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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Haidy Damm</title>
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		<title>Wo das Meer die S&#246;hne verschlingt</title>
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		<comments>http://www.feministisches-institut.de/collectif/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2008 18:05:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Haidy Damm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Thiaroye-sur-mer. Der Name steht f&#252;r eine Trag&#246;die. Thiaroye-sur-Mer - kein anderer Ort im Senegal hat so viele Menschen auf dem Weg nach Europa verloren: Zwei Boote mit rund 170 &#252;berwiegend jungen M&#228;nnern aus dem fr&#252;heren Fischerdorf sind nie an ihrem Ziel angekommen. Ihre Pirogen sind irgendwo in der st&#252;rmischen See gekentert...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Thiaroye-sur-mer. Der Name steht f&#252;r eine Trag&#246;die. Thiaroye-sur-Mer &#8211; kein anderer Ort im Senegal hat so viele Menschen auf dem Weg nach Europa verloren: Zwei Boote mit rund 170 &#252;berwiegend jungen M&#228;nnern aus dem fr&#252;heren Fischerdorf sind nie an ihrem Ziel angekommen. Ihre Pirogen sind irgendwo in der st&#252;rmischen See gekentert.</strong></p>
<p>Einer der Verschollenen ist der Sohn von Aram Laye. Wenn sie an die Kanaren denkt, muss sie weinen. Die Inseln im Atlantik waren das Traumziel ihres Kindes. An diesen Str&#228;nden wollte er ankommen und aufbrechen in ein neues Leben. Es war vor etwas mehr als einem Jahr, als der 19-j&#228;hrige an der westafrikanischen K&#252;ste aufbrach. Im Morgengrauen stieg er in eine der bunt bemalten Pirogen und fuhr los. Seitdem gilt das Holzboot mit rund achtzig jungen M&#228;nnern an Bord als verschollen.</p>
<p>Anfangs ging Aram Laye jeden Morgen ans Meer. Starrte dorthin, wo das Wasser ihren Sohn genommen hatte. &#8220;Ich dachte, ich werde verr&#252;ckt&#8221;, sagt die 36-J&#228;hrige. Jetzt widersteht sie diesem inneren Zwang und trifft sich mit anderen Frauen im &#8220;Collectif des Femmes contre l&#8217;immigration clandestine&#8221;, einem Verband gegen die heimliche Migration. Dort haben alle die gleichen N&#246;te. Sie alle haben einen Sohn oder den Ehemann verloren.</p>
<p>Der Verlust bedeutet f&#252;r die Familien auch &#246;konomisch eine Katastrophe. Um die Reise zu finanzieren, hatten sie ihr Land, ihr Werkzeug und ihren Schmuck verkauft. Pl&#246;tzlich stehen sie vor dem Nichts. Doch das Leben muss weiter gehen, und deshalb gibt es das Kollektiv. Die Kehrtwende verdanken die Frauen der Gr&#252;nderin des Verbands, Yaye Bayam Diouf. Die energische Frau hat beinahe jede von ihnen pers&#246;nlich aus dem Zustand ohnm&#228;chtiger Trauer herausgeholt.</p>
<h3>Der Top-Ringer hilft den Frauen</h3>
<p>Alle vertrauen Diouf, denn auch sie hat einen Sohn, ihren einzigen, bei einer der &#220;berfahrten verloren. Zun&#228;chst ging die 48-J&#228;hrige ganz pragmatisch an die Sache heran. Die Frauen brauchten Geld f&#252;r ihren Lebensunterhalt. Selbsthilfe war das Gebot der Stunde. Deshalb verkaufen sie jetzt Couscous und Saft aus Hibiskusbl&#252;ten in den Stra&#223;en. Die Zutaten wie Hirse und Fr&#252;chte kaufen sie gemeinsam, jede von ihnen legt monatlich 1250 cFA, das sind knapp zwei Euro, in den gemeinsamen Topf. Abends wird der Lohn ausgezahlt: 1000 cFA bar auf die Hand. Der Rest des Gewinns wird angespart f&#252;r Notf&#228;lle und Kleinkredite. Au&#223;erdem plant der Verband weitere Arbeitspl&#228;tze zu schaffen.</p>
<p>Auch Aram Laye wurde finanziell unterst&#252;tzt. Sie arbeitet nachmittags im Kollektiv und freut sich, die anderen Frauen zu treffen. Morgens verkauft sie Baignets, kleine Hefeb&#228;llchen, die sie sp&#228;t abends noch vorbereiten muss. &#8220;Das ist viel Arbeit, aber ich habe das Gef&#252;hl, mein Leben wieder in der Hand zu haben.&#8221; Wenn sie die Trauer &#252;berf&#228;llt, gibt es immer eine, die zuh&#246;rt, die versteht.</p>
<p>Wenn die Frauen ihre K&#246;rbe voller Essen auf dem Kopf durch die Stra&#223;en tragen, nutzen sie viele kleine Gelegenheiten, &#252;ber ihr politisches Anliegen zu sprechen. Sie wollen andere M&#228;nner von der Reise mit den kleinen Pirogen abhalten. &#8220;Wir haben ja selbst unseren S&#246;hnen die Tickets nach Europa gekauft&#8221;, sagt Aby Samb traurig: &#8220;Einige sind ja auch dort angekommen, aber die meisten sind auf der Reise gestorben. Als wir das begriffen, haben wir versucht, den anderen Frauen zu sagen, wir m&#252;ssen diese Situation &#228;ndern, wir k&#246;nnen unsere S&#246;hne nicht weiter auf dem Meer sterben lassen.&#8221;</p>
<p>Innerhalb eines Jahres hat sich die Mitgliederzahl des Frauenkollektivs auf 550 verdreifacht. Alle in dieser Stadt sind betroffen. Die M&#252;tter hatten sie schnell auf ihrer Seite. Was aber tun, um ihre S&#246;hne zu behalten? Aby Samb, Generalsekret&#228;rin des Verbands, lacht: &#8220;Es ist bei uns ja wie &#252;berall auf der Welt, Kinder gehen ihre eigenen Wege und h&#246;ren irgendwann nicht mehr auf die Alten. Also versuchen wir, die Menschen auf unsere Seite zu ziehen, auf die sie h&#246;ren.&#8221; W&#228;hrend des Ramadan organisierte das Kollektiv ein Treffen zwischen Imamen und Jugendlichen, denn fast alle haben einen Marabout, einen islamischen Heiler, dem sie Vertrauen schenken. Bevor sich einer auf die Reise macht, fragt er ihn um Rat. Nach Ansicht der Frauen, kann der Rat nur lauten: Steig nicht in das Boot.</p>
<p>F&#252;r ihre Sache &#252;berzeugen konnten sie auch Baye Mandione Fall. &#8220;Kennen sie ihn nicht?&#8221;, fragt Aby Samb. &#8220;Er ist ein ber&#252;hmter Ringer. Wir organisieren Wettk&#228;mpfe und versuchen durch Stars wie ihn, den Jugendlichen zu erkl&#228;ren, dass man auch hier im Senegal eine Arbeit finden kann.&#8221; Ringkampf ist neben Fu&#223;ball eine der ganz gro&#223;en Sportarten im Senegal. Am Rande der K&#228;mpfe diskutiert Baye Mandione mit seinen Fans. &#8220;Selbst wenn einer keine gro&#223;en Chancen hat, ist das kein Grund, sein Leben zu riskieren&#8221;, erkl&#228;rt ihnen der 120-Kilo-Mann. Einige kann er &#252;berzeugen, wie den 20-j&#228;hrigen Fischer Gorgui: &#8220;Ich hatte mein Gep&#228;ck bereits vorbereitet. Aber nach der Diskussion habe ich mich entschieden zu bleiben. Vielleicht habe ich ja auch hier eine Chance.&#8221;</p>
<h3>Ohne Arbeit keine Perspektive</h3>
<p>Aber die meisten jungen M&#228;nner, die am Strand f&#252;r einen Job anstehen, warten weiter auf einen Platz in einem der Boote. Die M&#252;tter k&#246;nnen zwar moralischen Druck aufbauen, aber die finanzielle Situation ihrer erwachsenen S&#246;hne und T&#246;chter k&#246;nnen sie kaum ver&#228;ndern. Denn die bekommen keine regelm&#228;&#223;ige Arbeit und sie wollen ihren Familien nicht auf der Tasche liegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 48 Prozent. In Thiaroye-sur-Mer haben viele Fabriken geschlossen, der K&#252;stenboden gibt f&#252;r Landwirte kaum etwas her und das Meer, jahrhundertealte Haupteinnahmequelle, ist von europ&#228;ischen und japanischen Fangflotten leer gefischt.</p>
<p>Um Arbeit zu finden, wollen die jungen M&#228;nner bis nach Europa. Wie Mamadou Tall. Der 22-j&#228;hrige Fischer hatte die Chance ergriffen, als ihm ein freier Platz als Fahrer auf einem Boot angeboten wurde. Noch vor Marokko entdeckte sie ein Hubschrauber des Grenzschutzes. Kurz darauf wurden sie von der bewaffneten K&#252;stenwache aufgegriffen und zur&#252;ckgeschickt. Mit einem Boot w&#252;rde er nicht nochmal fahren, auch weil seine Mutter ihm ins Gewissen geredet hat. Jetzt hofft Mamadou Tall auf ein Flugticket nach Europa. &#8220;Warum d&#252;rfen unsere Jungs nicht legal einreisen? Warum k&#246;nnen sie nicht dort Geld verdienen, wo sie wollen? Ihr kommt doch auch hierher und fischt unsere Meere leer&#8221;, ruft eine H&#228;ndlerin, die am Strand Fische verkauft.</p>
<p>Es ist der Strand, den Aram Laye meidet. K&#246;nnte ihr zweiter Sohn sicher nach Europa fliegen, wie die Urlauber zu den Kanaren, w&#228;re sie beruhigt. Stattdessen versucht sie ihn von seiner geplanten Reise abzuhalten: &#8220;Geh nicht&#8221;, habe ich ihm gesagt. &#8220;Ich &#252;berlebe das nicht, wenn du auch stirbst.&#8221;</p>
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		<title>Wo das Meer die S&#246;hne verschlingt</title>
		<link>http://www.feministisches-institut.de/senegal/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Nov 2008 11:27:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Haidy Damm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Thiaroye-sur-mer. Der Name steht f&#252;r eine Trag&#246;die. Thiaroye-sur-Mer - kein anderer Ort im Senegal hat so viele Menschen auf dem Weg nach Europa verloren: Zwei Boote mit rund 170 &#252;berwiegend jungen M&#228;nnern aus dem fr&#252;heren Fischerdorf sind nie an ihrem Ziel angekommen. Ihre Pirogen sind irgendwo in der st&#252;rmischen See gekentert...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Thiaroye-sur-mer. Der Name steht f&#252;r eine Trag&#246;die. Thiaroye-sur-Mer &#8211; kein anderer Ort im Senegal hat so viele Menschen auf dem Weg nach Europa verloren: Zwei Boote mit rund 170 &#252;berwiegend jungen M&#228;nnern aus dem fr&#252;heren Fischerdorf sind nie an ihrem Ziel angekommen. Ihre Pirogen sind irgendwo in der st&#252;rmischen See gekentert.</strong></p>
<p>Einer der Verschollenen ist der Sohn von Aram Laye. Wenn sie an die Kanaren denkt, muss sie weinen. Die Inseln im Atlantik waren das Traumziel ihres Kindes. An diesen Str&#228;nden wollte er ankommen und aufbrechen in ein neues Leben. Es war vor etwas mehr als einem Jahr, als der 19-j&#228;hrige an der westafrikanischen K&#252;ste aufbrach. Im Morgengrauen stieg er in eine der bunt bemalten Pirogen und fuhr los. Seitdem gilt das Holzboot mit rund achtzig jungen M&#228;nnern an Bord als verschollen.</p>
<p>Anfangs ging Aram Laye jeden Morgen ans Meer. Starrte dorthin, wo das Wasser ihren Sohn genommen hatte. &#8220;Ich dachte, ich werde verr&#252;ckt&#8221;, sagt die 36-J&#228;hrige. Jetzt widersteht sie diesem inneren Zwang und trifft sich mit anderen Frauen im &#8220;Collectif des Femmes contre l&#8217;immigration clandestine&#8221;, einem Verband gegen die heimliche Migration. Dort haben alle die gleichen N&#246;te. Sie alle haben einen Sohn oder den Ehemann verloren.</p>
<p>Der Verlust bedeutet f&#252;r die Familien auch &#246;konomisch eine Katastrophe. Um die Reise zu finanzieren, hatten sie ihr Land, ihr Werkzeug und ihren Schmuck verkauft. Pl&#246;tzlich stehen sie vor dem Nichts. Doch das Leben muss weiter gehen, und deshalb gibt es das Kollektiv. Die Kehrtwende verdanken die Frauen der Gr&#252;nderin des Verbands, Yaye Bayam Diouf. Die energische Frau hat beinahe jede von ihnen pers&#246;nlich aus dem Zustand ohnm&#228;chtiger Trauer herausgeholt.</p>
<h3>Der Top-Ringer hilft den Frauen</h3>
<p>Alle vertrauen Diouf, denn auch sie hat einen Sohn, ihren einzigen, bei einer der &#220;berfahrten verloren. Zun&#228;chst ging die 48-J&#228;hrige ganz pragmatisch an die Sache heran. Die Frauen brauchten Geld f&#252;r ihren Lebensunterhalt. Selbsthilfe war das Gebot der Stunde. Deshalb verkaufen sie jetzt Couscous und Saft aus Hibiskusbl&#252;ten in den Stra&#223;en. Die Zutaten wie Hirse und Fr&#252;chte kaufen sie gemeinsam, jede von ihnen legt monatlich 1250 cFA, das sind knapp zwei Euro, in den gemeinsamen Topf. Abends wird der Lohn ausgezahlt: 1000 cFA bar auf die Hand. Der Rest des Gewinns wird angespart f&#252;r Notf&#228;lle und Kleinkredite. Au&#223;erdem plant der Verband weitere Arbeitspl&#228;tze zu schaffen.</p>
<p>Auch Aram Laye wurde finanziell unterst&#252;tzt. Sie arbeitet nachmittags im Kollektiv und freut sich, die anderen Frauen zu treffen. Morgens verkauft sie Baignets, kleine Hefeb&#228;llchen, die sie sp&#228;t abends noch vorbereiten muss. &#8220;Das ist viel Arbeit, aber ich habe das Gef&#252;hl, mein Leben wieder in der Hand zu haben.&#8221; Wenn sie die Trauer &#252;berf&#228;llt, gibt es immer eine, die zuh&#246;rt, die versteht.</p>
<p>Wenn die Frauen ihre K&#246;rbe voller Essen auf dem Kopf durch die Stra&#223;en tragen, nutzen sie viele kleine Gelegenheiten, &#252;ber ihr politisches Anliegen zu sprechen. Sie wollen andere M&#228;nner von der Reise mit den kleinen Pirogen abhalten. &#8220;Wir haben ja selbst unseren S&#246;hnen die Tickets nach Europa gekauft&#8221;, sagt Aby Samb traurig: &#8220;Einige sind ja auch dort angekommen, aber die meisten sind auf der Reise gestorben. Als wir das begriffen, haben wir versucht, den anderen Frauen zu sagen, wir m&#252;ssen diese Situation &#228;ndern, wir k&#246;nnen unsere S&#246;hne nicht weiter auf dem Meer sterben lassen.&#8221;</p>
<p>Innerhalb eines Jahres hat sich die Mitgliederzahl des Frauenkollektivs auf 550 verdreifacht. Alle in dieser Stadt sind betroffen. Die M&#252;tter hatten sie schnell auf ihrer Seite. Was aber tun, um ihre S&#246;hne zu behalten? Aby Samb, Generalsekret&#228;rin des Verbands, lacht: &#8220;Es ist bei uns ja wie &#252;berall auf der Welt, Kinder gehen ihre eigenen Wege und h&#246;ren irgendwann nicht mehr auf die Alten. Also versuchen wir, die Menschen auf unsere Seite zu ziehen, auf die sie h&#246;ren.&#8221; W&#228;hrend des Ramadan organisierte das Kollektiv ein Treffen zwischen Imamen und Jugendlichen, denn fast alle haben einen Marabout, einen islamischen Heiler, dem sie Vertrauen schenken. Bevor sich einer auf die Reise macht, fragt er ihn um Rat. Nach Ansicht der Frauen, kann der Rat nur lauten: Steig nicht in das Boot.</p>
<p>F&#252;r ihre Sache &#252;berzeugen konnten sie auch Baye Mandione Fall. &#8220;Kennen sie ihn nicht?&#8221;, fragt Aby Samb. &#8220;Er ist ein ber&#252;hmter Ringer. Wir organisieren Wettk&#228;mpfe und versuchen durch Stars wie ihn, den Jugendlichen zu erkl&#228;ren, dass man auch hier im Senegal eine Arbeit finden kann.&#8221; Ringkampf ist neben Fu&#223;ball eine der ganz gro&#223;en Sportarten im Senegal. Am Rande der K&#228;mpfe diskutiert Baye Mandione mit seinen Fans. &#8220;Selbst wenn einer keine gro&#223;en Chancen hat, ist das kein Grund, sein Leben zu riskieren&#8221;, erkl&#228;rt ihnen der 120-Kilo-Mann. Einige kann er &#252;berzeugen, wie den 20-j&#228;hrigen Fischer Gorgui: &#8220;Ich hatte mein Gep&#228;ck bereits vorbereitet. Aber nach der Diskussion habe ich mich entschieden zu bleiben. Vielleicht habe ich ja auch hier eine Chance.&#8221;</p>
<h3>Ohne Arbeit keine Perspektive</h3>
<p>Aber die meisten jungen M&#228;nner, die am Strand f&#252;r einen Job anstehen, warten weiter auf einen Platz in einem der Boote. Die M&#252;tter k&#246;nnen zwar moralischen Druck aufbauen, aber die finanzielle Situation ihrer erwachsenen S&#246;hne und T&#246;chter k&#246;nnen sie kaum ver&#228;ndern. Denn die bekommen keine regelm&#228;&#223;ige Arbeit und sie wollen ihren Familien nicht auf der Tasche liegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 48 Prozent. In Thiaroye-sur-Mer haben viele Fabriken geschlossen, der K&#252;stenboden gibt f&#252;r Landwirte kaum etwas her und das Meer, jahrhundertealte Haupteinnahmequelle, ist von europ&#228;ischen und japanischen Fangflotten leer gefischt.</p>
<p>Um Arbeit zu finden, wollen die jungen M&#228;nner bis nach Europa. Wie Mamadou Tall. Der 22-j&#228;hrige Fischer hatte die Chance ergriffen, als ihm ein freier Platz als Fahrer auf einem Boot angeboten wurde. Noch vor Marokko entdeckte sie ein Hubschrauber des Grenzschutzes. Kurz darauf wurden sie von der bewaffneten K&#252;stenwache aufgegriffen und zur&#252;ckgeschickt. Mit einem Boot w&#252;rde er nicht nochmal fahren, auch weil seine Mutter ihm ins Gewissen geredet hat. Jetzt hofft Mamadou Tall auf ein Flugticket nach Europa. &#8220;Warum d&#252;rfen unsere Jungs nicht legal einreisen? Warum k&#246;nnen sie nicht dort Geld verdienen, wo sie wollen? Ihr kommt doch auch hierher und fischt unsere Meere leer&#8221;, ruft eine H&#228;ndlerin, die am Strand Fische verkauft.</p>
<p>Es ist der Strand, den Aram Laye meidet. K&#246;nnte ihr zweiter Sohn sicher nach Europa fliegen, wie die Urlauber zu den Kanaren, w&#228;re sie beruhigt. Stattdessen versucht sie ihn von seiner geplanten Reise abzuhalten: &#8220;Geh nicht&#8221;, habe ich ihm gesagt. &#8220;Ich &#252;berlebe das nicht, wenn du auch stirbst.&#8221;</p>
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