Protesten und insgesamt etwa 700 Festnahmen. Das Ungdomshuset war ein Haus mit Geschichte: Unter anderem beschloss hier die II. Internationale Frauenkonferenz am 27. August 1910 die Einf&#252;hrung eines Internationalen Frauentages.</strong></p>
<p>Die II. Internationale Konferenz sozialistischer Frauen, an der 100 Delegierte aus 17 L&#228;ndern teilnahmen, beschloss auf Initiative von Clara Zetkin am 27. August 1910 in der Jagtvej 69 die Einf&#252;hrung eines j&#228;hrlichen Internationalen Frauentages. An diesem Tag sollte gemeinsam gegen Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung und f&#252;r das Frauenwahlrecht gek&#228;mpft werden. Unter den Besucherinnen der Konferenz waren auch Rosa Luxemburg und die Sozialdemokratin Nina Bang, die als erste Ministerin der Welt im Jahre 1924 d&#228;nische Erziehungsministerin wurde. In den Leitantr&#228;gen zur Konferenz schreibt Clara Zetkin:</p>
<p>&#8220;Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller L&#228;nder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation f&#252;r das Frauenwahlrecht dient. Die Forderung mu&#223; in ihrem Zusammenhang mit der ganzen Frauenfrage der sozialistischen Auffassung gem&#228;&#223; beleuchtet werden. Der Frauentag mu&#223; einen internationalen Charakter tragen und ist sorgf&#228;ltig vorzubereiten.&#8221; (<a title="Leitantr&#228;ge und Tagesordnung als PDF" href="http://www.tu-harburg.de/agentec/frauenkonferenz.pdf">Leitantr&#228;ge und Tagesordnung, PDF</a>, Seite 3)</p>
<p>Die Europ&#228;erInnen waren mit diesem Vorhaben nicht allein, denn auch nordamerikanische Sozialistinnen f&#252;hrten 1909 erstmals einen nationalen Frauenkampftag durch, um f&#252;r die Ideen des Sozialismus zu werben und das Frauenwahlrecht zu propagieren.</p>
<p>Mit dem Abriss des seit 1897 als &#8220;Arbejderpalads&#8221; bekannten Hauses in der Jagtvej 69 verliert nicht nur D&#228;nemark, sondern auch die feministische Bewegung ein geschichtstr&#228;chtiges Haus. Das erkl&#228;rt auch die vielen spontanen Solidarit&#228;tsaktionen und Demonstrationen, die in der vergangenen Woche in Helsinki, London, Istanbul, Warschau, Bern, Hamburg und anderen St&#228;dten stattgefunden haben.</p>
<p>Der Abriss ist von der religi&#246;sen Vereinigung &#8220;Faderhuset&#8221; durchgesetzt worden, in deren Besitz das Haus seit dem Jahre 2001 ist. Faderhuset ist eine als Sekte eingestufte Gruppe, die &#8211; &#228;hnlich wie andere religi&#246;se Gruppierungen &#8211; unter anderem gegen Homosexualit&#228;t, Abtreibung und Sex vor der Ehe mobil macht. Das Recht auf Abtreibung und der Kampf um sexuelle Selbstbestimmung sind genau die Themen, die neben den Forderungen nach Gleichberechtigung und dem Frauenwahlrecht f&#252;r die Frauenbewegung zentral waren und sind.</p>
<p>Dieser 8. M&#228;rz muss ohne das Ungdomshuset bestritten werden.</p>
<h3>Weiterf&#252;hrende Links:</h3>
<ul>
<li><a href="http://jungle-world.com/seiten/2007/10/9510.php">Elke Wittich: Jagtvej 69. Eine fundamentalistische Sekte erobert ein Haus mit linker Tradition. Der Protest gegen die Schlie&#223;ung des Kopenhagener Jugendzentrums hat eine lange Vorgeschichte, Jungle World 10, 2007</a></li>
<li><a href="http://www.frauennews.de/themen/taggesch.htm">Frauennews: Geschichte des Internationalen Frauentags<br />
</a></li>
<li><a href="http://de.indymedia.org/2007/03/169487.shtml">Indymedia: Ungdomshuset in Kopenhagen ger&#228;umt</a></li>
<li><a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,469850,00.html">Spiegel Online, 5.03.07: Ger&#228;umtes Jugendzentrum wird abgerissen</a></li>
</ul>
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