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	<title>Feministisches Institut Hamburg &#187; Angela Tillmann</title>
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		<title>LizzyNet &#8211; eine Bildungsgelegenheit f&#252;r M&#228;dchen im Internet</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 11:07:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Angela Tillmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Internet stellt viele Bildungsgelegenheiten f&#252;r Jugendliche bereit. Es ist jedoch nach wie vor nicht f&#252;r alle Bev&#246;lkerungsgruppen gleicherma&#223;en attraktiv und zug&#228;nglich. So werden M&#228;dchen und Frauen immer noch mit Schlie&#223;ungsmechanismen konfrontiert und wenig bei der Aneignung des Mediums unterst&#252;tzt. Zudem treffen sie dort auf zielgruppenspezifische kommerzielle Angebote, die in erster Linie Stereotype bedienen. Abhilfe schafft hier ein Angebot - LizzyNet -, das ausschlie&#223;lich f&#252;r M&#228;dchen konzipiert wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, Kompetenzen von M&#228;dchen zu f&#246;rdern, ihr Selbstwertgef&#252;hl zu st&#228;rken und ihren Handlungsspielraum zu erweitern...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><strong>Das Internet stellt viele Bildungsgelegenheiten f&#252;r Jugendliche bereit. Es ist jedoch nach wie                 vor nicht f&#252;r alle Bev&#246;lkerungsgruppen gleicherma&#223;en attraktiv und zug&#228;nglich. So werden                 M&#228;dchen und Frauen immer noch mit Schlie&#223;ungsmechanismen konfrontiert und wenig bei der                 Aneignung des Mediums unterst&#252;tzt. Zudem treffen sie dort auf zielgruppenspezifische                 kommerzielle Angebote,                 die in erster Linie Stereotype bedienen. Abhilfe schafft hier ein Angebot &#8211;                 <a href="http://www.lizzynet.de/">LizzyNet</a> -, das ausschlie&#223;lich f&#252;r                 M&#228;dchen konzipiert wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, Kompetenzen von M&#228;dchen zu                 f&#246;rdern, ihr Selbstwertgef&#252;hl zu st&#228;rken und ihren Handlungsspielraum zu erweitern.</strong></p>
<p>Die Auseinandersetzung mit und &#252;ber Medien ist im h&#246;chsten Ma&#223;e identit&#228;ts- und bildungsrelevant. Insbesondere die seit Anfang der 1980er Jahre gegr&#252;ndeten Online-Communitys als auch die neuen partizipativen Beteiligungsformen des Web 2.0 laden zur Artikulation und Reflexion eigener Erfahrungen und gemeinsamen Wissensproduktion ein. Dieses Bildungspotential des Internet ist jedoch zun&#228;chst nicht allen Bev&#246;lkerungsgruppen gleicherma&#223;en zug&#228;nglich &#8211; dies verdeutlichen die geringeren Nutzungszahlen von M&#228;dchen und Frauen von Beginn an. Bis heute lassen sich Unterschiede bei der Ausstattung mit Rechnern und der Nutzungsintensit&#228;t feststellen (<a href="http://www.mpfs.de/index.php?id=110">JIM-Studie 2007</a>). Erkl&#228;rt werden kann dies damit, dass Technik innerhalb der Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit immer noch einen gender-differenzierenden Faktor darstellt. Technik- oder Computer-begeisterten M&#228;dchen f&#228;llt es schwerer, sich &#8220;weiblich&#8221; zu positionieren (Klaus/Pater/Schmidt 1997). Sie k&#246;nnen sich (zumal vor Jungen) kaum damit schm&#252;cken, in Sachen neue Technologien besonders firm zu sein. Dies f&#252;hrt eher zu Gender-Verwirrungen, die in einer heteronormativ ausgerichteten Welt die Suche nach einer ersten Beziehung deutlich erschweren. Zudem l&#228;sst sich im Internet weiterhin ein Verteilungskampf um attraktive Online-R&#228;ume beobachten, der in Form von Schlie&#223;ungsmechanismen gef&#252;hrt wird, die sich z.B. in Form von herabw&#252;rdigenden &#196;u&#223;erungen gegen&#252;ber M&#228;dchen/Frauen, der Infragestellung von technischem Knowhow bei M&#228;dchen/Frauen und den ausschlie&#223;lich an m&#228;nnlichen Bed&#252;rfnissen sich orientierenden Kommunikationsinhalten &#228;u&#223;ert (Schachtner/Duval 2004). Auch eignet sich das &#220;berangebot an pornographischen und sexistischen Angeboten wenig dazu, das Internet f&#252;r M&#228;dchen und Frauen attraktiver zu machen. Zielgruppenspezifische Internetseiten, die sich explizit an M&#228;dchen oder Jugendliche richten, sind meist kommerziell ausgerichtet und bedienen weiterhin Stereotype, wie z.B. die romantische heterosexuelle Liebe, das Sch&#246;nheitsideal, einseitige Kleidungsnormen usw. Diese Angebote laden nicht zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtsidentit&#228;t und Welt ein. Ein Angebot, das versucht, den M&#228;dchen und jungen Frauen eine Alternative zu bieten, ist <a href="http://www.lizzynet.de/">LizzyNet</a>.</p>
<h3>LizzyNet &#8211; Ein Angebot nur f&#252;r M&#228;dchen</h3>
<p>LizzyNet, urspr&#252;nglich Anfang 2000 von Schulen ans Netz e.V. gegr&#252;ndet, zu Beginn diesen Jahres dann an die Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg (MDS) &#252;bergeben, nimmt von der Konzeption und Anlage her Bezug auf sozialkonstruktivistische Gender-Theorien. Es kn&#252;pft, da es sich ausschlie&#223;lich an M&#228;dchen richtet, allerdings auch an differenztheoretisch begr&#252;ndete Prinzipien der M&#228;dchenarbeit an. Dabei wird nicht angenommen, dass M&#228;dchen einen anderen Nutzungsstil haben, vielmehr stellt LizzyNet den M&#228;dchen einen gesch&#252;tzten Raum zur Verf&#252;gung, in dem sie ihren eigenen individuellen Nutzungsstil entwickeln und weiter ausdifferenzieren k&#246;nnen. In einem geschlechtshomogenen Raum werden 12- bis 18-j&#228;hrige M&#228;dchen verschiedene Angebote zur Auseinandersetzung mit sich und der Welt gemacht. Es geht darum, Kompetenzen von M&#228;dchen zu f&#246;rdern, ihr Selbstwertgef&#252;hl zu st&#228;rken und ihren Handlungsspielraum, insbesondere im Umgang mit dem Computer und Internet, als auch ihr berufliches Spektrum zu erweitern. Die M&#228;dchen finden bei LizzyNet Artikel von Redakteurinnen und Userinnen aus den Bereichen K&#246;rper, Politik, (Pop-)Kultur, Forschung und Internet sowie verschiedene M&#246;glichkeiten zur aktiven Teilnahme (z.B. Wettbewerbe), ein umfangreiches Kommunikationsangebot (E-Mail, Chat, Foren, Clubs), zahlreiche Online-Kurse und -Spiele sowie Tipps zum genussvollen Surfen als auch Informationen und Tricks f&#252;r die Berufsfindung und Bewerbung. Unterst&#252;tzt werden die M&#228;dchen in ihren Aktivit&#228;ten von erfahrenen Nutzerinnen &#8211; den LizzyScouts &#8211; und der Redaktion.</p>
<h3>Die Faszination des Netzwerks f&#252;r M&#228;dchen</h3>
<p>Im Rahmen einer Studie und damit zahlreichen Interviews und Beobachtungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, wurde deutlich, dass das Angebot seinen besonderen Reiz f&#252;r die M&#228;dchen erh&#228;lt, da es &#8220;Spa&#223;&#8221; verspricht und eine zun&#228;chst sehr unverbindliche und damit offene Ann&#228;herung erm&#246;glicht. Ein weiterer &#8211; noch wesentlicherer &#8211; Grund daf&#252;r, warum die M&#228;dchen dabei bleiben und sich in Folge engagiert einbringen, liegt an der m&#228;dchenspezifischen Ausrichtung des Angebots. M&#228;dchen werden im Alltag mit anderen Themen und Problemen konfrontiert als Jungen, da sich ihre gesellschaftlich normierten Handlungsaufgaben im Hinblick auf Risiken und Handlungsspielr&#228;ume anders angehen und bew&#228;ltigen. Dementsprechend haben sie unter M&#228;dchen eher &#8220;das Gef&#252;hl, die Leute verstehen einen&#8221; (Lizzy, 19 Jahre). Des Weiteren sch&#228;tzen die M&#228;dchen auf LizzyNet den Schutz vor sexuellen Bel&#228;stigungen und abwertenden (m&#228;nnlichen) Kommentaren, der es ihnen erm&#246;glicht, sich sehr offen mit ihren Themen &#8211; ihrer Geschlechtsidentit&#228;t &#8211; auseinander zusetzen. Denn sonst w&#252;rde es &#8220;gerade auch in den Chats losgehen wie in &#246;ffentlichen Chatrooms, so Jungs M&#228;dels Sachen. Und ja, vielleicht k&#246;nnte man auch nicht mehr so offen miteinander umgehen wie M&#228;dels untereinander&#8221; (Lizzy, 16 Jahre). Des Weiteren weisen die M&#228;dchen auf die vielf&#228;ltigen Partizipationsm&#246;glichkeiten im Netzwerk hin und stellen die besondere Bedeutung der medienp&#228;dagogische Betreuung heraus. Sie sch&#228;tzen die spezifische Auswahl und Aufbereitung an Themen. Zudem garantieren die Redakteurinnen eine kontinuierliche Unterst&#252;tzung in fachlichen (HTML-Kurs) als auch pers&#246;nlichen Fragen: &#8220;Die sind einfach super, auf jeden Fall. Die sind halt da, wenn irgendetwas ist, dann kann man die ansprechen und das ist voll sch&#246;n. Das sind irgendwie die Eltern in der gro&#223;en Familie&#8221; (Lizzy, 16 Jahre).</p>
<h3>Identit&#228;tsarbeit im Internet &#8211; nur f&#252;r M&#228;dchen?</h3>
<p>Die Studie hat gezeigt, wie wichtig geschlechtshomogene und nicht-kommerzielle R&#228;ume im Internet sind. Sie erm&#246;glichen es, dass M&#228;dchen in einem sicheren und nicht gewinnorientierten Umfeld ihre Leidenschaften, Interessen und Sorgen aber auch ihr Expertinnentum auf pers&#246;nlichen Websites, Fanpages oder Blogs, per E-Mail, Foren, Chats oder in der Online-Zeitung (LizzyPress) f&#252;r andere darstellen und diskutieren. In der Auseinandersetzung mit anderen M&#228;dchen sichern sie ihren Lebensstil ab, teilen ihre aktuellen Schulprobleme, Zukunfts&#228;ngste und Unsicherheiten mit dem eigenen K&#246;rper, diskutieren &#252;ber heterosexuelle Umgangsformen und pr&#228;sentieren auf vielf&#228;ltige Weise ihre Medienkompetenz. Dabei sind sie immer auf der Suche nach Anerkennung, machen also Beziehungsangebote in Foren, versehen ihre Websites mit einem G&#228;stebuch, beteiligen sich am Button-Tausch, nehmen an Wettbewerben teil usw. Die R&#252;ckmeldungen dienen dabei nicht nur der Selbstbest&#228;tigung, sondern auch zur Kontaktaufnahme und Vernetzung. Mit anderen Worten: M&#228;dchen partizipieren auf vielf&#228;ltige Art und Weise &#8211; und erweitern auf diese Weise ihren bisherigen Identit&#228;tsspielraum.</p>
<p>K&#246;nnen wir uns ein solches Angebot auch f&#252;r Jungen denken? Wie m&#252;sste es konzipiert sein? Als Ankn&#252;pfungspunkte, um das Interesse der Jungen zu wecken, dr&#228;ngen sich einige Themen auf: Computerspiele, Sport &#8211; v.a. Fu&#223;ball, Autos, Artikel zu Sachthemen usw. Jungen m&#252;sste allerdings &#8211; als Pendant zu dem p&#228;dagogisch-politischen Auftrag von LizzyNet &#8211; weniger die Scheu vor der (neuen) Technologie genommen oder das Berufspektrum hin zu technischen Berufen erweitert werden, Ziel m&#252;sste es vielmehr sein, deren Lese- und vielleicht Sozialkompetenz zu f&#246;rdern und ihr Berufsspektrum in Richtung soziale Berufe zu erweitern. W&#252;rden sich Jungen in einem solchen Netzwerk wohlf&#252;hlen und dauerhaft engagieren? Eine gewisse Skepsis bleibt, womit erneut deutlich wird, dass sich das Geschlechterverh&#228;ltnis weiterhin als ein hierarchisches darstellt, in dem &#8220;m&#228;nnliche&#8221; Attribute erstrebenswerter erscheinen als &#8220;weibliche&#8221;. Aber vielleicht w&#228;re es ja trotzdem einen Versuch wert…</p>
<div>
<hr /></div>
<h3>Literatur</h3>
<ul>
<li>Klaus, E. / Pater, M. / Schmidt, U. C. (1997): Das Gendering neuer Technologien. Durchsetzungsprozesse alter und neuer Kommunikationstechnologien. In: Das Argument, 39. Jg., 223, S. 803-818</li>
<li>Schachtner, C. / Duval, B. (2004): Virtuelle Frauenr&#228;ume: Wie M&#228;dchen und Frauen im Netz-Medium Platz nehmen. In: Kahlert, H. / Kajatin, C. (Hrsg.): Arbeit und Vernetzung im Informationszeitalter. Wie neue Technologien die Geschlechterverh&#228;ltnisse ver&#228;ndern. Frankfurt a. M.: S. 279-298</li>
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