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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Birgit Riegraf</title>
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		<title>Feminismus is en vogue! Aber welcher Feminismus?</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Dec 2007 18:54:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Birgit Riegraf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Jahrelang galt Feminismus in Deutschland als Schimpfwort. Seit einiger Zeit entdecken die Medien das Label "Feminismus" f&#252;r ihre Titelseiten. "Wir brauchen einen neuen Feminismus" forderte unl&#228;ngst die "Zeit". Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin f&#252;hlt sich berufen, eine "Streitschrift f&#252;r einen neuen Feminismus" zu verfassen. Ursula von der Leyen findet in einer Ausgabe der FAZ von 2007 "Konservativer Feminismus" eine spannende Wortpr&#228;gung. Die Forderung nach einem "neuen" Feminismus wird diskussions- und salonf&#228;hig. Einen Vorwand und den Kontrapunkt daf&#252;r liefert Eva Herman, die penetrant verk&#252;ndet, dass die Frau ins Heim zu Kind und Mann geh&#246;rt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Jahrelang galt Feminismus in Deutschland  als Schimpfwort. Seit einiger Zeit entdecken die Medien das Label                  &#8220;Feminismus&#8221; f&#252;r ihre Titelseiten. &#8220;Wir brauchen einen neuen Feminismus&#8221; forderte unl&#228;ngst die &#8220;Zeit&#8221;. Die                  FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin f&#252;hlt sich berufen, eine &#8220;Streitschrift f&#252;r einen neuen Feminismus&#8221; zu                  verfassen. Ursula von der Leyen findet in einer Ausgabe der FAZ von 2007 &#8220;Konservativer Feminismus&#8221; eine                  spannende Wortpr&#228;gung. Die Forderung nach einem &#8220;neuen&#8221; Feminismus wird diskussions- und salonf&#228;hig. Einen                  Vorwand und den Kontrapunkt daf&#252;r liefert Eva Herman, die penetrant verk&#252;ndet, dass die Frau                  ins Heim zu Kind und Mann geh&#246;rt.</strong></p>
<p>In der Diskussion &#252;ber den &#8220;neuen&#8221; Feminismus findet eine Auseinandersetzung um die Definition des Begriffs statt. Das Zerrbild eines &#8220;alten&#8221; Feminismus wird gezeichnet, der als Abgrenzungsfolie herhalten muss, um die Konturen des &#8220;neuen&#8221; Feminismus zeichnen zu k&#246;nnen. Das Bild des &#8220;alten&#8221; Feminismus wird wie folgt gemalt: Er sei eng verwoben mit einer radikalen Frauenbewegung, deren Forderungen und Strategien als &#252;berholt gelten und schon allein aus diesem Grunde abzulehnen sind. Im &#8220;alten&#8221; Feminismus h&#228;tten M&#228;nner generell als Aggressoren gegolten, Heterosexualit&#228;t sei als das grundlegende &#220;bel aller Diskriminierung identifiziert worden und Frauen, die den Lippenstift aus der Tasche holten, seien als Teil des Patriarchats diskreditiert worden (Dorn 2006, S. 36f). Eines haben alle die aufgef&#252;hrten Beitr&#228;ge &#252;ber einen &#8220;neuen&#8221; Feminismus gemeinsam: Zu Eva Hermans r&#252;ckw&#228;rtsgewandter Vision von Weiblichkeit will keine der Vertreterinnen zur&#252;ck. Aber auch keine der Protagonistinnen will Teil einer Frauenbewegung sein, als deren abschreckende Vertreterin immer wieder Alice Schwarzer zitiert wird.</p>
<p>Aber was zeichnet nun den proklamierten &#8220;neuen&#8221; Feminismus aus, der sich jenseits traditioneller Geschlechterbilder und der Frauenbewegung verorten m&#246;chte? Worin genau unterscheidet er sich vom &#8220;alten&#8221; Feminismus? Zun&#228;chst einmal zeigt die gegenw&#228;rtige Diskussion um den Feminismus, dass einige Themen der Frauenbewegung in der breiten Gesellschaft angekommen sind. Forderungen, wie die nach mehr Krippenpl&#228;tze f&#252;r Kinder oder die Aufhebung der Unterrepr&#228;sentanz von Frauen in F&#252;hrungspositionen finden sich in den Programmen von Parteien und Gewerkschaften wieder und werden in der politischen Sph&#228;re verhandelt. Die Diskussion zeigt aber auch, dass die Ungleichheiten innerhalb der Gruppe der Frauen durch die Eroberung neuer gesellschaftlicher R&#228;ume und Positionen noch gr&#246;&#223;er geworden sind. Die Interessen sind heute so vielf&#228;ltig geworden, dass nicht nur ein gemeinsames &#8220;Wir&#8221; abhanden gekommen ist oder sich zumindest nicht mehr einfach finden l&#228;sst, sondern dass auch Koalitionen jenseits der Geschlechtergrenzen gew&#228;hlt werden und Abgrenzungen deutlich gezogen werden, um eigene Karriereninteressen in Parteien oder Medien nicht zu gef&#228;hrden.</p>
<p>Die &#246;ffentliche und medienwirksame Diskussion &#252;ber den &#8220;neuen&#8221; Feminismus&#8221; wird von erfolgreichen Politikerinnen, Schriftstellerinnen oder Managerinnen und nicht von Migrantinnen, Hartz IV Empf&#228;ngerinnen oder von Besch&#228;ftigten auf schlecht bezahlten Erwerbsarbeitspl&#228;tzen im Dienstleistungssektor dominiert. Politikerinnen, Schriftstellerinnen oder Managerinnen sind darin ge&#252;bt, ihre Interessen in einer breiten &#214;ffentlichkeit rhetorisch geschickt zu vertreten und sie sind aus diesem Grunde in der Lage den Begriff des Feminismus in eine breite &#214;ffentlichkeit zu tragen und ganz in ihrem Interesse inhaltlich (neu) zu definieren. Themen dieses &#8220;neuen&#8221; Feminismus sind die Vereinbarkeit zwischen Karriere und Beruf oder Karrierebarrieren, wie Seilschaften und Feierabendb&#252;ndnisse zwischen M&#228;nnern. Sie sind Ausdruck der Lebenssituation und der Interessen dieser vergleichsweise privilegierten Gruppen, die nichts zu tun haben m&#246;chten mit einer Frauenbewegung, die mit &#8220;.verbrannten BHs und Frauen-Lesben-Referaten und der Verteufelung der Heterosexualit&#228;t&#8221; (Dorn 2006) in Verbindung gebracht wird. Dass es sich hierbei keineswegs um eine angemessene Beschreibung der Frauenbewegung handelt und dass diese Bewegung die Grundlage f&#252;r die Erfolge derjenigen Frauen legte, die sich nun medienwirksam zu Wort melden, scheint dabei nicht zu st&#246;ren.</p>
<p>Die FDP-Politikerinnen Silvana Koch-Mehrin m&#246;chte f&#252;r einen Feminismus einstehen, der sich &#8220;nicht gegen die Herrschaft des Mannes&#8221; wendet, sondern &#8220;die Freiheit der Frau&#8221; fordert. Aus ihrer Sicht verlaufen &#8220;die Konfliktlinien unabh&#228;ngig vom Geschlecht zwischen denjenigen, die eine Gesellschaft wollen, in denen sich M&#228;nner und Frauen auf Augenh&#246;he begegnen, und denen, die an vorgefertigten Rollenbildern kleben&#8221;. Sie grenzt sich gegen einen &#8220;alten&#8221; Feminismus ab, der angeblich jeden Mann als Aggressor betrachtet. Sie versteht sich auch nicht als Mitglied der Frauenbewegung, der sie zuschreibt, dass sie sich vorwiegend &#252;ber einen Opferstatus definiert (Oestreich/ Schmitt 2007). Als Opfer will sich Silvana Koch-Mehrin auf keinen Fall verstehen (Hark/ Kerner 2007). Feminismus hei&#223;t in ihrer Version, Frauen &#252;ber mehr Krippenpl&#228;tze Wahlfreiheiten in Bezug auf Kinder und Karriere zu bietet, ohne dass berufst&#228;tige Frauen stigmatisiert werden. Ganz im Sinne des liberalen Parteiprogramms w&#252;nscht sie sich auch, dass das Leistungsprinzip durch das m&#228;nnliche Kungelprinzip ersetzt werden soll, um Frauen echte Karrierenm&#246;glichkeiten zu bieten.</p>
<p>Themen jenseits der Vereinbarkeitsproblematik und Fragen des beruflichen Aufstiegs, wie sexuelle Ausbeutung, Migration, prek&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse oder Gewaltverh&#228;ltnisse bleiben im Forderungskatalog des &#8220;neuen&#8221; Feminismus bislang Leerstellen. Wer diese Themen dennoch entschlossen auf die Tagesordnung setzt, als Bestandteil feministischer Forderungen sehen m&#246;chte und sie gegebenenfalls in einer Frauenbewegung mit Mitteln jenseits traditioneller partei- oder unternehmenspolitischer Strategien durchsetzen m&#246;chte, l&#228;uft schnell Gefahr eben von den &#8220;neuen&#8221; Feministinnen als Vertreterin des &#8220;alten&#8221; Feminismus diskreditiert zu werden, dessen Errungenschaften in der Vergangenheit fallweise zwar durchaus gew&#252;rdigt werden, aber dessen inhaltliche Forderungen und politische Strategien als verstaubt und antiquiert hingestellt werden.</p>
<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Oestreich, Heide/ Schmitt, Cosima (2007): U&#228;h, die ist Feministin!, TAZ 08.03. 2007</li>
<li> Thea Dorn (Hg.) (2006): Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird, M&#252;nchen</li>
<li> Hark, Sabine/ Kerner, Ina (2007) Der Feminismus ist tot? Es lebe der Feminismus! Das &#8220;False Feminist Death-Syndrome&#8221;, http://www.querelles-net.de/forum/forum21/harkkerner.shtml</li>
<li> Silvana Koch-Mehrin (2007). Schwestern &#8211; Streitschrift f&#252;r einen neuen Feminismus, Berlin</li>
</ul>
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